Freitag, 12. Januar 2018

417 »Engel, Götter oder Teufel«

Teil  417 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein   
                     

Foto 1: H.P. Lovecraft, etwa 1915
»Einige dieser Wesen, sagte er,
hätten sogar Verbindung zu anderen
Dimensionen und Welten gehalten.
In den vergessenen vormenschlichen
Zeiten seien solche Verbindungen
noch häufig vorhanden gewesen.«

H.P. Lovecraft und Hazel Heald
in »Das Grauen im Museum« (1)

Rekapitulieren wir: Jakob sah im Traum Engel, die vom Himmel herab zur Erde stiegen und von der Erde wieder in den Himmel zurückkehrten.  Über den Eingang in den Himmel erfahren wir nichts in unseren Bibelausgaben, wohl aber im altslavischen Text »Leiter Jakobs« (2): »Und die Spitze der Leiter war ein Antlitz wie eines Menschen, aus Feuer behauen.« Der unbekannte Textautor vergleicht also den Eingang zum Himmel mit einem »Antlitz eines Menschen, aus Feuer behauen«. Darf man den Text beim Wort nehmen?

Die gängigen Bibelübersetzungen vermelden eine offensichtlich sehr lange oder hohe Leiter (3): »Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.«  Der konkretere altslavische Text schildert eine sehr kurze Leiter von nur zwölf Stufen, an deren Ende etwas »Feuriges« war, etwas das wie ein feuriges Menschenantlitz aussah.


 Im äthiopischen »Buch Henoch« stieß ich auf ein besonders interessantes Kapitel, betitelt »Das Geschichtsbuch. Die Entwicklung der Weltgeschichte.« Ich benütze auch in Sachen Henoch die meiner Meinung nach beste Übersetzung »verbotener« biblischer Texte das Standardwerk schlechthin als Quelle (4): Emil Kautzsch: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments« (4). Henoch schildert eine geheimnisvolle Begegnung (5):  

Foto 2: Henochs Himmelsreise nach Kautzsch

»Da erhob ich abermals meine Augen gen Himmel und sah im Gesichte, wie aus dem Himmel Wesen, die weißen Menschen glichen, hervorkamen; einer von ihnen kam aus jenem Ort hervor und drei mit ihm. Jene drei, die zuletzt hervorgekommen waren, ergriffen mich bei der Hand, nahmen mich von dem Geschlechte der Erde hinweg und brachten mich hinauf an einen hohen 0rt und zeigten mir einen Turm hoch über der Erde, und alle Hügel waren niedriger.«

Foto 3: »Das Haar der Medusa«
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Wie im Fall »Jakobs Himmelsleiter« kommen da Wesen »aus dem Himmel«. Bei diesen Wesen handelte es sich, so erklärt Prof. Kautzsch in einer Fußnote (6). Engel kamen also »aus jenem Ort hervor«. Doch während Jakob auf der Erde bleibt, bringen die Engel Henoch »an einen hohen Ort«. 

Die Engel entführen Henoch in den Himmel. Aus der Höhe blickt er hinab zur Erde und sieht »Hügel«. Und oben – »hoch über der Erde« – machten ihn die »Engel« auf einen »Turm« aufmerksam. Um ein irdisches Bauwerk, um einen in den Himmel ragenden urzeitlichen »Wolkenkratzer« kann es sich dabei nicht gehandelt haben. Henoch beschreibt doch ganz konkret, dass ihm die Engel einen »Turm« zeigten: »hoch über der Erde, und alle Hügel waren niedriger«. Der »Turm« befand sich also im Himmel und die »Engel« brachten Henoch hinauf in den Himmel, zum »Turm«. Sollte es sich um das Raumschiff der »Engel« gehandelt haben? Oder um etwas ganz anderes?

