Sonntag, 18. November 2018

461 »Acht Drachen mit geringeltem Hinterleib«

Teil 461 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Die Abdinghofkirche von Paderborn

Stündlich fährt eine S-Bahn von Hannover über Hameln, Bad Pyrmont, Lügde und Altenbeken direkt nach Paderborn. Die S5 fährt – Stand Herbst 2018 – von Gleis 1 fünf Minuten zur vollen Stunde (4 Uhr 55 bis 21 Uhr 55) und erreicht ihr Ziel nach einer Fahrzeit von 1 Stunde und 51 Minuten. Wer gut zu Fuß ist, kann vom Hauptbahnhof den Marsch zum Dom antreten. Wer es gern etwas bequemer hat, nimmt sich ein Taxi und lässt sich zur Abdinghofkirche, direkt beim Dom gelegen, kutschieren.

Der Name »Abdinghofkirche« entstand erst im 13. Jahrhundert und lässt sich vom lateinischen »curia abbatis«, »Hof des Abts«, herleiten. Der »Abdinghof« war also der »Hof des Abts«. Mit anderen Worten: Die Ländereien gehörten dem Abt.

Foto 2: Bischof Meinwerk
Der Legende nach geht die Gründung der doppeltürmigen Abdinghofkirche auf Bischof Meinwerk von Paderborn (*um 975; †1036) zurück. Angeblich plante der Kleriker Großes. Vier bedeutende Kirchen im Stadtgebiet von Paderborn sollten die Eckpunkte eines riesigen Kreuzes ergeben. Den Mittelpunkt sollte im Zentrum der Dom markieren. An den vier Enden des Kreuzes sollten vier Klöster stehen. Allerdings kam es nur zur Gründung von zwei der vier geplanten Klöster: »St.Peter und Paul« (Abdinghofkirche) im Westen und das Kanonikerstift »St. Peter und Andreas« (Busdorfkirche/ Foto 3) im Osten. Angeblich wollte Bischof Meinwerk in seiner Stadt den »christlichen Erdkreis« darstellen.

Neuere archäologische Ausgrabungen (Foto 4) allerdings widerlegen die fromme Legende, Bischof Meinwerk habe den Grundstein des Abdinghofklosters gelegt. Nach aktuellem Kenntnisstand dürfte das Kloster erst einige Jahrzehnte nach Bischof Meinwerks Tod gegründet worden sein.

Die Geschichte des Abdinghofklosters weist Höhen und Tiefen auf. Fast ein Jahrtausend Geschichte könnten Bände füllen. Drei Spotlights sollen etwas Licht ins Dunkel der Vergangenheit bringen. Als menschenverachtende Periode muss die Zeit der Hexenprozesse bezeichnet werden. Der Hexenwahn wütete auch im Umfeld des Abdinghofklosters. Nüchtern stellt »historicum.net« fest (1): »Zwischen circa 1510 und 1702 sind Hexenprozesse gegen 260 Personen nachweisbar. Sie endeten in mindestens 204 Fällen mit der Hinrichtung oder dem Tod in der Haft, in 18 Fällen mit der Freilassung, der Ausgang der restlichen Verfahren ist unklar. 

Der Anteil der Frauen liegt bei rund 70 %. Kinder wurden nur vereinzelt angeklagt.« Besonders unrühmlich tat sich aus heutiger Sicht der Paderborner Theologieprofessor Bernhard Löper in den Jahren zwischen 1656 und 1659 hervor. Der Exorzist löste eine wahre Hexenjagd aus, um seine persönlichen Gegner zu bekämpfen (2).

Foto 3: Die Busdorfkirche von Paderborn

Anno 1803 wurde die Abdinghof-Abtei im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. In den altehrwürdigen Klostergebäuden wirkten von nun an keine frommen Mönche mehr. Die Räumlichkeiten dienten dem preußischen Infanterie Regiment »Friedrich von Hessen« als Kaserne. Anno 1806 zog das Regiment ab, napoleonische Truppen rückten nach und verwandelten die Kirche in ein Futtermagazin und Pferdestall. 

Anno 1945 wurden die Abdinghofkirche und das Abdinghofkloster massiv von den Verbänden der »USAAF« bombardiert. Militärische Bedeutung hatten diese Ziele nicht. Uraltes Kulturgut wurde gezielt bombardiert. Hitlers »Deutsches Reich« war längst besiegt, als am 22. und 27. März 1945 eine Luftmine und Brandbomben Abdinghofkirche und Abdinghofkloster trafen und die sakralen Gebäude weitestgehend zerstörten.

Foto 4: Hier (Pfeile) haben Archäologen gegraben.

Die einstigen Klostergebäude aber extrem verwüstet und mussten 1952 abgerissen werden. Am 8. Mai 1945 endete der Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs. Das Bombardement von Paderborn hatte Ende des Krieges keine Berechtigung mehr. »Die Welt« urteilt (3): »Zu dieser Zeit ging es längst nicht mehr darum, mit den Angriffen eine Entscheidung herbeizuführen. Militärisch hatte Hitler-Deutschland schon längst verloren.« Evangelische wie katholische Christen unterstützten die fachkundigen Arbeitskräfte, so dass der Wiederaufbau zügig voranschritt. Am 17. März 1951 konnte die Kirche, am 25. Dezember 1957 die Krypta wiedereingeweiht werden.

111 Minuten benötigt die S5 von Hannover nach Paderborn. Wenige Minuten benötigt man, um in die »Unterwelt« hinab zu steigen. Von beiden Seitenschiffen aus führen Treppen hinab. Die Krypta des Gotteshauses ist meiner Meinung nach sehr viel wichtiger als beispielsweise das erst 2008 vom Axel Kebernik gestaltete Lesepult mit den Darstellungen der Apostel Paulus und Petrus an der Vorderseite. Die neuzeitlichen Figuren wirken älter als sie sind: Sie wurden sakralen Kunstwerken aus dem 19. Jahrhundert nachempfunden.

Der legendenhaften Überlieferung nach wurde die Krypta (zu Deutsch die »Verborgene«) der Abdinghofkirche am 2. Januar 1023 von Bischof Meinwerk dem Märtyrer Stephanus geweiht. Stephanus gilt als erster Märtyrer der Christenheit. Er wurde um das Jahr 40, also wenige Jahre nach der Kreuzigung Jesu, wegen seines Glaubens zu Tode gesteinigt. Aber stammt die Stephanus-Krypta auch von Bischof Meinwerk? Ließ der legendäre Kirchenmann wirklich den unterirdischen Raum komplett neu anlegen? Wohl kaum!

Mich fasziniert die »Stephanus-Krypta« mehr noch als der Dom zu Paderborn. Wann ich immer nach Paderborn komme, steige ich in die verborgene Welt hinab. Besonders krass ist der Kontrast an Markttagen, wenn man aus dem Getümmel von tausenden von Besuchern in die wohltuende Stille der Krypta gelangt. Die Krypta wurde als dreischiffige Halle mit Tonnengewölben angelegt. Auffällig sind die durchaus Vertrauen erweckenden Säulen. An der Südseite gibt es drei Vierpasssäulen, an der Nordseite zwei weitere Vierpasssäulen. Ich rate jedem Besucher dieser mystischen Unterwelt: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Setzen Sie sich erst einmal in einer der Bänke und lassen sie die förmlich greifbare Stille auf sich wirken. Kommen Sie erst ein wenig zur Ruhe. Ihre Augen gewöhnen sich dann auch an das Halbdunkel des unterirdischen Raums.
Foto 5: Die Abdinghofkirche
Der Überlieferung nach wurde der Sarkophag von Bischof Meinwerk am 5. Juni 1036 in einer Nische der Krypta aufgestellt. 1958 wurde der steinerne Sarg in die Busdorfkirche, Paderborn, überführt. Unklar ist, wann die Krypta angelegt wurde. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde sie nicht erst für die Abdinghofkirche angelegt. Wir wissen, dass die einstige Abteikirche einen Vorgängerbau hatte. Fakt ist: Anno 1000 n.Chr. machte ein großer Stadtbrand einen Neubau des Gotteshauses erforderlich. Der Vorgängerbau und der Vor-Vorgängerbau dürften bereits über eine Krypta verfügt haben, die wohl kleiner war als die heute noch erhaltene. Häufig liest man, die Arbeiten an der Krypta hätten im frühen 11. Jahrhundert begonnen. Ich halte es für sehr viel wahrscheinlicher, dass damals umgebaut und erweitert wurde.

Schon einige Jahre gab es Pläne, im Boden der Krypta einen Heizkörper einzubauen. Doch bevor man diese Annehmlichkeit für Besucher des Gotteshauses schaffen konnte, mussten Archäologen ans Werk. Sie sollten die Unterwelt unter der Unterwelt erkunden, bevor man mit dem Einbau der Heizung beginnen konnte. Es sollten ja keine Hinweise auf Vorgängerbauten beschädigt oder gar zerstört werden. Anno 2014 stießen Archäologen  im Auftrag des LWL (Landschaftsverband Westfalen-Lippe) unter dem Boden der »heutigen« Krypta auf Reste einer älteren Krypta. Und dabei gruben die Archäologen nur einen Meter tief. Was sie wohl in noch größerer Tiefe entdeckt hätten?

