Sonntag, 25. August 2019

501. »Bücher voller Geheimnisse«


Teil 501 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Vieles auf Erden ist uns verborgen.
Als Ersatz dafür wurde uns 
ein geheimnisvolles,
heimliches Gefühl zuteil
von unserer pulsierenden Verbindung
mit einer anderen Welt,
einer erhabenen und höheren Welt,
und auch die Wurzeln unserer Gedanken
und Gefühle sind nicht hier,
sondern in anderen Welten.«
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
(*11.11.1821, † 09.02.1881)



Die Bibel - Weil dies Buch voller Geheimnisse ist

Johannes Piscator (*1546, †1625), war in elsässischer Theologe. Von 1602 bis 1604 übersetzte er so genau wie möglich die Bibel. Mehr als Luther (*1459; †1530 ) war Johannes Piscator auf philologische Genauigkeit bedacht und weniger auf sprachliche Gefälligkeit. Seine möglichst wortgetreue Übersetzung fordert heutigen Leserinnen und Lesern einiges ab. In Piscators Deutsch verfasst ist sie für die heutige Leserschaft manchmal schwer verständlich. Von den Lutheranern verspottet konnte sich die »Piscator-Bibel« nicht durchsetzen. Sie war in Deutschland zeitweise sogar verboten. Heute ist sie selbst so manchem Theologen allenfalls dem Namen nach bekannt, lesen tut sie kaum noch jemand. Das liegt wohl auch daran, dass Luther dem Volk mehr aufs Maul schaute und eine gefälligere, eingängigere Übersetzung bot, die zudem im Lauf der Jahrhunderte immer wieder dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst wurde.

Anno 1684 erschien in Bern in offenbar hoher Auflage eine »Piscator-Bibel«, die viele erklärende Anmerkungen zu nicht so ganz klaren oder vordergründig unverständlichen Aussagen bietet. Auch Piscator selbst empfand die Bibel als für den Menschen zu geheimnisvoll, als dass er wirklich alles verstehen könnte. Deshalb sei es erforderlich, vor der Lektüre daran zu bedenken, dass man sich (1) »in ein heiliges Gespraech einlasset mit Gott«. Wer die Bibel liest, der tritt ein in einen Dialog mit Gott. Die Geheimnisse der Bibel, so Piscator weiter, werden unverständlich bleiben, es sei denn man bittet Gott vorher um die notwendige Erleuchtung. Bei Piscator liest sich das in heutigem Deutsch so:

Foto 1:  Einleitung zum Neuen Testament von Piscator, 1771



»Weil dieses Buch (die Bibel) voll großer Geheimnisse ist und der normale Mensch die Dinge, die von Gottes Geist sind, nicht verstehen kann, so lies niemals in diesem Buch, ohne zuvor Gott um die notwendige Erleuchtung gebeten zu haben.«

In Piscators Deutsch (2): »Weilen diß Buch voll hoher Geheimnussen ist, und der natuerliche Mensch nicht fassen kan die Dinge, die des Geistes Gottes sind, so liese niemals hierinn, du habest denn Gott mit Andacht angerufen um die nothwendige Erleuchtung.«

Piscator rät, zur Vorbereitung der Bibellektüre Vers 18 aus Psalm 119 zu sprechen: »Entdecke mir, o mein Gott!, meine Augen, auf daß ich die Wunder sehe in deinem Gesatz.« Man wird also angehalten zu beten, Gott möge einem die Augen öffnen, damit man das Wundersame sehe. Johannes Piscator schlägt ein Gebet vor, das man sprechen soll, damit Gott die Geheimnisse und das Wundersame der Bibel verständlich werden lässt Gleich zu Beginn soll man sich bei Gott bedanken, der in einem Licht wohnt und der »uns in der Finsternuss der Unwissenheit und Irrtum steckende Menschen durch die hell=leuchtende Strahlen« seines seligmachendes Wortes anleuchtet. Solches Licht fehlt heute an allen Ecken und Enden.

Die geheime Lehre

Ende der 1960er Jahre nutzte ich in den Schulferien einen Aufenthalt in London zum Besuch der »British Library«. Die geradezu legendäre »Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs« gilt als eine der bedeutendsten Forschungs- und Universalbibliotheken der Welt. Ehrfürchtig blätterte ich in Originalausgaben »Isis Unveiled« (1. Auflage 1877) und von »The Secret Doctrine« (1. Auflage 1888). Die Autorin Helena Petrovna Blavatsky (*1831; †1891) war ohne Zweifel eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Mich faszinierte »Cosmic Evolution«, enthalten in »Seven Stanzas translated  from  the Book of Dzyan«. Nach Helena Petrovna Blavatsky handelt es sich dabei um das »älteste Dokument der Welt«. Das bis heute umstrittene »Buch des Dzyan«, auch »Buch Dzyan« genannt, soll von Wissenden, den Eingeweihten einer »geheimen Bruderschaft« in Tibet aufbewahrt und erhalten werden.

Während Skeptiker das Werk »Dzyan« für reine Fiktion halten, sieht die »Theosophical Society« H. P. Blavatsky in wachsendem Maße von der Wissenschaft bestätigt (3): »Vertreter der Physik, Chemie, Biochemie und Biologie wagen es zunehmend, sich etablierten Lehrmeinungen entgegenzustellen und in ihren Forschungen auch philosophisch-geisteswissenschaftliche Aspekte zu berücksichtigen, wie sie in H. P. Blavatskys Werken angedeutet werden. So lehren sie u. a. den unwirklichen und täuschenden Charakter der Materie; die Tatsache, daß die physische Welt auf Energie beruht und von ›Leben‹ erfüllt ist, so daß es wahrhaft nichts Totes gibt; die innere Natur und Zusammensetzung des Atoms und aller Wesenheiten.«

Foto 2: Piscators Neues Testament von 1771

So beginnt Strophe I des Dzyan: »1. Die ewige Mutter, gehüllt in ihre immer unsichtbaren Gewande, hatte wieder einmal während sieben Ewigkeiten geschlummert. 2. Es gab keine Zeit, denn sie lag schlafend in dem unendlichen Schoße der Dauer. 3. Das Universalgemüt war nicht vorhanden, denn es gab keine Ah-hi, es zu erhalten.«