Henoch schildert an anderer Stelle seine »Himmelfahrt« ausführlicher (7). Die Engel entführten ihn in himmlische Gefilde: 

»Sie trugen mich hinein in den Himmel. Ich trat ein, bis ich mich einer Mauer näherte, die aus Krystallsteinen gebaut und von feurigen Zungen umgeben war; und sie begann mir Furcht einzujagen. Ich trat in die feurigen Zungen hinein und näherte mich einem großen, aus Krystallsteinen gebauten Hause. Die Wände jenes Hauses glichen einem mit Krystallsteinen getäfelten Fußboden, und sein Grund war von Krystall. Seine Decke war wie die Bahn der Sterne und Blitze, dazwischen feurige Kerube, und ihr Himmel bestand aus Wasser. Ein Feuermeer umgab seine Wände, und seine Thüren brannten von Feuer. Ich trat ein in jenes Haus, das heiß wie Feuer und kalt wie Schnee war. Da war keine Lebenslust vorhanden; Furcht umhüllte mich, und Zittern erfaßte mich. Da ich erschüttert war und zitterte, fiel ich auf mein Angesicht und schaute (Folgendes) im Gesichte: Siehe, da war ein anderes Haus, größer als jenes; alle seine Thüren standen vor mir offen, und es war aus feurigen Zungen gebaut. In jeder Hinsicht, durch Herrlichkeit, Pracht und Größe zeichnete es sich so aus, daß ich euch keine Beschreibung von seiner Herrlichkeit und Größe geben kann. Sein Boden war von Feuer; seinen oberen Teil bildeten Blitze und kreisende Sterne, und seine Wege war loderndes Feuer.«

Foto 4: Moon Pool von Merritt

Henoch versteht nicht, was ihm geschieht. Er begreift nicht, was ihm widerfährt. Ihm wird angst und bange, er zittert vor Angst, fällt nieder, ja er kann schließlich nicht mehr hinsehen (8). Was Henoch wortgewaltig schildert, das haben wir bereits im altslavischen Text über Jakobs Himmelsleiter gelesen. Am Ende der Himmelsleiter befand sich etwas Feuriges (9): »Und die Spitze der Leiter war ein Antlitz wie eines Menschen, aus Feuer behauen.«

Beide Texte beschreiben etwas, was weder Jakob noch Henoch begreifen konnten. Beide waren entsetzt. Warum? Erinnern wir uns: In der Piscator-Bibel von 1736 lag es an Jakobs »bloedigkeit«, dass er nicht begreifen konnte, was er da sah. Sind wir heute klüger? Prof. Ernst Bammel (*1923, †1996), profunder Kenner des altjüdischen Schrifttums, versicherte mir, dass es nach jüdischer Legende aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt eine Erklärung für Jakobs »Vision« gab. Demnach führte die Himmelsleiter über dem Boden zu einem »Tor zum Himmel«. Was ist unter einem »Tor zum Himmel« zu verstehen? Eine fantastische Antwort auf die Frage, die mir kein Theologe beantworten konnte, bekam ich in der Südsee, auf der Insel Pohnpei.

Die gigantischen Ruinen von Nan Madol werden als »Venedig der Südsee« bezeichnet. Aus tonnenschweren Basaltsäulen wurden vor der Küste von Pohnpei fast 100 künstliche Inseln geschaffen und darauf – wiederum aus Basaltsäulen – geradezu monströse Mauern und »Tempel« errichtet.

Foto 5: Einer der Tempel von Nan Madol.
In den 1990er Jahren besuchte ich Pohnpei zum ersten Mal. Die »Anreise« war strapaziös: Frankfurt–Amsterdam, Amsterdam–Tokio, Tokio–Guam, Guam–Pohnpei (Mikronesien). Die Rückreise war noch anstrengender: Pohnpei–Kosrae, Kosrae–Honolulu, Honolulu–Sydney (Australien), Sydney–Port Vila (Vanuatu), Port Vila–Tanna (John-Frum-Kult), Tanna–Port Vila, Port Vila–Nadi (Fiji), Nadi–Honolulu, Honolulu–Minneapolis, Minneapolis–Detroit, Detroit–Frankfurt.

Die Besuche in den Ruinen von Nan Madol waren fantastisch. In einem leicht maroden Motorboot kutschierte ein Guide mich und zwei Freunde zwischen den künstlichen Miniinseln umher. Überall waren die von Menschenhand geschaffenen Fundamente der Insel zu erkennen, aber auch Reste von einst stolzen Tempelanlagen. Auf verschiedenen Inseln gab es Schächte zu Tunneln, die angeblich unter dem Meeresboden weit hinaus führten.