Ein Archäologe, der auch heute noch für die Kirche arbeitet, versicherte mir, dass im 11. Jahrhundert beim Wiederaufbau der abgebrannten Abdinghofkirche zumindest erhebliche Teile einer sehr viel älteren Ringkrypta zerstört wurden. Einige der Säulen, die heute kaum das Interesse eiliger Besucher auf sich lenken, könnten deutlich älter sein. 

Foto 6: Blick in die Krypta der Abdinghofkirche

Ring-Krypten gibt es heute so gut wie gar nicht mehr. Die älteste befand sich im Vorgängerbau des heutigen Petersdoms, in »Alt-St.Peter«, anno 324 von Konstantin dem Großen über dem vermuteten Grab des hl. Petrus errichtet. Die Ringkrypta wird auf das Jahr 590 datiert. Seltenes Beispiel:  die St.-Luzi-Kirche in Chur, Schweiz. Als Besonderheit der ehemaligen Klosterkirche gelten ihre beiden Krypten. Eine echte Rarität ist die karolingische Ringkrypta aus dem 8. Jahrhundert. Die zweite Krypta ist wesentlich jünger. Die romanische Hallenkrypta stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die karolingische Krypta wurde als halbrunder, tonnengewölbter Gang angelegt. In seinen Wänden wurden Nischen eingelassen, vermutlich für die Gebeine von Heiligen oder bedeutenden Vertretern der hohen Geistlichkeit. Doch zurück nach Paderborn. Wann mag die Ringkrypta von Paderborn entstanden sein, auf deren Reste man erst vor wenigen Jahren stieß?

Foto 7: Der Altar in der Krypta der Abdinghofkirche

Und welche Teile der ältesten Krypta sind bis heute erhalten geblieben? Paderborn.de macht auf ein geradezu fantastisches Kuriosum in der Krypta aufmerksam. Direkt beim Altar der Krypta befindet sich eine Säule mit einer mehr als mysteriösen Darstellung auf dem Kapitell. Zum Glück kann der interessierte Betrachter die vier Seiten auf dem Kapitell in Augenhöhe genau studieren. Was sieht man da? Paderborn.de beschreibt den Sachverhalt sehr präzise und zutreffend (4):

»Das Tierkapitell zeigt acht Drachen mit geringeltem Hinterleib, Flügeln und einem kleinen Spitzbart am Kopf. Diese mythischen Drachen waren seit der Antike bis ins hohe Mittelalter Sinnbild für Naturkräfte, die hier vermutlich die Wasserquellen der Pader schützen sollten. Diese Schlangendrachen sind hier eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit.«

Fotos 8a und 8b: Zwei der acht Drachen

Fußnoten
(1) https://www.historicum.net/de/themen/hexenforschung/lexikon/alphabetisch/p-z/ (Stand 21. September 2018)
(2) Decker, Rainer: »Die Hexenverfolgungen im Hochstift Paderborn«, in: »Westfälische Zeitschrift« 128 (1978) S. 315-356.
(3) https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article140674954/So-zerstoerten-Bomben-deutsche-Staedte-eine-Bilanz.html (Stand 21. September 2018)
(4) https://www.paderborn.de/tourismus-kultur/sehenswuerdigkeiten/Abdinghofkirche_Sehensw.php (Stand 21. September 2018)

Zu den Fotos
Foto 1: Die Abdinghofkirche von Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Bischof Meinwerk. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die Busdorfkirche. Foto Walter-Jörg Langbein Foto 4: Hier wurde von Archäologen gegraben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Hier (Pfeile) haben Archäologen gegraben, bevor die Heizung eingbeuat wurde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick in die Abdinghofkirche. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Blick in die Krypta der Abdinghofkirche. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Altar in der Krypta der Abdinghofkirche. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 8a und 8b: Zwei der acht Drachen. Fotos Walter-Jörg Langbein

462 »Mysteriöse Pflanzen und gefährliche Drachen«,
Teil 462 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25.11.2018



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Sonntag, 11. November 2018

460 »Astronautengötter oder ein kosmogonischer Mythos?«

Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Unzählige Künstler ...
Wie ist das Leben auf unserem Planeten entstanden? Wie kam es zu den unterschiedlichen Arten und wie entstand der Mensch? Wer in der Schule aufgepasst hat, wer gelegentlich vermeintlich wissenschaftliche Dokumentationen über sich ergehen ließ, der hat keinen Zweifel mehr. Alles ist mit Prinzip Zufall und Darwins Weisheiten zu erklären. Aber sind wirklich alle Fragen beantwortet? Vor allem ist Allzweckwaffe Evolutionstheorie bewiesen und in der Welt der Wissenschaft allgemein anerkannt? Offenbar nicht. Michael Denton (1943) hat es auf den Punkt gebracht (1): »Letztendlich ist die Darwinsche Evolutionslehre nicht mehr und nicht weniger als ein großer kosmogonischer Mythos des 20. Jahrhunderts.«

Was wir als wissenschaftlich erwiesen glauben möchten, weil wir religiöse Antworten nicht mehr glauben möchten - »nichts weniger als ein großer kosmogonischer (2) Mythos? Kosmogonie lässt sich vom griechischen »kosmogonia«, »Welterzeugung« herleiten. Eine Kosmogenie bietet eine Erklärung für Entstehung und Entwicklung von unserem Planeten Erde und von allem, was darauf wächst, lebt und gedeiht.

Foto 2: ... versuchten sich am Thema...


Noch heute bieten vermeintlich klar denkende Zeitgenossen, die sich ausschließlich der Wissenschaft verpflichtet fühlen mythologisch-religiösen Erklärungen für das Werden auf unserer Erde Paroli. Alles wirklich und vermeintlich Religiöse wird herablassend abgelehnt. Aber letztlich wird nur eine Religion durch eine andere, pseudowissenschaftliche Religion ersetzt. Der britische Physikprofessor Henry Lipson (*1910; †1991) monierte süffisant (3): »Die Evolution wurde in einem gewissen Sinne zu einer wissenschaftlichen Religion; fast alle Wissenschaftler haben sie akzeptiert, und viele sind darauf eingestellt, ihre Beobachtungen zu ›verbiegen‹, dass sie mit ihr übereinstimmen.«


Wird also lediglich alte durch neue Mythen ersetzt? Studiert und vergleicht man den kosmogonischen Mythos mit diversen religiös-mythischen Kosmogonien, wird ein wesentlicher Unterschied deutlich. Der moderne Mythos baut auf den allgegenwärtigen Faktor Zufall, die uralten religiös-mythischen Kosmogonien gehen von gelenkter Evolution aus, wobei Götter die Entwicklung vorantreiben. Wenn wir eine vollständige Geschichte unseres Planeten und der Menschheit schreiben wollen, müssen wir endlich die uralten Mythen einbeziehen und dürfen sie nicht mehr als unglaubwürdige Ammenmärchen abtun. Wir müssen unser Wissen hinterfragen, wenn altehrwürdige Mythen mehr zu wissen scheinen als wir Jetztmenschen, die wir uns so viel auf unsere Wissenschaftlichkeit einbilden.

F.3: Adam und Eva
Prof. Dr. Pierre Grimal (*1912; †1996) war ein bedeutender französischer Altphilologe und Althistoriker. Er gilt auch heute noch als einer der einflussreichsten und wirkkräftigsten klassischen Philologen des 20. Jahrhunderts. In Anerkennung seiner immensen wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Grimal zum »Ritter der Ehrenlegion« ernannt. Besonders wichtig ist das dreibändige Werk »Mythen der Völker«, das Prof. Grimal schon 1963 herausgab. In seinem einleitenden Beitrag (4) zu Band 1 schrieb der Gelehrte (4): »Denn der Mythos – und auch dies ist eine seiner grundlegenden Eigenarten – ist ein Band zwischen Vergangenheit und Zukunft.«

Dr. Bronisław Kasper Malinowski (*1884; †1942) stammte aus einer polnischen Adelsfamilie, studierte in London und wurde einer der bedeutendsten Kulturanthropologen überhaupt. Sein Werk »Argonauten des westlichen Pazifik« entwickelte sich rasch zum Bestseller und machte ihn weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt. Bereits 1926 erschien sein Buch »Myth in Primitive Psychology« in London und ist heute als eBook erhältlich. Dr. Malinowski schreibt (5): »Mythos, so wie er in einer primitiven Gemeinschaft existiert, ist nicht nur eine erzählte Geschichte, sondern gelebte Wirklichkeit. Er ist nicht von fiktivem Naturell in der Art unserer heutigen Romane,  sondern er ist eine lebende Wirklichkeit, von der man glaubt, dass sie sich einst in uranfänglichen Zeiten tatsächlich ereignete, und die nach wie vor die Welt beeinflusst.«

Zum Glück sind die Mythen, wie Prof. Dr. Pierre Grimal konstatiert (6), »in allen Gebieten recht zahlreich«, so dass wir zahlreiche »Bänder« zur Verfügung haben, die uns mit der Realität urzeitlicher Geschehnisse verbinden. Wir müssen aber diese Wege in die Vergangenheit nutzen, wollen wir uns über womöglich fantastische Ereignisse der grauen Vergangenheit informieren. Leider wollen viele Laien wie Wissenschaftler diese Nachrichten aus der Vorzeit nicht zur Kenntnis nehmen. Sie schließen aus, was ihrer Meinung nach nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

Dr. Anton Eduard Wollheim da Fonseca (*1810; †1884) studierte Philosophie, Philologie und Geschichte und promovierte schließlich über altindische Sanskrit-Texte. Besonders intensiv setzte sich der Gelehrte mit altindischer Mythologie auseinander. Schließlich verfasste er eine grundlegendes Werk: »Mythologie des alten Indien«(7). Für da Fonseca gab es keinen Zweifel: Wer Mythen für unglaubwürdige Fabeln hält, der versteht das wahre Wesen der Mythen nicht. Für ihn waren Mythen »erhabenster Ausdruck der erhabensten Wahrheiten.« Mythen, so konstatierte der Gelehrte, sind »die Urgeschichte der Menschheit«.