Die »ewige Mutter« war nach dem »Buch Dzyan« der Kosmos. Und der Kosmos schlummerte, weil (noch?) keine Ah-hi, keine »himmlischen Wesen«, (in ihm?) existierten. Sehr präzise formuliert Vers 5 von Strophe I: »Dunkelheit allein erfüllte das unendliche All.« Was hat die Aussage in Vers 8 von Strophe I zu bedeuten (5): » Und das Leben pulsierte unbewusst im Weltenraume.«? (Im englischen Original von Helena Petrovna Blavatsky: »… and life pulsated unconscious in universal space.«)

Ah-hi und Elohim

Und die Ah-hi, wer oder was waren die? Dr. Franz Hartmann (*1838; †1912) kann auch heute noch als führender deutscher Experte auf dem Gebiet der Schriften von Helena Petrovna Blavatsky gelten. Dr. Hartmann gründete im Jahre 1896 die »Deutsche Theosophische Gesellschaft«. Bereits zwei Jahre später, 1898, wurde er von Katherine Tingley,  der Nachfolgerin H. P. Blavatskys, als »Präsident« der Gesellschaft eingesetzt. Sein Werk  (6) »Kurzgefasster Grundriss der Geheimlehre von H.P. Blavatsky« wurde 2015 neu aufgelegt und ist auch als eBook erhältlich.

Foto 3: Piscators Neues Testament von 1771

 Dr. Franz Hartmann bezeichnet darin die Ah-hi als (7) »himmlische Wesen«, als »Inbegriff der geistigen Kräfte und Wesenheiten des Weltalls« und setzt sie mit den Elohim des Alten Testaments gleich, »deren Tätigkeit in der Natur das Rad der Evolution in Bewegung setzt und darin erhält. … Diese geistigen Kräfte oder Engel waren aber vor dem ›Anfange‹ nicht vorhanden.« Vielmehr wurden sie, so Dr. Hartmann, erst von Gott kreiert. Die Elohim der Bibel, so Dr. Hartmann (8), »sind die Erzeuger unserer Körper«. Im Schöpfungsbericht des Alten Testaments sind es bekanntlich die Elohim, zu Deutsch »Götter«.

Der wahrscheinlich bekannteste Satz der Bibel lautet: »Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.« So beginnt das Alte Testament. Wenig später (9): »Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen...« Uns? Warum spricht Gott in der Mehrzahl? Lesen wir den Schöpfungsbericht im Hebräischen, so stellen wir fest, dass dieses »uns« keineswegs der einzige Hinweis auf Götter in der Mehrzahlform ist. Der Gott, der im deutschen Text am Anfang Himmel und Erde schuf, verwandelt sich im Hebräischen zum Mehrzahlwort: Elohim. Das »Jerusalemer Bibellexikon« (10) versucht zu klären – und führt den Begriff der »majestätischen Mehrzahl Elohim« ein.

Ist damit das Problem »Gott oder Götter« gelöst? Spricht also Gott (Einzahl) »Lasset uns Menschen machen...«, weil er den Pluralis Majestatis anwendet? War die Mehrzahlform, die europäische Könige und Kaiser angewendet haben, um sich vom niederen Volk zu unterscheiden, bereits im Alten Israel bekannt? Eine wortwörtliche Übersetzung aus dem Hebräischen scheint diese Überlegung zu bestätigen: »Am Anfang schuf Elohim Himmel und Erde.«

Foto 4: Voll hoher Geheimnussen

Elohim heißt wörtlich »Götter«, also Mehrzahl. Buchstabengetreu übersetzt: »Am Anfang schuf Götter Himmel und Erde.« Das Subjekt steht in der Mehrzahl, das Verb aber in der Einzahl. Damit liegt aber kein klassischer Pluralis Majestatis vor, denn da stehen Subjekt und Verb beide im Plural. Wir erlassen ein Gesetz, spricht der König. Wir und erlassen sind beide im Plural.

Jüdischer und christlicher Glaube sind beide streng monotheistische Religionen. Doch während das Christentum (wie auch das heutige Judentum) nur an einen alleinigen Gott glaubt und die Existenz weiterer Götter verneint, war das im Judentum des Alten Testaments anders. Die religiösen Gebote verneinen keineswegs die Existenz anderer Götter. Wer an den neuen Gott Jahwe glaubt, darf allerdings keine weiteren Götter verehren (11): »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.«

Verboten ist auch die Herstellung von Bildnissen anderer Götter (12). Fremde Götter dürfen auch nicht angefleht werden (13): »Aber die Namen anderer Götter sollt ihr nicht anrufen, und aus euerem Munde sollen sie nicht gehört werden!« Fremde Götter dürfen nicht angebetet werden. Rabiater noch (14): »Du sollst ihre Steinmale umreißen und zerbrechen!«

Die Bibel bietet Geheimnisse. Das Buch Dzyan bietet viele Geheimnisse. Die Götter bieten viele Geheimnisse. Die Welt, unsere Welt, fasziniert mit Geheimnissen aus Worten und solchen aus Stein. Man muss sie nur zur Kenntnis nehmen wollen. Man muss nur den Mut aufbringen, auch das Geheimnisvolle zu sehen.

Wenn das Geheimnisvolle geleugnet wird, ist wissenschaftlicher Fortschritt unmöglich.

Fußnoten
(1) »Das Neue Testament Unsers Herrn und Heilands Jes Christi, Samt beygefuegten Summarien ueber ein jedes Capitel, Verteutscht durch Johann Piscator, BERN, in Hoch=Oberkeitl. Druckery, Anno 1771«, »Bericht an den Leser, wie man mit Nutz das Wort Gottes lesen soll«
(2) ebenda. Die vierseitige Einleitung weist keine Seitenzahlen auf.
(3) Siehe »Helena Petrowna Blavatsky – Eine Lebensskizze« http://www.geheimlehre.de/die_autorin.htm (Stand, Pfingstmontag, 10.6.2019)
(4) Blavatsky, Helena Petrowna: »Die Geheimlehre«, Bd. I-IV, Nachdruck, Denhaag o.J., Zitat aus Band I »Kosmogenesis/ Kosmische Evolution«, Seite 55
(5) ebenda, S. 56
(6) Hartmann, Dr. Franz: »Kurzgefasster Grundriss der Geheimlehre von H.P. Blavatsky«, München 2015
(7) Hartmann, Dr. Franz: »Kurzgefasster Grundriss der Geheimlehre von H.P. Blavatsky«, München 2015, eBook-Version, Positionen 79 und 83
(8) ebenda, Pos. 1033
(9) 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 26
(10) Hennig, Kurt (Herausgeber): »Jerusalemer Bibellexikon«, Neuhausen-Stuttgart 1990, S. 303
(11) 2. Buch Mose Kapitel 20, Vers 3
(12) 2. Buch Mose Kapitel 20, Vers 23
(13) 2. Buch Mose Kapitel 23, Vers 13
(14) 2. Buch Mose Kapitel 23, Vers 24

Zu den Fotos
Foto 1:  Einleitung zum Neuen Testament von Piscator, 1771. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Piscators Neues Testament von 1771. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Piscators Neues Testament von 1771. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Voll hoher Geheimnussen. Foto Walter-Jörg Langbein


502. »Die Kunst der Anamorphose und eine fantastische Realität«
Teil 502 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 1. September 2019


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Sonntag, 18. August 2019

500. »Hinter’m Horizont«


Teil 500 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Blick über den Horizont hinaus.