Viele Stunden erkundeten wir die Welt des »8. Weltwunders«, des »Venedigs der Südsee«. Und abends gab es im herrlichen »Village Resort Hotel« von Bob und Patti Arthur faszinierende Gespräche. Eines Abends erzählte ich in kleiner Runde von meinem Theologiestudium und von meiner Beschäftigung mit dem »Tor zum Himmel« in biblischen und apokryphen sowie pseudepigraphen Schriften. Die Arthurs waren alles andere als erstaunt. Und zu meiner Verblüffung berichteten sie mir, dass es einst im Zentrum der mysteriösen Anlage von Nan Madol so ein »Tor« gegeben haben.

»Ein Tor zu Anlagen unter dem Meeresspiegel?«, wollte ich wissen. Die Arthurs lachten. »Eher eine Art ›Stargate‹, ein Eingang über andere Dimensionen…« Durch das »Stargate« könnten Eingeweihte fremde, fantastische Welten Besuchen. Durch das Stargate könnten mysteriöse Wesen – Engel, Götter oder Teufel – in unsere Welt eindringen. »Glauben Sie an dieses ›Stargate‹ von Nan Madol?«, fragte ich in eine Pause des Schweigens. Patti Arthur zuckte mit den Schultern. »Jedenfalls traut sich kein Einheimischer bei Nacht in die Ruinen von Nan Madol!«, antwortete sie schließlich. »Sie haben Angst, vom ›Leuchtenden‹ in eine andere Welt verschleppt zu werden.«

Foto 6: Luftaufnahme Nan Madol.

Ob es Literatur zu diesem faszinierenden Thema gebe? Meine Frage löste keine große Begeisterung aus. Schließlich gewährten mir die Arthurs Einblick in ihre kleine Bibliothek. Ein Stephen Athens zum Beispiel berichtete ausführlich über archäologische Funde von Nan Madol (10). Paul Hambruch, der schon vor dem ersten Weltkrieg die Ruinen von Nan Madol vermessen hat, schwieg sich über die fantastischen Überlieferungen in Sachen »Nan Madol und das Stargate« aus (11). Seither habe ich gesucht, gesucht und nichts gefunden. Selbst in einer neueren wissenschaftlichen Publikation (12), 2012 in Tokyo erschienen, klammerte man das Thema aus.

Fündig wurde ich nur in einem fantastischen Roman, auf den mich die Arthurs hingewiesen haben: »The Moon Pool« von Abraham Merritt, 1919 (14) in Erstauflage erschienen, schildert ein »Stargate« als Zugang zu fantastischen, aber auch gefährlichen Welten.

Foto 7: Jakobs Himmelsleiter in der Koberger-Bibel von 1483

Ich frage mich: Sollte Jakobs »Himmelsleiter« zu einem Stargate geführt haben? Und haben »Engel« Henoch durch so ein »Stargate« entführt und wieder zurück gebracht?


Fußnoten:
1) Lovecraft, Howard Phillips: »Das Haar der Medusa/ Horrorgeschichten 1930-1932, S. 278-324, Zitat S. 282, Zeilen 13- 10 von unten, Festa-Verlag, Leipzig, 1. Auflage Oktober 2017
2) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 3
3) 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 12, Luther Bibel 2017
4) Kautzsch, Emil: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Bd. 2, Tübingen 1900, Seite 290
5) ebenda, Kapitel 87, Verse 2 und 3
6) Kautzsch, Emil: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Bd. 2, Tübingen 1900, 

Seite 290 unten, Fußnote »m«: »Das sind die treugebliebenen Engel. Sie sind mit Menschen verglichen.«
7) »Das Buch Henoch«, Kapitel 14, Verse 9-17, Zitat nach Kautzsch, Emil, ebenda, Seiten 244 und 245
8) ebenda, Vers 19
 

Foto 8: Tempelmauer von Nan Madol.

