Montag, 31. Mai 2010

Liebe Frau Bundeskanzlerin,

mit Bedauern habe ich soeben erfahren, dass unser Bundespräsident Köhler das Handtuch geworfen hat. Es hat mich tief berührt, da er doch so ein feiner Mensch in seinem Amt gewesen war. Aber ich will nicht weinen, das politische Leben muss weitergehen.

Ich gehöre einer netten Schriftstellergemeinschaft an, die mit dem Blog „Ein Buch lesen“ vertreten ist. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft sind einstimmig dafür, dass ich mich für das Amt einer Bundespräsidentin bewerbe. Sie halten mich für würdig, seriös und kultiviert in der Aussprache.

Ich würde mich freuen, wenn Sie, liebe Frau Bundeskanzlerin, mich in die engere Wahl einbeziehen würden.
So von Frau zu Frau, wenn ich mal so sagen darf.

Ich erwarte voller Ungeduld und Hoffnung Ihre Antwort!


Herzlichst
Ihre Rita Hajak


http://nachrichten.t-online.de/koehler-ruecktritt-kandidatensuche-im-eilverfahren-/id_41846108/index

Sonntag, 30. Mai 2010

20 »Vom Kandelaber zum Riesen der Atacamawüste«

Teil 20 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Der Kandelaber von Pisco ist am besten aus einer Distanz von etwa einem halben Kilometer vom Meer aus zu sehen. Vom Boot aus wirkt das Zeichen im Wüstenboden wie eine Fata Morgana... wie eine Botschaft aus grauer Vorzeit. Man staunt über die wuchtige Größe, die doch zugleich so seltsam filigran auf den Besucher wirkt. Vor vielen Jahrhunderten wurde dieses Kunstwerk geschaffen. Es hat die Zeiten überdauert.


Steht man aber direkt am Fuße der eigenartigen Geoglyphe, so erkennt man so gut wie nichts von dem Riesenbild. Man erahnt nur, was aus der Distanz als Gesamtbild gesehen wird. Man vermutet da und dort Linien, aber diese Linien scheinen kein sinnvolles Bild zu ergeben.

Die Mittelachse des Kandelabers besteht aus einer nur etwa fünfzig Zentimeter tiefen und bis zu fünf Meter breiten Furche. Diese Furche wird rechts und links von einem kleinen »Wall« umrandet.


Handelt es sich um eine steinerne Einfassung? Hart wie Stein ist sie jedenfalls... hart wie Stein ist auch der Boden der seichten Furche. Stein scheint es aber nicht zu sein, sondern eher von der Hitze festgebackener Sand. Wirklich geradlinig verläuft diese Umrandung weder bei der Mittelachse, noch bei den beiden schmaleren kleineren äußeren »Säulen«. Was aus der Distanz wie eine exakte Linie aussieht, sie aus der Nähe betrachtet wie der geschwungene Verlauf einer Wellenlinie am Strand.

Vom Fuß des Kandelabers aus blickt man auf Wellen: auf die Wellen des Meeres zu seinen »Füßen«... und auf die Wellen aus Sand, auf wogende, niedrige Sanddünen, in die das seltsame Riesenzeichen eingebettet ist. Das von unbekannten Künstlern vor vielen Jahrhunderten geschaffene Werk wirkt wie ein Fremdkörper: fast wie ein in den Staub des Mondes gegrabenes Bildnis. Es ist eindeutig künstlich.. und doch anmutig schön wie ein Werk der Natur.

Warum, so frage ich mich, wird der Dreizack nicht verweht? Warum deckt ihn der Wind nicht mit Sand zu? Mein Eindruck: Es ist der Wind, der dafür sorgt, dass der Kandelaber immer sichtbar bleibt. Offenbar liegen – zufällig oder bewusst gewählt – genau solche Bedingungen vor, die dafür sorgen, dass der Wind die Mulden (aus denen der Kandelaber besteht) immer wieder frei fegt. Ob das am Neigungswinkel des ansteigenden Bodens – ich schätze es sind zwischen 35 und 40 Grad – liegt?

Hinzu kommt die Sonne, die dafür sorgt, dass das Riesenbild nicht verschwindet. Sie erhitzt den sandig verkrusteten Boden, erzeugt so eine Art Luftkissen. Dieses Luftpolster verhindert, dass Staub- und Sandpartikel die erstaunliche Geoglyphe zudecken. Sie werden vom Wind darüber hinweggeblasen, setzen sich erst gar nicht auf dem Erdbild ab.

Diese Erklärung macht verständlich, warum auch die Pisten und figürlichen Darstellungen auf der Ebene von Nasca so viele Jahrhunderte überstanden haben. Das Wärme-Luftpolster direkt über dem Wüstenboden verhindert, dass Staub und Sandpartikel das Bilderbuch für die himmlischen Götter verschwinden lassen. Sie sinken erst gar nicht bis zum Boden, sondern sie werden über die Scharrzeichnungen hinweggeweht.

Vor menschlichem Vandalismus wird Nasca durch drakonische Strafen bewahrt. Wer die Ebene betritt, der muss mit Geldstrafen von bis zu einer Million Dollar oder fünf Jahren Knast rechnen. Diese Maßnahme zeigt zum Glück Wirkung! Noch vor wenigen Jahrzehnten nutzten Motorsportler die Ebene von Nasca um ihre PS-Monster tüchtig auszufahren, abrupt abzubremsen und so schnell wie möglich wieder zu beschleunigen. Erhebliche Schäden wurden so den Kunstwerken im Wüstensand zugefügt.

Die Bilder von Nasca wie der Kandelaber von Pisco entstanden vor vielen Jahrhunderten in einer unwirtlichen, unwirklich anmutenden Welt. Skurril sieht das seltsame Bild im Negativ aus... plastischer als das Foto im Positiv. Die rätselhaften Riesenbilder von Nasca sind im »raspaje«-Verfahren geschaffen worden: die dunklere oberste Schicht des Wüstenbodens wurde weggeschabt, so dass der hellere Untergrund zum Vorschein kam. So entstanden helle Linien, Pisten, geometrische Figuren sowie Darstellungen von Tieren und menschenähnlichen Wesen.

Zur Erinnerung: Am 22. Juni 1941 brach Dr. Paul Kosok, ein Historiker von der »Long Island University«, New York, zu einem Erkundungsflug auf. Von einem einmotorigen Sportflugzeug aus wollte er zwischen den Ortschaften Ica und Nazca alte Wasserkanäle ausfindig machen. Vergleichbare Geoglyphen – ebenso im »raspaje«-Verfahren kreiert... wurden auch in Chile aus der Luft entdeckt. Waren sie – wie die Bilder von Nasca – für himmlische Wesen gedacht?

Andere Kunstwerke der ungewöhnlich großen Art lassen sich am ehesten mit Mosaiken vergleichen. Bei dieser »Técnica de Adición« wurden möglichst dunkle Steine (meist Lava-Brocken) auf hellem Wüstenboden zu Mustern und Bildern angeordnet. Konnten die Menschen der Region die zahlreichen Bilder einst wie ein Buch lesen? Stammen sie von nomadisierenden Volksgruppen, die auf diese Weise Botschaften hinterließen?

Etwa 83 Kilometer nordöstliche von Iquique gibt es die wahrscheinlich größte Darstellung eines menschenähnlichen Wesens überhaupt. Man findet sie, wenn man von Huara nach Colchane fährt. Vierzehn Kilometer östlich von Huara folgt man einer Schotterpiste durch die Wüste – zum »Cerro Unitá«, einem Hügel mit teilweise steilen Hängen. Touristen verirren sich eher selten in diese abgelegene Region.

Fährt man über die allenfalls notdürftig befestigte »Straße« auf den Hügel zu, so erkennt man eigenartige »Pisten« oder »Streifen«, die am Fuß des kleinen Berges beginnend... gen Himmel streben.

Seltsame Formationen von sorgsam zusammengetragenen Steinen fallen auf. Sind es geometrische Muster ohne tiefere Bedeutung? Oder soll man sie als Schrift entziffern und lesen? Sollten sie so etwas wie ein Buch im Wüstensand darstellen? Dann gibt es heute niemanden mehr, der die Zeichen und Symbole wie ein Buch lesen kann!
Umrundet man den Hügel entdeckt man schließlich... den »Gigante de Atacama«. Oder besser gesagt: Man erahnt den riesenhaften Gesellen, den man in seiner Gesamtheit nur aus der Luft, aus der Vogelperspektive, sehen kann. Er schmiegt sich an einen Hang des Hügels. Sein Kopf liegt zum Teil oben auf der Kuppe, entzieht sich also dem Betrachter zu Füßen des Hügels.

86 Meter misst er von den Fußsohlen bis zu den Haarspitzen. Oder sind es »Strahlen«... oder »Federn«? In der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine allgemein akzeptierte Antworten auf so manche Frage. Soll die größte Darstellung einer menschenähnlichen Gestalt eine Gottheit darstellen... oder einen irdischen Herrscher?

Auf mich wirkt das riesenhafte Wesen eigenartig eckig und roboterhaft. Seine rechte Hand erinnert mehr an eine mechanische Greifvorrichtung als an eine menschliche Hand. Mit der linken Hand hält es eine seltsame Stange. Das Ding könnte auch über der Schulter getragen werden. Ein kleines Wesen – vielleicht ein Äffchen? – klettert daran empor.

Eine Zeichnung soll die Details verdeutlichen, die man heute kaum noch zu erkennen vermag. Erhebliche Schäden (vom Zahn der Zeit zugefügt) lassen an manchen Stellen nur noch erahnen, was das große Kunstwerk einst gezeigt haben mag.

Der »Gigant« ist der »König« der Wüstenbilder. Die Atacamawüste hat offenbar über viele Jahrhunderte hinweg die Künstler verschiedener alter Kulturen geradezu magisch angezogen. Auf einer Fläche von 150 000 km² wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 5 000 entdeckt. Sie wurden vor allem entlang uralter Karawanenwege durch die Wüste geschaffen: einzelne Darstellungen finden sich ebenso wie Gruppen mit Dutzenden von Bildern. Neben abstrakt geometrischen Formen wurden Menschen und Tiere dargestellt: teils durch das Wegkratzen der dunkleren oberen Schicht des Wüstenbodens, teils durch Anhäufen dunkler Steine.

Mir kommt es so vor, als hätten unzählige Künstler die weiten Flächen der Atacamawüste als riesige »Seiten« eines gewaltigen Buches verstanden. Aber werden wir jemals dazu in der Lage sein, die Wüste wie ein Buch zu lesen? Dabei können wir bequem in kleinen Flugzeugen die Werke unserer Vorfahren aus der Luft bestaunen... und sehr viel deutlicher und besser sehen als die damaligen Künstler!


