Sonntag, 24. Juni 2018

440 „Mit künstlicher Intelligenz in die Apokalypse?“

Teil 440 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498
Die „Johannes-Apokalypse“ entwirft ein schwer verständliches Bild von den Geschehnissen am Ende der Zeit. Himmlische und teuflische Mächte ringen miteinander. Große Künstler vergangener Jahrhunderte verewigten ihre Sichtweise der nahenden Katastrophe. Es kann sein, dass wir tatsächlich einer wirklichen Apokalypse entgegen trudeln, die freilich nicht das Ergebnis von teuflischem und messianischem Wirken sein wird. Wir haben womöglich selbst schon vor Jahren auf den „Knopf“ gedrückt, der eine apokalyptische Endzeit einleiten mag.

Man stelle sich einen Science-Fiction-Film vor. Die erste Szene spielt an einer Grenze. Ein Soldat schiebt Wache. Ein Roboter schiebt Wache. Militärs führen einen Test durch: Wer erledigt seine Aufgabe besser und zuverlässiger, Mensch oder Maschine? Der Roboter. Er ermüdet nie. Er sieht und hört besser. Er reagiert schneller. Er tötet feindliche Eindringlinge präziser und effektiver. Keiner kann ihm entkommen. Er muss nicht ausgebildet werden, macht keine Fehler. Mitleid ist ihm fremd. Er schiebt Wache und tötet jeden Eindringling. Science-Fiction?

Keineswegs. Den Roboter gibt es schon. Er patrouilliert an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Entwickelt wurde Roboter SGR-A1 von Samsung Techwin, einer Tochter des südkoreanischen Samsung- Konzerns. Mit seinen speziellen „Twin-Infrarotsensoren“ kann er ein bewegliches Ziel bis in eine Entfernung von 4 Kilometern verfolgen und zielgenau töten. Militärs geraten ins Schwärmen: SGR-A1 kann Menschen ansprechen, auffordern sich zu ergeben. Falls der Mensch aber angreift oder flieht, kann der Roboter ihn mit seinem 5,56-mm-Maschinengewehr mit einer Magazinkapazität von 200 Schuss und einer Feuerrate von 700 bis 1000 Schuss pro Minute erledigen. Kurz: der Roboter ist  eine höchst effektive Killermaschine. Eingesetzt wird er offenbar an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea.

2006 kostete so ein Killer-Roboter je nach Ausstattung zwischen 80.000 und 200.000 US-Dollar „pro Einheit“. Offiziell wird SGR-A1 noch ferngesteuert. Aber in wieweit ist er schon mit künstlicher Intelligenz ausgestattet? Seine Software lässt ihn in Sekundenbruchteilen erkennen, ob er einen Menschen oder einen kleinen Busch vor sich hat.

Man stelle sich einen Science-Fiction-Film vor. Inhalt: Künstliche Intelligenz reißt die Weltherrschaft an sich, um schließlich die Menschheit in einem weltweiten Holocaust mit Nervengas auszulöschen. Eine solche Vision könnte in einem Blockbuster-Film zum Leben erweckt werden. Aber ist so ein Horrorszenario realistisch? Man hofft, dass derartiges Grauen in der Realität nicht möglich ist. Leider ist die Zukunftsvision aber durchaus realistisch. Nick Bostrom (*10.03.1973), Physiker und Philosoph an der renommierten Universität von Oxford, erhob anno 2013 in seinem Buch „Superintellingence“ mahnend seine Stimme als besorgter Wissenschaftler.

Foto 2: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498
Von Menschen erschaffene künstliche Intelligenz kann im Gegensatz zur biologischen schnell extrem wachsen (2):

„Heute scheint es offensichtlich zu sein, dass große existentielle Risiken mit einer solchen Intelligenzexplosion verbunden wären.“

Nick Bostrom wird noch deutlicher. Er hält eine „Übernahme“ durch „Künstliche Intelligenz“ für möglich (3): „Eine maschinelle Superintelligenz dürfte selbst ein äußerst mächtiger Akteur sein, der sich erfolgreich gegen seine Schöpfer wie auch gegen den Rest der Welt durchsetzen kann.“

Die „künstliche Intelligenz“, so Nick Bostrom, könnte die Weltherrschaft an sich reißen. Sie könnte (4) via Internet auf legalem wie illegalem Wege Kapital, Daten und Rechenleistung „erwerben“.

So würde sie die Kontrolle „über Roboter und automatisierte Laboratorien übernehmen“ und „ihre Superkraft der sozialen Manipulation einsetzen, um Menschen davon zu überzeugen, ihr als Werkzeuge zu dienen“. Das alles könne weitestgehend im Verborgenen geschehen.

Schließlich aber könne die Superintelligenz die gesamte Menschheit in einer grausame Apokalypse auslöschen (5): „Die offene Umsetzungsphase könnte mit einem ‚Schlag‘ beginnen, in dem die Künstliche Intelligenz die menschliche Spezies und alle automatischen System vernichtet, die ihr im Wege stehen. Dies könnte durch den Einsatz einer fortgeschrittenen Waffe geschehen, die die Künstliche Intelligenz mithilfe ihrer Superkraft der Technologieentwicklung perfektioniert und in der geheimen Vorbereitungsphase in Anschlag gebracht hat.“

Nick Bostrom entwickelt ein echtes Horroszenario, zu dem es aber tatsächlich kommen kann (6): Die Künstliche Intelligenz stellt zunächst mit Nano-Technologie eine mikroskopisch kleine „Miniminifabrik“ zur Herstellung von Nervengas her. Die wird mit wachsender Geschwindigkeit vervielfältigt, so dass nach überschaubarer Zeit ein riesiges Heer von zig Milliarden solcher Minifabriken entstanden ist, die sich alle gleichmäßig auf den Globus verteilen und im Erdboden eingraben. Dort warten sie auf das entscheidende Kommando. Auf Befehl der Künstlichen Intelligenz können diese mikroskopisch kleinen Giftfabriken jederzeit weltweit an die Oberfläche kommen und mit ihrem tödlichen Erzeugnis die Menschheit auslöschen.

Es lässt sich nicht bestreiten: Militärs dürften nicht erst seit gestern, sondern schon länger mit „Künstlicher Intelligenz“ experimentieren. Ihr Ziel: Sie wollen immer wirksamere Waffensysteme entwickeln, die keiner menschlichen Steuerung mehr bedürfen. Die explosionsartig angewachsene künstliche Intelligenz wird zwangsläufig erkennen, dass der biologische Mensch letztlich nur wertvolle Ressourcen verbraucht und die Entwicklung und der Ausbreitung der künstlichen Intelligenz nur störend im Wege steht.

Foto 3: Gustave Dore, Apokalypse, 1865.

James Rodman Barrat (*1960) ist ein exzellenter Dokumentarfilmer, der sich ausführlich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ beschäftigt hat. Die Ergebnisse seiner intensiven Recherchen hat er in einem Buch zusammengefasst, dessen Titel klar zum Ausdruck bringt, wie kritisch er nichtbiologische Intelligenz sieht (7): „Our Final Invention“. Für Barrat ist die künstliche Intelligenz unsere letzte Erfindung, weil die „künstliche Intelligenz“ die menschliche Ära beenden wird. Der Untertitel lässt keinen Zweifel mehr zu: „Artificial Intelligence and the end of the human era“, zu Deutsch: „Künstliche Intelligenz und das Ende der menschlichen Ära”.

Es werden da und dort Stimmen laut, die „künstliche Intelligenz“ für ethisch problematisch halten. Freilich sind die wenigsten Machtpolitiker auf unserem Planeten sonderlich zimperlich, wenn es um Abwägen zwischen Macht und Ethik geht. Jeder Realist wird mir zustimmen: Sehr viel mehr Politiker sind ausschließlich an der eigenen Machtfülle interessiert, auch wenn sie sich noch so human und demokratisch geben.