 9) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 3
10) Athens, J. Stephen: »Pottery from Nan Madol, Ponape, Eastern Caroline Islands«, »The Journal of the Polynesian Society«, 89, 1980, S. 95–99.
11) Hambruch, Paul: »Ponape«, Hamburg 1936
12) »Japan Consortium for International Cooperation in Cultual Heritage«: »Survey Report on the Present State of Nan Madol, Federated States of Micronesia«, Tokyo 2012
13) Merritt, A(braham): »The Moon Pool« (Roman), 1. Auflage, New York und
London 1919
14) Zunächst veröffentlichte das Wochenblatt »All-Story Weekly« zwei Kurzgeschichten von Abraham Merritt: »The Moon Pool« erscgien1918, die Fortsetzung »Conquest of the Moon Pool« (etwa: »Eroberung des Mond-Teichs/Sees«) ein Jahr später. Beide dienten dann als Grundlage für den Roman »The Moon Pool«.


Zu den Fotos:
Foto 1: H.P. Lovecraft, etwa 1915, wikimedia commons/ public domain
Foto 2: Henochs Himmelsreise nach Kautzsch, 1900.Foto 3: »Das Haar der Medusa«, eine fantastische Sammlung von packenden Kurzgeschichten, die H.P. Lovecraft in Zusammenarbeit mit anderen Autoren verfasst hat. Dem FESTA Verlag darf ich auch für diese schöne Lovecraft-Publikation von Herzen danken. 
Foto 4: Moon Pool von Merritt, Originalausgabe 1919.
Foto 5: Einer der Tempel von Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Luftaufnahme Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 7: Jakobs Himmelsleiter in der Koberger-Bibel von 1483
Foto 8: Monströse Tempelmauer, Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Plakat zum Seminar »Phantastische Phänomene«, 3. und 4.März 2018

418 »Monstermauern, Mumien und Mysterien - ein Jubiläum!«,
Teil  418 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint wegen des Jubiläums ausnahmsweise bereits am 17.01.2018





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Sonntag, 7. Januar 2018

416 »Mit dem ›Fahrstuhl‹ oder durchs ›Sternentor‹ ins All? «

Teil  416 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein                       

Foto 1: Projekt Weltraumlift der NASA.

Einer der großen alten Raumfahrtpioniere war Prof. Eugen Sänger,  der mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten den ersten Raumfahrttechnikern konkrete Fortschritte ermöglichte, aber auch Visionen schenkte. Sänger ging davon aus, dass wir Menschen einst interstellare Raumfahrt betreiben werden. In seinem Werk »Raumfahrt« (1)  stellte Prof. Eugen Sänger schon 1958 Überlegungen über Besucher von anderen Sternen auf der Erde in der Vergangenheit an. Er schreibt (2): »Der Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ist so alt wie die Menschheit selber ... Der Gedanke der Raumfahrt erscheint daher am frühesten schon in der prähistorischen Menschheitsperiode in den Göttermythen und Sagen.«

Entstand also der Wunsch nach Raumfahrt aus Mythen der Vorzeit und aus alten heiligen Büchern der Völker, weil die Menschen davon träumten, einst in die Tiefen des Alls vorzudringen, so wie man ja auch Seen und Ozeane überqueren konnte? Wurden also schon vor Jahrtausenden fiktive »Raumfahrergeschichten« formuliert? Prof. Sänger hält das für unwahrscheinlich. Er geht vielmehr von Erinnerungen an reale Ereignisse aus (3):

Foto 2: Sängers visionäres Buch.
»Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.« Der Raumfahrtpionier betonte  vor einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen.«
    
Schließlich benennt Prof. Sänger einige Indizien für Besuche der »Astronautengötter« auf, die Jahre später sozusagen zum Kanon der »Prä-Astronautik« gehören sollten (4):

