Sonntag, 29. Oktober 2017

406 »Von Engeln und einem fliegenden Haus«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 8,
Teil  406 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-3: Muttergottes Maria als Frau der Apokalypse schwebt im Himmel

Die Loreto-Kapelle von Birkenstein ist ein Ort des Glaubens, des Danks, der Hoffnung und für viele auch der Zuversicht. Immer wieder begegnet uns auf Malereien, etwa über dem Altar gegenüber der Loreto-Kapelle, die »Gottesmutter«, am Himmel über Wald und Flur, auch über Häusern schwebend. Sie erinnert deutlich an die nach Johannes benannte Offenbarung, die (1) eine »Frau im Himmel« als »Zeichen« tituliert. Auch wenn die »mit der Sonne« Bekleidete anonym bleibt, wird sie im Katholizismus mit Maria Identifiziert. Ich habe Theologen der evangelischen Theologie erlebt, die ganz kontrovers diskutierten. Unterschiedlichste Meinungen prallten aufeinander. Die einen meinten, der Vers in der Johannes-Offenbarung habe überhaupt nichts mit der Gottesmutter Maria zu tun, andere verstanden den Vers als eine Prophezeiung der künftigen Rolle Marias als »Himmelskönigin und wieder andere wollten von einer Prophezeiung überhaupt nichts wissen. Eindeutig sei es Maria mit dem Jesuskind, also ein Bild aus der Vergangenheit, nicht der Zukunft.

Wie an so manchem religiösen Ort – zum Beispiel in Vierzehnheiligen in meiner Heimat im Oberfränkischen bei Michelau –  war auch für mich als Nicht-Katholiken der tief verinnerlichte Glauben der Pilger und Besucher der Kapelle geradezu körperlich spürbar. Trotz vieler Besucher war keine Hektik zu spüren, sondern tiefe Ruhe. Noch stärker war für mich der fast greifbare Volksglaube in der riesigen Kathedrale der Heiligen Jungfrau von Guadalupe, am Rand von Mexico City. Mir scheint, dass religiöser Glaube an besonders von Gläubigen frequentierten Orten etwas Spürbares erzeugt, offenbar auch für Nichtgläubige.

Fotos 4 + 5: Himmelskönigin an einer Birke von Birkenstein.

Die Loreto-Kapelle von Birkenstein ist eine Kopie des Heiligen Hauses von Loreto. Und das wurde der Überlieferung nach von Nazareth nach Loreto in Italien geschafft.

Bereits im 2. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung zog das »Heilige Haus« von Nazareth Pilgerströme an. Die Gläubigen waren davon überzeugt, dass im mehr als bescheidenen Gemäuer Maria gelebt hat. Im Ein-Zimmer-Haus soll ihr auch der Engel Gabriel begegnet sein und die Geburt des Jesus-Kindes prophezeit haben. Zum Ein-Zimmer-Haus gehörte eine kleine Felsenhöhle. »Haus und Höhle bildeten eine Einheit.«, schreibt der bekannte Erforscher der Rätsel unseres Planeten Reinhard Habeck in seinem penibel recherchierten Werk »Überirdische Rätsel« (2).Tatsächlich war die »Santa Casa« kein eigenständiges kleines Gebäude, sondern nur eine Art Vorraum zu einer Grotte. Es bestand also nur aus drei Wänden.

Foto 6: »Heiliges Haus« und Grotte, Nazareth.
Zum Schutz von »Santa Casa« und Grotte war schon sehr früh die »Verkündungsbasilika« gebaut worden, in deren Zentrum das Heilige Haus stand. Heute dominiert die größte Kirche im Nahen Osten das Bild der nordisraelischen Stadt Nazareth. Sie ist freilich schon das fünfte Gotteshaus und birgt schon lange nicht mehr das »Heilige Haus«. Anno 1291 war es konkret bedroht. Es war zu befürchten, dass es – wie andere für Christen bedeutsame Heiligtümer – von türkischen Eroberern zerstört würde.

Wer heute die Verkündigungsbasilika von Nazareth besucht, wird nur die Grotte finden, nicht mehr das »Haus« davor. Nun mag der Skeptiker fragen, ob es denn dort wirklich einst »Santa Casa« gegeben habe. Reinhard Habeck klärt auf (3): »Bereits in den 1960er-Jahren haben Ausgrabungen nachgewiesen, dass vor der Grotte tatsächlich ein gemauertes Haus existiert haben muss.« Das aber ist verschwunden, wenngleich nicht spurlos. Konnten doch die Ausgräber tatsächlich die genauen Maße der bescheidenen Bleibe eruieren. Und siehe da (4):

Foto 7: Die Grotte von Nazareth.

»Die Fundamente des fehlenden Gebäudes stimmen mit den Abmessungen der Santa Casa in Loreto überein.« Damit nicht genug! Ich darf noch einmal das empfehlenswerte Werk Habecks zitieren (5): »Das Marienhaus von Loreto entspricht in bauwerklicher Hinsicht keinem bekannten Stil, der im Mittelalter in der Marken-Region üblich war, sondern wurde nach altem palästinensischen Muster errichtet. Das bestätigt sich durch die Bearbeitung vieler Steinoberflächen. Die Anwendung stimmt mit einer speziellen Technik überein, die bei den Nabatäern, einem Nachbarvolk der Hebräer, gebräuchlich war.«

Fakt ist: In Nazareth stand einst ein Häuschen vor einer Höhle, das von dort verschwunden und in Loreto, Italien, wieder aufgetaucht ist. Es scheint erwiesen zu sein, dass »Santa Casa« von Loreto jenes Häuschen ist, das aus Nazareth spurlos verschwunden ist.

Fakt ist offensichtlich, dass die junge christliche Gemeinschaft »Santa Casa« mit Jesus in Verbindung brachte. In der Grotte von Nazareth wie in »Santa Casa« in Loreto fanden sich völlig identische Graffitis der religiösen Art, 60 an der Zahl. Da steht in der Grotte wie auf den Ziegelsteinen des »Heiligen Hauses« - heute Loreto, Italien –  auf Hebräisch-Griechisch »Iesou Xriste tou Theou«, zu Deutsch »Jesus Christus. Sohn Gottes«.

Foto 8: In der Basilika von Loreto: Gemälde des Fliegenden Hauses.

Fakt ist, wie Historiker Michael Hesemann belegt, dass das Heilige Haus von Loreto wohl einst in Nazareth stand: Das »Heilige Haus« von Loreto (Italien), so schreibt der renommierte Historiker, Dokumentarfilmer und Fernsehjournalist Hesemann (6) »passt perfekt vor die Verkündigungsgrotte von Nazareth und würde den Zwischenraum zwischen den erhaltenen Mauern des judenchristlichen Heiligtums und der Felswand füllen.« Michael Hesemann (7):

»Die Santa Casa von Loreto passte also auf das Fundament in Nazareth so perfekt wie ein Ei in einen Eierbecher. Seine drei Wände – die vierte Wand ist eindeutig eine Ergänzung – , Fenster und Türen erscheinen erst sinnvoll, wenn man sich das Heilige Haus als ›Vorbau‹ der Verkündigungsgrotte von Nazareth vorstellt. … Doch wenn es (das Heilige Haus), worauf alles hindeutet, tatsächlich aus Nazareth stammt, wie ist es nach Loreto gekommen, auf welchem Weg hat es die exakt 2232,5 Kilometer Luftlinie zurückgelegt?« Wie kam das »Heilige Haus« von Nazareth nach Loreto? Wurde es – wie die Legende kündet – von Engeln durch die Lüfte getragen? Das Motiv findet sich auf einer Briefmarke aus Kroatien, aus dem Jahr 1994. Sehr beeindruckend ist ein Wandgemälde in einer der Kapellen der Basilika von Loreto.