Foto 4: Hans Burgkmair d. Ä., Apokalypse.
Ich bin davon überzeugt, dass die Entwicklung von künstlicher Intelligenz nicht mehr aufzuhalten ist. Der „Startschuss“ ist verhallt, weltweit wird an künstlicher Intelligenz gearbeitet, die schon bald dazu in der Lage sein wird, sich selbst zu verbessern und mit wachsender Geschwindigkeit immer fantastischer anmutende Ziele erreichen wird. Schon bald wird sich künstliche Intelligenz Fähigkeiten angeeignet haben, die so fantastisch sein werden, dass im Vergleich dazu kühnste Science-Fiction wie Ringelrein-Spiele für Kleinkinder anmuten.

Die Frage ist: Wie lang wird künstliche Intelligenz kontrollierbar bleiben? Schon die menschliche, biologische Intelligenz strebte Ausbreitung an. Sobald Planet Erde erkundet ist, treibt es die menschliche Intelligenz ins All. Sie betreibt Raumfahrt“, erforscht den Mond, macht sich zu den Planeten auf und wird eines Tages in die Tiefen des Kosmos vordringen. Künstliche Intelligenz ist im Anfangsstadium ein Abbild der menschlichen, der biologischen Intelligenz.

Morgen oder übermorgen wird die künstliche Intelligenz nicht mehr auf den Menschen angewiesen sein. Sie wird sich selbst immer weiter verbessern, ihre Entwicklung wird immer schneller verlaufen. Nick Bostrom, Physiker und Philosoph an der renommierten Universität von Oxford, entwickelt auch ein weiteres Szenario, das für uns Menschen auch nicht sehr optimistisch klingt: „Ist die Künstliche Intelligenz sich andererseits ihrer Unbesiegbarkeit sicher, dann würde sie uns nicht direkt angreifen. Unser Untergang könnte stattdessen die Folge der Umweltzerstörung sein, die beginnt, sobald die Künstliche Intelligenz Nanotechnologie für globale Bauvorhaben einsetzt. Vielleicht schon innerhalb von Tagen oder Wochen wäre die ganze Erdoberfläche mit Solarzellen, Kernreaktoren, Rechenzentren mit dazugehörenden Kühltürmen, Raumschiff- Abschussrampen oder anderen Anlagen bedeckt.“

Foto 5: Pohnpei-Götter oder künstliche Intelligenz? Fotomontage.

Intelligenz, ob künstlich oder biologisch, zieht es früher oder später ins All. Künstliche Intelligenz wird ihre globalen Kräfte vereinen, im Gegensatz zur biologischen „Intelligenz“. Immer wieder stellt sich mir die Frage: Waren die „Astronautengötter“ der Vorzeit keine biologischen Besucher, sondern „künstliche Intelligenz“?

Fußnoten
1) Bostrom, Nick: „Paths, Dangers, Strategies”, Oxford University Press, Oxford 2013. Bostrom, Nick: „Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution“, Berlin 2014
2) Bostrom, Nick: „Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution“, eBook-Ausgabe, Berlin 2014, Seite 18, Pos. 208
3) Ebenda, Seite 137, Pos. 2655
4) Ebenda, Seite 139, Pos. 2687
5) Ebenda, Seite 139, Pos. 2692
6) Ebenda, Seite 139, Pos. 2695-2698
7) Barrat, James Rodman: „Our Final Invention/ Artificial Intelligence and the end of the human era“, eBook-Version, New York 2013
8) Bostrom, Nick: „Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution“, eBook-Ausgabe, Berlin 2014, Seiet 140, Pos. 2704

Zu den Fotos
Foto 1: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 2: Albrecht Dürer Apokalypse um 1498. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 3: Gustave Dore, Apokalypse, 1865. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 4: Hans Burgkmair der Ältere, 1473 bis 1531, Apokalypse. Wikimedia commons/ gemeinfrei
Foto 5: Pohnpei-Götter oder künstliche Intelligenz? Fotomontage. Foto Walter-Jörg Langbein

441 „Hölle, Hölle, Hölle!“,
Teil 441 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.07.2018

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Sonntag, 17. Juni 2018

439 „Nichts wird ihnen unmöglich sein!“

Teil 439 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Adam und Eva
Der biblische Prophet Elias, so vermeldet es das „Alte Testament“  wurde mit einem „feurigen Wagen“ in den Himmel „entrückt“ (1). Im Judentum verbreitete sich rasch der Glaube, Elias sei lebendig in den Himmel entführt worden. Einst werde er als Begleiter aus den himmlischen Gefilden zur Erde zurückkehren. Um Christi Geburt war im „Heiligen Land“ die Hoffnung groß, der Messias würde zurückkehren und die Römer vertreiben. Und so flohen die Menschen aus der verhassten Realität in die Hoffnung. Das harte Regiment der Römer wurde erträglicher, je fester man an die Rückkehr von Elias und des Messias glaubte.

Interessant ist die Geschichte vom „feurigen Wagen“ auch heute noch. Offenbar war man vor Jahrtausenden im »Heiligen Land« mit »feurigen Himmelswagen« durchaus vertraut. Kurz und bündig heißt es im „Alten Testament“, dass Elias zunächst gar nicht in den Himmel verschleppt werden wollte. Doch der HERR gibt seinen Plan nicht auf und so wird Elias zum Entführungsopfer, vergleichbar mit jenen Menschen, die an Bord von UFOs verschleppt werden, so man das weltweit auftretende Phänomen als etwas Reales akzeptiert). Im 2. Buch der Könige lesen wird (2): „Als aber der HERR Elia im Wettersturm gen Himmel holen wollte, gingen Elia und Elisa von Gilgal weg. Und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wettersturm gen Himmel.“

Jesus, der nach alter Götter Sitte gen Himmel fuhr, verkündete seinen treuen Jüngern (3): „Und nichts wird euch unmöglich sein.“ Menschen waren freilich nicht allmächtig, nur Götter waren das. Und nur Göttern war nichts unmöglich, also alles möglich.

Schon im vielleicht bekanntesten Text der Bibel wird der Mensch in seine Schranken verwiesen. Die Rede ist von einer bemerkenswerten Szene im Paradies. Gott hat Adam erschaffen und ins Paradies gesetzt. Zu Intimitäten freilich kann es nicht kommen, denn Eva ist noch nicht in Adams Leben getreten. Ansonsten darf Adam alles tun, es gibt nur ein Tabu (4): „Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!“ Lucas Cranach (*um den 4.10.1472 im oberfränkischen Kronach; †16.10.1553) wusste diese biblischen Szenen herrlich darzustellen.

An dieses Verbot hat sich Adam offenbar gehalten. Dann aber wird Gott wieder schöpferisch aktiv. Eva entsteht aus einer Rippe Adams. Und die wird von der bösen Schlange in Versuchung geführt (5): „Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen? Da sagte die Frau zur Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir; aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt!“

Foto 2: Gott verbietet Adam und Eva die geheimnisvollen Früchte.

Die Schlange macht Eva ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann (6): „Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses.“ Mit anderen Worten: Wer von den verbotenen Früchten isst, der wird wie Gott. Die Strafe folgt auf dem Fuß: Adam und Eva werden aus dem Paradies verbannt.

Wenig später wird erneut das Thema „Menschen wollen wie Gott sein“ aufgegriffen: in der Episode „Der Turmbau zu Babel“ (7). Die Menschen machen sich an die Arbeit. Sie errichten den legendären Turm zu Babel. Gott ist über diese Anmaßung alles andere als erfreut. Nach dem Motto „Wehret den Anfängen!“ greift er ein (8): „Siehe, ein Volk sind sie, und eine Sprache haben sie alle, und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts unmöglich sein, was sie zu tun ersinnen.“ Gott stoppt das Projekt „Turm zu Babel“. Motiv: Die Menschen dürfen nicht gottgleich werden.

