Sonntag, 29. Mai 2016

332 »Der Schrei der Mumie«

Teil 332 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Spukt es in Kuelap?

»Völlig erschöpft erreicht ich die mysteriöse Ruine der einstigen Metropole der Chachapoyas. Es war kalt. Die Luft war – kein Wunder, bei einer Höhe von 3.000 Metern über dem Meeresspiegel – natürlich sehr dünn. Jeder Atemzug tat weh. Plötzlich war ich in Nebel getaucht. Oder waren es dichte Wolken? Eben noch hatte ich die gewaltige Mauer von Kuelap in greifbarer Nähe gesehen. Jetzt war sie verschwunden! Eben war mir noch angenehm, von der Temperatur her. Und jetzt war mir kalt.«

Foto 2: Ingeborg Diekmann
So schilderte mir Archäologie-Student Werner Kaiser (1) seinen Besuch in Kuelap. Nach einem Diavortrag über »Peru und seine Geheimnisse« waren wir ins Gespräch gekommen. Ich hatte auch über meinen Besuch in Kuelap berichtet.

Tagelang habe ich mich vor Ort aufgehalten. Ich bin außen die Monstermauer abgeschritten. Ich habe die schmalen Ein- und Ausgänge studiert wie steinerne Bücher. Steile Treppen führen durch hohe, schmale, künstlich geschaffene Spalten durch die Monstermauer in das Innere der wehrhaften Stadt. (Foto 2, links: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.)

Türen oder Tore waren nicht erforderlich. Es genügten wenige Verteidiger, die jedes Eindringen unmöglich machen konnten. Von oben wurden die Feinde mit Steinen beworfen. Tödlich getroffen sanken sie nieder, versperrten mit ihren Körpern nachrückenden Kämpfern den Weg. Auf breiter Front konnte nicht angegriffen werden. Nur wenige Krieger konnten sich gleichzeitig durch die schmalen Zugänge zwängen. Und die, die den Steinhagel überstanden, konnten im Kampf Mann gegen Mann besiegt werden. Ein riesiges Heer war also nutzlos, da immer nur wenige zugleich versuchen konnten, in die Stadt einzudringen. Die Monstermauer war viel zu hoch, als dass sie hätte schnell erklommen werden können. Wenn das jemand versuchen wollte, konnte er von oben mit Steinhagel eingedeckt werden.

Ob die Inka Kuelap je eingenommen haben? Oder wurde die Stadt warum auch immer aufgegeben? Fiel sie durch Verrat?

Foto 3: Kuelap über den Wolken

»Eben noch arbeitete ich mich im wabernden Nebel vor. Und plötzlich stand ich direkt vor der Mauer von Kuelap, im strahlenden Sonnenlicht. Und unter mir machte ich den Nebelschleier aus. Oder waren es Wolken? Jedenfalls wurde mir klar, wie hoch über Normalnull Kuelap angelegt worden war!«

Mich hat die nicht wirklich in Worte zu fassende Abgeschiedenheit von Kuelap zutiefst beeindruckt. Und damit meine ich nicht nur die räumliche Distanz der in den hohen Anden aufgetürmten Metropole. Diese Ferne vom Leben in niederen Gefilden war einst ein Schutz der Chachapoyas. Sie wurden von Feinden so schnell nicht entdeckt. Kuelap kam mir vor wie eine surreale Insel, fern von jeder Zeit. Wenn ich in Kuelap war, dann war der stressige Alltag unserer modernen Zeit weit, weit weg. Und in Kuelap, so versicherte mir Werner Kaiser, spukt es. Zumindest will er dort den Schrei der Mumie gehört und eine gespenstische Erscheinung gesehen haben.

Foto 4: Rekonstruiertes Rundhaus
Die monströse Wehrmauer bietet einen imposanten Eindruck. Im Inneren sind noch die Fundamente der seltsamen Rundhäuser zu erkennen. Archäologen haben so ein Gebäude rekonstruiert. Andere Reste von Bauwerken sind nur noch so bruchstückhaft erhalten, so dass nicht mehr zu erkennen sind, welchem Zweck sie einst dienten. Leider gibt es auch keinerlei Schrifttum der Erbauer der Stadt, so dass wir wohl auf so viele Fragen keine Antworten erhalten werden. Wir wissen nichts über das Leben der Chachapoyas. Wir wissen auch überhaupt nichts über die Religion der Chachapoyas. Wir kennen nicht ihre Sagen und Legenden, ob sie an ein Leben nach dem Tode glaubten und wie sie wohl – falls überhaupt – Götter verehrten und anbeteten.

Ungeduldig fragte mich Archäologie-Student Werner Kaiser nach meinem Vortrag: »Haben Sie auch die Knochen gesehen?« Das hatte ich in der Tat. Ich war im Inneren von Kuelap auf massive Gebäudereste geklettert, hatte da und dort enge Spalten in dicken Mauerstümpfen entdeckt und hatte mich neugierig hineingezwängt. Mir waren seltsame, leicht zu übersehende, sauber gearbeitete kleine »Eingänge«  aufgefallen. Ich habe sie, so gut es ging, erkundet. Da und dort lagen, geschützt von Ruinenresten Knochen, offensichtlich menschliche Knochen. Waren es Gräber im steinernen Mauerwerk? Wurden da einst Tote von den Chachapoyas bestattet? Oder war ich auf Reste von einst geopferten Menschen gestoßen?

Foto 5: Knochen im Gemäuer von Kuelap

Die Abgeschiedenheit von Kuelap bot bislang Schutz. Wenn sich aber erst einmal zigtausende Menschen auf den Weg machen und in Massen durch die »Ruine« ziehen? Von Vandalismus will ich gar nicht reden. Für einen solchen Ansturm ist die Stadt nie gedacht gewesen. Ich fürchte, dass vieles zerstört werden wird, bevor eine profunde Forschung beginnt. Das ist ja der »circulus vitiosus«, der »Teufelskreis«. Heute fehlt das Geld für umfangreiche Erforschung der Stadt in den Hochanden und für ihren Schutz vor dem Verfall. Viele Touristen würden viel Geld bringen, könnten also Forschung und Erhalt der faszinierenden Stätte finanzieren. Viele Touristen würden aber auch gefährden, was doch geschützt, erhalten und erforscht werden soll!

Foto 6: Das »Castillo« von Kuelap

Werner Kaiser schien es gar nicht abwarten zu können, bis die Zuhörerinnen und Zuhörer nach meinem Diavortrag und der anschließenden Diskussion endlich gegangen waren. Als ich meinen Diaprojektor einpackte, erzählte er mir aufgeregt eine kuriose Geschichte. Ob er wirklich erlebt hat, was er mir da offenbarte? Das jedenfalls behauptete er mit Nachdruck. Ich gebe seinen Bericht wieder, ohne eine Wertung vorzunehmen.


