Samstag, 15. Mai 2010

Samstagsrezension Helga König: Machiavelli für Manager- Sentenzen

"Man darf nie glauben, der Feind handle, ohne zu wissen, was er tut." (Machiavelli, Über die Kriegskunst, Fünftes Buch)

Vor mir liegt ein kleines Büchlein mit dem Titel „Machiavelli für Manager“. Es beinhaltet eine Vielzahl kluger Sentenzen aus unterschiedlichen Werken des italienischen Schriftstellers Niccoló Macchiavelli (3.5.1469-22.6.1527), dessen „Il Princepe“ ich bei Amazon vor einiger Zeit rezensiert habe.

Mich hat der Titel neugierig gemacht. Ich wollte wissen, welche Gedanken Machiavellis man Führungskräften in der Wirtschaft an die Hand geben möchte. Machiavelli ging von einem sehr pessimistischen Weltbild aus. Das machen alle Sätze des Buches klar. Oberstes Gebot bei ihm ist, dass der Zweck stets die Mittel heiligt, wenn es um die Machterhaltung geht.

Machiavelli ist kein Idealist, sondern sieht die Menschen so wie sie offenbar sind: bis zum Exzess vorteilsbezogen. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und lässt den Leser wissen:“ Die Menschen sind immer schlecht, wenn die Notwendigkeit sie nicht gut macht“ (Zitat: Der Fürst, XXIII) und führt an anderer Stelle erklärend aus:“ Die Menschen fügen einander Schaden zu entweder aus Furcht oder aus Hass“ (Der Fürst XXIII).

Diese beiden Sätze sollte sich nicht nur jede Führungskraft in der Wirtschaft klar machen, solange es eine Wettbewerbsgesellschaft gibt, um gegen Angriffe von Konkurrenten gewappnet zu sein und nicht unnötigen Hass unter den Mitarbeitern zu sähen. Gerechtigkeit mindert Hass, demokratische Strukturen in Firmen vermindern Furcht. Nur ein starkes Team kann sich gegen die Angriffe von außen erfolgreich zur Wehr setzten. Dass es solche Attacken fortwährend gibt - besonders im Turbo-Kapitalismus- wird kein realistisch denkender Mensch bestreiten. Ich gebe Machiavelli in seiner Betrachtung vollkommen Recht, dass ein Volk oftmals, von einem Trugbild des Guten getäuscht, ins Verderben stürzt, (vgl.: Vom Staat, Erstes Buch, 53.Kapitel). Genau so geht es Firmen, wenn deren Manager zu idealistisch sind. Idealismus und kapitalistische Strukturen sind eine unheilvolle Melange. Wer im Kapitalismus bestehen möchte, ist gut beraten sich mit Machiavelli zu befassen und seinem Rat in vieler Hinsicht zu folgen.

Einen Satz aus der „Geschichte von Florenz“, Sechstes Buch, sollten sich alle Manager immer wieder vergegenwärtigen :“Machthungrige können verwandtschaftliche Beziehungen eingehen, Freundschaften kann sie jedoch nicht verbinden.“ Insofern sollte man sich seine Gegenüber im Berufssektor genau ansehen und ausloten wie machthungrig sie sind. Machthungrige sägen immer am Ast ihres Gegenübers . Man muss ihnen nicht noch das Handwerkszeug schärfen.

Ich stimme Machiavelli auch in der Sentenz zu “Misstrauische Leute sind nicht redlich“, (Clizia, III. Akt, 7. Szene). Misstrauen ist keine Frage von Intelligenz, sondern von innerer Schlechtigkeit. Misstrauen beruht auf Projektion. Man ist gut beraten,  misstrauischen Menschen aus dem Weg zu gehen. Von ihnen kann man selten etwas Gutes erwarten.

Die Sentenz „ Ein Feldherr, zur Flucht oder Schlacht genötigt, wählt immer die Schlacht, da er durch diesen Entschluss, so gefährlich er auch sein mag, auf Sieg hoffen kann, durch den anderen aber von vornherein verloren ist“ (Vom Staat, Zweites Buch, 10. Kapitel), halte ich für sehr wichtig im Umgang mit seiner Konkurrenz. Zu glauben einen starken Gegner zu verängstigen und zur Flucht bewegen zu können, ist blauäugig. Durch solche Manöver holt man sich den Krieg ins Haus und der ist auch im Bereich der Wirtschaft teuer und so unnötig wie ein Kropf.

Merken sollte man sich auch als Manager: „Es ist töricht, die Menschen zur Verzweiflung zu bringen. Denn wer auf nichts Gutes mehr hofft, fürchtet nicht das Schlimmste“ (Geschichte von Florenz, Zweites Buch) . Wer das Schlimmste nicht fürchtet, möchte ich anfügen, wird unberechenbar, das haben alle Revolutionen gezeigt.

Um eine florierende Wirtschaft möglich zu machen, sollten einzelne Führungskräfte nicht zu viel Macht in die Finger bekommen, denn „ Je mehr Macht die Menschen haben, um so mehr missbrauchen sie diese und werden übermütig.“ (Geschichte von Florenz, Zweites Buch)

Ich habe nur eine kleine Anzahl der im Buch enthaltenen Sentenzen in meine Rezensionen  einfließen lassen. Im Grunde könnte man jeden einzelnen Gedanken auf den Prüfstand stellen und hinterfragen, ob sie für Manager zweckdienlich sind. Die meisten sind es und zwar so lange die Menschen in erster Linie vorteilsbezogen denken und handeln.

Letzten Samstag habe ich Roger de Weck „ Nach der Krise“ rezensiert. Der Autor sagt zu Recht, dass Skrupellosigkeit, Gleichgültigkeit, Gier, Menschenverachtung und Eigennutz das Gesicht des Turbo-Kapitalismus prägen. Solange es keinen Wertewandel gibt,  ist es also- systemimmanent gedacht- klug, Machiavellis Ratschläge zu befolgen, um im Haifischbecken der Vorteilsdenker zu bestehen und erfolgreich Geschäfte machen zu können. Eindeutig.

Rezension Helga König



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