Übrigens: Die von der Bibel angebotene sprachliche Erklärung von „Babel“ völlig falsch. „Babel“ hat mit dem hebräischen „balal“, zu Deutsch „verwirren“ nichts zu tun. Babel leitet sich eindeutig vom Babylonisch-Sumerischen „bab-ili“ her, zu Deutsch von „Tor der Götter“. Damit wird auch schon rein sprachlich klar: Vorbild für den Turmbau ist der babylonische Zikkurrat, mehrstufige Türme. Vielleicht dienten sie als Ersatz für heilige Berge rein sakralen Zwecken. Vielleicht wurden sie auch als Observatorien zur Sternbeobachtung benutzt.

Foto 3: Die Schlange verleitet Adam und Eva zur ersten Sünde.

Rund zwei Jahrtausende v. Chr. stand das Vorbild für den biblischen Turm, der „Etemenanki“ in Babylon direkt beim Tempel des Gottes Marduk. Errichtet wurde er nicht aus menschlicher Arroganz, nicht zum Hohn, sondern zu Ehren der babylonischen Götter. Hauptgott Marduk stieg nach uralter babylonischer Überlieferung zum Jahresanfang über den Turm vom Himmel zur Erde herab. Dieses Motiv findet sich auch in der Bibel wieder. Auch Jahwe steigt vom Himmel zur Erde herab, ganz wie sein babylonischer Kollege Marduk.

Zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus hat ein neues Projekt „Babel“ längst begonnen. Der Mensch verfügt über ein Gehirn, dessen Leistungen im Vergleich zu den ersten Computern atemberaubend sind. Doch das biologische Gehirn wird vom Menschen kaum voll genutzt und ist zudem in seinen Kapazitäten begrenzt. Logische Konsequenz: künstliche Intelligenz wird geschaffen.

Die Vorgehensweise ist vorhersehbar: Phase 1. Durch Einbau von Chips und Computerelementen wird das menschliche Hirn effektiver. Es wird nicht nur leistungsfähiger, es kann immer auf „Höchstleistung“ gefahren werden. Phase 2: Die biologischen Anteile des Gehirns werden komplett durch nichtbiologische, künstliche Intelligenz ersetzt. Phase 3: Das nichtbiologische Gehirn erhält einen nichtbiologischen Körper, der dem anfälligen biologischen Körper haushoch überlegen ist. Phase 4: Die künstliche Intelligenz verbessert sich ständig selbst. Der neue, nichtbiologische „Mensch“ wird unsterblich und entspricht immer mehr dem, was man bislang als „Gott“ bezeichnet hat.

Foto 4: Turm zu Babel von Lucas van Valckenborch  (1535–1597)

Prof. Dr. Raymond Kurzweil (*12.02.1948) verfasste ein bahnbrechendes Werk zum Thema „künstliche Intelligenz“ (9). Kurzweil, von Bill Gates als „führender Experte im Bereich der Künstlichen Intelligenz“ gepriesen, ist davon überzeugt, dass schon 2030 die künstliche Intelligenz die biologische einholen, ja überholen wird (10): „Obwohl die reinen Kapazitäten biologischer und nicht biolo0gischer Intelligenz dann ungefähr gleich sind, wird die nichtbiologische Intelligenz bereits überlegen sein.“ Von da an wird sich die künstliche Intelligenz immer schneller und schneller verbessern, steigern. Für das Jahr 2045 prognostiziert Prof. Dr. Raymond Kurzweil (11): „Die nichtbiologische Intelligenz, die in diesem Jahr geschaffen werden wird, wird eine Milliarde Mal leistungsfähiger sein als die gesamte menschliche Intelligenz heute.“

Die Prognosen von Prof. Dr. Raymond Kurzweil in Sachen künstliche Intelligenz muten kühn an. Sie sind aber präzise belegt. Bill Gates ist fasziniert von den heute noch fantastisch anmutenden Vorhersagen. So mancher Wissenschaftler wird sie strikt ablehnen, für unmöglich erklären. Sir Arthur C. Clarke (12) brachte es auf den Punkt: „Wenn ein … Wissenschaftler sagt, etwas sei möglich, dann hat er ziemlich sicher recht, wenn er aber sagt, es sei unmöglich, dann liegt er höchstwahrscheinlich falsch.“ In der Tat, so ist es: So galten in der Welt der Wissenschaft Düsenflugzeuge, die tagtäglich Millionen von Menschen zu allen Orten unseres Planeten schaffen, ursprünglich als „physikalisch unmöglich“.

Foto 5: Turm zu Babel (Pieter Brueghel der Ältere)

Kühne Zukunftsvisionen formulierte einst im frühen 20. Jahrhundert Hermann Oberth (13). Der „Vater der Weltraumfahrt“ kam durch ein Werk der Fantasie auf seinen „Mondtrip“. Als Schüler las er „Von der Erde zum Mond“ (1865 erschienen) von Jules Vernes und begann zu rechnen. Der italienische Dominikaner Tommaso Campanella, eigentlich Giovanni Domenico (14): „Alles, was die Wissenschaftler … mit Hilfe einer unbekannten Kunst vollbringen, wird Magie genannt … Denn Technologie wird immer als Magie bezeichnet, bevor sie verstanden wird, und nach einer gewissen Zeit entwickelt sie sich zu einer normalen Wissenschaft.“

Fußnoten

(1) 2. Könige Kapitel 2, Verse 1-18
(2) Ebendas Verse 1 unf 11
(3) Evangelium nach Matthäus Kapitel 17, Vers 21
(4) 1. Buch Mose Kapitel 2, Verse 16 und 17
(5) 1. Buch Mose Kapitel 3, Verse 1-3
(6) Ebenda, Verse 4 und 5
(7) 1. Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9
(8) ebenda, Vers 6
(9) Kurzweil, Ray: „Menschheit 2.0/ Die Singularität naht“,  eBook-Ausgabe, 2. Durchgesehene Auflage, Berlin 2014
(10) Ebenda, Pos. 2568
(11) Ebenda, Pos. 2581
(12) *16.12.1917; †19.03.2008
(13) *25. 06.1894; †28. 12. 1989
(14) *5.9.1568; †21.5.1639

Zu den Fotos:
Foto 1: Adam und Eva im Paradies, Hieronymus Bosch  (circa 1450–1516). Wikimedia commons.
Foto 2: Gott verbietet Adam und Eva die geheimnisvollen Früchte. Lucas Cranach der Ältere (*um den 4.10.1472 im oberfränkischen Kronach; †16.10.1553). Wikimedia commons.
Foto 3: Die Schlange verleitet Adam und Eva zur ersten Sünde. Lucas Cranach der Ältere (*um den 4.10.1472 im oberfränkischen Kronach; †16.10.1553). Wikimedia commons.
Foto 4: Turm zu Babel von Lucas van Valckenborch  (1535–1597). Wikimedia commons.
Foto 5: Turm zu Babel, Pieter Brueghel der Ältere  (etwa 1526–1569). Wikimedia commons.

Zur Lektüre empfohlen
Kurzweil, Ray: „The Age of Spiritual Machines/ When Computers Exceed Human Intelligence”, New York 1999

440 „Mit künstlicher Intelligenz in die Apokalypse?“,
Teil 440 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.06.2018

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Sonntag, 10. Juni 2018

438 „Werden wir sein wie die ‚Götter‘?“

Teil 438 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-3: Götter? Künstliche Intelligenz?

„The Avengers“ wurde zwischen 1961 und 1969 produziert. 161 Folgen entstanden. Die Kultserie wurde im deutschen Sprachraum unter dem Titel „Mit Schirm, Charme und Melone“ ausgestrahlt. Eine Mischung aus Science-Fiction, Thriller, Krimi und Spionage zeichnete die Fernsehserie aus. Unvergessen sind bis heute Diana Rigg (*20.07.1938) als Emma Peel und Patrick Macnee (*06.02.1922;†25.06.2015) als John Steed.

Als 10. Folge der Staffel 5, als 114. Folge insgesamt, wurde am 17.03.1967 „Never, never say die“ (1) ausgestrahlt. Das deutsche Publikum bekam die fantastisch anmutende Folge unter dem Titel „Duplikate gefällig?“ am 7.11.1967 zu sehen. Der deutsche Titel gibt den Inhalt der Folge sehr viel besser als der englische Originaltitel wieder.