Foto 7: Das Gesicht am »Castillo«

Werner Kaiser: »Es war schon später Nachmittag, als ich die Ruine betrat. Ich war offenbar allein. Jedenfalls begegnete mir schon beim Aufstieg und dann auch innerhalb der Mauer kein Mensch. Als ich gerade die seltsame Gravur am Mauerwerk eines eigenartigen Turmstumpfs untersuchte, hörte ich plötzlich einen gellenden Schrei, der mir durch Mark und Bein fuhr! Woher kam er? War da jemand in Lebensgefahr?«


Foto 8: So soll der Geist ausgesehen haben

Diesen Turm habe ich bei meinem Besuch genauer »unter die Lupe genommen«. Ich habe die wissenschaftliche Literatur dazu studiert. Vermutlich war er einst von astronomischer Bedeutung. Ich glaube, er war eine Art von Observatorium. Das »Castillo« hatte, so nennt man ihn heute, hatte ursprünglich wie Ausgrabungen ergeben haben, ein rechteckiges Fundament und bestand aus drei plattformartigen Stockwerken. Heute ist das »Castillo« einsturzgefährdet. Holzbalken sollen Mauerwerk stützen. Eingraviert in einen der Mauersteine: ein menschliches Antlitz.


Foto 9: Der »schreiende Schädel«
Wen oder was stellt es dar? Tatsächlich gibt es die Theorie, es könne sich bei Kuelap insgesamt um ein Solar-Observatorium gehandelt haben. (2) Sollten die Chachapoyas einem Sonnengott gehuldigt haben?

Werner Kaiser: »Ich lauschte. Woher kam dieser Schrei? In welche Richtung musste ich eilen, wenn ich helfen wollte? Ich rannte, so gut ich im unebenen, unwegsamen Gelände konnte, los. Ich stürzte, verletzte mich dabei. Ich wollte so schnell wie möglich aufstehen, fühlte mich aber irgendwie wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen. Vor mir lagen in einer Art Nische bleiche Knochen. Es waren Menschenknochen. Und für Sekundenbruchteile tauchte in der Nische so etwas wie ein ›Geist‹ auf. Das ›Etwas‹ war – eine Mumie, in Tuch gehüllt. Der Kopf, ein Totenschädel, riss weit seine Kiefer auseinander. Noch einmal stieß das Wesen diesen grässlich schrillen Laut aus!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) McGraw, James, sowie Oncina, Manuel, Sharon, Douglas und Torres, Carlos: »Kuelap: A Solar Observatory?«, San Diego, Museum of Man, 1996

Foto 10: Der Totenkopf des Geistes
Zu den Fotos:

Foto 1: Spukt es in Kuelap? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3 Kuelap über den Wolken. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4 Rekonstruiertes Rundhaus.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 Knochen im Gemäuer von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 Das »Castillo« von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Das Gesicht am »Castillo«Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8 So soll der »Geist« in etwa ausgesehen haben.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: So soll der »schreiende Schädel« ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: So soll der Totenkopf des Mumien-Geistes ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein

Hinweis: Foto 8 zeigt natürlich nicht den Schrei der Mumie. Die Mumie soll in etwa ao ausgesehen haben.
Fotos 9 und 10 zeigen natürlich auch nicht den  schreienden Totenschädel der Mumie. Foto 8 zeigt eine Chachapoya-Mumie, Fotos 9 und 10 wurden auf dem Friedhof von Chauchilla, Peru aufgenommen. Fotos 8 und 9 wurden etwas bearbeitet, um der Schilderung von Werner Kaiser nahe zu kommen.

 333 »Der Schrei der Banshee«,
Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.06.2016

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Sonntag, 22. Mai 2016

331 »Kamen die Kelten bis nach Peru?«

Teil 331 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Unterwegs nach Kuelap

Das »Hostal el Chillo« liegt in den Anden Nordperus. Wirt Oscar hat es selbst gebaut. Die Unterkunft ist spartanisch. Die Zimmer sind schlicht, aber sehr sauber. Und Oscar weiß viel über die legendären Erbauer der Metropole Kuelap. Wie hießen sie in ihrer eigenen Sprache. Oscar: »Wir wissen es nicht! Die Inka eroberten im 15. Jahrhundert auch den Nordosten Perus, stiegen auf die Berge hinauf und ›entdeckten‹ die wilden Krieger von Kuelap. Die Inka nannten sie ›Chachapoyas‹. Was das genau bedeutet, weiß man nicht wirklich.«

Zwei Übersetzungen finden sich in der wissenschaftlichen Literatur recht häufig: »Wolkenmenschen« und »Nebelwaldkrieger«. Das klingt vernünftig. Kuelap liegt immerhin in einer Höhe von 3.000 Metern über dem Meeresspiegel. Ich habe selbst erlebt, wie die gewaltige Monstermauer urplötzlich im Dunst von Wolkennebel verschwand. Manchmal ragte ein Mauerstück heraus, manchmal schien so etwas wie eine steinerne Wand »im Himmel« zu schweben.

Foto 2: Geheimnisvolles Kuelap

Oscar wartete mit einer kühnen These auf: »Vielleicht nannten die Inka die Krieger von Kuelap so, weil sie die Nebel hoch in den Anden an das nebelige Europa erinnerten? Ja manche behaupten sogar, dass die Chachapoyas gar nicht aus Südamerika stammen, sondern ursprünglich aus Europa kamen. Und das lange Zeit bevor Kolumbus Amerika entdeckte!«


Foto 3: Einer der Eingänge von Kuelap

Bei einem gemütlichen Imbiss diskutierten wir diese These. Oscar: »Vielleicht gab es wirklich schon in der Antike europäische Besucher in Peru. Vielleicht waren es Europäer, die Kuelap bauten, vor vielen Jahrhunderten?« Oscar verwies darauf, dass manche der ersten Chachapoyas für südamerikanische Verhältnisse ungewöhnlich groß waren. So waren Archäologen mehr als verblüfft, als sie Skelette der »Ur-Chachapoyas« fanden, die 1.80 Meter groß waren. Auch sollen sie hellere Haut als die  Inka gehabt haben. Auf derlei Kontakte deuteten, so Oscar, die »Gringuitos«. Gelegentlich werden in Chachapoya-Gefilden hellhäutige, blonde Kinder geboren. Derlei »europäische« Kinder sind uns freilich nicht begegnet.

Foto 4: Er stand auf seines Daches Zinnen

Auf die »Gringuitos« stieß ich erst kürzlich, und zwar bei der Literatur-Recherche in Sachen Chachapoyas. Bei Hans Giffhorn lese ich (2): »Der Anthropologe und Paläopathologe Michael Schultz von der Universität Göttingen – zuständig auch für Altamerikanistik – beschäftigte sich mit Fotos dieser Menschen (3). Sein erster Eindruck: ›Die sehen aus, als wenn sie vor zweihundert Jahren aus Irland eingewandert wären.‹ Doch ihre Familien, so hört man in den Dörfern, hätten schon immer hier gelebt, schon vor der Ankunft der Konquistadoren.«

Man mag zu derlei Spekulationen stehen wie man will: Seetüchtige phönizische Völker wie die Karthager hätten sehr wohl den Atlantik überqueren können. Aber kamen sie schon in der Antike bis nach Südamerika? Wir wissen es nicht. Belege für derlei Fahrten gibt es keine. Am 8.5.2013 berichtete die Tageszeitung »Welt« (4):

