Montag, 25. Februar 2013

Fido Buchwichtel und der hässliche Zwilling


Hallo liebe Leute!

Hier bin ich wieder: 
Fido Buchwichtel mit dem aktuellen Bestseller aus dem Wichtelland. Freut Ihr Euch, mich wiederzusehen? Das entzückt auch mein Herzchen.

In der letzten Woche habe ich mich Euch vorgestellt. Dabei habe ich mitgeteilt, dass es ein Wunsch der Wichtelvölker ist, Euch Menschen besser verstehen zu wollen. Es hat eine Diskussion bei den Wichteln gegeben, weil ich Euch, liebe Menschen, heute einen Menschenkrimi vorstellen möchte. Dazu müsst Ihr etwas über uns Wichtel erfahren. Ein Wichtel würde niemals einem anderen Wichtel Gewalt antun. Unter unseren Völkern gibt es keinen Mord und auch keinen Totschlag.

Und noch etwas würde es bei uns Wichteln nicht geben. Unsere Wichtelkinder sind uns heilig, sie sind das Wichtigste in unserem Leben. Niemals kämen Wichtel auf die Idee, kleine Wichtel für auffällig zu erklären und sie mit Medizin ruhig zu stellen. Wichtelkinder dürfen lärmen, toben und werden geliebt. Jeder erwachsene Wichtel ist verpflichtet, Vorbild für die Kleinen zu sein und hat sich immer in Geduld den Kindern gegenüber zu üben. Das geschieht aus einer Selbstverständlichkeit heraus. Wichtelkinder dürfen laut sein, springen über Stock und Stein und fragen uns Löcher in die runden Bäuche. Für uns ist das völlig normal. Vielleicht ist das aber auch der Grund, warum uns die Diagnose ADHS unbekannt ist.



Der Menschenkrimi: Der hässliche Zwilling: Ein Münsterland-Krimi hat unter uns Wichteln aus diesen Gründen für einen regen Meinungsaustausch gesorgt. Die Handlung spielt im Winter, das passt natürlich hervorragend zum momentanen Schneefall, der uns Wichtel in den gemütlichen Stuben verweilen lässt. Vera heißt die Hauptperson in dem Krimi. Bei ihr gingen die Meinungen der Wichtel auseinander. Einige sind der Meinung, dass Vera ein richtiges Miststück, eine eiskalte Mörderin sei. Andere verweisen darauf, dass es Menschen wie Vera zu verdanken sei, dass auch wir Wichtelvölker noch Lebensräume haben. Dass Menschen wie Vera unter dem Einsatz ihres Lebens gegen den Raubbau der Natur vorgehen. In den Jahrtausenden unseres Daseins sind viele Wichtelvölker von Menschen ausgelöscht worden. Es hat aber auch immer Menschen wie Vera gegeben, die sich, ohne es zu wissen, schützend vor uns gestellt haben.

»Wenn du Frieden willst, bereite dich zum Krieg!« Ein Satz, von Vera ausgesprochen, macht es deutlich. Um Euch Menschen zu verstehen, fehlt uns Wichteln das Verständnis. Aber der Krimi der Menschenautorin Tuna von Blumenstein hat unter uns Wichteln dazu beigetragen, Euch Menschen mit all Euren Abgründigkeiten besser kennenzulernen. 

Mit den Worten meines Urururvorfahren, dem berühmten Buchwichtel Johann Wolfgang von Kurzarm, möchte ich mich für heute von Euch verabschieden: Der hässliche Zwilling: Ein Münsterland-Krimi kaufen, lesen, weiterempfehlen!

Winke winke Euer

Fido Buchwichtel




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Sonntag, 24. Februar 2013

162 »Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil I

Von Tempeln, Pyramiden und Krokodilen
Teil 162 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Plan von Cobá
Foto: Archiv Langbein
Nach herrlichen Stunden am Karibik-Strand ging's mit dem Jeep teils auf morastigen Hilfsstraßen, teils auf der vorzüglichen Schnellstraße Tulum – Valladolid nach Cobá in Quintana Roo, Yucatán. Nach einigen Stunden machte sich im Dörfchen Cobá langsam mein rapide gedeihender Sonnenbrand bemerkbar. Es war heiß, die Luftfeuchtigkeit ließ an einen Aufguss in der Sauna denken ... und die gewaltige Ausdehnung der einstigen Maya-Metropole Cobá raubte mir förmlich den Atem. Per Jeep fuhren wir einen Teil der vermuteten Außengrenze von Cobá ab.

