Sonntag, 25. Oktober 2020

562. »Vom assyrischen Baum des Lebens zum jüdischen ›Buch der Schöpfung‹«

Teil 562 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Zweiundzwanzig Grundbuchstaben: drei
Mütter, sieben doppelte und zwölf einfache.«
(1)


Foto 1: Geflügelte Genien hantieren am »Baum des Lebens«,
assyrisches Relief.
  
  
Auf sumerischen Rollsiegeln, aber auch auf assyrischen Reliefs taucht immer wieder ein seltsames Motiv auf. Im Zentrum steht ein »Baum des Lebens«. Rechts und links davon sind zwei geflügelte Wesen dargestellt, die sich am »Baum des Lebens« zu schaffen machen. Was genau tun diese seltsamen Kreaturen? Sie scheinen etwas aus dem »Baum des Lebens« heraus zu nehmen. Oder fügen sie etwas zu? Sie verändern etwas. Sie manipulieren. Leider gibt es keine erklärenden Texte zu den mysteriösen Darstellungen, die vor Jahrtausenden entstanden. Kein Künstler sah sich damals genötigt, eine Bildunterschrift anzufügen. Verstanden die Künstler vielleicht selbst nicht, was sie darstellten? Illustrierten sie uralte Mythologie, deren Sinn sie nicht zu begreifen in der Lage waren? Interpretieren wir heute, Jahrtausende später, die Darstellungen richtig?

Der geheimnisvollste Text, der mir jemals begegnet ist, beginnt mit einer Entstehungsgeschichte der alten jüdischen Geheimlehre, genannt Kabbala. »Sefer Jesirah« (andere Schreibweisen:  Sepher Jesirah, Sepher Yetzirah, Sefer Jetzira) wird gewöhnlich mit »Buch der Schöpfung« übersetzt. »Sefer Jesirah« liegt inzwischen in diversen Übersetzungen vor, ist aber kaum verständlicher als das bis heute nicht entschlüsselte »Voynich-Manuskript« (2). Auch weichen Übersetzungen manchmal in zentraler Aussage deutlich voneinander ab.

Fotos 2 und 3 : Mysteriöse Gestalten aus dem
»Voynich-Manuskript«.

Das Manuskript wird seit 1969 unter Katalognummer »MS 408« im Bestand der »Beinecke Seltene Buch- und Manuskriptbibliothek« der Yale University verwahrt. Wilfrid Michael Voynich (*1865; †1930) hat seinem Bekunden nach das mysteriöse Werk  anno 1912 in der »Villa Mondragone«, dem Jesuiten-Kolleg in Frascati unweit von Rom entdeckt. Seither wurden zahlreiche Versuche unternommen, das reich bebilderte Manuskript zu übersetzen und zu interpretieren.

Nach wie vor umstritten ist, wann das »Voynich-Manuskript« entstanden ist. 1962 kam ein Expertenteam zum Ergebnis der Text sei nach Schreibstil und Material »um 1500 n.Chr.« verfasst worden (3). Fast vierzig Jahre später, anno 2009, haben wissenschaftliche Institute in Chicago und Arizona winzige Proben von vier verschiedenen Seiten mit der Radiokarbonanalyse datiert. Ergebnis: das verwendete Pergament stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Zeit zwischen 1404 und 1438. Die Tinte stammt offensichtlich auch aus dieser Zeit.

Auch wenn sogenannte Skeptiker das Voynich-Manuskript gern für eine neuzeitliche Fälschung halten, so hat das mit der Realität nichts zu tun. Das Manuskript ist rund ein halbes Jahrtausend alt (5).

Je gründlicher sich Wissenschaftler mit dem Voynich-Manuskript beschäftigen, desto mysteriöser wird’s! Russische Wissenschaftler publizierten erstaunliche Erkenntnisse. Nach Yuri Orlov und Team vom »Keldysh Institut für angewandte Mathematik an der Russischen Akademie der Wissenschaften« in Moskau wurde das seltsame Manuskript in mehreren Sprachen verfasst (6):

Foto 4: Geflügelte Wesen manipulieren den »Baum des Lebens«.

»Demzufolge wurde der kodierte Text des Voynich-Manuskripts zu rund 60 Prozent in Deutsch oder Englisch und zu 40 Prozent in einer romanischen Sprache, etwa Latein, Italienisch oder Spanisch, verfasst. Dass es sich dennoch bisher als unknackbares Buch mit sieben Siegeln erwies, liegt nach Ansicht von Orlov daran, dass der Text keine Vokale enthält und die ursprünglichen Leerzeichen durch neue, an anderer Stelle gesetzte Lücken ersetzt worden waren.« Ein Text ohne Vokale? Das wäre ein deutlicher Hinweis auf den Urheber: das »Alte Testament« der Bibel wurde, wie auch – zum Beispiel – die legendären Texte der Qum-Ran-Höhlen, in einer Konsonantenschrift ohne Vokale verfasst.

Arthur Tucker, ein emeritierter Botaniker von der US-amerikanischen »Delaware State University«, und Rexford Talbert, ein pensionierter »Pentagon- und NASA-Informatiker« haben sich des Voynich-Manuskripts angenommen und sind zu irritierenden Erkenntnissen gekommen (7): »Ihnen war aufgefallen, dass es Ähnlichkeiten zwischen Pflanzendarstellungen im Voynich-Manuskript und Illustrationen in mexikanischen Werken des 16. Jahrhunderts gibt. So stellten sie große Übereinstimmungen mit Zeichnungen aus dem 1552 erschienen Codex Cruz-Badianus fest – einer Beschreibung von Heilpflanzen, die von den Azteken in Mexiko verwendet wurden. Im botanischen Fachblatt ›Herbal Gram‹ identifizieren die Forscher insgesamt 37 von 303 Pflanzen, sechs Tiere und ein Mineral. Und sie wollen in so manchen Pflanzenbezeichnungen Worte gefunden haben, die auf das Nahuatl, die Sprache der Azteken, und Mixtekisch zurückgehen.«

Tatsächlich ist das Voynich-Manuskript kein Buch nach unserem Verständnis, sondern ein Kodex.

Foto 5: Der assyrische
»Baum des Lebens«.
Die Erkenntnisse russischen Forscher lassen befürchten, dass das Voynich-Manuskript so einfach nicht zu übersetzen sein wird (8): »Nach einer statistischen Analyse des Textes glauben russische Experten, dass er folgendermaßen verschlüsselt ist: Vokale und Leerzeichen werden aus dem Text entfernt. Die Symbolsammlung wird in einem neuen Text zusammengefasst, der zuvor mit Leerzeichen versehen wurde. Sie schätzen, dass etwa 60 Prozent des Textes in Englisch oder Deutsch verfasst sind und der andere Teil in einer der romanischen Sprachen – möglicherweise Italienisch oder Spanisch oder sogar Latein.«

Die zahlreichen Illustrationen legen die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Werk um ein wissenschaftliches Kompendium handelt, das eine ganze Reihe von Themen abhandelt, nämlich von A wie Arzneimittelkunde bis Z wie Zodiak (Tierkreiszeichen). Die Sterngruppe Taurus soll  thematisiert worden sein. Warum? Pflanzenheilkunde und Frauenheilkunde scheinen zum breiten Spektrum zu gehören. Und dann gibt es seltsame Darstellungen von nackten Frauen in »Bottichen«, die untereinander mit einem recht technisch wirkenden Röhrensystem verbunden sind. Auf einer anderen Illustration scheinen sechs nackte Frauen auf einer Rutsche in ein muschelförmiges Becken zu gleiten. Eine weitere Frau sitzt auf dem Beckenrand.

Rätselhaft sind auch Darstellungen von Pflanzen, die bislang niemand identifizieren kann, und merkwürdige Fabelwesen, furchteinflößende Mischwesen. Eine kraftstrotzende Kreatur hat einen Hals und drei monströse Köpfe. Schade, dass man bis heute die begleitenden Texte nicht zu lesen vermag. Erst durch erklärende Texte würden die zum Teil obskuren Bilder verständlich. Gewiss, es heißt, ein Bild würde mehr aussagen als 1.000 Worte. In unseren Kirchen gibt es unzählige Darstellungen christlicher Themen. Wir verstehen sofort die Bedeutung solcher Bilder. Dabei vergessen wir, dass wir die Bedeutung dieser sakralen Kunstwerke nur erkennen, weil wir die Geschichten, die sie vermitteln sollen, bereits kennen.

Wenn wir auf einem Gemälde eine Stallszene sehen, bei der Ochsen und Esel ein Baby in einer Krippe umringen, dann wissen wir, dass es um die Weihnachtsgeschichte geht. Wir erkennen auch Maria, die Mutter Jesu und Joseph den Ehemann Marias. Wir wissen, warum die Hirten auch dabei sind. Hat aber jemand noch nie die Weihnachtsgeschichte gehört, dann mag ihm das Idyll gefallen. Worum es aber konkret geht, das erschließt sich dem Unwissenden nicht. Das Bild allein genügt nicht, es sagt weit weniger aus als 1.000 Worte.