Foto 9: Das Heilige Haus von Nazareth befindet sich heute in der Kirche von Loreto.

Es zeigt, von Künstlern des 20. Jahrhunderts gestaltet, wie Engel das »Heilige Haus« durch die Luft schleppen. Im Hinblick auf diesen sagenhaften Engelsflug ernannte  Papst Benedikt XV. die »Schwarze Madonna von Loreto« am 24. März 1920 zur »Schutzpatronin der Ballonfahrer, Flugkapitäne und Astronauten« (8).

Oder wurde das kleine Gebäude – Habeck (9) und Hesemann (10) gehen auf diese weniger wundersame Version ausführlich ein –  Stein für Stein abgetragen und per Schiff transportiert? Ein bedeutsames Dokument aus dem Archiv des Vatikan scheint eine recht irdische Lösung nahelegen: Mitglieder der byzantinischen Kaiserfamilie der Angeloi, zu Deutsch »Engel«, haben  (11) »die Überreste des Heiligen Hauses aus Nazareth vor den Türken gerettet und nach Italien gebracht«. Aber belegen wirklich Dokumente diese vernünftig klingende Erklärung?

Auf »Blatt 181 des Chartularium culisanese« findet sich, wie wir bei Michael Hesemann (12) lesen, »eine Auflistung der Mitgift, die Nikephoros Angelos, Despot von Epirus, zur Verfügung stellte, als seine Tochter Ithamar den Sohn des Königs von Neapel, Philipp II., von Tarent, heiratete.« Gleich an zweiter Stelle wird da ein besonderer Bestandteil der Mitgift genannt, nämlich »die heiligen Steine, weggetragen aus dem Haus unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Gottesmutter«.

Foto 10: Das Heilige Haus in Loreto, Italien, von innen.

Aber belegt zum Beispiel dieser Eintrag in eine zeitgenössische Mitgift-Liste tatsächlich, dass das Heilige Haus komplett per Schiff nach Loreto verbracht wurde? Eigentlich nicht, denn es wurden ja nur »heilige Steine« genannt, die »aus dem Haus unserer Lieben Frau, der Jungfrau und Gottesmutter … weggetragen« wurden. Mit anderen Worten: Es wurden einige Steine aus dem Heiligen Haus weggebracht, nicht das ganze Haus. Einige Steine wurden aus dem Haus entfernt. Sie galten als heilig. Es ist im Dokument eben nicht vom ganzen Heiligen Haus die Rede.

So argumentiert auch Gottfried Melzer (13): »Es widerspricht in keiner Weise dem Wunder der Übertragung (des Heiligen Hauses, der Autor), daß Steine und Mauerreste, die in Nazareth nach dem Fortgang des Heiligen Hauses zurückgeblieben waren, als kostbare Reliquien angesehen und als solche weggetragen und weitergeschenkt wurden.«

Allem Anschein nach ist vom Heiligen Haus in Nazareth überhaupt nichts mehr auffindbar. Es kam aber auch nicht das komplette Haus in Loreto an. So sind zum Beispiel Steine, die einst die Feuerstelle im Heiligen Haus bildeten, spurlos verschwunden. Sollten sie zu der Mitgift gehört haben, die Nikephoros Angelos, zur Verfügung stellte? In der Loreto-Kapelle von Birkenstein wird die Feuerstelle in der Rekonstruktion angedeutet.

Foto 11: Flug des Heiligen Hauses, Trsat,  Rijeka, Kroatien

In Birkenstein fiel mir auf, dass das Innere der Kapelle äußerst prunkvoll gestaltet wurde. Nun ist diese Kapelle eine Kopie des »Heiligen Hauses«, das einst in Nazareth stand und – wie auch immer – nach Loreto geschafft wurde. Das kleine Häuschen von Nazareth wäre für die ersten Christen kaum wieder zu erkennen. Es ist nicht mehr die einst höchst bescheidene Bleibe der Maria, sondern wurde ebenfalls prächtig gestaltet. Für katholische Christen ist es nun einmal eine der wichtigsten Reliquien überhaupt und nicht mehr nur ein kleines Häuschen vor der Grotte in Nazareth. Deshalb gestalteten sie Loreto-Kapellen entsprechend prunkvoll, gemäß ihrer Bedeutung in ihrer Glaubenswelt.

Worte des Danks und zwei Buchempfehlungen
Mein Autorenkollege und Freund Reinhard Habeck schuf mit »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten« ein wahres Kompendium. Er reiste viel, er fotografierte viel, er recherchierte viel und trug sein Wissen zu einem »Reiseführer« der ganz besonderen Art zusammen. Ausführlich geht er auch auf das »Heilige Haus« von Loreto ein. Ich kann Reinhard Habecks Werk nur wärmstens zur Lektüre empfehlen. Es lohnt sich wirklich, sich von einem wirklich kompetenten Autor zu wundersamen, aber nicht minder realen Orten entführen zu lassen. Reinhard Habeck hat mir eine Fülle von Fotos zur Verfügung gestellt, und mir gestattet, sie in meinem Sonntagsbeitrag zu publizieren. Dafür möchte ich ihm von Herzen danken!

Foto 12: »Überirdische Rätsel« 
von Reinhard Habeck.
Auch mit Michael Hesemann bin ich seit Jahrzehnten befreundet. Michael Hesemann, der als kundiger Historiker wie kein zweiter die frühe Geschichte des Christentums aufarbeitet, geht in seinem Opus »Maria von Nazareth/ Geschichte - Archäologie - Legenden« noch ausführlicher auf das mysteriöse Loreto und seine Bedeutung für das Christentum ein. Zum Beispiel zeichnet er den Weg, den das Heilige Haus von Nazareth aus bis nach Loreto nahm, präzise nach.

Auch sein Werk empfehle ich jedem Interessierten zur gründlichen Lektüre. Biblische Überlieferung, Legenden und archäologische Funde nutzt Hesemann als Quellen. Dank intensivster Recherche gelingt es ihm, ein erstaunlich detailreiches Porträt von Jesu Mutter Maria zu zeichnen, von der man angeblich nur sehr wenig weiß.


