Sonntag, 21. Mai 2017

383 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 3«

»Heilige Frauen und Könige«,
Teil  383 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

von Walter-Jörg Langbein 
- In Memoriam Ralf Streblow † -


Foto 1: Das Gemälde mit dem UFO

Das geheimnisvolle Gemälde »Stammbaum Jesu« wirkt wie ein Buch, das in einem einzigen Bild wiedergegeben wird. Da und dort sind Spruchbänder zu entziffern. Sie sind in lateinischer Sprache verfasst und sind wahrscheinlich der Vulgata entlehnt. So erkennen wir da und dort biblische Gestalten, andere wiederum bleiben anonym.


Foto 2: Der Tisch als Basis

Was auffällt: Die Basis des Gemäldes wird komplett von einem langen Tisch eingenommen, der von rechts nach links reicht und womöglich an das häufig in der sakralen Kunst dargestellte legendäre »Letzte Abendmahl Christi« erinnern soll. Dem Betrachter am nächsten platziert sind keine Männer, sondern ausschließlich Frauen! Im Zentrum befindet sich die Heilige Mutter Gottes, Maria mit dem Jesuskind (Person 1). Links daneben sitzt Marias Mutter, die »S. Anna« (Person 2) und links von Anna ist die Heilige »Maria uxor Alphaei« (Ehefrau von Apostel Alphaeus,) (Person 3) intensiv mit gleich vier kleinen Kindern beschäftigt, mit »S. Jakobus minor«, Cousin von Jesus, »S. Simon Chanan«, ebenfalls Cousin von Jesus, »S. Judas Thaddaeus«, Cousin von Jesus, und mit »S. Matthaeus«, Cousin von Jesus. Alle vier Cousins sollten später zur Jüngerschaft Jesu gehören.


Foto 3: Wer sitzt, wer steht an der Tafel?

Rechts von Jesu Mutter Maria haben die unbekannten Künstler eine weitere wichtige Frau platziert, nämlich »S. Maria Salome« (Person 4), Tochter von »S.Anna«, also Schwester der Mutter Jesu. Auf ihrem Schoß sitzt kein Geringerer als »S. Johannes«, später Jünger Jesu und Evangelist, natürlich auch ein Cousin Jesu. »S. Jakobus maj.« versucht gerade auf den Schoß seiner Mutter zu klettern. Auch er gilt als Cousin Jesu und gehörte später zur Jüngerschar.

»S.Anna« (Person 2) war gleich drei Mal verheiratet, und zwar mit Joachim, dem Vater der Maria, mit Kleophas und mit Salomas. Zwei dieser drei Herren finden sich in schöner Eintracht am langen Tisch. »S. Joachim« (Person 5), der erste Mann von Anna, muss sich mit einem Platz an der »anderen« Seite der Tafel begnügen. »S. Cleophas« (Person 6) steht noch weiter abseits, ebenfalls auf der »anderen« Seite der Tafel. »S. Joseph« (Person 7), der irdische Vater Jesu, steht schräg hinter der »Gottesmutter«. Fromm faltet er die Hände, blickt nachdenklich auf Frau und Sohn. Kurz gesagt: die wichtigen Frauen stehen vor dem Tisch, die Männer auf der »anderen« Seite.

Foto 4:  Maria, Jesus und Verwandtschaft

Dort steht freilich auch »S. Elisabeth neptis S. Annae« (Enkelin der Heiligen Anna) (Person 8), Cousine der »Jungfrau Maria« und Mutter von Johannes, genannt der Täufer. »S. Zacharias« (Person 9), Ehemann der »S. Elisabeth«, Vater von Johannes, darf direkt neben Frau und Kind stehen. Johannes der Täufer nebst Eltern wird vom unbekannten Künstler im Gemälde von Limburg an die »andere« Tafelseite gestellt, während Maria und Jesus vorn stehen. Auf diese Weise soll wohl die Vorrangstellung von Jesus und Maria in der im Gemälde dargestellten Hierarchie verdeutlicht werden. Anachronistisch haben sich die Stifter des Gemäldes Johannes Zanger (Person 10) und Anna Kalchoffen (Person 11) ins Gemälde geschlichen.

Foto 5: Zacharias und sein iPad?

Und weil wir schon bei Anachronismen sind, sei mir ein humoriger Hinweis gestattet! Was liegt da auf dem Tisch vor Zacharias, dem Vater des Täufers? Bedient der fromme Mann da nicht gar ein iPad, geschickt, kundig und diskret?

Scherz beiseite. Zurück zu Jesse alias Isai (Person 1), Vater von König David. Rechts von David Steht ein in Grün gewandeter Mann mit gelber Mütze (Person 2). Rechts daneben machen wir einen Mann aus (Person 3) in Gelb mit Krone auf dem Haupt. Der Mann mit der Krone hat zwei Spruchbändern aufzuweisen. Die fehlerhaft wiedergegebenen lateinischen Worte sind wohl falsch aus der Vulgata abgeschrieben worden, sie stammen aus Haggai Kapitel 2, Vers 7:

Foto 6: Rechts von Jesse...