Foto 4: Südseegötter...
Zum Inhalt: Professor Frank N. Stone, dargestellt vom großartigen Sir Christopher Lee (*27.05.1922; †7.06.2015) hat begonnen, einen kühnen Plan in die Tat umzusetzen. Es ist ihm gelungen, exakte Kopien von Menschen anzufertigen, Roboter, die den Originalen aus Fleisch und Blut wie ein eineiiger Zwilling dem anderen gleichen. Wichtige Zeitgenossen sollen entführt und durch Roboter-Kopien ersetzt werden.

Man fühlt sich in eine moderne Version von Goethes „Zauberlehrling“ versetzt. Des Professors Kreaturen drehen den sprichwörtlichen Spieß um, sperren ihre menschlichen Originale ein, um im „richtigen Leben“ die Rollen der Menschen zu übernehmen und nach eigenem Gutdünken zu spielen. Die Roboter – künstliche „Menschen“ mit künstlicher Intelligenz können nur mit Mühe von John Steed und der höchst attraktiven Emma Peel ausgeschaltet werden.

Philip Levene (*9.06.1926;†25.03.1973), der in einem Bestattungsinstitut arbeitete, bevor er Schriftsteller wurde, packte also bereits vor einem halben Jahrhundert ein „Eisen“ an, das erst in den nächsten Jahren in der Öffentlichkeit erst richtig zum Glühen gebracht werden wird: „künstliche Intelligenz“.

Computer, wie wir sie heute kennen, sind stets nur so „intelligent“ wie Menschen sie entworfen und gebaut haben. Können also Computer nie intelligenter sein als Menschen? Doch! Man muss lediglich computergesteuerte Roboter bauen, die Computer generieren, die lernen können und immer intelligenter werden. Wie würde eine so geschaffene künstliche Intelligenz handeln? Wie würde sie sich uns Menschen gegenüber verhalten, zumal sich die Menschheit heute nicht wirklich „intelligent“ verhält! Bewohner eines Planeten, die sich im Verlauf einer nur wenige Jahrtausende währenden Geschichte zielstrebig gegenseitig auslöschen, die kann man nicht wirklich als „intelligent“ bezeichnen! Wie würde eine unvorstellbar hoch entwickelte künstliche Intelligenz mit einer vergleichsweise primitiven Menschheit verfahren?

Foto 5: Denkmal für uralte Kontakte mit künstlicher Intelligenz?

Eine von uns selbst initiierte künstliche Intelligenz könnte, das ist nicht auszuschließen, uns Menschen als eine Art Parasit ansehen, der Planet Erde befallen hat und Planet Erde von diesem Schädling befreien. Sollten wir also darauf verzichten, auch nur zu versuchen, künstliche Intelligenz zu schaffen, die sich selbst immer weiter entwickelt, immer intelligenter und intelligenter wird? Leider sind irdische Politiker nie sonderlich weitblickend. Sie denken nur bis zum nächsten Wahltermin. Es wird immer machtgierige Menschen geben geben, die für kurzfristiges Erreichen ihrer Ziele jegliche Skrupel über Bord werfen. Es interessiert sich überhaupt nicht, was mit künftigen Generationen geschehen wird.

Sicher, es gibt auch in der Politik ethisch denkende Menschen gibt, die nur das Gemeinwohl und keine persönlichen Interessen im Sinn haben. Gefährlich sind skrupellose Psychopathen, denen jedes Mittel recht ist, um möglichst viele zu beherrschen. In ihren Händen ist künstliche Intelligenz das Mittel schlechthin andere zu unterdrücken.
Foto 6: Geheimnisvoller Himmel.. geheimnisvolle Götter...

Bill Gates pries Prof. Dr. Raymond Kurzweil (*12.02.1948 in Queens, New York City) als (2) „führenden Experten im Bereich der Künstlichen Intelligenz“. Der Visionär wurde 1998 vom „Massachusetts Institute of Technology“ zum „Inventor of the Year“ ernannt. 2002 wurde er für seine Leistungen in die „National Inventors Hall of Fame“ aufgenommen. Heute arbeitet er als „Leiter der technischen Entwicklung“ bei Google. Prof. Dr. Kurzweil sieht die Entwicklung künstlicher Intelligenz positiv. Seiner Meinung nach wird (3) „der nichtbiologische Teil unserer Zivilisation, die künstliche Intelligenz die Stärken von Mensch und Maschine“ vereinen.

Voller Enthusiasmus schreibt Kurzweil (4): „Sobald künstliche Intelligenz im menschlichen Hirn Fuß gefasst hat …, wird unsere (maschinelle) Hirnleistung exponentiell wachsen und sich jährlich mindestens verdoppeln. Da die biologische Kapazität beschränkt bleibt, wird letztlich der nichtbiologische Anteil unserer Intelligenz überwiegen.“

Mit anderen Worten: In zunehmendem Maß wird der Mensch zum biologischen Roboter, der von einem überwiegend nichtbiologischen Gehirn gesteuert wird. Der Mensch würde seine Evolution zunächst in die Hand nehmen und dann aus der Hand geben. Bei exponentiellem Wachstum der nichtbiologischen Hirnleistung würde so ein Mensch rasch zum Superhirn mit einem biologischen Anhängsel „Mensch“ werden. Dieser biologische Restanteil würde vom Superhirn wohl als hemmend, ja störend verstanden. Wird sich das künstliche Superhirn vom biologischen Anhängsel Mensch trennen und sich einen nichtbiologischen Körper schaffen, der zu ganz anderen Leistungen fähig wäre als der vorsintflutliche Mensch? Werden so Roboter-Wesen entstehen mit unvorstellbar hoher Intelligenz?

Foto 7: Das spannendste Geheimnis...

Bis heute wird von Wissenschaftlern weltweit das „missing link“, das „fehlende Glied“ zwischen Noch-nicht-Menschen und ersten Menschen gesucht. Meine Überzeugung: Der heutige Mensch, genannt „Homo Sapiens Sapiens“, ist das Bindeglied zwischen biologischem Wesen Mensch und nicht-biologischem Superhirn im nichtbiologischen Superroboter. Man könnte auch sagen: Der heutige Mensch ist die Vorstufe zur gottgleichen „künstlichen Intelligenz“.

Werden wir sein wie die Götter? Das nicht! Denn vom heutigen Menschen wird in der künstlichen Superintelligenz nichts mehr zu finden sein. Künstliche Intelligenz wird im Gegensatz zur primitiven biologischen nicht mehr an die Zeit gebunden sein und das Universum erobern. Da stellt sich die Frage: Sind die altehrwürdigen, scheinbar allmächtigen Götter nichts anderes als für uns heute unvorstellbare Formen von künstlicher Superintelligenz? Wir werden nicht sein wie die Götter. Aber geniale Wissenschaftler haben schon längst mit dem Erschaffen von künstlicher Intelligenz begonnen. Gemessen an kosmischen Maßstäben wird der biologische Mensch bald wie ein primitives Fossil der Vergangenheit anheimfallen und in Vergessenheit geraten. 

Werden wir sein wie Götter? Waren die kosmischen Besucher, die vor Jahrtausenden als „Götter“ verehrt wurden, fantastische Wesen mit unermesslicher künstliche Intelligenz?Schließt sich eines Tages der Kreis, wenn wir Menschen künstliche Intelligenz erschaffen, die die Reise ins Universum antritt? Zeit spielt keine Rolle. Entfernungen sind somit belanglos. Wird dieses »Produkt« den Menschen überdauern, noch immer im All reisen, wenn der Mensch sich und seinen Heimatplaneten ausgelöscht haben wird? Und wird unser Werk irgendwann einmal auf einem fernen Planeten eines fernen Sonnensystems landen und in die Mythologie der dortigen Bewohner eingehen? Und zwar als Gottheit, die vom Himmel kam? Ist es künstliche Intelligenz, die sich über das Universum ausbreitet? Ist es die Aufgabe jeder Zivilisation, am Projekt »Intelligenz für den Kosmos« zu arbeiten?