Am besten man befährt mit dem Auto Nebenstraßen und sucht von Anhöhen aus die in der Distanz liegender Hänge ab. Ein Fernglas oder ein starkes Teleobjektiv sind dabei sehr hilfreich. Dann erkennt man immer wieder Erdbilder von faszinierender Schönheit. Entdeckungen sind vorprogrammiert. Leider fahren – anders als in der Nasca-Region – offenbar auch heute immer noch Vertreter unserer modernen Kultur mit Geländefahrzeugen in der Wüste herum.... und zerstören so uralte Riesenbilder. Es ist deprimierend: Kunstwerke, die viele Jahrhunderte, vielleicht zwei Jahrtausende und mehr überstanden haben, werden von heutigen Zeitgenossen zerstört. Vielleicht verschwinden so uralte Kunstwerke... bevor sie wirklich entdeckt und untersucht werden können.

Die Wüstenbodenbilder sind aber nur aus der Distanz in ihrer vollen Schönheit zu erkennen. Wurden sie gar nicht für menschliche Augen erschaffen? Das mutet seltsam an. Kreiert ein menschlicher Künstler doch in der Regel seine Werke in der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen sie bewundern. Bilder, die niemand sehen kann, ergeben keinen Sinn. Und doch existieren sie: die Geoglyphen... Kunstwerke für die Götter?

Staunend stellte ich nach wiederholten Besuchen vor Ort, dass es heute noch sehr viele Kunstwerke dieser Art geben muss. Es dürften einst viel mehr, nämlich Tausende und Abertausende gewesen sein. Bei jedem meiner Besuche vor Ort habe ich immer wieder neue entdeckt. Und immer wieder wurde mir bei der Sichtung der Kunstwerke im Wüstenboden aus der Distanz klar, wie groß sie zum Teil sein müssen. Strommasten, inmitten von Geoglyphen errichtet, muten plötzlich geradezu winzig an.

Zu viele Jahrhunderte galt ein »wissenschaftliches Weltbild«, das keinen Platz bot für Unerklärliches. Es war ein Circulus vitiosus: Was mit herkömmlichen Theorien nicht vereinbar war, wurde von der Wissenschaft nicht behandelt. Und was von der Wissenschaft nicht bearbeitet wurde, wurde als »unwissenschaftlich« deklariert. So gab es ein riesiges Heer von verdammten Fakten, die nicht sein konnten, weil sie nicht sein durften. Sie konnten nicht sein, weil sie in den Gedankengebäuden der Wissenschaft keinen Platz fanden. Und weil sie in den schulwissenschaftlichen Lehrbüchern nicht vorkamen, konnte es sie nach wissenschaftsgläubiger Weltsicht nicht geben. So wie vor Jahrhunderten die Mainstrom-Theologie nicht passende religiöse Texte als apokryph diskreditiert und nicht in die Bibel aufgenommen wurden, so wurden störende Fakten in wissenschaftlichen Standardwerken nicht zugelassen.

Wir benötigend dringend einen Klimawechsel in der Weltsicht von Wissenschaftlern und Laien: Wir müssen endlich auch das scheinbar Unerklärliche berücksichtigen. Nur dann werden wir vielleicht eines Tages Antworten auch auf unbequeme Fragen finden. Wir brauchen einen Klimawechsel im Denken, der auch das scheinbar Unbegreifliche zur Kenntnis nimmt.

Wie kann so ein Klimawechsel in der wissenschaftlichen Denkweise erreicht werden? Wir »Laien« müssen ihn einfordern, so lautstark wie nur möglich!

Anmerkung des Verfassers: Dies ist Folge 20. meiner laufenden Serie. Ich danke meinen Leserinnen und Lesern für die positive Resonanz.

Von Herzen gratuliere ich Lena Meyer-Landrut zum wohlverdienten Sieg beim Grand Prix in Oslo! Herzlichen Glückwunsch!


»Das weiße Pferd von Uffington«,
Teil 21 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 6.6.2010

Samstag, 29. Mai 2010

Samstagsrezension Helga König: Hunger und Lust

Der Autor Uwe Knop  wurde für dieses bemerkenswerte Buch  mit dem BOD Autoren Award 2010 geehrt.  Wie man dem Buchdeckel entnehmen kann, ist dies das erste Buch zur   kulinarischen Körperintelligenz, die übrigens nicht mit der kulinarischen Intelligenz verwechselt werden sollte. Zur „Kulinarischen Intelligenz“, ein intelligentes Buch von Jürgen Dollase habe ich auch eine Rezension verfasst, die Sie meinem Rezensionsblog entnehmen können.

Worum nun geht es Uwe Knop? Lassen wir ihn zunächst selbst zu Wort kommen. Auf Seite 134 lässt er den Leser wissen:“ Hunger ist der elementarste Trieb zur Lebenserhaltung. Deshalb liegt die natürliche „Entscheidungshoheit“, wie und was wir essen, in den Genen und den entwicklungsgeschichtlich ältesten Regionen unserer Gehirne. Ausführende Kraft ist die "Kulinarische Körperintelligenz", die mit Lust und Belohnungsprinzip über unser Hungergefühl steuert, welche Nahrung zu welcher Zeit  in unserem Organismus benötigt wird. Denn unser Körper kennt unseren Versorgungsstatus. Mit diesem evolutionär hoch entwickelten Ernährungssystem und der dazugehörigen Nährstoffdatenbank katalogisiert im menschlichen Genussgedächtnis stellt unser Körper sicher, die Nährstoffe zu bekommen, die wir zum Überleben benötigen. Das ist richtiges Essen.“

Uwe Knop wirbt in diesem Buch dafür, der kulinarischen Intelligenz zu vertrauen und auf sie zu hören, denn nur dann  können wir uns einem gesunden und schlanken Körper erfreuen.

Das Kapitel 3 des Buches trägt die Überschrift „ ErnährungsWissen ist OhnMacht“. In diesem Kapitel weist der Autor auf die oft verwirrenden und widersprüchlichen Untersuchungsergebnisse  in Sachen Ernährung hin, sei es bei Obst und Fruchtsäften oder auch beim Wein, beim Kaffee, beim Süßstoff und anderem mehr. Im Fazit, das Knop zu Ende des Kapitels zieht, stellt er fest, dass  stark verarbeitete Lebensmittel mit der Bezeichnung „kalorienarm“ etc. die kulinarische Intelligenz des Körpers stören können, weil der Wert der Nahrungsmittel nicht mehr konkret eingeschätzt werden kann und dann das Gegenteil von dem geschieht, was angestrebt wird.

Der Autor verdeutlicht, dass Hunger und Lust  als unzertrennliches Paar begriffen werden sollten und man nur dann essen sollte, wenn man wirklich Hunger hat.  Man sollte nicht durch die Uhrzeit oder andere externe Faktoren bestimmen wollen, wann man sich Nahrung zuführt, sondern sich nur von dem Körpergefühl „Hunger“ leiten lassen.  Das entspricht auch meiner Erfahrung.

Nach Ansicht des Autors benötigen Kinder und Jugendliche keine Erziehungsmaßnahmen, die maßgeblich verstandesgesteuertes Essen zum Ziel haben. Wichtiger sei, dass Eltern  und Versorgungseinrichtungen Vielfalt und Abwechslung auf den Teller brächten, unterschiedliche Nahrungsmittel verfügbar seien und Eltern vielfältigen Genuss vorleben. Dies leuchtet soweit ein und kann von mir bestätigt werden. Ebenfalls einleuchtend ist, dass  jede Kalorie, die in unseren Körper „rein“- kommt, wieder „raus“ also verbraucht werden muss. Bewegung ist also angesagt, wenn man sich zu schwer fühlt ( nicht nur dann) und eine reduzierte Kalorienmenge von 1500 bis 1700 kcal.  Knop lässt nicht unerwähnt, dass  weniger als 1200 kcal kontraproduktiv sind, wenn man abspecken möchte und erklärt dies auch gut nachvollziehbar.

Knops Meinung im Hinblick  auf Vitaminpillen teile ich nicht und empfehle ihm die wissenschaftlichen Studien von Professor  Linus Pauling  als auch die bemerkenswerten Bücher von Dr. Strunz über Vitamine und Mineralien. In allen anderen Punkten bin ich seiner Meinung und empfehle das Buch gerne.






Freitag, 28. Mai 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Sandkastenspiele

Eine Antwort auf Franz Josef Wagners Kolumne
»Lieber Michael Schumacher«, BILD, 24. 12. 2009

Lieber Franz Josef Wagner,

bei einem Streifzug durch Ihre früheren Briefe stieß ich heute auf ein echtes Juwel. Adressiert an Michael Schumacher, enthüllten Sie der mitlesenden Nation das wahre Wesen des Mannes.
Schade!, dachte ich mir, dass solche Blüten des deutschen Humanismus einfach so in der Versenkung verlorengehen sollten: Die Erkenntnisse des Franz Josef Wagner über das, was echte Männlichkeit ausmacht, sollten der Welt doch erhalten bleiben.

Die Welt eines Mannes sei eine simple Welt, merkten Sie an. Ein Mann wolle beim Skat gewinnen, oder beim Bowlen. Und: Ein Mann verliere im Schoß seiner Familie sein eigentliches Wesen: den Krieger.
Vielleicht ist das auch gar nicht so falsch, wenngleich in einem ganz anderen Sinne als dem von Ihnen gemeinten. Schon lange hege ich den Verdacht, dass die aus allen Zeiten überlieferte Begeisterung von in den Krieg ziehenden Männern weniger auf politischen Überlegungen resultiert, oder gar aus dem Bedürfnis, das Vaterland zu beschützen. Nein, die Kriegsbegeisterung hat eine viel profanere Ursache: Durch den Kriegseinsatz hatten Männer zu allen Zeiten die Möglichkeit, Kindergeschrei und dampfenden Windeln für eine längere Zeit zu entkommen. Ein wenig Kameradschaft, Heldentum, Kriegsbeute, sowie die Möglichkeit zur Vergewaltigung einer unbekannten Zahl von »Feindesbräuten«, das hat wirklich etwas von Sandkastenromantik aus längst vergangenen Kindertagen. Wenn die geschlagenen Helden dann mit blutigen Schrammen vom Feld getragen werden, können sie sich dennoch darauf verlassen, von Mama gehätschelt und aufgepäppelt zu werden. Dann plötzlich wird der so beengende Schoß der Familie überlebenswichtig
Wissen Sie, wofür ich die Behauptung halte, ein »Krieger« sei für das Windelwechseln nicht geeignet? Ich halte sie für eine reine Ausrede, ersonnen einzig zu dem Zweck, dem Erwachsenwerden zu entgehen und die Jahre des Sandkastens bis zum Heldentod (oder der Rente) ausdehnen zu können.

Wir Frauen, muss ich leider feststellen, haben das Spiel lange Zeit mitgespielt. Mutierten wunschgemäß zur Mama längst erwachsener Männer, oder aber, im Falle impertinenter, nicht zu unterdrückender Lebensimpulse, zur Hure.

Keine Ahnung, ob Frauen im Allgemeinen Spaß am Kämpfen und Siegen haben. Sie hatten alles in allem wenig Zeit, es auszuprobieren, denn Männes Suppe war irgendwie nie rechtzeitig vor dem Start des Rennens fertig. War sie es doch mal, musste noch dringend seine Kriegeruniform aus der Reinigung abgeholt werden, für die nächste Aufsichtsratssitzung. Zeit für Kampfspiele? - Fehlanzeige.