Die Weihnachtsgeschichte ist in unseren Breiten noch sehr gut bekannt. Deshalb werden keine geschriebenen Worte benötigt, um entsprechende Darstellungen der Szenerie im Stall zu Bethlehem zu begreifen. Andere religiöse Darstellungen aus der Glaubenswelt des Christentums werden schon seltener, auch wenn sie nach wie vor zum katholischen Volksglauben gehören, erkannt. Beispiel: Im idyllischen Holzkirchen, südöstlich von München gelegen, lebt der christliche Volksglauben noch. An der einstigen Poststation sehen wir am Eck ein riesiges Gemälde. Das besonders schöne Beispiel der Lüftlmalerei zeigt einen riesenhaften bärtigen Menschen. Der Mann scheint schon älter zu sein, Bart und Haupthaar sind schlohweiß. Auf der rechten Schulter des Mannes sitzt ein kleines Kind. Der Mann hält fest einen gewaltigen Baumstamm in beiden Händen. Er steht am Rande eines Gewässers. Wer die fromme Legende, die das Bild ohne Worte erzählen soll, nicht kennt, dem kann das Bild nicht wirklich etwas erzählen.

Man benötigt eben doch Worte, um zu verstehen, was ein Gemälde zeigen soll. Bei dem Riesen handelt es sich um den Heiligen Christophorus. Folgen wir der Spur des Christophorus. Sie führt sie uns in die Türkei. Bereits anno 454 gab es in Chalkedon, heute ein Stadtteil von Ístanbul, eine dem Christophorus geweihte Kirche. Vermutlich ist der Heilige Christophorus, der heute die Autofahrer beschützen soll, ein alter heidnischer Gott aus vorchristlichen Zeiten im christlichen Gewand. Christophorus soll ursprünglich ein menschenfressendes, hundsköpfiges Monster gewesen sein. 

Foto 6: Heiliger Christophorus/
Lüftelmalerei,
Holzkirchen (bei München).
Foto und Copyright: Heidi Stahl.
Durch die auf »wundersame Weise erhaltene Taufe« wurde aus dem stummen Riesen Probus oder Reprobus der Heilige Christophorus, ein wortgewandter Missionar für den christlichen Glauben. Groß war sein Wunsch, sich nützlich zu machen. So wurde er schließlich Fährmann ohne Boot. Dank seiner riesenhaften Größe konnte er den tiefsten Fluss durchwaten. Eines Tages wollte ein kleines Kind über den Fluss getragen werden. Christophorus nahm es auf eine Schulter und machte sich auf den Weg. Von Schritt zu Schritt wurde das kleine Kind immer schwerer. Christophorus wäre fast unter der Last ertrunken. Er schafft es aber mit Müh‘ und Not ans andere Ufer. Dort spricht der Riese zum Kind: »Du … bist auf meinen Schultern so schwer gewesen: hätte ich alle diese Welt auf mir gehabt, es wäre nicht schwerer gewesen.« Das Kind antwortet: »Des sollst du dich nicht verwundern, Christophore; du hast nicht allein alle Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat. Denn wisse, ich bin Christus, dein König, dem du mit dieser Arbeit dienst.«

Nur wenn man diese Legende kennt, dann spricht die stumme Lüftelmalerei von Holzkirchen zum Betrachter. Nur dann erkennt man, was die Malerei zeigt: den heiligen Riesen Christophorus (Heiligenschein!) mit dem Jesuskind auf der Schulter. Der Riese macht sich bereit zum ersten Schritt in den Fluss. Das Jesuskind hält die Welt in der rechten Hand.

Assyrische und sumerische Darstellungen bieten geflügelte Wesen, die am Baum des Lebens Eingriff vorzunehmen scheinen. Das Voynich-Manuskript bleibt bis heute rätselhaft, da unübersetzt (unübersetzbar?) und voller rätselhafter Illustrationen. Der Christophorus von Holzkirchen beweist: Bilder sind oft nur mit verständlichem Text verständlich. Das Voynich-Manuskript beweist: Bilder ohne erklärende Texte können vollkommen unverständlich bleiben. Und das mysteriöse Werk »Sefer Jezira« beweist, dass auch übersetzbare Texte rätselhaft bleiben können: »Zweiundzwanzig Grundbuchstaben: drei Mütter, sieben doppelte und zwölf einfache.«

Fußnoten
(1) Goldschmidt, Lazarus: »Sefer Jesirah/ Das Buch der Schöpfung«, Frankfurt 1894, »Zweiter Abschnitt I«
(2) Roitzsch, Erich H. Peter: »Das Voynich-Manuskript. Ein ungelöstes Rätsel der Vergangenheit«, Münster , 2. Auflage 2010
Schmeh, Klaus: »Codeknacker gegen Codemacher/ Die faszinierende Geschichte der Verschlüsselung«, Herdecke, 2. Auflage
(3) James, Peter und Thorpe, Nick: »Keilschrift, Kompass, Kaugummi«, München 1998 (Siehe: Kapitel 11., »Kommunikation«!)
(4) Schulz, Roland: »Das Rätselbuch«, » Süddeutsche Zeitung Magazin«, Nr. 17 vom 26. April 2013, S. 41.
(5) »Ein Schleier weniger über dem Voynich-Manuskript«, »Der Standard«, 4. Dezember 2009.
Schmeh, Klaus: »Neue Datierung des Voynich-Manuskripts sorgt für Aufsehen«, »Telepolis«. 31. Januar 2010.
(6) https://www.derstandard.at/story/2000056628752/das-voynich-manuskript-wurde-in-mehreren-sprachen-verfasst (Stand 10.07.2020)
(7) Krichmayr, Karin: »Spurensuche im Voynich-Code«, »Der Standard«, »Wissenschaft«, 07.02.2014. https://www.derstandard.at/story/1389859697159/spurensuche-im-voynich-code (Stand: 10.072020)
(8) Goldman, Eleonora: »Russian scholars unlock the secret of the mysterious Voynich manuscript«, »Russia Beyond«, »Science & Tech«, 20. 04.2017, https://www.rbth.com/science_and_tech/2017/04/20/russian-scholars-unlock-the-secret-of-the-mysterious-voynich-manuscript_746881
(Stand 10.07.2020)

Zu den Fotos
Foto 1: Geflügelte Genien hantieren am »Baum des Lebens«, assyrisches Relief, British Museum. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 2 und 3 : Mysteriöse Gestalten aus dem »Voynich-Manuskript«. Fotos wiki commons/ gemeinfrei/ Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Geflügelte Wesen manipulieren den »Baum des Lebens«. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der assyrische Baum des Lebens. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Heiliger Christophorus/ Lüftelmalerei Holzkirchen (bei München). Foto und Copyright: Heidi Stahl.


563. »Buchstaben und Schöpfung«,
Teil 563 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01. November 2020



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Sonntag, 18. Oktober 2020

561. »Von der Magie des göttlichen Namens«

Teil 561 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Uns sind die Legenden
ein Quell historischer Erkenntnis.«
Rabbi Judah Bergmann (1)

Foto 1: Buchstabenmagie der Kabbala.

Das kleine Schwarzweißfoto ist verblasst. Eine Ecke fehlt. Zu sehen ist ein kleines Sandsteinhäuschen. An einer Ecke wagt sich zaghaft etwas Efeu empor.  Auf der Rückseite ist, kaum noch leserlich, ein Datum notiert: 10. November 1938. Der vornehme alte, etwas hagere Herr lächelt. Er erzählt vom 10.November 1938, vom Tag nach der »Reichskristallnacht«. Hunderte Synagogen und Betstuben sind in dieser schrecklichen Nacht abgebrannt. Mehrere hundert Juden wurden ermordet.

Die kleine Synagoge, im frühen 18. Jahrhundert in einem Städtchen in Franken gebaut, blieb verschont. Die Männer der SA, so erfahre ich, verzichteten darauf, die Synagoge in Brand zu stecken. Sie befürchteten ein Übergreifen der Flammen auf das Städtchen.

Traurig erzählt mir der alte Herr, immer wieder stockend, dass die SA-Männer die Juden des Orts zwangen, ihre Synagoge leerzuräumen und Schriften, Möbel und alles, was irgendwie abtransportiert werden konnte, auf einer Wiese außerhalb des Städtchens zu verbrennen. In einem Zwischenboden über dem Toraschrein wurde, so flüsterte mir der ehrwürdige alte Herr zu, ein kurzer handschriftlicher Kommentar gefunden. Im Text, da ist sich der einstige Gehilfe eines Rabbi sicher, erklärte »die magische Bedeutung der hebräischen Konsonanten«.