»Ja, alle Heiden will ich erschüttern. Da sollen dann kommen aller Völker Kostbarkeiten, und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, spricht der Herr  Zebaoth.« Über den Propheten Haggai wissen wir so gut wie nichts. Geboren wurde er in babylonischer Gefangenschaft. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft ins Land der Israeliten musste der zerstörte Tempel wieder aufgebaut werden. Die Prophezeiung des Haggai kündigt eine glorreiche Zeit für den Tempel an.

Das zweite Spruchband »Cantate Dominum canticum novum Ps« ist als Zitat aus den Psalmen gekennzeichnet. Dort begegnet es uns gleich zwei Mal: Psalm 96, Vers 1 und Psalm 98, Vers 1: »Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn, alle Welt!«

Rechts daneben – im Hintergrund – steht ein Mann in Grün mit schmutzig gelber Mütze (Person 4). Sein Spruchband trägt eine Prophezeiung aus dem Buch Sacharja Kapitel 3, Vers 8. Das Original in Latein: »Adducam servum meum orientem. Zach« Die Übersetzung: » … denn siehe, ich will meinen Knecht ›Spross‹ kommen lassen.« Bei Sacharja gibt es den theologischen Begriff »servus oriens« für den »Messias«, den »Gesalbten«, den »Erlöser«.

Foto 7: Der Dom um 1921

Rechts daneben: Ein Mann in Blaugrau ohne Kopfbedeckung (Person 5). Seit Spruchband: Zitat aus dem Lukas-Evangelium Kapitel 1, Vers 35: »Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.«

Die nächste Person (Person 6) steht im Hintergrund, ist in Gelb gekleidet und hat – stark gekürzt – einen Vers aus dem Buch Maleachi auf seinem Spruchband (Kapitel 3, Vers 20):  »Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.«
Rechts außen steht ein in Rot gekleideter Mann ohne Kopfbedeckung. Sein Spruchband kündet: »Mulier amicta sole, et luna sub pedibus ejus Apoc«. Apoc verweist auf die Apokalypse oder Offenbarung Kapitel 12, Vers 1. Nach der aktuellen Luther-Ausgabe von 2017 heißt das: »Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen«  wird am Himmel erscheinen zum Ende der Zeit.

Die Spruchbänder, die uns die Männer vom Limburger Gemälde entgegenhalten, und ich habe nicht alle zitiert, preisen entweder Gott, verkünden den Messias oder verweisen auf die Zeit der Apokalypse. Oder sie benennen die dargestellten Personen. 

Dargestellt werden sollen die königlichen Vorfahren Jesu von Jesse an…

Foto 8: Königliche Vorfahren Jesu.
Person 1: König David,
Person 2: König Salomon,
Person 3: König Achaz,
Person 4: König Joram,
Person 5: König Raboam,
Person 6: König Ahia,
Person 7: König Ozias,
Person 8: König Joatham,
Person 9: König Aso,
Person 10: König Josapha,
Person 11: Maria mit dem Jesuskind,
Person 12: König Manasses alias Manasse
Person 13: König Ezechias, Ezechia, Hiskia oder Hiskias

Zu den Fotos 
Foto 1: Das Gemälde mit dem UFO. 
Foto Eva und Rolf Streblow.
Foto-Ausschnitt!
Foto 2: Der Tisch als Basis.  
Foto Eva und Rolf Streblow.
Foto 3: Wer sitzt, wer steht an der Tafel?  Foto Eva und Rolf Streblow
Foto-Ausschnitt! 
Foto 4:  Maria, Jesus und Verwandtschaft.  Foto Eva und Rolf Streblow
Foto-Ausschnitt! 
Foto 5: Zacharias und sein iPad?  Foto Eva und Rolf Streblow
Foto-Ausschnitt! 
Foto 6: Rechts von Jesse... Foto Eva und Rolf Streblow
Foto-Ausschnitt! 
Foto 7: Der Dom um 1921. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Königliche Vorfahren Jesu.
Foto Eva und Rolf Streblow
Foto 9: Der Dom um 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

Foto 9: Der Dom um 1935

Ein Wort des Dankes
Eva 
und Ralf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!


 384 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 4«,
»Moses, Aaron, Hesekiel und Daniels ›UFO‹«
Teil  384 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 28.05.2017




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Sonntag, 14. Mai 2017

Ein Buch lesen!: 382 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung ei...

Ein Buch lesen!: 382 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung ei...: »König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«, Teil  382 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«  - In Memoriam Rolf Streblow † ...