Doch was, wenn es mal nicht um Kampfspiele geht? Sondern eine Bedrohung zum blutigen Ernst wird? Wenn die eigenen Kinder angegriffen werden? - In diesem Falle, Herr Wagner, können die meisten Männer wohl von den meisten Frauen lernen, was das Wort Kampf in seinem archaischen Sinne bedeutet. Nicht umsonst heißt es schließlich »Löwenmutter«, und nicht »Löwenvater«.

Herzlichst,

Ursula Prem

Montag, 24. Mai 2010

Autoren und ihre Region bei »ein Buch lesen«

Liebe Leserinnen und Leser!


Für mich war die letzte Zeit sehr ereignisreich. Nicht nur deshalb, weil mich die Schriftstellergemeinschaft »ein Buch lesen« als Gastautorin aufgenommen hat. Täglich lerne ich dazu, das »wilde Web« erschließt sich mir mit vorher ungeahnten Möglichkeiten. Das ist für mich ein ganz neuer Erfahrungswert, ein durchweg positives Erlebnis. Meinen Dank an das wundervolle Team.

»Autoren und ihre Region bei ein Buch lesen« dieses Stichwort habe ich gerne aufgenommen.

Mit meinem Thriller »Der Tote am Zwillbrocker Venn« möchte ich zu diesem Projekt, das durch die Autorengemeinschaft initiiert, geplant und nun in die Tat umgesetzt werden soll, meinen bescheidenen Beitrag leisten. Fortlaufend werde ich über meine Fortschritte auf meinem Blog berichten und über besondere Ereignisse an dieser Stelle einen Beitrag setzen.
Aber ich möchte Sie jetzt nicht länger auf die Folter spannen.
Wie ich bereits angekündigt habe, freue ich mich, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, exclusiv bei »ein Buch lesen« eine kleine Leseprobe meines Thrillers vorstellen zu dürfen.

Freuen Sie sich mit mir auf einen kreativen Sommer!


Herzlichst Ihre

Tuna von Blumenstein

*

Sonntag, 23. Mai 2010

19 »Der Dreizack von Pisco«

Teil 19 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Von Pisco ging’s mit dem Minibus zum Hafen von Paracas. Von Paracas wurde die Reise im röhrenden Motorboot fortgesetzt. In rasanter Fahrt über schaumbekrönte Wellen passierten wir »Puerto San Martin«. Und plötzlich flimmerte so etwas wie ein riesiges Zeichen im staubigen Wüstensand. Hat da ein Gigant in spielerischer Laune mit einem spitzen Stock etwas in den Sand gekratzt?

Größe und Stil erinnerten sofort an die riesigen Erdzeichen (»geoglyphos«) von Nasca. Das geometrisch anmutende Bild ist »El Candelabro«, der Dreizack. 180 Meter misst seine Höhe, 70 Meter seine Breite. Bei Internetrecherchen fand ich eine Vielzahl von unsinnigen Größenangaben. Unterschiedlichste Behauptungen werden aufgestellt, von denen die meisten nicht stimmen. Der »Kandelaber« ist keineswegs nur 40 Meter hoch... und Angaben von 500 bis 800 m sind maßlos übertrieben!

Wissenschaftler streiten, was das Riesenbild darstellen soll. Ist es vielleicht ein »Dreizack«, ein dreiarmiger Leuchter... wie so manche Koryphäe vermutet? Oder zeigt das mysteriöse Bild einen Kandelaberkaktus? Der war einstens den Menschen der Wüstenregion heilig, galt als eine Art Schlüssel in andere Welten... enthielt er doch halluzinogene Stoffe, die von Eingeweihten bei religiösen Zeremonien eingenommen wurden. Diese Substanzen versetzen den Konsumenten in einen Rauschzustand. Glaubten die Priester jener längst vergangenen Epoche, mit Hilfe der Droge aus der Natur Zugang zu einer göttlichen Welt zu finden? Vermutungen werden geäußert... und leider gern als Tatsachen hingestellt.

Die meiner Meinung nach absurdeste »Erklärung«: Der »Dreizack« weise auf ein Piratenversteck, wo wertvolle Schätze vergraben wurden. Kein noch so dummer Pirat wird mit einem riesigen Erdzeichen auf seine verborgenen Goldvorräte hinweisen! Sinn eines Verstecks ist es ja, von Unwissenden NICHT gefunden zu werden! Ein riesiges Signalzeichen von fast 200 Meter Länge indes hat die Diskretion eines Marktschreiers!

Prof. Hans Schindler-Bellamy, ein Wiener Gelehrter, Archäologe und Südamerika-Experte, im Interview mit dem Verfasser: »Drogen wurden von Naturvölkern gezielt eingesetzt. Es galt nicht, aus egoistischen Gründen einen Drogenrausch zu erleben. Vielmehr galt bei verschiedenen Völkern dieser Weg als Möglichkeit für Schamanen, etwa mit dem Jenseits in Kontakt zu treten, oder ohne Zeitverzögerung in fernste Regionen des Globus zu gelangen. Die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Gegenwart und Zukunft verschwanden, hatten keine Bedeutung mehr. So konnte sich der Schamane nach Belieben in die Vergangenheit oder in die Zukunft versetzen.«

Am 15. August 2007 wurde Peru von einem starken Erdbeben heimgesucht. Das kleine, idyllische Hafenstädtchen Pisco wurde fast vollständig zerstört. Wie viele Menschen der Naturkatastrophe zum Opfer fielen, das konnte nicht geklärt werden. Etwa einhundert Tote waren allein beim Einsturz der Kirche »San Clemente« zu beklagen. Wohlhabende Bürger kamen in ihren ansehnlichen Häusern ums Leben, die Ärmsten der Armen in armseligen Behausungen. Gestorben wurde in Hütten wie in Palästen. Fast wäre Pisco vollständig ausgelöscht worden.

Pisco, im Departement Ica gelegen, hatte als Hauptstadt der Provinz Pisco eine gewisse lokale Bedeutung. Längst im staubigen Boden versunken sind die Spuren der einstigen Hochkultur von Paracas.

Die Paracas-Kultur dürfte vor rund 2500 Jahren – in etwa zu Zeiten des biblischen Propheten Hesekiel – ein erstaunlich hohes Niveau erreicht haben. An der Nordspitze von Cerro Colorado wurden Tote in einer Necropole bestattet. In Gruften mit massiven Mauern warteten die Verstorbenen auf ihre Auferstehung. Der Archäologe Julio C. Tello untersuchte über 400 Mumien von erwachsenen Männern, die im Leben offenbar als ranghohe Vertreter der alten Kultur hoch angesehen waren. Einige von ihnen trugen mehr als einhundert Kleidungsstücke aus farbenfroher Baumwolle.

Schriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit der Paracas-Kultur liegen nicht vor. So sind wir, was die religiösen Überzeugungen jener Zeit anbelangt, auf Vermutungen angewiesen. Ob die Toten in Felsgräbern oder in unterirdischen Grabkammern beigesetzt wurden, so nahmen sie alle die gleiche Haltung ein: wie Embryos in Hockstellung. Wertvolle, unglaublich farbenprächtige Tücher, hielten die Verstorbenen in dieser Position. Offenbar glaubten die Menschen damals, das Stadium des Todes sei mit jenem des ungeborenen Kindes im Mutterleib zu vergleichen. So wie das Baby ins Leben eintritt, so sollten auch die Toten in eine jenseitige Welt geboren werden.

Prof. Hans Schindler-Bellamy (Wiener Archäologe und Südamerikaexperte) erklärte dem Verfasser im Interview: »Die Toten warteten nach dieser Vorstellung im Grab wie die Babys im Mutterleib auf die Geburt in eine neue Welt. Man kann davon ausgehen, dass die Erde mit der alles gebärenden großen Mutter gleichgesetzt wurde. Das deutet auf eine zumindest tendenzielle matriarchalische Prägung der Glaubenswelt hin!«

Die Kunst des Webens scheint von ganz besonderer Bedeutung gewesen zu sein. So fanden sich hölzerne Reste von Webstühlen – in der Stadt der Toten. Wollte man ihnen die Möglichkeit schaffen, sich im Jenseits kostbare Stoffe für die Bekleidung zu weben? In sorgsam geflochtenen Körben hatten pflanzliche Nahrungsmittel erstaunlich gut die zweieinhalb Jahrtausende im Wüstenboden überstanden... die Wegzehrung der vornehmen Toten. Pfeile gehörten auch zu den Grabbeigaben.

Bis heute rätselhaft: Vermutlich vom Babyalter an wurden Kinder hochrangiger Familien der Paracas-Kultur auf brutale Weise gepeinigt. Ihre Köpfe wurden mit mechanischen Pressen deformiert. Die armen Kleinen mussten wohl ständig so etwas wie Schraubzwingen am Kopf tragen, was zu einer Deformierung der Schädel führte. Sollten sich die Angehörigen der führenden Kaste durch seltsam in die Länge gezogene Schädel vom niederen Volk unterscheiden? Derartig massive Verformungen wurden – warum auch immer – bei Männern wie bei Frauen vorgenommen.

Aus heutiger Sicht unheimlich sind die sogenannten Schädel-Trepanationen. Warum wurden diese Schädeloperationen durchgeführt? Viereckige oder dreieckige Schädelstücke wurden lebenden Menschen entnommen. Es wurde gesägt und gebohrt... aber warum? Medizinische Eingriffe scheinen als Erklärung auszuscheiden. Wurden derartige Schädel-Löcher doch bei fast jedem zweiten Toten entdeckt. Verwachsungen an den Rändern belegen, dass die Menschen die Prozedur – warum auch immer sie vorgenommen wurde – überlebten.

Waren es die Menschen der Paracas-Kultur, die den Kandelaber von Pisco schufen? Hatte das Riesenbild religiöse Bedeutung? Weit verbreitet ist eine eher profane Interpretation: Der »Dreizack«, so hört und liest man immer wieder, war nichts anderes als ein Orientierungszeichen.... ein Wegweiser für Seefahrer und Fischer. Nach mehreren Besuchen in der Bucht von Pisco leuchtet mir diese bodenständige Erklärung nicht mehr ein.

Warum sollten Fischer oder Seefahrer ein riesengroßes Orientierungszeichen dort im knochentrockenen Wüstenboden verewigt haben, wo man es nur bedingt vom Meer aus sehen kann? Warum sollten sie es am Ufer einer Bucht angebracht haben, in die man erst einfahren muss, um es dann von bestimmten Positionen aus nur verzerrt sehen zu können? Vom Meer aus gesehen... verbirgt sich der Kandelaber hinter einem Inselchen. Er ist also als Markierungspunkt für die Seefahrt ebenso wenig geeignet wie ein Leuchtturm, der von einer vorgelagerten Insel verdeckt wird!

Warum wurde es an einem eher flachen Hang angebracht? Ein für die Seefahrt bestimmtes Signalzeichen müsste doch so weit wie möglich zu sehen sein.... also an einem möglichst steilen Hang? So ein Zeichen hätte man dann doch wohl auf einer der vorgelagerten Inselchen angebracht.... und nicht dahinter versteckt!

