Sonntag, 21. Juli 2019

496. »Licht und Hölle im Nahbereich Tod«

Teil 496 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Gekreuzigter bei Holzhausen
Als Hannelore S. das Licht am Ende des Tunnels immer rascher näherkommen sah, machte sie eine Gestalt aus. »Sie hob sich hell vom hellen Licht ab. Sie strahlte in gleißendem Licht. Ich fühlte mich von ihr angezogen. Ihr Licht blendete aber nicht. Es war ein Engel. Er trug ein fließendes, lang wallendes Gewand. Am Rücken waren zwei mächtige Flügel, die weit über die Schultern reichten. Jener Engel öffnete die Flügel weit, breitete sie aus und versperrte mir den Weg. Er bewegte zwar nicht die Lippen. Ich konnte aber deutlich seine Worte vernehmen: ›Bis hierher und nicht weiter! Noch ist deine Zeit nicht gekommen!‹«

Nach den Recherchen von George Gallup Jr. dürfte etwa jeder dritte Amerikaner, der ein Nahtoderlebnis hatte, auch so eine »Gestalt« wahrgenommen haben. Sie berichten, »die Gegenwart eines Wesens gespürt oder eine sonstige konkrete Erfahrung mit dem Jenseits gehabt zu haben.« Dr. Moody erfuhr durch Befragung von Menschen, die klinisch bereits tot waren, das Gleiche. Er fasst zusammen: »Eine ganze Reihe von Menschen hat mir berichtet, dass sie irgendwann im Laufe ihres Sterbeerlebnisses, sei es gleich zu Beginn, sei es erst später, die Gegenwart anderer spiritueller Wesen in ihrer Nähe wahrgenommen hätten. Diese Wesen seien offensichtlich gekommen, um ihnen den Übergang in den Tod zu erleichtern, oder aber um ihnen anzukündigen, dass die Zeit zu sterben für sie noch nicht gekommen sei, weshalb sie in ihren stofflichen Körper zurückkehren müssten.«

Hannelore S.: »Hinter den Flügeln nahm ich weitere Gestalten war. Sie winkten mir zu, freudestrahlend. Sie gaben mir zu verstehen, dass sie wieder zur Stelle sein würden, sobald ich sterben würde. Ich drehte mich um und flog wieder durch den Tunnel. Dabei flackerten Bilder vor meinem ›geistigen Auge‹ auf. Es begann mit dem Unfall, den ich nochmals wie in einem Film sah, dann folgten, immer weiter zurückgehend, blitzartig aufleuchtend, Szenen aus meinem Leben. Ich erlebte mich schließlich sogar als Baby im Arm meiner Mutter.« 

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Eine solche »Rückschau« erlebten viele der von Dr. Moody befragten Menschen mit Sterbeerlebnissen. Manche sahen so etwas wie einen Film im Zeitraffertempo ablaufen. Andere visionierten ein eher chaotisches Durcheinander von Erinnerungsfetzen. Dr. Moody: »Obwohl sie so außerordentlich rasch vor sich geht, wird die Rückschau, die fast durchwegs als Spiel visueller Vorstellungsbilder bezeichnet wird, von den Betroffenen doch übereinstimmend als erstaunlich lebendig und lebensecht dargestellt. In manchen Fällen wird von dreidimensionalen und sogar bewegten Bildern in lebhaften Farben berichtet. Selbst wenn sie Schlag auf Schlag vorbeiflimmern, wird doch jedes einzelne Bild wahrgenommen und auch erkannt, ja während des Betrachtens werden die mit den Bildern zusammenhängenden Gefühle und Gemütsbewegungen manchmal sogar erneut durchlebt.«

Genauso erging es Hannelore S.: »Diese Filmsequenzen sausten förmlich an mir vorbei. So wohl ich mich gefühlt hatte, als es in Richtung Licht zuging, so gern ich auch vollkommen in das Licht eingetaucht wäre, jetzt war ich froh, dass es wieder zurück in mein ›altes Leben‹ ging. Bei den Bildern von bestimmten Szenen aus meinem früheren Leben hatte ich erneut die Gefühle von damals verspürt. Ich  konnte zum Beispiel den salzigen Geschmack der Lippen meines ersten Freundes schmecken, vom ersten zärtlichen Kuss als 16jährige.« Hannelore S. empfand schon bald die Chance nochmals in ihr altes Leben zurückkehren zu können, als überaus positiv. Das ist eher selten. Die meisten Menschen mit Nahtoderlebnissen haben sich gegen diese Rückkehr gewehrt. Ganz typisch ist das bereits mehrfach zitierte Erlebnis von Alberta Osborne. Bei ihr folgte auf das als wunderschön empfundene Licht die Rückkehr in die Intensivstation des Krankenhauses:

Foto 2: Höllenwelten von Herrad von Landsberg.
»Dann, schlagartig, hörte ich menschliche Stimmen. Ich wollte die Stimmen nicht vernehmen. Ich wollte bleiben wo ich war und ich wollte nicht zurück. Ich versuchte den Atem anzuhalten, in der Hoffnung, wieder zurückgehen zu können. Aber was auch immer ich versuchte, nichts funktionierte und so fing ich an zu realisieren, was die Menschen um mich herum sagten. Die Schwester meinte zum Arzt: ›Ich hoffe, dass die Nadel nicht zu dick war, ich hatte ja keine Zeit!‹ Und der Arzt antwortete ihr: ›Sie war zu dick, ich musste vorsichtig sein, keinen Knochen zu treffen!‹ Dann wurde mir bewusst, dass eine Nadel in meiner Brust steckte, die in mein Herz führte. Ich hatte eine Injektion ins Herz bekommen.« Sie fragte sich, was geschehen war. Da hörte sie die Antwort von einem der Menschen in ihrer Nähe: »Ihr Herz war stehengeblieben. Sie war dreieinhalb Minuten klinisch tot! Aber jetzt atmet sie wieder!«

Die meisten der Menschen, die Sterbeerlebnisse hatten und mit denen Dr. Raymond Moody gesprochen hat, kehrten nur widerwillig um. »Sobald die Sterbenden in ihrem Erlebnis bis zu einer gewissen Tiefe vorgedrungen sind, liegt ihnen nicht mehr an der Rückkehr, ja sie scheinen sich sogar dagegen zu sträuben, ihre körperliche Existenz wieder aufzunehmen. Insbesondere gilt das für diejenigen, die schon so weit gekommen waren, dass sie dem Lichtwesen begegneten. Wie ein Mann es überschwänglich formulierte: ›Die Nähe dieses Wesens wollte ich nie mehr verlassen!‹«

Foto 3: Höllenwelten von Herrad von Landsberg.
Es ist nur zu verständlich, dass die Sterbeerlebnisse von allen Betroffenen als starker Einschnitt im Leben empfunden wurden. Verglichen mit dem bis dahin erlebten Alltag ist die neue Realität im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch. Was bis dahin als einzige wirklich Welt empfunden wurde, erscheint jetzt als Teil einer umfassenderen Wirklichkeit. Der Tod ist dann nicht das Ende, sondern nur eine Grenze, die überschritten wird. Alberta Osborne stellte rückblickend fest: »Nichts im Leben lasst sich mit der Freude, der Schönheit und dem Frieden vergleichen, was einen alles erwartet, wenn man dieses Leben verlässt und in das nächste eintritt. Ich war dort drüben, wenn auch nur für kurze Zeit und bin zurückgeschickt worden. Das ist es, was ich als Botschaft all jenen vermitteln möchte, die noch Angst vor dem Sterben haben. Lass’ sie los, die Angst. Es gibt nichts Schöneres als das, was nach dem Leben kommt, wenn wir versuchen, richtig zu leben. Leben beinhaltet so viel Schmerz, Kummer, Sorgen und Angst. Doch das alles ist vorbei, wenn der Herr uns zu sich nimmt. Oh, dieser Frieden, diese Freude wird niemand kennenlernen, bevor er nicht dorthin gelangt. Das heißt aber nicht, dass man sich beeilt, dorthin zu gelangen, heißt nicht, dass man sich das Leben nimmt!

Nein, man muss alles Gott überlassen! Ich will keineswegs behaupten, perfekt zu sein. Ich habe viele Fehler in meinem Leben begangen, genau wie andere auch. Aber Gott schickte mich zurück ins Leben, mit einem Grund. Er zeigte mir nur einen Schimmer davon, wie schön der Tod sein kann, aber jetzt weiß ich eines gewiss. Ich kann die Fehler in meinem Leben sehen. Mein Erlebnis mit dem Sterben hat mir gezeigt, wie schön der Himmel sein wird. Das Thema Sterbeforschung hatte mich vor meinem Erlebnis nie interessiert. Doch seither lese ich alles, was ich zu diesem Thema finden kann und habe schon einiges an Nachforschungen geleistet. Niemand wollte jemals wieder zurück ins irdische Leben der einmal drüben war. Ich schließe mit der Aufforderung: Fürchte dich nicht vor dem Tod. Wenn du versuchst zu leben, wie du sollst, dann kannst du auf den Ruf warten. Du hast etwas Schönes in Aussicht, das wunderbarer sein wird als alles, was du je erlebt hast: den Tod. Er ist nicht von dieser Welt!«

Foto 4: Höllenwelten von Herrad von Landsberg.