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382 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 2«,

»König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«,
Teil  382 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien« 

- In Memoriam Rolf Streblow † -

Fotos 1 und 2: Jesse/ Isai und Co

Links neben dem Mann in Blau erkennen wir einen grün gekleideten Mann (Person 3). Es fällt uns leicht, ihn als David mit Harfe zu identifizieren. Im Spruchband lesen wir: »In sole posuit tabernaculum suum Ps.18« Ps.18 steht für Psalm 18. Suchen wir den Psalm 18 in der Vulgata auf, so finden wir als Vers 6: »In sole posuit tabernaculum suum ; et ipse tamquam sponsus procedens de thalamo suo.« Die aktuelle Luther-Bibel von 2017 übersetzt (1): »Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer.«

Fotos 3 und 4: König David am Dom zu Paderborn

Links von David mit seiner Harfe steht ein in Rot gekleideter Mann (Person 4) mit roter Mütze. Auch er verfügt über ein Schriftband, das sich vom Kopf nach unten schlängelt: »Stillabunt montes dulcedinem. Joel«. Hier fehlt ein Hinweis auf das Kapitel, aus dem das kurze Zitat stammt. Roman Nickel, dessen detektivischer Spürsinn nicht genug gelobt werden kann, hat’s gefunden (2): 

Die wenigen Worte sind aus dem Buch Joel entnommen, und zwar aus Kapitel 3, Vers 18. In der Vulgata lesen wir: »Et erit in die illa : stillabunt montes dulcedinem, et colles fluent lacte, et per omnes rivos Juda ibunt aquae ; et fons de domo Domini egredietur, et irrigabit torrentem spinarum.«

Foto 5: Blick in den Dom
In der Luther-Bibel von 2017 wie in allen anderen Bibelausgaben endet freilich Joel Kapitel 3 mit Vers 5. Die Übersetzung des zitierten lateinischen Verses findet sich in Kapitel 4, Vers 18: »Zur selben Zeit werden die Berge von Most triefen und die Hügel von Milch fließen, und alle Bäche in Juda werden voll Wasser sein. Und es wird eine Quelle ausgehen vom Hause des Herrn, die wird das Tal Schittim bewässern.«

Am Ende von Joel Kapitel 4, Vers 18 lesen wir im hebräischen Urtext: »nachal haschittim«.  Die Bedeutung ist unklar. Es ist von einem »Tal Schittim« die Rede. Schittim deutet, wie die »Gute Nachricht«-Bibel mutmaßt (3), auf Akazien hin, die in Steppe und Wüste wachsen. Das freilich ist spekulativ. Und so lesen wir in der »Gute Nachricht«-Bibel, dass die Quelle aus dem Haus des Herrn »auch noch das trockenste Tal bewässert«. Auch die lateinische Vulgata weiß nicht wirklich, was genau der hebräische Text meint und übersetzt interpretierend: »… et irrigabit torrentem spinarum.« Zu Deutsch: »Und wird bewässern das Tal der Dornen.«

Es ist stets interessant, Veränderungen von Texten vom Hebräischen ins Lateinische der Vulgata und schließlich ins Deutsche zu verfolgen. Dabei fällt auf, dass was wir für eine Übersetzung halten schon Interpretation ist. So wird immer wieder versucht, vage geographische Angaben zu konkretisieren. Im hebräischen Text von Joel findet sich kein konkreter Hinweis auf die Lokalisation des Tales.

Foto 6: Wer steht denn da?

Wir gehen ein Stück weiter nach links. Da wendet uns ein Mann seinen Rücken zu (Person 5). Er trägt gelbe Kleidung, dazu eine gelbe Mütze. Ein Spruchband scheint seinem Mund zu entweichen: »Femina circumdabit virum.« Wieder bietet das Spruchband keinen Hinweis auf die präzise Bibelstelle. Sie ist per Computer leicht ausfindig zu machen. Man suche sich eine Onlineausgabe der Vulgata im Internet, gebe die drei lateinischen Worte in die Suchmaschine ein, schon stößt man auf Jesaja Kapitel 31, Vers 22: »Usquequo deliciis dissolveris, filia vaga ? Quia creavit Dominus novum super terram: femina circumdabit virum.«

Anno 2017 übersetzt die aktuellste Lutherausgabe: »Wie lang willst du in der Irre gehen, du abtrünnige Tochter? Denn der Herr wird ein Neues im Lande schaffen: Die Frau wird den Mann umgeben.« Rätselhaft ist der Worte Sinn. Angesprochen wird als »Abtrünnige« das Volk Israel. Jahwe, der Herr, wird sein Volk zurückführen. »Hoffnung für alle« versucht zu verdeutlichen:

»Wie lange willst du noch umherirren, mein Volk, das mir die Treue gebrochen hat? Wenn du wieder in deinem Land bist, lasse ich etwas ganz Neues geschehen: Du wirst bei mir bleiben wie eine Frau bei ihrem Mann.«