Dogmen sind unwissenschaftlich, denn Wissenschaft muss immer alles hinterfragen. Wirkliche Wissenschaft wird nie behaupten, für alle Ewigkeiten gültige Wahrheiten zu verkünden. Vielmehr ist der wirkliche Wissenschaftler dazu bereit, jede gestern eingenommene Position heute oder morgen aufzugeben. Und jeder ehrliche Wissenschaftler wird zugeben, dass unsere wissenschaftlichen Methoden nur Hilfskonstrukte sind, wenn es darum geht, die Wirklichkeit zu erfassen.

Wir neigen dazu, nur das als wirklich gelten zu lassen, was die Wissenschaft zu erklären vermag. Schnell wird das Nochnicht-Erklärbare für nicht existent gehalten. Und wer sich nicht vorschreiben lässt, was real sein darf und was nicht, der wird schnell als unwissenschaftlicher Scharlatan verlacht. Aber: Nur wer sich nicht an Glaubensdogmen in der Wissenschaft hält, der kann den wissenschaftlichen Horizont erkennen und erweitern. Mir kommen Wissenschaftsgläubige wie Anhänger der »Die Erde ist eine flache Scheibe«-Theorie vor. Sie haben einen engen Horizont, den sie mit Eifer ausbauen und festigen. Ihr Dogma lautet: Jenseits des Horizonts gibt es nichts, weil es da nichts geben darf.

Adolf Holl (*1930), vom Dienst suspendierter katholischer Priester, kritisiert heftig den religiösen Menschen: »Je religiöser ein Mensch, desto mehr glaubt er; je mehr er glaubt, desto weniger denkt er; je weniger er denkt, desto dümmer ist er; je dümmer er ist, desto leichter kann er beherrscht werden. Das gilt für Sektenmitglieder ebenso wie für die Anhänger der großen Weltreligionen mit gewalttätig intolerantem ›Wahrheits‹-Anspruch. Dagegen hilft, auf Dauer, nur Aufklärung.« In einer immer säkularer werdenden Welt wird diese Kritik begeistert geteilt. Vergessen und nicht beachtet wird dabei aber, dass an die Stelle von religiösen Dogmen vermeintlich wissenschaftliche Dogmen treten, die heute ebenso wenig angezweifelt werden dürfen wie früher die religiösen. Adolf Holls Kritik trifft auch auf Wissenschaftsgläubige zu.

In unserer säkularen Welt wird Greta Thunberg (*2003) nach und nach religiös verklärt. An diesem weltlichen Prozess einer alternativen Seligsprechung sind Vertreter der Kirche beteiligt. So verglich Berlins Bischof Heiner Koch (1) »die Bewegung der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg mit der (von) Jesus Christus«. Da wundert es nicht, wenn Greta Thunberg die wundersame Gabe nachgesagt wird, C02-Moleküle mit bloßem Auge sehen zu können (2). Greta Thunbergs Mutter sagt ihrem Kind eine außergewöhnliche Fähigkeit nach, die eher zu einer Heiligen als zu einem gewöhnlichen Menschen passt (3): »Greta gehört zu den wenigen, die unsere Kohlendioxide mit bloßem Auge erkennen können. Sie sieht, wie die Treibhausgase aus unseren Schornsteinen strömen, mit dem Wind in den Himmel steigen und die Atmosphäre in eine gigantische unsichtbare Müllhalde verwandeln.« DER SPIEGEL (3): »Die Mutter der Klimaaktivistin hat ihr Leben und das ihrer Tochter aufgeschrieben - herausgekommen ist eine moderne Heiligenlegende.«

Foto 2: Unser Horizont, Darstellung 12. Jahrhundert

Oscar Wilde  (*1854; †1900) glaubte an den Fortschritt der Wissenschaft, die religiösen Aberglauben durch handfestes, beweisbares Wissen ersetzt: »Die Wissenschaft ist die Geschichte toter Religionen.« Leider besteht aber in unserer Zeit die Gefahr, dass Aberglaube stirbt, aber im Gewand der »Wissenschaft« wieder auflebt.Wenn es um brennende Fragen wie den Klimaschutz und die Lösung von akuten Fragen geht, dann ist Wissenschaft gefordert, nicht pseudoreligiöse Verklärung.

Justus Freiherr von Liebig (*1803; †1873) tastete sich an die vermeintlichen Grenzen von Wissenschaft heran: »Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.« Sir Arthur C. Clarke (*1917; †2008) wagte einen Blick über die Grenzen unseres heutigen Verständnisses von Wissenschaft hinaus (4):»Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.«

Unsere Erde ist keine flache Scheibe, sondern sie ist von kugeliger Gestalt. Der Horizont ist nur eine imaginäre Grenze, nicht das Ende. Denn hinter dem Horizont geht es weiter. Das gilt auch für unseren geistigen Horizont: Auch hinter dieser scheinbar feststehenden Grenze geht es auch weiter. So mancher Wissenschaftler aber vermittelt den falschen Eindruck als ende die Wirklichkeit an den Grenzen eines doch recht engen geistigen Horizonts. Ich darf noch einmal Arthur C. Clarke zitieren: »Wenn ein … Wissenschaftler sagt, etwas sei möglich, dann hat er ziemlich sicher recht, wenn er aber sagt, es sei unmöglich, dann liegt er höchstwahrscheinlich falsch.«