Die »Islas Ballestas« gehören zu den mysteriösesten Eilanden unseres Globus. Sie wirken geheimnisvoll und bizarr. Sie könnten problemlos als Kulisse für einen Science-Fiction Film dienen: als Inseln auf einem fernen skurrilen Planeten. Ungewöhnlich geformte Felsen regen die menschliche Fantasie an. In den Formationen meint man Gesichter oder Fratzen erkennen zu können. Zu den attraktiven Wundern in Stein gehörte ein lichtdurchfluteter Steinbogen. Die von der Natur geschaffene Felsbrücke, »La Catedral« genannt, wurde am 15. August 2007 von der Natur wieder zerstört. Sie stürzte beim Erdbeben an jenem Tag ein.

Besonders imposant sind die mächtigen Seelöwen, die oft viele Meter über dem Meeresspiegel auf Felsvorsprüngen lagern. In stoischer Ruhe ertragen sie die Neugier der zweibeinigen Fotografen. Wie mögen die massigen Tiere ihre Ruheplätze aufgesucht haben? Es ist unwahrscheinlich, dass sie die steilen Felsen emporgeklommen sind. Haben sie ihre wuchtigen Leiber von mächtigen Wellen emporheben lassen? Humboldt-Pinguine sieht man gelegentlich waghalsige Sprünge ins eiskalte Meer vorführen.. auf der Jagd nach Fischen. Seltener tauchen Delfine auf... Auch sie sind wegen der Fische hier.

Die Inselwelt – und das ist gut so – darf nicht betreten werden. Sie sind ein einzigartiges Naturreservat und bieten neben den majestätischen Seelöwen auch Pinguinen, Pelikanen, Guanay-Vögeln, Blaufußtölpeln, Kormoranen und anderen Vögeln Zuflucht. Der Kot der Guanays war einst weltweit als wertvoller Dünger beliebt. Reich an Calciumphosphat und Stickstoff war er einst ein Exportschlager und brachte Peru üppige Devisen. Zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus hat er keine Bedeutung mehr. Längst wurde er von Chemiedüngern abgelöst.

Man kann den Kandelaber am besten in voller Pracht von der Luft aus sehen. Nimmt man das riesige Bild als Wegweiser... wohin führt er dann? Nun, den Seefahrer geleitet er – so er ihn überhaupt sieht – direkt in eine lebensfeindliche Wüste. Folgt ein Flugzeugpilot dem Kandelaber, dann erreicht er nach rund 160 Kilometern... die Ebene von Nasca mit ihren riesigen Scharrzeichnungen, die man am besten von der Luft aus sieht!



»Vom Kandelaber zum Riesen der Atacamawüste«,
Teil 20 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30. Mai 2010


Samstag, 22. Mai 2010

Samstagrezension: Blühendes Münsterland- Dr. Susanne Paus, Ursel Borstell

Meine liebe Freundin Tuna von Blumenstein, die im Münsterland lebt, schwärmt mir regelmäßig am Telefon von den schönen Gärten in dieser Region vor. Mit viel Freude tauschen wir unsere Erfahrungen als Hobby-Gärtnerinnen aus und sprechen in diesem Zusammenhang auch stets von Gartenbüchern. Immer wieder erwähnt Tuna den Garten Picker in Borken-Weseke, wo sie sich oft aufhält, um bei einer Tasse Kaffee den Wechsel der Farben und Formen zu genießen und die Blütenpracht fotografisch abzulichten. Auf ihr Anraten habe ich mich mit vorliegendem Buch befasst, um neben den hübschen Bildern, die sie mir zuschickte, noch weitere Eindrücke von "Picker", aber auch vielen anderen pittoresken Gärten im Münsterland zu erhalten. Tuna und ich stimmen Christiane Widmayr- Falconi bei: „ Ein gelungener Garten, das ist ein „Hintertürchen“ zum Paradies.“

Die Diplombiologin Dr. Susanne Paus hat gemeinsam mit Diplomfotografin Ursel Borstell (sie studierte an der renommierten Essener Folkwangschule Fotografie und Grafik-Design) dieses sehr schöne Buch mit dem Titel „Blühendes Münsterland- Garten öffnen ihre Pforten" realisiert.



Der Prachtband enthält eine Fülle zauberhafter Fotos von 24 Gärten im Münsterland. Diese visuellen Impressionen werden von hochinformativen Texten begleitet. Zudem erhält man zu jedem fokussierten Garten die genaue Anschrift, die Öffnungszeiten, eine gute Beschreibung der Anfahrt und Tipps im Hinblick auf Sehenswertes in der Nähe. Auf den ersten beiden Seiten kann man sich auf einem Landkartenausschnitt einen Überblick verschaffen, wo die einzelnen Gärten zu finden sind.

Gefallen hat mir die Idee von Dr. Paus ihren Texten und Borstells Bildern Gedichte oder Zitate von Dichtern und Denkern hinzufügen.

William Shakespeares
“Schön ist die Rose/ schöner scheint sie noch/durch jenen süßen Duft, / der in ihr lebt.“( S. 88) macht es deutlich: dieses Buch ist eine Einladung in das Münsterland. Wenn man Glück hat, kann man dort mit Tuna von Blumenstein im Garten Picker in Borken-Weseke oder auch im Garten Rosenhaege in Kotten/Winterswijk über das ewige Werden und Vergehen philosophieren. In Kotten hat man  auch  noch Gelegenheit, sich in der hauseigenen Gärtnerei mit nostalgischen Rosen zu versorgen und auf diese Weise, sich von dem „süßen Duft“, den Shakespeare anspricht, jeden Sommer zu Hause aufs Neue betören zu lassen.

Folgende Gärten werden im Buch näher in Augenschein genommen:

Der Garten Grimm in Versmold- Der Garten Göwert in Ostbevern -Der Kaldenhof im Münster- Die Gärtnerei Dahlmann in Münster-Hiltrup-Haus und Garten Galerie Wähning in Emsdetten - Der Garten Kopel in Emsbüren-Der Garten Klesse in Neuenkirchen-Der Kreislehrgarten Steinfurt-Der Garten Reinermann in Schöppingen-Der Garten Schwieters in Rosendahl-Holtwick-Der Garten Ruch in Billerbeck-Das Brauhaus Klute in Havixbeck- Burg Hülshoff und Rüschhaus in Havixbeck-Der Garten Rombach in Nottuln-Der Garten Wehling in Raesfeld- Der Garten Picker in Borken-Weseke- Der Garten Rosenhaege in Kotten/Winterwijk- Der Garten Lechtenberg in Vreden-Das Kasteel Twickel- Die Gärtnerei De Border in Belder- Das Kasteel Warmelo in Diepenheim- Das Kasteel De Wiersse in Vorden- Der Garten Brethouwer in De Heurne- Der Garten Pastwa in Bocholt.

Da es unmöglich ist im Rahmen einer Rezension auf alle Gärten näher einzugehen, werde ich einige Gärten hervorheben, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, was den Leser in diesem Buch erwartet. Dabei kann ich nicht umhin, sogleich die schönen fotografischen Eindrücke aus dem Garten Grimm zu erwähnen. Dort kann man sich derzeit des üppigen Blauregenflors erfreuen und  sollte allein deshalb dieses Refugium  jetzt aufzusuchen.


Besonders gut gefallen hat mir die Beschreibung von „Haus und Garten Galerie Wähning“. Die Eigentümer dieses 2700 Quadratmeter großen Villengartens in Emsdetten, ein Galeristenpaar, haben sich bei der Gestaltung in England inspirieren lassen. Viele wunderschöne Skulpturen, ein verspielter Kaskadenbrunnen und dezent in Form gebrachter Buchs verleihen der grünen Oase ein besonderes Flair, das sich sehr wohltuend auf die Seele - besonders von gestressten Zeitgenossen - auswirkt.

Der Garten Klesse in Neuenkirchen besticht durch seine kreative Gestaltung des Buchs, der dort der Hauptakteur ist. Die Autorin zählt auf : eine akkurate Hecke, Zipfelmütze, Kugel und Spirale. Vielleicht auch das:.bei den Fotos des Garten Schwieters fasziniert mich ein Arrangement aus rosafarbenen englischen Rosen. Dr. Paus kommentiert: “Glücklich, wer aus seinem Garten solch` zauberhafte Rosen schneiden kann. Und erst der Duft- er muss geradezu atmenberaubend sein.“ Wie Recht sie doch hat.

Die Dichterin Annette von Droste- Hülshoff lebte vor über 200 Jahren in der malerischen Burg  Hülshoff, deren Garten man im Buch kennen lernen kann. Beinahe prophetisch schrieb die Lyrikerin einst:“ Meine Lieder werden leben,/ wenn ich längst entschwand ./Mancher wird von ihnen beben,/ der gleich mir empfand.“ Droste- Hülshoff wurde nur 51 Jahre alt. Ihre Gesundheit soll labil gewesen sein, schwermütig und innerlich vereinsamt starb sie nicht zuletzt aus Kummer wegen einer enttäuschten Liebe, aber ihre empfindsame Seele lebt in dem Garten fort, der wie ein Gedicht der Natur anmutet.



Sehr lange verweilte mein Blick auf Tuna von Blumensteins Lieblingsort- dem Garten Picker in Borken- Weseke. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmeter erstreckt sich das Staudenparadies mit Terrassen, Wegen und Sitzplätzen. In diesem Garten kann man weit mehr als 1000 Arten von Blumen aus Großmutters Zeiten bewundern, wie etwa rote Melde, Schmuckkörbchen, Schopfsalbei, Felberich, Montbretien, Phlox etc. und im „Pavillon d`Amour“ Kletterosen und eine Waldrebe. Im August endet bei Picker die jährliche Blühperiode mit einem großen Finale in Gelb.

Sollte ich dieses Jahr einige der schönen Gärten des Buches besuchen, dann wird neben "Picker" und anderen die Gartenanlage von Kasteel Warmelo“ sicher dazugehören. Das Spiel mit den Linien und Formen im dortigen Rokokogarten finde ich sehr schön . Die Baronin F.S.A. Creutz verhalf 1920 dem Garten zu neuem Glanz. Sie engagierte den Gartenarchitekten Hugo Poortmann, der die Garten- und Parkszenerie neu gestaltete und zwar zu einem Dornröschen-Reich. Auf Warmelo gibt es einen Fuchsiengarten mit rund mehr als 200 Varietäten, die im Spätherbst gemeinsam mit Zitronenbäumchen, Bougainvillen und anderen frostempfindlichen Exoten im Gewächshaus überwintern.
Ein schönes, inspirierendes Buch, in dem ich auch die nachstehende Sentenz gefunden habe, mit der ich meine Rezension beenden möchte: „ Wenn das Leben nur ein Durchgang ist, lasst uns mindestens während dieses Durchgangs Blumen säen.“( Michael de Montaigne)

Lesen Sie jetzt: "Blauregenmord", einen Krimi von Tuna von Blumenstein, der im Münsterländer Garten Picker spielt. 