Der Text, bei weitem nicht vollständig, bot keine sensationellen Enthüllungen. Vielmehr behandelte er die seit vielen Jahrhunderten zumindest eingeweihten Kennern des Judentums bekannte magische Wirkung der alten Buchstaben. Einzelne Kombinationen einiger weniger Buchstaben galten in der alten Geheimlehre der Kabbala als besonders starker Zauber. Der alte Mann schweigt. Dann fährt er fort: »Ich weiß, im Zentrum des Textes stand die Erschaffung eines Golem mit Hilfe des Gottesnamens.«

Foto 2: »sefer jezira«
oder »Buch des Lebens« (Cover)
Dr. Julius Judah Bergmann (*1874; †1956) studierte von 1893 bis 1897 am Rabbinerseminar in Wien. Dort legte er das Rabbinerexamen ab. Anno 1897 promovierte er zum Dr. phil. an der Universität Wien. 1919 gehörte er zu den Gründern der »Freien Jüdischen Volkshochschule« von Berlin. 1934 gelang ihm noch rechtzeitig mit seiner Frau und seiner jüngsten Tochter die Flucht nach Palästina. In Jerusalem wurde er Rabbiner am »Hadassah-Hospital« und an der tschechischen Synagoge in Jerusalem. Sein Werk »Die Legenden der Juden« bietet eine erstaunliche Fülle an Material über die zum Teil mysteriösen Überlieferungen der Juden. Über den Golem lesen wir (2):

»Das Höchste, das die kabbalistischen Wundertäter vollbringen konnten, war die Schöpfung lebender Wesen. Der hohe R(abbi) Löw zu Prag schuf ein Gebilde aus Lehm, einen Golem, legte ihm den Gottesnamen in den Mund und hauchte ihm Leben ein. Der Golem wurde der Diener des Rabbi. Jedesmal vor Sabbatbeginn nahm R(abbi) Löw den Gottesnamen aus dem Munde seines Dieners. Einmal vergaß er das zu tun, und der Diener begann, während der Meister im Gotteshause weilte, alles zu zerstören. Darauf eilte R(abbi) Löw aus der Synagoge und nahm den Gottesnamen aus dem Munde seines Dieners. Der Golem war tot und zerfiel zu Staub.«

Rabbi Löw, eigentlich Jehuda ben Bezal’el Löw von Prag (*1512-1525; † 17. September 1609 in Prag), war ein geradezu legendärer Rabbiner, Talmudist, Prediger und Philosoph. Er gilt, so überliefert es die Legende, als der Schöpfer des mythischen Golem von Prag. Auf ihn nimmt Gustav Meyrinks Roman »Der Golem«, 1915 in Leipzig erschienen, Bezug. Der expressionistische deutscher Stummfilmilm »Der Golem, wie er in die Welt kam« von Paul Wegener und Carl Boese erzählt die geheimnisvolle Geschichte von Rabbi Löws künstlichem Monster.

Das alte Herr steckt das vergilbte Schwarzweißfoto der kleinen Synagoge wieder in eine Brusttasche seines Jacketts. »Rabbi Löw war aber der Legende nach nicht der einige, der Golems schuf!«, erklärt er mir. Er hat einiges zu erzählen. Ich lausche gebannt seinen Worten und mache mir Notizen.

Rabbi Elijah Ba'al Shem von Chełm (*1550; †1583) war als Oberrabbiner von Chelm hoch angesehen. Sein Ruf als Kenner der Geheimlehre der Kabbala war legendär. Besonders gründlich soll der Oberrabbiner das »Buch der Schöpfung« studiert haben. Schließlich sei es dem gelehrten Mann gelungen, einen künstlichen Menschen zu schaffen.

Dr. Julius Judah Bergmann schreibt (3): »R(abbi) Jakob Emden berichtet im Namen seines Vaters, R(abbi) Elia aus Cholm habe mit Hilfe des ›Buches der Schöpfung‹ einen Menschen erschaffen. Als der Erschaffene immer größer wurde, fürchtete der Rabbi, sein Geschöpf könne die Welt zerstören. Darum nahm er von der Stirn des Erschaffenen den Gottesnamen und verwandelte sein Geschöpf in Staub.«

Foto 3: Noch ein Druck
von »sefer jezira« (»Buch des Lebens«)
(Cover)
Mit dem »Gottesnamen« konnte, darüber gibt es zahlreiche jüdische Legenden, wirklich Erstaunliches bewirkt werden. Ein frappantes Beispiel: Moses ben Nachman (* 1194; † 1270), auch bekannt als Rabbi Moshe ben Nahman, genoss im Mittelalter einen legendären Ruf als herausragender jüdischer Gelehrter, Arzt, Philosoph und Dichter. Die Überlieferung zeichnet ihn als außerordentlichen Kenner der kabbalistischen Buchstabenmagie. Mit erstaunlichem Erfolg nutzte er die Kraft des Gottesnamens. Manche Sage klingt in unseren Ohren seltsam vertraut. So wie der Golem mit dem Gottesnamen programmiert wurde, so geschah dies auch mit einem Schiff (4): »Von selbst fuhr das Schiff in kurzer Zeit eine weite Strecke in das Meer hinaus und kehrte ebenso schnell in den Hafen zurück, fuhr aufs Land und hielt in der Mitte der Stadt inne. Zur Erinnerung an das wundersame Ereignis erbauten die Bewohner der Stadt an dieser Stelle einen Turm.«

Ein von selbst agierender Golem erinnert uns, am Anfang des dritten Jahrtausends nach Christus, an einen Roboter, der von einem Programm (»heiliger Gottesname«) gesteuert wird. Ein Schiff, dass wie von selbst aufs Meer hinaus fährt und wieder retour kommt, wird ebenfalls vom »Programm heiliger Gottesname« gelenkt. Es kann sogar an Land fahren, wie ein modernes Amphibienfahrzeug. Aus Sicht der »alten Juden« wäre ein Programm, wie es heute in unzähligen Computern zum Einsatz kommt, nichts anderes als geschriebene Buchstabenmagie. Ein Computerprogramm, das einen Roboter oder ein Amphibienfahrzeug steuert, würde ihnen wie wundersamer Zauber erscheinen.

Sir Arthur C. Clarke (*1917;† 2008) hat es in »Profiles of the Future« völlig zutreffend so formuliert, und ich muss noch einmal dieses wichtige Zitat ins Gedächtnis rufen (5): »Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.« Bis heute hielt es niemand für nötig, zum Beispiel die umfangreichen »Legenden der Juden« nach Hinweisen auf unmögliche Technologie zu überprüfen. Damit meine ich modernste Technologie, die es nach herkömmlicher Lehrmeinung zur Zeit der Legendenentstehung natürlich nicht gegeben haben kann, weil es sie noch nicht gegeben haben darf.

Foto 4: »sefer jezira« oder »Buch des Lebens«,
frühes Manuskript (10.- 11. Jahrhundert), Ausschnitt.

Heute, zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus, kommen weltweit »Tunnelbohrmaschinen« zum Einsatz (6): »Eine Tunnelbohrmaschine ist eine Maschine, die zum Bau von Tunneln eingesetzt wird. Sie eignet sich besonders für hartes Gestein. Auch beim Tunnelbau im lockeren Fels, der für Vortrieb mittels Sprengtechnik ungeeignet ist, werden solche Großmaschinen eingesetzt.

Tunnelbohrmaschinen gehören zusammen mit den Schildmaschinen zu den Tunnelvortriebsmaschinen. Wichtigster Teil einer Tunnelbohrmaschine ist der Bohrkopf; er hat einen Durchmesser von bis zu 20 Metern und besteht aus einem Meißelträger mit rotierenden Rollenmeißeln, der ausgebrochenes Gestein nach hinten befördert. Die Einrichtung im hinteren Teil des Bohrkopfes hat bei großen Durchmessern eine Länge von bis zu 200 Metern mit Hilfseinrichtungen. Tunnelbohrmaschinen sind Vollschnittmaschinen, das heißt, sie bauen, anders als Teilschnittmaschinen, den gesamten Tunnelquerschnitt in einem Arbeitsschritt ab.«

Eine solche Bohrmaschine erscheint auch uns heute noch wie ein technologisches Meisterwerk von monströsen Ausmaßen. Stellen wir uns so eine Bohrmaschine vor. Versuchen wir sie so zu beschreiben, dass sie in eine der »Legenden der Juden« passen würde: »Gott schickte einen Wurm, der den Berg durchbohrte.« So eine Tunnelbohrmschine ist in der Tat nichts anderes als ein riesiger Wurm, computergesteuert, der sich einen Weg durch Berge bahnt. Wer anders als Gott selbst könnte in einer Legende der Juden so einen Monsterwurm lenken als Gott selbst?

Das Zitat »Gott schickte einen Wurm, der den Berg durchbohrte.« ist keine fiktive sagenhaft klingende Umschreibung einer Tunnelbohrmaschine. Wir finden es in Dr. Julius Judah Bergmanns »Die Legenden der Juden« im Kapitel »Die Lieblinge Gottes« (7). Aber beschreibt die Legende tatsächlich so etwas wie einen riesigen Roboter, der mit erstaunlicher Geschwindigkeit Tunnel durch Erde und Gestein gräbt? Und hat der legendäre Golem tatsächlich existiert, ein Roboter, der Amok laufen konnte?