Alle Menschen, die Sterbeerlebnisse hatten, haben ihre Angst vor dem Tod verloren. Das ist das wichtigste Ergebnis von Dr. Raymond Moody. Einer der von Dr. Moody befragten Betroffenen: »Als ich noch ein kleiner Junge war, grauste es mir vor dem Sterben. Ich wachte nachts häufig auf und schrie und tobte. Meine Mutter und mein Vater stürzten in mein Zimmer und fragten mich, was denn los sei. Ich sagte zu ihnen: ›Ich will nicht sterben, aber ich weiß, dass ich sterben muss. Ihr solltet machen, dass das aufhört.‹ Meine Mutter sprach dann mit mir und sagte: ›Nein, das können wir nicht, es muss wohl so sein, wie es ist und wir müssen uns alle damit abfinden.‹ Sie sagte, dass wir es alle ganz allein vollbringen müssten und dass wir, wenn es soweit sei, unsere Sache auch gut machen würden. Und noch viele Jahre später, als meine Mutter längst gestorben war, sprach ich mit meiner Frau über den Tod. Ich hatte immer noch Angst davor. Ich wollte nicht, dass er zu mir komme. Aber seit diesem Erlebnis (mit dem Tod) fürchte ich mich nicht mehr vor dem Tod. Derartige  Gefühle sind verflogen. Beerdigungen sind mir nicht mehr zuwider. Ich fühle dabei sogar etwas wie Freude, weil ich weiß, was der Tote hinter sich gebracht hat. Ich glaube, dass Gott mir dieses Erlebnis zugeteilt hat, weil ich mich so sehr vor dem Tode gefürchtet habe. Ich rede nicht viel über diese Dinge, aber ich weiß genug, und das macht mich ruhig und zufrieden.«

Was Menschen über ihre Sterbeerlebnisse berichten, klingt trostreich. Fragen aber bleiben. Das größte Geheimnis der Menschheitsgeschichte bleibt bestehen: Was erwartet uns nach dem Tode? Irgendwann wird jeder Mensch diese Frage für sich ganz persönlich beantworten können. Mehr Zeitgenossen als man gewöhnlich annimmt haben Nahtoderlebnisse. Und sie alle kommen zur Überzeugung, dass der physische Tod nicht das Ende ist. Es geht weiter.

Einige Menschen, die klinisch tot oder dem Tod sehr nahe waren, erinnern sich an Höllenvisionen. Ernst M., zum Beispiel (2), sah sich zusammen mit anderen »Toten« in einem Käfig im Höllenfeuer. »Eine Stimme ermahnte mich. So würde ich enden, wenn ich meinen Lebensweg nicht ändern würde. Tatsächlich hatte ich bis dahin manches getan, was eigentlich mit meinem Gewissen nicht vereinbar war. Mein Erlebnis im Todesbereich war alles andere als angenehm. Seither lebe ich so, dass ich keine Gewissenskonflikte habe!«

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Von Herrad von Landsberg (*1125-1130; †1195), einer hochgebildeten Äbtissin und Schriftstellerin, stammt der »Hortus Deliciarum«. Das Werk, in lateinischer Sprache verfasst, war eine einzigartige Enzyklopädie des Wissens. Es enthält eine äußerst detailreiche Darstellung der höllischen Unterwelt, ein Dokument religiöser Fantasien und Ängste. Wenn manche Menschen in Nahtoderlebnissen Höllenszenen durchleben, sind diese Bilder dann Ausdruck ihrer Ängste? Wenn Menschen im Nahbereich Tod verstorbene Verwandte und Freunde entgegenkommen, sind das dann echte Erlebnisse oder nur die visualisierten Hoffnungen der Menschen, die fast gestorben wären?

Fußnoten
1) Moody, Raymond A.: »Leben nach dem Tod/ Die Erforschung einer unerklärten Erfahrung«, Hamburg 1977
2) Persönliche Mitteilungen von Ernst M., Name geändert
Literatur
Doucet, Friedrich W.: »Die Toten leben unter uns«, Wien 1979
Gallup Jr., George: »Begegnungen mit der Unsterblichkeit«, München 1983
Moody, Raymond A.: »Blick hinter den Spiegel/ Botschaften aus der anderen Welt«, München 1994


Zu den Fotos
Foto 1: Der Gekreuzigte, unweit Keltenschanze 2, Holzhausen, Foto Walter-Jörg Langbein

Fotos 2-4: Höllenwelten von Herrad von Landsberg. wikimedia commons gemeinfrei 
X: Höllenwelten von Herrad von Landsberg. wikimedia commons gemeinfrei

497. »›Geheime Dinge hat er gesehen.‹«
Teil 497 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 28. Juli 2019
 


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Sonntag, 14. Juli 2019

495. »Grenzbereich Tod«


Teil 495 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Friedhöfe - für viele unheimliche Orte

DER SPIEGEL (1) fragte auf dem Cover der Ausgabe Nr. 17 vom 20.4.2019 »WER GLAUBT DENN SOWAS?« Der Untertitel der Schlagzeile »Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen«. Diese provokative Feststellung kann DER SPIEGEL zwar nicht belegen, bemerkenswert sind aber die konkreten Zahlen aus über die Deutschen und ihren Glauben. 2005, so vermeldet DER SPIEGEL, glaubten noch 45% der Befragten an ein Leben nach dem Tod. Nach den aktuellen Umfrageergebnissen sind es nur noch 40%.

Deutlich »gläubiger« sind Katholiken nach wie vor: 2005 bekundeten noch 65% der Befragten Katholiken, dass ihrer Überzeugung nach der Tod nicht das Ende ist, aktuell sind es nur noch 53%. Bei den Protestanten glaubten anno 2005 49% an ein Weiterleben nach dem Tod, heute sind es nur noch 41%.

Interessant ist, dass bei den »Konfessionslosen« die Zahl jener, die an ein Leben nach dem Tod glauben, anders als das bei Katholiken und Protestanten der Fall ist,  nicht etwa geschrumpft, sondern deutlich angewachsen ist, nämlich von 15% (anno 2005) auf 25%! Es glauben also heute mehr Konfessionslose als 2005 daran, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Meiner Meinung nach bedeutet »konfessionslos« nicht grundsätzlich, dass sich die Menschen vom christlichen Glauben abwenden. Viele von ihnen können einfach nichts mehr mit einer Institution Kirche anfangen. Skandale wie der schlimme Missbrauch von Kindern durch Geistliche haben sicher zu Kirchenaustritten geführt. Man kann sich von der Geistlichkeit distanzieren, dabei aber bei alten Glaubensüberzeugungen bleiben.

Foto 2: »Wer glaubt denn sowas?«
Unerwartet ist für mich, dass der Glaube an ein Leben nach dem Tod mit dem Alter nicht wächst, sondern sinkt. Bekundeten in der Altersgruppe der 18- bis 39-jährigen 43%, dass sie an ein Leben nach dem Tode glauben, so sind das bei den 65-jährigen und älteren Befragten nur noch 29%!
George Gallup Jr. führte in den USA eine ausführliche Untersuchung durch. Resultat: Hochgerechnet hatten etwa 23.000.000 Amerikaner zumindest kurzfristig einen »totenähnlichen Zustand« erfahren. 8.000.000 dieser Menschen hatten dabei »im Umfeld des Todes« so etwas wie ein »mystisches Erlebnis irgendeiner Art«. So umfassend die Recherchen von George Gallup Jr. auch waren, so sind sie doch nur bedingt verwertbar, wenn es um die Frage nach dem Leben nach dem Tode geht. Dr. Raymond A. Moody ist genau dieser Frage nachgegangen  und zum Ergebnis gekommen, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Nicht wenige Zeitgenossen hatten Nahtoderlebnisse, Visionen vom Weg ins Jenseits. Und da spielen Engel fast immer eine zentrale Rolle. Wenn das keine »fantastischen Realitäten« sind, was dann?

Dr. Raymond A. Moody (* 30. Juni 1944 in Porterdale, Georgia, USA) studierte zunächst Philosophie und promovierte zum Dr. phil. Nach einer Anstellung als Dozent studierte er Medizin und promovierte erneut. Schon während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit unerklärlichen Phänomenen im Grenzbereich des Todes. Weltbekannt wurde er durch die Veröffentlichung seiner Studie »Leben nach dem Tod« (1). Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Auswertung von Berichten von 150 Menschen, die im medizinisch-klinischen Sinne bereits gestorben waren und doch überlebt hatten. Dr. Moody kam zu einer Erkenntnis, die gar nicht in unser materialistisches Weltbild zu passen schien: Es gibt so etwas wie ein »Grundschema« des Sterbens. So unterschiedlich die Individualschicksale auch waren, den Menschen, die bereits einmal klinisch tot waren, widerfuhr Vergleichbares. Zunächst einmal erlebten sie ihr eigenes Sterben.

Foto 3: Reise ins Licht...
Ein ganz typisches Todeserlebnis hatte die Amerikanerin Alberta Osborne (2). Sie stellte dem Verfasser einen persönlichen, ausführlichen Bericht zur Verfügung. Alberta Osborne erlebte ihren eigenen Tod so: »Ich schloss die Augen und fiel zu Boden. Ich wurde aufs Bett gelegt. Die Krankenschwester begann sofort mit der Herzmassage. Es gelang ihr, mein Herz wieder in Ganz zu bringen. Ich keuchte und mein Herz blieb stehen. Sie ließ nicht von mir ab bis der Notarzt da war und übernahm. Mein Atem raste und der Schmerz schlug heftig und schnell. Auf dem schnellsten Wege kam ich in die Intensivstation des Krankenhauses. Ich war bei Bewusstsein. Ich registrierte alles, was geschah. Ich wurde an den Herzschlagmonitor angeschlossen und konnte den Schlag meines Herzens hören. Ich hörte wie eine Schwester zum Arzt sagte: ›Der Blutdruck fällt!‹ und ›Ich fühle keinen Puls mehr!‹ Wie ein Blitz kam mir der Gedanke: ›So, nun bin ich tot!‹«

Alberta Osborne wurde Mitte der 1970er Jahre wegen Anstiftung zum Mord zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Die Todesstraferteil wurde in lebenslängliche Haft umgewandelt. Alberta Osborne, die immer ihre Unschuld beteuerte, verstarb am 11. August 2000 77jährig in ihrer Gefängniszelle, in Marysville, Ohio, USA.

Dr. Moody: »Ein Mensch liegt im Sterben. Während seine körperliche Bedrängnis sich ihrem Höhepunkt nähert, hört er, wie der Arzt ihn für tot erklärt. Danach befindet er sich plötzlich außerhalb seines Körpers.« Zunächst nimmt er sich in der normalen Umgebung wahr. Er sieht seinen eigenen Leib. Nach und nach gewöhnt er sich an den neuen Zustand. Alberta Osborne: »Ich hatte keine Angst. Ich sah meinen Körper, als ob ich schwebte, wie ohne Gewicht. Ich muss sagen: Ich war so glücklich und voller Freude, ohne Sorge. Kein Kummer, kein Schmerz, nur völlige Heiterkeit.« Nach Dr. Moodys Erkenntnissen wird die Tatsache, dass man gestorben ist, schnell akzeptiert. Dann folgt dann so etwas wie eine »Reise« ins Jenseits. Sie wird von vielen der Betroffenen häufig als ein Flug durch so etwas wie einen Tunnel beschrieben.