Foto 5: Treppe ins Innere von Kuelap
»Wie kamen blonde Weiße vor Kolumbus nach Peru? Als die Konquistadoren in die Anden kamen, staunten sie über die hellhäutigen Chachapoyas. Nach genetischen Untersuchungen ist sich Hans Giffhorn sicher: Es handelt sich um Nachfahren von Kelten. Wer sich die Hinterlassenschaften der Kelten anschauen möchte, fährt naheliegenderweise zu den einschlägigen Orten in Deutschland, nach Frankreich und in andere Länder Westeuropas, um Überreste von Siedlungen, Grabstätten und Verteidigungsanlagen zu finden. Hat er sie alle durch, kann er allerdings auch nach Südamerika fahren, um am Ostrand der Anden Bauwerke und andere kulturelle Errungenschaften jenes frühen europäischen Volkes und seiner Nachfahren zu bewundern – alles aus einer Zeit viele Jahrhunderte vor der ersten Überfahrt von Christoph Kolumbus. Kelten waren nämlich lange vor Kolumbus in der Neuen Welt. Gemeinsam mit Karthagern.«

Sollten tatsächlich Kelten, vielleicht auf Schiffen von Karthagern, bis nach Peru gekommen sein? Sollten Kelten beim Bau der Monstermauer von Kuelap mitgewirkt haben? Tatsächlich ähnelt die Bauweise von Festungsmauern der Kelten Spaniens sehr jener der »Wolkenmenschen«. Allerdings konnte ich auf meinen Reisen zu rätselhaften Orten unseres Planeten immer wieder feststellen, dass weltweit an Orten, zehntausende Kilometer voneinander getrennt, erstaunlich ähnliche Techniken bei der Setzung von Steinmauern verwendet wurden. Bedeutet dies, dass es tatsächlich Kontakte zwischen den unterschiedlichen Kulturen gegeben hat? Oder entwickelten sich weltweit und unabhängig voneinander ganz zufällig verblüffend ähnliche Fähigkeiten?

Foto 6: Mauer von Kuelap

Anerkennend konstatiert die seriöse »Wienerzeitung« (5): »Doch Giffhorn bleibt nicht bei einem Vergleich der Architektur stehen. Er schmiedet eine beeindruckende Kette an Indizien: Trophäenkopfkult, Steinschleudern, Schädelbohrungen, dazu DNA-Analysen heute lebender hellhaariger Einheimischer mit Chachapoya-Vorfahren bis hin zum Phänomen präkolumbianischer Tuberkulose (nach gängiger Auffassung wurde die Tuberkulose durch die Europäer eingeschleppt) stützen die Annahme des Kulturwissenschaftlers, die Chachapoyas seien keltischer Herkunft.«
Hans Giffhorn stellt in zutreffender Weise fest (6): »Giffhorn … ist nun wahrlich kein pan-germanischer oder pan-keltischer Spinner ...«

In der Tat: Der 1942 geborene deutsche Kulturwissenschaftler ist ein seriöser Gelehrter. Er unterrichtete »Visuelle Kommunikation« an der Pädagogischen Hochschule Göttingen, wurde 1981  Universitätsprofessor für Kulturwissenschaften an den Universitäten Göttingen und bis zu seiner Emeritierung in Hildesheim. Er beharrt auch nicht selbstgerecht auf der Richtigkeit seiner kühn anmutenden These. Er versteht sie als Diskussionsansatz, »in der Hoffnung, dass dadurch sachliche Diskussionen und weitere Forschungen angeregt werden.«

Die Chachapoyas wurden offenbar um das Jahr 1475 von den Inka militärisch besiegt. Kurz darauf trafen die Spanier ein, eine mordende und plündernde Bande. Die Chachapoyas müssen die Inka abgrundtief gehasst haben. So kämpften Chachapoyas auf Seiten der spanischen Eroberer gegen die Inka.

Es ist tragisch: 1549 lebten noch 90.000 Chachapoyas. 1475 dürften es noch 500.000 gewesen sein. Der Krieg mit den Inkas, die spanischen Banden, aber auch Masern und Pocken forderten einen sehr hohen Blutzoll!

Foto 7: Typisches Kuelap-Mauerwerk

In Leimembamba lagerten zur Zeit meines Besuchs rund 200 Mumien in einem angeblich »klimatisierten« Raum. Man versicherte mir vor Ort, dass es sich nur um ein Provisorium handele. Man wolle einen weiteren Verfall der Mumien durch Temperaturveränderungen vermeiden. Die Aufbewahrung der Mumien empfand ich als unwürdig. Da lag die noch sehr gut erhaltene Mumie eines Babys auf einer Art Krepppapier in einem schäbigen Pappkarton, der einst Bierflaschen enthalten hatte.

Foto 8: Toter Chachapoya
In Kisten aus Holz kauerten Mumien in Embryohaltung. Inzwischen wurden die Mumien aber in ein eigens errichtetes, modernes Museum überstellt. Ob allerdings die Aufbewahrung eines ihrer Toten in einer Glasvitrine aus Sicht der Chachapoyas so viel würdevoller, so viel angemessener ist als die Unterbringung in einer klimatisierten Rumpelkammer, das wage ich zu bezweifeln.

Was bleibt, das sind Fragen wie: Wer waren die Chachapoyas? Woher kamen sie? Zu welchem Zweck wurde die Festung Kuelap mit der zwanzig Meter hohen Monstermauer gebaut?

Fußnoten

1) Siehe auch Lerche, Peter: »Chachapoyas«, Lima 1966
2) Giffhorn, Hans: »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« München, März 2014. Zitiert habe ich die eBook-Ausgabe!
3) Gemeint sind Fotos von »Gringuitos«.
4) Meine Quelle ist die Online-Version des zitierten Artikels!
5) Meine Quelle ist die Online-Version des Artikels »Die Kelten kamen bis nach Peru«  der »Wienerzeitung« vom 20.9.2013
6) ebenda
7) Giffhorn, Hans: »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« München, März 2014. Zitiert habe ich die eBook-Ausgabe, »Zur Entstehung dieses Buches«

Zu den Fotos

Foto 9: Ein/ Ausgang von Kuelap
Foto 1: Unterwegs nach Kuelap. Foto Ingeborg Diekmann.
Im Bild zu sehen: Unsere kleine Reisegruppe mit gelädegängigen Fahrzeugen. Ein »Ersatzfahrzeug« war immer dabei, so dass wir im Falle einer Panne nicht aufgehalten wurden.

Foto 2: Geheimnisvolles Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 3: Einer der Eingänge von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein. Die sehr schmalen Zugänge konnten von wenigen Kämpfern effektiv verteidigt werden. Offenbar wurde Kuelap nie von den Inka erobert.

Foto 4: Er stand auf seines Daches Zinnen. Foto Walter-Jörg Langbein (Schiller: Der Ring des Polykrates)

Foto 5: Treppe ins Innere von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 6: Mauer von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 10
Foto 7: Typisches Kuelap-Mauerwerk. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Toter Chachapoya. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 9: Ein/ Ausgang von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 10 (links): Gottheit oder Geist? Schnitzwerk aus Kuelaps rätselhafter Vergangenheit. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein

332 »Der Schrei der Mumie«,
Teil 332 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 29.05.2016


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Sonntag, 15. Mai 2016

330 »Kuelap – Kultur aus dem Nichts«

Teil 330 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Der steile Pfad nach Kuelap

»2001 führte ich eine kleine Gruppe ins Reich der Chachapoyas in den nördlichen Anden Perus. Auf der strapaziösen Reise wollten wir gemeinsam das Erbe eines der geheimnisvollsten Völker unseres Planeten kennenlernen. Woher kamen die Chachapoyas? Niemand vermag das zu sagen. Rätselhaft ist auch ihr Verschwinden aus der Geschichte.« So berichtete ich in Folge 1 meiner Sonntagsserie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«, erschienen am 17. Januar 2010.