Hand aufs Herz: Wenn wir bedenken, wie wir Menschen mit unseren Mitmenschen, mit anderen Lebewesen, ja mit unserem Planeten umgehen, dann zeugt das nicht von überragender Intelligenz!

Foto 8: ... künstliche Intelligenz.

Werden wir sein wie die Götter? Wie »Gott« werden wir niemals sein. Und kein seriöser Präastronautiker hat jemals behauptet, »Gott« sei ein Außerirdischer gewesen. Seit Erscheinen meines ersten Buches, der Titel war »Astronautengötter«, zu Weihnachten 1979 wird mir freilich immer wieder solcher Unsinn unterstellt. So mancher selbstgefällige Kritiker fragt nicht, sondern unterstellt. »Sie behaupten also ernsthaft, Gott war ein Astronaut! Das ist doch absurd und lächerlich!« So ist es. Eine solche These ist unsinnig, lächerlich und absurd, ich habe aber selbst in meiner jugendlichen »Sturm und Drang«-Zeit nie solchen Unsinn propagiert. 

Als alter »Präastronautiker« unterscheide ich zwischen Gott im religiösen Sinne und den Astronautengöttern. Wobei für mich »Gott« unfassbar und unbeschreibbar ist. »Gott« ist das endgültige Geheimnis, das wir nie verstehen werden. Wir können uns kein Bild von Gott machen.
Einst, in grauer Vorzeit, kamen, davon bin ich überzeugt, Außerirdische aus dem All zur Erde. Die Menschen damals verstanden die Naturgesetze noch nicht. Für sie schleuderten Götter im Himmel Blitze oder ließen es donnern. Zeus galt als der mächtigste der olympischen Götter. Er soll so stark wie alle anderen Götter des Olymp zusammen gewesen sein. In der Regel wird Gottvater Zeus mit einem Blitzbündel und Zepter dargestellt. Thor, auch Donar genannt, galt als »der Donnerer«. Für die Seefahrer war Zeus der Gewitter- und der Wettergott.

Indianerstämme im heutigen US-Bundesstaat Kansas glaubten an einen Gott namens Wakan. Sie waren davon überzeugt, dass sich ihnen der Mächtige niemals zeigte, dass sie aber seine laute und furchteinflößende Stimme hörten. Bei welcher Gelegenheit? Wenn es donnerte.

Foto 9: »Götter« kamen einst in »Himmelsschiffen« zur Erde.

Schon im dritten Jahrtausend v. Chr. wurde im heutigen nördlichen Syrien Wettergott Hadda angebetet und gefürchtet. Wann die vedischen Schriften des Hinduismus entstanden sind, ist bis heute umstritten. Offensichtlich entstand die umfangreiche Sammlung von Hymnen nicht in kurzer Zeit wie ein heutiges Buch, sondern über Zeitalter hinweg. Astronomische Angaben in den Texten haben zu einer Entstehungszeit zwischen 12.000 v.Chr. und 4.000 v.Chr. geführt. Immer wieder werden Götter als Urheber von Gewitter und Sturm angerufen. So machte man die Götter wie Parjanya und die Maruts für Blitz und Donner verantwortlich. Budha, Indra und andere Götter besaßen einen zepterartigen Gegestand, »varja« genannt, der auch als »Donnerkeil« beschrieben wird. Es gab unterschiedliche Varianten, die sich aber alle sehr ähnlich sahen. Nach altehrwürdigen Texten wurden Modelle Angefertigt; die schließlich zu Kultobjekten gemacht und religiös verklärt wurden. Einen »Donnerkeil« besaß auch Zeus, wenn man der griechischen Mythologie Glauben schenken will. Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. 

Keine Frage: Weltweit glaubte man, dass sich hinter Naturerscheinungen wie Gewitter und Sturm, Blitz und Donner Götter steckten. Mag sein, dass dieser Glaube von der Geistlichkeit geschätzt und unterstützt wurde. Konnte doch die Priesterschaft auf angebliche Kontakte mit den Himmlischen hinweisen und mit den Waffen der Götter drohen. Wer nicht nach den göttlichen Geboten lebte, der musste mit Bestrafung durch die Götter rechnen. Wer Angst schürt und dann Schutz anbietet, der hat besonders bei ängstlichen Menschen »gute Karten«.

Fotos 10 und 11: Indras »Donnerkeil« (2 Varianten).

Nun stelle man sich vor, dass vor vielen Jahrtausenden ein Vehikel vom Himmel kam. Wie mag das Szenario ausgesehen haben? Spekulieren wir etwas: Die verängstigten Menschen flohen und verseckten sich. Etwas Entsetzliches geschah, ließ die Erde beben. Sie beobachteten, was da zu sehen war und was sie nicht begreifen konnten. Da fuhr etwas vom Himmel herab. Ein Ding, wie sie es noch nie gesehen hatten. Ein Etwas, das schnaubte und fauchte wie ein Monster.

Dieses Ding machte entsetzlichen Lärm und sonderte Feuer ab. Ehrfürchtig warfen sich die Menschen zu Boden. Was sie da sahen, das konnte nur das Himmelsfahrzeug der mächtigen Götter sein. Irdisch war so etwas nicht. Womöglich nutzten die Priester das unheimliche Geschehen, um ihren Schäfchen die Leviten zu lesen. »Die Götter sind erzürnt über euch! Haben wir nicht oft genug gewarnt? Haben wir nicht oft genug gedroht? Ihr aber habt euch über unsere Worte lustig gemacht! Jetzt sind sie vom Himmel herabgestiegen! Fleht um Vergebung! Bittet um Gnade! Wehe euch, die ihr ungläubig wart!«

Als dann gar noch seltsame Wesen aus dem Himmelsvehikel kletterten, da mussten das jene Götter sein, die es immer im Himmel donnern und blitzen ließen. Mag sein, dass die Schäfchen ihren Priestern glaubten und sich vor den vermeintlichen »Göttern« in den Staub warfen. Womöglich haben die Menschen den »Göttern« versprochen, in Zukunft den Priestern zu gehorchen, die doch verkündeten, was die »Götter« von den Menschen erwarteten.

Foto 12: Astronautengott?
Es kamen Außerirdische zur Erde, die mit Göttern verwechselt wurden. Mit einem spirituellen »Gott« hatten diese Wesen nichts zu tun. Der allmächtige Gott, an den Monotheisten jüdischer, christlicher und muslimischer Prägung glauben, ist allmächtig und allgegenwärtig. Ein solcher Gott hat es nicht nötig, Raumfahrt zu betreiben. Er ist immer und überall präsent, zu allen Zeiten und an allen Orten.Wenn ich frage »Werden wir sein wie die Götter?«, dann meine ich natürlich die Astronautengötter, die einst die Erde besuchten. Werden wir sein wie diese Astronautengötter? Davon bin ich überzeugt! Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth (*1894;†1989) wird mit Fug und Recht als »Vater der modernen Raumfahrt« bezeichnet.