Hannelore S. etwa, 41, hatte mit 29 einen »tödlichen Motorradunfall«. Aus ihrem Bericht an den Verfasser: »Ich fühlte mich leicht und ohne Schmerz. Ich schwebte und sah einige Meter unter mir meinen Körper. Ein Arzt kniete neben mir, schüttelte den Kopf: ›Da ist nichts mehr zu machen! Die Ärmste ist tot!‹ Er wirkte so wahnsinnig traurig, dass ich ihn am liebsten getröstet hätte. Aber dann tat sich  ein Tunnel vor mir auf. Ich flog hinein. Ich hatte das deutliche Gefühl, dass es sehr rapide aufwärts ging. Plötzlich tauchte am Ende ein strahlendes Licht auf. Es war so wunderschön. Ich konnte gar nicht erwarten, in dieses Licht einzutauchen.«

Der Übergang von der Welt des Diesseits in das Jenseits wird von vielen Menschen, die Todeserlebnisse hatten, sehr ähnlich beschrieben, auch wenn die  konkreten Ausdrücke variieren: »dunkler Raum«, »Höhle«, »Schacht«, »Rinne«, »eingegrenzter Raum«, »Tunnel«, »Trichter«, »Vakuum«, »Leere«, »Rohr«, »Tal« oder »Zylinder«.

Ganz ähnliches widerfuhr auch Alberta Osborne. Allerdings hatte sie kein Röhrenerlebnis, sie sah
vielmehr gleich das als herrlich empfundene Licht: »Da war kein Kummer, kein Schmerz. Nur völlige Heiterkeit. Und als ich weiter schwebte, sah ich plötzlich vor mir ein sanftes orangenes Licht. Es war so hell, dass es mit Worten nicht zu beschreiben war. Es war fast blendend, aber ich sah immerzu hinein und schwebte näher und fühlte nur, dass ich mich beeilen wollte, um hineinzugelangen. Es sah so sanft aus, wie ein enormer Ball aus Zuckerwatte. Obwohl ich immer wieder sagen muss, dass Worte die Schönheit von all dem nicht beschreiben können: So war es in etwa.«

Während meines Studiums der evangelischen Theologie machte ich ein Praktikum in einem Altersheim. Einige der alten Menschen fassten Vertrauen zu mir und erzählten mir sehr persönliche Erlebnisse in Sachen »Grenzbereich Tod«.

Foto 4: Sterben, wie ein Gang durch einen Tunnel?

Karl Schuster (3) bereiste in Mitte der 1950er Jahre Peru. Besonders fasziniert war der gelernte Buchdrucker von Ollantaytambo. Karl Schuster: »Ich hatte zu wenig Zeit und habe mir wohl zu viel zugemutet. In Ollantaytambo, immerhin fast 2.800 Meter hoch gelegen, wurde mir plötzlich schlecht. Ich erinnere mich noch daran, dass ich aus einem in Stein gefassten Brunnen trinken wollte. Das Wasser war glasklar. Ich habe noch das Geräusch des plätschernden Wassers in den Ohren… «
Karl Schuster, damals 55 Jahre alt, bückte sich, doch bevor er einen Schluck zu sich nehmen konnte, wurde ihm schwarz vor Augen. Er brach zusammen, zog sich dabei eine blutende Wunde an der Stirn zu.

»Plötzlich hörte ich einen anschwellenden, zirpenden Ton. Ich fühlte mich so unglaublich leicht. Meine Rückenschmerzen, unter denen ich damals fast rund um die Uhr gelitten habe, waren weg. Ich empfand es als ganz natürlich, dass ich sanft gen Himmel schwebte, immer schneller und schneller. Schließlich sah ich unter mir die Ruinen von Olantaytambo.«

Foto 5: Ein Brunnen bei Ollantaytambo...

Karl Schuster bedauerte, keinen Fotoapparat dabei zu haben. »Der Anblick war überwältigend! Immer höher und höher stieg ich auf. Neben mir, rechts und links, schwebten zwei Gestalten mit Flügeln. Ihre Gesichtszüge konnte ich nicht erkennen, sie wirkten irgendwie verschwommen. Etwas sehr Positives ging von den beiden aus. Beide deuteten dann auf etwas Helles, sich am Himmel Drehendes. Es erinnerte mich an einen Wasserstrudel. Es kam mir so vor, als würden mich die beiden Gestalten zu diesem Wirbel bringen. Der wurde immer größer und größer. Er drehte sich gemächlich. Ich wusste: Das war der Zugang zur anderen Welt. Als wir fast direkt vor diesem kreisrunden Licht angekommen waren, konnte ich durch diesen Eingang hindurch sehen. Ich sah Gesichter, Gesichter von alten Menschen, aber auch von Kindern. Ich erkannte niemanden. Plötzlich hielten wir inne. Ich wollte so gern durch dieses runde Tor in die andere Welt eingehen. Meine beiden Begleiter aber hinderten mich daran. Es sei noch nicht so weit, ich hätte noch vieles in meinem Leben zu erledigen!«

Karl Schuster spürte so etwas wie einen Ruck und Kälte.»Ich war wieder in meinem Körper. Ein junger Mann schöpfte eben wieder mit seinem Hut  glasklares Wasser aus der Quelle, schleuderte es mir förmlich ins Gesicht. Ich wäre gern den anderen Weg zu Ende gegangen, aber die Zeit war wohl noch nicht gekommen…« Angst vor dem Tod hatte Kerl Schuster seither nicht mehr.

Fußnoten
1) DER SPIEGEL, Nr. 17, 20.4.2019, Titelgeschichte »Wer glaubt denn sowas? Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen«, S.40-48
2) Osborne, Alberta: »Alberta Osbornes Bericht« in Langbein, Walter-Jörg (Herausgeber): »Im Gespräch mit dem Jenseits«, Göttingen 1984
3) Name wurde geändert

Zu den Fotos
Foto 1: Friedhöfe - für viele unheimliche Orte. Foto: Walter-Jörg Langbein (Symbolfoto)
Foto 2: »Wer glaubt denn sowas?«
Foto 3: Reise ins Licht... Foto: Walter-Jörg Langbein (Symbolfoto)
Foto 4: Künstlerische Darstellung eines Nahtoderlebnisses. Foto wikimedia commons/ gemeinfrei/ Jesse Krauß (Symbolfoto)
Foto 5: Ein Brunnen beiOllantaytambo... Foto Walter-Jörg Langbein (Symbolfoto)

496. »Licht und Hölle im Nahbereich Tod«
Teil 496 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21. Juli 2019




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Sonntag, 7. Juli 2019

494. »Berichte vom Leben nach dem Tod«

Teil 494 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: »Aufstieg der Seligen«
Um das Jahr 1500 malte Hieronymus Bosch (* um 1450, † August 1516) ein faszinierendes Ölbild, das stark an Nahtoderlebnisse erinnert: »Die Himmelfahrt der Seligen«. Die glücklichen Seelen werden, wie häufig in christlicher Kunst, nackt dargestellt. Halb schweben sie aus irdischen Gefilden in den Himmel, halb werden sie von Engeln in die Schwärze des Alls gebracht. Eine Himmelfahrt im eigentlichen Sinne findet, streng genommen, nicht statt. Nur Jesus fuhr aus eigener Kraft gen Himmel, Normalsterbliche werden in den Himmel aufgenommen. Ziel der Reisenden der besonderen Art ist eine Art »Licht-Tunnel«, der Übergang vom Diesseits ins Jenseits. Den geretteten Seelen steht der Wechsel vom finsteren Diesseits ins lichtdurchflutete Jenseits bevor. Kaum ein zweiter Künstler hat diese Verbindung von Diesseits und Jenseits so konkret und doch zugleich fantastisch dargestellt wie Hieronymus Bosch.

Viele Parapsychologen und Esoteriker sind davon überzeugt, dass es diesen Tunnel ins Licht tatsächlich gibt. Fakt ist: Menschen, die klinisch tot waren, aber ins Leben zurück geholt wurden, schildern so einen Tunnel, an dessen Ende ein unbeschreibliches Licht auf sie wartete. Allerdings traten ihnen Engel entgegen oder Stimmen ließen vernehmen, dass ihre Zeit noch nicht gekommen sei. So mancher wollte dann gar nicht zurück ins Leben kehren. Alle, die derlei positive Jenseitserlebnisse haben, verlieren jede Angst vor dem Tod. Gibt es also so einen Übergang tatsächlich? Können Lebende mit Toten in der anderen Welt, jenseits des Tunnels, Kontakt aufnehmen?

Foto 2: Engel helfen beim »Aufstieg«...
Anders als in Deutschland werden in England Parapsychologen häufiger bei rational unerklärlichen Vorkommnissen zu Rate gezogen. Und das nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von Behörden und von der Polizei. Die Engländer zeichnet ein wesentlich ungestörteres Verhältnis zu übersinnlichen Wahrnehmungen aus. Es wird einfach akzeptiert, dass es Wesen und Wesenheiten gibt, die zu unserer Realität gehören. Deutscher Bildungsdünkel und Hochmut tun sich da schwer. Betty und Laurence Stroud waren Ende des 20. Jahrhunderts sehr angesehene Parapsychologen in London. In London durfte ich Einblick in Unterlagen des Ehepaars nehmen. Da wurden zum Teil sehr erstaunliche Phänomene beschreiben. Beispiel: Eine Kraft hielt die alte Frau im Bett fest. So sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte sich, den sicheren Tod vor Augen, nicht von der Stelle rühren. Denn es brannte. Innerhalb weniger Sekunden wandelte sich das Bett von Mary Bailey in ein Flammenmeer, aus dem es kein Entrinnen mehr zu geben schien.

Dann folgte ein ohrenbetäubender Knall. Schweißgebadet und vor Angst zitternd wachte Mary Bailey, 89 Jahre, in ihrem Schlafzimmer auf. Hatte sie alles, auch den Krach, nur geträumt? Nein! Sowohl die Decke als auch die Matratze ihres Bettes waren von einem gewaltigen Riss gezeichnet. Die Angelegenheit wurde der alten Dame unheimlich. Sie dachte an Spuk und Poltergeister und verständigte die in England bekannten Parapsychologen Betty und Laurence Stroud. Als das Forscherpaar von den seltsamen Erlebnissen der Rentnerin Mary Bailey erfuhr, besuchten die beiden die alte Dame in ihrer Wohnung in Streatham, London.