»Tatsächlich berichtet nicht nur die Bibel vom Propheten Elias, er sei auf einem von Flammenrossen gezogenen Donnerwagen gen Himmel gefahren, nach mexikanischen Mythen erhielt die Maya den Besuch eines Gottes aus dem Weltraum, die Begründer der peruanischen Inkadynastie kamen vom Himmel.« Und weiter: »Die bei Ninive gefundene Tontafel Assurbanipals mit der Kunde von dem Himmelsflug des sumerischen Königs Etam um 3200 v. Chr. bis in solche Höhen, dass ihm die Länder und Meere der Erde nicht größer erscheinen als ein Laib Brot, mag auch hierher gehören, ebenso wie die aus der Zeit um 155 v. Chr. stammende bekannte griechische Sage von Ikarus und Dädalos und die entsprechende germanische Sage von Wieland dem Schmied.«
    
Schließlich blickt Raumfahrtpionier Sänger in die Zukunft: Die »Erinnerung an die Fähigkeiten außerirdischer Wesen«  könne sehr wohl im Menschen den Wunsch verstärkt haben, »selbst Raumfahrt zu treiben«.

Foto 3: Oberths visionäres Buch.
Die Sehnsucht der Menschen, in den Himmel emporzusteigen, wird schon sehr früh im »Alten Testament« beschrieben. Dabei wird deutlich, dass im mythischen Text unter Himmel nicht etwa ein Aufenthaltsort für die Seelen Verstorbener gemeint ist, sondern die Gefilde hoch über uns, also das All. Die Menschen wollten in’s All vordringen, nicht in geistige Sphären. Ähnlich wie die »Engel« auf Jakobs Leiter wollten sie hoch, sehr hoch emporsteigen. Und sie bauen zu diesem Zweck einen gewaltigen Turm. Lassen wir die Bibel selbst zu Wort kommen (5):

»Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.
Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst.

Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.

Da fuhr der JAHWE hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der JAHWE sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.

Fotos 4-6: Turm zu Babel Kupferstich von Jacob Andreas Fridrich

Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der JAHWE von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der JAHWE daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.«

Menschen bauen also einen riesigen Turm, um in den Himmel empor zu steigen, wie das »Alte Testament« berichtet. Hermann Oberth, Vater der Weltraumfahrt dazu: »Die Raketentechnik bietet in unseren Tagen schnellste Möglichkeit, Material ins Weltall zu schaffen, das aber kostet Unmengen an Energie!« Der Gelehrte erklärte mir weiter, dass es theoretisch andere Methoden gebe, die nur einen Bruchteil der Energie erfordern, die Raketen verbrauchen. Prof. Oberth: »Wenn man einen riesigen, unvorstellbar hohen Turm bauen würde mit Treppen darin, dann könnte man zu Fuß ins All klettern.«

Fotos 7 + 8: Via Himmelsleiter ins All. Kupferstich von Küsel, 1679.

Das freilich würde sehr lange dauern. Oberth weiter: »Ein Lift im Turm, wie in einem Kaufhaus, würde die Sache gewaltig beschleunigen und vergleichsweise sehr wenig Energie verbrauchen, im Verhältnis zum Raketenantrieb jedenfalls.«

Was Prof. Oberth zum Zeitpunkt unserer Gespräche in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren nicht wusste: Schon 1895 dachte der russische Weltraumpionier Konstatin E. Ziolkowski (*1857, †1935) über einen gigantischen »Weltraumturm« nach, dessen »Spitze« in den Weltraum reichen würde. Im Inneren des Turms würde ein Aufzug ins All führen. 1957 war es wieder ein russischer Wissenschaftler, nämlich Juri Nikolajewitsch Arzutanow (*1929) (6), der einen Weltraumlift propagierte. Von einem Satelliten aus, der konstant am Himmel stehen würde, könne ein Seil herabgelassen werden, an dem ein Aufzug zwischen Himmel und Erde pendeln sollte. Arzutanow schwebte ein »Seil« von über 35.000 km Länge vor: zwischen Erde und einer stationär im All stehenden Weltraumstation.

Foto 9: Projekt Weltraumlift der NASA.
Zu optimistisch war wohl Bradley Edwards, als er anno 2004 verkündete, ein Prototyp eines Weltraumlifts könne schon 2019 in Betrieb genommen werden. Die NASA beteiligte sich mit immerhin einer halben Million Dollar an dem Vorhaben.