Foto 5: »sefer jezira« oder »Buch des Lebens«,
jüngeres Exemplar, etwa 14. Jahrhundert. Ausschnitt.

Rabbi Elia aus Cholm, so überliefert es die Legende, soll mit Hilfe des »Buches der Schöpfung«  eine Art Roboter-Menschen erschaffen haben. Die Kreatur bedrohte schließlich, so befürchtete es der Rabbi, die Welt. Rabbi Elia schaltete sein Werk aus, bevor es die Menschheit auslöschen konnte. Die »Golems« an denen heute bereits gearbeitet wird, werden womöglich Nachfolger der Menschheit, so wie wir sie kennen, werden. Dann sind die Tage von uns Jetzt-Menschen gezählt! Warnt die uralte Legende vom Golem vor so einer Entwicklung? Werden wir vom Planeten verschwinden oder von den Golems geduldet ein Dasein als »Haustiere« der Golems fristen?


Fußnoten
(1) Bergmann, Rabbi Judah: »Die Legenden der Juden«, Berlin 1919, Vorwort, Seite 3, 5.+4. Zeile von unten
(2) Ebenda, Seite 42, 15.-25. Zeile von oben

(3) Ebenda, 14.-8. Zeile von unten. Anmerkung: Dr. Julius Judah Bergmann schreibt »Cholm«, heute ist »Chelm« gebräuchlicher.
(4) Ebenda, Seite 39, 20.-25. Zeile von oben. Bergmann nennt als Originalquelle »Schalschelet 43b«.
(5) Clarke, Sir Arthur C: »Profiles of the Future«, zitiert von Weber, Andreas in »Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit«, Berlin 2008, Seite 57. Originalzitat: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.«. Quelle: »Profiles of the future: an inquiry into the limits of the possible«, revidierte Ausgabe 1973, Seite 36
(6) Wikimedia-Artikel »Tunnelbohrmaschine«: https://de.wikipedia.org/wiki/Tunnelbohrmaschine (Stand 05.07.2020)
(7) Bergmann, Rabbi Judah: »Die Legenden der Juden«, Berlin 1919,  Seite 21, 7. Zeile von oben

Zu den Fotos
Foto 1: Buchstabenmagie der Kabbala. Archiv Walter-Jörg Langbein 
Foto 2: »sefer jezira« oder »Buch des Lebens« (Cover). Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Noch ein Druck von »sefer jezira« oder »Buch des Lebens« (Cover). Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »sefer jezira« oder »Buch des Lebens«, frühes Manuskript (10.- 11. Jahrhundert), Ausschnitt. Archiv Walter-Jörg Langbein

Foto 5: »sefer jezira« oder »Buch des Lebens«, jüngeres Exemplar, etwa 14. Jahrhundert. Ausschnitt.
Archiv Walter-Jörg Langbein


562. »Vom assyrischen Baum des Lebens zum jüdischen ›Buch der Schöpfung‹«,
Teil 562 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 25. Oktober 2020


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Freitag, 16. Oktober 2020

Letzter Gartentag 2020 im Garten Picker!

Hallo Gartenfreunde! 

Goldener Oktober im Staudengarten!!

Zum Saisonende bessert sich das Wetter und herbstliche Töne mischen sich im Staudengarten. 


Bevor der Garten Picker geschlossen wird, findet am Sonntag, 18. Oktober 2020 noch einmal ein Gartentag statt. 


Von 11:00 - 18:00 Uhr ist geöffnet. Einige Aussteller und besondere Dekorationen sowie hübsche Porzellane sorgen für sinnliche Genüsse im Staudengarten.


Der Verkauf in der Gärtnerei und Scheune geht bis Weihnachten weiter.



"Im Herbst ist Pflanzzeit"

Noch einen schönen und goldenen Herbst 
wünscht Garten Picker 
und Team


-- 
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Eschwiese 2
46325 Borken - Weseke
Tel. 02862/700041
email: info@garten-picker.de





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Sonntag, 11. Oktober 2020

560. »Gilgamesch und Golem«

Teil 560 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ein angebliches
Gilgamesch-Relief.
Meine Recherchen in Sachen Golem führten mich zurück zu meinen ersten Veröffentlichungen, die vor über vierzig Jahren erschienen sind. So wurde meine Beschäftigung mit dem Golem für mich eine persönliche Reise in die eigene Vergangenheit, bevor ich zu ergründen versuchte, was vor Jahrtausenden geschah.

John Fisch (*1942; †1984) gab 1979 erstmals sein grenzwissenschaftliches »Magazin 2000« heraus. Ich war einer der ersten Autoren dieses Blatts. Am 14. Juni 1979 berichtete ich in München über »Die Sache mit den Urtexten«. Nach meinem Vortrag sprach mich John Fisch an. Er fragte mich, ob ich nicht ein Buch für seinen jungen Verlag schreiben wolle. Stolz berichtete ich dem sympathischen John Fisch, dass ich »kürzlich« ein Manuskript zum Thema »Astronautengötter« abgeschlossen hatte. John Fisch bat mich, ihm das Manuskript zu schicken. Zu meiner unbeschreiblichen Freude entschied er, das Buch zu publizieren. Ich beschloss, mein Theologiestudium abzubrechen. Bereits Weihnachten 1979 erschien mein erstes Buch, »Astronautengötter – Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit« im Verlag von John Fisch, Luxemburg. Im Oktober 2013 erschien eine neuerlich überarbeitete und aktualisierte Ausgabe meines Erstlings im Verlag von Werner Betz als eBook (2).

Einige meiner Ex-Kommilitonen empörten sich über den Passus: »Den Robotern begegnen wir aber
Foto 2: »Astronautengötter«
(Originalausgabe 1979).
nicht nur in der griechischen Mythologie, sondern auch im Alten Testament, wo sie als Gehilfen der Götter gefährliche Aufgaben erfüllen müssen. … Einige Menschen werden vor der atomaren Vernichtung von Sodom und Gomorrha in die beiden Städte geschickt, um Lot und dessen Familie sowie seine nächsten Verwandten zu warnen und zu retten. Ebenso im Auftrag der Astronautengötter bewachen mit fürchterlichen Waffen ausgerüstete Cherubim Gebiete, die von Menschen nicht betreten werden dürfen. Mit dem ›flammenden blitzenden Schwert‹ sind sie den Menschen mit ihren primitiven Waffen haushoch überlegen.«

Vom legendären Gilgamesch-Epos existieren verschiedene Fassungen. Diverse Fragmente wurden gefunden. Als Gesamtepos ist es ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. bekannt. Älter freilich ist die sumerische Erzählung »Gilgamesch und Ḫumbaba«, die von den Redakteuren des Gilgamesch-Epos verarbeitet wurde.

Es gibt keine Statue aus alten Zeiten, die definitiv Gilgamesch darstellen soll. Im Louvre kann man in der »Abteilung für orientalische Altertümer« im Richelieu-Flügel (Erdgeschoss, Raum 4) ein Flachrelief bestaunen, das gern als Darstellung des legendären Gilgamesch bezeichnet wird. Paul-Émile Botta hat das Kunstwerk bei Ausgrabungen in den Jahren 1843 und 1844 gefunden. Das Flachrelief gehörte einst zur Fassade des Thronsaals im assyrischen Palast von Sargon II in Khorsabad Dur Šarrukin (Assyrien, heute Irak). Es soll im 8. Jahrhundert v.Chr. entstanden sein.

Vor rund vier Jahrtausenden verbreitete »Ḫumbaba«, das wissen wir aus der mesopotamischen Mythologie, Angst und Schrecken. Wer oder was war »Ḫumbaba«, alias »Ḫubaba«, alias »Ḫuwawa«? Mir scheint, das wussten die Verfasser der mysteriösen Texte (3) vor vier Jahrtausenden nicht. Das monströse Wesen, so überliefern es die alten Texte, wurde von Gott Enlil eingesetzt, um Menschen am Betreten einer Region am Libanon zu hindern. Warum?

Enlil genoss höchstes Ansehen, galt er doch als Hauptgott des sumerischen und akkadischen Pantheons. Er wurde als »König von Himmel und Erde, König der Länder, Vater der Götter« gepriesen und in verschiedenen Heiligtümern angebetet. Nippur (sumerisch Nibru, akkadisch Nibbur) war eine sumerische Stadt, deren Geschichte bis in 5. Jahrtausend v. Chr. zurückgeht. Sie liegt etwa 180 km südöstlich des heutigen Bagdad (Irak). Wie bedeutsam der Gott einst war, das verrät sein Ehrentitel, der da lautete »König von Himmel und Erde, König der Länder, Vater der Götter«.