Foto 3: Diese Kirche birgt eine mysteriöse Treppe.

Die beiden sahen sich im Haus um und  nahmen   systematisch mit einem  Geist Verbindung auf.»Der Krach wurde von Ihrem Cousin hervorgerufen, Frau Bailey!«, erklärte schließlich Betty Stroud, die auch eine Erklärung für das Phänomen hatte. »Ihr Cousin möchte Sie warnen! Große Gefahr geht von Ihrer Heizdecke aus!« Mary Bailey ließ die Heizdecke überprüfen. Ergebnis: Lebensgefahr ging von der Decke aus. Das lag an einem Kabel, dessen Isolierung stark beschädigt war. Die Rentnerin war nun überzeugt: Ihr toter Cousin, der zu Lebzeiten so etwas wie ein Bruder für die Frau war, hat ihr das Leben gerettet. Betty und Laurence Stroud halten diesen Gedanken durchaus für möglich: »Poltergeister haben ja bekanntlich keinen besonders guten Ruf, weil sie zu nächtlicher Stunde oft entsetzlichen Krach machen, manchmal auch schwere Gegenstände umher wirbeln. Das aber geschieht höchst selten, um jemanden zu erschrecken. Vielmehr verbirgt sich allzu oft hinter einem scheinbar unheimlichen Spuk ein Toter, der Lebende vor einer Gefahr warnen, sie auf eine gefährliche Situation aufmerksam machen möchte.«

Foto 4: Engel an der Heiligen Stiege
Freilich darf man sich, so die Strouds, Poltergeister auch nicht einfach als engelähnliche Wesen, vorstellen, die ständig und überall in unserer Welt umher schweben, stets auf der Suche nach Möglichkeiten, gute Taten zu vollbringen. Sie sind vielmehr, das ergaben die langjährigen Forschungen von Betty und Laurence Stroud, die ihre Forschungen in Woolwich, Südlondon, begannen, häufig an Gebäude oder bestimmte Personen gebunden. »Irgendeine Beziehung muss vorhanden sein. Poltergeister treten zum Beispiel in Häusern auf, in denen sie zu Lebzeiten lange Jahre verbrachten, oder in denen sie starben. Oder sie sind irgendwie verwandt oder doch zumindest besonders jenen Menschen bekannt, denen sie als Spuk erscheinen. Wie unheimlich die Spukerscheinung auch aussehen mag, wie furchteinflößend sie von den betroffenen Menschen auch empfunden werden mögen, meist handelt es sich um verzweifelte Versuche von Geistwesen, mit Lebenden Kontakt aufzunehmen und sie zu warnen.«

Davon jedenfalls waren die Strouds überzeugt. Diese ihre Überzeugung kam keineswegs von ungefähr, sondern ist durch zahllose Spukfälle, die das Ehepaar selbst recherchiert und vor Ort geprüft hat, belegt. Ein typischer Fall, der sich in Woolwich ereignet hat: Eine junge Frau erlebte furchteinflößende Spukphänomene in ihrem Haus. So erschütterten einmal drei Donnerschläge ihr Haus. Wie von unsichtbaren Händen gepackt, wurden die Kinder aus den Betten geschleudert. Dabei wurden die Betten hochgewirbelt. Krachend stürzten sie zu Boden.

»Im Zimmer, in dem die Wiege des Babys stand, waren die Möbel förmlich in sich zusammengebrochen.«, berichten die Strouds. Das Baby war unverletzt geblieben, was an ein Wunder grenzte, angesichts des fürchterlichen Durcheinanders, der nach dem Spuk im Zimmer herrschte. Welche Kräfte waren für das Werk der Zerstörung verantwortlich? Was hat die Möbelstücke so zugerichtet? Angeblich wiesen sie keine Spuren auf, die eine »natürliche Erklärung« nahegelegt hätten. Man kann der »übersinnlichen Arbeit« der Strouds durchaus skeptisch gegenüberstehen, ihre Resultate stimmen nachdenklich. Im vorliegenden Fall identifizierte das Forscherpaar den Geist der Großmutter als Urheberin der Poltergeistphänomene. Die Dahingeschiedene, so Ehepaar Stroud, wollte der jungen Frau eine Warnung zukommen lassen. Ihr Mann saß wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis und würde bald entlassen werden. Seine Frau hatte gegen ihn ausgesagt. Dafür wollte sich der Mann nach der Haftentlassung blutig rächen. Der Geist wollte die Frau, so die Strouds, warnen. Die junge Frau packte das Nötigste zusammen und verließ fluchtartig ihr Haus, rechtzeitig bevor ihr Mann mit Mordabsichten auf der Bildfläche erschien.

Immer wieder wurden die Strouds von der Polizei zugezogen, so in einem unheimlichen Spukfall, der sich in Greenwich abspielte. Im Hause einer Frau begann immer wieder eine Gitarre zu spielen, obwohl keine sichtbare Hand das Instrument berührte. Dann verschwanden alle möglichen Gegenstände aus der Wohnung. Was gefährlicher war: Backsteine wurden mit vehementer Kraft an die Haustür geschleudert. Halbstarke waren nicht die Übeltäter, sondern eine unsichtbare, geheimnisvolle Kraft. Betty und Laurence Stroud wurden konsultiert. Sie erkannten sofort, dass da ein Geist eine Mitteilung machen wollte. Die Strouds nahmen Kontakt mit diesem Wesen auf. Es war der Bruder der vom Spuk betroffenen Frau, der von einem Zug überfahren worden war. Die amtliche Untersuchung hatte Selbstmord ergeben. Die Botschaft des Geistes aber lautete: Der Mann wurde bei einem Asthmaanfall ohnmächtig und stürzte vor den Zug. Für den kritisch-aufgeklärten Zeitgenossen unserer Tage mag es unerklärlich sein, wie die Strouds arbeiteten.

Foto 5: Heilige Stiege, Kalvarienberg Bad Tölz.
Wem Spukphänomene zu profan sind, besuche doch einmal Bad Tölz in Bayern. Vor rund 300 Jahren gab es da ein besonderes »Bauwerk«. Fromme Pilger erklommen den steilen Kalvarienberg. Es kostet wirklich einige Kraft aus dem Isartal heraus auf den Kalvarienberg hinauf zu steigen. Der Blick ins Tal entschädigt. Oben angekommen sahen die erschöpften Menschen vor drei Jahrhunderten die »Heilige Stiege«, die direkt in den Himmel zu führen schien. Gläubige, die nun auch noch die steile Treppe, womöglich auf den Knien rutschend und intensiv betend, meisterten, sie mögen sich Stufe für Stufe dem Himmel näher gefühlt haben. 

1726 allerdings wurde über die Heilige Stiege die Kalvarien-Berg-Kirche gebaut, die Heilige Treppe verschwand unter einem barocken Gotteshaus mit zwei Türmen. So schön das Gotteshaus ist, die »Himmelsstiege« ist nicht mehr das, was sie einst war.

Der Kalvarienberg von Bad Tölz stellt für den informierten Christen den Hügel von Golgatha dar, auf dem Jesus  zwischen den zwei Sündern am Kreuz starb. Da der Opfertod nach christlicher Theologie Voraussetzung für die Erlösung und damit die Auferstehung in den Himmel ist, führt für den Gläubigen der Weg auf den Hügel von Golgatha in den Himmel.

Als Kalvarienberg bezeichnete man ursprünglich den Hügel vor der Stadtmauer Jerusalems, auf dem Jesu Kreuz stand. Kalvarienberge sollten den Gläubigen das letzte Stück von Jesu Leidensweg begreifbarer machen. So entstanden in der christlichen Welt »Kalvarienberge«, als Nachbildungen der Hinrichtungsstätte Jesu. Wem Nachbildungen nicht genügen, kann in Rom ein angebliches »Original« erleben. Zur Kapelle »Sancta Sanctorum« führt die »Heilige Treppe«. Angeblich handelt es sich dabei um die Original- Treppe aus dem Palast des römischen Statthalters von Judäa Pontius Pilatus. Pontius Pilatus hat nach christlicher Tradition Jesus verhört und zum Tod durch das Kreuz verurteilen lassen.

Foto 6: »Kreuzkirche«, Bad Tölz
Im Jahr 326 soll die Mutter Konstantins, die »Heiligen Helena«, die »Heilige Treppe« in Jerusalem ausfindig gemacht, ausgegraben und nach Rom geschafft haben. Für den gläubigen Christen sind diese Steine eine fantastische Realität der besonderen Art. Er kann auf Knien jenen Weg zurücklegen, den Jesus vor rund zwei Jahrtausenden ging: zu seinem »Prozess«, zu seiner Verurteilung zum Tode. Noch im 16. Jahrhundert stand die mysteriöse Treppe im Freien und führte zum Palast des Lateran. Erst Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie im Auftrag von Papst Sixtus V. überbaut. Der rege Pilgerstrom machte es erforderlich, die steinernen Stufen vor Abnutzung zu schützen. So wurde anno 1723 eine Verkleidung aus Nussbaumholz angebracht. An der elften und an der 28. Stufe erlauben Fenster den Blick auf die marmornen Originalstufen, wo angeblich Blutspuren des gepeinigten Jesus zu sehen sind.

Zunächst gab es also die »Heilige Stiege« von Bad Tölz, die der Witterung schutzlos ausgeliefert war. Anno 1723 wurde sie mit einer Kirche überbaut. Davor entstand die 1726 geweihte Kreuzkirche. Beiden Kirchen wurden schließlich vereint und bildeten so eine Doppelkirche. Heute thront das weithin sichtbare Gotteshaus auf dem »Kalvarienberg« und bietet dem Weg aus irdischen in himmlische Gefilde Schutz. Dankbar erinnere ich mich an einen Besuch des christlichen Heiligtums mit guten Freunden aus Gerblinghausen. Vor blauem, grenzenlos wirkendem Himmel zeichnete sich das strahlende Weiß der Doppelkirche ab.