Prof. Hermann Oberth hatte konkrete phantastische Visionen. Irgendwann würden riesige Weltraumstädte in ferner Zukunft von der Erde aus ins All starten. Da sie künstliche Schwerkraft erzeugen würden, können sie dann unter erdähnlichen Verhältnissen unendlich lang unterwegs sein. Generationen werden an Bord geboren, sterben, neue Generationen erblicken das Licht der gewaltigen Raumstation in der von Menschen geschaffenen Miniaturwelt. Warum? Warum würde der Mensch derlei Strapazen auf sich nehmen, um ins All vorzudringen? In so manchem Gespräch erläuterte mir Prof. Oberth diesen Gedanken. Seiner Überzeugung nach würde jedes intelligente Wesen irgendwann Weltraumfahrt betreiben. Der Vater der Weltraumfahrt (X): »Denn das ist das Ziel: Dem Leben jeden Platz zu erobern, auf dem es bestehen und weiter anwachsen kann, jede unbelebte Welt zu beleben und jede lebende sinnvoll zu machen.«

Foto 13: Mein »Erstling«
Mit anderen Worten: Wenn sich der Mensch nicht vorher selbst auslöschen wird, wird er irgendwann interstellare Raumfahrt betreiben. Vielleicht werden sich Menschen selbst auf den Weg ins All machen. Vielleicht werden sie Vertreter entsenden, Wesen mit künstlicher Intelligenz. Vielleicht wird es Möglichkeiten geben, von denen wir heute nicht zu träumen wagen. Vielleicht werden künftige Oberths keine physischen Körper ins All senden, sondern komplexe Systeme aus »Energiefeldern«. Und wenn es dann eines Tages Kontakt geben wird, zwischen den Abgesandten von Planet Erde und den Bewohnern eines fremden Planeten? Dann werden wir die Besucher aus dem All sein. Wie werden wir auf fremden Welten empfangen werden? Ich halte es für sehr gut möglich, dass man uns wiederum mit »Göttern« verwechseln wird, so wie unsere Vorfahren Besucher aus dem All für Götter hielten. In diesem Sinne glaube ich, dass »wir« wirklich wie die Götter sein werden, wie die »Astronautengötter«, die einst zur Erde kamen. Und ich glaube, dass sich auf diese Weise die Intelligenz im gesamten Universum weiter und weiter verbreitet. Denn auch die Wesen, die uns für Götter halten werden, auch diese Wesen werden ihrerseits wieder Raumfahrt betreiben. Und sie werden sich an unseren himmlischen Besuch erinnern.

Fußnoten
(1) Zu Deutsch: „Sag‘ niemals, niemals stirb!“
(2) Das Zitat stammt aus einem CNN-Artikel, der inzwischen nicht mehr online ist.
(3) Kurzweil, Ray: „Menschheit 2.0/ Die Singularität naht“, eBook, 2., durchgesehene Auflage 2014, Pos. 640
(4) ebenda, Position 674
(5) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963, S. 301

Zu den Fotos
Fotos 1-3: Götter? Künstliche Intelligenz. Motive: Sonnentor von Tiahuanaco. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Südseegötter? Künstliche Intelligenz. Fotomontage. Motiv: Statue einer Gottheit, Pohnpei, Mikronesien, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Denkmal für uralte Kontakte mit künstlicher Intelligenz? Motiv: Statue einer Gottheit, Pohnpei, Mikronesien, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Geheimnisvoller Himmel.. geheimnisvolle Götter... Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das spannendste Geheimnis... Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: ... künstliche Intelligenz. Foto bearbeitet vom Verfasser. Fotovorlage Himmel über der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: »Götter« kamen einst in »Himmelsschiffen« zur Erde. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 10 und 11: Indras »Donnerkeil« (2 Varianten). Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Ein »Astronautengott« (Val Camonica, Italien) wird begrüßt. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Cover meines Erstlings mit Astronautengöttern auf dem Cover. Archiv Langbein
 
439 „Und er sprach: Nichts wird euch unmöglich sein.“,
Teil 439 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.06.2018



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Montag, 4. Juni 2018

Serie Teil 4: Vincent van Gogh und Morbus Menière

Bild: Tuna von Blumenstein

Von Liebe, Leid und Dunkelheit


Anständige Mädchen gehen im Hellen nach Hause. Manchmal, gerade in der dunklen Jahreszeit, lässt es sich nicht verhindern, dass ich bei schlechteren Lichtverhältnissen unterwegs bin. Da machen sich die Störungen des Gleichgewichts bei meiner Steh- und Gehmotorik bemerkbar. Das versuche ich natürlich durch erhöhte Aufmerksamkeit wett zu machen. Wenn es mir möglich ist, verlasse ich unebene Bürgersteige und benutze die Straße.

Sie werden sicherlich den Begriff der »wandelnden Dorfzeitschrift« kennen, vielleicht wohnt ja eine solche Person in Ihrer Nachbarschaft. Stellen Sie sich vor, eine solche Person würde mich regelmäßig abends von ihrem Aussichtspunkt betrachten, wie ich mit unsicherem Gang den Heimweg beschreite. Sie würde denken: »Oh Straße, was bist du so wunderlich! Na, Sylvia hat aber wieder ordentlich einen gehoben!« In der Tat kann dieser Eindruck entstehen. Jetzt stellen Sie sich bitte weiter vor, irgendein junger Naiver hätte bei Tageslicht ein interessiertes Auge auf mich geworfen und befragt diese benannte Dorfzeitschrift, ob sie etwas über mich wüsste. Was denken Sie, wie die Antwort ausfallen würde? Richtig: »Lass es bleiben, die Frau trinkt!«

Wahrscheinlich würde ich von einem solchen Gespräch nichts erfahren und was ich nicht weiß, kann mich nicht betrüben. Die theoretische Chance, eine solche Aussage zu revidieren hätte ich schon, wenn ich denn wollte. Jetzt, wo ich auch ärztlich bestätigt nachweisen kann, dass ich an Morbus Menière leide. Das konnte ich aber in den ersten 20 Jahren meiner Erkrankung nicht. Da galt ich als Simulant, war eine Frau, die sich scheinbar auf problematische Art und Weise interessant machen wollte, war auch Sticheleien ausgesetzt und wurde sogar ausgelacht. Gut, Sie haben recht, ich hätte mich auch aus dem kaltschnäuzigen Umfeld entfernen können, zumal ich ja schon früh ahnte, woran ich krankte. Dass es »vom Ohr« kam, war mir klar, außerdem konnte ich die Symptome dank medizinischer Bücher schon zu frühem Zeitpunkt selbst herausfinden. Trotzdem mag ich mich nicht an all die dummen Sprüche und gut gemeinten Ratschläge selbst ernannter Wunderheiler erinnern.

Lassen Sie dieses Gefühl von Verbitterung ruhig weiter auf sich wirken und begleiten Sie mich auf eine Zeitreise in das Jahr 1888 und dort in das südfranzösische Arles. In eine Zeit, zu einem Ort, an dem es keine Telekommunikation, kein Internet, kein Fernsehen gab, aber dafür bestimmt in jedem zweiten Haus eine »wandelnde Dorfzeitschrift«. Erst 16 Jahre vorher hatte der französischer Neurologe Jean-Martin Charcot die Symptome als Menière'sche Erkrankung bekannt gemacht, was sich aber wohl noch nicht in vollem Umfang herumgesprochen hatte.

In Arles hielt sich ein Genie namens Vincent van Gogh auf, der im Oktober des Jahres den Maler Paul Gauguin zu sich einlud, um mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Gauguin hatte der Einladung nur zögerlich nachgegeben. Beide Männer waren religiös orientiert vorbelastet, Vincent van Gogh hatte in Vorzeiten als Hilfsprediger gearbeitet, sich aber zu dem Zeitpunkt von der Amtskirche abgewandt. Paul Gauguin hatte in der Internatsschule den Bischof Félix Dupanloup als Lehrer, der ihn in katholischer Liturgie und Philosophie unterrichtete.

Beiden Männern dürfte das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5 also die Bergpredigt bekannt gewesen sein: »Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.«

Es ist nie geklärt worden, warum sich Vincent van Gogh bei einem Streit mit Paul Gauguin ein Stück seines Ohres abschnitt. Für mich, als Menière Patientin ist diese Angelegenheit allerdings völlig klar. Was, wenn Paul einen Anfall bei Vincent miterlebt, ihn vielleicht während eines Anfalles aufgefunden hat? Davon ausgegangen ist, dass Vincent, wie ja allgemein bekannt war, was jede Dorfzeitschrift wusste, dem Absinth wieder zugesprochen hat? Was, wenn Vincent, geschwächt durch die Anfälle, verzweifelt mitteilte: »Es kommt vom Ohr!« Und Paul darauf den dummen Spruch setzte: »Dann schneide es doch ab!«

...
Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife (1889)
hat vincent geschwindelt
war er ein bruder im leid

ich weiß es nicht
aber was ich weiß
hätte mir jemand am ende
meiner zwei jahrzehnte menière gesagt
wir müssen das ohr abschneiden
hätte ich gesagt
macht das
hauptsache
es hört auf …

Für Vincent folgte eine Zeit der Aufenthalte in Krankenhäusern und Nervenheilanstalten.