Die Metropole der Chachapoyas, einst eine gigantische Wehranlage mit einer Monstermauer erstaunlichen Ausmaßes, stellt Touristenattraktionen wie Machu Picchu in den Schatten. Die Anreise freilich schreckt viele Menschen davon ab, das archäologische Mysterium in den Anden zu besuchen.

Wir flogen von Cuenca in Ecuador nach Piura in Nordperu. Per Bus reisten wir weiter bis nach Olmos. Von Olmos aus war ein Weiterkommen nur per Geländewagen möglich. Nach und nach näherten wir uns unserem Ziel: Via Laguna Pomacochas  im Tal des Rio Utcumbamba wagten wir uns nach Chillo bei Tingo, kamen allen Widrigkeiten zum Trotz in Magdalena an und fanden nach abenteuerlicher Fahrt das schlichte »Hostal el Chillo«. Eine Gemeinschaftsdusche spendete eiskaltes Wasser, vom Wirt Oscar selbst gebrannter Schnaps wärmte Leib und Seele. Und per Jeep machten wir uns endlich auf, um die Metropole der Chachapoyas, Kuelap, zu erkunden. Das letzte Stück des Wegs ab dem Dörfchen Quisango in recht dünner Luft – etwa 3.000 Meter über dem Meeresspiegel – war recht anstrengend, auf schmalem Pfad, teilweise steil bergan.

Foto 2: Ein Teil der Monstermauer von Kuelap

Die wirklich atemraubende Ruine mit ihrer bis zu 20 Meter hohen Monstermauer ist archäologisch bis heute erst zum Teil untersucht. Es fehlt am Geld. Geld bringen Touristen ins Land. Die »Süddeutsche Zeitung« vermeldete (1): »Nur wenige Touristen verirren sich in diese Gegend, die von den Peruanern ›Augenbraue des Amazonas‹ genannt wird. Dabei verbirgt sich 70 Kilometer von Chachapoyas entfernt an der Ostflanke der Anden eine der spektakulärsten und doch weitgehend unbekannten archäologischen Stätten Südamerikas: die altperuanische Festungsstadt Kuélap, die keinen Vergleich mit der Inkafestung Machu Picchu zu scheuen braucht, aber wegen der schwer zugänglichen Lage bislang wenig besucht wird.«


Foto 3: Tingo Nuevo, vorn, und Kuelap, oben

Bald soll Kuelap aus dem konservierenden Dornröschenschlaf geweckt werden (2). Die fantastische Ruinenanlage soll für den Massentourismus erschlossen werden. Die Regierung von Peru möchte Kuelap zu einer lukrativen Geldquelle machen. So ist seit dem 13. August 2015 eine Kabel-Kabinenbahn in Arbeit, die vielleicht schon bald etwa 100.000 Besucher direkt in die geheimnisvolle Stätte schaffen wird. In Tingo Nuevo sollen die Touristenmassen in luxuriöse Kabinen verfrachtet werden. Zwanzig Minuten sind sie dann unterwegs und reisen ein Jahrtausend in die Vergangenheit.

Tingo, Hauptstadt des Distrikts Tingo, wurde 1994 durch eine gewaltige Schlammlawine vollkommen zerstört. Tingo Nuevo, also »Neues Tingo«, wurde oberhalb des verschütteten Dorfes gebaut. Trotz der lokalpolitischen Bedeutung verlief das Leben beschaulich-gemächlich. Mit der ländlichen Idylle wird es freilich bald ein Ende haben, wenn Touristenströme auftauchen werden. Aus Sicht der Tourismusindustrie wird die Kabel-Kabinenbahn mit ihren modernen Gondeln ein Segen sein.

Ob diese Neuerung sich freilich auch für die Dörfler als Segen erweisen wird, halte ich für fraglich. Den Reibach werden wohl finanzstarke Investoren machen, die Einheimischen benötigt man allenfalls für niedere, schlecht bezahlte Arbeit. Ich fürchte auch, dass der Schaden für die zahlreichen kleineren Ruinen bis hin zur einstigen Metropole Kuelap selbst größer als der Nutzen sein wird. Allein die gewaltigen Stützpfeiler der Bahn werden massive Eingriffe in die bislang unberührte Landschaft bedeuten. Ob da Rücksicht genommen wird auf archäologisch bedeutsame Funde? Das bezweifle ich stark.

Ich hoffe aber, dass auch Geld in den Erhalt von Kuelap fließen wird. Bei meinem letzten Besuch verharrten die erstaunlichen Ruinen noch in einem stillen Dornröschenschlaf. Die einst stolze Festungsanlage, einst in drei »Etagen« angelegt, bot Schutz für mindestens 300 steinerne, runde Häuser. Ich bin die gesamte Stadt abgeschritten. Sie ist – nord-südlich ausgerichtet – fast 590 Meter lang und 110 Meter breit. Unklar ist bis heute, ob Kuelap durchgehend bewohnt war. Oder diente die Anlage nur als Fluchtburg? Oder war Kuelap weniger weltliche Siedlung als religiöses Zentrum? Strömten die Menschen vor einem Jahrtausend nach Kuelap, um dort ihren Göttern zu huldigen?

Foto 4: Baufälliges Mauerwerk von Kuelap

Schriftliche Zeugnisse haben die Erbauer und Bewohner von Kuelap nicht hinterlassen. So wissen wir kaum etwas über ihre Religion. Vermutlich war Kuelap auch so etwas wie ein Zentrum für astronomische Beobachtungen. Einzelne Bauten wie ein ruinös erhaltener Turm mögen der Beobachtung von Planeten und Sternen gedient haben. Einige Gravuren im Stein deuten womöglich auf einen Schlangenkult hin. Frauen, das ist überliefert, genossen hohes Ansehen bei den Bewohnern von Kuelap. Sie wurden auch bei militärischen Fragen konsultiert. Mag sein, dass matriarchalische Strukturen das Leben der Menschen bestimmten.