Foto 4: Eva und die Schlange

Eine solche »Wahrheit« wird in so gut wie allen mythologischen Überlieferungen über den Ursprung der Menschheit beschrieben: vom aztekischen Aztlan-Mythos bis zum Zoroastrismus. Juden, Christen und Moslems sind von dieser »Wahrheit«. Ob sumerisches Atrahasis-Epos oder babylonischer »Enuma-Elisch«-Mythos: überall wird berichtet, wie der Mensch durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstand. Weltweit wird überliefert, dass der Mensch nicht durch eine unglaubliche, unrealistische Anhäufung von Zufällen entstand, sondern durch gezieltes Eingreifen von »Göttern«? Alles nur Ammenmärchen?

Erich von Däniken (*1935) sieht den Menschen als Produkt außerirdischer Besucher auf Planet Erde. Diese Theorie vertritt er seit mehr als einem halben Jahrhundert, zuletzt in seinem Buch Botschaften aus dem Jahr 2118 (8): »Und woher kommt der Mensch? In fast allen Überlieferungen wurde er durch himmlische Wesen erschaffen.«

Anno 2017 erschien »Human by design«, ein populärwissenschaftliches Buch von Gregg Braden, das die alten Schöpfungs-Mythen bestätigt. Die deutsche Übersetzung des Werks folgte 1 Jahr später, anno 2018: »Mensch: Gemacht«. Autor Gregg Braden kommt zu einer atemberaubenden Erkenntnis (9): »Neueste Forschungen zeigen, dass der Mensch, wie wir ihn heute kennen, vor 200.000 Jahren bereits existierte. Er trat plötzlich in Sein – aufgrund einer Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss.«

Foto 5: Im Paradies. Meisterwerk von Michelangelo

Eine »Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss«? Von wem? Von Außerirdischen, die einst zur Erde gekommen sind und als Götter verehrt wurden?

Anmerkung zu den Fotos (Warnung: Humor!)
Ich hoffe sehr, dass ich die angekündigte Rückkehr der Astronautengötter noch erleben darf. Ich hoffe dass mir die Astronautengötter dann Dokumentarfotos von der Kreation von »Adam und Eva« zur Verfügung stellen werden. Dann werde ich die Fotos von Kunstwerken zum Thema »Adam und Eva« entfernen und durch Dokumentarfotos ersetzen.

Fußnoten
(1) Denton, Michael: Evolution. »A Theory in Crisis«, 1986, Seite 358, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 53 Mitte
(2) Siehe auch wikipedia Artikel »Kosmogenie«, Stand 11.11.2018
(3) Lipson, H.S.: »A Physicist Looks at Evolution«, »Physics Bulletin«, Bd. 31, Nr. 4 (Mai 1980), S. 138, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 52 Mitte
(4) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 12-27
(5) Malinowski, Dr. Bronisław Kasper: »Myth in Primitive Psychology«, London 1926, S. 21, eBook-Ausgabe, Read Books Ltd. 2011, Pos. 138, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser.
(6) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 14 Mitte
(7) Anton Eduard Wollheim da Fonseca: »Mythologie des alten Indien«, Berlin 1856. Siehe hierzu Däniken, Erich von: »Botschaft aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016, S. 133 (eBook-Ausgabe, Rottenburg 2016, Pos. 1635)
(8) Däniken, Erich von: »Botschaften aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016. S. 132 oben
(9) Braden, Gregg: Mensch: »Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018

Zu den Fotos
Foto 1: Adam und Eva. Heidelberger Stundenbuch Codex 536. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Adam und Eva, Bibelillustration 1595
Foto 3: Adam und Eva, Maate van Heemskerck 1498-1574, wiki commons
Foto 4: Eva, Vézelay, wiki commons vassil 
Foto 5: Adam und Eva, Michelangelo 1475-1564, wiki commons

461 »Acht Drachen mit geringeltem Hinterleib«,
Teil 461 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.11.2018



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Sonntag, 4. November 2018

459 »Geheimnisvolle Mythen: Artus, Gilgamesch und eine Göttin«

Teil 459 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kuriose Kreaturen...

Schriftliche Aufzeichnungen über die Geschichte von Menschen und Völkern gibt es erst seit wenigen Jahrtausenden. So manches Dokument wie die sprechenden Hölzer der Osterinsel konnte bis heute nicht entziffert werden. Aber auch längst übersetzte alte Texte werden immer noch nicht verstanden. Warum? Sie wurden nicht selten falsch übersetzt, weil sie womöglich von fantastischem Wissen unserer Vorfahren berichten. Hinweise auf »unmögliches Wissen« wurden durch falsche Übersetzungen zum Verschwinden gebracht, nicht aus Bosheit, sondern weil mancher fantastische Text zur Zeit der Übersetzung nicht verstanden werden konnte. So schlummern in riesigen Bibliotheken Schätze, die bis heute nicht gehoben wurden. So künden von Sagen und Überlieferungen, von Mythen aus uralten Zeiten.

Foto 2: Bücher über Bücher ...

Wenn wir uns damit begnügen, nur die in Wort und Schrift verfassten Geschichtsbücher zu studieren und dabei die Mythen außer Acht lassen, dann entgeht uns ein Großteil der Menschheitsgeschichte. Stellen wir uns vor, es gebe eine gewaltige Bibliothek der Menschheit mit unzähligen endlosen Korridoren und unzähligen Räumen mit unzähligen Büchern. Wir konzentrieren uns auf zwei oder drei Räume, die anderen betreten wir nicht. Die Menschheitsgeschichte ist nun einmal sehr viel älter als die ältesten Texte auf Keilschrifttafeln, die wir kennen. Was wir übersehen: Es gibt neben den Geschichtsbüchern die faszinierenden Mythen, die in der fernen Vergangenheit entstanden, lange bevor der Mensch schreiben konnte. Sie überliefern uns Geschichten aus der »Kinderstube« der Menschheit. Leider nehmen wir diese uralten Mythen, die uns doch auf geheimnisvolle Weise berühren und ansprechen, nicht ernst. Zum Glück wurden viele dieser Mythen im Laufe der Jahrhunderte schriftlich festgehalten.

Foto 3: Bücher, Bücher, Bücher...

Fragen wir Fachleute, wie nach ihrer Ansicht Mythen zu bewerten sind und ob sie Fakten über die Vergangenheit der Menschheit zu bieten haben. Religionswissenschaftler Louis Marillier (*1862; †1901) zum Beispiel erkennt die Gleichartigkeit der Mythen, verneint aber ein kollektives Denken, wie es ja Carl Gustav Jung vermutet (1). Er hält sie vielmehr für spontane individuelle Schöpfungen, die auf eine Erfahrung, die unsere Vorfahren machten, zurückgehen. Was für eine Erfahrung?

Sein Landsmann Georges Dumezil (*1898; †1986), er analysierte indoeuropäische Religion und Gesellschaft, formulierte es wie folgt (2): »Die Mythen sind Alleinbesitz der Urzeiten gewesen und spiegeln den Zustand und die Ereignisse der damaligen Gesellschaft wider.« Der Ethnologe Konrad Theodor Preuss (*1869; †1938) zählt zu den Pionieren der modernen Ethnologie. Der Gelehrte war der gleichen Ansicht wie Louis Marillier und Georges Dumezil (3): »In Mythos und Kult werden die Erlebnisse der Urzeit nachvollzogen!« 

Foto 4: David hat Goliath getötet
Karl Friedrich Kohlenberg (*1915; †2002) betrieb intensive ethnologische Studien. Fasziniert von der rätselvollen Vergangenheit der Menschheit vertiefte er sich in die ältesten Überlieferungen aus grauer Vorzeit. Sein Resümee lautet (4): »Jeder Mythos, jede Legende spiegelt, wie von der Wissenschaft nachgewiesen, einen Zustand und ein wirkliches Geschehen wieder.«

Wir kennen den Mythos von David und Goliath. Wir wissen aus der Bibel, dass der schmächtige David den Riesen Goliath tötete. Mit seiner Schleuder streckte David den Riesen mit einem Stein zu Boden und hieb ihm mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab. Stolz präsentierte David das abgeschlagene Haupt des Giganten (5). 