Fußnoten
1) Apokalypse oder Offenbarung des Johannes, Kapitel 12, Vers 1
2) Habeck, Reinhard: »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten«, Wien 2016
3) ebenda S. 88, Zeilen 6 und 7 von unten
4) ebenda, Seite 88 unten, Kapitelüberschrift »Rätselhaftes in Nazareth«
5) ebenda, S. 89, Absatz unter dem Foto
6) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden«, 3. Auflage, Trier 2015, S. 104 unten
7) ebenda, S. 108 oben
8) Habeck, Reinhard: »Überirdische Rätsel/ Entdeckungsreisen zu wundersamen Orten«, Wien 2016, S. 91, Zeilen 9 und 10 von unten
9) ebenda S.90-91, Zwischenüberschrift »Überführung durch menschliche ›Engel‹«
10) Hesemann, Michael: »Maria von Nazareth/ Geschichte, Archäologie, Legenden«, 3. Auflage, Trier 2015, S.108 Mitte bis S. 112
11) ebenda S. 109, Zeilen 1-4 von oben
12) ebenda, S. 109 unten und S. 110 oben
13) Melzer, Gottfried: »Loreto/ Der erste und ehrwürdigste Marienwallfahrtsort«, Lauerz, Schweiz, 2. Auflage 2003, S. 26, linke Spalte unten


Foto 13: »Maria von Nazareth« 
von Michael Hesemann
Zu den Fotos
Fotos 1-3: Muttergottes Maria als Frau der Apokalypse schwebt im Himmel. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 4 + 5: Himmelskönigin an einer Birke von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Heiliges Haus« vor der Grotte in Nazareth. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 7: Die Grotte von Nazareth. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck 

Foto 8: In der Basilika von Loreto: Gemälde des Fliegenden Hauses. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 9: Das Heilige Haus von Nazareth befindet sich heute in der Kirche von Loreto. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 10: Das Heilige Haus in Loreto, Italien, von innen. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 11: Flug des Heiligen Hauses, in einer Kirche im Ortsteil Trsat von Rijeka, Kroatien. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 12: »Überirdische Rätsel« von Reinhard Habeck. Foto zur Verfügung gestellt von Reinhard Habeck
Foto 13: »Maria von Nazareth« von Michael Hesemann



407 »Astronautengötter und ›Der Heitere Fridolin‹«,
Teil  407 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.11.2017






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Sonntag, 22. Oktober 2017

405 »Im Ozean des Geistes«



 »Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 7,
Teil  405 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1 und 2: In der Unterwelt des Hypogäums, Malta.

Erich von Däniken schloss sein drittes Werk »Aussaat und Kosmos«, 1972 erschienen, mit den Worten (1): »Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit. Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem im Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobes für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben. Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«

Wie weit mag diese »wohltuende Gemeinsamkeit« reichen? Findet sie nur örtlich in einem Raum, etwa einer Kirche, statt? Wurde sie vor Jahrtausenden in Tempeln zelebriert, etwa auf Malta (Fotos 3-6!), wo wir Dutzende von wahrhaft gigantischen Anlagen auf engstem Raum finden. Was geschah zum Beispiel in der unterirdischen Welt des Hypogäums auf Malta (Fotos 1-3)? Vordergründig diskutiert man über die Kunst der Steinbearbeitung und des Steintransports. Über den tieferen Sinn der mysteriösen Tempelanlagen, die wir weltweit antreffen, denkt kaum jemand nach. Hatten Tempel vor Jahrtausenden den gleichen Zweck wie Kirchen Jahrtausende später?

Foto 3: Was wurde hier zelebriert?

Endet(e) die »wohltuende Gemeinsamkeit« an den Mauern jeder einzelnen Kirche, jedes einzelnen Tempels? Oder reicht sie weit darüber hinaus? Gibt es etwas wie Schwingungen, die von solchen Versammlungsstätten ausgehen, die sehr weit reichen? Ich spekuliere bewusst nach dem Motto »Keine Angst vor kühnen Gedanken! Gibt es eine Verbindung der vermeintlich »übersinnlichen« Art zwischen Gotteshäusern und Tempeln, selbst wenn sie auf den Globus verteilt anzutreffen sind? Das »Experiment 100. Affe« scheint zu belegen, dass das möglich ist.

Worum geht es? Auf der zu Japan gehörenden Insel Kojima bekamen sogenannte Schneeaffen Süßkartoffeln. Japanische Wissenschaftler warfen Süßkartoffeln in den Sand, was den Tieren aber gar nicht gefiel. Eine weibliche Schneeäffin, neun Monate alt, machte selbständig eine Entdeckung. Sie wusch die Süßkartoffeln, die sie verzehren wollte, im Ozean und verzehrte sie genüsslich. Ein Lernprozess folgte. Weiter Affen machten nach, was sie sahen und reinigten ihre Süßkartoffeln im Salzwasser des Ozeans. Irgendwann geschah etwas Unerklärliches. Als der 100. Affe mit der Nützlichkeit des Kartoffelwaschens vertraut war, fingen plötzlich seine Artgenossen auf anderen Inseln und auf dem Festland an, Süßkartoffeln im Wasser zu reinigen, obwohl ihnen das niemand vorgemacht hatte und kein Kontakt zur Affenkolonie.

Foto 4: Autorenkollegen Hans-Werner Sachmann und W-J.Langbein (Malta)

Mit anderen Worten: Sobald genügend Schneeaffen wussten, dass gewaschene Kartoffeln besser schmecken und dieses Wissen auch in die Tat umzusetzen, muss eine wie auch immer geartete geistige Verbindung zu anderen Affen entstanden sein, die dann schlagartig über das nützlich Wissen verfügten. Lyall Watson (*1939 - †2008), umstrittener Anthropologe und Zoologe, Verfasser einiger Bestseller, fasst zusammen: »Mit dem Hinzukommen dieses hundertsten Affen überschritt die Zahl jedoch offenbar eine Art Schwelle, eine bestimmte kritische Masse, denn schon am Abend desselben Tages tat es fast der gesamte Rest der Herde. Und nicht nur das: das Verhaltensmuster scheint sogar natürliche Barrieren übersprungen zu haben und – ähnlich wie Glyzerinkristalle in hermetisch verschlossenen Reagenzgläsern – auch in Kolonien auf anderen Inseln sowie bei einem Trupp … auf dem Festland spontan aufgetreten zu sein.«

Sollte es also möglich sein, dass zwischen Lebewesen, wie weit sie auch voneinander räumlich getrennt sind, auf »übersinnliche« Weise Informationen ausgetauscht werden? Der Göttinger Theologe Manfred Josuttis spricht von der »Bindekraft einer Gemeinschaft« und weist auf »morphogenetische Felder« hin.

Fotos 5 und 6: Tempel von Hara Qim, Malta.

Rupert Sheldrake (3) bringt »morphogenetische Felder« ins Spiel. Sollte es – von der Schulwissenschaft noch weitestgehend geleugnete – Energiefelder geben, die womöglich den gesamten Globus wie ein dichtmaschiges Netz umspannen?

Viele Wissenschaftler sehen sich als Vertreter der strengen Logik, mit der sie allen Problemen zu Leibe rücken. Verächtlich blicken sie auf religiöse Vorstellungen herab, die auf alle offenen Fragen eine Antwort haben: Gott. Wie entstand der Mensch? Gott hat ihn gemacht, lautet die einhellige Antwort der Religiösen. Rein materialistisch eingestellte Wissenschaftler indes sehen den Menschen als Zufallsprodukt der Evolution an. So heftig auch – und ich habe das bei von mir geleiteten Diskussionen häufig erlebt – die »Religiösen« mit den »Wissenschaftlichen« streiten, in einem Punkt sind sie der vollkommen gleichen Meinung. Wissenschaft wie Religion sieht den Menschen als das Nonplusultra schlechthin, ob man von »Krone der Schöpfung« oder von »Evolution« spricht. Ob göttliches Wirken oder die Kräfte des Zufalls wirkten, der Mensch steht in beiden Bildern über allem, was sich auf Planet Erde wächst und gedeiht.