Foto 7: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.«

Gehen wir einen Schritt weiter nach links. Von einer im Hintergrund stehenden Person (Person 6) sehen wir nur den Kopf. Auch diesem Mann, er ist in Graublau gehüllt, ist ein Schriftband zugeordnet: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.« Hab. verweist auf den Urheber des Zitats, auf Habakuk. Aber auch ohne diese Angabe werden wir via Suchmaschine rasch in der Vulgata fündig. Das Kurzzitat stammt aus Habakuk Kapitel 3, Vers 13. Die aktuelle Luther-Übersetzung von 2017 gibt diese Worte wieder als: »Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen.«

Übersetzungen alter Texte – ob aus dem alten Indien, dem Reich der Sumerer oder der Bibel – erfordern immer der Interpretation. Können wir uns gedanklich in die Zeit versetzen, als vor langer Zeit mysteriöse Texte entstanden? Wie sah die Welt des Alten Testaments aus? Eine heute nicht nur in Kreisen der Prä-Astronautik weit verbreitete Interpretation sieht in Gott Jahwe einen Außerirdischen.

Spekulieren wir: Jahwe war ein Außerirdischer, der das Volk Israel warum auch immer auserwählt hat. Von dieser Spekulation ausgehend, entdecken wir bei der Lektüre der Bibel immer wieder Textstellen, die nun in ganz anderem Licht erscheinen. Wenn es also bei Habakuk heißt »Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen.«, ist dann ein Außerirdischer gemeint?

Behalten wir die Vorstellung vom Jahwe-Nauten im Kopf und durchforsten wir HabakukKapitel 3 in der aktuellen Luther-Version von 2017: »Gott kommt von Teman und der Heilige vom Gebirge Paran. Seine Hoheit bedeckt den Himmel. Sein Glanz ist wie Licht; Strahlen gehen aus von seinen Händen. Darin ist verborgen seine Macht. Er steht auf und lässt erbeben die Erde; er schaut und lässt erzittern die Völker. Zerschmettert werden die uralten Berge, und bücken müssen sich die uralten Hügel. Das sind von jeher seine Wege. Die Berge sehen dich und beben. Du ziehst aus, deinem Volk zu helfen. Du zerschlägst das Dach vom Hause des Gottlosen und entblößt die Grundfeste bis auf den Fels.«

Wenn Gott von Teman her kam, wer ist dann der Heilige vom Gebirge Paran?

Foto 8:»Quia ecce Dominus«
Wenden wir uns nun noch dem ganz links außen stehenden Mann (Person 7) zu. Sein Schriftband strebt von seinem bemützten Kopf nach oben: »Quia ecce Dominus egredietur de loco suo Mich. 3« Mich steht für Micha. Die 3 könnte auf Kapitel 3 deuten, die zitierten Worte finden sich da freilich nicht. Die Suchmaschine bringt uns wie ein Bibelnavi an die richtige Stelle: Micha Kapitel 1, Vers 3: »Quia ecce Dominus egredietur de loco suo, et descendet, et calcabit super excelsa terrae.«

Die aktuelle Luther-Bibel von 2017 übersetzt, und ich füge auch noch Vers 4 an: »Denn siehe, der Herr geht aus von seiner Stätte und fährt herab und tritt auf die Höhen der Erde, dass die Berge unter ihm schmelzen und die Täler sich spalten, gleichwie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, wie die Wasser, die talwärts stürzen.«  Haben wir es da wieder mit einem Jahwe-Nauten zu tun, der von seinem Raumschiff, »von seiner Stätte«, herab fährt auf die »Höhen der Erde«, der mit seinem Vehikel beträchtliche Schäden anrichten kann?

Übrigens: Man muss nicht der lateinischen Sprache mächtig sein, um die Vulgata mit heutigen Bibelübersetzungen vergleichen zu können! Bereits anno 1851 erschien »Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt und mit kurzen Anmerkungen«. 

Mir liegt ein Nachdruck dieser immens wichtigen Bibelausgabe aus dem Jahr 1963 vor. Nach wie vor findet sich die eine oder andere Ausgabe der aus dem Lateinischen von Dr. Joseph Franz von Allioli ins Deutsche rückübersetzen Vulgata aus dem frühen 19. Jahrhundert, teils in sechs Bänden, teils in zwei Bänden. Man muss aber mehrere Hundert Euro anlegen für dieses »Schätzchen«.

Für 2018 ist eine zweisprachige »Vulgata« – in Latein und Deutsch – geplant. Es heißt, diese wichtige Ausgabe wird im Verlagshaus De Gruyter, Berlin »voraussichtlich im Jahr 2018« in der »Tusculum Reihe« erscheinen. Als Herausgeber vorgesehen ist Prof. Dr. Michael Fieger, »Ordentlicher Professor für Alttestamentliche Wissenschaften «an der Theologischen Hochschule Chur.