Foto 3: Der Horizont ...
Es stimmt, was Albert Einstein (*1875; †1965) gesagt hat: »Die Wissenschaft, richtig verstanden, heilt den Menschen von seinem Stolz; denn sie zeigt ihm seine Grenzen.«  Richtig verstandene Wissenschaft lässt uns erkennen, dass wir doch nur sehr wenig wirklich wissen. Richtig verstandene Wissenschaft macht uns ernüchternd klar, dass wir uns viel zu viel auf unser ach so großes Wissen einbilden. Thomas Carlyle (*1795; †1881): »Das wäre eine armselige Wissenschaft, die die große, tiefe, geheiligte Unendlichkeit des Nichtwissens vor uns verbergen wollte, über welcher alle Wissenschaft wie bloßer oberflächlicher Nebel schwimmt.«

Falsch verstandene Wissenschaft aber führt zur Einbildung, dass das, was wir verstehen, alles ist, dass es darüber hinaus nichts gibt, schon gar nicht Unverstandenes. Je fester man sich diesen Unsinn einreden lässt, desto schwieriger wird es, zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen zu kommen. Je größer die Angst vor kühn anmutenden Gedanken ist, desto rückständiger bleibt man.Alles Neue liegt hinter dem Horizont. Werner Heisenberg (*1901; †1976): »Wirkliches Neuland in einer Wissenschaft kann wohl nur gewonnen werden, wenn man an einer entscheidenden Stelle bereit ist, den Grund zu verlassen, auf dem die bisherige Wissenschaft ruht, und gewissermaßen ins Leere zu springen.«

Die Urformen des Lebens hausten in den Ozeanen. Gäbe es nicht den Drang, alle Grenzen zu überwinden wäre ein »Landlebewesen Mensch« niemals entstanden. Unsere Vorvorfahren lebten im Wasser. Sie atmeten mit Kiemen, nicht mit Lungen. Das ideale Ambiente dieser unserer Urururahnen war das Wasser. Und dennoch eroberten sie langsam das Land. Dabei mussten sie ein Paradies aufgeben, um in einer Hölle weiterzuleben. Statt wie schwerelos im Wasser zu schweben, musste sie sich schwerfällig an Land dahinschleppen. Hitze versengte ihnen die Haut, Kälte schlug beißende Wunden. Tödliche Gefahren lauerten, die es im Lebensraum Wasser nicht gab, Und doch wurde der Schritt vom gewohnten Lebensraum Meer an Land vollzogen.

Ohne diesen Drang der Expansion hätten sich älteste Lebensform nicht den neuen Gefahren des Landlebens ausgesetzt. Dann wären aber auch niemals Krebse, Vögel und Säugetiere entstanden. Dann wäre das Leben im Wasser geblieben. So strapaziös dieser Umzug auch war, er brachte nicht nur Nachteile. Eine vollkommen neue Welt tat sich für das Leben auf. Empfanden die tierischen »Pioniere«, die an Land krochen, so etwas wie Glück? Hatten sie die Freiheit der Entscheidung? Oder zwang sie das Gesetz der Expansion dazu, die neue Welt der Trockenheit zu erobern? So wie vor Hunderten von Millionen Jahren das Leben aus dem Meer an Land kam, so wird der Mensch Planet Erde verlassen und ins scheinbar unendliche »Meer« des Universums vordringen.

Die Erde ist unsere Wiege. Aber wer möchte schon im Babystadium ausharren? Wir Menschen werden nicht in der Wiege bleiben. Wir werden sie verlassen. Unsere Heimat steht nicht im Zentrum des Universums. Sie ist ein kleiner unbedeutender Planet eines unwichtigen Sonnensystems am »Rande« des Universums. Das Gebot der Expansion wird uns zwingen, so weit wie möglich in die Unendlichkeit vorzudringen. An Bord von riesigen Weltraumstädten kann das Leben von der Erde das All erkunden, auch wenn es Ewigkeiten dauert.Nicht nur wir Menschen folgen diesem Drang der Expansion. Mit anderen Worten: Raumfahrt ist eine natürliche Entwicklungsstufe des Lebens. Dr. Stuhlinger: »Werden die außerirdischen Menschen auch Raumfahrt betreiben? – Zweifellos, sobald sie in ihrer technischen Entwicklung genügend weit fortgeschritten sind.«

Foto 4: Der Horizont, in weiter Ferne und doch so nah!

Eines fernen Tages werden Nachkommen jener Menschen, die einst in riesigen Weltraumstädten die Erde verließen, fremde Planeten erreichen. Was werden sie tun? Das hängt von den Verhältnissen auf den fremden Welten ab. Vielleicht werden sie auf »toten Welten« die Voraussetzungen für Leben schaffen. Vielleicht werden sie primitives Leben kreieren. Vielleicht werden sie primitives Leben intelligent machen. Vielleicht werden sie als Schöpfergötter aus dem All in die Mythen und heiligen Bücher der fernen Welten eingehen. Ihre Geschöpfe werden sich als »Kinder der Götter« verstehen. Irgendwann werden die Götter, deren Urahnen von der Erde kamen, die Reise durchs All fortsetzen. Und irgendwann werden die »Kinder der Götter« ihren Heimatplaneten erforscht haben und den »Göttern« aus dem All ins Universum folgen wollen!

Fußnoten
1) https://www.welt.de/politik/deutschland/article191860105/Berliner-Bischof-Mich-erinnern-die-Freitagsdemos-an-die-biblische-Szene-vom-Einzug-Jesu.html (Stand 30. Mai 2019/ Himmelfahrt)
2) https://www.epochtimes.de/meinung/kommentar/sie-kann-die-co2-molekuele-sehen-greta-thunberg-als-helena-blavatsky-des-21-jahrhunderts-a2872626.html
(Stand 30. Mai 2019/ Himmelfahrt)
3) DER SPIEGEL 2019-05-11
4) Sir Arthur C. Clarke in »Profiles of the Future«, zitiert von Weber, Andreas in »Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit«, Berlin 2008, Seite 57. Originalzitat: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.«,  »Profiles of the future: an inquiry into the limits of the possible«, revidierte Ausgabe 1973, Seite 36 

Zu den Fotos 
Foto 1: Blick über den Horizont hinaus. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 2: Unser Horizont, Darstellung 12. Jahrhundert, Foto wiki commons/ gemeinfrei
Foto 3: Der Horizont ... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Der Horizont, in weiter Ferne und doch so nah! Foto Walter-Jörg Langbein

501. »Bücher voller Geheimnisse«
Teil 501 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25. August 2019


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Sonntag, 11. August 2019

499. »Ewig sein in jedem Augenblick«

Teil 499 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: König Ludwig XV.
Der Graf von Saint Germain (1), er war vermutlich portugiesischer Herkunft, tauchte um 1740 an verschiedenen Königshöfen Europas auf. Niemand weiß so recht, wann er geboren wurde und ob er vielleicht gar noch lebt. Zahlreichen Zeugen gegenüber behauptete er jedenfalls, mit Hilfe eines »Elixiers« das ewige Leben erlangt zu haben. 