Die amerikanische Firma »Liftport Group« griff die Idee vom »Weltraumlift« auf und arbeitete seit den frühen 2000er Jahren an einem »Mondprojekt«: Ein Weltraumlift würde nach diesen Plänen eine Raumstation mit dem Mond verbinden. Mehr erdorientiert ist die japanische Firma »Obayashi«, die 2012 ein ehrgeiziges Ziel anpeilte. Anno 2050 will sie eine Weltraumstation in 36.000 km Höhe über dem Erdboden mit einem Weltraumlift verbinden.

Nun stellt sich eine Frage: Beschreibt der biblische Text von Jakobs Himmelsleiter einen Weltraumlift? Liegt der Schilderung vom »Turmbau« zu Babel auch so etwas wie ein Weltraumlift zugrunde? Wenn ja: Was war dann für die Menschen an so einem technischen Großprojekt so schrecklich, so erschreckend? So furchteinflößend? Erinnern wir uns: In der Piscator-Bibel von 1736 lesen wir in Genesis (7):

»Dann er war erschrocken worden und hatte gesagt: Wie schrecklich ist dis ort? Dis ort ist nichts anders dann Gottes hause, und dis ist des himels pfort.« Wirklich interessant ist die Erklärung Piscators: »schrecklich) Nemlich von wegen der herrlichen majestaet Gottes, welche den menschen wegen ihrer bloedigkeit erschroecklich ist.«  Der Mensch ist also erschrocken, weil er – Piscator – zu blöde war um zu verstehen, was sich da vor seinen Augen abspielte.

Übrigens: Auch wenn sich der Ausdruck »Jakobs Leiter« eingeprägt hat: Der biblische Ausdruck kann auch mit »Treppe« übersetzt werden. Die »Heilige Stiege« hoch über Bad Töz in Bayern basiert also auch auf der mysteriösen Geschichte von Jakobs »Vision«.

Foto 10: Die Heilige Stiege von Bad Tölz.

Was aber geschah da vor den Augen des Zeugen Jakob? Beobachtete er »Engel«, die einen »Aufzug« benutzten, um zwischen All und Erde zu pendeln? Noch ist so ein gigantischer Lift reine Utopie, aber doch schon theoretisch zu planen. Es fehlen nur noch die Materialien für so ein »Seil« ins All. Oder wurde Jakob Zeuge eines sensationellen Vorgangs? Sah er, wie Außerirdische via »Sternentor« aus den Tiefen des Alls zur Erde kamen und auf gleichem Wege wieder dorthin verschwanden?


Fußnoten
1) Sänger, Eugen: Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges, Hamburg 1958,
2) ebenda, S. 124 und S. 125
3) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958, S.124
4) ebenda, S. 125
5) 1. Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9
6) Ob Juri Nikolajewitsch Arzutanow noch lebt, konnte ich nicht ermitteln.
7) 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 17

Foto11: Handschriftliche Widmung Hermann Oberths für Walter-Jörg Langbein

Foto 12: 3. und 4.3.2018... Seminar in Bremen
Zu den Fotos
Foto 1: Projekt Weltraumlift der NASA. Foto NASA, wikimedia commons, frei verfügbar.
Foto 2: Sängers visionäres Buch. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Oberths visionäres Buch. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 4-6: Turm zu Babel Kupferstich von Jacob Andreas Fridrich nach Johann Melchior Füssli bei Johann Jakob Scheuchzer im Verlag Johann Andreas Pfeffel, Augsburg, Wagner, 1731. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 7 - 8: Via Himmelsleiter ins All. Kupferstich von Küsel, 1679. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Projekt Weltraumlift der NASA. Foto NASA wikimedia commons, frei verfügbar
Foto 10: Die Heilige Stiege von Bad Tölz. Foto Walter-Jörg Langbein. 
Foto 11: Handschriftliche Widmung Hermann Oberths für Walter-Jörg Langbein.
Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 12: 3. und 4.3.2018... Seminar in Bremen. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


417 »Engel, Götter oder Teufel«,
Teil  417 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                       
von Walter-Jörg Langbein,                     
erscheint am 14.01.2018


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