Foto 5: Mumiensarkophage von Kuelap

Die Toten von Kuelap wurden in Mumienbündeln an Steilwänden in Felsspalten deponiert. Oder sie wurden in Embryohaltung in Sarkophagen in Menschengestalt zur letzten Ruhe gebettet. Theologie-Professor Georg Fohrer, den ich konsultierte, erklärte mir: »In mutterrechtlich organisierten Gruppen wurde die große Göttin verehrt. Sie stand für den ewigen Kreislauf des Lebens. Wer als Mumie konserviert wurde, sollte dereinst neu geboren werden. Die Magie des Weiblichen, das Wunder von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt stand im Zentrum.«


Foto 6: Autor Langbein vor Ort
Vermutlich, aber auch das ist ungewiss, tauchte das rätselhafte Volk der Wolkenmenschen im 9. Jahrhundert im Norden Perus auf, so hörte ich vor Ort immer wieder. Archäologische Funde würden das bestätigen. Heute freilich geht die Wissenschaft davon aus, dass Kuelap sehr viel älter ist. So konstatiert Hans Giffhorn, Professor i.R. für Kulturwissenschaften an den Universitäten Göttingen und Hildesheim: »Kuelap entstand fernab von allen anderen peruanischen Hochkulturen, nach neuesten Schätzungen irgendwann zwischen 100 vor und 400 nach Christus. Das war lange, bevor es die Inka gab.«

Wer auch immer Kuelap baute, ein »primitives« Volk war es nicht. So war die mysteriöse Stadt Kuelap mit einem erstaunlich modern wirkenden Abwassersystem ausgestattet. Die steinernen Rundbauten sind einzigartig, ja fremdartig. Sie wurden auch außerhalb der Monstermauer von Kuelap gefunden. In den schwer zugänglichen Wäldern um Kuelap fanden sich Reste, auch auf Bergen. Kurios ist, dass sich keine Entwicklung hin zu den runden Steingebäuden gegeben hat. Ja die Kultur von Kuelap hatte offensichtlich keinerlei Vorläufer. Sie taucht plötzlich aus dem Nichts auf. So schreibt auch Hans Giffhorn (4): »Schon die ältesten Funde zeigten die hochentwickelte Baukunst, wie sie zum Beispiel in der Festung Kuelap zum Ausdruck kommt. Plötzlich war diese Kultur da – scheinbar wie aus dem Nichts! Bis heute sind die wenigen Archäologen, die sich mit den Rundbauten Nordperus befassen, ratlos.«

Wenn Kuelap von Vertretern einer hoch entwickelten Kultur erbaut wurde, wo sind dann die Wurzeln dieser Kultur zu vermuten?

Fußnoten

Foto 7: Buchcover Giffhorn
1) »SZ.de, 18. März 2011, 11:18 Uhr: »Archäologie in Nord-Peru/ Kuélap – älter und größer als Machu Picchu«
2) Information von »Condor Travel«
3) Giffhorn, Hans: »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« München, März 2014. Zitiert habe ich die eBook-Ausgabe!
4) ebenda


Zu den Fotos

Foto 1: Der steile Pfad nach Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ein Teil der Monstermauer von Kuelap
Foto 3: Tingo Nuevo, vorn, und Kuelap, oben. Foto wiki commons/ i
Foto 4: Baufälliges Mauerwerk von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Mumiensarkophage von Kuelap: Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Autor Langbein vor Ort. Foto Ingeborg Diekmann

Foto 7: Buchcover Giffhorn. Foto Verlag

331 »Kamen die Kelten bis Peru?«,
Teil 331 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 22.05.2016


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Sonntag, 8. Mai 2016

329 »Gesar, der Göttliche mit Menschenhaut«

Teil 329 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Gesar, der Himmelssohn

»Die Dinge, von denen in diesem Buch die Rede ist, liegen an der verfließenden Grenze, die das Reich der Phantasie von der strengen Wissenschaft trennt.« Mit dieser Worten (1) beginnt Andrew Tomas das Vorwort seines Sachbuchs »Das Geheimnis der Atlantiden«.

Die Grenze zwischen dem »Reich der Phantasie« und der »strengen Wissenschaft« ist in der Tat fließend, ja mehr als das. Sie wird immer wieder in Richtung Phantasie verschoben. Was heute zum Kanon von Wissenschaft gehört, wurde einst als verrückte Fantasterei verlacht. Das musste auch Hermann Oberth erleben. Schon als Schüler begann er in Sachen Weltraumfahrt zu experimentieren. Im örtlichen Schwimmbad sprang er immer wieder vom höchsten Turm, um die Schwerelosigkeit empfinden zu können. Bald schon experimentierte er mit Raketen – und wurde als »Mondoberth« verlacht. Hermann Oberth aber ließ sich nicht beirren.

Foto 2: Gott Shiva, Fantasiegebilde?
1917 entwickelte er eine mit Ethanol und Sauerstoff betriebene Rakete. 1923 publizierte er bereits die Grundlagen der Raketentechnik, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben. 1929 – vor rund 80 Jahren – folgte Oberths zweites Buch: »Wege zur Raumschiffahrt«. Ernst nahm man ihn nicht. Ein wohlwollender Kritiker meinte damals, wie mit der »Vater der Weltraumfahrt« selbst erzählte, derlei Träumereien aus der Welt der Fantasie würden, wenn überhaupt, erst in fernster Zukunft verwirklicht, kurz vor dem Ende der Menschheit! Wie wir wissen wurde sehr viel schneller, noch zu Lebzeiten Oberths, aus der Fantasie Wirklichkeit.

Übrigens: Hermann Oberth, am 25. Juni 1894 geboren, am 28. Dezember 1989 in Feucht bei Nürnberg verstorben, kam durch ein Werk der Fantasie auf seinen »Mondtrip«. Als Schüler las er »Von der Erde zum Mond« (1865) von Jules Vernes und begann zu rechnen. Andrew Tomas schreibt weiter (2): »In unserer Epoche, in der die Fortschritte der Wissenschaft alles bisher Dagewesene weit übertreffen, scheint es an der Zeit, zur Erforschung bestimmter unbekannter Gebiete zu schreiten, auf denen ungeahnte Offenbarungen unserer harren.«

Professor Frederick Soddy (* 2. September 1877 in Eastbourne; † 22. September 1956 in Brighton) war einer der wirklich großen Wissenschaftler. Soddy, englischer Chemiker und Nobelpreisträger, hielt es für möglich, dass die moderne Nuklearphysik »ein Echo vieler vorausgegangener Epochen der Vorgeschichte, der Nachhall eines vorausgegangenen Zeitalters, in dem die Menschen auf dem gleichen Weg wie wir voranschritten« wäre.

Von Oberth zu Eugen Sänger. Eugen Sänger spekulierte schon lange vor einem guten halben Jahrhundert von interstellaren Raumflügen. In seinem Werk »Raumfahrt« stellte er bereits 1958 Überlegungen über Besucher von anderen Sternen auf der Erde in der Vergangenheit an. Er schreibt (3): »Der Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ist so alt wie die Menschheit selber... Der Gedanke der Raumfahrt erscheint daher am frühesten schon in der prähistorischen Menschheitsperiode in den Göttermythen und Sagen.«

Foto 3: Ein Barde rezitiert aus dem Gesar-Epos
Entstand also der Wunsch nach Raumfahrt aus Mythen der Vorzeit und aus alten heiligen Büchern der Völker? Wollten die Menschen »unserer« Epoche ins Weltall vordringen, weil uralte Mythen und Überlieferungen dazu anreg(t)en? Mein Freund und Autorenkollege Willi Grömling (* 1944; † 2015), studierter Historiker, machte mich vor Jahren auf einen ganz besonders interessanten Mythos aufmerksam. Es schildert Leben und Wirken des tibetischen Königs Gesar. Für Willi Grömling scheint es keinen Zweifel zu geben: Das in vorbuddhistischen Zeiten entstandene Monumentalepos über Gesar, den legendären König, enthält unzählige Hinweise auf Kontakte mit außerirdischen Besuchern, die in »grauer Vergangenheit« zur Erde kamen. Willi Grömlings Buch »Tibets altes Geheimnis/ Gesar/ Ein Sohn des Himmels« (4) kann ich nur wärmstens zur Lektüre empfehlen! Sollten also tatsächlich vor Jahrtausenden Außerirdische zur Erde gekommen sein? Und wird es uns Menschen gelingen, ins All aufzubrechen?