Oft wurde er nach dem Rezept für seine geheime Tinktur gefragt, verweigerte aber stets jede Auskunft. Rasch gewann er das Vertrauen König von Ludwig XV. (*1710, †1774) und seiner Geliebten Jeanne Antoinette Poisson, Marquise de Pompadour (*1721, †1764). Die nicht uneitle Dame soll sich in besonderem Maße für jenes Elixier und für seinen Reichtum interessiert haben. Tatsächlich besaß er herrlichste Edelsteine in großen Mengen, die er, wie später Elvis Aaron Presley (*1935; †1977) Straßenkreuzer, häufig verschenkte, als seien sie nichts wert. Voltaire (*1694, †1774), der große Philosoph und Dichter äußerte sich begeistert. Der Graf von Saint Germain sei der Mann, »der niemals stirbt und alles weiß«.

1710 will ihn die Gräfin de Gegy in Venedig kennengelernt haben. Als sie ihn 50 Jahre später wieder traf, hatte er sich äußerlich überhaupt nicht verändert. 1710 war Saint Germain nach dem Zeitzeugen Jean Philippe Rameau, einem französischen Adeligen, etwa 45, eher 50 Jahre alt. Dann müsste er 1760 fast einhundert Jahre alt gewesen sein, sah aber allenfalls nur halb so alt aus, wie auch die englische Zeitung, der seriöse »Londoner Chronicle« bestätigte:

Der Mann muss über das Geheimnis der ewigen Jugend verfügen! Im gleichen Jahr setzte er sich mit Erfolg für Friedensverhandlungen zwischen Preußen und Österreich ein. Ein Vertrag kam zustande. 1762 warnte er Vertreter des französischen Hochadels vor der nahenden Revolution. Er habe eine schlimme, alptraumartige Vision von Erniedrigung und Tod der Vornehmen gehabt. Seine teilweise grausamen Schilderungen wurden nicht ernst genommen. Man lachte vergnügt, beklatschte die aufregenden Beschreibungen.Von 1766 bis 1769 war Saint Germain wiederum in Indien. Seltsam: 1768 und 1769 soll er in Deutschland auch noch mehrere Fabriken eröffnet haben.

Foto 2: Madame de Pompadour
1770 traf er in Moskau mit dem Fürsten Orlow zusammen, um nach Deutschland zurückzueilen und Franz Anton Mesmer in die Geheimwissenschaften einzuweihen. 1780 veröffentlichte der Tausendsassa in London seine Werke für Violine. Da müsste er immerhin schon das stolze Alter von 120 Jahren erreicht haben. Anno 1784 wurde  der Tod des Grafen durch seinen Gönner, den Prinzen Karl von Hessen-Kassel, bekannt gegeben. »Er war vielleicht einer der größten Weisen, die jemals lebten.«, munkelt so mancher Fan des mysteriösen Mannes. Der Totgesagte tauchte freilich bereits ein Jahr später wieder quicklebendig auf. Er nahm am 15. Februar 1785 am »Internationalen Kongress der Freimaurer« in Paris teil. Das belegen zahlreiche Zeugenaussagen und beglaubigte Protokolle.

1789 ernannte König Gustav von Schweden den Grafen zu seinem persönlichen Leibarzt. Madame d’ Adhemar schätzte ihn »auf etwa 45 Jahre«, dabei müsste er damals bereits etwa 150 Jahre alt gewesen sein. 1793 war er wieder in Frankreich, spendete Marie-Antoinette letzten Trost vor der Enthauptung. Im Jahr 1836 wurde er auf der Beerdigung von Carl von Essen gesichtet. Da müsste er selbst fast 180 gewesen sein. 1820 soll er sich dem Herzog von Berry gezeigt haben, Stunden vor seiner Erschießung. 1867 nahm er als ein in rätselhafte Geheimnisse Eingeweihter aktiv in Wien am Treffen der »Großen Loge« teil. Als 207-Jähriger?

1972 machte der Graf nochmals Schlagzeilen: Ein gewisser Richard Chanfray behauptete im französischen Fernsehen, er sei Saint Germain und demonstrierte geheimnisvolle Experimente. Im gleichen Jahr wurde Richard Chanfray der neue Lebensabschnittspartner der damals höchst erfolgreichen Sängerin Dalida, nachdem ihr Mann Lucien Morisse und ihr Geliebter Luici Tenco beide Selbstmord begangen hatten. Im Internet – bei youtube – finden sich immer wieder kurze Filmchen, die Richard Chanfray im Duett mit Sängerin Sängerin Dalida zeigen (2).

Foto 3: Carl von Hessen.
Dalida war ein echter Megastar. Sie hat über 1.000 Lieder in 15 Sprachen aufgenommen, hat über 150 Millionen Alben verkauft und war weltweit die erste Künstlerin überhaupt, die eine »Diamantene Schallplatte« erhielt. Sie wurde mit dem höchsten Orden der Republik Frankreichs geehrt. Viele Jahre hintereinander wurde sie in Frankreich zur zweiwichtigsten Persönlichkeit des Landes gewählt. Platz 1 hielt Charles de Gaulle (*1890; †1970) inne. Dalidas Leben endete tragisch: Am 3. Mai 1987 wurde die einst so gefeierte Sängerin gegen 18 Uhr von einer Hausangestellten in ihrem Pariser Haus auf dem Montmartre tot aufgefunden. Sie hatte, wie die Polizei mitteilte, mit Schlaftabletten Selbstmord verübt. Ihr »Abschiedsbrief« bestand aus einem einzigen Satz: »Das Leben ist mir unerträglich – vergebt mir.«

Chanfray behauptete von sich, er sei »der Mann, der Blei in Gold verwandelt« und der niemals stirbt. Die alchemistische »Kunst« des Goldmachens führte er immer wieder staunendem Publikum vor, angeblich ohne zu Tricksen. Selbst »Experten« hätten keinen Schwindel erkennen können. »Böse Zungen« behaupten allerdings, dass sich Chanfray sein Wissen über Saint-Germain lediglich im Gefängnis anlas, wo er eine sechsjährige Strafe wegen eines Raubes und anderer Delikte absaß. In der Gefängnisbibliothek habe er einige Werke über den mysteriösen Grafen entdeckt.