»Wie groß Cobá wirklich war ... wir wissen es nicht!« erklärte mir stolz unser Guide. »Vielleicht waren es fünfzig, vielleicht 100 Quadratkilometer!« Nach klassischer Lehrmeinung wurde rund drei Jahrhunderte an der Riesenstadt Cobá gebaut. Groß, wie Cobá war, mussten mehrere Ballspielplätze angelegt werden. Seit zwanzig Jahren wurden, so finanzielle Mittel flossen, kleinere Ausgrabungen durchgeführt. Maria José Con konzentrierte sich dabei auch auf die Ballspielplätze. Bis heute konnte erst ein kleiner Bruchteil der Ruinen untersucht werden.

»Es fehlt am Geld!« schimpft unser Guide. »Und die wirklich wissenden Nachfahren der Maya hegen ein gesundes Misstrauen den Nachkommen der Eroberer gegenüber!« So gibt es Cenotes in Reichweite von Cobá, wie in Chichen Itza. Diese Löcher im Kalkstein dienten den Mayas als Wasserreservoire.« Manche dieser Schlünde (die meisten?) stürzten ein, manche wurden vermutlich von Menschenhand angelegt. »Der Kalkstein würde das Wasser in den Cenotes rasch abfließen, versickern lassen. Lehmschichten verhindern das Abfließen. Und so führen die meisten der Cenotes mehr oder minder ständig Wasser!«

Cenote von Chichen Itza - Foto: Walter-Jörg Langbein
Für die Mayas waren Cenotes freilich nicht nur Löcher im Boden, die sich mit Wasser füllten. Sie sahen in ihnen (in einigen?) Eingänge zur Unterwelt. Unser Guide: »Für die Mayas waren Himmel, Erde und Unterwelt nicht getrennte Bereiche. Das Leben stieg aus der ›Unterwelt‹ empor, um wieder in die ›Unterwelt‹ zu steigen ... und um wieder zurückzukehren!« Ein Teilnehmer unserer Miniexpedition lachte bei dieser Bemerkung: »Heidnischer Aberglaube! Lächerlich!« Ernst fragte unser Guide zurück: »Glaubt der fromme Christ nicht auch, dass Jesus nach seiner Auferstehung in die Hölle fuhr, um nach drei Tagen wieder ins Reich der Lebenden zurückzukehren?« Besserwisserisch meine der hochnäsige Teilnehmer erneut widersprechen zu müssen: »Jesus weilte nicht drei Tage im Reich der Toten! Er kehrte schon am dritten Tage zurück ...« Unser Guide ging auf diese wenig hilfreiche Anmerkung nicht ein. Denn ob nun Jesus nach zweieinviertel oder zweidreiviertel Tagen den Höllenschlund verließ, ändert nichts an der Tatsache, dass auch das Christentum an ein Totenreich glaubt, in das man hinabsteigen, das man aber auch wieder verlassen kann.

Eine lehmige Schicht dichtet die Cenotes zum porösen Kalkgestein ab. In diesen, im Lauf der vielen Jahrhunderte gewachsenen Schichten, werden kostbarste Schätze vermutet.

Unser Guide: »Um die Götter der Unterwelt zu besänftigen, wurden ihnen kostbare Gaben geschenkt. Wunderbare Artefakte aus Gold wurden in Cenotes geworfen, als Opfer für Götter! Sie sanken auf den Grund ... und verschwanden nach und nach im Schlamm!«
Es ist zu vermuten, dass im Schlamm mancher Cenote noch erhebliche Goldschätze zu finden sind. Es genügt aber nicht, Cenotes durch Taucher erforschen zu lassen. Man müsste mit erheblichem Aufwand meterdicke Schlammschichten abpumpen und sieben.