Weniger bekannt ist der Mythos von König Artus, der gegen Riesen gekämpft haben soll. In Artusromanen tauchen sie auf, mächtige Riesen. In der christlichen Mythologie wohlbekannt ist der gutmütige Riese Christophorus, der einst in jeder katholischen Kirche in beeindruckender Weise dargestellt wurde. Riesen tauchen immer wieder auf, im Alten Testament wie in Mythen, in Sagen und Erzählungen. Mehr als mysteriös ist, was im 6. Kapitel des Buches Genesis berichtet wird (6): »Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. 

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre. Es waren Riesen zu den Zeiten und auch danach noch auf Erden. Denn als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.«

Foto 5: Artus gegen den Riesen
Im Hebräischen des Originaltextes heißen sie »bənê ha’älohîm«, also Söhne der Elohim, der Götter. Söhne der Götter wurden bereits vor Jahrtausenden in den Keilschrifttexten aus Ugarit beschrieben. Als ich während meines Studiums der evangelischen Theologie nach diesen ominösen Söhnen der Elohim-Götter fragte, bekam ich meist ausweichende Antworten. Nach Professor Georg Fohrer handelte es sich bei den himmlischen Wesen um »niederrangige Götter«, die aus uralten Mythen übernommen und ins Buch Genesis aufgenommen wurden. Aus der Verbindung zwischen den Söhnen der Elohim und Menschenfrauen entstanden nach Genesis Kapitel 6 die Riesen. Die biblischen Riesen wurden in der Sintflut ausgetilgt. Die Göttersöhne waren nach den Keilschrifttexten aus Ugarit unsterblich, ob die Söhne der Elohim-Götter des Alten Testaments auch ewig lebten, darüber schweigt sich die Bibel aus. Nach Hiob (7) gehörten die Göttersöhne zum Hofstaat Jahwes, wurden offenbar immer wieder einberufen, um Gott gegenüber Rechenschaft über ihre Taten abzulegen.

Riesen, Riesen, Riesen. Die Frage, die wir uns stellen müssen: Hat es sie einst wirklich gegeben?Sind alte Mythen und heilige Bücher wie die Bibel glaubwürdig, wenn sie uns von Riesen erzählen?Louis Marillier hält, wie erwähnt, Mythen für spontane individuelle Schöpfungen, die auf eine Erfahrung, die unsere Vorfahren machten, zurückgehen. Was für eine Erfahrung (Siehe Fußnote 1!)? Sollten unseren Vorfahren in grauer Vorzeit Riesen begegnet sein? Sollten Mythen, Sagen, Märchen und Legenden, die von Riesen berichten, doch einen wahren Kern haben? Sollten Berichte über angebliche Funde von menschenähnlichen Riesenskeletten Hinweise auf reale »Fabelwesen« geben? Sollten gar auf der Osterinsel noch vor wenigen Jahrhunderten gelebt haben? Hausten auf der Insel »Santa Catalina«, etwa 35km südwestlich von San Pedro, Los Angeles, Riesen in einer Art »Kolonie der Giganten«? 

Fotos 6-8: Der Riese Christophorus im Dom zu Paderborn

Fakt ist: Durch die gesamte Mythenwelt geistern Riesen, die vor Urzeiten auf unserem Planeten gewirkt haben sollen. Dabei wird in den Überlieferungen hartnäckig versichert, diese Riesen seien Abkömmlinge der Götter. Riesen sind als Götterabkömmlinge in der Mythologie wirklich zahlreich dokumentiert. Es erhebt sich die Frage: Gab es sie wirklich? Waren es nur Ausgeburten erzählerischer Fantasie? Haben Riesen leibhaftig unter unseren Vorfahren gelebt und gewütet? Wer hat recht? Wen nehmen wir ernst: der Mythologie oder der heutige Anthropologie, die sich schwer daran tut, vorgeschichtliche Riesen in ihr Denken mit einzubeziehen?


Foto 9: Eine Ritzzeichnung (Osterinsel)
Es gilt nicht »entweder … oder«, wer die Vergangenheit der Menschheit erforschen will, muss auch die Mythologie in seine Überlegungen einbeziehen, auch wenn sie im Widerspruch zur Anthropologie stehen mag. Wir können es uns nicht leisten, eine einzige Quelle außer Acht zu lassen! Je weiter wir in die Vergangenheit reisen wie in die Tiefen eines fernen Kontinents, desto mehr vermischen sich Mythen und historische Fakten. Je gründlicher wir die graue Vorzeit zu erforschen versuchen, desto fantastischer muten manchmal Fakten und desto realistischer kommen uns Mythen vor. Je weniger Angst wir vor mutigen Antworten auf die Rätsel der Vergangenheit haben, desto mehr erfahren wir über uns und die Zukunft der Menschheit. Und desto glaubwürdiger wird womöglich das scheinbar Fantastische. Vielleicht verstehen wir dann zum Beispiel Geheimnisse der Osterinsel wie ihre rätselhaften Ritzzeichnungen von merkwürdigen Gestalten, die an Riesen erinnern.

Die älteste Fassung des Gilgameschepos entstand in altbabylonischer Zeit, ist also etwa 3600 bis 3800 Jahre alt. Das legendäre Epos beschreibt den Werdegang von Gilgamesch, König von Uruk, und seine Heldentaten. Gilgamesch siegte im Kampf gegen Löwen, suchte aber vergeblich nach der Unsterblichkeit. Dank sensationeller Textfunde war es dem Heidelberger Assyrologen Stefan M. Maul (*24.12.1958) möglich, die bislang vollständigste Fassung des »Gilgamesch Epos« neu zu übersetzen und Textlücken zu schließen.

Die Göttin Belet-ili, auch Nimah und Nintud genannt, tat sich mit Gott Nudimmud, auch Enki und Ninsiku genannt, taten sich zusammen. Gemeinsam planten, entwarfen und schufen sie den Riesen Gilgamesch (9): »Das Bild seines Leibes entwarf Belet-ili, Nudimmud vollendete meisterhaft seine Gestalt.«

Im Louvre zu Paris befindet sich eine Statue aus dem Palast von Sargon II, die rund zweieinhalb Jahrtausende sein dürfte und wohl Gilgamesch darstellen soll. Sie ist 5,52 Meter hoch, stattliche 2,18 Meter breit und hat somit die Ausmaße, die Gilgamesch gehabt haben soll (10): »Jener ist strotzend an Kraft und von strahlender Schönheit, stattlich ist seine Statur, elf Ellen hoch ist er gewachsen.«

Foto 10: »Riesen« der Osterinsel, Ritzzeichnung

Fußnoten
Foto 11: Gilgamesch
(1) Marillier, Leon Louis: Du Role de la Psychologie dans les etudes de Mythologie comparée, Revue de l‘Histoire des Religions, XXXII, 1895, Seiten 116-141 (zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 20, Zeilen 5-8 von unten)
(2) Dumezil, Georges: Aspects de la Function guerriére chez les Indoeuropéens, 1959 (zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 20, Zeilen 1-4 von unten)
(3) Preuss, Konrad Theodor.: Der religiöse Gehalt der Mythen, Tübingen 1933
(zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 81, Zeilen 9-11 von oben)
(4) Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 81, Zeilen 7-9 von oben
(5) Siehe hierzu 1. Buch Samuel Kapitel 17
(6) 1. Buch Mose Kapitel 6, Verse 1-4
(7) Buch Hiob Kapitel 1, Vers 6 und Buch Hiob Kapitel 2, Vers 1
(8) Das Gilgamesch-Epos, neu übersetzt und kommentiert von Stefan M. Maul. 6. Auflage. München 2014
(9) ebenda, eBook-Version, Pos. 650
(19) ebenda, eBook-Version, Pos. 652

Zu den Fotos:
Foto 1: Kuriose Kreaturen... Ritzzeichnung Osterinsel/ Zeichnerische Rekonstruktion. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Bücher über Bücher ... Foto  pixelio.de/ Carina Döring
Foto 3: Bücher, Bücher, Bücher. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: David hat Goliath getötet. David mit dem abgeschlagenen Haupt Goliaths Bildfeld an der großen Knesset Menora/ Foto wikimedia commons/ Deror avi
Foto 5:  König Artus kämpftgegen einen Riesen/ Werk von Walter Crane 1845-1915/ wikimedia commons/ public domain
Fotos 6-8: Der Riese Christophorus im Dom zu Paderborn. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Eine Ritzzeichnung (Osterinsel). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 10: »Riesen« der Osterinsel, Ritzzeichnung, Collage. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Gilgamesch im Kampf mit dem Löwen (Louvre). Foto wikimedia commons

460 »Astronautengötter«,
Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.11.2018


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Sonntag, 28. Oktober 2018

458 »Ein Pirat, Samson und Skelette«

Teil 458 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Edward Davis - Entdecker?
Der niederländische Seefahrer und Forschungsreisende Jakob Roggeveen (*1659; † 1729) gilt auch heute noch als der »Entdecker« der Osterinsel.  Er sichtete die mysteriöse Insel Ostern 1722 also, erblickte und taufte sie »Paaschen Eiland«, »Osterinsel«. Welcher Europäer wirklich als »Entdecker« gelten darf, das ist allerdings umstritten.