Enlil setzt nun ein Monster zum Schutz einer bewaldeten Region, heute im Libanon gelegen, ein. Lesen wir nach bei James B. Pritchard (4) im Kapitel »Akkadian Myths and Epics« (»Akkadische Mythen und Epen«):

»Um den Zedernwald zu schützen,
als Terror für die Sterblichen hat Enlil ihn ernannt.
Ḫumbaba – sein Brüllen ist die Sturmflut,
sein Mund ist Feuer, sein Atem ist Tod.«

Foto 3: Mein Erstling
»Astronautengötter«
in der Ullstein Taschenbuchausgabe.
Dietz-Otto Edzard (*1930; †2004) gilt als einer der führenden deutschen Altorientalisten des 20. Jahrhunderts. Am 5. Februar 1993 hielt er einen Vortrag für die »Bayerische Akademie der Wissenschaften«: »Gilgames und Ḫuwawa«. Dietz-Otto Edzard enthüllt einige Details über den Kampf zwischen Gilgames(ch) und Ḫuwawa. So verfügt Ḫuwawa über einige Waffen, die eher zu einem Kampfroboter als zu einem mythologischen Wesen passen. Bis heute sind Altorientalisten mit der Übersetzung der entsprechenden Passen überfordert. Technische Lösungen für wundersame Waffen werden erst gar nicht in Erwägung gezogen. Mit Bedacht werden Ausdrücke, die eher in die Beschreibung modernster Waffentechnologie als in einen mythischen Text passen, vermieden. Zog Gilgamesch in den Kampf gegen ein Monster aus Fleisch und Blut oder gegen einen Roboter? Wie man den Text auch versteht: Die Kreatur Ḫuwawa verliert. Interessant ist ein Hinweis auf Ḫuwawas Waffen. 

Dietz-Otto Edzard (6): »Gilgames(ch) wird von einem ›Schrecken‹ oder ›Glanz‹ getroffen, den der aufgescheuchte Waldwächter losläßt.« In einer Fußnote versucht Dietz-Otto Edzard zu erklären (7): »Version ›A‹ verwendet nf-te ›Angst‹ für die Strahlen, mit denen sich Ḫuwawa schützt und mit denen er einen Feind bekämpfen kann. Für die dem Totenhaupt Ḫuwawas noch anhaftenden ›Auren‹ gebraucht Version ›A‹ den Ausdruck ›me-läm‹ ›(Strahlen)glanz‹. Version ›B‹ bietet dagegen me-läm für den gegen Gilgames ausgesandten ›Glanz‹ sowie für die ihm später ausgehändigten Schutzstrahlen.«

Ḫuwawa lässt also etwas gegen Gilgames(ch) los: »Schrecken« oder »Glanz«, »schützende Strahlen«, die sowohl der Verteidigung als auch dem Angriff dienen können. Offensichtlich geht von diesen Waffen noch Gefahr aus, als Ḫuwawa schon besiegt danieder liegt.

Bei dem »Glanz« handelte es sich nicht um eine optische Verschönerung, sondern um eine Waffe (8): »Kam der Glanz des Ḫuwawa wie ein Speer herangeflogen.« Insgesamt verfügte Ḫuwawa über sieben dieser Glanzwaffen. Als Ḫuwawa Gilgamesch und seinen Begleiter Enkidu bemerkt, feuert er seinen ersten »Schreckensstrahl« ab. Unklar ist, ob Ḫuwawa Waffen ablegt oder abfeuert. 

Nach wie vor sind die verschiedenen Textfassungen nur bruchstückhaft erhalten. Es fehlen immer wieder Teile, wenn Fragmente von Tontafeln wieder zusammengesetzt werden. Selbst wenn längere Textpassagen erhalten sind, sind da und dort ganze Zeilen oder nur Wortfragmente unleserlich geworden. Leider verschlechterte sich der Zustand der kostbaren Texttafeln in den vergangenen Jahrzehnten. Samuel Noah Kramer (*1897; †1990), Autor eines Bestsellers über Sumer (9), fertigte 1947 mit großer Sorgfalt Kopien der altehrwürdigen Texte an. Seither bröckelten leider Teile der Tafeln ab. 

Es bleibt einiger Raum für Spekulationen. In der Wissenschaft versucht man, Textlücken zu schließen. Man ergänzt. Aber wie? Das Problem: Je nachdem, wie man die Textlücken füllt, kann bei jedem Interpreten etwas ganz anderes herauskommen. Je nachdem wie man die Textfragmente übersetzt, können wiederum ganz unterschiedliche Bedeutungen herauskommen. Je größer die Schäden am Text, je größer die Lücken im Text sind, desto mehr Fantasie kommt zum Einsatz, um einen Text zu komplettieren. Meiner Meinung darf man keine Interpretation eines Textes von vornherein ausschließen.

1969 schlug Erich von Däniken in seinem zweiten Weltbestseller »Zurück zu den Sternen« vor, dass es sich bei Ḫuwawa um einen Roboter gehandelt haben könnte (10). Ich teile seine Meinung.

Heftige Diskussionen löste »Kapitel 10« meines Buches »Astronautengötter« aus: »Kampfmaschinen der Götter?« Besonders intensiv debattiert wurde über das Unterkapitel »Roboter in der Mythologie verschiedener Völker!« Ich widmete in meinem Erstling »Astronautengötter« vorzeitlichen Robotern ein eigenes Unterkapitel »Roboter in der Mythologie verschiedener Völker« und forderte schließlich (11): 

Foto 4: »Astronautengötter«
(polnische Ausgabe).
»Es ist endlich an der Zeit, dass sich Fachgelehrte einmal heilige Bücher und Mythen nochmals in der Originalsprache vornehmen. Oftmals sind die heute benutzten Übersetzungen 100 und mehr Jahre alt. Sie entstanden zu Zeiten, in denen technische Gerätschaften wie Roboter und Kampfmaschinen vollkommen unbekannt waren. Noch so korrekte Übersetzer waren schlichtweg überfordert, wenn es darum ging, etwa Beschreibungen technischer Apparaturen vom Griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Mit dem Hintergrundwissen unserer Tage müssen die alten Texte nochmals neu übersetzt werden – ohne Scheu vor kühnen Gedanken!«

Man muss allerdings die Frage stellen, wie groß die Bereitschaft ist, bislang anerkannte Übersetzungen zu verwerfen und durch neue zu ersetzen. Wer in der wissenschaftlichen Welt der Universitäten Karriere machen möchte, wird darauf verzichten, als gesichert geltende Übersetzungen anzuzweifeln und womöglich fantastisch anmutende Übersetzungen zu bevorzugen. Wer im Elfenbeinturm der Wissenschaften empor steigen möchte, baut auf altbewährte Fundamente auf und zieht sie nicht in Zweifel. Der Universitätsdozent mit Ambitionen möchte Professor werden. Also wird er in seinen Publikationen die Ansichten »seines« Professors nicht anzweifeln, sondern bekräftigen. Der Professor wird ihn dann fördern. Andersdenkende, die offen zu neuen Ideen und Vorstellungen gehen, werden hingegen gern lächerlich gemacht. Was altehrwürdige Texte angeht, so haben neue, vermeintlich kühne Übersetzungen zunächst so gut wie keine Chance.

Nach Erscheinen meines Erstlings »Astronautengötter« erhielt ich immer wieder Einladungen. Man bat mich, über mein Buch den einen oder den anderen Vortrag zu halten. Besonders heftig wurde im Anschluss meiner Vorträge darüber diskutiert, ob es sich bei Ḫuwawa tatsächlich um einen Roboter gehandelt haben kann, der mit fürchterlichen Waffen ausgestattet war. Zu meiner großen Verblüffung erklärte mir ein Besucher eines meiner Vorträge in Unterfranken, als fast alle übrigen Teilnehmer schon gegangen waren: »Ḫuwawa kann natürlich ein Roboter gewesen sein! Der echte Golem war ja ganz bestimmt einer!« 

War Ḫuwawa auch ein Roboter, eine Art Golem?