Taucher erforschen einen Cenote bei Tulum - Foto: nru

Mit Prof. Hans Schindler-Bellamy (1901-1982), Wien, hatte ich wiederholt ausführliche Gespräche ... auch über die Mayas, auch über Cobá. Der sympathische Gelehrte skizzierte ein fremdes Weltbild für mich. Demnach gab es in Vor-Maya-Zeiten den Glauben an die Muttergöttin, die als Herrin über Werden des Lebens, Wachsen und Gedeihen, Sterben und neuerlicher Geburt des Lebens bestimmte. Als »Leben« wurden Pflanzen, Tiere und Menschen angesehen. Alles Leben kam aus der Urmutter, der Urgöttin, die – wie im »Alten Testament« Eva – alles Lebende gebar. Der Göttin wurde geopfert, um sie milde, um sie gnädig zu stimmen. Dann gab es keine Unterbrechung im Kreislauf des Lebens. Dann folgte auf den Tod (Absterben der Natur in der Trockenzeit) das neuerliche Aufblühen in der Regenzeit.

Cenotes waren so etwas wie natürliche Zugänge zur Unterwelt ... Berge und Vulkankegel wurden als »Treppen« in himmlische Gefilde angesehen. Gab es diesen Glauben weltweit? Türme (Bibel: Turmbau zu Babel!) wie Pyramiden gab es weltweit als sakrale Bauten ... als Treppen in den Himmel, als Wege zu den Göttern. Und so gab es natürlich auch in Cobá gewaltige steile Pyramiden, auf denen – in kleinen Tempelchen – den Göttern geopfert wurde.

Eine der kleineren Pyramiden von Cobá - Foto: Walter-Jörg Langbein

Wichtige Zentren in Cobá waren untereinander durch sorgsam angelegte und gepflasterte Straßen verbunden. Sorgsam hat man nivelliert. Es wurden sogar Dämme angelegt, auf denen Straßen geführt wurden. Offenbar wollte man möglichst ein gleichbleibendes Niveau erreichen. Sollten die Straßen also mehr gewesen sein als einfache Verbindungen? Waren es mehr als Wege, auf denen Waren transportiert wurden? Viele Fragen konnten bis heute nicht beantwortet werden. So gibt es auf dem riesigen Areal von Cobá bis zu 10.000 (zehntausend!) Strukturen. Welchem Zweck sie dienten? Bei vielen Bauten, von denen nicht selten nur Mauerreste oder auch nur Steinhaufen erhalten sind, wissen wir das nicht.

Schnell wird eine nur noch als Grundriss zu erkennende Struktur zum Tempel, schnell wird eine unter einem natürlich wirkenden Hügel als künstliches Gebäude kaum noch zu erkennende Pyramide zum Heiligtum und eine mehrstufige Terrasse zum Tempel. Einigkeit scheint weitestgehend darin zu bestehen, dass Cobá von immanenter Bedeutung als religiöses Zentrum war. Aber war Cobá nach unserem Verständnis eine Stadt? Oder gab es auf dem riesigen Gelände von Cobá nur eine Anhäufung von Tempeln? Waren die unzähligen, gepflasterten Straßen innerhalb von Cobá so etwas wie sakrale Wege für die Priesterschaft, vielleicht auch noch den »Hochadel«? Waren es Pilgerwege von frommen Mayas, die andächtig von Tempel zu Tempel marschierten?

Cobás Bauten geben Rätsel auf. Foto: Walter-Jörg Langbein
Ich bin auf einigen der kaum noch erkennbaren Straßen marschiert. Die Kleidung klebte mir am Leibe. Die Luftfeuchtigkeit machte die Exkursion zur Tortur. Ich verzichtete aber auch auf ein erfrischendes Bad in einem der Seen. Cobá soll »Von Wind bewegtes Wasser« bedeuten ... und auf die fünf Seen hinweisen, die vielleicht die ersten Siedler in das Gebiet von Cobá lockten. Besonders einladend sind heute »Lago Cobá« und »Lage Macanxoc«, zwischen die sich eine einst besonders imposante Gruppe von teils mächtigen Bauten schmiegte.