Foto 7: Widmung »In friendship J(acques) Bergier

Weder im religiösen, noch im »wissenschaftlichen« Weltbild ist Platz für zyklische Entwicklungen. Die Gelehrten und Priester der Mayas sahen das ganz anders. Sie waren davon überzeugt, dass die Weltgeschichte in Zyklen verläuft, dass auf einen Kataklysmus ein Neubeginn folgt. Sie waren vom Untergang der einen Kultur und der Neugeburt einer neuen überzeugt. Wir hingegen haben ein lineares Weltbild. Nach und nach vollzieht sich linear eine Weiterentwicklung. Nach und nach klimmt man auf der Leiter der Evolution empor. Wir sind deshalb die Höchstentwickelten, behaupten die Vertreter beider Welten, von Wissenschaft und Religion.

Wer freilich die Baudenkmäler aus uralten Zeiten staunend untersucht, dem drängt sich eine Frage auf: Gab es in »grauer Vorzeit« weltweit die eine oder andere Hochkultur, die zu schier unglaublichen Leistungen in der Lage war? Weltweit scheinen vor Jahrtausenden – um ein Beispiel zu nennen – sehr ähnliche Techniken angewendet worden zu sein, um riesige Steinkolosse mit unglaublicher Präzision zu schneiden. Riesenbauten entstanden zum Beispiel in der Südsee (Nan Madol, Lelu), aber auch in Tiahuanaco, Bolivien. Auf meinen Reisen zu den Monstermauern, die es überall auf der Welt gibt, fragte ich immer wieder: Gab es schon vor Jahrtausenden Kontakte zwischen den Menschen der Kontinente? Und wenn es sie gab, wie sahen sie aus?

Foto 8: Tiahuanaco, Bolivien (Sonnentor-Motiv)

Gab es vielleicht auf geistiger Ebene Kontakte der »übersinnlichen Art«? Nutzen Vertreter verschiedener Hochkulturen vor Jahrtausenden eine Art der Kommunikation, die – zum Beispiel – ganz ohne Satelliten auskommt, um weltweit miteinander zu kommunizieren? Waren einst die ältesten Tempel unseres Planeten so etwas wie Kommunikationszentren, die untereinander via »System morphogenetische Felder« miteinander verbunden waren? Wir stehen als Laien staunend vor tonnenschweren Steinkolossen, die mit unglaublicher Präzision bearbeitet und oft über große Distanzen transportiert wurden. In wissenschaftlichen Werken finden wir dann immer wieder die Behauptung, dass, was uns geradezu als wundersam erscheint, angeblich mit primitivsten Mitteln geschaffen werden konnte. 

Ich frage erneut: Was geschah in den Tempeln, später in den Kirchen? Waren das simple Rituale ohne jegliche Wirkung? Oder wurden die sakralen Stätten zu Kommunikationszentren, untereinander durch »übersinnliche«, sprich für die meisten Wissenschaftler nicht existente Energiefelder? Trans-ozeanische Kontakte vor Jahrtausenden werden weitestgehend geleugnet, von Kontakten via »morphogenetische Felder« will schon kein etablierter Wissenschaftler etwas hören. So etwas kann es ja nicht geben, weil es so etwas nicht geben darf. So wird die Vorstellung, per wie auch immer geartete Gedankenkraft von Tempel zu Tempel oder von Kirche zu Kirche zu kommunizieren, als unsinnige Fantasterei abgelehnt. Entsprechende Möglichkeiten sind in der Parapsychologie salonfähig, nicht aber in den erhabenen Elfenbeintürmen der sich so ernst nehmenden Schulwissenschaften.

Fotos 9 + 10: Lelu
Schon 1975 hatte ich Gelegenheit, mich ausgiebig mit Jacques Bergier zu unterhalten. Kult- und Bestsellerautor Jacques Bergier (*1912 - †1978), eigentlich Jakow Michailowitsch Berger, verfasste eine ganze Reihe von Sachbüchern, einige zusammen mit Coautor Louis Pauwels. Mich persönlich beeindruckt bis heute besonders das Werk »Aufbruch ins dritte Jahrtausend« (4). Ich traf den sympathischen Schriftsteller am 31. Mai 1975 im Rahmen der »2. Weltkonferenz« der »Ancient Astronaut Society« in Zürich. Jacques Bergier schwärmte im Gespräch mit mir über den »phantastischen Realismus«, der eines Tages die Tore zu fantastischen Erkenntnissen öffnen würde. Dann werde es keinen Unterschied mehr geben zwischen Magier und Ingenieur, dann erst würde »der Ozean des Geistes in seiner Gesamtheit« wahrgenommen.

Emsig notierte ich die zentralen Gedanken, die Jacques Bergier nur so sprudeln ließ. Der Ingenieur von heute stelle mit Computerhardware Verbindungen von Mensch zu Mensch, über Meere und Kontinente hinweg, her. Der Magier benötige keinerlei technischen Aufwand, der zudem immer störungsanfällig sei. Der Ingenieur von morgen, so Bergier, werde »jeden mit jedem im Ozean des Geistes« miteinander verbinden.

Treiben wir die Spekulation noch ein Stück weiter: Überall auf der Welt versammeln sich Menschengruppen, die per Gedankenübertragung miteinander kommunizieren. Nach Bergier wird das morgen oder übermorgen Alltag sein. Gab es dergleichen aber vielleicht schon gestern und vorgestern? Es gibt weltweit über 2000 Loreto-Kapellen. Waren sie als Kommunikationszentren gedacht, die miteinander Gedanken austauschen konnten? Haben die Loreto-Kapellen viel ältere Zentren – heidnische Tempel – abgelöst? Wurden sie just dort errichtet, wo man sich schon vor Jahrtausenden getroffen hatte, um über weite Strecken hinweg im »Ozean des Geistes« eins zu werden?

Fotos 11+12: Lelu
Sind die 2000 Loreto-Kapellen Inseln im »Ozean des Geistes«? Waren Kultplätze auf der Osterinsel, Tiahuanaco in Bolivien und in der Südsee (z.B. Nan Maol und Lelu, Mikronesien) – um drei beliebige Beispiele zu nennen – Zentren der geistigen Kommunikation!

Bevor die zentralen Fragen unbeantwortet bleiben, werden Detailfragen schon gar nicht in Angriff genommen. Noch können wir nur spekulieren, ob etwa die ganz speziellen Maße der Loreto-Kapellen einen Einfluss hatten etwa auf die Bündelung von Gedankenenergie. Sind Gebete in der Gruppe Bündelung von Gedankenenergie?

Um die Kühnheit der Gedanken auf die Spitze zu treiben: Wenn das morphogenetische Feld, wie Walter Häge postuliert, »das Gedankenfeld des universellen Geistes« ist, dürfen wir dieses Feld dann auf Planet Erde eingrenzen? Oder umfasst es die Unendlichkeit? Ermöglicht das morphogenetische Feld dann auch die Kommunikation mit fernen Welten und ihren Bewohnern?

Ein Kommunikationsmittel funktioniert nur, wenn man auch dazu bereit ist, zu benutzen. Man kann nur telefonieren, wenn man den Hörer abnimmt und eine Nummer wählt oder wenn man sein Smartphone anschaltet und eine Nummer eingibt.