Im Juni 1983 trat der Mann, der behauptete, der Graf von Saint-German zu sein, letztmals öffentlich bei einer Party auf. Angeblich sah er sehr schlecht aus, war hager, hatte schlohweiße Haare und wirkte erschöpft. Obwohl der angeblich Graf in einige Skandale verwickelt war, obwohl er wieder eine Haftstrafe absitzen und durch zum Teil abstruse Behauptungen auf sich aufmerksam machte, blieb er doch ein Liebling der »Promi-Gesellschaft«. So zeigte er dem spanischen Journalisten José María Íñigo ein »Wunderpulver« vor. Angeblich wurde ein toter Hund wieder lebendig, um kurz darauf erneut zu sterben.

Foto 4: »Über die Religion«
Richard Chanfray (3), am 4. April 1940 in Lyon geboren, beging am 14. Juli 1983, so lautet die offizielle Version, gemeinsam mit seiner Geliebten »Baroness Paula de Loos«, Selbstmord: durch Einnahme eines Cocktails von Barbituraten und Einatmen von Autoabgasen. In seinem Abschiedsbrief war zu lessen: »Ich gehe und nehme sie mit mir, weil sie so wie ich ist«.

Fans hat Richard Chanfray nach wie vor, die nicht an seinen Tod glauben wollen. Es kursiert das Gerücht, Richard Chanfray sei spurlos nur spurlos verschwunden und nicht gestorben. Im Internet zumindest lebt er weiter. Wer sucht, der findet bei youtube nach wie vor »Dokumentationen«, in der Regel in spanischer oder französischer Sprache, in denen der umstrittene Chanfray über seine alchemistischen Fähigkeiten spricht und seine Künste demonstriert (4).

Sollte der reale Saint Germain gefunden haben, was Gilgamesch und Alexander der Große suchten, nämlich das Geheimnis vom ewigen Leben? Oder sind die Legenden um den mysteriösen Adeligen Ausdruck unserer Sehnsucht nach dem Wunderbaren einerseits und nach einem Leben ohne Tod. Aber wäre ein »ewiges Leben« nicht irgendwann weniger eine Belohnung als unendlich langweilig?

Der deutsche Philosoph, Zoologe und Freidenker Ernst Haeckel (*1834; †1919) leugnete die Vorstellung, ein individueller Mensch könne ewig leben. Er berief sich auf Aristoteles (*384 v.Chr; †322 v.Chr.): »Schon Aristoteles leugnete die Ewigkeit des Individuums in jeder Beziehung: er behauptete, ewig könnte vielleicht die Art oder Gattung sein, die aus den gleichartigen Individuen gebildet werde; allein, das Individuum selbst sei vergänglich, es entstehe neu während des Zeugungsaktes und gehe beim Tode wieder zugrunde.«

Der Physiker schreibt Prof. Markolf H. Niemz (* 1964) leugnet nicht die ewige Existenz des Lebens, wohl aber das ewige Leben des Einzelnen als Individuum (5): »Das Jetzt ist. Es hat weder Anfang noch Ende, sondern währt immerzu. … Wir irren gewaltig, wenn wir glauben, Raum und Zeit seien real, die Ewigkeit sei dagegen eine Illusion. In Wahrheit verhält es sich genau anders herum. Der Raum und die Zeit sind Illusionen, aber die Ewigkeit ist real.«

Foto 4: »Über die Religion«
»Dein ist ein sterbliches Los, Nichtsterbliches aber begehrst du!« schrieb der große Ovid Ovid (*43 v. Chr.; †17 n. Chr.) in seinen »Metamorphosen«. Ich sehe das so: Sterblich bin ich als Individuum, aber unsterblich ist alles was alle Begrenzung ablegt und in das ewig Es eingeht. An diese Form der Unsterblichkeit glaube ich.

Um es pointiert zu formulieren: Nach der Philosophie des Physikers Prof. Niemz existiert alles in einem Computerspeicher aus Licht. Dieser Lichtspeicher, aus dem wir kommen und in den wir zurückkehren, nimmt jeden Gedanken auf und nichts geht verloren. Das empfinde ich als Trost: Jeder Mensch lernt sein ganzes Leben lang und jede Erkenntnis bereichert das in jeder Hinsicht unvorstellbare universale Es. Nichts geht verloren.

Der deutsche evangelischer Theologe, Philosoph und Pädagoge Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (*1768; †1834) hat in einem Satz die modernste Umschreibung von »Unsterblichkeit« erfasst. Wohl weil er seiner Zeit sehr weit voraus war, wagte er sein Werk anno 1799 erst nur anonym zu publizieren. Schleiermacher schreibt (6): »Mitten in der Endlichkeit Eins werden mit dem Unendlichen und ewig sein in jedem Augenblick, das ist die Unsterblichkeit der Religion.«

Fußnoten
1) Terhart, Franjo: »Das Geheimnis der Eingeweihten/ Was spirituelle Persönlichkeiten uns erschließen«, Kreuzlingen 1996 (›Saint Germain/ Vom Geheimnis der Unsterblichkeit‹, S. 158-161)
2) https://www.youtube.com/watch?v=OTjeiTWIMHM (Stand: 28.05.2019)
3) http://www.thefullwiki.org/Richard_Chanfray (Stand 28.05.2019)
4) https://www.youtube.com/watch?v=wiT_Dtitn-U (Stand: 28.05.2019)
5) Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander«, Ludwig-Verlag/ Random Hose, München 2017, e-Book-Ausgabe, Position 982 und Position 985
6) Schleiermacher, Friedrich: »Über die Religion/ Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern«, Printausgabe Hamburg 1958, eBook Berlin 2016, Seite 80/ Position 1137

Foto 5: 2 Ausgaben von Schleiermachers »Über die Religion«.