Rezension Helga König





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Freitag, 21. Mai 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Michael Ballack

Eine Antwort auf Franz Josef Wagners Kolumne  »Lieber Michael Ballack«,
BILD, 18. 05. 2010

Lieber Franz Josef Wagner,

Michael Ballacks Traum kaputt? - Nun ja, täglich lösen sich tausende Träume in Luft auf, ohne dass es irgend einen Kolumnisten interessieren würde, und (zumeist) ohne dass die Enttäuschten von einem weichen Finanzpolster sanft aufgefangen, oder von einem vielköpfigen Betreuerteam behutsam wieder fit gemacht würden.

Deutsche WM-Träume kaputt? - Dies ist eine denkbar ungünstige Zeit für solche Träume. Wagen wir mal ein Gedankenspiel: Nehmen wir an, unsere Mannschaft würde es schaffen, Weltmeister zu werden. Dies würde nicht mehr und nicht weniger bedeuten, als dass nahezu die gesamte öffentliche Aufmerksamkeit hierzulande für mindestens einen Monat lang auf dieses Ereignis fixiert wäre. Am 11.6. beginnt die WM, am 11.7. erfolgt der finale Schlusspfiff. Dann würden die Weltmeister in der Heimat begrüßt, was mindestens eine weitere Woche in Anspruch nehmen würde, ehe sich die Lage wieder normalisierte.

Das wäre ein fünfwöchiges, erstklassiges Ablenkungsmanöver in dieser schicksalhaften Zeit. Fünf Wochen, in denen unsere Politiker, von Presse und Öffentlichkeit nahezu unkommentiert, schalten und walten könnten: Weitere Milliardenpakete schnüren, von denen sie schon jetzt wissen, dass niemand sie jemals wird bezahlen können. Ganz nebenbei das neue Gesetz zur Zwangs-GEZ auf den Weg bringen, (schon gehört? Ab jetzt sollen alle zahlen, auch dann, wenn sie weder Radio noch Fernseher besitzen. Wo bleibt Ihr Kommentar dazu? Sind van Gaal, Ballack, Gottschalk und Kachelmann, die Adressaten Ihrer dieswöchigen Kolumnen, wirklich so ungleich wichtiger, als die unerhörten Vorgänge in unserem Land?)

Ich gehe schon jetzt jede Wette ein, dass für unsere sogenannten Volksvertreter ab dem 11.6. ein Countdown läuft. Hektische Betriebsamkeit wird ausbrechen, um so viele unpopuläre Maßnahmen wie irgend möglich in die Wege zu leiten. Diese werden dann zwischen zwei WM-Sondersendungen im Telegrammstil verkündet, im günstigen Moment der nationalen Pinkelpause.Niemand wird mitbekommen, was in der Halbzeitpause erzählt wird, wenn er gerade im Keller das Bier für die zweite Halbzeit klarmacht.

So bedauerlich das ist: Es ist jetzt nicht die Zeit für Spiele. Sondern die Zeit für aufmerksames Zuhören. Für Einmischung in lebenswichtige Angelegenheiten unseres Landes. Wir dürfen uns nicht vom alten Prinzip »Brot und Spiele« einwickeln lassen, sondern müssen einen klaren Kopf bewahren. Andernfalls werden das die teuersten Pinkelpausen werden, die wir uns je gegönnt haben.

An Gottschalk, so schrieben Sie, kam Ihr Brief einen Tag zu spät, da Sie sich den Ballack hätten von der Seele schreiben müssen. Wann schreiben Sie sich die wahren Probleme von der Seele?

Dienstag, 18. Mai 2010

Klärus und die Endlichkeit


Es ist Frühling. Der Schnee ist endlich getaut und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen lassen nicht zu, dass Klärus weiterhin in den schützend gewärmten Räumen verbringt. Zu lange ging bereits der Winter. Zu lange war Klärus regelrecht interniert, in die Wohnung verbannt, denn die Witterung lud nicht ins Freie ein und der Schnee machte ihn noch mehr behindert, als er ohnehin schon war.
Wenn Klärus jetzt durch den Kurpark fährt, vorbei am gewaltig rauschenden Wasser eines wunderbaren Flüsschens, dann ist dieses Wasser gewaltig und zielgerichtet durch die Unterstützung des Flussbettes. Wild rauscht das Wasser wegen der zahllosen Steine, die so weit das Auge reicht das Flussbett füllen, doch unentwegt strebt das Wasser zum Ziele hin. Der Augenblick lässt das Ziel vergessen.
Die Krokusse und Schneeglöckchen blühen und wenn Klärus in die Wipfel der uralten Bäume blickt, dann erfüllt ihn ein Glücksgefühl und eine Dankbarkeit und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit allem was ist, und lässt ihn die Zeit vergessen. Dann kann er sagen, dass er noch nie so viel Lebensqualität hatte, wie in diesem Moment.
Klärus sitzt in seinem Rollstuhl, der elektrisch angetrieben, seinem Körper die Möglichkeit bietet, diesen Moment zu erleben, seiner Seele die Möglichkeit bietet, die Kraft dieser Gefühle zu speichern.

Und diese Momente hat Klärus oft, auch mitten im Menschengewühl und es ist eine Transformation der Wahrnehmung, die durch die Veränderung der körperlichen Leistungskraft geschieht, verbunden mit Akzeptanz und natürlich Annahme der vorhandenen Gegebenheiten.

Allerdings darf auch nichts mehr hinzukommen. Jedes verstopfte Nasenloch ist dann zu viel und kann wieder Ängste auslösen, wenn Klärus sich den Kräften ausliefert, welche Diagnosen auslösen können.
Es kommt darauf an, worauf er seine Aufmerksamkeit lenkt.

Aber nicht nur Diagnosen, sondern das Erleben von körperlicher Endlichkeit vor diesen zementierenden Diagnosen ist das Sprungbrett zur Bewusstseinserweiterung im weitesten Sinne.

„Sie müssen damit rechnen, dass sie für den Rest Ihres Lebens rund um die Uhr künstlich beatmet werden müssen“
Klärus liegt mit starrem Blick nach oben zur Zimmerdecke, im Bett auf der Intensivstation des nächstliegenden Krankenhauses.
Neben ihm ein kompetent erscheinender Arzt mit ernster Miene, der Klärus, wie dieser denkt, mit der Beschreibung des Ernstes der Lage, anscheinend zu Lebensmut verhelfen möchte.

„Falls dies nicht ausreichen würde, müssten wir sie in ein künstliches Koma versetzen und Sie über die Luftröhre künstlich beatmen. Sie könnten dann nie mehr sprechen und nie mehr essen. Dazu bräuchten wir aber Ihre Zustimmung“.

Klärus liegt fast wie betäubt unter seiner Beatmungsmaske und scheint kaum noch Gefühle zu kennen. Bei dieser Zukunftsperspektive ist ein Schockzustand wohl das Sicherste für die wieder mal verletzte Seele.
Soll es das jetzt gewesen sein mit dem Leben, mit dem Leben auf Erden, dieser jetzigen Inkarnation, Menschwerdung? War das alles mit der Menschwerdung?
Wo ist sie jetzt, die Blaue Blume?

Stoisch stellt Klärus die Frage an den kompetenten Arzt, was geschehen würde, wenn er das nicht wolle – das mit der Einverständniserklärung.

„Dann müssten wir uns von Ihnen verabschieden!“

* * *

„Der Körper ist der Tempel der Seele“, sagte der Ganz-Große-Liebe-Geist zu Klärus, als er mit klaren Worten zu ihm sprach. Als er in klaren Worten zu ihm sprach in einer Zeit, als es darum ging, seiner Herzensstimme mehr Platz einzuräumen, Entscheidungen nicht durch den Filter der Vergangenheitsprägungen zu treffen.
Klärus ist älter geworden. Nicht nur Klärus. Auch seine geliebte Klara. Auch ruhiger sind sie geworden. Die Kinder sind aus dem Hause.

Klärus hat aufgehört, sich mit ewigen Forderungen an sich selbst zu belasten, dies oder jenes erreichen zu müssen, wieder irgendwo ankommen zu müssen, aus welchen Gründen auch immer.
Sein geschwächter Körper hilft ihm dabei. Sein Körper, der durch die Folgeschäden einer Polioinfektion in seiner Kindheit auf viele Hilfsmittel angewiesen ist.
Dieser Körper sagt ihm auf jedem Meter des Weges, wo die Grenzen sind, dass es aber auch einen Horizont gibt und auch etwas hinter dem Horizont, was sich zeigt, wenn die Ruhe dafür da ist. Das hinterm Horizont kann nicht erzwungen werden. Es ist dann einfach sichtbar.
Der Ganz-Große-Liebe-Geist ist dem bewussten Menschen auf seinem Weg der Erkenntnis nahe und lässt sein Licht in ihm immer mehr erstrahlen. Dieses Licht soll ihn weiterhin von den Wunden der Resignation und Hoffnungslosigkeit befreien. Es soll eine Zeit kommen, voller Wunder und Segnungen, für die, welche bereit sind, sich dem zu öffnen.
Das kann wiederum schmerzhaft sein, denn es ist der wahre Kern der Illusion vom inneren Schmerz. Jeder äußere Schmerz ist eine Ausdrucksform dieser inneren Wunden. Sie suchen den Weg, um Erlösung zu finden.

„Und so erlaube du dir, dich wahrlich stets an dir selbst das alleine Licht der Quelle daselbst, vollkommen anzuvertrauen.

Sieh, dass das, was dir manches Mal als große Bürde erscheint, dir doch als großer Segen dienend gekommen ist.
Denn so führte sie dich hin, die Bürde, dass du nicht suchest im Außen, in der Welt der Zerstreuung.
So viele Menschen in scheinbar – ihr nennt es, gesunden Körpern, leben so in der Äußerlichkeit, doch nicht erkennend, dass all ihr Tun, all ihr Sehnen, all ihr Trachten, eine Identifikation, ein Körper zu sein, ist. Sie wissen nicht, dass sie mehr sind, als nur ihr Körper.
Und so sehen sie nicht die unendliche Schönheit des gnadenvollen Lichts, das sie segnet, das in ihnen daselbst strahlt.
Und aus der Durchlichtung deines Leibes – mein Sohn, geschieht dir die Leichtigkeit.
Lasse dich führwahr darin offen, so wie das Gefäß, in dem die Quelle der Liebe Raum nimmt, sich ergießt und strahlend wirket, zum Wohle allen Seins“.
(aus:Hinterm Horizont)

Diese Worte des Ganz-Großen-Lieben-Geistes haben sich in das Unterbewusstsein von Klärus eingeprägt. Wohl wissend aber hat er immer noch geglaubt, die Signale seines Körpers ignorieren zu müssen.
Der Tempel seiner Seele ist brüchig und baufällig und trotzdem belastete Klärus diesen Tempel über alle Gebühr.
Klärus erlebte die letzten Monate trotz vieler Erkenntnisse immer mehr Erschöpfung nach Bewegung. Schon kleine Kraftakte wie an- und ausziehen waren immer mehr mit Atemnot verbunden. Auch in der Nacht hatte er des Öfteren das Gefühl, nicht richtig geatmet zu haben. Schon lange spielte er mit dem Gedanken, sich doch mal in die Obhut eines fachkundigen Arztes zu begeben. Auch war ihm die Nutzung eines Atemhilfsgerätes bei anderen Polios bekannt, aber er wollte sich nicht mit Krankheit beschäftigen, seine Energien nicht auf Krankheit lenken, um dieses Gedankenpotential nicht zu verstärken. Dass er dabei lediglich verdrängte, das verdrängte er zusätzlich.
Klärus wollte weiterhin tätig sein können. Mit seiner Körperkraft noch seinen Beitrag leisten, zur Unterstützung seiner geliebten Klara im häuslichen Bereich. Dass dies sein poliogeschädigter Körper nicht verkraften konnte, ignorierte er.
Klärus dachte, dass er mit der Durchsetzung und Versorgung mit barrierefreien Maßnahmen im Hause alles getan zu haben, was seinem Körper gut tun würde. Und das war auch gut so. Aber halt auch nicht alles

* * *

Es ist Nacht, Klärus öffnet die Augen und nimmt wahr, dass neben ihm 2 Pflegepersonen auf die Messdaten der Computer auf der Intensivstation schauen, an welche sein Körper angeschlossen ist, um alle lebenserhaltenden Maßnahmen ergreifen zu können, welche in der Macht der Schulmedizin stehen.