Literatur
Bonin Werner F. (Hrs.): »Lexikon der Parapsychologie, Das gesamte Wissen der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete«, Herrsching 1984
»Das Neue Zeitalter«: »Die guten Poltergeister. Tote warnen ihre Verwandten - Entschlüsselte Mitteilungen«, Ausgabe vom 9.4.1986
Höhne, Anita: »Lexikon des Übersinnlichen/ Altes Wissen und neue Phänomene«, München 1994
Holzer, Hans: »PSI-Kräfte/ Beweise für das Unglaubliche«, München, 3. Auflage 1975
Jacobson, Nils-Olof: »Leben nach dem Tod?/ Über Parapsychologie und Mystik«, Düsseldorf 1985
Keller, Werner: »Was gestern noch als Wunder galt/ Die Entdeckung geheimnisvoller Kräfte des Menschen«, Zürich 1973
Lucadou, Walter von: »Psi-Phänomene. Neue Ergebnisse der Psychokineseforschung«,Frankfurt am Main 1997
Neher, Andrew:  »Paranormal and Transcendental Experience: A Psychological Examination«, Dover 2011
Sanders, Pete A.: »Das Handbuch übersinnlicher Wahrnehmung: Übersinnliche Fähigkeiten entdecken und trainieren. Feinfühligkeit, Intuition, Hören innerer Stimmen, Hellsehen, Aurasehen und Selbstheilung«, Oberstdorf 2012
Zahlner, Ferdinand: »Paraphänomene und christlicher Glaube«, Innsbruck 1998

Zu den Fotos 
Foto 1: »Aufstieg der Seligen« von Hieronimus Bosch. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Engel helfen beim »Aufstieg«... Heilige Stiege, Bad Tölz, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Diese Kirche birgt eine mysteriöse Treppe.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Engel an der Heiligen Stiege, Bad Tölz, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Heilige Stiege, Kalvarienberg Bad Tölz. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: »Kreuzkirche«, Bad Tölz. Foto Heidi Stahl


495. »Grenzbereich Tod«,
Teil 495 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14. Juli 2019




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Donnerstag, 4. Juli 2019

Was war vor den Pharaonen?


Die Medien melden Sensationelles aus Ägypten: »4000 Jahre alte Pyramide erstmals für Touristen geöffnet«.

Zu den Fakten: Bereits im 19. Jahrhundert haben Archäologen die Pyramide von Lahun entdeckt. Von Grabräubern abgesehen, erkundete kein ungebetener Gast das Innere der aus Lehmziegeln gebauten Pyramide. »4000 Jahre lang durfte kein Besucher das Innere des Grabmahls besuchen.« vermelden die Medien. Nun als Touristenattraktion war keine der ägyptischen Pyramiden gedacht.

Besonders attraktiv ist das äußere Erscheinungsbild der Lahun-Pyramide freilich nicht. Aus der Distanz betrachtet sieht sie wie ein natürlicher Felsen aus, der sich erst aus der Nähe als künstliches Bauwerk erweist.

Die Medien melden Sensationelles aus Ägypten. Wirkliche Neuigkeiten werden freilich keine geboten. Sensationell indes ist nach wie vor das packende Sachbuch »Was war vor den Pharaonen?«, verfasst von Doris Wolf. Der Untertitel des brisanten Werkes verrät, worum es im unbedingt lesenswerten Buch geht: »Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens«.

»Was war vor den Pharaonen?« fragt die Autorin. Die Antwort: die Göttin(nen)! Es ist geradezu beschämend für die Ägyptologie, dass der vielleicht wichtigste Teil der ägyptischen »Vorgeschichte« bis heute verschwiegen und geleugnet wird!

Doris Wolf bietet eine Fülle von Fakten, die zum Umdenken zwingen. Jede Seite von »Was war vor den Pharaonen?« bietet Spannendes, Fakten, die die klassische Schulwissenschaft Archäologie einfach nicht zur Kenntnis nehmen will. Ist man zu feige auf den Elfenbeintürmen der Archäologie, oder ist man einfach nur zu bequem? »Was war vor den Pharaonen?« ist ein einzigartiges Kompendium des Wissens. Es wird ein weiter, weiter Bogen gespannt: von der beklagenswerten »Verharmlosung der Vergangenheit« bis hin zum machtpolitischen »Mord an der Großen Göttin«.
Die Pyramide von Lahun beflügelt den Tourismus. Was sehr viel wichtiger, faszinierender und spannender ist: Doris Wolf weist anhand bedeutender Fundstücke nach, dass es vor den Pharaonen im Land am Nil eine matriarchalische Kultur gab. Bislang wurden und werden Fundstücke aus der Zeit vor den Pharaonen leider bis heute missachtet und verschwiegen.
Mein Fazit: Doris Wolf hat das vielleicht wichtigste Buch über die vorpharaonische Zeit verfasst. Die alt-ägyptische Geschichte muss neu geschrieben werden!

Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens

»Was war vor den Pharaonen - Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens« war und ist ein Meilenstein in der Erforschung Ägyptens. Bis heute scheint die Zeit vor den Pharaonen für die Ägyptologen so etwas wie ein Tabuthema zu sein. »Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens« ist sehr viel mehr als eine Neuauflage von »Was war vor den Pharaonen«. Doris Wolf hat ihren Klassiker nicht nur überarbeitet, sondern auch deutlich erweitert. Sie hat intensiv die frühesten Anfänge der Kultur im Reich der Pharaonen und Pyramiden erforscht. Sie hat wie kaum eine andere Expertin Reiserlebnisse und erstaunliches Wissen über die vorgeschichtlichen Muttergottheiten zu einem wirklich packenden Sachbuch verarbeitet, das die Vorgeschichtsforschung zum Umdenken veranlassen müsste. Der Untertitel »Eine Kriminalgeschichte« ist durchaus berechtigt.

Geschichte wird immer von den Gewinnern geschrieben. Die große Verliererin der Geschichte war mit dem brutalen Siegeszug des Patriarchats die »Große Göttin«. Indes: Wer sucht, der findet. Das gilt natürlich auch für die Erforschung des mutterrechtlichen Göttinnenkults. Wer Spuren der uralten Urkultur finden möchte, der wird auch fündig werden. Unübersehbar sind die Spuren eines wichtigen Teils der menschlichen Geschichte, die bis heute leider in der Forschung konsequent bewusst missinterpretiert, geleugnet und verdrängt werden.

Doris Wolf provoziert, aber nicht der Provokation wegen. Sie muss provozieren, weil das ihre einzige Chance ist, die verkrusteten Strukturen der Erforschung nicht nur des prä-pharaonischen Ägyptens aufzureißen. Studiert man die gängigen (wissenschaftlichen wie populärwissenschaftlichen) Werke über Ägypten, so spielt darin die Frau eine untergeordnete Rolle. Die frühe Geschichte, nicht nur Ägyptens, scheint von Männern und nur von Männern dominiert worden zu sein. Dieser Eindruck kann aber nur vermittelt werden, wenn einseitig geforscht, einseitig interpretiert und voreingenommen publiziert wird. Es geht offenbar der klassischen Archäologie weitestgehend nur darum, vorgefasste Bilder von der Vergangenheit zu bestätigen.

Doris Wolf hat Enormes geleistet. Gerade weil sie nicht der eingeschworenen Zunft der Ägyptologen angehört ist sie keiner »Schule« verpflichtet und kann – und das mit erfreulicher Sorgfalt und Liebe zur sauberen wissenschaftlichen Arbeit – das nach wie vor von patriarchalischem Denken geprägte Bild von der Vorzeit nicht nur Ägyptens zum Teil ad absurdum führen. Erschüttert stellt man lesend fest, wie unseriös doch manchmal etablierte Wissenschaft arbeitet, nur um bislang bewährte Sichtweisen nicht revidieren zu müssen!

»Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens« ist ein Buch von immenser Bedeutung, dem keine Rezension wirklich gerecht werden kann. Es thematisiert die Zerstörung der matriarchalen Urkultur Ägyptens, ja überhaupt des einst real existierenden Matriarchats. Doris Wolf verdeutlicht gern geleugnete Zusammenhänge zwischen Religion (Patriarchat! Monotheismus) und Gewalt. Es geht um die fatale Liaison zwischen männlichem Machtanspruch einerseits und theologischer Legitimation und Verherrlichung der angeblich gottgewollten Dominanz des Mannes über die Frau andererseits.

Doris Wolf hat ein im besten Sinne aufklärerisches Werk von höchster Wichtigkeit verfasst, dem weite Verbreitung  und möglichst großer Einfluss zu wünschen ist. Falsche Ideen sterben in der Regel erst aus, wenn ihre Verfechter von der Bühne des Lebens verschwinden. Es ist zu hoffen, dass Doris Wolf mit ihrem Gesamtwerk ein längst überfälliges, radikales Umdenken begünstigt und einläutet!

Meine Empfehlung? Unbedingt lesen!



Doris Wolf: »Was war vor den Pharaonen/ Die Entdeckung der Urmütter Ägyptens«, Kreuz Verlag, Zürich 1994, Hardcover, 240 Seiten, Eu 17.91 (Link: bei amazon)
Doris Wolf: »Der Kampf gegen Weisheit und Macht der matriarchalen Urkultur Ägyptens«, DEWE Verlag,  Zürich 2009, Broschur, 350 Seiten, Eu 25,00 (Link: bei amazon)

Verfasser: Walter-Jörg Langbein




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Sonntag, 30. Juni 2019

493. »Kann man Geister fotografieren?«

Teil 493 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


»Mariä Schutz« ist eine Friedhofskapelle, die auf eine lange, ehrwürdige Vergangenheit zurückblicken kann. Sie wird oft auch »Alte Pfarrkirche« genannt, war sie doch einst die »Laienkirche« von Fischbachau. Begonnen wurde ein erster Vorgängerbau bereits anno 1085 und  anno1087 geweiht. Die in ihrer Schlichtheit beeindruckenden früh-barocken Stuckaturen sind vergleichsweise jung. Sie wurden anno 1630 nach Art der Miesbacher Meister angebracht.Nach einem beeindruckenden Besuch der Kapelle des einstigen Klosters von Birkenstein führen mich kundige und Freunde aus Gerblinghausen zur Kapelle »Mariä Schutz« (1). 