Foto 9: Martin Buber
Wer das »Alte Testament« im Original lesen möchte, muss das biblische Althebräisch beherrschen. Dem Original sehr nah kommt die »Verdeutschung« von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Martin Buber (1925-1978) war ein weltweit geachteter österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph. Intensiv wie kein anderer Gelehrter setzte er sich mit den Schriften des »Tenach«, in unseren Gefilden als »Altes Testament« bekannt, auseinander. Der Gelehrte war zeitlebens bemüht, die altehrwürdigen Texte so ins Deutsche zu übertragen, dass möglichst alle sprachlichen Besonderheiten erhalten blieben. Wie Buber in einem Interview erklärte, ging es ihm dabei nicht um die Untermauerung einer Lehre oder Theologie. Vielmehr wollte er, sinnbildlich gesprochen, ein Fenster zur Welt des »Tenach« aufstoßen.

Als der Verleger Lambert Schneider an Buber mit dem Vorschlag, einer textnahen Übertragung des »Alten Testaments« aus dem Hebräischen ins Deutsche zu übertragen, herantrat, da sagte der Gelehrte schnell zu und begann zusammen mit dem Philosophen Gtanz Rosenzweig (*1886 †1929) mit der Übersetzung  des Tanach, ins Deutsche. Die Bände erschienen zunächst Band für Band im Verlag von Lambert Schneider.  Nach Rosenzweigs Tod im Jahr 1929 führte Buber die wichtige Arbeit allein fort. 

Zwar ist die »Verdeutschung« von Buber und Rosenzweig im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufgelegt worden, sie ist aber heute nur antiquarisch erhältlich.

Foto 10: Johannes Piscator
Johannes Piscator (* 27. März 1546 in Straßburg; † 26. Juli 1625 in Herborn), ein elsässischer reformierter Theologe und Bibelübersetzer, übertrug 1602 bis 1604 die Texte des Alten und des Neuen Testaments aus den Originalsprachen Hebräisch und Griechisch ins Deutsche. Dabei hielt er sich sehr viel strikter als Martin Luther an die Vorlagen. Eine Neuauflage der »Piscator Bibel« zu einem erschwinglichen Preis ist überfällig. Für 2016 war eine eBook-Version der kompletten »Piscator Bibel« angekündigt. Noch ist das wichtige Werk aber nicht erschienen. Erhältlich sind Altes Testament, Neues Testament und Apokryphe Schriften in der Übersetzung von Piscator als Faksimile Druck in mehreren Bänden schon heute. Der Preis mag angemessen sein, liegt aber mit insgesamt über 1.000 Euro recht hoch. Mit etwas Glück findet man in Antiquariaten »Piscator-Bibeln« aus dem 18. und 17. Jahrhundert zu ähnlichen, manchmal gar günstigeren Preisen.

Angemerkt werden muss, dass das Piscator-Deutsch – 1602-1604! –für uns heute alles andere als leicht verständlich ist. Wünschenswert wäre, so wie wir das von Luthers Bibel kennen, eine Neuauflage in modernisierter Sprache. Dazu wird es aber wohl leider aus finanziellen Gründen nicht kommen.

Ein Wort des Dankes
Eva und  
Rolf Streblow † 
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! 
Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!

Fußnoten

1) Kapitel- und Verseinteilung stimmen bei unseren gängigen
     Bibelübersetzungen nicht immer mit der Vulgata überein. Im vorliegenden
     Fall entspricht dem Psalm 18, Vers 6 in der Luther-Übersetzung Psalm 19,
     Verse 5 und 6.
2) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom  
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
3) Siehe hierzu »Gute Nachricht Bibel«, Online-Ausgabe, Fußnote zu Joel   
    Kapitel 4, Vers 18. Eine schöne, hilfreiche Ausgabe ist die der »Deutschen
    Bibelgesellschaft«, Stuttgart, 3. Auflage, 1. März 2015
4) Allioli, Dr. Joseph Franz von (Übersetzer): »Die Heilige Schrift des Alten
    und Neuen Testaments/ Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext«, Wien,
    Britische und Ausländische Bibelgesellschaft, 1963
5) »Die Schrift. Aus dem Hebräischen verdeutscht von Martin Buber
     gemeinsam mit Franz Rosenzweig«, 4 Bände, 2688 Seiten, Deutsche
     Bibelgesellschaft, 1. Auflage, 1992
»Die Schrift. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz
     Rosenzweig«,  mit Bildern von Marc Chagall , 1176 Seiten, GVH
     Wissenschaft & Gemeindepraxis, 1. Auflage Oktober 2007

Foto 11: Der Dom zu Limburg

Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Jesse/ Isai und Co.
Fotos 3 und 4: König David am Dom zu Paderborn. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Blick in den Dom zu Limburg. Foto: wiki commons/ Mylius talk/ contribs
Foto 6: Wer steht denn da? Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 7: »Egressus es in salutem populi tui. Hab.«
Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 8: »Quia ecce Dominus«.
Fotoausschnitt/ wikimedia commons/ crop SteveK crop Bennylin
Foto 9: Martin Buber. Foto wiki commons/ public domain/ gemeinfrei 
Foto 10: Johannes Piscator. Foto wiki commons/ public domain/ gemeinfrei 
Foto 11: Der Dom zu Limburg. Foto wikki commons/ iki/ Phantom3Pix