„Atmen Sie, atmen Sie“, rufen beiden synchron, Klärus beim Namen nennend. Er selbst nimmt dies wie in Trance zur Kenntnis. Vielleicht tut er, was sie sagen, vielleicht auch nicht. Irgendwie kann er den Ernst der Lage nicht einschätzen, hat kein Bewusstsein von seiner ernsten Situation. Er weiß auch zu diesem Zeitpunkt nichts von den Sorgegedanken seiner Lieben zu Hause, die sich in einer verzweifelten Situation befinden. Sie wissen nicht, ob ihr lieber Klärus die Nacht überleben wird, oder nicht, denn sein Körper ist vergiftet vom CO 2, weil seine Lunge den Gasaustausch nicht mehr bewerkstelligen konnte.
Die Atemmuskulatur, die bei vielen Poliobetroffenen keine Ruhe kennt, keine Entspannungsphasen hat, wie beim so genannten „gesunden“ Menschen, kann im Laufe der Zeit die Marathontätigkeit einstellen und versagen. So bei Klärus. Er wusste schon seit geraumer Zeit, dass viele Poliobetroffenen zur Entlastung der Atemmuskulatur in der Nacht ein Atem unterstützendes Gerät haben, sodass sich die Atemmuskulatur erholen kann. Klärus hatte Angst davor, ein solches Gerät zu benötigen.
Jetzt ist all das geschehen, wovor er immer Angst hatte. Immer noch Angst trotz all seiner Erkenntnisse mit all den Schlägen des Lebens, welche zu denselben führten.

Klärus wacht wieder auf, seine Frühere Schwester steht neben seinem Bett. Frühere Schwester deswegen, weil sie in einer früheren Inkarnation auf Erden die Schwester von Klärus war, beide sich in diesem Leben wieder gefunden haben und sich all die Jahre mit Rat und Tat zur Seite standen. Nun steht sie neben seinem Bett in der Intensivstation, hält seine Hand und fragt ihn ernst, ob er „gehen“ möchte. Er weiß, was sie damit meint, nimmt die Frage zur Kenntnis, kann aber keine Antwort darauf geben. Hat auch kein Gefühl dafür. Es ist schon eigenartig, aber es scheint so, dass in einer Zeit des Übergangs dies als solches nicht als schlimm wahrgenommen wird. Zumindest muss es diese Option geben, denn so empfindet dies Klärus. Er hat kein Gefühl von Leid, von Schmerz, von Abschied, auch ist es Klärus nicht emotional bewusst, dass dies eine leidvolle Zeit für seine Lieben ist. Auch hat er kein Empfinden über seinen körperlichen Zustand.

„Erkenne – dass du niemals dieser Körper warst.
Du trägst ihn.
Er ist dir wie ein Gewand.
Erlaube dir um deiner Erkenntnis willen, irdische Hilfe anzunehmen.
Siehe, dass daselbst Menschen von großer Weisheit erfüllt, und doch zugleich in scheinbar gepeinigtem Körper auf der Erde dienten und noch dienen und doch sehen sie sich nicht gepeinigt.
Und darum sprach ich zu dir „scheinbar“ gepeinigt.
Denn sie wissen, dass sie nicht dieser Körper sind.
Und so ist darin keine Identifikation mit der Begrenzung.
Siehe – dass du daselbst willkommen bist, ein Gleiches in dir zu erfahren.“
Erlaube Menschen die in gesundem, irdischem Gewand, dir helfend zu dienen.
So wird es geschehen, wann immer du bereit dazu bist.“ (aus: Hinterm Horizont)

erstellt von Roland Stickel
(bisher nicht veröffentlichter Text)

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Augenblicke im Leben eines Menschen
Hinterm Horizont

Sonntag, 16. Mai 2010

18 »7 Erklärungen und ein unterirdisches Geheimnis«

Teil 18 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Sieben Erklärungen des »Phänomens Nasca« sollen verdeutlichen, wie widersprüchlich die von der wissenschaftlichen Seite vorgetragenen Lösungen sind. Die sieben »Lösungen« stehen stellvertretend für eine wahre Flut an »Antworten«. Das Sammelsurium hätte noch erheblich erweitert werden können. Die unterschiedlichsten Meinungen zu Nasca werden seit vielen Jahren verkündet.. und immer zur endgültigen Antwort auf die Fragen in Sachen Nasca erklärt. Und immer wieder heißt es dann: »Däniken widerlegt!«

Fakt ist aber: Die dänikensche These ist bis heute keineswegs widerlegt. Es wurden lediglich immer neue Lösungen für das Problem Nasca vorgetragen. Bewiesen werden konnte keine einzige!

Erklärung 1: Hobby-Archäologe Jim Woodman behauptet, Nasca sei ein Startplatz für Heißluftballone gewesen. Gegenargument: Solche Ballone benötigen keine »Landebahnen«. Heißluftballone steigen von einem Punkt senkrecht in die Höhe. Zudem nutzte Woodman zwar Stoffe, die schon von den Nasca-Bewohnern vor vielen Jahrhunderten gewebt und verwendet wurden. Aber Woodmans Experiment funktionierte nur, wenn sein »primitiver« Heißluftballon mit einem modernen Nachbrenner ausgestattet war. So etwas besaßen die Nasca-Bewohner vor rund 2000 Jahren definitiv nicht.

Wenn behauptet wird, Woodman habe ausschließlich Mittel und Materalien eingesetzt, die vor Jahrhunderten den Menschen von Nasca zur Verfügung standen, dann ist das definitiv falsch. Die Nasca-Menschen besaßen definitiv nicht die Mittel, um einen Woodman-Ballon zu bauen. Woodman hat, allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz, das Geheimnis von Nasca nicht gelöst.

Angeblich ließen die Menschen von Nasca auf der Ebene mit den Riesenbildern Heißluftballone aufsteigen: mit vornehmen Toten »an Bord«. So sollten die Edlen in den Himmel, womöglich zur Sonne, reisen. Eine solche Form der Bestattung passt allenfalls zu den späteren Inkas, bezeichnete sich doch der Herrscher der Inkas als »Sohn der Sonne«. Doch dieser besondere Kult entstand sehr viel später, lässt sich für die Nasca-Kultur nicht nachweisen.

Selbst wenn – rein hypothetisch – vornehme Tote per Heißluftballon gen Himmel geschickt wurden... weit können diese primitiven »Himmelsschiffe« nicht gekommen sein. Sie stürzten – so es sie gegeben haben sollte – wieder vom Himmel, fielen auf die Hochebene von Nasca herab... Das war alles andere als ein würdevoller Abgang für bedeutsame Persönlichkeiten. Meine Meinung: Die Heißluftballonthese ist und bleibt eine kühne Annahme, die nicht als logisch bezeichnet werden kann.

Erklärung 2: Maria Reiche (geboren am 15. Mai 1903 in Dresden; gestorben am 8. Juni 1998 in Lima, Peru) hat Jahrzehnte entbehrungsreich in Nasca gelebt, gearbeitet und geforscht. Sie meinte, die Linien seinen so etwas wie ein astronomisches System. Gerald S. Hawkins, Astronomieprofessor in Cambridge, Massachusetts, liebäugelte auch mit dieser Lösung. Hawkins war von den Gedanken Maria Reiches fasziniert. Berühmt geworden war er mit seiner Lösung des Mysteriums von Stonehenge. Dank Computertechnologie konnte er nachweisen, dass Stonehenge so etwas wie ein steinzeitliches Observatorium und ein Computer zugleich war.

Sollte Nasca ebenfalls ein riesiges Observatorium sein? Sollte man die Bilder und Bahnen wie Zeichen in einem riesigen Buch lesen können? Hawkins überprüfte diese These per Computersimulation. Er fütterte seinem Computer alle wichtigen Sternpositionen der letzten 6 900 Jahre, verglich damit sämtliche Linien. Ist es so, dass bedeutende Sternkonstellationen über Nasca-Linien angepeilt werden konnten? Das Ergebnis fiel niederschmetternd aus. Hawkins konstatierte resignierend: »Nein, diese Linien waren nicht auf Gestirne ausgerichtet. Enttäuscht mussten wir die Theorie eines astronomischen Kalenders aufgeben.«

Eine Anmerkung sei mir gestattet: Auch wenn ich Frau Reiches Interpretation der Nasca-Bilder nicht teile, nötigt sie mir gewaltigen Respekt ab. Die in höchstem Maße engagierte Forscherin lebte Jahrzehnte unter schwierigsten Bedingungen vor Ort, auch um die Nasca-Kunst vor der Zerstörung zu bewahren.

Maria Reiche hatte gute Chancen und beste Aussichten auf einen sicheren Posten als Lehrerin in Dresden. Die politische Situation in Deutschland behagte ihr aber nicht. Ein Zeitungsinserat lockte sie 1932 nach Peru. Da wurde eine Hauslehrerin vom deutschen Konsul Tabel für seine Kinder gesucht. Der Job interessierte die junge Pädagogin. Maria Reiche reiste nach Südamerika, entdeckte das Mysterium von Nasca für sich. Sie kehrte nie mehr in die Heimat zurück.

Am 22. Juni 1941 brach Dr. Paul Kosok, ein Historiker von der »Long Island University«, New York, zu einem Erkundungsflug auf. Von einem einmotorigen Sportflugzeug aus wollte er zwischen den Ortschaften Ica und Nazca alte Wasserkanäle ausfindig machen. Zu seiner Verblüffung fand er nicht das Gesuchte, sondern... Scharrbilder im Wüstenboden. Der Zufall führte Dr. Kosok und Maria Reiche zusammen. Kosok begegnete der jungen Deutschen in einer Gastwirtschaft, wo sie für die Wirtsleute die Buchführung machte. Dr. Kosok suchte eine wissenschaftliche Hilfskraft. Sie sollte Übersetzungsarbeiten für ihn erledigen können und über Kenntnisse in Mathematik verfügen. Maria Reiche war firm in Spanisch und Deutsch... und sie war Mathematikerin. So erfuhr sie von den Scharrzeichnungen von Nasca.