Lion Wafer war Wundarzt und Chirurg. Von 1680 bis 1688 begleitete er den berüchtigten englischen Seeräuber Edward Davis     auf  seinen abenteuerlichen Erkundungsfahrten und Beutezügen . Wafer benennt den Freibeuter als wahren Entdecker der Osterinsel. Davis soll schon im Jahre 1687 die Osterinsel erspäht haben, also Jahrzehnte vor Roggeveen. Allerdings hielt er sie für einen Zipfel des mysteriösen Kontinents im Pazifik, den es allerdings nicht gibt. Carl Friedrich Behrens freilich dürfte der erste Europäer gewesen sein, der die »Osterinsel« betreten hat.

Als die ersten Europäer die Osterinsel heimsuchten, da gab es bereits in Tamsweg im Salzbuerger Lumgau einen merkwürdigen alten Brauch. Tamsweg findet man in der südlichsten Ecke des Salzburger Landes. Der Bezirkshauptort liegt auf knapp über 1.024 m Seehöhe, zählt ca. 6.000 Einwohner und bietet seinen Besuchern reichlich weitgehend unberührte Natur. Wahrzeichen des malerischen Städtchens ist die Wallfahrtskirche St. Leonhard.

Zum Fronleichnams-Fest gibt es große Schauumzüge, an denen Gestalten aus der biblischen Geschichte sowie Sagen- und Heldenfiguren teilnehmen. Besonders imposant ist natürlich der Samson von Tamsweg, der immerhin 6,20 Meter in den Himmel ragt, vergleichbar mit so manch‘ steinernem »Kollegen« der Osterinsel. 1635 wurde der Samson von Tamsweg erstmals urkundlich erwähnt. Wann er erstmals umhergetragen wurde, niemand vermag das zu sagen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wollte die Kirche derlei Umzüge verbieten. Das Volk aber hielt am alten Brauch fest, trennte diplomatisch Weltliches von Kirchlichem und ließ den Riesen am Abend des Tages vor der kirchlichen Prozession und am Nachmittag nach der Prozession durch die Straßen tragen. Trotz seiner Größe von 6,20 m wiegt er »nur« 105 Kilogramm, kann also von einem Mann auf den Schultern getragen und manövriert werden. Folgenden interessanten Hinweis fand ich im Internet (1):

Foto 2: Der Riese Samson, Tamsweg
»Vermutlich leitet sich die Riesenfigur von den wesentlich älteren mythischen oder symbolischen Riesengestalten ab, welche die europäischen Urvölker einst bei ihren kultischen Flurumgängen herumzutragen pflegten.«

Immer, wenn ich auf Reisen bin, besuche ich örtliche Bibliotheken, auch private. Dabei habe ich schon so manche Entdeckung machen dürfen. Bei meinem ersten Besuch der »Osterinsel« hatte ich Gelegenheit in der Erstausgabe eines spannenden Buches über die ersten Europäer auf dem Eiland zu lesen. Erschienen ist das Werk 1891 (2). Es gehörte meinem Pensionswirt, einem behäbigen Polynesier. Geschrieben hat es William J. Thomson, der Titel lautet »Te Pito te Henua, or Easter Island«. William J. Thomson, der ohne Zweifel als seriöse Quelle gelten darf, zitiert da einen Bericht, den man sonst in der Literatur über die Osterinsel weitestgehend vergeblich sucht,  verfasst von Carl Friedrich Behrens. Der Rostocker Behrens (*1701; †1750) berichtet über Begegnungen mit Riesen auf der Osterinsel (3):

»Wahrheitsgemäß könnte ich wohl sagen, dass diese Wilden von mehr als gigantischer Größe sind. Die Männer sind groß und breit, im Schnitt 3,65 Meter (4) groß. So erstaunlich es auch anmuten mag, aber der größte Mann unserer Besatzung konnte zwischen den Beinen dieser Kinder Goliaths hindurchgehen ohne auch nur den Kopf zu neigen. Die Frauen können nicht, was die Statur angeht, mit den Männern mithalten, da sie im Allgemeinen nicht größer als drei Meter sind.«


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Von diesen mysteriösen Riesen hörte ich einige Male bei meinen Besuchen auf der Osterinsel. Manche Erzähler sahen in Hinweisen auf Giganten, die angeblich im 18. Jahrhundert auf der Osterinsel gehaust haben sollen, unglaubwürdige Fantastereien. Charles Hoy Fort  (*1874; »1932) veröffentlichte 1919 sein erstes Buch, betitelt »Book of the damned«. Eine deutsche Übersetzung ließ leider viel zu lange auf sich warten. Der deutsche Titel lautet »Das Buch der Verdammten« (5). Das Werk kam erst 1995 auf den Markt. Fort interessierte sich brennend für die Welt der Wissenschaften.

Genauer gesagt: Mit Eifer suchte er Fakten, die  seiner Überzeugung nach von der Wissenschaft »unter den Teppich gekehrt« wurden. Er sammelte, was mit den herkömmlichen schulwissenschaftlichen Theorien nicht erklärbar war. Fort bezeichnete diese verhassten Fakten als »Verdammte«. Und zu diesen »Verdammten« zählte er die Riesen. Nach seiner Meinung lehnte die Wissenschaft die Existenz von Riesen ab, nach dem Motto: »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!« (6)

Foto 3: Tod des Riesen Goliath

Manche Osterinsulaner lachten über die angebliche Existenz von Riesen auf der Osterinsel. Andere wiederum verwiesen mich auf Berichte, wonach es auf der Insel »Santa Catalina« an der Küste vor Los Angeles einst Riesen gegeben haben soll. Das Eiland ist 35 km lang, 13 km breit und weist eine Fläche von 194,2 km² auf, ist also geringfügig größer als die Osterinsel (Fläche 162,5 km². »Santa Catalina«  liegt etwa 35km südwestlich von San Pedro, Los Angeles und gehört zum Los Angeles County.

Foto 4: »Santa Catalina«-Insel, Foto NASA

Bereits um 8000 v. Chr. lebten Menschen auf »Santa Catalina«. Sehr alt sollen auch die Skelette von Riesen sein, die in großer Zahl auf der kleinen Insel entdeckt wurden. Das zumindest behauptete der Hobbyarchäologe Ralph Gidden (*1881, †1968), der von 1919 bis 1928 umfangreiche Grabungen vor Ort durchführte. Immer wieder, so Ralph Gidden, stieß er auf Skelette von Riesen. Die »kleineren« maßen angeblich nur 2,13 Meter, die größeren über 2,74 Meter. Eine Frage drängt sich auf: Wo sind die Skelette geblieben, die Ralph Gidden aus ihren Gräbern geholt haben will? 3.000 Skelette von Riesen sollen es gewesen sein. Und alle hatten angeblich sechs Finger an jeder Hand.

Der »Ogden Standard-Examiner«, Morgenzeitung von Ogden im Bundesstaat Utah, berichtete am 10. November 1929: »In verschiedenen Teilen der Insel wurden mehr als 3.000 Skelette gefunden, fast alle männlichen Skelette waren 2,13 Meter groß, ein anderes über 2,74 Meter.« Im Artikel wird ein vermutliches Alter von 3.000 Jahren angegeben.

Foto 5: Avalon Bay, Catalina Island, Kalifornien

Wo aber sind die Skelette geblieben? Diese Frage muss immer wieder gestellt werden. Bekannt ist nur, dass Glidden seine gesamte Sammlung anno 1962 für 5.000 US-Dollar  verkauft hat, Skelette inklusive. Fünfzig Jahre später wurde angeblich im Archiv des »Catalina Island Museum« eine verstaubte Schachtel gefunden. Diese Schachtel soll diverse Dokumente, verfasst von Glidden, aber auch Fotos von Riesenskeletten enthalten haben. Ein gewisser L.A. Marzulli soll eines der Fotos analysiert haben und zum Ergebnis gekommen sein, dass da tatsächlich das echte Skelett eines Riesen zu sehen sei, der zu Lebzeiten 2,59 Meter groß war. Nach Marzulli habe eines der Skelette sechs Finger an jeder Hand gehabt. Offenbar war Mr. Marzulli von der Echtheit der Riesenfunde überzeugt.

Fakt ist, dass Ralph Gidden über Jahre hinweg von der »Heye Foundation« finanziell unterstützt wurde. Die Stiftung finanzierte die Ausgrabungen des engagierten Hobbyarchäologen. 1924 stellte die »Heye Foundation« die Zahlungen an Ralph Gidden komplett ein. Der aber benötigte natürlich Geld, um weitere Ausgrabungen durchführen zu können. So erschloss sich der emsige Ralph Gidden eine neue, die Einnahmequelle. Er eröffnete ein »Museum«, das allerdings eher einem Horrorkabinett als einem Museum nach heutigem Verständnis entsprach, und kassierte Eintrittsgelder. Reichtümer konnte er freilich so nicht anhäufen, die Einnahmen fielen wohl eher bescheiden aus.Fotos zeigen Ansammlungen von Skeletten oder von Skelettteilen, von Totenschädeln zwischen Tonwaren aus uralten Zeiten.