Foto 1: »Mariä Schutz«

Geradezu idyllisch ist der alte Friedhof. Schmiedeeiserne Kreuze, Heiligenfiguren aus Stein und vom Zahn der Zeit arg in Mitleidenschaft gezogene Holztafeln mit uralten bayerischen Namen verleihen dem Gottesacker besonderen Charakter. Hier ruhen die Toten, die »Entschlafenen« wie manche gern umschreiben. Noch heute wagen sich manche Zeitgenossen zu nächtlicher Stunde nicht auf so einen Friedhof. Auch wenn sie es nicht zugeben, vielleicht sogar selbst gar nicht glauben wollen: Sie haben Angst vor »Geistern«. An Geister glaubt der vermeintlich aufgeklärte Mensch mit kühlem Sachverstand natürlich nicht. Nach dem Tod kommt nichts, meinen sie. Andere sind ganz anderer Ansicht. 

Foro 2: Sitting Bull
»Geister gibt es ohne Zweifel, denn sonst könnte man sie nicht fotografieren!« meinen die. Und das schon seit den Kindertagen des Fotografierens. Wirklich? Anno 1872 wurden in England das Medium Mrs. Guppy und der Fotograf Mr. Hudson hofiert. Die Lady rief mental Geister herbei, der Fotograf verewigte sie mit seinem primitiven Apparat. Ein anderes Medium, Mrs. A. E. Deane, war gleichfalls dazu in der Lage, die Geister von Toten herbeizuzitieren, die dann bei Seancen fotografiert wurden. Bei einer Sitzung erschien beispielsweise der Geist eines toten Mädchens. Er wurde gebeten, einen bestimmten Geist herbeizurufen: den des legendären Indianerhäuptling Sitting Bull. Der stolze Jenseitige tauchte wenige Minuten später auf. Ein Vergleich mit dem Titelbild von »My Magazine«, Oktober 1920, ergab eine mehr als erstaunliche Ähnlichkeit.

Foto 3: P. von Hindenburg
Auf Schloss Ostrau begegnete Paul von Hindenburg (*2.10.1847, †2.8.1934), der spätere Reichspräsident, auf der breiten Freitreppe des bei Koethen in Anhalt gelegenen Schlosses einem leibhaftigen Geist. Zunächst hielt von Hindenburg die Erscheinung für eine vornehme Dame aus Fleisch und Blut. Er stellte sich ihr vor. Sie reagierte nicht. Von Hindenburg hielt die Dame für schwerhörig. Als er später sein Erlebnis schilderte, dabei die Dame sehr präzise beschrieb, erfuhr er Erstaunliches: »Das war unser Schlossgeist!« In England ist besonders der »Tower« als Erscheinungsort von Geistern bekannt. Fast ebenso berüchtigt ist Clamis Castle. Der Überlieferung nach soll hier McBeth König Duncan ermordet haben. Auf Claimis Castle, so lautet eine uralte Überlieferung, erscheint immer dann, wenn einem Mitglied des Königshauses ein Unheil droht eine »grüne Frau«. Geisterfotograf William Hoppe soll es gelungen sein, die Dame auf die fotografische Platte zu bannen. Mittels Selbstauslöser lichtete er nicht nur die Spukgestalt, sondern auch noch sich selbst ab.

Ein Betrug scheint ausgeschlossen zu sein. Die Fotoplatte kann nicht manipuliert, sprich vorbelichtet worden sein. Sie wurde nämlich von einem Journalisten ausgewählt. Wenige Tage nach dem so dokumentierten Auftauchen der »grünen Frau« starb König Eduard VIII. Kurz nach der Ermordung von US-Präsident Abraham Lincoln am 15. April 1865 wandte sich die Witwe des legendären Staatsmannes Mary Todd Lincoln (*1818; †1882) an William Mumler, einen bekannten Geisterfotografen jener Zeit. Sie gab einen falschen Namen an. Und doch tauchte auf dem »Geisterfoto« ein Phantom auf, das mit Fantasie als Abraham Lincoln identifiziert werden kann.

Foto 4: Abraham Lincoln
Foto 5: Mary Todd Lincoln
Diese Beispiele sind willkürlich gewählt. Es würde den Rahmen des vorliegenden Buches sprengen, auch nur die wichtigsten Geisterfotos aufzulisten. Die Fülle an Material, wovon gewiss ein erheblicher Teil schlichtweg gefälscht ist, wirft eine Frage auf: Was sind Geister eigentlich? Oder profaner: Woraus bestehen sie? In den 1870er Jahren gelang es dem Medium Wilma Hardy durch reine Gedankenkraft, »Geisterhände« aus dem Nichts auftauchen zu lassen. Der Bostoner Geologe William Denton beobachtete das Phänomen kritisch. Es gelang ihm von den »Geisterhänden« sogar Gipsabdrücke anzufertigen. Ähnliche Materialisationen konnte auch das französische Medium Marthe Bértraud bewerkstelligen. Zu Beginn unseres Jahrhunderts tauchten bei Seancen mit ihr »schleierartige Materialisationen« auf, die die Gestalt von Köpfen, Armen oder ganzen Menschen annahmen.

Die Erscheinungen waren dabei so plastisch, dass es manchen Zeitgenossen schwer fiel, an Übersinnliches zu glauben. Lag da nicht vielleicht doch ein geschickter Trick vor? Schaffte es das Medium, etwas durchaus Materielles mit Hilfe von Taschenspielertricks als etwas »Jenseitiges« auszugeben? Der Münchner Arzt und Erforscher des Übersinnlichen, Freiherr von Schrenck-Notzing (*1862, †1929), war bestens vertraut mit solchen Tricks. Er kannte sie alle. Und er unternahm strenge, ja peinliche Kontrollen, um jede Möglichkeit eines Betrugs auszuschließen. So musste sich Medium Marthe Bértraud vor jeder Seance nackt ausziehen.

Foto 6: Mary Todd Lincoln
Ihr Körper wurde peinlich genau auf eventuell versteckte Hilfsmittel hin untersucht. Nichts Verdächtiges wurde gefunden. Freiherr von Schrenck-Notzing gab ihr sogar Brech- und Abführmittel ein, um  auch jede nur denkbare Trickserei zu vereiteln. Schließlich musste Marthe Bértraud ein enges, knapp sitzendes Trikot anlegen. Ihr Kopf wurde mit einer Haube umhüllt. Und trotzdem entstanden die geheimnisvollen Materialisationen. Es bildeten sich dunstartige Wolken aus dem Nichts. »Geister« formierten sich. Dr. Schrenck-Notzing fand heraus, dass auch männliche Medien Geister erscheinen lassen konnten, zum Beispiel die Gebrüder Willy und Rudi Schneider aus Braunau am Inn. Auch bei beiden Brüdern schlossen kriminalistische Überwachungsmethoden aus, dass betrogen wurde. Die beiden Männer waren dazu in der Lage, Geister herbeizurufen, die vor den Augen der Zeugen als nebulöse, halb durchsichtige Wesen entstanden.

Als im Dezember 1929 an Bord des Schiffes SS. Watertown zwei Mitglieder der Besatzung starben, wurden sie, altem Brauchtum folgend, auf See bestattet. Einen Tag später geschah Unbegreifliches. Von einer bestimmten Stelle an Bord aus betrachtet, sah man die Gesichter der Toten im Meer. Und das Tag für Tag, erstaunlich deutlich. Die seltsame Geistererscheinung trat auch auf den folgenden beiden Reisen der SS. Watertown auf. Die Gesichter der Toten im Wasser verfolgten das Schiff. Mehrere Fotos beweisen die Realität des Unbegreiflichen. Noch ein Beispiel: 1959 hielt der Geistliche R. S. Blance  eine ehemalige Kultstätte der Ureinwohner Australiens auf im Bilde fest. Als das Foto von einem professionellen Labor entwickelt worden war, war deutlich eine geheimnisvolle, halb durchsichtige Gestalt zu sehen.

Foto 7: So soll »Mary King’s Close« ausgesehen haben.

Geister tauchten auf frühen Fotos des 19. Jahrhunderts auf. In unseren Tagen lassen sie sich per Video aufnehmen. Architekt David Roulston aus Glasgow verbrachte beispielsweise im Juni 1995 eine Nacht im alten Gemäuer von »Mary King’s Close« in Edinburgh. Dem 47-Jährigen wurde bald unheimlich zumute. Er spürte unerklärliche Kältewellen. Da er eine Videokamera dabei hatte, filmte er wahllos. Als er dann Tage später die Aufnahmen zuhause ansah, wurde ihm erst wirklich unheimlich. Da tauchte ein unheimliches schemenhaftes Gesicht aus dem Nichts auf. Dieses unheimliche Etwas hat als »monströse Form« nach amtlichen Dokumenten bereits im 17. Jahrhundert dort sein Unwesen getrieben.

Wenn eine Straße idealer Aufenthaltsort für Geister ist, dann ist es »Mary King’s Close«. Hier grassierte anno 1645 eine fürchterliche Pestepidemie. Die Krankheit breitete sich rasend schnell aus in Edinburgh. Viele Menschen wurden dahingerafft. Wie viele Opfer zu beklagen waren, lässt sich nicht mehr feststellen. Die entsetzten Stadtväter Edinburghs sahen sich genötigt, etwas zu unternehmen. Da sie »Mary King’s Close« für den Ausgangspunkt der tödlichen Krankheit hielten, fassten sie einen Beschluss, der umgehend in die Tat umgesetzt werden musste. Die schmale Gasse wurde einfach an beiden Enden zugemauert. 

Der Legende nach wurde die Gasse zum Gefängnis für viele Menschen, die nicht entkommen konnten. Waren sie schon von der Pest befallen? Wieder gab es Todesopfer zu beklagen. Erst im Frühjahr 2003 wurde die Gasse des Todes wieder geöffnet und zur makaberen Attraktion für ganz spezielle Führungen (2).

Foto 8: »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl
Spukte es in der »Mary King’s Close«-Gasse? Oder gibt es eine weniger gespenstische Erklärung für seltsame Erscheinungen in dem keine zwei Meter breiten Gässchen? Einst endete es an einem See. Die Bevölkerung wuchs und wuchs, immer mehr Menschen hausten in den Elendsvierteln. So wurde der See in »Baugelände« verwandelt, das heißt man versuchte, das Gewässer zuzuschütten. So entstand ein stinkender Sumpf, dessen wabernde Dämpfe angeblich abends wie »Gespenster« aussahen. Und angeblich löste das Einatmen dieser ungesunden Schaden Halluzinationen aus.
Fragen über Fragen ergeben sich! Wenn es Geister gibt, sind das die Seelen von Verstorbenen? Halten sie sich in einem wie auch immer gearteten Zwischenreich auf? Und können sie ihre Welt verlassen und die unsere besuchen? Nach Prof. Markolf H. Niemz sind Raum und Zeit eine Illusionen und »Licht« kann die Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits überwinden. »Licht« aber sollte fototechnisch dokumentierbar sein.