Aus der Luft, so notierte Maria Reiche, erinnerten einige der Riesenbilder-Pisten an Flugplätze. Und in der Tat: So sehen die oft kilometerlangen Bahnen tatsächlich auch aus. Maria Reiche konstatierte diesen unbestreitbaren Sachverhalt. Erich von Däniken tat das auch. Erich von Däniken erntete für seine sachliche Feststellung Hohn und Spott.

Die Wüstenebene von Nasca zog Maria Reiche in ihren Bann und ließ sie nicht mehr los. Sie begann, systematisch die Gluthölle von Nasca nach Scharrzeichnungen zu untersuchen. Mit unermüdlicher Ausdauer schleppte sie eine Stehleiter über die Wüstenebene und erklomm sie immer wieder. Fünfzig Zeichnungen im Boden entdeckte sie. Im Alter von 52 Jahren ließ sich Maria Reiche auf den Kufen eines Hubschraubers festbinden und fotografierte die riesigen Bodenzeichnungen von der Luft aus. Ihre Aufnahmen machten Maria Reiche weltberühmt. Dass das riesige Bilderbuch 1994 zum Weltkulturerbe ernannt wurde und so unter besonderem Schutz steht, ist den unermüdlichen Anstrengungen Maria Reiches zu verdanken!

Erklärung 3: Nach William H. Isbell, New Yorker Staatsuniversität, glaubt, die Riesenbilder seien als eine Art Beschäftigungsprogramm entstanden. Seine Überlegung: Gab es reichlich Nahrung, mussten Scharrbilder geschaffen werden, damit das Volk nicht übermütig wurde. Aufstände und Rebellionen sollten so unmöglich gemacht werden. Hätten aber sinnlose Arbeitsprogramme nicht erst recht den Zorn der Bevölkerung hervorgerufen? Und wann gab es in einer lebensfeindlichen Wüstenregion je Nahrung im Überfluss?

Erklärung 4: Nach Henri Stierlein sind die Scharrbilder Spuren von »gigantischen Webketten«. Fleißige Indios sollen kilometerlange Fäden aufgereiht und verwoben haben. Einwand: Das ist nicht praktikabel. Nicht wenige Linien führen an steilen Felswänden empor oder überspringen Schluchten. Andere Linien kreuzen sich.

Erklärung 5: Professor Frederico Kauffmann-Doig erkennt in den Scharrbildern Beweise für einen »Katzenkult«. Einwand: Es wurden zwar alle möglichen Tiere, von der Spinne bis zum Affen, dargestellt, aber keine einzige Katze.

Erklärung 6: Der verstorbene Fernsehprofessor Hoimar von Ditfurth wollte Nasca als gigantische Sportarena verstanden wissen. Die Linien seien von hurtigen Läufern abgerannt worden. Einwände: Ein 1000 Quadratkilometer riesiges »Sportareal« wäre wirklich unsinnig. Die Athleten wären gar nicht zu beobachten gewesen. Außerdem: Linien, die über Klippen führen, die an kaum begehbaren Steilhängen in den Himmel weisen, sie wären als »Laufbahnen« denkbar ungeeignet gewesen. Außerdem: Wenn schnelle Läufer in Kurven sausen, dann hat das zur Folge, dass in den Kurvenaußenseiten mehr Sand und Steine angehäuft werden (Zentrifugalkraft). Messungen vor Ort ergaben, dass das bei den kurvigen Linien von Nasca nicht der Fall ist.

Erklärung 7: Simone Waisbard verkündet – das babylonische Durcheinander bei den »Erklärungen« für das Phänomen Nasca grob missachtend – eine weitestgehende Übereinstimmung bei den peruanischen Fachleuten: demnach diente das gigantische Bilderbuch von Nasca dazu, »die zu erwartende Niederschlagsmengen zu bestimmen«. Die Nasca-Menschen hätten, so Simone Waisbrad weiter »aus dem Flug der Seevögel« das künftige Wetter erkennen können. Und die Nasca-Zeichnungen würden just diesen Seevögeln ähneln.

Nun: Es gibt keine These, die von einer Mehrheit oder allen peruanischen Experten vertreten wird. Die Nasca-Zeichnungen ähneln zudem in keiner Weise den Seevögeln. Und wie die mysteriösen Bilder – Darstellungen unterschiedlichster Tiere und Pisten – genutzt worden sein sollen, um künftige Niederschlagsmengen zu berechnen... bleibt schleierhaft!

Die zu erwartenden Niederschlagsmengen konnten übrigens sehr leicht prognostiziert werden: Es regnete so gut wie überhaupt nie in der Wüstenregion von Nasca. Häufige und vielleicht gar heftige Niederschläge hätten im Verlauf der Jahrhunderte die Zeichnungen von Nasca längst zum Verschwinden gebracht!

Keiner der Gelehrten, der die eigene ganz private Meinung für des Rätsels Lösung hält, ist je mit auch nur einem Wort auf ein weiteres Geheimnis von Nasca eingegangen. Ich habe es als erster Buchautor überhaupt in meinem Buch »Bevor die Sintflut kam« beschrieben. Das mag daran liegen, dass ich – im Gegensatz zu anderen Publizisten – nicht nur am heimischen Schreibtisch recherchiere, sondern stets die geheimnisvollen Orte selbst aufsuche.

Das riesige Wüstenareal von Nasca hat eine geheimnisvolle »Unterwelt«. Wann mag sie erschaffen worden sein? Geschah dies vor mehr als 2 000 Jahren? Wurde die riesige Ebene vollkommen untertunnelt, bevor die Scharrzeichnungen in den Boden gekratzt wurden? Einer uralten Überlieferung nach schuf kein Geringerer als Schöpfergott Viracocha die Unterwelt von Nasca. In einer Zeit schlimmer Dürre kam Viracocha vom Himmel herab. Das Leid der Menschen rührte ihn zutiefst. Er weinte bitterlich. Die göttlichen Tränen sammelten sich unter dem heiligen »Berg« Cerro Blanco zu einem riesigen See. (»Cerro Blanco« ist mit einer Höhe von über 2 000 Metern die höchste Sanddüne der Welt!)

Diese lebensnotwendigen Wasserfluten gelangten über die Arme des Sees unterirdisch zu den Bewohnern von Nasca, die von nun an keinen Durst mehr leiden mussten. Die mythologische Erklärung weist auf ein sehr hohes Alter der Unterwelt von Nasca hin. Wann aber entstanden die Tunnel? Vor zwei Jahrtausenden... oder noch weiter zurück in der Vergangenheit?

Wie auch immer: Es wurde vor vielen Jahrhunderten ein kompliziertes subterranes Tunnelsystem angelegt. Den Einheimischen ist diese Anlage, die mit einem kaum vorstellbaren technischen Aufwand erstellt worden sein muss, seit langem bekannt. Sie nennen auch heute noch die Eingänge zu der unterirdischen Röhrenwelt »Augen der Wüste«. Früher soll es davon viele Tausende gegeben haben. Heute sind nur noch verhältnismäßig wenige erhalten geblieben.

Sie sehen aus, als habe man mit einem riesigen Bohrer eine »Wendeltreppe« ins Erdreich gepresst. Spiralförmig führt ein schmaler Weg in die Tiefe. War man eben noch der staubigen, trockenen Wüstenglut ausgesetzt, so fühlt man sich in eine ganz andere Welt versetzt. Noch heute fließt frisches Quellwasser durch die Röhren. Fische (eine Welsart) gedeihen darin prächtig.

Als 1955 die Stadt Nasca ein »modernes Trinkwassersystem« anlegte, stieß man bei Aushubarbeiten auf die alten Tunnel und Röhren. Große Teile der mehr als 2 000 Jahre alten Anlage wurden einfach übernommen.

Vor Ort hörte ich: Es soll noch heute breite unterirdische Straßen geben, in denen man mit einem Jeep von einer Seite auf die andere Seite der Ebene gelangen kann – unter dem Wüstenboden, wohlverstanden. Manche der Röhren liegen fast zwanzig Meter unter der Erdoberfläche. Archäologen vor Ort meinen: Man hat zunächst Gräben ausgeschachtet, mit massiven Steinplatten weit unter der Erdoberfläche abgedeckt und dann alles zugeschüttet. Oder wurde doch, mit welcher Technologie auch immer unterirdisch »gebohrt«. Früher wurden die Röhren und Tunnel gewartet, gereinigt und ausgebessert – unterirdisch.

Ich selbst habe mehrere »Augen der Wüste« inspiziert. Die breiteste »Treppenspirale« hatte oben an der Erdoberfläche einen Durchmesser von fünfzehn Metern. Der Eingang in die Unterwelt lag fünfeinhalb Meter tiefer. Alle »Augen der Wüste« führen zu unterirdischen Tunnel, die meist etwa fünf Meter unter dem Wüstenboden verlaufen. Folgt man den Treppen, gelangt man zu einem Einstieg in das unterirdische System. Die von mir vermessenen »Tunnel« hatten eine Höhe von 120 Zentimetern und waren 60 Zentimeter breit. Die »Röhren« verliefen zickzackartig von Schacht zu Schacht.

Kriecht man hinein, kommt man am besten auf allen Vieren weiter. Von unten erfrischt eiskaltes Wasser. Von oben hängen bleiche Wurzeln herab, wie bleiche Finger einer Totenhand auf der Suche nach Wasser.

Die Schächte (»Augen der Wüste«) wurden wendeltreppenartig angelegt. Wurden sie nachträglich in den knochentrockenen Boden getrieben, um an das lebenswichtige Wasser zu gelangen? Sind die unterirdischen Wasserläufe also älter als die diversen Zugänge zum Wasserschöpfen? Oder stammen die »Wendeltreppen« von den Erbauern des unterirdischen Systems selbst?

1988 kamen Katherine Schreiber und Josué Lancho Royas in »Boletin de Lima« (Septemberausgabe) zum Ergebnis: die unterirdische Anlage ist einzigartig in Peru, ja vermutlich in ganz Amerika!

Die Ebene von Nasca wird um so mysteriöser, je näher man sich mit ihren Geheimnissen beschäftigt. Welchem Zweck diente ein weitverzweigtes Tunnelsystem, das kostbares Wasser tief unter die Wüstenoberfläche leitete, wo es doch an der Erdoberfläche dringendst benötigt wurde? Kristallklares Wasser, das in künstlich angelegten Tunnel tief unter dem staubtrockenen Wüstenboden dahinfließt... Man kann es problemlos trinken. Kleine Fischchen flitzen umher.. im glasklaren Wasser unter der Wüste. Das, so scheint mir, ist das wirklich große Mysterium von Nasca: das lebensspendende Wasser unter der höllisch-lebensfeindlichen Wüste.