Fußnoten
(1) Langbein, Walter-Jörg: »Astronautengötter – Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«, Luxemburg 1979. Das Buch erschien zunächst als gebundene Ausgabe, später – auch bei John Fisch – als überarbeitetes Softcover, schließlich bei Ullstein als Taschenbuch und in diversen fremdsprachigen Übersetzungen.
(2) https://www.amazon.de/Astronauteng%C3%B6tter-Walter-J%C3%B6rg-Langbein-ebook/dp/B00FVTXRT6/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=Langbein+Astronauteng%C3%B6tter&qid=1593362877&s=digital-text&sr=1-1
(3) Pritchard, James B.: »Ancient Near Eastern Texts«, Princeton University Press, Princeton, 1969. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein.
(4) Ebenda, Seite 79, rechte Spalte, »Tablet III, IV. Originalzitat:
»To safeguard the Cedar Forest,
As a terror to the mortals has Enlil appointed him.
Ḫumbaba - his roaring is the storm-flood,
his mouth is fire, his breath is death.«
(5) Dietz-Otto Edzard: »Gilgames(ch) und Ḫuwawa/ Zwei Versionen der sumerischen Zedernwaldepisode nebst einer Edition von Version ›B‹«, Bayerische Akademie der Wissenschaften/ Philosophisch-Historische Klasse, Sitzungsberichte Jahrgang 1993, Heft 4, Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Kommission bei der C. H. Beck’schen Verlagsbuchhandlung München, 1993
(6) Ebenda, Seite 10, 8.-10. Zeile von oben
(7) Ebenda, Seite 10 unten und Seite 11 unten, Fußnote 25
(8) Ebenda, Seite 24/67.
(9) Kramer, Samuel Noah: »Die Geschichte beginnt mit Sumer«, Frankfurt a.M. 1959
(10) Däniken, Erich von: »Zurück zu den Sternen/ Argumente für das Unmögliche«, Düsseldorf 1969, Seite 269, 8. Zeile von unten bis Seite 270, 11. Zeile von unten
(11) Langbein, Walter-Jörg: »Astronautengötter/ Die Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«, Ullstein-Taschenbuch, Berlin 1995, Seite 91, 3.-14. Zeile von oben

Zu den Fotos
Foto 1: Ein angebliches Gilgamesch-Relief. Foto Wikimedia commons/ public Domain/ Jastrow
Foto 2: »Astronautengötter« (Originalausgabe 1979). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Mein Erstling »Astronautengötter« in der Ullstein Taschenbuchausgabe. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Astronautengötter« (polnische Ausgabe). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


561. »Von der Magie des göttlichen Namens«,
Teil 561 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18. Oktober 2020

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Sonntag, 4. Oktober 2020

559. »Jenseits allen Denkens«

Teil 559 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der Golem als Souvenir. 
Stark verfremdet.
Collage.

27. September 2020, 2 Uhr morgens. Helles Licht weckt mich aus tiefem Schlaf. Es muss der Mond sein, der seine Strahlen durch das Dachfenster über meinem Bett schickt. Aber habe ich nicht am Abend die Jalousie geschlossen? Offenbar nicht. Langsam werde ich wacher, kann klarer denken.

Hoch über mir steht der pralle Vollmond an pechschwarzem Himmel. Und dann beugt sich etwas über mich. Ich sehe ein graues, uraltes Gesicht. Die Augen stehen schräg in faltiger grauer Haut. Nasenlöcher kann ich ausmachen. Es atmet hörbar, laut. Die Nasenlöcher öffnen und schließen sich wie die Nüstern eines schnaubenden Pferdes. Die Nase kommt mir seltsam gerade vor. Der Nasenrücken ist flach, ja platt. Der Mund der Kreatur erinnert an einen mit scharfem Skalpell in ledrige Haut gezogenen Schnitt.

Das Gesicht wirkt wie eine starre Maske, unendlich fremdartig und doch gleichzeitig vertraut. Es kommt mir so vor, als würde ich Es schon seit Jahrtausenden kennen. Es kommt mir vor, als würden wir beide schon ewig leben und uns schon immer kennen: die Kreatur mit den hohen Wangenknochen, den lach anliegenden großen Ohren, den schmalen schräg stehenden Augen und den sich scharf abzeichnenden Wangenknochen.

Foto 2: Meyrinks Golem von 1915
- das Gesicht in meinem Traum.
Originalausgabe von »Golem«,
Leipzig 1915
Und dieses Gesicht wird vom Wechselspiel aus fahlgelbem Mondlicht und wechselnden Schatten und zur rätselhaften Maske, ja zur angsteinflößenden Fratze verzerrt. Das was man nicht sieht, was im Schatten lauert, macht mir Angst. Und dieses Gesicht schwebt über mir, der Leib der Kreatur scheint in einem im Schatten liegenden grauen Mantel zu liegen.

Wirklich Angst macht mir aber ein Wechsel, eine Verwandlung, die ich nicht wirklich in Worte fassen kann. Das Gesicht kommt mir immer näher, scheinbar beugt sich die Gestalt langsam über mich. Je näher mir das Gesicht kommt, desto stärker weicht das seltsame Gefühl der Vertrautheit und macht einer zunehmenden Angst vor völlig andersartigem Fremden. Und plötzlich….

Ein Ruck fährt durch meinen Körper. Gleißendes Licht blendet mich. Erst weiß ich nicht so recht, wo ich bin. Dann habe ich das Gefühl, gleich in homerisches Gelächter ausbrechen zu müssen. Offensichtlich bin ich an meinem Schreibtisch eingeschlafen. Das Licht der Schreibtischlampe blendet mich. Der Monitor flackert und erlischt. Wo sich eben noch unzählige Buchstaben zu einem schier endlos langen Text formierten, da macht sich mattschwarze Dunkelheit breit. Und darin taucht plötzlich wieder das inzwischen noch unheimlichere Gesicht aus meinem Traum auf.

Ich will an eine harmlose Erklärung glauben. Da habe ich wohl mit »ecosia« oder »Google« etwas für meinen Sonntagsblog gesucht. Aber was? Wenn das Gesicht die Antwort auf eine Frage ist, wie lautet dann die Frage? Irgendwie bin offensichtlich in den Weiten des Internets auf ein wenig vertrauenserweckendes Bild, auf dieses seltsame Gesicht gestoßen und eingeschlafen. Das, so wünsche ich mir, muss einfach wahr sein. Je fester ich mir einzureden versuche, dass das Gesicht das Ergebnis einer Internetrecherche sein muss, desto größer wird meine Angst vor dem, was hinter mir steht. Ich weiß, und das mit jeder Faser meines Bewusstseins, dass da eine Kreatur hinter mir ist, die sich mir von hinten nähert.

Ich sehe das Spiegelbild dieser Kreatur auf meinem Monitor meines Rechners. Ich starre weiter auf den Bildschirm, krieche förmlich hinein, aber die Kreatur hinter mir verschwindet nicht aus meinem Bewusstsein. Sie nähert sich mir von hinten. Schon spüre ich ihren eisigen Atem. Und plötzlich: ein grässliches Geräusch lässt mich aufschrecken. Ist es die Stimme der Kreatur?

Foto 3: Meyrinks Golem
verfolgte mich im Traum.
Originalausgabe von »Golem«,
Leipzig 1915
27. September 2020, 2 Uhr und eine Minute. Ich liege in meinem Bett. Es ist stockdunkel. Die Jalousie vor dem Dachfenster über mir ist geschlossen. Das Telefon schreit schrill. Immer noch etwas schlaftrunken, aber dankbar suche ich nach dem schnurlosen Telefon, das neben mir auf dem Nachschränkchen liegen muss. Ich suchte tastend und berühre ein Buch. Es ist eines meiner Lieblingsbücher: Eine gebundene Ausgabe von Gustav Meyrinks »Der Golem«, 1915 im »Kurt Wolff Verlag« zu Leipzig erschienen. Für den Druck des Textes zeichnet »G. Kreysing« verantwortlich. Den Druck der acht herrlichen Lithographien von Hugo Steiner, Prag, besorgte »Meißner & Buch«, Leipzig.

Ich suche weiter und finde endlich das Telefon, das mich aus diesem hässlichen Traum geholt hat. »Ich habe Sie doch nicht etwas geweckt?« fragt gespielt mitfühlend eine mir unbekannte Stimme. Ohne auf eine Antwort zu warten schnattert der unbekannte Anrufer los: »Ich habe gerade ›Golem 2120‹ gelesen!«, erklärt er. »Was hat denn die Zahl 2120 zu bedeuten?« Mir scheint, dass mein Leser noch weitere Fragen abfeuern wird, also falle ich ihm ins Wort. »2120 soll eine Jahreszahl sein. 2120 ist aber nicht als konkrete Jahreszahl gemeint, sondern symbolisch für ›Zukunft‹. Ich bin davon überzeugt, dass in absehbarer Zukunft, morgen, übermorgen oder in 100 Jahren, also 2120, Golems mit künstlicher Intelligenz gebaut werden…«

Schon folgt die nächste Frage: »Und Sie behaupten, dass der Golem von Prag ein Roboter mit künstlicher Intelligenz war! Ernst nehmen kann man das ja wohl nicht!« Gern möchte ich mit einem Zitat von Gustav Meyrink antworten, ich kann es aber nicht wortgetreu wiedergeben. Meiner Meinung nach hatte Meyrink eine mystisch-magische Vorstellung von Zeit. Wenn es gelingt, in die Welt des Unterbewusstseins einzutauchen, dann kann man zumindest in Gedanken in der Zeit reisen. Die Welt, in der Gegenwart und Zukunft ebenso gegenwärtig sind wie die Vergangenheit, liegt – davon bin ich überzeugt – nach Meyrink irgendwo außerhalb unserer vordergründigen Realität und kann über das Traumbewusstsein erreicht werden.