Foto 6: Ralph Glidden gräbt das Skelett eines Riesen aus

Ich habe wiederholt versucht, mit Archäologen unserer Zeit über Ralph Gidden und sein Museum zu unterhalten. Die meisten fühlten sich zu erhaben, um in die Niederungen eines solchen Themas hinab zu steigen. Einige wenige hatten nur Verachtung übrig für die Ausgrabungen auf »Santa Catalina«. Man müsse von Grabschändungen sprechen und die Zurschaustellung von Gebeinen von Ureinwohnern auf das Schärfste kritisieren. Dabei wird vergessen, dass die wissenschaftliche Archäologie bis heute nicht sehr viel pietätvoller mit Totengebeinen aus uralten Zeiten umgeht.

Ein Beispiel: In den Jahren von 1896 bis 1902 raubten Archäologen menschliche Gebeine aus Bestattungshöhlen von Hawaii. Sie gelangten in den Besitz des »Museums für Völkerkunde«, Dresden, und wurden wie Tonwaren oder Holzschnitzereien ausgestellt. Pietät sieht anders aus! Ab 2010 gehörten die Skelette zu den »Staatlichen Kunstsammlungen Dresden«. Erst 2017 wurden sie nicht mehr als archäologische Fundobjekte, nicht mehr als Gegenstände, sondern als »verstorbene menschliche Individuen« angesehen. Sie wurden nach mehr als einem Jahrhundert an Vertreter des Ursprungslandes zurückgegeben (7).Ich muss wieder fragen: Gab es wirklich diese Riesen-Skelette? Gibt es sie noch? Wo werden sie aufbewahrt? 

Foto 7: Die Osterinsel aus dem All
Fußnoten
(1) https://www.meinbezirk.at/lungau/leute/samsonumzug-d1740229.html (Stand 26.8.2018)
(2) Thomson, William J.: »Te Pito te Henua, or Easter Island«, Washington 1891
(3) Ebenda, S. 462. Die Originalausgabe von Thomson liegt mir leider nicht mehr vor. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein. Siehe auch Schoch, Robert M.: »Die vergessene Zivilisation/ Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft«, eBook-Ausgabe, Ancient Mail Verlag Werner Betz, 1. Auflage. Groß Gerau Juli 2014 (Kapitel 5 »Te Pito Te Henua«, Unterkapitel »Legenden von Riesen«.)
Schoch gibt ein Zitat von Thomson wieder. William J. Thomson schreibt im Kapitel »Personal Appearance of the Natives«: »Behrens solemnly states that a boat came off to the ship steered by a single man, a giant 12 feet high, etc. He afterwards observes, ›with truth I might say that these savages are all of more than gigantic size. The men are tall and broad in proportion, averaging 12 feet in height. Surprising as it may appear, the tallest men on board of our ship could pass between the legs of these children of Goliath without bending the head. The women can not compare in stature with the men, as they are commonly not above 10 feet high.‹«
(4) 12 Fuß bei Thomson
(5) Fort, Charles Hoy: »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt am Main 1995
Zur Lektüre empfohlen sind auch die übrigen Werke Forts.
Fort, Charles: »New Lands«, New York 1923/ Übersetzung »Neuland«, Frankfurt am Main 1996
Fort, Charles: »Lo!«, New York 1931/ Übersetzung »Da!«, Frankfurt am Main 1997
Fort, Charles: »Wild Talents«, New York 1932/ Übersetzung »Wilde Talente«, Frankfurt am Main 1997»Astronauten, Taucher, Fabelwesen?«

Foto 8
(6) Siehe hierzu Fort, Charles Hoy: »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt am Main 1995, Seite 210, Zeilen 8-10 von oben
(7) https://www.skd.museum/presse/2017/freistaat-sachsen-gibt-menschliche-gebeine-aus-museum-fuer-voelkerkunde-dresden-an-hawaii-zurueck/ (Stand 25.08.2018)

Zu den Fotos
Foto 1: Edward Davis - Entdecker? Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Der Riese Samson, Tamsweg im Lungau, Foto wikimedia commons.
Foto 3: David und Goliath von Osmar Schindler, 1888, gemeinfrei.
Foto 4: »Santa Catalina«-Insel, Foto NASA, Foto gemeinfrei.
Foto 5: Avalon Bay, Catalina Island, Kalifornien, U.S.A., wikimedia commons.
Foto 6: Ralph Glidden gräbt das Skelett eines Riesen aus, Foto vor 1928. 
Foto 7: Die Osterinsel aus dem All. Foto NASA. Foto gemeinfrei. 
Foto 8: Wenn er nur reden könnte... Foto Walter-Jörg Langbein

459 »Geheimnisvolle Mythen: Artus, Gilgamesch und eine Göttin«,
Teil 459 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.11.2018

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Sonntag, 21. Oktober 2018

457 »›Geisterstädte‹ auf der Osterinsel?«

Teil 457 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1-3: Geheimnisvolle Osterinsel ...

Die 16 verschwundenen Moai von Ahurikiriki standen oder lagen noch im 19. Jahrhundert irgendwo in einer Steilwand an der Südwestküste der Osterinsel auf einer Plattform. Ein Erdbeben mag sie zu Fall gebracht haben. Wie dem auch sei: Warum auch immer, die Kolosse stürzten in die Tiefe, schlugen in der Gischt ein und zerbrachen wohl in mehrere Teile. Seit Jahrzehnten sucht man die Brocken, offiziell hat man sie bis heute nicht gefunden. Allerdings sind man von der Steilklippe aus da und dort im brodelnden Wasser Felsklumpen liegen, bei denen es sich um die zertrümmerten Kolosse von Plattform Nr. 112, genannt »Ahurikiriki«, handeln könnte. Bislang hat sich freilich niemand an die mögliche Fundstelle herangewagt. Es besteht wegen der extremen Brandung und massiver Strömungen Lebensgefahr. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann doch nur formlose Brocken und nicht Trümmer einst stolzer Statuen zu entdecken. Zu entdecken gibt es auf der Osterinsel noch sehr viel. Vieles aber wird wahrscheinlich für immer rätselhaft und unverstanden bleiben.

Als das Geheimnis der Osterinsel schlechthin gelten die riesigen Steinkolosse, die zum Teil fast zwanzig Meter hoch in den Himmel ragten. Bislang konnten lediglich kleinere bis mittelgroße Exemplare mit Kranen wieder Aufgerichtet werden. Wer wie der Autor die Osterinsel besucht hat, wer schon zu Füßen der stoisch ins Nichts blickenden Kolosse stand, der kann sich über manchen »Wissenschaftler« nur wundern.

Foto 4: Nach wie vor rätselhaft ...
Je intensiver man sich in die wissenschaftliche Literatur über die Osterinsel vergräbt, desto mehr erfährt man über das geheimnisvolle Eiland. Je aufmerksamer man liest, desto klarer werden Widersprüche erkennbar zwischen Aussagen verschiedener Wissenschaftler.

Mit dieser Thematik beschäftigte ich mich bereits 1977. Damals erschien mein Artikel »The Easter Island Controversy« in »Ancient Skies« (1). Ein anschauliches Beispiel: Wilhelm Ziehr beispielsweise wundert sich darüber, wie man sich über die Osterinselriesen wundern kann. Trocken stellt er fest (2):

»Die Existenz monumentaler Steinplastiken auf der Osterinsel ist keineswegs so rätselhaft, wie oft behauptet wurde. Da Holz auf der Insel außerordentlich knapp war, bot sich das hingegen reichlich vorhandene Tuffgestein an.« Mit anderen Worten: Die Osterinsulaner verspürten einen sehr starken künstlerischen Drang. Sie griffen zum Stein, weil Holz extrem selten war.

Foto 5: ... die Kolosse der Osterinsel. Rechts im Bild: Ingeborg Diekmann

Wie aber war es möglich, die Steinkolosse zu transportieren? Da sieht Thor Heyerdahl wiederum keinerlei Problem (3). Seinen Untersuchungen zufolge gab es einst auf der Osterinsel Holz in unvorstellbaren Mengen. Das ganze Eiland war von einem Urwald überzogen. Dieses Holz wurde dann, so Heyerdahl, etwa in Form von Rollen zum Transport der Kolosse benutzt. Der Widerspruch ist eklatant.