Weiterführende Literatur
Allgeier, Kurt: »Niemand stirbt für ewig«, Zürich 1988
Delacour, Jean-Baptiste: »Aus dem Jenseits zurück«, Düsseldorf 1974
Ditfurth, Hoimar von: »Wir sind nicht von dieser Welt«, Hamburg 1981
Fair, Charles: »Das fehlprogrammierte Gehirn«, München 1971
Grabow, Sandra: »Der Graf von Saint Germain«, Beitrag zu »Unknown Reality«, Frankfurt/ Oder, Januar/ Februar 1996
Jessen, Willers: »Der Graf Saint-Germain« 1907, Nachdruck Jahrbuch Heimatgemeinschaft Eckernförde Heft 5, Eckernförde 2004
Krassa, Peter: »Der Wiedergänger/ Das zeitlose Leben des Grafen Saint-
Germain«, München 1998
Volz, Gustav Berthold (Hrsg.): »Der Graf von Saint Germain – das Leben eines Alchemisten nach großenteils unveröffentlichten Urkunden«, Dresden 1923
Wambach, Helen: »Leben vor dem Leben«, München 1979
Wegener, Franz: »Der Freimaurergarten. Die geheimen Gärten der Freimaurer des 18. Jahrhunderts«, Gladbeck 2008

Zu den Fotos
Foto 1: König Ludwig XV. Foto gemeinfrei
Foto 2: Madame de Pompadour. Foto gemeinfrei
Foto 3: Carl von Hessen. Foto gemeinfrei
Foto 4: Schleiermachers Buch »Über die Religion«. Foto gemeinfrei
Foto 5: 2 Ausgaben von Schleiermachers »Über die Religion«.

500. »Hinter'm Horizont«
Teil 500 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18. August 2019



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Sonntag, 4. August 2019

498. »Der ›Trank der Unsterblichkeit‹ und der Graf von Saint Germain«


Teil 498 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Airavateshwarartempel
»Einst, so lautet die uralte Überlieferung, waren die meisten Götter sterblich wie Menschen. Doch dann gab es einen Krieg zwischen den Göttern und ihren göttlichen Feinden. Vishnu und Shiva fühlten sich bedroht und suchten tatkräftige Unterstützung. Um andere Götter als Mitkämpfer gewinnen zu können, bedurfte es eines überzeugenden Geschenks: Unsterblichkeit. Der »Trank der Unsterblichkeit« musste zubereitet werden, der aus Sterblichen Unsterbliche machte. Von heute auf morgen ging das freilich nicht. Einige Jahrhunderte lang musste das ›Milchmeer‹ gequirlt werden, bis der wundersame Zaubertrunk entstanden ist.«

So erzählte mir »mein« Guide im November 2005 einen geheimnisvollen Mythos aus der Zeit, als Götter und Dämonen auf unserem Planetenlebten und stritten. Ich saß, ermüdet vom Erkunden der sakralen Anlage von Darasuram, neben einem steinernen Elefanten auf einem steinernen Treppchen, als ich die wundersame Geschichte hörte. Emsige Pilger kletterten die wenigen Stufen empor zum Tempel, andere kamen zufriedenlächelnd aus dem steinernen Gotteshaus retour.

Der Airavateshwarartempel war ist ein himmlischer »Götterwagen« gestaltet. In solchen Vehikeln sausten einst die Götter des »Alten Indien« durch die Lüfte und legten dabei zum Teil gewaltige Strecken zurück. So manchen Abend in so manchem südindischen Tempelstädtchen lauschte ich den faszinierenden Geschichten von Göttern und ihren Kriegen, von Menschen und den Tempeln für die Götter und weitschweifigen Heldensagen. Immer wieder bekam ich zum Teil stark abweichende Varianten von einem uralten Mythos zu hören: über den »Trank der Unsterblichkeit«. Märchenhaft muteten die Geschichten an und nirgendwo klangen sie so glaubwürdig wie im Umfeld von Tempeln, deren Plastiken Göttinnen und Götter, Tempeltänzerinnen und erstaunlich gewandte Akrobaten der besonderen Art zeigen.

Wagen wir einen Sprung durch Raum und Zeit, begegnen wir einem echten Abenteurer, der nach eine Quelle suchte, die ewiges Leben spenden sollte! Ponce de León (* um 1460; †1521) war ein echter Haudegen. Bereits mit 18 nahm er an den brutalen Kämpfen gegen die Mauren in Südspanien teil. 1493 war er an Bord, als Christoph Kolumbus zum zweiten Mal gen Amerika aufbrach. Anno 1508 wurde de León von Häuptling Agüeybaná auf Puerto Rico begeistert empfangen. Er baute die erste europäische Siedlung auf Puerto Rico auf und wurde der erste Gouverneur. Die Urbevölkerung freilich litt unter der Herrschaft de Leóns. 1512 erteilte ihm König Ferdinand den Befehl, die mysteriöse Insel Bimini zu suchen, zu erkunden und zu übernehmen. Warum? Sollte Gonzalo Fernández de Oviedo den sagenumwobenen »Jungbrunnen« ausfindig machen? Das ist heute allerdings umstritten. Fakten und Fabeln sind manchmal kaum zu unterscheiden.

Foto 2: Ein steinerner Elefant am Airavateshwarartempel von Darasuram

Bereits im März 1513 startete de León von Haiti aus ins Unbekannte. Doch  im Norden fand man nicht nur eine, sondern zahlreiche Inseln. Welche aber war nun Bimini? Quellen gab es ebenfalls viele. Welche war die gesuchte? Wie sollte man sie erkennen? Man entschloss sich zu experimentieren, trank aus jedem Rinnsal. Der erhoffte Erfolg, Verjüngung nach Genuss des Wassers, blieb freilich aus. Also suchte man weiter.

Ostersonntag 1513 betrat man Neuland, sumpfige Gefilde. Das Land wurde nach dem christlichen Feiertag »Pascua de Flores« Florida genannt. Gab es hier irgendwo den Brunnen mit dem Wasser des ewigen Lebens? Die Spur schien heiß zu sein: »Indianer« berichteten, dass ihr Gott Olelbis einst, als er die Welt erschuf, für die Menschen Unsterblichkeit vorgesehen hatte. Erde und Himmel (»Olelpanti«) sollten mit einer Leiter verbunden werden. Auffällig ist die biblische Parallele: Jakobs Himmelsleiter wurde von Engeln genutzt, um aus dem Himmel zur Erde und wieder in himmlische Gefilde zurück zu gelangen. Nach der »Indianer-Legende« sollte es Irdischen möglich sein, zum Gott Olelbis zu gelangen und bei ihm zu leben. Zwei magische Vögel sollten die Leiter bauen. Sie machten sich auch ans Werk, wurden aber von einem bösen Kojoten überredet, die Arbeit einzustellen. Der Kojote selbst wollte der Überlieferung nach in die Welt des Olelbis fliegen, um unsterblich zu werden. Er scheiterte aber.