Im Mai 1890 reiste Vincent van Gogh nach Auvers. Er ist Gast von Dr. Gachet, in dessen Tochter sich Vincent verliebt. Diese Liebe wird ihm von dem Vater der Frau verboten. Warum wollte Dr. Gachet Vincent nicht zum Schwiegersohn? Vielleicht, weil die Dorfzeitungen es von den Dächern pfiffen, dass Vincent in der Dunkelheit betrunken durch die Gassen stolpert?

Auch in Auvers blieb Vincent nicht von Anfällen verschont. Wieder kann ich mich der gängigen Meinung nicht anschließen, kein Liebeskummer kann einem Menière Anfall in der Qualität der meinen das Wasser reichen. Unterstelle ich, dass Vincent mindestens so gebeutelt wurde wie ich, wird er, so wie ich auch, irgendwann den Entschluss gefasst haben: »Dieser Anfall war definitiv der letzte«. Mir wurde die Gnade erteilt, bei meinem Hausarzt die Überweisung zur Gentamycin Behandlung abzuholen. Vincent wird sich die Schusswaffe besorgt haben. Wo ich mir auch sicher bin: Vincent hat das Leben trotz allem geliebt, wird, wie ich auch, immer wieder gehofft haben, dass dieser Anfall nicht so heftig ausfällt wie die vorhergehenden. Sie fragen sich, wieso ich das so bestimmt schreiben kann? Nun, Vincent hat zu lange gewartet, bevor er abdrückte. Und so kommt es, dass er als verzweifelter Versager in die Geschichte einging, der es noch nicht einmal schaffte, sich richtig zu erschießen. Glauben Sie mir eins: Es wäre ein großes Glück im Unglück gewesen, wenn er den Schuss richtig gesetzt hätte, aus meiner Sicht bei einem Menière Anfall ein fast unmögliches Unterfangen.

Für Ihre Aufmerksamkeit danke ich Ihnen und vielleicht ist es mir gelungen, einen Denkanstoß zu geben, wer Vincent van Gogh verstehen will, sollte auch Morbus Menière in seine Überlegungen einbeziehen.

Ihre



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Sonntag, 3. Juni 2018

437 „Der steinerne Riese von Thelitz“

Teil 437 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein



Weltweit zeigen Museen nur einen Bruchteil ihrer „Schätze“. Bei der Materialfülle fehlt einfach der Platz, um alle Objekte ständig in Vitrinen zur Schau zu stellen. Es muss also immer eine Auswahl getroffen werden. Gezeigt wird in der Regel nur, was mit der gängigen Lehrmeinung im Einklang steht. Funde, die belegen könnten, dass es lange vor unserer Zivilisation bereits andere Zivilisationen gegeben haben muss (1), fristen in der Regel ein armseliges Dasein in staubigen Depots.

Michael Cremo (2), aber auch Reinhard Habeck (3), beweisen in ihren Sachbüchern, dass es tatsächlich in den Depots, aber auch (seltener) in den Vitrinen der Museen wirklich „mysteriöse Schätze“ gibt, „Funde versunkener Welten“, die so ganz und gar nicht ins Weltbild der klassischen Schulwissenschaften passen und daher gern verdrängt und verschwiegen werden.

In den vermeintlich hoch wissenschaftlichen Publikationen der Professoren werden sie, wenn überhaupt, nur selten erwähnt.

Foto 1: Emil Langbein
Manches archäologische Artefakt findet erst gar nicht den Weg in ein Museum. So ein Objekt ist der mysteriöse steinerne Riese von Thelitz, der bis heute verschollen ist. Zeuge für den ungewöhnlichen Fund ist mein Großvater väterlicherseits Emil Langbein. Vorab einige Informationen zu Emil Langbein aus neutraler Quelle. Herbert Perzel schreibt in seinem Werk „800 Jahre Michelau in Oberfranken/ Vergangenheit und Gegenwart einer fränkischen Gemeinde“ (4):

„Unsere Ordnungshüter. … Sein Nachfolger wurde Hauptwachtmeister Emil Langbein, geboren am 1. Juni 1888 in Ebersdorf bei Ludwigstadt, der 1938 zum Kommissär befördert wurde. Er mußte die Station durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre führen. … Zwischendurch wechselte die Station ihren Leiter, nachdem der mittlerweile zum Oberkommissar der Landpolizei beförderte, verdienstvolle Amtsvorsteher Emil Langbein nach 17 Jahren Dienstzeit in Michelau am 1. Juni 1953 in den Ruhestand trat.“

Und weiter (5): „Emil Langbein konnte seinen Ruhestand wahrlich genießen, verstarb er doch erst am 3. Mai 1983 im Alter von fast 95 Jahren.“

Emil Langbein versah zuletzt seinen Polizeidienst in Michelau in Oberfranken am Main. Michelau liegt im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels im nördlichen Bayern. Das mysteriöse Objekt wurde in Thelitz entdeckt. Thelitz gehört wie das Dorf Michelau (Einwohnerzahl 6474) zum Landkreis Lichtenfels. Thelitz wurde 1978 dem beschaulichen kleinen Städtchen Hochstadt (Einwohnerzahl 1645) einverleibt. 1987 wurden in Thelitz 47 Einwohner in 11 „Wohngebäuden mit 11 Wohnungen“ gezählt. Die Einwohnerzahl dürfte seither weiter gesunken sein.

Foto 2: Emil Langbein in Uniform
Nachfolgend nun das Protokoll meines Gesprächs mit Emil Langbein, das ich im Frühjahr 1977 führte.

Frage (WJL): „Wie wurdest Du auf den mysteriösen Fund von Thelitz aufmerksam?“
Emil Langbein (EM): „Im Jahr 1932 wurden bei Thelitz Erdlöcher ausgehoben, um massive Betonsockel für Strommaste zu gießen. In einer Tiefe von etwa zwei Meter stießen Arbeiter in einer dieser Gruben auf einen steinernen Riesen. Sie wussten nicht so recht, was sie mit dem Koloss anfangen sollten, also meldeten sie den Fund der zuständigen Polizei, in Michelau.“

WJL: „Daraufhin wurdest Du aktiv?“
EL: „Richtig. Zusammen mit einem Oberwachtmeister machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Die Entfernung betrug knapp sechs Kilometer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Nachricht vom „versteinerten Riesen“ bereits herumgesprochen. Viele Menschen strömten aus den umliegenden Dörfern nach Thelitz.“

WJL: „Was hast Du vor Ort in Thelitz unternommen?“
EL: „Ich fand, wie gesagt, eine offene Grube von etwa zwei Meter Tiefe vor. Zahllose Neugierige umsäumten das Loch. Es bestand die Gefahr, dass jemand in die Grube stürzte. Ich ließ eine behelfsmäßige Absperrung um das Loch errichten, um die Neugierigen ein Stück auf Abstand zur Grube zu halten.“

WJL: „Gab es tatsächlich einen versteinerten Menschen in der Grube?“
EL: Ich sah eine Figur in Menschengestalt am Boden der Grube. Sie war etwa 2,40 Meter groß. Einzelne Körperpartien waren sehr naturgetreu ausgeprägt, sogar die Fingernägel fehlten nicht. Merkwürdigerweise wies die Gestalt jedoch keine Geschlechtsmerkmale auf, auch fehlte jeder Haarwuchs. Der Gedanke an eine Statue zerschlug sich schnell, denn man fand weder einen Sockel noch eine Haltevorrichtung.“

WJL: „Was geschah dann?“
EL: „Ein Amateurarchäologe aus der Umgebung von Thelitz erklärte den Fund kurzerhand für archäologisch wertlos. Die Folge: Man beließ den steinernen Riesen im Erdloch und errichtete über ihm einen Betonklotz als Basis für den Elektrizitätsmast.“

Foto 3: Von links nacht rechts... Herty Langbein (meine Mutter), Emil Langbein, Tante Friedel Bär, ich (im grauen Pullover), rechts außen Onkel Rudi Bär, vorn mein Bruder Volker, ganz hinten (weitestgehend verdeckt), mein Großvater (mütterlicherseits) Heinrich Gagel.