Dann kommt es dazu, dass (1) »eine seelische Explosion ... unser Traumbewußtsein ans Tageslicht peitscht«. In der Welt des Traumbewusstseins gilt für Meyrink offenbar nicht eine linear ablaufende Zeit (2): »Gräm‘ dich nicht, wenn das Wissen kommt, kommt auch die Erinnerung. Wissen und Erinnerung sind dasselbe.« Mit anderen Worten: Wer morgen oder übermorgen zu vermeintlich neuem Wissen kommt, der kann erkennen, dass das Neue schon uralt ist und längst bekannt war. »Erinnerungen an die Zukunft…«

Mein nächtlicher Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung wird spürbar ungeduldig. Ich versuche zu antworten: »Der Golem von Prag war kein realer Roboter. Ich glaube, Gustav Meyrink hat intuitiv eine Realität der Zukunft erfasst, in der es intelligente Golem-Roboter geben wird.«

Der nächtliche Anrufer legt wortlos auf. Jetzt bin ich hellwach. Ich bin überzeugt, irgendwo im »Golem« von Gustav Meyrink von der Möglichkeit von Zeitreisen gelesen zu haben. Jetzt bin ich wirklich hellwach. Ich schalte die Nachttischlampe ein und greife mir mein Exemplar von Gustav Meyrinks »Golem« von 1915. Ich blättere, lese mich immer wieder fest. Vor 105 Jahren wurde »meine« Ausgabe des »Golem« gedruckt, im zweiten Jahr des »Ersten Weltkriegs«. Gedruckt wurde das Werk in – in meinen Augen – wunderschöner »Amts-Fraktur«-Schrift. Besonderes »Kennzeichen«: Das große V sieht dem B zum Verwechseln ähnlich.

Foto 4: »So, wie ich zurückfinden könnte..«,
Ausriss aus der Originalausgabe von »Golem«,
Leipzig 1915


Ein klein wenig verklausuliert spricht Gustav Meyrink am Ende des Kapitels »Wach« in seinem »Golem« von Zeitreisen (3): »So, wie ich zurückfinden könnte in die Tage meiner Jugend, wenn ich in der Fibel das Alphabet in verkehrter Folge vornähme von Z bis A, um dort anzulangen, wo ich in der Schule zu lernen begonnen, - so, begriff ich, müßte ich auch wandern können in  die andere ferne Heimat, die jenseits allen Denkens liegt.«

Gibt es jenseits allen Denkens eine parallele Welt, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig präsent sind? Kommt der »Golem« aus dieser anderen Welt? Ist der Golem der Schatten eines künftigen Golem-Roboters, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz? Ich suche, ich blättere in der geheimnisvollen Welt des »Golem« von Gustav Meyrink. Und ich erkenne, woher die furchteinflößende Kreatur meines Traums gekommen ist, nämlich aus der illustrierten Ausgabe von »Golem«, 1915 erschienen. In den vergangenen Tagen habe ich mich intensiv mit diesem wunderbaren Buch beschäftigt. Kein Wunder, dass es mich bis in meine Träume verfolgt!

Gustav Meyrink war ein Eingeweihter, der mehr über die großen Geheimnisse der Realität Bescheid wusste als wir zu ahnen wagen. Er muss sich intensiv mit der Magie der Kabbala auseinandergesetzt haben. So verfasste Meyrink das Vorwort zu (4) »Eliphas Lévi: Der große Kabbalist und seine magischen Werke von H. Laarss (Pseudonym von Dr. Richard Hummel). Dieses bemerkenswerte Werk über den Kabbalisten Eliphas Lévi (*1810; †1874) erschien in der Buchreihe  »Romane und Bücher der Magie«, die Gustav Meyrink herausgegeben hat. Ich darf noch einmal Sir Arthur C. Clarke (*1917;† 2008) zitieren (5): »Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.«

Fußnoten
(1) Meyrink, Gustav: »Der Golem«, Leipzig 1915, Kapitel »Punsch«, Seite 57, 16.+17. Zeile von oben (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(2) Meyrink, Gustav: »Der Golem«, Leipzig 1915, Kapitel »Wach«, Seite 91, 20.-22. Zeile von oben (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(3) Ebenda, Seite 96, 1.-5. Zeile von oben (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(4) Laarss, H.: »Eliphas Lévi: Der große Kabbalist und seine magischen Werke«, Wien 1922
(5) Clarke, Sir Arthur C: »Profiles of the Future«, zitiert von Weber, Andreas in »Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit«, Berlin 2008, Seite 57.

Zu den Fotos

Foto 1: Der Golem als Souvenir.  Stark verfremdet. Collage. Originalfoto Martin Pauer (wiki commons public domain)
Foto 2: Meyrinks Golem von 1915 - das Gesicht in meinem Traum. Originalausgabe von »Golem«, Leipzig 1915
Foto 3: Meyrinks Golem verfolgte mich im Traum. Originalausgabe von »Golem«, Leipzig 1915
Foto 4: »So, wie ich zurückfinden könnte..«, Ausriss aus der Originalausgabe von »Golem«, Leipzig 1915


560. »Gilgamesch und Golem«,
Teil 560 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11. Oktober 2020


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Samstag, 26. September 2020

558. »Golem 2120«

Teil 558 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1-4: Mini-Golem als Souvenir.
(Foto: wiki commons/ public domain/ Martin Pauer).
Ein Golem in 4 Variationen, farblich verändert.
Original: Foto 1 links oben! Collage: Walter-Jörg Langbein

Schon heute können Roboter präzise und effektiv schnell und fehlerfrei Arbeiten verrichten. Roboter können beispielsweise Autos zusammensetzen, freilich nicht aus eigenem Antrieb. Allerdings müssen sie vorher entsprechend programmiert werden. Erst dann wiederholen sie bestimmte Handgriffe präzise und fehlerfrei. Vollständig überholt sind Lochstreifen, die einen tumben Roboter im wahrsten Sinne am Fließband seine konkret definierte und vorgeschriebene Arbeit verrichten lassen. Kaum moderner ist das Programmieren eines Roboters mit einem auf einer Diskette verewigten Programm.

Der tschechische Autor Karel Čapek (*1890; †1938) gilt als Erfinder des Begriffs »Roboter«. In Čapeks Theaterstück »Rossumovi Univerzální Roboti« (»Rossums Universal Roboter«) tauchen künstliche Maschinenmenschen auf, die gezüchtet werden, um statt den Menschen Arbeiten in der Industrie zu übernehmen.

Foto 5: Meyrinks »Golem« von 1915.

Auch wenn in Gustav Meyrinks »Der Golem«, 1915 in Leipzig erschienen, der Ausdruck »Roboter« nicht vorkommt, so handelt es sich dennoch beim »Golem« um einen Roboter, der programmiert wird. Freilich wird der Vorgang des Programmierens von »Golem« nicht mit technischen Begriffen, sondern mit mysteriöser Magie erklärt.

Tommaso Campanella, eigentlich Giovanni Domenico (*1568; †1639), italienischer Philosoph, Dominikaner, Dichter und Politiker, formulierte überaus weitsichtig: »Alles, was die Wissenschaftler … mit Hilfe einer unbekannten Kunst vollbringen, wird Magie genannt … Denn Technologie wird immer als Magie bezeichnet, bevor sie verstanden wird, und nach einer gewissen Zeit entwickelt sie sich zu einer normalen Wissenschaft.«

Sir Arthur C. Clarke (*1917;† 2008) blies ins gleiche Horn (1): »Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.« Auch Gustav Meyrink bringt Magie ins Spiel (2): »Dann wacht in mir heimlich die Sage von dem gespenstischen Golem, jenem künstlichen Menschen, wieder auf, den einst hier im Ghetto ein kabbalakundiger Rabbiner aus dem Elemente formte und ihn zu einem gedankenlosen automatischen Dasein berief, indem er ihm ein magisches Zahlenwort hinter die Zähne schob.«

Gott schuf nach dem biblischen Schöpfungsbericht den Menschen aus Lehm und hauchte ihm seinen Odem ein. So wurde aus der leblosen Materie der lebendige Mensch. Auch der Golem wird aus Lehm kreiert, doch nicht göttlicher Adam erweckt ihn zum Leben, sondern »ein magisches Zahlenwort«. Der Golem erstarrte freilich wieder (3) »in derselben Stunde …, in der die geheime Silbe des Lebens aus seinem Munde genommen ward.« Der Golem funktioniert also nur so lange er von einem »magischen Zahlenwort« am Leben erhalten wird. Das »magische Zahlwort« entspricht dem Computerprogramm des Roboters unserer Tage.

Gustav Meyrink schien für die Laufbahn eines staubtrockenen Mitglieds der guten Gesellschaft prädestiniert zu sein. 1883 machte er sein Abitur, von 1885 bis 1888 besuchte er die »Handelsakademie in Prag«. 1889 war er zunächst Mitinhaber, dann alleiniger Inhaber des »Prager Bank- und Wechslergeschäfts Meyer & Morgenstern«. Bilanzen und Steuerrecht waren aber nicht die Welt von Gustav Meyrink. Schon 1891 gründete er mit einigen Gesinnungsgenossen die »Loge zum blauen Stern«, als Dependance der 1875 von Helena Petrovna Blavatsky (*1831; †1891) ins Leben gerufenen Theosophischen Gesellschaft. Meiner Meinung nach arbeitete er sich mit Begeisterung in die geheimnisvolle Welt des Mystischen und Mysteriösen ein. Sein Roman »Der Golem« ist meiner Meinung nach eine Fundgrube versteckten Wissens der anderen Art.