Die erforderliche Technologie dazu steckt noch in den Kinderschuhen. Ich befürchte, dass sich die Menschheit selbst ausgelöscht haben wird, bevor unsere Raumfahrttechnologie reif für die Reise in die Weiten des Alls sein wird.

1933 erschien das Buch »The Superhuman Life of Gesar of Ling« (5), verfasst von Alexandra David-Néel. Alexandra David-Néel, eine geborene Louise Eugénie Alexandrine Marie David (* 1868; †1969), war eine französische Reiseschriftstellerin und ordinierte buddhistische Nonne in Tibet. Ihre Wiedergabe des Gesar-Epos ist wohl die zuverlässigste. Leider wurde das Werk der Alexandra David-Neél bis heute nicht ins Deutsche übersetzt.

Foto 4: Göttin Kali Maa mit Waffen
Beim Studium von David-Neéls Opus fiel mir auf, wie häufig von »tödlichen Waffen« die Rede ist. Immer wieder erfahren wir, dass König Gesar über »magische Waffen« verfügte (6). An anderen Stellen im Epos ist von »übernatürlichen Waffen« (7) die Rede, von »himmlischen Waffen« (8) und von »göttlichen Waffen« (9). Was unter »tödlichen Waffen« zu verstehen ist, das ist klar. Deutschland gehört weltweit zu den führenden Exporteuren von tödlichen Waffen und das bringt sehr viel Geld in heimische Kassen. Der exzessive Handel mit Massenvernichtungswaffen und sonstigem Kriegsgerät ist eine Schande für unsere Nation. Leider werden in unseren Gefilden hohe ethische Werte nur in Sonntagsreden gepriesen. In der Wirklichkeit werden Rüstungsgüter in gigantischen Mengen auch in Krisengebiete geliefert.

Zurück zu Gesar. Was sind »übernatürliche«, was sind »himmlische« und was sind »göttliche Waffen«? In Indien gibt es uralte Darstellungen von Göttinnen und Göttern, die allesamt fürchterliche Waffen tragen: Von Kali Maa, die Muttergöttin, bis zu Shiva, auch »Herr aller Wesen« genannt, sind Göttinnen und Götter in unzähligen Darstellungen mit Waffen in den Händen verewigt worden. Andere Göttliche, wie etwa Ganesha, der Elefantenköpfige, halten mysteriöse Gegenstände. Man versteht sie gern als Objekte für sakrale Rituale. Tatsächlich könnte es sich ursprünglich um Waffen gehandelt haben. Gesar, der Sohn der Götter aus Tibet, verfügte über den »Dorje«. Willi Grömling mutmaßt zu Recht, es könnte sich bei dem Dorje um eine Laserwaffe gehandelt haben (10).

Ich darf noch einmal Andrew Tomas zitieren (1): »Die Dinge, von denen in diesem Buch die Rede ist, liegen an der verfließenden Grenze, die das Reich der Phantasie von der strengen Wissenschaft trennt.« Bewegen wir uns ausschließlich im Reich der Fantasie, wenn wir mutmaßen, Gesar könne über Laser-Waffen verfügt haben? Nach uralten Überlieferungen stiegen die ersten Könige Tibets vom Himmel herab. Es wird in der Mythologie Tibets ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die himmlischen Könige Tibets keine Menschen waren. Sie zeichneten sich durch körperliche Merkmale aus, die sie deutlich von den Menschen unterschieden, angefangen bei den Fingern mit Schwimmhäuten bis hin zu den eigenartigen, vogelartigen Augen (11).

Foto 5: Ganesha mit Waffen?
Ich bin der Überzeugung, dass die alten Mythen der Menschheit Spiegelbild der vorgeschichtlichen Realität sind. Da ist in der Mythologie Tibets von Wesen die Rede, die sich deutlich von den Menschen unterschieden, die vom Himmel herabstiegen und zu den ersten Königen Tibets wurden. Nichtmenschliche Wesen aus dem All, die Menschen mit fantastischen Waffen ausstatteten, sollten das vielleicht außerirdische Besucher gewesen sein?

Gesar, der die Blitz-Waffe-Dorje besaß, war »der Sohn der Götter«. Dr. Estelle Dryland hat eine vorzügliche, gut lesbare Fassung von »King Kesar of Ling« vorgelegt (12). Immer wieder wird die überirdische Herkunft Gesars (andere Schreibweise Kesars) betont, immer wieder wird er als »Sohn der Götter« tituliert (13). Gesar war, so heißt es in seinem Epos, göttlich. Gott Gesar wurde als ein himmlisches Wesen, aber mit Menschenhaut überzogen, geboren. War er ein Außerirdischer?

In Indien gehen auch Wissenschaftler sehr viel lockerer mit der Thematik »Besuche von Außerirdischen in grauer Vorzeit« um. Beschreibungen von außerirdischen Raumschiffen in Jahrtausende alten Epen, zum Beispiel, werden längst ins Kalkül mit einbezogen. Und es sind indische Wissenschaftler, die bei vergleichsweise spärlichen Minibudgets in der Raumfahrt erstaunlich erfolgreich sind. So wurden mit Erfolg Sonden zu Mond und Mars geschickt.
    
Foto 6: So einen Dorje besaß der himmlische Gesar
Fußnoten

Foto 7: Andrew Tomas
1) Tomas, Andrew: »Das Geheimnis der Atlantiden/ Von der Mythe zur Entdeckung«, Stuttgart 1971, S. 7
2) ebenda
3) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958, S.124 und 125
4) Grömling, Willi: »Tibets altes Geheimnis/ Gesar/ Ein Sohn des Himmels«, 1. Auflage, Groß-Gerau 2005. (Inzwischen liegt das Buch in 3. Auflage vor!)
5) David-Néel, Alexandra: »The Superhuman Life of Gesar of Ling«, London 1933
(Man kann den Titel in etwa mit »Das übermenschliche Leben des Gesar von Ling« übersetzen.)
6) ebenda, eBook-Version, Seite 2/ Pos. 206, Seite 2/ Post. 223, Seite 132/ Pos. 2802
7) ebenda, Seite 132/ Pos. 2807
8) ebenda, Seite 140/ Pos. 2967
9) ebenda, Seite 144/ Pos. 3049
10) Grömling, Willi: »Tibets altes Geheimnis/ Gesar/ Ein Sohn des Himmels«, 1. Auflage, Groß-Gerau 2005, Seite 225, Zeile 24 von unten
11) »Time-Life«: »Mythen der Menschheit/ Auf dem Pfad der Erleuchtung/ Tibet und Mongolei«, Amsterdam 1998, S. 82
12) Dryland, Dr. Estelle: »King Kesar of Ling/ two Baltistan versions compiled and edited by Dr. Estelle Dryland«, eBook-Ausgave, 2014
13) ebenda, Pos. 444, Pos. 456, Pos. 468, Pos. 489, Pos. 495, Pos. 498, Pos. 1032, Pos. 1036, Pos. 1042, Pos. 1045