Verwendete Literatur

Däniken, Erich von: »Habe ich mich geirrt?«, München o.J.
Ditfurth, Hoimar von: »Warum der Mensch zum Renner
wurde«, »Geo« Nr.12 1981
Hadingham, Evan: »Lines to the Mountain Gods«, New York 1987
Hawkins, Gerald S.: »Beyond Stonehenge«, London 1973
Hiben, Frank: »The Lost Americns«, New York 1961
Isbell, William: »Die Bodenzeichnungen Alt-Perus«, »Spektrum
der Wissenschaft«, Dezember 1978
Langbein, Walter-Jörg: »Bevor die Sintflut kam«, München
1996
Mason, Alden J.: »Das alte Peru«, Zürich 1965
Reiche, Maria: »Geheimnis der Wüste«, Stuttgart 1968
Stierlin, Henri: »Nazca, la clef du mystère«, Paris 1983
Stierlin, Henri: »Nazca«, Paris 1983
Waisbard, Simone: »Nazca – Zeichen in der Wüste«, Beitrag zu »Die letzten
Geheimnisse unserer Welt«, Stuttgart 1977
Williamson, George H.: »Road in the Sky«, London 1965
Woodman, Jim: »Nazca«, München 1977



»Der Dreizack von Pisco«,
Teil 19 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23. Mai 2010

Samstag, 15. Mai 2010

Samstagsrezension Helga König: Machiavelli für Manager- Sentenzen

"Man darf nie glauben, der Feind handle, ohne zu wissen, was er tut." (Machiavelli, Über die Kriegskunst, Fünftes Buch)

Vor mir liegt ein kleines Büchlein mit dem Titel „Machiavelli für Manager“. Es beinhaltet eine Vielzahl kluger Sentenzen aus unterschiedlichen Werken des italienischen Schriftstellers Niccoló Macchiavelli (3.5.1469-22.6.1527), dessen „Il Princepe“ ich bei Amazon vor einiger Zeit rezensiert habe.

Mich hat der Titel neugierig gemacht. Ich wollte wissen, welche Gedanken Machiavellis man Führungskräften in der Wirtschaft an die Hand geben möchte. Machiavelli ging von einem sehr pessimistischen Weltbild aus. Das machen alle Sätze des Buches klar. Oberstes Gebot bei ihm ist, dass der Zweck stets die Mittel heiligt, wenn es um die Machterhaltung geht.

Machiavelli ist kein Idealist, sondern sieht die Menschen so wie sie offenbar sind: bis zum Exzess vorteilsbezogen. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt den Leser wissen:“ Die Menschen sind immer schlecht, wenn die Notwendigkeit sie nicht gut macht“ (Zitat: Der Fürst, XXIII) und führt an anderer Stelle erklärend aus:“ Die Menschen fügen einander Schaden zu entweder aus Furcht oder aus Hass“ (Der Fürst XXIII).

Diese beiden Sätze sollte sich nicht nur jede Führungskraft in der Wirtschaft klar machen, solange es eine Wettbewerbsgesellschaft gibt, um gegen Angriffe von Konkurrenten gewappnet zu sein und nicht unnötigen Hass unter den Mitarbeitern zu sähen. Gerechtigkeit mindert Hass, demokratische Strukturen in Firmen vermindern Furcht. Nur ein starkes Team kann sich gegen die Angriffe von außen erfolgreich zur Wehr setzten. Dass es solche Attacken fortwährend gibt - besonders im Turbo-Kapitalismus- wird kein realistisch denkender Mensch bestreiten. Ich gebe Machiavelli in seiner Betrachtung vollkommen Recht, dass ein Volk oftmals, von einem Trugbild des Guten getäuscht, ins Verderben stürzt, (vgl.: Vom Staat, Erstes Buch, 53.Kapitel). Genau so geht es Firmen, wenn deren Manager zu idealistisch sind. Idealismus und kapitalistische Strukturen sind eine unheilvolle Melange. Wer im Kapitalismus bestehen möchte, ist gut beraten sich mit Machiavelli zu befassen und seinem Rat in vieler Hinsicht zu folgen.

Einen Satz aus der „Geschichte von Florenz“, Sechstes Buch, sollten sich alle Manager immer wieder vergegenwärtigen :“Machthungrige können verwandtschaftliche Beziehungen eingehen, Freundschaften kann sie jedoch nicht verbinden.“ Insofern sollte man sich seine Gegenüber im Berufssektor genau ansehen und ausloten wie machthungrig sie sind. Machthungrige sägen immer am Ast ihres Gegenübers . Man muss ihnen nicht noch das Handwerkszeug schärfen.

Ich stimme Machiavelli auch in der Sentenz zu “Misstrauische Leute sind nicht redlich“, (Clizia, III. Akt, 7. Szene). Misstrauen ist keine Frage von Intelligenz, sondern von innerer Schlechtigkeit. Misstrauen beruht auf Projektion. Man ist gut beraten,  misstrauischen Menschen aus dem Weg zu gehen. Von ihnen kann man selten etwas Gutes erwarten.

Die Sentenz „ Ein Feldherr, zur Flucht oder Schlacht genötigt, wählt immer die Schlacht, da er durch diesen Entschluss, so gefährlich er auch sein mag, auf Sieg hoffen kann, durch den anderen aber von vornherein verloren ist“ (Vom Staat, Zweites Buch, 10. Kapitel), halte ich für sehr wichtig im Umgang mit seiner Konkurrenz. Zu glauben einen starken Gegner zu verängstigen und zur Flucht bewegen zu können, ist blauäugig. Durch solche Manöver holt man sich den Krieg ins Haus und der ist auch im Bereich der Wirtschaft teuer und so unnötig wie ein Kropf.

Merken sollte man sich auch als Manager: „Es ist töricht, die Menschen zur Verzweiflung zu bringen. Denn wer auf nichts Gutes mehr hofft, fürchtet nicht das Schlimmste“ (Geschichte von Florenz, Zweites Buch) . Wer das Schlimmste nicht fürchtet, möchte ich anfügen, wird unberechenbar, das haben alle Revolutionen gezeigt.

Um eine florierende Wirtschaft möglich zu machen, sollten einzelne Führungskräfte nicht zu viel Macht in die Finger bekommen, denn „ Je mehr Macht die Menschen haben, um so mehr missbrauchen sie diese und werden übermütig.“ (Geschichte von Florenz, Zweites Buch)

Ich habe nur eine kleine Anzahl der im Buch enthaltenen Sentenzen in meine Rezensionen  einfließen lassen. Im Grunde könnte man jeden einzelnen Gedanken auf den Prüfstand stellen und hinterfragen, ob sie für Manager zweckdienlich sind. Die meisten sind es und zwar so lange die Menschen in erster Linie vorteilsbezogen denken und handeln.

Letzten Samstag habe ich Roger de Weck „ Nach der Krise“ rezensiert. Der Autor sagt zu Recht, dass Skrupellosigkeit, Gleichgültigkeit, Gier, Menschenverachtung und Eigennutz das Gesicht des Turbo-Kapitalismus prägen. Solange es keinen Wertewandel gibt,  ist es also- systemimmanent gedacht- klug, Machiavellis Ratschläge zu befolgen, um im Haifischbecken der Vorteilsdenker zu bestehen und erfolgreich Geschäfte machen zu können. Eindeutig.

Rezension Helga König



Freitag, 14. Mai 2010

Freitagskolumne - »Post an Wagner«: Freundschaft und Geld

Eine Antwort auf Franz-Josef Wagners Kolumne »Liebes Griechenland«, BILD, 25.04.2010

Lieber Franz Josef Wagner,

Geld und Freundschaft, das waren schon immer zwei Dinge, die nicht wirklich zueinander passen. Denn: Lässt man sich durch Freunde in Schulden bringen, wird man eines Tages erkennen, dass Freunde gefährlicher sein können als Feinde.
Fragen Sie nur die vielen Männer und Frauen, die sich auf eine Bürgschaft für den Lebenspartner eingelassen haben: Die werden Ihnen erzählen können, wie der Hase läuft, wenn Partner und Kohle weg sind, und der Schuldenberg den letzten Rest der Liebe darstellt.

Das Beste, was man für seine Freunde tun kann, ist, dafür zu sorgen, selbst nicht in die Not zu kommen, sie um finanzielle Hilfe bitten zu müssen. Denn sonst wird der Tanz des Zorbas zum billigen Eintanz, das Glas Wasser und die Feige, zuvor aus Gastfreundschaft angeboten, zur zähneknirschenden Pflichtübung dem Gläubiger gegenüber.
Geld verdirbt jede Freundschaft. Weil es ihr die Unschuld raubt. Weil es aus einem Freien einen Bettler macht. Kommt der Gebende gar selbst dadurch in Bedrängnis, wird die Situation noch schwieriger: Er muss sich zum einen dem Hass des beschämten (ehemaligen) Freundes stellen, und zum anderen seinen eigenen Gläubigern.

»Aber Freunden MUSS man einfach helfen!«,
so werden Sie jetzt einwenden. »Soll man etwa zusehen, wie sie vor die Hunde gehen?«
Hierzu würde ich sagen: Ja! Sie haben recht! Man sollte Freunden helfen. Die Frage ist nur, in welcher Weise?
Die griechische Mythologie hat den Begriff des »Danaergeschenks« geprägt. Es bezeichnet eine Gabe (in der Mythologie: Das Trojanische Pferd), die sich für den Empfänger als Unheil stiftend erweist.
Und genau das sind sie für Griechenland, die Milliarden, die jetzt hereinregnen: Sie lösen das Problem nicht, verstärken es vielmehr. Sie erhöhen die Summe der Verbindlichkeiten Griechenlands, die schon jetzt unabtragbar erscheint, um einen weiteren großen Posten. Hierdurch ist die Erklärung des Staatsbankrotts erst einmal verschoben, ja. Aber abgewandt ist sie dadurch nicht.
Die wirkliche Hilfe müsste so aussehen, das Land bei der Durchführung einer geordneten, staatlichen Insolvenz und dem darauf folgenden Neuanfang zu unterstützen. Die unvermeidlichen Verluste dabei müssten von den Gläubigern Griechenlands getragen werden. Denn es ist das Wesen der Marktwirtschaft, sich über die Risiken eines Geschäfts bewusst zu sein. Gewinne einzustreichen, Verluste jedoch auf die Allgemeinheit abzuwälzen, das widerspricht fundamental dem freien Spiel der Kräfte und bringt zwangsweise schwere Störungen des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts mit sich.

Die am Reißbrett erstellte, politisch motivierte Gemeinschaftswährung namens EURO würde im Falle eines Staatsbankrotts wohl den Bach hinuntergehen. Aber was soll's: Haben nicht alle beteiligten Länder zuvor auch ohne den EURO ganz gut gelebt?

Emotionen wie die in Ihrem Brief vorgetragenen, Herr Wagner, sind jedenfalls in keiner Weise als Grundlage wirtschaftlichen Handelns geeignet. Wollte man sie trotzdem zu einer Entscheidungsgrundlage machen, so müssten sie gleichermaßen auch für das eigene Land gelten: Gab es bei uns nicht Goethe, Beethoven oder Wagner, (Richard, meine ich damit jetzt, nicht Franz Josef!)? Gibt es bei uns keinen Meeresstrand, der das Segeln lohnt? Keine freundlichen Menschen? Oder Kinder, die dringend eines besseren Bildungssystems bedürften, für das nun aber auf absehbare Zeit kein Geld mehr vorhanden sein wird?

»Rette nicht die Welt, rette Dich selbst!«, heißt es. »Denn mehr kannst Du für die Welt nicht tun ...«

Herzlichst,
 
Ursula Prem



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