Ich muss aber dringend davon abraten, in diesen beiden Seen zu baden. Offen gesagt: Ich würde nicht einmal am Ufer waten. Es gibt nämlich in beiden Seen Bewohner, die nicht als besonders menschenfreundlich gelten ... Krokodile! Mir wurde wiederholt versichert, dass diese Reptilien nur ganz, ganz selten Menschen fräßen. Ich wollte aber nicht testen, ob ich eventuell zu einer dieser seltenen Ausnahmen zählen würde. Man mag es mir als Feigheit auslegen, aber ich habe weiträumig die Seen von Cobá gemieden, um auch wirklich kein einziges Krokodil in Versuchung zu führen.

Wer in Cobá nicht gänzlich auf furchteinflößende Reptilien verzichten möge, der halte die Augen offen ... Dann wird man Miniaturdrachen finden, von denen keinerlei Gefahr ausgeht, auch wenn sie wie Sagen-Wesen aussehen, gegen die einst Heilige und Ritter kämpften ...

Leguane findet man in so mancher Ruinenstadt von Zentralamerika ... so auch in Cobá. Dank ihrer Tarnfarbe können sie sich – besonders für Touristen, denen exotische Natur vollkommen fremd ist – fast unbemerkt bewegen.

Minidrachen in Cobá - Foto: Walter-Jörg Langbein
Zur Erinnerung: Die Mayas kannten und verehrten einen Gott namens »Itzamná«, »Leguan-Haus«. Der Himmelsgott, Kennzeichen markante Hakennase, galt als besonders hochrangige Gottheit. Seine Partnerin war die Göttin »Ix-Chel«, die »Herrin des Regenbogens«. Diese Mondgöttin dürfte auf eine sehr viel ältere Muttergöttin zurückzuführen sein, der erst später – mit dem Aufkommen des Patriarchats – ein männlicher Gott zur Seite gestellt wurde. »Ix-Chel« wurde als Göttin der Geburt verehrt. Sie war also eine Nachfolgerin der ursprünglichen Muttergöttin ... und die wurde, davon bin ich überzeugt ... weltweit verehrt, in uralten Zeiten, unter unzähligen Namen. Ihre Spur lässt sich noch in biblischen Schriften verfolgen.

Es lohnt sich, ein Buch wie die »Bibel« zu lesen ... so unvoreingenommen wie nur möglich!

Literaturempfehlungen
National Geographic Society: Versunkene Reiche der Maya, Augsburg 1997
Prem, Hanns J. und Dyckerhoff, Ursula: Das alte Mexiko/ Geschichte und
Kultur der Völker Mesoamerikas, München 1986
Schele, Linda und Mathews, Peter: The Code of the Kings/ The Language of
seven sacred Maya Temples and Tombs, New York 1998
Schele, Linda und Freidel, David: Die Unbekannte Welt der Maya/ Das
Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt, Augsburg 1994, Übersetzung von A
Forest of Kings
Schele, Linda und Miller, Mary Ellen: The Blood of the Kings/ Dynasty and
Ritual in Maya Art, Fort Worth 1986 (korr. Nachdruck)
Sitchin, Zecharia: Versunkene Reiche/ Der Ursprung der Zivilisation im
Reiche der Maya und Inka, Rottenburg 2008
Soustelle, Jacques: Die Kunst des alten Mexiko, Osnabrück 1968
Stingl, Miloslav: In versunkenen Mayastädten/ Ein Forscher den Geheimnissen
der indianischen Pyramiden auf der Spur, Leipzig 1971
Stuart, David und George: Palenque/ Eternal City of the Maya, London 2008
Westphal, Wilfried: Die Maya – Volk im Schatten seiner Väter, Bindlach 1991
Wipf, Karl A.: Wanderer in der Nacht/ Religionsgeschichtliche Interpretationen
zu altamerikanischen Chroniken, Hallein 1980