Foto 8: Grömlings Buch »Gesar« - sehr empfehlenswert
Zu den Fotos: 

Foto 1: Gesar, der Himmelssohn, wiki commons Gesar Gruschke
Foto 2: Gott Shiva, Fantasiegebilde? Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Ein Barde rezitiert aus dem Gesar-Epos. Foto Archiv Willi Grömling
Foto 4: Göttin Kali Maa mit Waffen. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Ganesha mit Waffen? Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: So einen Dorje besaß der himmlische Gesar. Foto/ Sammlung Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Andrew Tomas. Foto Ancient Astronaut Society, Schweiz
Foto 8: Grömlings Buch »Gesar« - sehr empfehlenswert. Foto Ancient Mail Verlag


330 »Kuelap - Kultur aus dem Nichts«,
Teil 330 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 15.05.2016

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Mittwoch, 4. Mai 2016

Maizauber 2016 im Garten Picker


Der Mai ist gekommen und Gartenfreunde aus nah und fern sollten sich das kommende Wochenende im Garten Picker nicht entgehen lassen. Von Christi Himmelfahrt, Donnerstag 05. Mai 2016, bis einschließlich Samstag, 07. Mai 2016, öffnet Familie Picker jeweils von 11.00 bis 18.00 Uhr die Pforten zu ihrem Gartenparadies in Weseke.


Einige Aussteller, besondere Dekorationen und das frische Maigrün sorgen für sinnliche Genüsse - das Gartencafe für das leibliche Wohl der Besucher. Die Gärtnerei ist proppenvoll mit Stauden, Rosen, Gräsern, vielen Kräutern und Sommerblumen gefüllt. Auch das kletternde oder hängende Rosenkleid, spanische Gänseblümchen und andere besondere Pflanzen sind vorrätig.

Lassen Sie sich verzaubern!

An Jerry kommt keine Maus vorbei!











Fleißige Hände ...
... waren auch im Winter nicht untätig!
Neues gilt es zu bestaunen


Der Blauregen blüht leider noch nicht – aber vielleicht kann Sie dafür der Münsterlandkrimi »Blauregenmord« etwas entschädigen. Immerhin ist die Gartenperle Picker Schauplatz der Handlung. Interessiert? Hier erhalten Sie eine kostenlose Leseprobe: Blauregenmord - Impressionen und kostenlose Leseprobe: Vom Garten Picker zum Quellengrundpark in Borken-Weseke



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Sonntag, 1. Mai 2016

328 »Vom Nabel der Welt ins All«

Teil 328 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Weltenbaum der Maya

Zum ersten Mal begegnete ich dem mysteriösen Objekt im Jahr 1978. Ein Geistlicher zeigte mir einen kuriosen Gegenstand: Das Ding war etwa dreißig Zentimeter lang und aus sehr dunklem, offenbar sehr hartem Holz geschnitzt. Es war lang und schmal, lief nach unten spitz zu. An den drei abgeflachten Seiten der ›Spitze‹ waren geometrische Figuren zu erkennen, die mich an Schlangen erinnerten. Diese Spitze machte ungefähr eine Hälfte des Fundobjekts aus. Die obere Hälfte bestand aus dem sorgfältig geschnitzten Oberkörper eines menschlichen Wesens, offenbar eines Mannes. Wann genau es zu dem merkwürdigen Fund kam? Nach Angaben des Geistlichen machte er seine Entdeckung 1968.

Foto 3: Ein »Phurba«
Der Geistliche hatte das hölzerne Objekt bei nicht genehmigten Grabungen in seiner kleinen Kirche unter dem Mittelgang gefunden. Der Priester hat offenbar systematisch Steine aus dem Fußboden des Gotteshauses gelockert, entfernt und darunter gegraben. Hat er sich damals – also vor mehr als vierzig Jahren – »nur« der Sachbeschädigung schuldig gemacht? Oder lagen gar Akte der Kirchenschändung vor? Wichtig ist, dass der Pfarrer sachkundig alles wieder in Ordnung brachte, so dass keinerlei Spuren einer Beschädigung erkennbar waren. Ja zu Beschädigungen sei es gar nicht gekommen, weil nur Steine gelockert, gelöst, herausgenommen und später wieder eingesetzt worden seien. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen wurde der Fund nie gemeldet. 

Inzwischen ist der Geistliche verstorben. Was aus dem merkwürdigen »Ding« wurde? Ich weiß es nicht. Wie kam das eigenartige Gebilde unter den Fußboden des Gotteshauses? Es ähnelte auf das Verblüffendste einem »Phurba« aus Tibet! In meiner kleinen Sammlung sakraler Objekte befindet sich ein solcher »Phurba«, aus Holz geschnitzt. Das 23 Zentimeter lange und bis zu fünf Zentimeter breite kleine alte Kunstwerk wurde, wie man mir mitgeteilt hat, in Nepal gefertigt. Mit so einem Dolch hat alter Mythologie zufolge Gott Vajrakila (auch Vajrakumara genannt) Dämonen und Geister gebannt.

Ursprünglich war der »Phurba« wohl von profaner Natur und diente als Hering der Verankerung und Sicherung von Zelten. Im sakralen Bereich markierte man mit einer geweihten Phurba heilige Stätten, etwa Plätze für einen Tempel. Und schließlich gilt er auch als die  »Achse der Welt«.

Die Weltachse, im Latein des Christentums »axis mundi« genannt, ist fester Bestandteil des Menschheitserbes. Im Christentum sah man den Kreuzigungshügel von Golgatha bei Jerusalem als Mittelpunkt der Welt an. Auf diesem »Nabel der Welt« stand wie ein heidnischer »Weltenbaum« das Kreuz Christi. In der Tat gab es den »Nabel der Welt« schon Jahrtausende vor dem Christentum.

Foto 4: Wohin reiste der Mann von Palenque?

Im »Mithras-Kult« stand im »Nabel der Welt« eine hohe Leiter, die Terra mit den acht Himmeln verbunden hat. Auch die Maya wussten von einer solchen Verbindung zwischen Erde und Himmel. Die Weltachse – etwa von Palenque – führte in den Himmel. Was verstanden die Maya unter »Himmel«. Verstanden sie darunter ein jenseitiges Reich der Verstorbenen? Oder glaubten sie in weiter zurückliegenden Zeiten an Götter, die tatsächlich leibhaftig in den Himmel empor steigen konnten? Wohin reiste also der Mann von Palenque? Ins All? Ins Totenreich? In den Himmel?

In diesem Zusammenhang denken wir natürlich an die Grabplatte von Palenque unter dem Tempel der Inschriften, an die fantastische Darstellung, die 1968 das Cover von Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft« zierte. Nach wie vor wird gestritten und diskutiert. Steigt da eine Seele empor in den Himmel? Oder fällt der Verblichene hinab ins Totenreich? Oder sehen wir – und diese Sichtweise drängt sich uns auf – einen Astronauten im Raumanzug?