383 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 3«,
»Heilige Frauen und Könige«,
Teil  383 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 21.05.2017


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Sonntag, 7. Mai 2017

381 »Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 1«

Teil  381 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Ein mysteriöses Gemälde im Dom

- in Memoriam Rolf Streblow † -

Foto 1: Der Dom etwa 1918
Denkt man an Limburg, so kommt einem auch heute noch der Name Tebartz-van Elst in den Sinn. Franz-Peter Tebartz-van Elst, am 20. November 1959 als zweites von fünf Kindern einer Landwirtsfamilie geboren, wurde am 28. November 2007 von Papst Benedikt XVI. zum neuen Bischof zu Limburg ernannt. Im Herbst 2013 wurde er wegen extrem gestiegener Baukosten für das »Diözesane Zentrum Sankt Nikolaus« vor Ort im Bistum, aber auch bundesweit attackiert. Schon am 23. Oktober 2013 wurde der einst jüngste Bischof in Deutschland vom Papst von seinen Pflichten entbunden. Die Deutsche Bischofskonferenz kam bis März 2014 zum Schluss, dass van Elst für die Kostenexplosion des umstrittenen Bauvorhabens auf über 30 Millionen Euro mitverantwortlich sei. Am 26. März 2014 akzeptierte Papst Franziskus van Elsts Rücktritt vom Bischofsamt. Seit Dezember 2014 ist van Elst als »Apostolischer Delegat im Päpstlichen Rat« tätig.

Am 27. Juli 1964 kam ein 1000-DM-Schein in Umlauf. Die Rückseite zierte eine Darstellung des Doms zu Limburg. Auf der Vorderseite zeigte er ein Männerporträt nach einem Gemälde von Lucas Cranach d.Ä., das entweder den Magdeburger Domherrn Johannes Scheyring oder den Mathematiker und Astronom Johannes Schöner darstellt. Die Sehnsucht nach Rückkehr zur »guten alten DM« wächst. Sollte es je zur Wiedereinführung der DM kommen, könnte man den 1000-DM-Schein neu gestalten und den einstigen Bischof von Limburg van Elst ehren.

Foto 2: Der Dom auf dem 1000-DM-Schein

Reisen wir gemeinsam in die Vergangenheit. Am Ende unserer Exkursion wird die Frage stehen: Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs?

Der Weg wird streckenweise ein wenig steinig werden, sprich nicht ohne das Latein der Vulgata-Bibel auskommen.

Im frühen 9. Jahrhundert soll Erzbischof Hetti von Trier (814-847) in Lympurgensis, also Limburg, eine Georgskirche geweiht haben. Die Existenz dieses Gotteshauses freilich ist umstritten, wird doch der Akt der Weihe im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Reste eines Vorgängerbaus – wie Mauerwerk – jedenfalls wurden bei Ausgrabungen nicht gefunden. Allerdings lassen sich unter der heutigen Kirche Bestattungen nachweisen, die auf das 9. Jahrhundert datiert werden. Archäologen entdeckten sie unter dem Dom zu Limburg im Umfeld der Michaeliskapelle.

Fotos 3 und 4: Mann mit Bart oder Bischof?
Das kleine sakrale Bauwerk wurde etwa 1260 errichtet, also einige Jahrzehnte nach Vollendung des Doms. 1359 wurde die Michaelis Kapelle als »Beinhaus« bezeichnet, 1366 als »neue Kapelle über dem Beinhaus«.

Noch im 19. Jahrhundert diente sie als »Beinhaus«. Anno 1857 stellte man das Obergeschoss der Kapelle dem Totengräber als Wohnung zur Verfügung.

Zurück zum Dom, zurück ins 10. Jahrhundert: Am 10. Februar 910 stellte König Ludwig das Kind, anno 900 als Sechsjähriger in Forchheim zum König des Ostrfrankenreiches gekrönt, eine Schenkungsurkunde aus. Alsbald wurde mit dem Bau einer Stiftskirche begonnen. Anno 940 war das dreischiffige Gotteshaus vollendet.

Unklar ist, warum der altehrwürdige Bau durch den heutigen Dom ersetzt wurde. Es liegen auch keine Dokumente vor, denen das Jahr, geschweige denn der Tag der Grundsteinlegung entnommen werden könnte. Nach wissenschaftlicher Einschätzung wurde Ende des 12. Jahrhunderts mit dem Bau begonnen. Als gesichert gilt das Jahr der Kirchweihe durch den Trierer Erzbischof Theoderich von Wied. Kirchenpatrone waren, auch daran gibt es keinen Zweifel, der legendäre Drachentöter St. Georg und Nikolaus von Myra.

Foto 5: Der Dom um 1899
Leider wurde bei der »Restaurierung« des Doms anno 1872 und 1873 der bis dahin erhaltene Außenputz der Originalbemalung entfernt. 1968 bis 1972 versuchte man den Außenputz zu rekonstruieren. Spärliche Reste der Außenfarbfassung dienten als Orientierungshilfe.