Die Buchneuerscheinung von Walter-Jörg Langbein:
Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen

»Von einem, der in den Himmel stieg!
Alle Straßen führen nach Cobá«, Teil II
Teil 163 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 03.03.2013


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Samstag, 23. Februar 2013

Poesie am Samstag: Sylvia B. Strategie und Abitur

Illustration: Sylvia B.

in ruhe und mit bedacht
betrachte ich die strategien
der vergangenen zeit
denke mir meinen teil
und murmel vor mich hin
da kann man mal wieder sehen
wer abitur hat

es gibt sinn
den ironiemodus zu betätigen
denn die teletubbi generation
hat bereits eigene kinder

es scheint schon länger
in mode zu sein
mit dreck zu werfen
und sich dafür
noch gut
bezahlen zu lassen
das nenne ich strategie
nur
die zeiten scheinen sich zu ändern
der dreck prallt ab
und fliegt zurück
es ist schwierig
sich beim werfen
nicht selbst
schmutzig zu machen
das gibt hässliche flecken
auf den weißen westen

letztendlich
kommt es
auf das endergebnis an
und wenn der tag gekommen ist
werde
nicht nur ich
wahrnehmen können
wer
wo
abitur
gemacht hat

Sylvia B.


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Freitag, 22. Februar 2013

Gustl Mollath: Im Namen des Volkes! - die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Mit Rechtskraft zum 13. Februar 2007 wurde am Landgericht Nürnberg das Urteil gegen Gustl Mollath gefällt, das seinen Daueraufenthalt in der forensischen Psychiatrie besiegeln sollte, der bereits seit dem 27. Februar 2006 bis zum heutigen Tag andauert. Verurteilt wurde Mollath wie üblich »Im Namen des Volkes!«. Das bedeutet: Wenn Sie, wie auch ich, deutscher Staatsbürger sind, wurde das Urteil auch in Ihrem Namen gesprochen!

Dass und warum es sich offenkundig um ein Unrechtsurteil handelt, hat die ehemalige Staatsanwältin Gabriele Wolff in ihrer bisher neunteiligen Analyse in vielen Einzelheiten auseinandergesetzt und den Fall so auch für den juristischen Laien zugänglich gemacht. Ihr gebührt Dank und Respekt für diese umfangreiche Leistung. Ich empfehle die Lektüre ihres Blogs jedem einzelnen deutschen Staatsbürger, der wissen möchte, welchen menschlichen Abgründen in seinem Namen Vorschub geleistet werden.


Das Urteil gegen Gustl Mollath

Wer sich in den Fall des Gustl Mollath einlesen möchte, für den folgt hier die Linksammlung zu den Beiträgen von Gabriele Wolff, die sie unter dem Titel »Der Fall Mollath: Rosenkrieg und Versagen von Justiz & Psychiatrie« veröffentlicht hat:


  


   



  
  
Aus der Lektüre ergeben sich die gnadenlosen Mechanismen eines angeblichen Rechtsstaats, der sich anmaßt, in unser aller Namen Unrecht zu sprechen. Er nutzt hierzu das ganze Arsenal, das unser bundesdeutsches Regelungsgestrüpp ihm zu bieten hat. Beim Lesen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Gesetze heute nur deshalb immer zahlreicher werden, um in ihrem Windschatten möglichst großes Unrecht verschleiern zu können.



Buchneuerscheinung am 1. Dezember 2014:

Gerhard Strate

»Der Fall Mollath – Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie«

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Vor unseren Augen wird Gustl Mollath seit sieben Jahren nach allen Regeln der Kunst fertiggemacht. Wann er endlich freikommen wird ist bislang unbekannt, da selbst derart offensichtliche Fehlurteile im Sinne der Rechtssicherheit nicht einfach aufgehoben werden können. Vielmehr wird Unrecht möglichst lange aufrechterhalten, um einen stabilen Rechtsstaat zu demonstrieren. Kann es eine treffendere Definition für Wahnsinn geben?