Wem derlei Gedankenspiele zu kühn und spekulativ sind, der mag sich auf die Fortsetzung dieses Textes freuen. Dann geht es sehr konkret um die Frage, wie Engel vor vielen Jahrhunderten ein Haus aus Nazareth durch die Luft nach Italien transportierten und warum. Im Vergleich zu Spekulationen über Gedanken-Kommunikation mit dem Kosmos wird es trockener und nüchterner zugehen, aber – hoffentlich – fantastisch genug!

 
Fußnoten
1) Däniken, Erich von: »Aussaat und Kosmos«, Düsseldorf, August 1972, S. 266
2) Lyall Watson: »Lifetide«, New York 1979
3) Sheldrake, Rupert: »Das Gedächtnis der Natur«, Bern 1990
4) Pauwels, Louis und Bergier, Jacques: »Aufbruch ins dritte Jahrtausend/ Von der
     Zukunft der phantastischen Vernunft«, Bern und Stuttgart 1962
Sehr empfehlenswert sind auch:
Pauwels, Louis und Bergier, Jacques: »Die Entdeckung des ewigen Menschen/
     Die Umwertung der Menschheitsgeschichte durch die phantastische
     Vernunft«, Bern, München Wien, o.J.
Pauwels, Louis und Bergier, Jacques: »Eternal Man/ Are we older and wiser
     than we know?«, London (?) 1972
Pauwels, Louis und Bergier, Jacques: »Impossible Possibilities«, London (?)
     1971
5) Häge, Walter: »Die Theorie vom morphogenetischen Feld«, Manuskript


Foto 13: Widmung Bergier
Zu den Fotos
Fotos 1 und 2: In der Unterwelt des Hypogäums, Malta. Fotos um 1910. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Was wurde hier zelebriert? Foto etwa 1910. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Monstersteine in Tempeln von Malta. Im Bild Hans-Werner Sachmann und Walter-Jörg Langbein. Foto Ilse Pollo.
Fotos 5 und 6: Tempel von Hara Qim, Malta. Fotos Walter-Jörg Langbein.
Foto 7: Widmung Jacques Bergier. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Tiahuanaco, Bolivien (Sonnentor-Motiv). Foto Ingeborg Diekmann, Bremen.
Fotos 9-12: Lelu, Mikronesien, Reste gigantischer Steinbauten aus uralten Zeiten. Fotos Walter-Jörg Langbein

406 »Von Engeln und einem fliegenden Haus«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 8,
Teil  406 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 29.10.2017



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Sonntag, 15. Oktober 2017

404 »Da umleuchtete ein Licht vom Himmel die Augen vieler«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 6,
Teil  404  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die Loreto-Kapelle von Birkenstein.
Die Kapelle von Birkenstein misst bescheidene 9,50 Meter in der Länge und 3,50 Meter in der Breite. So bescheiden der kleine Bau von den Maßen ist, so prunkvoll ist er ausgestattet: als Verehrungsstätte.

Pilger kommen nach Birkenstein, um zur Gottesmutter zu beten, um Linderung und Heilung bei Erkrankung zu erbitten, oder um sich zu bedanken für erhaltene himmlische Hilfe.

Da scheint kaum ein anderer Ort besser geeignet zu sein, als das Haus, in dem Maria, die historische Mutter Jesu, lebte.

Die Kapelle von Loreto in Italien gilt nun als das Original. Im bescheidenen Haus soll einst Maria gelebt haben. Nur war das Original in Loreto für die meisten Christen vor Jahrhunderten unerreichbar, da einfach zu weit entfernt. Also baute man die Kapelle von Birkenstein exakt nach den Maßen des Originals. Als »Santa Casa« (»Heiliges Haus«) weltweit bekannt ist die Kapelle von Loreto, die ja ursprünglich eher ein profanes Häuschen war, ein weltliches Minigebäude, kein Ort der Andacht und Verehrung. Daran erinnert in Birkenstein der »Ofen« der Gottesmutter ebenso wie ihr »Küchenschrank«. Der »Ofen« befindet sich wie eine funktionslose Kulisse an der Ostwand, wie auch der »Küchenschrank«. Der Ofen wirkt wie die Attrappe eines »offenen Kamins«. Der Ausdruck »Küchenschrank« ist reichlich hochgegriffen, »Kästchen« passt eher. Es werden auch keine Küchenutensilien darin aufbewahrt, sondern Votivgaben, die an Heilungen erinnern sollen, für die sich die Gläubigen bei der »Mutter Gottes« bedanken wollten. Da finden sich (1) »silberne Ohren, Augen, Herzen, Arme und Beine« neben »schönen alten Rosenkränzen«.

Foto 2: Votivtafeln von Birkenstein.

Das Original in Loreto weist eine schlichte Ziegelmauer auf, die man in Birkenstein nur imitierte. Die Ziegel von Loreto sind rund zwei Jahrtausende alt, in Birkenstein hat man sie nur aufgemalt. Schwester Mayr fragt (2): »Diese einfache Mauer und die wunderbare Barockausstattung – passt denn das zusammen?« Für den gläubigen Christen gibt es keinen Widerspruch zwischen dem ärmlichen »Häuschen«, das nur aus einem Zimmer bestand, und der prunkvollen Ausstattung von Birkenstein. Die Behausung der Maria in Nazareth war nach heutigem Verständnis kein richtiges Haus, sondern nur ein kleiner Vorbau vor einer Höhle. Für tiefgläubige Katholiken war Maria die Mutter des göttlichen Jesus. Die schlichte Frau aus Nazareth wurde im Verlauf der letzten 2000 Jahre zur Miterlöserin, die in den Himmel aufgenommen wurde. Jesus selbst krönte sie zur Himmelskönigin und als Himmelskönigin mit der Mondsichel zu ihren Füßen stellten sie viele Künstler dar.

Foto 3: Votivtafeln von Birkenstein zeigen die himmlische Maria mit dem Jesuskind.

Marias mehr als bescheidene Bleibe (»1-Zimmer-Apartment«) in Nazareth wurde mit der Geburt des Heilands zum höchst bedeutsamen, heiligen Ort für die Christenheit. Die Botschaft von der einfachen Frau aus Nazareth und ihrer Bedeutung für die Christenheit soll die prunkvolle Ausstattung des kleinen Häuschens verdeutlichen. Und das gilt für rund 2000 Loreto-Kirchen und –Kapellen, die bis heute weltweit errichtet worden sind.

Den Erforscher des Mysteriösen und Geheimnisvollen freilich interessiert die Frage, wie denn das Häuschen der Maria aus Nazareth nach Loreto in Italien gelangt sein soll. Beginnen wir mit dem Ende der faszinierenden Geschichte: Mit der »Landung« des »Heiligen Hauses« in Loreto auf einem ganz und gar nicht zufällig gewählten Ort. Am 10. Dezember 1294 kam die »Santa Casa« (»Heiliges Haus«) vom Himmel hoch hernieder. Die Beschreibung erinnert den heutigen Leser zweifelsohne an so etwas wie eine profane »UFO-Landung«. Der Einsiedler Paulus de Sylva verfasste einen informativen Brief, den er keinem Geringeren als König Karl II. von Neapel sandte.