Der Dom zu Limburg thront wie ein verwunschenes Schloss oder eine wehrhafte Ritterburg, eine echte Veste, über der Altstadt von Limburg. Kenner preisen das monumentale Bauwerk auf dem Kalkfelsen als eines der schönsten Beispiele spätromanischer Baukunst mit Elementen der frühen Gotik (1).

Betreten wir nun den Georgsdom zu Limburg durch den Haupteingang. Zielstrebig durchschreiten wir das Gotteshaus Richtung Altar und wenden uns der Westwand des Nordquerhauses zu. Wir stehen vor einem beeindruckenden Gemälde, das uns so viel erzählen kann, das aber auch Geheimnisvolles zu bieten hat. Zeigt es vielleicht gar –  im Dom zu Limburg! –  die Darstellung eines »UFOs«?

Nach Willy Wyres (2) wurde es im 17. Jahrhundert restauriert, womöglich von »Übermalungen« befreit. Finanziert haben die Wiederherstellung des Gemäldes Johann Zanger und Anna Kalchoffen anlässlich der Hochzeit von Anna Maria Kalchhoffen, Nichte von Johann Zanger. Am 5. Mai 1638 wurde das fromme Werk vollendet, wie es eine Inschrift in lateinischer Sprache verrät (4).

Foto 6: Der Dom, etwa 1917
Konzentrieren wir uns auf die komplexe und durchaus mysteriöse Malerei. Das »Wurzel-Jesse-Fenster« aus der Zeit um 1226/30 verdient gründliche Beachtung und Recherche (3). Was stellt die durch die zahlreichen Personen fast etwas verwirrende Malerei an der Wand im Gotteshaus dar? Roman Nickel hat sich im Auftrag des Diözesanmuseums Limburg intensiv mit dem gehaltvollen Gemälde beschäftigt und mit geradezu detektivischem Spürsinn manche Frage beantworten können.

Er schreibt (4):

»Die Wurzel Jesse ist eine weitverbreitete Darstellung des Stammbaumes Jesu, angefangen bei Jesse, dem Vater von König David. Besonders im Mittelalter wurde dieses Symbol verwendet, um die familiäre Beziehung von Jesus zu dem Hause Davids darzustellen. Es dient in erster Linie dazu, die alttestamentarischen Prophezeiungen um den Messias in Jesus von Nazaret erfüllt zu sehen. Die Vorstellung der Wurzel Jesse schlägt sich aber nicht nur in bildlicher Kunst nieder, sondern auch musikalisch. Das berühmte Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert ›Es ist ein Ros‘ entsprungen aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art.‹ Das Bild zeigt die wichtigsten und bedeutendsten Vertreter aus dem Hause Davids, allerdings nur in männlicher Erblinie.«

Im Zentrum des Gemäldes rankt sich der sprichwörtliche »Stammbaum«, von Jesse (sitzend) nach oben. Bevor wir uns an eine Interpretation des Gemäldes »Stammbaum Jesu« wagen, wollen wir überlegen, für wen denn das komplexe Bildnis gedacht war. Gewöhnlich gelten des Lesens Unkundige als die Adressaten von bildhaften Darstellungen in Gotteshäusern. Und in der Tat schmückten einst herrliche Wandmalereien viele Kapellen und Kirchen. So erzählten Wandmalereien in der Wehrkirche von Urschalling am Chiemsee (5) zum Beispiel vom Verrat Jesu durch Judas, von Jesu Kreuzigung und von seiner Himmelfahrt. Diese lang unter Putz verborgenen Kunstwerke kamen ohne Worte aus. In zahlreichen Kirchen schlummern noch heute Wandmalereien seit Jahrhunderten unter unansehnlichem Putz. Es fehlen freilich die finanziellen Mittel, um sie freizulegen.

Foto 7: Der Dom, etwa 1935

Das Bildnis »Wurzel Jesse« wendet sich an Menschen, die nicht nur des Lesens kundig, sondern die auch des Lateinischen mächtig waren. Diverse »Spruchbänder« in lateinischer Sprache erklären, was – genauer gesagt wer –  im Bild dargestellt wird. Jesse alias Isai (Person 1).  sitzt zentral unter dem »Stamm-Baum«. Die Personen rechts und links von Jesse sind nicht als historische oder biblische Personen gekennzeichnet. Links neben Jesse machen wir eine Person in Blau aus (Person 2). Auf dem vom Kopf der unbekannten Person nach oben angebrachten Schriftband entziffern wir die Worte: »Egredietur virga de radice Jesse. Is:11«.