Wurden die Riesenfiguren nun gebaut weil den Künstlern kein Holz zur Verfügung stand? Oder konnten die Riesenplastiken so leicht transportiert werden, weil Holz in Hülle und Fülle zur Verfügung stand? Der Widerspruch lässt sich nur mit unsinnigen Annahmen aus der Welt schaffen. Etwa so: Erst war die Insel kahl und leer, Holz gab es kaum. Deshalb griffen die Künstler in ihrem Drang, sich gestalterisch zu verwirklichen, zum Stein. Wie sie die Kolosse befördern würden, darüber machten sich die weltfremden Künstler keine Gedanken. Kaum waren die Kunstwerke aber fertig, wurde das Eiland aus unerfindlichen Gründen von einem wahren Urwald überzogen. Jetzt wussten die Steinmetze plötzlich, wie ihre Werke transportiert werden konnten: mit Hilfe von Holzrollen zum Beispiel. Warum schufen sie dann nicht in großem Umfang Kunstwerke aus Holz als es angeblich Holz im Überfluss gab?

Foto 6: Reste eines der massiven Podeste

Mit einer Fläche von 162,5 km² ist die Osterinsel sehr klein. Lebten einst sehr viele Menschen auf dem winzigen Eiland? Arnold Roggeveen, der das merkwürdige Eiland am Ostermontag den 6. April 1722 »entdeckte«, fühlte sich einmal von »mehreren Tausend« Einheimischen umzingelt und bedroht. Er ließ auf die friedlichen Osterinsulaner schießen. James Cook (*1728; †1779) besuchte die Osterinsel im Rahmen seiner zweiten Südseereise (1772 bis 1775) in der Zeit vom 11. bis zum 17. März 1774. Vergeblich hatte er nach dem legendären »Terra australis« gesucht, von der Osterinsel war er enttäuscht. Am Freitag, den 11. März 1774, notierte Cook in seinem Logbuch: »Leichte Brise und freundliches Wetter. Hatten noch um Mitternacht Tageslicht, nahmen sodann Fahrt auf und sichteten wenig später Land im Westen aus dem Mastkorb.« Dass es sich um die Osterinsel handelte, wurde Cook am Sonntag, den 13. März klar: »Bei der Annäherung an das Land entdeckten wir Leute und eben dieselben Monumente und Idole, welche von den Autoren von Roggeveens Reise erwähnt wurden, welcher Umstand uns keinen Raum für Zweifel daran ließ, dass es sich um die Osterinsel handele.«

James Cook, der die Osterinsel selbst wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht betrat, schätzte die Zahl der Einwohner auf sechs- bis siebenhundert. George Foster, der im Auftrag Cooks an Land ging, ging von neunhundert Osterinsulanern aus. Alexander Ariipaea Salmon lebte viele Jahre auf der Osterinsel. Zwischen 1850 und 1860 gab es seinen Angaben zufolge fast 20.000 Menschen auf dem Eiland.

Foto 7: Auf Podesten standen einst steinerne Kolosse

Im Jahre 1886 suchte die Besatzung des US-Schiffs »Mohican« die Osterinsel heim, richtete zum Teil erhebliche Schäden an. In der kurzen Zeit vom 18. bis 31. Dezember wurden gut erhaltene Petroglyphen abgeschlagen und an Bord geschleppt. Die Kunstwerke befinden sich heute im »Smithsonian Institution«, Washington. Sicher gelangten kostbare Kunstschätze auch in Privatsammlungen. Sie sind somit für die für die Forschung verloren. Anno 1886 lebten insgesamt nur 155 Menschen auf der Osterinsel. Nach einer Liste aus jener Zeit waren das 68 Männer, 43 Frauen, 17 Knaben und 27 Mädchen unter 15.



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Lebten nun viele Menschen auf der Osterinsel, als die Statuen entstanden? Gab es viele Steinmetze, die die Statuen aus dem Vulkangestein schlugen? Waren viele Menschen erforderlich, um die zum Teil kolossalen Statuen zu transportieren und aufzustellen? Bemerkenswert sind die zahlreichen Spuren auf einstige Siedlungen, die auf eine einstmals dichte Besiedelung schließen lassen könnten. So gab es wohl einst auf dem »Kotatake«-Berg eine Siedlung. Am Fuß des Kotatake Bergs bis zur Küste im Westen erstreckte sich eine Siedlung, immerhin über eine Länge von fast zwei Kilometern! Es könnten hier einst die ältesten Behausungen gestanden haben. Der Grundriss der Häuser war elliptisch, vielleicht in Anlehnung an Boote. Weitere Siedlungen gab es zum Beispiel im Bereich der Küste bei »Rana-Hana-Kana« und an der Küste der »La Pérouse«- Bucht.

Foto 8: Einige der Podeste trotzten dem Zahn der Zeit.

Es gibt also eigentlich zu viele Ruinenreste auf der Osterinsel. Wären sie alle bewohnt gewesen, dann hätten die Menschen nicht ausreichend ernährt werden können. Eine mögliche Erklärung: Es gab eine ganze Reihe von Siedlungen, die aber nicht immer bewohnt waren. Die Insulaner zogen von Siedlung zu Siedlung und wieder zurück. So wurden, und das ist Fakt, die Häuser von Orongo nur während der Feierlichkeiten des »Vogelmann-Kults« bewohnt. Sie standen also den Großteil des Jahres leer. Das mag auch für andere Siedlungen auf der Osterinsel gegolten haben. Es gab also wohl kleine »Geisterstädte« auf der Osterinsel, die einstens aber nicht verfielen, sondern periodisch bewohnt wurden.

Die Osterinsel ist wirklich sehr klein, das schließt eine dichte Besiedlung aus. Je dichter das Eiland besiedelt war, desto mehr Menschen konnten auf der Osterinsel leben, aber desto größer wurden die Ernährungsprobleme. Es müssen auch große Anteile des Eilands nur landwirtschaftlich genutzt worden sein. Es konnte nur eine überschaubare Zahl von Menschen auf »Isla la Pascua« leben und ausreichend ernährt werden.

Foto 9: Steinmetzkunst von Perfektionisten!

Die Menschen mussten nicht nur für Ernährung sorgen. Es mussten auch die Steinkolosse aus dem Vulkan geschlagen, kreuz und quer über das gesamte Eiland transportiert und aufgestellt werden. Was oft unterschätzt wird: Einst standen die Kolosse auf massiven Plattformen, von denen die meisten verfallen oder verschwunden sind. Schon die Mauern dieser Plattformen sind Beweise für die erstaunliche Kunstfertigkeit der Osterinsulaner.

Fußnoten
(1) Langbein, Walter-Jörg: »The Easter Island Controversy«, »Ancient Skies«, Ausgabe November/ Dezember 1977, Chicago 1977
Der Vollständigkeit halber: Mein erster Artikel (»Researcher interviews Prof. Dr. Hermann Oberth«) erschien in der März/April-Ausgabe 1976 von »Ancient Skies«, Chicago.
(2) Ziehr, Wilhelm: »Zauber vergangener Reiche«, Stuttgart 1975
(3) Heyerdahl, Thor: »Die großen Steine der Osterinsel« in
»Versunkene Kulturen«, Zürich 1963

 
Foto 10: Podest mit Statuen. Historisches Gemälde, 18. Jahrhundert.


Zu den Fotos:
Fotos 1-3: Geheimnisvolle Osterinsel ... Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Nach wie vor rätselhaft ... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: ... die Kolosse der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Reste eines der massiven Podeste. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Auf Pdesten standen einst steinerne Kolosse. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Einige der Podeste trotzten dem Zahn der Zeit. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Steinmetzkunst von Perfektionisten! Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Ahu mit Statuen. Historisches Gemälde, 18. Jahrhundert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


458 »Ein Pirat, Samson und Skelette«,
Teil 458 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28.10.2018


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Sonntag, 14. Oktober 2018

456 »Rätselhafte Kolosse und geheimnisvolle Kammern«

Teil 456 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1 (Montage): Statuen...
Die steinernen Kolosse der Osterinsel sind sehr viel rätselhafter als manchem Zeitgenossen lieb ist. Alle Jahre wieder tauchen Schlagzeilen in der Presse auf, werden vermeintlich sensationelle »Dokumentationen« im Fernsehen ausgestrahlt. Immer wieder wird verkündet, jetzt sei endgültig geklärt, wie die tonnenschweren Statuen transportiert wurden. Immer wieder heißt es, das sei mit ganz einfachen Mitteln möglich gewesen, die bis zu viele Tonnen schweren Kolosse zum Laufen zu bringen. Beispiel: Archäologe Carl Lipo von der »California State University«, Long Beach, will herausgefunden haben, wie man die Steinstatuen transportierte. Carl Lipo berief sich auf eine Legende, wonach die Moai selbst vom Steinbruch aus losmarschiert seien.

»Spiegel online« veröffentlichte einen ausgewogenen Artikel zum Experiment. Carl Lipo wird wie folgt zitiert (1): »Natürlich geschah das nicht aus eigenen Kraft, sondern mit Hilfe der Rapanui, der Einwohner der Insel. Sie sicherten die bis zu 74 Tonnen schweren Figuren mit Seilen, richteten sie auf und bewegten sie dann mit Schaukelbewegungen vorwärts.«

Fakt ist: Das Experiment gelang auf absolut flachem Areal mit einem für das Experiment hergestellten Modell. Das Gewicht der extra angefertigten Statue: 4,4 Tonnen. Der Weg vom Steinbruch im Rano Raraku Vulkan zu den Plattformen der Statuen ist aber nicht eben, sondern mal geht es steil abwärts, mal wieder einen Hang empor. Und wie sollen die Figuren auf ihre Plattformen »gelaufen« sein?