Ohne Zweifel war Gustav Meyrink ein Kenner der Kabbala. Die Kabbala (andere Schreibweise Kabbalah), zu Deutsch »das Überlieferte«, ist eine magisch-mystische Lehre des Judentums, deren Wurzeln weit in die Vergangenheit reichen.

Foto 6: »Der Ursprung der Geschichte.. «. Ausriss aus Meyrinks »Golem« von 1915.

Über den Golem lässt Meyrink vernehmen (4): »Der Ursprung der Geschichte reicht wohl ins siebzehnte Jahrhundert zurück, sagt man. Nach verlorengegangenen Vorschriften der Kabbala soll ein Rabbiner da einen künstlichen Menschen – den sogenannten Golem – verfertigt haben.«

Und weiter (5): »Es sei aber doch kein richtiger Mensch daraus geworden und nur ein dumpfes halbbewußtes Vegetieren habe ihn belebt. Wie es heißt, auch nur tagsüber und kraft des Einflusses eines magischen Zettels, der ihm hintern den Zähnen stak.«

Foto 7: »Kein richtiger Mensch«. Ausriss aus Meyrinks »Golem« von 1915.

Wie alt die Urgeschichte vom Golem sein mag? Meyrink lässt eine seiner Hauptpersonen, Zwakh, zugeben (6): »Ich kann freilich nicht wissen, worauf sich die Golemsage zurückführen läßt.« 

Foto 8: »Abends vor dem Nachtgebet...«
Ausriss aus Meyrinks »Golem« von 1915.

Alexander Wöll (*1968), Slawist und Hochschullehrer, seit Anfang 2018 Professor für »Kultur und Literatur Mittel- und Osteuropas« an der Universität Potsdam, fragt (7): »Der Golem. Kommt der erste künstliche Mensch und Roboter aus Prag?« Prof Wöll: »Der Golem steht in Konkurrenz zu Adam. Adama bezeichnet auf hebräisch ›Erde‹, also ein von der Erde genommenes Wesen, dem durch Gottes Hauch Leben und Sprache verliehen wurde. Im Gegensatz dazu meint golem seit dem 12. Jahrhundert einen stummen, minderwertigen Menschen, der ›ohne Zeugungskraft und Trieb zum Weibe‹ – allein mit Hilfe eines sprachmagischen Rituals – künstlich aus einer noch unberührten Elementar-Erde, die vor aller organischen Schöpfung vorhanden ist, erschaffen wird. Als ungefährlicher Automatenmensch in einer arabisch-antiken Erzähltradition ist der Golem ein dienender Knecht und eine Art geistloser Homunculus, der im Gegensatz zum späteren Frankenstein nicht durch naturwissenschaftliche, sondern durch religiös-rituelle Kräfte belebt wird.« Was ist aber ein programmierter Roboter anderes als ein »Automatenmensch«?

Prof. Wöll hat sorgfältiges Quellenstudium betrieben und erkennt das erstaunliche Alter der ursprünglichen Golemsage: »Die Verbindung mit der Erschaffung aus den Buchstaben läßt sich auf drei Berichte aus dem 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Diese Quellen beziehen sich ihrerseits auf das 4. Jahrhundert v. Chr. und auf die beiden Personen Jeremiah und seinen Sohn Ben Sira. Diesen ältesten Belegen zufolge wird der Golem durch Buchstabenkombinationen belebt.«

Der Golem von Prag, so ist es überliefert, wurde zur Gefahr für die Menschen, wie Gustav Meyrink in seinem Roman vermeldet (8): »Und als eines Abends vor dem Nachtgebet der Rabbiner das Siegel aus dem Munde des Golem zu nehmen versäumt, da wäre dieser in Tobsucht verfallen, in der Dunkelheit durch die Gassen gerast und hätte zerschlagen, was ihm in den Weg gekommen.

Bis der Rabbi sich ihm entgegengeworfen und den Zettel vernichtet habe. Und da sei das Geschöpf leblos niedergestürzt. Nichts blieb von ihm übrig als die zwerghafte Lehmfigur, die heute noch drüben in der Altneusynagoge gezeigt wird.«

In »Hüter des Gesetzes«, Folge 3 der Kultserie »Orion«, übernehmen »Golem-Roboter« das Regiment auf dem Planetoiden Pallas. Sie sperren die menschlichen Bergarbeiter in unterirdische Schächte. Den Arbeitsrobotern des Types Alpha Ce Fe gelingt es schließlich, fast die gesamte Crew der Orion, die nach dem Rechten sehen will, gefangen zu nehmen und ebenfalls in die Unterwelt des Planetoiden zu schaffen.

Roboter, die sich gegen ihre menschlichen Erbauer erheben, werden in »Hüter des Gesetzes« (Erstausstrahlung am Samstag, dem 15. Oktober 1966 um 20:15 Uhr) spannend dargestellt. Aber ist so ein Szenario überhaupt denkbar? Im Film der TV-Kultserie gelingt es, die Roboter im wahrsten Sinne des Wortes auszuschalten, so wie der Rabbi in der Golem-Legende dem Amoklauf des künstlichen Menschen ein Ende setzt. Aber wird der Mensch immer dem Roboter überlegen sein? Das glaube ich nicht.

Roboter von heute lassen sich mühelos abschalten. Das wird auch noch einige Zeit der Fall sein. Sobald aber echte künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, wird es erschreckend schnell gehen, bis der Roboter im Vergleich zum Menschen über geradezu göttlich erscheinende Allmacht verfügen wird.
  
Foto 9: Symbolbild!
Ein »Roboter« in Stein (Tiahuanaco, Bolivien).
Ein und derselbe steinerne »Roboter«
in vier Variationen, farblich bearbeitet.
Collage. Original: Foto links oben und rechts
unten!


Auch wenn es um die Zukunft von Mensch und Golem-Roboter geht, bietet »Unsere Erde wird überleben.« von James Lovelock (*1919) nicht von der Hand zu weisende Überlegungen (9). Lovelock entwickelt ein Szenario, dass manche als puren Horror empfinden müssen. Sieht James Lovelock (*1919) doch tatsächlich den Jetztmenschen als Steigbügelhalter des künftigen Erdenbürgers. Für uns »Normalos« wird es dann keine Zukunft mehr geben, allenfalls – wenn überhaupt – als »Haustiere« der »Cyborgs«. Der »Cyborg«, der »Golem 2120«, wird demnach unser Nachfolger. Oder: Wir sind die Eltern einer Kreation, die keine Eltern braucht.


Fußnoten
(1) Clarke, Sir Arthur C: »Profiles of the Future«, zitiert von Weber, Andreas in »Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit«, Berlin 2008, Seite 57. Originalzitat: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.«. Quelle: »Profiles of the future: an inquiry into the limits of the possible«, revidierte Ausgabe 1973, Seite 36
(2) Meyrink, Gustav: »Der Golem«, Leipzig 1915, Kapitel »Prag«, Seite 32, 6.-2. Zeile von unten (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(3) Ebenda, Seite 32, 1. Zeile von unten und Seite 33 1.+2. Zeile von oben (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(4) Ebenda, Seite 52, 1.-4. Zeile von oben (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(5) Ebenda, 7.-10. Zeile von oben
(6) Ebenda, Seite 53., 4.+5. Zeile von oben
(7) Wöll, Alexander: »Der Golem. Kommt der erste künstliche Mensch und Roboter aus Prag?«, Beitrag zu Marek Nekula et. Al. (Herausgeber.):
»Deutsche und Tschechen. Geschichte - Kultur - Politik.«, München 2001, S. 235-245. (Rechtschreibung unverändert übernommen!)
(8) Meyrink, Gustav: »Der Golem«, Leipzig 1915, Kapitel »Prag«, Seite 52, 12.-21. Zeile von oben (Rechtschreibung von 1915 unverändert übernommen!)
(9) Lovelock, James: »GAIA/ Die Erde ist ein Lebewesen«, Bern 1992

Zu den Fotos
Fotos 1-4: Mini-Golem als Souvenir.(wiki commons public domain Martin Pauer). Ein Golem in 4 Variationen, farblich verändert. Original: Foto 1 (links oben)! Collage: Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Meyrinks »Golem« von 1915. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Der Ursprung der Geschichte.. «. Ausriss aus Meyrinks »Golem« von 1915. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: »Kein richtiger Mensch«. Ausriss aus Meyrinks »Golem« von 1915. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: »Abends vor dem Nachtgebet...« Ausriss aus Meyrinks »Golem« von 1915. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Symbolbild! Ein »Roboter« in Stein (Tiahuanaco, Bolivien). Ein und derselbe steinerne »Roboter« in vier Variationen, farblich bearbeitet. Collage. Original: Foto links oben und rechts unten!

559. »Jenseits allen Denkens«,
Teil 559 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 4. Oktober 2020



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