Foto 8: »Wurzel Jesse«. Foto E. und R. Streblow

Im 4. Jahrhundert gab es offenbar bereits Übersetzungen der ursprünglich in griechischer Sprache verfassten Evangelien und anderer Texte des »Neuen Testaments« ins Lateinische. Im Jahre 382 nahm sich Hieronymus, enger Vertrauter des Papstes Damasus I., diese lateinischen Texte vor und überarbeitete sie. Dabei korrigierte er nicht in erster Linie sprachliche Fehler, sondern er zensierte. Auch die anderen Schriften des »Neuen Testaments« knöpfte sich Hieronymus vor und bearbeitete sie ebenfalls, offenbar weniger stark als die vier Evangelien. Im Jahre 384 verstarb Papst Damasus I., Hieronymus setzte seine begonnene Arbeit fort.

Die ursprünglich in hebräischer Sprache verfassten Bücher des »Alten Testaments« standen dem frommen Kirchenmann in altgriechischer Sprache zur Verfügung.

Nebenbei: Luthers Hebräischkenntnisse waren wohl recht bescheiden. Es ist anzunehmen, dass er die Texte des Alten Testaments aus dem Altgriechischen und/ oder Lateinischen ins Deutsche übersetzte.

Hieronymus übertrug den Psalter, Buch Hiob, Sprichwörter, Hohelied und die beiden Bücher der Chronik ins Lateinische. Schließlich wurde das Werk vollendet, so dass eine komplette Fassung von beiden Teilen der Bibel in lateinischer Sprache vorlag. Die lateinische Bibel – heute als »Vulgata« bekannt –  mag vom Erschaffer des Gemäldes »Wurzel Jesse« als Vorlage für die Schriftbänder gedient haben.

Fotos 9 und 10: Jesse und Co

Kehren wir zur Person in Blau (Person 2) zurück. Auf ihrem Sprachband steht »Egredietur virga de radice Jesse. Is:11«. Wir schlagen in der »Vulgata« nach und werden rasch fündig. Gleich Vers 1 von Kapitel 11 im »Buch Jesaja« lautet (6): »Et egredietur virga de radice Jesse, et flos de radice ejus ascendet.« Ein Teil dieses Verses findet sich – korrekt zitiert – im Schriftband wieder. Die Luther-Bibel – Ausgabe 2017 –  übersetzt wie folgt: »Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.«

Dieser Bibelvers ist heute die wohl bekannteste Prophezeiung des Alten Testaments überhaupt. Keine zweite wird so häufig in Gottesdiensten unserer Tage zitiert. Sie wird dahingehend verstanden, dass der ersehnte Messias ein Nachkomme des Isai alias Jesse sein würde. Isai alias Jesse alias – hebräisch – Jischaj (zu Deutsch »Geschenk Gottes«) war der Vater von König David. Die Voraussetzung für das Messias-Amt schlechthin war, von David abzustammen.

Ob Jesus tatsächlich ein Nachkomme Davids war, mag dahingestellt bleiben. Vielleicht wurde ihm sein »Stammbaum« nur angedichtet.

Fußnoten
1) Metternich, Wolfgang: »Der Dom zu Limburg an der Lahn«, Darmstadt 1994
2) Weyres, Willy: »Der Georgsdom zu Limburg. Festschrift zur 
     Siebenhundertjahrfeier«, Limburg 1935, Seite 72
3) Grodecki, Louis: »Romanische Glasmalerei«, o.O., 1977, Abb. 195, 196.
4) Nickel, Roman: Manuskript ohne Titel, Archiv. Sabine Benecke vom 
     »Diözesanmuseums Limburg«, Abteilung »Kunst und Museen«,
     Limburg, hat mir dankenswerter Weise eine Kopie des Manuskripts zur
     Verfügung gestellt.
5) Siehe hierzu:
Aß, Karl J. et al: »Die Kirchen der Pfarrei Prien«, Schnell Kunstführer 49, 4.
     Auflage, Regensburg 1998.
von Bibra, Maria Feiin: »Wandmalereien in Oberbayern 1320–1570«,
     erschienen in »Miscellanea Bavarica Monacensia 25«, München 1970.
6) Vulgata

 
Foto 11: Das mysteriöse Gemälde

Ein Wort des Dankes
Eva und 
Rolf Streblow †
machten mich auf das geheimnisvolle Gemälde im Dom zu Limburg aufmerksam und stellten mir Fotos zur Verfügung! Dafür möchte ich mich bei ihnen recht herzlich bedanken!

Zu den Fotos 
Foto 1: Der Dom etwa 1918. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Der Dom auf dem 1000-DM-Schein. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 3 und 4: Mann mit Bart oder Bischof? Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Der Dom um 1899. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der Dom, etwa 1917. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Der Dom, etwa 1935. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 8: »Wurzel Jesse«. Foto Eva und Rolf Streblow
Fotos 9 und 10: Jesse und Co. Fotos wikimedia commons crop SteveK crop Bennylin
Foto 11: Das mysteriöse Gemälde. Foto Eva und Rolf Streblow

382 » Gibt es im Dom von Limburg die Darstellung eines UFOs? Teil 2«,
»König David und der Heilige vom Gebirge Paran?«,
Teil  382 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein, erscheint am 14.05.2017



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