Foto 5 : Ceiba-Baum, Tikal
Vergessen wir nicht die Hopi-Indianer. Auch sie verehrten die »Weltachse«. Sie führte aus eine unterirdischen Höhle empor in den Himmel. Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde . Ganz ähnlich, nur konkreter, war die Mythologie der Maya. Die Maya von Yucatán verstanden einen Ceibabaum (Kapokbaum) als Weltachse. Seine Wurzeln im Unterirdischen versinnbildlichten die Unterwelt, sein mächtiger Stamm die Welt der Lebenden und seine Krone den Himmel. Diese Interpretation, das will ich betonen, habe ich nirgendwo in der Literatur gefunden!

Ist es nicht sehr interessant, dass in manchen Überlieferungen der »Nabel der Welt«, also das »Zentrum der Welt« exakt dort festgemacht wird, wo die Verbindung zwischen Himmel und Erde besteht? Sollte auf diese Weise die immense Bedeutung der Orte hervorgehoben werden, wo die Himmlischen vom Himmel herab zur Erde kamen und wo sie wieder gen Himmel auffuhren?

Auch auf der Osterinsel gab es einen »Nabel der Welt«, der durch ein steinernes Ei gekennzeichnet wurde. Auch wenn es meines Wissens nach auf der Osterinsel keine Überlieferung von einer »Weltachse« gab, so waren den Osterinsulaner sehr wohl fliegende Götter bekannt. Deren prominentester Vertreter war der geradezu legendäre Make-Make, der ja den ersten Bewohner vom Atlantis der Südsee zur Osterinsel geflogen haben soll, als seine Heimat in den Fluten des Meeres versank. 

Foto 6 : Riese aus Stein
Die Vergangenheit der Osterinsel ist nebulös und mythenumrankt. Die neuere, jüngere Vergangenheit dieses herrlichen Eilands ist zwar weitestgehend bekannt, wird aber nach wie vor gern verdrängt. Ob das daran liegt, dass den Menschen von »Rapa Nui« bis weit ins 20. Jahrhundert hinein entsetzliches Leid zugefügt wurde? Wiederholt wurde das kleine Inselchen überfallen, wurden vor allem Männer in die Sklaverei verschleppt. In der Fremde kamen die meisten der Entführten ums Leben. Sie starben an Erschöpfung, fielen Krankheiten zum Opfer. Als schließlich die letzten Überlebenden in die Heimat zurückkehren durften, brachten sie Krankheiten mit, so dass fast die gesamte Bevölkerung dahingerafft wurde.

So ist es nur zu verständlich, dass die Einheimischen den Erforschern der alten Geschichte der Osterinsel mit Misstrauen begegneten. Von Fremden hatten die Vorfahren nie Gutes erfahren. Sollte man den Nachkommen der Peiniger von einst die geheimen Überlieferungen aus uralten Zeiten offenbaren? Die Entzifferung der Osterinselschrift wurde keinem der Fremden anvertraut. Und wie sieht es mit den heiligen Überlieferungen aus?

Bei meinem ersten Besuch auf der Osterinsel im Oktober 1992 erzählte mir weit nach Mitternacht der
Foto 7 : Make-Make, fliegender Gott der Osterinsel
»Chef« meiner kleinen Pension, dass die berühmten Osterinselkolosse auch so etwas wie »Weltachsen« seien und Unterwelt und Himmel miteinander verbänden. Die Unterwelt werde durch Kammern in den Sockeln dargestellt, auch durch Gräber. Was die meisten Besucher der Insel nicht wissen: Es gab einst eine Verbindung zwischen Bestattungen von Menschen und den Plattformen, die als Fundamente für die Statuen dienten. Mag sein, dass direkt unter diesen Plattformen einst besonders würdige Insulaner bestattet wurden. Fest steht, dass es in unmittelbarer Nähe der Plattformen Gräber gab.

Die hohe Statue stehe für die Welt der Lebenden, aber auch für die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Und die roten Zylinder auf den Häuptern der Osterinselkolosse symbolisierten den Himmel. In der Literatur fand ich allerdings eine derartige Interpretation der Osterinselriesen nicht.

Fotos 8 und 9 : Zwei »Weltachsen«: Maibaum und auf der Grabplatte von Palenque

Auch in unseren Gefilden gibt es Brauchtum, das nach wie vor gepflegt wird. Es hat seinen Ursprung in der »heidnischen« Weltachse. Und die wird auch heute noch, besonders im ländlichen Bereich des Freistaats Bayern aufgerichtet. Man nennt sie im Volksmund – Maibaum. Über den Ursprung des Maibaums kann man nur spekulieren. Geht der Brauch auf germanische Baum-Rituale zurück? Ist der heutige Maibaum vage Erinnerung an die von den Germanen in Wäldern verehrten Götter? Oder liegt der Ursprung des christlichen Brauchs des Maibaum-Aufstellens sehr viel weiter zurück in der Vergangenheit? Hat man Stein durch Holz ersetzt? Richtet man heute Maibäume auf, so wie man vor Jahrtausenden mit sehr viel größerem Aufwand gewaltige Menhire in die Senkrechte brachte?

Vor Jahrtausenden wurden riesige Steinmonolithen bewegt, transportiert und mühsam platziert. Warum? Zu welchem Zweck?


Foto 10 : Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde

Literatur zum Thema Osterinsel


Heyerdahl, Thor: »Aku-Aku/ Das Geheimnis der Osterinsel«, Berlin 1972
Lee, Georgia: »The Rock Art of Easter Island/ Symbols of Power, Prayers to the Gods«, Los Angeles 1992
Foto 11: »Phurba«
Machowski, Jacek: »Insel der Geheimnisse/ Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel«, Leipzig 1968
Mann, Peggy: »Land of  Mysteries«, New York 1976
Mazière, Francis: »Insel des Schweigens/ Das Schicksal der Osterinsel«, Frankfurt 1966
Métraux, Alfred: »Ethnology of Easter Island«, Honolulu, Hawaii, 1971
Orliac, Catherine und Michel: »Mysteries of  Easterisland«, London 1995

Zu den Fotos:
Fotos 1 und 2: Weltenbaum der Maya. In Foto 2 (rechts) habe ich den Weltenbaum markiert. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Ein »Phurba«.  Foto 3 zeigt den gleichen »Phurba« wie Foto 11, aus anderer Blickrichtung. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Wohin reiste der Mann von Palenque? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 : Ceiba-Baum, Tikal. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 : Riese aus Stein. Im Bild: Statue, Hund, Autor Langbein. Foto privat
Foto 7: Make-Make, fliegender Gott der Osterinsel. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 8 und 9 : Zwei »Weltachsen«: Maibaum und auf der Grabplatte von Palenque. Foto 8: Heidi Stahl. Foto 9: Walter-Jörg Langbein
Foto 10 : Die Katchinas pendelten zwischen Himmel und Erde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: »Phurba«. Foto 11 zeigt den gleichen »Phurba« wie Foto 3, aus anderer Blickrichtung. Foto Walter-Jörg Langbein

329 »Gesar, der Göttliche mit Menschenhaut«,
Teil 329 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.05.2016

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