Foto 3: Vishnu und Shiva.
In den Sagen und Mythen der Wintun-»Indianer« ist von zwei Zauber-Quellen die Rede. In der einen müsse man baden, aus der anderen trinken und schon werde aus dem kränkelnden Alten wieder ein gesunder, junger Mensch. Ponce de León  und seine brutalen Gefolgsleute scheinen an diese Quellen geglaubt zu haben. Stand damals die Entdeckung des Jungbrunnens unmittelbar bevor? Oder wurden die plündernden Eroberer nur weiter und weiter geschickt, weil man sie los werden wollte? Die Suche wurde intensiviert. Zahlreiche »Indianer« wurden grausam gefoltert.

1521 machte sich Ponce de León wieder nach Florida auf. Ziel war nach wie vor der »heilige Brunnen, dessen Wasser die Alten verjüngt«. Florida aber war, wie der Abenteurer erkannt hatte, keine Insel. Auf einem Eiland aber sollte das wundersame Wasser zu finden sein. De León kam zu der Überzeugung: Damit konnte nur die Bahamas-Insel Bimini gemeint sein. Er kam aber nicht mehr dazu, dort das segensreiche Wasser zu suchen. Ein giftiger Indianerpfeil setzte seinem Leben eher zu spät als zu früh ein Ende. Die Spanier gaben die Suche nach dem Zauberwasser auf. Sie wurde aber rund 400 Jahre später wieder aufgenommen.

Edgar Cayce (*1877, †1945), das berühmte amerikanische Trancemedium, äußerte wiederholt, es handele sich bei Bimini um Reste des vor Jahrtausenden versunkenen Kontinents Atlantis (1). Und in jenem Reich habe einst eine wundersame Quelle gesprudelt. Verschiedene Details der übersinnlichen Aussagen Cayces haben sich inzwischen bestätigt. So führten 1957 Wissenschaftler der Columbia-Universität Bohrungen an einer seichten Stelle nahe Bimini durch. Das geförderte Material wurde datiert. Es ist etwa 4.370 Jahre alt. Die Wissenschaftler: »Dieser Umstand lässt vermuten, dass Materialien, die sich in einer Tiefe von zwölf oder fünfzehn Fuß befinden, einige Jahrtausende älter sein dürften. Sie könnten durchaus 10.100 Jahre alt sein oder etwas mehr.« Edgar Cayce hatte vorhergesagt, die künftigen Funde würden sich als 12.000 Jahre alt erweisen. (2)

1970 wurde vor der Insel Bimini, nur fünfzig Meilen von der Metropole Miami entfernt, auf dem Meeresboden eine eindeutig künstliche Struktur gefunden. Vorsichtigen Schätzungen von Archäologen zufolge entstand sie 5000 vor Christus, zu einer Zeit, als der Wasserspiegel des Atlantiks mindestens sechs Meter unter dem heutigen Niveau lag. Die Meldung über den Fund schlug in der wissenschaftlichen Welt wie eine Bombe ein. Sie bestätigte genau, was Edgar Cayce vorhergesehen hatte. Der Seher hatte präzise die Lokalisation vorherbeschrieben, anno 1926 waren seine Aussagen protokolliert worden.

Foto 4: Bhrama, Vishnu und Shiva.
Im Jahre 1977 machte sich eine Fischfangexpedition von Don Henry auf, um mit modernster Technologie verstärkt Kapital durch Leerfischen zu gewinnen.

In  der Cay Sal Bank wurden Messungen per Echolot durchgeführt. Exakt südlich der Florida Keys, vor den Bahamas, registrierte das Gerät etwas Merkwürdiges. Das entdeckte Objekt hat eine Höhe von rund 140 m und eine Kantenlänge von 150 m. Es handelt sich also um ein pyramidenförmiges Gebilde, das die legendäre »Cheops-Pyramide« an Höhe überragt. Bis heute ungeklärt ist die Frage, ob es sich um ein künstliches Bauwerk auf dem Meeresgrund handelt oder nicht.»Jene Bewohner von Atlantis hatten das Geheimnis entdeckt, wie man die Sonnenenergie einfangen konnte. Sie konzentrierten sie in einem Stein mit magnetischen Eigenschaften, der mehr Energie abgab als er erhielt.« Und in der Region westlich der Bimini-Insel, so Cayce, soll es unter dem Schlamm des Ozeans noch »Reste von Tempeln geben«. »Dies war die erste Hochkultur. Sie wird in dem westlich und südlich an die Inseln angrenzenden Gebiet entdeckt werden. Man wird Tempel finden. Es hat in den unterseeischen Bergen auch Gold, Spat und Ammonium.« Dann würden, so Cayce, wieder Quellen sprudeln, die angeblich vor Jahrtausenden versiegten. Ganz besonderes Quellwasser werde dann zutage treten: ein moderner Jungbrunnen. Das Wasserreservoir werde »knapp unter dem Meeresspiegel angebohrt werden«. Wird es je dazu kommen?

Gilgamesch, Alexander der Große, Kolumbus, Ponce de León und Edgar Cayce, sie alle stehen für die Suche nach dem Geheimnis vom ewigen Leben. Es stellt drängen sich einige Fragen auf: Ist diese Suche mit der Jagd nach einer Fata Morgana zu vergleichen? Entstand sie aus der Angst vor dem Tod, der unvermeidbar auf jedes Lebewesen zukommt? Oder gibt es doch die Möglichkeit, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen? Einer der geheimnisvollsten Menschen der europäischen Geschichte jedenfalls behauptet, das Geheimnis vom ewigen Leben gelöst zu haben: der Graf von Saint Germain (3).

Foto 5: Der Graf von Saint Germain.
Fußnoten
1) Stearn, Jess: »Der schlafende Prophet/ 
Prophezeiungen in Trance«, 20. Auflage, Genf 1984
Sugrue, Thomas: »Edgar Cayce/ Sein Leben/ There is a river«, München 1981
2) Heyden, Martin: »Auf der Suche nach der Ewigkeit: Realitäten«, Alsdorf 2015 (Interessante Gedanken zum Phänomen Zeit)
3) Krassa, Peter: »Der Wiedergänger/ Das zeitlose Leben des Grafen Saint-Germain«, München 1998

Zu den Fotos
Foto 1: Der Airavateshwarartempel von Darasuram, Foto W-J.Langbein
Foto 2: Ein steinerner Elefant am Airavateshwarartempel von Darasuram. Foto W-J.Langbein
Foto 3: Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Von links nach rechts Bhrama, Vishnu und Shiva. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Graf von Saint Germain. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein





499. »Ewig sein in jedem Augenblick«
Teil 499 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11. August 2019



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