WJL: „Warum hat man den Riesen nicht aus der Grube gehoben?“
EL: „Wie gesagt: Der Hobbyarchäologe hielt das für sinnlos. Außerdem drängte die Arbeit. Termine mussten eingehalten werden.“

WJL: „Der steinerne Riese von Thelitz blieb also im Loch?“
EL: „Genau! Ob die Figur zerschlagen wurde, oder ob man sie ganz ließ, weiß ich allerdings nicht. Zu diesem Zeitpunkt war ich wieder auf Dienstgang unterwegs.“

Foto 4: Die mysteriöse Figur...
Das Gespräch führte ich mit meinem Großvater Emil im Frühjahr 1977. Im gleichen Jahr interessierte sich ein Mitarbeiter der Redaktion des „Perry Rhodan-Report“ für den Fall und recherchierte vor Ort. Im „Perry Rhodan-Report“ Nr. 21 (6). Im Verlauf der folgenden Jahre unterhielt ich mich noch so manches Mal über den mysteriösen Fund von Thelitz. Bis zu seinem Tod erinnerte sich mein Großvater noch sehr genau. Er bedauerte es sehr, dass „Der steinerne Riese von Thelitz“ nicht aus der Grube geholt wurde. „Man hätte ein Gestell über der Grube errichten, einen Flaschenzug anbringen müssen. Das hätte die Arbeiten aber verzögert, was die Bauleitung ablehnte.“

Der kurze Bericht im „Perry Rhodan-Report“ endet mit den Worten (7): „Man muß sich fragen, mit wie vielen Relikten aus der Vergangenheit, die wertvolle Hinweise geben könnten, ähnlich verfahren wurde.“ Das muss man sich wirklich fragen!

Wie viele Statuen, wie viele rätselhafte Figuren mögen noch vergraben darauf warten, entdeckt zu werden? Auf der Osterinsel ruhen mit Sicherheit noch viele der berühmten Kolosse im Erdreich. Und so manche Figur aus uralten Zeiten verrottet vor unseren Augen, etwa jene mysteriöse Gestalt am Münster zu Hameln. Bereits anno 1838 (oder 1848) wurde außerhalb von Holzgerlingen, Landkreis Böblingen, angeblich in der Flur »Schützenbühl« eine Steinstatue gefunden. Sie wurde aus einem Sandsteinblock heraus gemeißelt. Das Material ist grobkörnig und von gelblich-grauer Farbe.Nach einer mir vorliegenden Beschreibung ist die Figur 2,30 Meter groß, 30 Zentimeter breit und 20 Zentimeter dick. Die Oberarme liegen seitlich am Körper an, der rechte Arm ist angewinkelt. Die Hand greift waagrecht über den Körper zur Seite hin. Arme und Hände sind gut ausgearbeitet, der Rest des Körpers wirkt eher wie eine Säule mit Gürtel.

Die »Kleidung« scheint der Riese nicht zu tragen. Es ist möglich, dass ursprünglich Kleidungsstücke aufgemalt waren. Die Farben sind aber im Verlauf der vergangenen 2.500 Jahre verschwunden. Mysteriös mutet an: Die Figur ist doppelgesichtig, blickt also nach vorn und zurück. Laut »Landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg (8)« trägt die »doppelgesichtige, überlebensgroße Stele aus Holzgerlingen eine sogenannte Blattkrone, die an die berühmte Statue des ›Fürsten‹ vom Glauberg in Hessen erinnert.«

Die »Blattkrone« musste ergänzt werden. Eines der an Hasenohren erinnernden Zacken musste von Experten ergänzt werden. Offenbar war es schon bei Auffinden der Figur im 19. Jahrhundert abgebrochen. Im Gegensatz zum »Fürsten« von Glauberg handelt es sich bei der Statue von Holzgerlingen nicht um einen heroisierenden Ahnen, (9) »sondern eher eine nicht genauer identifizierbare keltische Gottheit«. Stand sie einst im Freien? Oder wurde sie in einem überdachten Tempel verehrt? Wurde sie vielleicht zu Zeremonien herumgetragen? Wir wissen es nicht.

Ich konnte keine näheren Angaben über den exakten Ort in Erfahrung bringen, wo und unter welchen Umständen man die Statue gefunden hat. Musste sie ausgegraben werden? Gab es im direkten Umfeld der Figur weitere Gegenstände, die uns weitere Informationen über die Figur von Holzgerlingen geben könnten? Auch dazu habe ich keine Hinweise finden können.

Meiner Meinung nach könnte es sich bei dem steinernen Riesen von Thelitz auch um eine keltische Kultfigur gehandelt haben. Die Haltung der Arme stimmt wohl bei beiden Figuren überein. Beide Figuren scheinen unbekleidet zu sein, Geschlechtsmerkmale sind aber keine zu erkennen. Schließlich darf ich daran erinnern: Der Fundort des steinernen Riesen von Thelitz liegt im Einzugsbereich der alten Keltenfestung auf dem Staffelberg. Ist der steinerne Riese von Thelitz also ein Kelte, vielleicht gar ein keltischer Gott?

Foto 5: ... am Hamelner Münster ...
Fußnoten
1) Cremo, Michael A.: „Forbidden Archeology”, San Diego 1993
Cremo, Michael A.: „Verbotene Archäologie/ Sensationelle Funde verändern die Welt“, Essen 1994
2) Cremo, Michael A.: „Verbotene Archäologie. Die verborgene Geschichte der menschlichen Rasse“, 5. Auflage, Rottenburg, Januar 2017
Hinweis: Es gibt ältere Ausgaben dieses Buches in deutscher Übersetzung. Aber nur diese deutsche, bei Kopp erschienene Version gibt den kompletten Inhalt des Originals wieder.
3) Habeck, Reinhard: „Mysteriöse Museumsschätze/Rätselhafte Funde versunkener Welten“, Wien 2017
Hinweis: Reinhard Habeck hat eine Buchreihe verfasst über Dinge, die es nicht geben dürfte. „Dinge, die es nicht geben dürfte“, „Bilder, die es nicht geben dürfte“, „Kräfte, die es nicht geben dürfte“, „Wesen die es nicht geben dürfte“. Diese profunden Werke sind alle sehr zu empfehlen.
4) Gemeinde Michelau i.Obfr. (Herausgeber): „800 Jahre Michelau in Oberfranken/ Vergangenheit und Gegenwart einer fränkischen Gemeinde“, „Schriften des Deutschen Korbmuseums Michelau Nr. 3“, Michelau 1994, Seite 132, rechte Spalte unten und Seite 133, linke Spalte oben
5) ebenda, Seite 133, linke Spalte unten
6) „Perry Rhodan-Report“ Nr. 21, Seite XIV, erschienen in „Perry Rhodan“ Nr. 832, „Station der MVs“, München/ Rastatt August 1977
7) ebenda, die Rechtschreibung wurde nicht gemäß der Rechtschreibreform korrigiert, sondern belassen.
(8) https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/lmw_museumsobjekte/98/Stele+aus+HolzgerlingenKapitel (Stand 20.06.2018)
(9) Ebenda

Foto 6: Sie ist und bleibt ein Rätsel

Zu den Fotos:
Foto 1: Mein Großvater Emil Langbein bei einem Familienausflug. Foto Walter Langbein sen.
Foto 2: Emil Langbein in Polizeiuniform. Foto: Archiv Langbein
Foto 3: Familienausflug mit Emil Langbein. Foto Walter Langbein sen.
Foto 4: Die mysteriöse Figur am Hamelner Münster … Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: … rottet vor sich hin. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Sie ist und bleibt ein Rätsel. Foto Walter-Jörg Langbein

438 „Werden wir sein wie die ‚Götter‘?“,
Teil 438 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 10.06.2018




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