Literatur
Foto 9: Sensationell!
Aries, Judas: »Gefährder Einstein/ Wie Sie Gott mit GOTT zu Fall bringen«, Norderstedt 2019 (Foto 9!)
Holbe, Rainer: »Phantastische Phänomene«, München 1993
Keller, Werner: »Was gestern noch als Wunder galt«, Zürich 1973
»One dog night« in »Fortean Times« Nr. 83
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy mit c: Mit Lichtgeschwindigkeit ins Jenseits«, Norderstedt 2005
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy im Licht: Dem Jenseits auf der Spur«, München 2007
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucys Vermächtnis: Der Schlüssel zur Ewigkeit«, München 2009
Niemz, Prof. Markolf H.: »Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? Ein Physiker entschlüsselt die Ewigkeit«,  Freiburg 2011
Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander, München 2017

Fußnoten
1) Friedhofskirche »Mariä Schutz«, Martinsweg 3, D-3730 Fischbachau, Telefon  08028.90670
2) https://www.realmarykingsclose.com/plan-your-visit/opening-times-prices/ (Stand 23. Mai 2019)

Foto 10: Kirchhof »Mariä Schutz«.
Zu den Fotos
Foto 1: »Mariä Schutz«, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2:  Häuptling Sitting Bull um 1883. Foto wikimedia commons/ Daniel Guggisberg historical photographs collection
Foto 3: Paul vom Hindenburg, um 1914. Foto gemeinfrei/ Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Abraham Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Mary Todd Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Mary Todd Lincoln/ Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 7: So soll »Mary King’s Close« ausgesehen haben. public domain
Foto 8: »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl
Foto 9:
Foto 10: Kirchhof »Mariä Schutz«. Foto Heidi Stahl

494. »Berichte vom Leben nach dem Tod«
Teil 494 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07. Juli 2019



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Sonntag, 23. Juni 2019

492. »Unsterbliche Energie und Spukerscheinungen«

Teil 492 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Pyles »Piratengeist«
Von Howard Pyle (*1853;† 1911) stammt das beeindruckende Gemälde eines »Piratengeists«. Der arme Mann, der »Untote«, nicht der Maler, muss wohl bis ans Ende aller Tage auf dem Grunde des Meeres spuken. Ob er zumindest gelegentlich auch an Land kommen darf? Unter dem Meeresspiegel kann er ja nur Fische erschrecken. Das ist doch keine zufriedenstellende Tätigkeit für einen Geist! 

Zwei Jahre lang geschah immer wieder das Unfassbare: Die hübsche Blondine Pam Hambert wurde von einer unsichtbaren Hand geschubst. Türen öffneten sich von selbst in ihrem Haus. Das Bügeleisen wurde ihr aus der Hand gerissen. Die Tür zum  Zimmer ihrer Tochter wurde nachts immer wieder wie von Geisterhand aufgerissen und krachend zugeschlagen. Den letzten Anstoß, sich endlich nach Hilfe umzusehen, gab ihr Enkel. Das Kind rannte schreiend aus der Toilette: »Da drin ist ein unsichtbarer alter Mann. Er ist durch das Fenster geklettert.« Zunächst versuchte Pam Hambert das Kind zu beruhigen, aber das gelang ihr nur bedingt. Schließlich  bat sie zwei Parapsychologen in ihr Haus nach Staines, Middlesex. Alex Owler: »Das ist ein typisches Haus für Gespenster. Solche Vorfälle ereignen sich oft in diesen kleinen Doppelhaushälften.«

Mrs. Hambert erzählte den Experten, dass sie sich in Lisas Zimmer stets unwohl fühle. »Ich bleibe höchstens kurz zum Staubwischen, dann bin ich schon wieder draußen. Nicht einmal der Hund mag da hineingehen.« Die beiden Parapsychologen fanden heraus: Im Haus nebenan hatte einmal ein alter Mann gewohnt. Als er krank wurde, machte er sich hauptsächlich um seinen Garten Sorgen. Würden ihn seine Erben verwildern lassen? Würden sie sein grünes Paradies pflegen und hegen? Sollte er seine Erben im Testament dazu verpflichten, wenn sie seine Ersparnisse »kassieren« wollten? Jener Mann hatte auch den Garten, der jetzt Pam Hambert gehörte, gepflegt. Beide Gärten waren einst die schönsten im ganzen Bezirk. Dann aber starb der alte Mann. Was so gepflegt und gehegt worden war, verwilderte. Carmen Rogers: »Der in seinen Augen unverzeihliche Umgang mit den ›kleinen Paradiesen‹, die ihm einst alles bedeuteten, schmerzt den Geist des toten Mannes. Deshalb spukt er!« Carmen Rogers war davon überzeugt, dass es möglich sein müsse, den alten Mann zu besänftigen, seinen Geist zu beschwichtigen. Und Zeugen, die jegliche Vorstellung von einer übersinnlichen Welt als Humbug ablehnen, hätten gewiss die folgenden Szenen als belustigend empfunden. Carmen Rogers redete in verschiedenen Räumen des Hauses von Pam Hambert auf den unsichtbaren Geist ein: »Schau, ich verstehe, dass du böse bist über den Garten. Aber alles, was du machst ist, diese armen Leute in Angst und Schrecken zu versetzen.«

So lächerlich die Prozedur auch einem aufgeklärten Zeitgenossen erscheinen mag, sie zeigte umgehend die erhoffte Wirkung. Die Spukerscheinungen hörten fast ganz auf und wurden schließlich gar nicht mehr registriert, als der Garten des Hauses wieder in Ordnung gebracht worden war. Jeder zehnte Engländer ist, so ergab eine Umfrage, von der Existenz von Geistern und Gespenstern überzeugt und behauptet, selbst schon einmal Kontakt mit »übernatürlichen Wesen« gehabt zu haben. In England ist die Realität von Gespenstern sogar von einem Urteil des Obersten Richters Ihrer Majestät der Königin bestätigt worden. Dem richterlichen Spruch vorausgegangen war eine Auseinandersetzung zwischen einem Hauswart und seinen Mietern. Vier Brände, die das Haus teilweise zerstört hatten, schrieben die Bewohner einem weiblichen Geist zu, der angeblich schon seit mehr als neunzig Jahren spuke. Der Hauswart wollte nichts davon wissen und klagte auf Schadenersatz. Doch der Richter wies auf seine irdischen Grenzen hin. Es sei nicht auszuschließen, dass die Brände von Geistern gelegt wurden, solange nicht das Gegenteil bewiesen sei.

Foto 2: Sigmund Freud
Weniger gefährlich waren die Begegnungen mit der »Spukfrau aus dem Salzburger Land«. In der Weihnachtszeit des Jahres 1981 wollten zunächst Jugendliche ein Gespenst gesehen haben: an der Pinzgauer Bundesstraße. Sie meldeten ihre Sichtung sofort der Polizei und wurden verlacht. Als sie auf der Wahrheit ihrer Schilderungen beharrten, drohten ihnen sogar die Ordnungshüter. Sie sollten mit »so einem Blödsinn« nicht den Betrieb der Polizeistation behindern. Glaubwürdiger war schon der Report eines Bäckermeisters. »Wegen des dichten Schneetreibens konnte ich auf der Bundesstraße nur sehr langsam, im Schritttempo, fahren. Man sah wirklich kaum etwas. Plötzlich stand am Straßenrand eine Gestalt, eine schwarzgekleidete Frau mit hellblonden Haaren. Ich hielt an. Da war sie weg, spurlos verschwunden.«

Ein anderer Autofahrer hatte da mehr Glück. Das seltsame Wesen stieg zu ihm ins Auto. Erst verhielt sich die »Spukfrau aus dem Salzburger Land« sehr schweigsam. Dann sagte sie plötzlich: »Wenn du nicht angehalten hättest, um mich mitzunehmen, dann hättest du einen schlimmen Unfall gehabt!« Kaum hatte sie das gesagt, löste sich das im Auto sitzende Wesen in Luft auf. Mehr als 120 Menschen meldeten sich nach und nach mit ähnlich schaurigen Berichten. Einige von ihnen wollen die »Spukfrau« sogar identifiziert haben: als die 22jährige Elisabeth Schilchegger aus Salzburg. Just auf der Straße, auf der sie Autofahrern erscheint, starb sie ein Jahr zuvor bei einem Unfall. Damals trug sie ihre Arbeitskleidung, ein schwarzes Kostüm. Sie war Kellnerin.

Hans Holzer (*1920; †2009), ehemals Direktor der New Yorker Gesellschaft für Parapsychologie, war von der Existenz von Geistern überzeugt. Er hat auch eine durchaus vernünftig klingende Erklärung parat. Jeder Mensch hat eine Art von »Magnetfeld«, eine Aura um sich. Es kann, so ein Mensch jäh aus diesem Leben gerissen wird, bestehen bleiben und sensitiven Menschen sichtbar werden. Ein derartiges »Kraftfeld« vermutet Holzer auch in der »Erscheinung von der Burg Wolfsegg im Landkreis Regensburg. Über Jahre hinweg erschien auf  Burg Wolfsegg der Geist der attraktiven, jung verstorbenen Gräfin, jammernd und weinend. Von einem Tag auf den anderen Tag blieb die Erscheinung aus.

Handfester ging es im »Fall Rosenheim« zu. Und da, so schien es, reichte die Theorie von der »Magnetfeldaura«, wie Hans Holzer zugeben muss, nicht mehr aus. Sobald die neunzehnjährige Annemarie ihren Arbeitsplatz in der Anwaltskanzlei Adam betrat, geschah Kurioses. Fast ein ganzes Jahr lang versetzten die Ereignisse zahlreiche Menschen in Angst und Schrecken. Glühbirnen drehten sich von selbst, wie von Geisterhand bewegt, aus den Fassungen und zerschellten am Boden. Neonröhren zerplatzten ohne ersichtlichen Grund. Kuriose Spannungsunterschiede ließen elektrische Geräte verrücktspielen. Das gesamte elektrische Netzt des Hauses musste ersetzt werden. Aktenordner flogen durch die Luft. »Geister« warfen schwere Blumenvasen durch die Gegend.