Foto 4: König Karl II von Neapel.
Zum historischen Hintergrund: Karl II. von Anjou – die Franzosen nennen ihn Charles d’Anjou, die Italiener Carlo d’Angiò wurde im Jahr 1254 geboren. Er verstarb am 6. Mai 1309 in Italien. Vom Jahre 1285 regierte er als »König von Neapel«. Der bürgerlich-weltliche Name des Paulus de Sylva kennen wir nicht. Er nannte sich »de Sylva«, was nichts mit adeliger Herkunft zu tun hat. »De Sylva« bedeutet schlich und einfach: »aus dem Wald«. »Paulus aus dem Wald« hauste in einer Klause auf dem damals noch dicht bewaldeten »Bärenhügel« bei Loreto.

Offenbar hatte Karl II., der den wenig schmeichelhaften Beinamen »der Lahme« trug, hatte wohl von wundersamen Geschehnissen gehört und »Paulus aus dem Wald« um Berichterstattung gebeten, befand sich dessen Hütte doch in unmittelbarer Nähe der himmlisch-irdischen Erscheinung. De Sylva verfasste seinen Brief an den König in lateinischer Sprache, er gehörte also gebildeten Kreisen an.

Joseph Sauren veröffentlichte anno 1883 in Einsiedeln das Werk »Das heilige Haus zu Loreto und die Lauretanischen Gnadenorte in deutschen Landen«. Darin enthalten: der komplette Text des Briefes von Paulus de Sylva an Karl II. von Neapel in lateinischer Sprache (3).

Ich zitiere aus einer deutschen Übersetzung (4): »O König, (ich schreibe Dir), um Deine fromme Neugier zu stillen, die mir den Auftrag gab zur Erzählung des großen Wunders der Übertragung des jungfräulichen Hauses, welche durch Engel durchgeführt worden ist, und zwar an die Küste Italiens in der Provinz Picenum im Gebiet von Recanati, zwischen den Flüssen Aspis und Musico (Musone) und Potentia (Potenza).«

Foto 5:  Bau der Kapelle von  Birkenstein.
Pauls de Sylva lokalisiert nicht nur genau, wo das »heilige Haus« von Engeln abgesetzt wurde, er benennt auch Zeugen (5): »Die Sache verhielt sich so, wie ich es öfter von glaubwürdigen Männern aus Recanati selbst gehört habe, und zwar von Franciscus Petrus, Kanoniker in Recanati, und insbesondere vom Kleriker Ugguccio, aber auch von den hervorragenden Rechtsgelehrten Ciscus de Cischis und Franciscus  Percivallinus aus Recanati, die alle mit vielen anderen Leuten, mit denen ich redete, zur Zeit des Wunders lebten. Ich habe dies auch in den öffentlichen Dokumenten mit Aufmerksamkeit gelesen.«

Leider ist es mir trotz intensiver Recherche nicht gelungen, die nicht näher benanannten »öffentlichen Dokumente« ausfindig zu machen, in denen angeblich das Wunder vom aus dem Himmel hernieder fahrenden Hauses auch beschrieben sein soll. Paulus de Sylva jedenfalls behauptet, diese Dokumente eingesehen und mit Zeugen gesprochen zu haben. Dann beschreibt de Sylva das fantastisch anmutende »Wunder« so, dass man es mit den Mitteln heutiger Tricktechnik für einen Sciencefiction-Film eins zu eins umsetzen könnte. Mich erinnert die Schilderung des Ereignisses aus dem Jahr 1294 an Spielbergs UFO-Visionen. Ich zitiere erneut aus Gottfried Melzers Buch »Loreto« (5):

»Im Jahre 1294 seit der Menschwerdung  des Herrn Jesus, am … 10. Dezember, als tiefes Schweigen alles gefangenhielt und die Nacht in ihrem Lauf die Mitte erreicht hatte, umleuchtete ein Licht vom Himmel die Augen vieler, die nahe am Ufer des Adriatischen Meeres sich befanden, und eine süßtönende Harmonie von Singenden trieb die Schlaftrunkenen und Müden an, das Wunder und übernatürliche Ereignis zu schauen.«

Foto 6: Transport des Heiligen Hauses als Briegmarkenmotiv

Woher dieses »Licht vom Himmel« kam, auch das beschreibt Paulus vom Wald ganz unmissverständlich (6): »Und sie sahen und schauten ein Haus von hellem Glanz umflossen, das von Engeln gestützt und durch die Luft getragen wurde. Und die Bauern und Hirten standen da und staunten voll Verwunderung über so ein gewaltiges Ereignis, und sie fielen in Verehrung nieder und harrten aus, das Ende zu sehen und den so staunenswerten Ausgang. Inzwischen wurde jenes Heilige Haus von den Engeln mitten in den großen Wald getragen und niedergestellt.«

Nüchtern betrachtet: Da kam etwas des Nachts vom Himmel, in Licht getaucht, von den staunenden Menschen bewundert. Offenbar wirkte sich die mysteriöse Landung dieses Etwas im Wald auf die Bäume aus, drückte die Bäume nieder. Für den frommen Einsiedler war dies ein Beweis für die Göttlichkeit des beobachteten Phänomens. Er interpretierte fromm-religiös (7):

»Und die Bäume selbst neigten sich 
und verehrten die Königin des Himmels 
und bis heute sieht man sie niedergeneigt 
und gekrümmt, gleichsam als frohlockten 
die Bäume des Waldes.«

Das »Heilige Haus« Marias wurde demnach von Engeln durch die Luft getragen und bei Loreto im Wald niedergesetzt. Der Überlieferung nach wurde der Platz, an dem die »Santa Casa« nicht einfach irgendwo im Wald abgestellt worden sein. Vielmehr habe sich ursprünglich an jener Stelle ein Tempel aus vorchristlichen Zeiten befunden. Paulus de Sylva vermeldet König Karl II. von Neapel: »An diesem Ort. So erzählt die Sage, sei (einst) ein (heidnischer) Tempel gestanden, der einer falschen Gottheit geweiht und von Lorbeer(büschen) umgeben war, und so wurde dieser Ort bis heute Laurentum (Lorento) genannt.«

Fotos 7-10: Vatikan 1995. Briefmarken zum Gedenken des Wunders von Loreto.

Welche »heidnische Gottheit« mag im Wald von Loreto in einem Tempel verehrt worden sein, bevor das »Heilige Haus« just dort abgestellt wurde? Der Lorbeer – griechisch Δάφνη – könnte Aufschluss geben. Im Griechischen ist die Daphne, zu Deutsch »Lorbeer«,  eine Priesterin der göttlichen »Mutter Erde«. Sie galt als Tochter des Flussgottes Ladon oder des Flussgottes Peneios und wurde – wie die Göttin Artemis – als »jungfräuliche Jägerin« verehrt. Daphne, so heißt es, wurde vom mächtigen Gott Apollon arg bedrängt. Um ihre Jungfräulichkeit zu wahren, geschah ein Mirakel: Daphne wurde in einen Lorbeerbaum verwandelt. Und Apollon trug von nun an zur Erinnerung an Daphne einen Lorbeerkranz.

Sollte es in Loreto den Tempel einer vorchristlichen, sprich heidnischen Göttin gegeben haben? War eine jungfräuliche Priesterin für den Tempelkult verantwortlich? An ihre Stelle trat die jungfräuliche Maria. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass noch in frühchristlichen Zeiten Menschen im Wald von Loreto zur heidnischen Göttin beteten. Nach und nach wurde sie durch Jungfrau Maria verdrängt. Die »jungfräuliche Jägerin« wurde von der »jungfräulichen Mutter« abgelöst.