Foto 2: Blick in eine der geheimnisvollen Kammern.

Fakt ist: Es gelang tatsächlich, ein kleines »Modell« eines Moai ein Stück weit auf einer mit großem Aufwand eingeebneten »Straße« zu bewegen. Fakt ist aber auch, dass das »Modell« nicht einem echten Moai entsprach.

Carl Lipos Hauptargument ist nicht stichhaltig (2): »Rund tausend Statuen stehen und liegen auf der Osterinsel, einige davon allerdings zerbrochen am Wegrand. Es waren diese Trümmer, die Lipo auf die Idee brachten. An Straßen, die bergauf führten, liegen die Moai auf dem Rücken; auf abwärts führenden Straßen haben sie einen Bauchklatscher gemacht. Diese Verteilung ergäbe sich nicht, wenn die Statuen nach der bisher gängigen Theorie auf Baumstämmen vorwärts gerollt worden wären.«

Foto 3: In einer der Kammern.
Die meisten zerbrochenen Statuen liegen nicht »am Wegrand«, sondern vor oder hinter den steinernen Podesten, auf denen sie einst standen, von denen sie herabstürzten. Das heißt: Sie hatten unbeschädigt ihr Ziel erreicht, waren auf ihre Plattform gestellt worden, von der sie irgendwann, warum auch immer, fielen und zerbrachen. Nicht belegbar ist die Behauptung, dass die Statuen auf den Rücken fielen, wenn es aufwärts ging und dass sie nach vorn aufschlugen, wenn es abwärts ging.

Dass die Statuen »auf Baumstämmen vorwärts gerollt worden wären« ist keineswegs die »bisher gängige Theorie« und zudem auch falsch. Zu keinem Zeitpunkt gab es auf der Osterinsel ausreichend Holzvorräte, um die Statuen auf Holzrollen zu befördern. Die abstruse Theorie war auch zu keinem Zeitpunkt »die gängige Theorie«.

Jo Anne Van Tilburg, Direktorin des »Easter Island Statue Projects« an der »University of California«, Los Angeles, spricht dem vermeintlich bahnbrechenden Versuch jede wissenschaftliche Bedeutung ab (3): »Was sie da gemacht haben war ein Stunt, aber kein Experiment!« Die Form von Lipos Modell sei keine genaue Nachbildung eines Moai, also nicht für ein seriöses Experiment geeignet. »Sein Projekt hat die Statuen aus ihrem archäologischen Kontext gerissen. Und ich glaube, immer wenn so etwas geschieht, begibt man sich – wie vorsichtig auch immer – ins Reich der Phantasie und der Spekulation auf einer Ebene, die nicht mehr wissenschaftlich ist.«

Die Osterinsulaner, mit denen ich über solche »Erklärungen« diskutierte, lachten nur. »Wenn es so einfach und mit primitiven Mitteln ginge, einen Moai von A nach B zu bringen, wieso werden bis heute zum Beispiel moderne Krane benutzt? Die Moai kamen mit Hilfe von Magie vom Steinbruch an ihre Ziele!«

Foto 4: Standen hier einst die verschwundenen Statuen?

Die 16 Moai von Ahurikiriki standen irgendwo in einer Steilwand an der Südwestküste der Osterinsel. Zwischen 1886 und 1913 stürzten die Kolosse aber ab. Ein Erdbeben mag dafür verantwortlich gewesen sein, wie jenes von 1960, das tonnenschwere Steinquader wie Kinderspielzeug weiter ins Innere der Osterinsel schleuderte.

Foto 5: Unvollendete Statue im Steinbruch

Am 22. Mai 1960 brach ein verheerendes Erdbeben vor Chile aus. Es ließ die Pazifikküste bei Valdivia um bis zu vier Meter absacken. Das Horrorbeben (Stärke 9,5 auf der MM-Skala) verursachte einen Tsunami, der sich im ganzen Pazifik ausbreitete. Die Flutwelle, anfangs 11 Meter hoch,  erreichte am 23. Mai 1960 die Osterinsel. Ahu Tongariki wurde vollkommen zerstört. 16 Kolossalstatuen (Gewicht einer einzelnen Figur: bis zu 100 Tonnen!) wurden wie Bauklötzchen von der zertrümmerten Plattform ins Innere der Insel gespült. Massive Befestigungssteine der Plattform, auf der die Kolosse einst gestanden hatten, wurden einen halben Kilometer von der Küste weg ins Innere des Eilands geschwemmt.

Es sollten 34 Jahre vergehen, bis man sich endlich an die Rekonstruktion von Ahu Tongariki wagte. Das Podest stellte kein Problem dar. Es ließ sich schnell wieder aufbauen. Aber wie sollte man die liegenden Statuen wieder aufrichten und auf das Podest stellen?

Foto 6: Leuchtende Deckenplatten

Die japanische Firma Tadano ließ einen Schwerlastkran auf die mysteriöse Insel schaffen und spendierte weitere 600.000 US-Dollar für den Wiederaufbau. Mit Hilfe des Schwerlastkrans, mit moderner Technik und unter Einsatz erheblicher finanzieller Mittel, gelang der Wiederaufbau der Anlage von Tongariki.

Oberhalb der vielleicht steilsten Felswand der Osterinsel befindet sich das Zeremonialdorf Orongo. Die 52 Häuschen mit den niedrigen, tunnelartigen Eingängen, erinnern sehr an Bunker. Die Decken sind aus massiven Felsplatten. Geheimnisvolle Malereien mit Darstellungen von mythologischen Fabelwesen befanden sich an den Wänden dieser Kammern. Ich bin in so manchen dieser »Schutzräume« gekrochen, entdeckte in jeder kleine Nischen, in denen vielleicht einst sakrale Figuren standen.

Erst auf meinen Fotos entdeckte ich etwas, was mir vor Ort in der Dunkelheit nicht aufgefallen war. Dank eines starken Blitzlichtgeräts gelang mir eine ganze Reihe von Aufnahmen. Erst auf den Papierabzügen, ich fotografierte damals noch analog, sah ich herrliche Farben. Da leuchteten die schweren Deckenplatten in geradezu schillernden bunten Farben. Was die Natur so schuf ist meiner Meinung nach mit abstrakten Gemälden zu vergleichen, nur  schöner.

Foto 7: Mysteriöse Farbenpracht
Die Atmosphäre in den Kammern mit Nebenräumen war seltsam und unbeschreiblich dicht. Wenn ich da in der Finsternis und völliger Stille auf dem Steinboden lag, kam es mir vor, als sei die Zeit vor Jahrhunderten stehengeblieben. Es hätte mich nicht sehr verwundert, wenn ich plötzlich in die Zeit vor einem Jahrtausend versetzt worden wäre. Wie hätte man mich behandelt, wenn man mich entdeckt hätte?

So manche Stunde sinnierte ich in einer dieser Kammern darüber nach, welchem Zweck diese höchst unpraktisch niedrigen Räumchen wohl einst dienten. Warteten hier die Honoratioren auf den Verlauf des Wettkampfes im »Vogelmann-Kult«? Wohl kaum. Wahrscheinlicher ist doch, dass die von Orongo aus die Teilnehmer am Wettbewerb beobachteten. Oder meditierten hier einst Priester? Beteten sie zu Make Make, er möge doch den richtigen Mann das erste Ei auf der Vogelinsel finden lassen, damit der Richtige König werden würde? 

Ungeklärt ist bis heute, warum die Menschen auf der Osterinsel sozusagen über Nacht  aufhörten, Statuen aus dem Vulkan zu meißeln, über Land zu befördern und auf Plattformen aufzustellen. Man hat offensichtlich irgendwann den Steinbruch verlassen. Zurück blieben eben begonnene, halbfertige, fast fertige und fertige Statuen. Andere hat man wenige Meter vom Steinbruch einfach liegen lassen. In unmittelbarer Nähe des Steinbruchs sind Statuen bis zum Hals im Erdreich versunken.

Foto 8: Autor Langbein im Steinbruch neben einer halbfertigen Statue

Fußnoten
(1) http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neues-aus-der-archaeologie-laufende-osterinsel-statuen-a-863451.html (Stand 27.07.2018)
(2) ebenda
(3) ebenda

Foto 9: Spielerei mit einem Osterinselomotiv... Fotomontage Walter-Jörg Langbein

Zu den Fotos
Foto 1 (Montage): Statuen geben Rätsel auf. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Blick in eine der geheimnisvollen Kammern. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: In einer der Kammern. Foto Walter-Jörg Langbein 
Foto 4: Standen hier einst die verschwundenen Statuen? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Unvollendete Statue im Steinbruch. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Leuchtende Deckenplatten. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Mysteriöse Farbenpracht. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Autor Langbein im Steinbruch neben einer halbfertigen Statue. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Spielerei mit einem Osterinselomotiv... Fotomontage Walter-Jörg Langbein

457 »›Geisterstädte‹ auf der Osterinsel?«,
Teil 457 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21.10.2018



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