Foto 3: C.G.Jung
Einige der Phänomene wurden von einem Fernsehteam gefilmt. Da drehte sich vor laufender Kamera ein Bild an der Wand um 360 Grad. Ging die »Kraft« von dem jungen Mädchen aus? Es hatte allen Anschein, als ob diese Vermutung zuträfe. Annemarie wechselte den Arbeitsplatz. Sie fing bei einer neuen Kanzlei mit der Arbeit an. Der Spuk ging in der neuen Kanzlei weiter. Ein ähnlicher Fall schien sich in Bremen zu wiederholen. Lehrling Heinrich löste kuriose Erscheinungen aus. In seiner Gegenwart ertönten Geisterstimmen. An seinem Arbeitsplatz, der junge Mann lernte Lebensmittelkaufmann, sausten Fruchtkisten durch die Lüfte und zerbarsten an Wänden und Decken. Einmachgläser klatschten zu Boden, Teekannen platzten, ohne dass es einen ersichtlichen Grund dafür gab. Parapsychologe Professor Hans Bender berichtete ausführlich auf dem zwölften Kongress der Parapsychologischen Gesellschaft in New York über die Ereignisse und klassifizierte den Spuk als echt. Da gestand der junge Mann, alles manipuliert zu haben. war auf die Tricks hereingefallen. Eine nicht minder unrühmliche Figur machte der Professor auch im Fall »Chopper«. Er hielt die Stimme von Arzthelferin Claudia Judenmann, sie krächzte durch einen Spalt weit geöffnete Fenster Schimpfworte, für ein »Phänomen«. »Chopper« war, wie sich herausstellte,  ganz offensichtlich ein Schwindel.

Foto 4: Kirlianfotografie eines Blattes.
Gelegentlich gehen derlei Meldungen über getrickste »Spukerscheinungen« durch die Weltpresse. Sie lösen Gelächter und Beruhigung aus. Unberechtigter Weise wird dann nämlich unterstellt, dass es sich bei allen ähnlichen Phänomenen grundsätzlich und immer um Schwindel handelt. Das ist aber nicht der Fall. (Es gibt ja auch Falschgeld, woraus aber nicht die Schlussfolgerung gezogen werden kann, dass jeder Geldschein gefälscht ist.) Im Jahr 1909 diskutierten zwei berühmte Männer sehr heftig miteinander: der »Vater der Psychoanalyse«, Sigmund Freud (*1856; †1939) und Carl Gustav Jung (*1875; †1961). In ihrem schnell an Heftigkeit zunehmendem Streitgespräch ging es um übersinnliche Phänomene. Freud lehnte derlei übersinnliche Erscheinungen rundweg als unmöglich ab. Er sollte sein Urteil revidieren. C. G. Jung berichtete später: »Während Freud seine Meinung vertrat, ertönte ein solcher Krach im Bücherschrank, der unmittelbar neben uns stand, dass wir beide fürchterlich erschraken.« Er lieferte auch eine Erklärung: »Freud sprach und ich hatte dabei plötzlich eine seltsame Empfindung. Mir war, als ob mein Zwerchfell aus Eisen bestünde und glühend wurde. Dann setzte der Lärm schlagartig ein. Die Hitze war weg.« So laut der Krach auch war: Schaden entstand keiner. Weder wurden die berühmten Männer verletzt, noch wurde das Mobiliar beschädigt.

Gibt es eine »natürliche« Erklärung? Staute sich im Laufe des Gesprächs bei Jung jene Energie an, die sogar den physischen Tod des Menschen überleben und als Geistererscheinung auftreten kann? Entlud sie sich, warum auch immer, schlagartig? Energieansammlungen setzt Hans Holzer voraus: Geister als »Energierest« von plötzlich verstorbenen oder gewaltsam entleibten Menschen. Energie ist nach dem Energieerhaltungsgesetz unvergänglich. Sie wird allenfalls umgewandelt, verschwindet aber nicht ins Nichts. Nach Holzer sind Geistererscheinungen nichts anderes als Energieformen, die von sensitiv veranlagten Menschen wahrgenommen werden.

Foto 5: Kirlianfotografie eines Blattes.
Für das Forscherehepaar Semjon Davidovitsch Kirlian und Walentina Kirlian gab es keinen Zweifel an der Existenz dieser Energie, die den physischen Tod von Pflanze, Tier und Mensch überdauert. Sie entwickelten ab 1937 ein Spezialsystem, mit dessen Hilfe sie eben diese Energie nicht nur sichtbar machen, sondern auch fotografieren konnten. Sie wird in Hochfrequenzströmen sichtbar, und das bei Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie kann fotografiert und gefilmt werden. Das so für jedermann erkennbare farbensprühende Feld bleibt bestehen, auch wenn der physische Körper nicht mehr komplett ist. Beispiel: Die Kirlianfotografie einer Hand, von der ein Finger amputiert wurde, zeigt noch einige Zeit die farbenfrohe Aura der gesamten Hand. Schneidet man das Stück eines Blattes ab, so bleibt zunächst das Bild des Blattes in der Kirlianfotografie vollständig.

Die Kirlians bekundeten in zahlreichen Interviews ihre zentrale Erkenntnis: Pflanzen, Tiere und Menschen haben so etwas wie einen Geistkörper, der im Alltag unsichtbar bleibt. Davon waren, lange bevor die Kirlians diese Energiefelder für jedermann sichtbar machen konnten, die Weisen der alten Völker schon vor Jahrhunderten, ja vor Jahrtausenden überzeugt.  Keinen Zweifel an der Existenz solcher Felder hatten schon die alten Chinesen, die Ägypter und die Inder. Der Mensch ist allem Anschein weit mehr als nur sein physischer, feststofflicher Körper. Er ist von einer Energie umgeben, die ihn einhüllt wie ein zweiter Körper. Seit den 1940er Jahren kann dieser feinstoffliche Leib fotografiert werden. Er ist es, der den Tod überdauert.

Dr. Injuschin legte einen umfangreichen Aufsatz über die Arbeit der Kirlians vor: »Die biologische Essenz des Kirlian- Effekts«. Sein zentrales Resümee: »Alle Lebewesen, Pflanzen, Tiere und Menschen, haben nicht nur einen physischen Körper, der aus Atomen und Molekülen besteht, sondern auch einen Gegenstück-Energiekörper, den wir biologischen Plasmakörper nennen wollen.« Damit war im Ostblock, zumindest in Kreisen der Wissenschaft, ein radikaler Wandel im Denken vollzogen worden. Zuvor hatte das Primat der kommunistischen Lehre über die Wissenschaft gegolten. Diese Ideologie war nichts anderes als eine vordergründig materialistische Religion, der im Osten gehuldigt wurde. Freilich gab man sie als »Wissenschaft« aus. Es durfte nur Materie geben. Auch der Mensch besteht nach dieser Ideologie nur aus Materie. Sein Leib zerfällt nach dem Tode in materielle Bestandteile. Nichts überdauert die physische Existenz.

Jetzt wurde anerkannt, dass es doch so etwas wie feinstoffliche Energie gab. Und diese Energie überdauerte den Tod. So neu war diese Erkenntnis nicht. Schon Carl Ludwig Freiherr von Reichenbach (*1788, †1869), einer der bedeutendsten Chemiker des 19. Jahrhunderts, Entdecker des Paraffins, ging davon aus, dass es neben der sichtbaren Welt des Alltagslebens eine zweite, feinstoffliche, aber genauso reale Welt gibt Diese für die meisten Menschen unsichtbare Realität könne, so Reichenbach, von Sensitiven gesehen werden. Der menschliche Leib erstrahle für sie in farbenfrohem Glanz, der den Körper eines jeden Menschen wie eine Hülle umgibt. Er nannte dieses unsichtbare Etwas Od und verstand es als Ausdruck der Lebenskraft.

Foto 6: Prof. Dr. mult. Hermann Oberth und W.-J.Langbein

Professor Dr. Dr. Ing. Hermann Oberth (*1894, †1989), der als »Vater der Weltraumfahrt« in die Wissenschaftsgeschichte einging, beschäftigte sich viele Jahre auch mit parapsychologischen Phänomenen. Im Gespräch mit dem Verfasser erklärte der nachdenkliche Philosoph: »Es wird sicher der unsichtbaren Welt des Feinstofflichen und Übersinnlichen nicht vollkommen gerecht, wenn wir sagen, dass der Mensch einen feinstofflichen Energiekörper besitzt. Wir können aber als Wissenschaftler nur das Messbare registrieren. Und die Kirlians haben nun einmal etwas wie einen unsichtbaren Energiekörper sichtbar gemacht. Jahrhunderte lang sprach man von Spuk und Geistern. Als Wissenschaftler sieht man die Dinge nüchterner. Diese Phänomene sind Erscheinungsformen einer Energie, die auch heute noch nicht in vollem Umfange ergründet ist! Diese Energie ist ›unsterblich‹.«

Literatur
Bender, Hans: »Parapsychologie«, Bremen 1970
Gierer, Alfred: »Die Physik, das Leben und die Seele«, München 1985
Langbein, Walter-Jörg: »Auch Gespenster brauchen Liebe«, in »Das Neue Zeitalter«, Nr. 39/82
Watson, Lyall: »Geheimes Wissen«, Frankfurt 1976
Watson, Lyall: »Beyond Supernature«, London 1986
Wilson, Robert Anton: »The Science of the Impossible«, New York 1969

Zu den Fotos
Foto 1: Pyles »Piratengeist«, Foto wiki commons public domain 
Foto 2: Sigmund Freud um 1921, Foto gemeinfrei.jpg
Foto 3: C.G. Jung, gemeinfrei
Foto 4: Kirlianfotografie eines Blattes. Foto wikimedia commons/ Thomas Wedekind
Foto 5: Kirlianfotografie eines Blattes. Foto wikimedia commons/ Thomas Wedekind
Foto 6: Prof. Dr. mult. Hermann Oberth und W.-J.Langbein. Foto privat

493. »Geister kann man fotografieren«,
Teil 493 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30. Juni 2019



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