Foto 11: Literaturempfehlung zum Thema.

Fußnoten
1) Mayr, Sr. M. Eresta: »Mein Birkenstein«, Passau 2014, S. 28, Zeilen 1 -3 von oben
2) ebenda, Zeilen 7 und 8 von oben
3) Sauren, Joseph: »Das heilige Haus zu Loreto und die Lauretanischen Gnadenorte in deutschen Landen«, Einsiedeln 1883
4) Melzer, Gottfried: »Loreto/ Der erste und ehrwürdigste Marienwallfahrtsort«, Lauerz, Schweiz, 2. Auflage 2003, S. 61-64, Zitat S. 61, rechte Spalte
5) ebenda, S. 62, linke Spalte oben
6) ebenda, S. 62, linke Spalte unten
7) ebenda, Seite 62, linke Spalte, Zeilen 1-3 von unten und S. 62, rechte Spalte, Zeilen 1-4 von oben
8) ebenda, S.62, rechte Spalte oben

Zu den Fotos
Foto 1: Die Loreto-Kapelle von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Votivtafeln von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Votivtafeln von Birkenstein zeigen die himmlische Maria mit dem Jesuskind. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: König Karl II von Neapel. Foto wiki commons/ gemeinfreiFoto 5: Fromme Malereien zeigen den Bau der Kapelle von  Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5:  Bau der Kapelle von  Birkenstein. Fromme Malerei, Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Kroatien 1994. Transport des Heiligen Hauses durch die Luft als Briefmarkenmotiv. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 7-10: Vatikan 1995. Briefmarken zum Gedenken des Wunders von Loreto. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Literaturempfehlung zum Thema. Reinhard Habeck: Überirdische Rätsel. Foto Verlag

405 »Im Ozean des Geistes«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 7,
Teil  405 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 22.10.2017 

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Sonntag, 8. Oktober 2017

403 »Birkenstein und das Wunder von Loreto«

Foto 1: Die Gottesmutter über Birkenstein.
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 5
Teil  403  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Birkenstein hat sich seit über einem Jahrhundert kaum verändert. Auf alten Ansichtskarten, die vor 100 Jahren versandt wurden, sieht die doppelgeschossige sakrale Anlage so aus wie heute. Anno 1823, am 13. August, stattete der bayerische König Max Joseph I. Birkenstein einen Besuch ab. Schon damals wirkten die ehemalige Klause und die Wallfahrtskapelle eine Einheit. Aus der einstigen Klause wurde das Sockelgeschoss, die – als Obergeschoss – die kleine Kapelle trägt. Heute kommen Jahr für Jahr über 200.000 Menschen nach Birkenstein. An Sonntagen sind es oft über 1.000 Besucher. Und viele der Touristen und Pilger empfinden heute, so wie König Max Joseph I., der anno 1823 die »schöne Kapelle« (1) lobte.

Mich zog die bescheidene Schlichtheit der fast wie ein Modell wirkenden doppelgeschossigen Anlage sofort in ihren Bann. In einem betagten  Führer lese ich (2): »Das Erdgeschoß zeigt außen in Nischen den heiligen Kreuzweg, die 13. Station, mit Pietà, ist als Gebetsraum ausgebildet, die 14. Station als Grabkapelle. Darüber steht das Obergeschoß, ›das lauretanische Haus‹ mit steilem Dach, auf dem westlich ein Kuppeldachreiter sitzt; innen Tonnengewölbe.«

Foto 2: Ansichtskarte Birkenstein, Ende des 19. Jahrhunderts, gelaufen am 10.08. (18)99

Es ist erstaunlich! Obwohl Birkenstein zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten Deutschlands gehört, hat es seine Schlichtheit nicht verloren. Das – wie der Reiseführer schreibt (3) – »traute Kirchlein« birgt so etwas wie ein offenes Geheimnis. Die Birkenstein-Kapelle ist nämlich eine Loreto-Kapelle, was bestimmt viele Besucher heute nicht mehr wissen.

Bekannt ist, dass anno 1673 auf dem »Stein am Fischbachauer Berg ein Kapellchen entstand (4)«. Es heißt, dass schon bald zahlreiche Pilger nach Birkenstein strömten. Ich frage mich allerdings, ob sich nicht schon vor dem Bau des kleinen christlichen Gotteshauses Menschen zu einem sehr viel älteren Heiligtum kamen. Davon ist auch Andreas Scherm überzeugt, der in der »Süddeutschen Zeitung« als »großer Kenner historischer und kultureller Eigenheiten des Münchner Umlandes« gepriesen wird.

Foto 3: Klosterkirche St. Martin, Fischbachau.

Ich bin davon überzeugt, dass Birkenstein ursprünglich ein Quellheiligtum war, dessen Wasser schon in vorchristlichen Zeiten als heilsam für allerlei Gebrechen galt. Mir scheint, dass dies auch heute noch ein Tabuthema ist: Bislang gibt es meines Wissens nach keine Studie zur Frage, welches vorchristliche Heiligtum einst einer christlichen Kapelle oder Kirche wichen musste. Nach wie vor gibt es nicht die längst überfällige Aufstellung von »christlichen Heilquellen«, die schon zu heidnischen Zeiten Pilger anlockten. Dieses Defizit ist weltweit zu beklagen. Wir wissen, dass die Maria von Guadalupe, Mexico City just dort verehrt wird, wo schon zu heidnischen Zeiten zu einer Aztekengötting gebetet wurde. Eine entsprechende Studie über vorchristliche Vorgänger von Kapellen, Kirchen und Kathedralen allein im Münchner Raum könnte als Magister oder Doktorarbeit im Fachbereich der Theologie wirklich »neue« Erkenntnisse erbringen. Ob die aber erwünscht sind, das sei dahingestellt.

Foto 4: Hier stand einst die Madonna von Birkenstein.

Ich frage mich, ob der Pilger, der nach einer langen, anstrengenden und entbehrungsreichen Reise Birkenstein besucht, das Geheimnis der Kapelle besser versteht. Mich persönlich fasziniert und befremdet Birkenstein.

Ich verstehe nicht den in meinen Augen krassen Widerspruch zwischen dem schlichten, bescheidenen Äußeren einerseits und dem fast schon überladenen Inneren der Kapelle. Freilich entstand (6) »die prunkvolle Auszierung des Inneren im üppigen Rokokostil“ erst  in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, vermutlich um 1760.

Die Gottesmutter selbst soll bereits anno 1663 dem Ortspfarrer Mayr im Traum erschienen und um den Bau einer Kapelle gebeten haben. »Hier an diesem Ort will ich verehrt werden und denen, die mich hier anrufen, meine Gnade mitteilen.«  Zwei weitere Männer, so wird überliefert, hatten Traumvisionen. Sie sahen auf dem Birkenstein eine kleine Kirche, der viele Pilger zustrebten. Die Namen der beiden Männer sind überliefert: Michael Millauer und Christoph Hafner.

Zehn Jahre später, anno 1673, war dem Wunsch der Mutter Gottes noch nicht Rechnung getragen worden. Pfarrer Johann Stiglmair forderte – ganz ähnlich wie im Fall der Maria von Guadalupe in Mexiko – ein »Zeichen«.  Der frommen Überlieferung nach wurde er daraufhin sterbenskrank. Für den Fall seiner Genesung versprach er, den Bau einer Kapelle zu veranlassen. Schlagartig soll er gesundet sein. Mit dem Bau einer Kapelle wurde sofort begonnen. Seither sind viele Heilwunder überliefert, die frommen Birkensteinpilgern widerfahren sein sollen. Unzählige Votivtafeln erinnern an Gesundungen von Kranken.

Fotos 5 und 6:  Die Himmelskönigin von Birkenstein.

Eine vergleichbare »Vision« führte im fernen Mexico City zum Bau eines Gotteshauses zu Ehren der Maria von Guadalupe. Auch in Mexiko wurde von der zweifelnden Geistlichkeit ein Beweis gefordert und auch erbracht. Die wundersame Tilma von Guadalupe mit dem weltbekannten »Bildnis« der Gottesmutter kann noch heute in der Kathedrale von Guadalupe bewundert werden. Bis heute kann das »Bild«, das keines ist, auf dem jahrhundertealten Umhang nicht erklärt werden. Es dürfte gar nicht existieren.

1673 wurde auf dem Stein vom Fischbachauer Berg eine winzige Kapelle gebaut. Und zwar dort, wo seit unbekannten Zeiten ein Marterl mit dem gegeißelten Heiland stand. Zwölf Gläubige fanden darin Platz. 1679 zog eine wirkliche Kostbarkeit in das winzige Gotteshaus ein: die »Gnadenmadonna von Birkenstein«. Im Kirchenführer »Birkenstein« lesen wir (7): »Das Gnadenbild stand einst in der ehemaligen Klosterkirche St. Martin zu Fischbachau, wo es in einem ›Kasten‹ (wahrscheinlich ein kleiner gotischer Flügelaltar) aufgestellt und nach glaubwürdiger Meinung schon seit Entstehung des Klosters im Jahre 1100 andächtig  verehrt worden war.«

Foto 7: Die Birkenstein-Kapelle mit Anbauten.

Das winzige Kapellchen, das nur einem Dutzend Gläubigen Platz bot, beherbergte also eine Mutter Gottes von unschätzbarem Wert. Die zahlreichen Heilungswunder lockten immer mehr Menschen nach Birkenstein und so musste eine neue Kapelle gebaut werden. Am 14. Mai 1710 war es dann soweit: der Grundstein für die neue und größere Kapelle wurde gelegt. Der Bau schritt schnell voran, bereits am 26. Oktober 1710 zog die Gottesmutter ein. Die Pilger strömten herbei. Und je mehr Menschen nach Birkenstein kamen, desto häufiger wurden wundersame Heilungen vermeldet, die man auf das segensreiche Wirken Marias zurückführte.

Foto 8: Die Maria von Loreto
Die Madonna von Birkenstein steht im Zentrum der Birkenstein-Kapelle. Ursprünglich war ihr Ambiente ein sehr schlichtes, heute ist das Mutter-Gottes-Bild von prächtigem Prunk umgeben. Offenbar wollten die Verantwortlichen um 1760 der Madonna ein ihrer Bedeutung angemessenes, also prächtiges Umfeld bieten. Damit aber wurde die Kapelle, um es pointiert auszudrücken, verfremdet. Bei ihrem Bau richtete man sich anno 1710 so genau wie möglich (8) »nach einem hölzernen Modell der Loreto Kirche beziehungsweise des Heiligen Hauses«. Die Kapelle von Birkenstein wurde als Kopie des »Heiligen Hauses« gebaut. Anno 1757 reiste Pater Heinrich Maier nach Loreto in Italien, um zu kontrollieren, ob die Wallfahrtskapelle von Birkenstein auch wirklich in den Ausmaßen genau der Loreto Kapelle entsprach.

Das »Heilige Haus« von Loreto soll nichts anderes sein als das (Geburts?)haus der Gottesmutter Maria, das einst in Nazareth stand. Das Wunder von Loreto löst bei vielen kritischen Zeitgenossen auch heute noch herablassendes Grinsen aus. Häme ist freilich nicht angebracht. Es kann nämlich als bewiesen gelten, dass das »Geburtshaus Marias« wie auch immer nach Italien geschafft wurde. Es kann als Fakt gelten, dass es sich beim »Heiligen Haus« von Loreto um das Original aus dem Heiligen Land handelt. Das ist wissenschaftlich erwiesen!

Der Überlieferung nach wurde es auf Umwegen von Nazareth nach Italien verbracht: und zwar von Engeln, durch die Lüfte! Und das ist das mysteriöse Wunder von Loreto. Es zeigt sich, dass für den skeptischen Zeitgenossen unglaubwürdige Überlieferungen zumindest einen wahren Kern haben können. Ob man nun an Engel glaubt oder nicht, es lässt sich nicht bestreiten, dass das Geburtshaus Marias vor Jahrhunderten nach Italien geschafft wurde, ob per Luftfracht oder auf anderem Wege.

Eine Kopie des Originals von Loreto entstand in Birkenstein. Man wollte der Statue der Maria ein angemessenes Zuhause bieten. Da lag es ja auf der Hand ihr eine gewohnte Umgebung zu schaffen, nämlich eine exakte Kopie ihres Geburtshauses. Deshalb war die Birkenstein-Kapelle ursprünglich innen wie außen sehr schlicht. 1838 und 1848 wurden das »Priesterhaus« und das »Klösterlein der Armen Schulschwestern« angebaut.

Foto 9: Loreto -  Kirche und Kloster. Foto und Copyright Reinhard Habeck, Österreich.



Fußnoten

1) Demmel, Fritz: »Birkenstein: Wallfahrtskapelle Maria Himmelfahrt«, Passau 2005, S. 9, rechte Spalte oben 
2) »Birkenstein«, Schnell und Steiner Kunstführer Nr. 85, München 1935, 7. Auflage 1984, Seite 2
3) ebenda
4) ebenda, S. 10, erste Textzeile
5) Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011, Seite 112
6) »Birkenstein«, Schnell und Steiner Kunstführer Nr. 85, München 1935, 7. Auflage 1984, Seite 10, Zeilen 8 und 9 von oben, Zeilen 17 und 18 von unten
7) ebenda, S. 3, Zeilen 3-6 von oben
8) Demmel, Fritz: »Birkenstein: Wallfahrtskapelle Maria Himmelfahrt«, Passau 2005, S. 12, S. 12 
 

Zu den Fotos

Foto 1: Die Gottesmutter über Birkenstein. Karte vom 03.11.1914. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ansichtskarte Birkenstein, Ende des 19. Jahrhunderts, gelaufen am 10.08. (18)99, Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Klosterkirche St. Martin, Fischbachau. Foto  Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Hier stand einst die Madonna von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 5 und 6:  Die Himmelskönigin von Birkenstein. Foto etwa 1935. Archiv W-J. Langbein
Foto 7: Die Birkenstein-Kapelle mit Anbauten. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Die Maria von Loreto auf einer Briefmarke, Slowenien 18.11.1994
Foto 9: Loreto -  Kirche und Kloster. Foto und Copyright Reinhard Habeck, Österreich.

404 »Und umleuchtete ein Licht vom Himmel die Augen vieler«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 6,
Teil  404  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 15.10.2017


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