Während Gustl Mollath also wegen seines angeblichen »Wahns« weiterhin festgehalten wird, laufen die echten Wahnsinnigen frei herum, beschließen Gesetze, fällen Urteile und schreiben Gutachten. Alles zu unserem Wohl, in unserem Namen und auf unsere Kosten. Der gesunde Menschenverstand ist seit langem im Winterschlaf und hat den Vorboten einer besonders infamen Art der Diktatur Platz gemacht, die hinter der Maske des allenthalben zur Schau getragenen Gutmenschentums langsam ihre Fratze enthüllen.


Die Diktatur des Euphemismus

Gustl Mollath wurde im Jahre 2007 selbstverständlich nicht »entmündigt«, sondern unter »rechtliche Betreuung gestellt«. Klingt das nicht viel humaner? Was könnte an einer »Betreuung« falsch sein, drückt doch schon das darin steckende Wort »treu« aus, dass alles nur zum Wohl des angeblichen »Patienten« geschieht! Dass sich im Zuge dieser »Betreuung« Gustl Mollaths gesamte bisherige Habe in Luft auflöste und er heute nicht einmal mehr ein eigenes Paar Socken besitzt, kann man sich bei dieser euphemistischen Sprachregelung einfach nicht vorstellen.

Und selbstverständlich möchte man Gustl Mollath nicht »mit den Mitteln der Medizin dazu zwingen, endlich das Maul über irgendwelche Schwarzgeldverschiebungen zu halten«: Nein, man möchte »seinen Wahn therapeutisch mit ihm aufarbeiten«, wonach es Mollath sicher besser gehen würde, da Krankheitseinsicht ja der erste Schritt zur Besserung sei, dieser perfiden Logik nach.

Auch der kürzlich erfolgte Versuch, Gustl Mollath aus dem BKH Bayreuth in die Psychiatrie nach Ansbach zu verlegen, hatte ganz ohne Zweifel nicht den Sinn, »den Störenfried endlich loszuwerden«, sondern war alleine deshalb angedacht, »weil ein Vertrauensverhältnis zwischen der Klinik und Gustl Mollath nicht gegeben« sei. Haben wir nicht alle aus der Apothekerzeitschrift gelernt, dass das Vertrauen des Patienten in seinen Arzt schon die halbe Heilung ist?


Das Lächeln des Bösen

Es zeigt sich: Die schärfste Waffe der Diktatur, deren Anfänge wir aktuell erleben, liegt im euphemistischen Sprachgebrauch. Die jetzt in Gang gesetzte Entwicklung noch zu stoppen wird eine der schwersten Aufgaben werden, denen sich der menschliche Verstand jemals zu stellen hatte. Nichts ist mehr wie es scheint. Das Böse steht uns nicht mehr waffenstarrend im Braunhemd gegenüber: Es kommt auf leisen Sohlen und erklärt uns lächelnd, dass alles nur zu unserem Besten sei.

Wir müssen dringend lernen, hinter die tausendfachen Masken des Sprachgebrauchs zu blicken und uns nicht mehr von den Wiegenliedern des Bösen in den Schlaf lullen zu lassen: Vom »fehlenden Vertrauensverhältnis« zu sprechen, während zeitgleich eine extrem fundierte Strafanzeige wegen des Verdachts der schweren Freiheitsberaubung läuft, ist ein Hohn. Einen »Wahn therapeutisch aufarbeiten zu wollen«, dessen Wahrheitsgehalt vom Revisionsbericht einer Großbank längst anerkannt wurde, spottet jeder Beschreibung. Und wenn am Ende einer »rechtlichen Betreuung« die Mittellosigkeit des vormals Begüterten steht, dann sollten wir über die Pervertierung des Wortes »BeTREUung« nachdenken.


Ein paar Übersetzungshilfen

Die Diktatur des Euphemismus beschränkt sich natürlich nicht auf den Fall Gustl Mollaths. Es gibt viele weitere Beispiele:

»Wir spannen einen starken Rettungsschirm auf, um die Eurowährung zu stabilisieren« bedeutet übersetzt: »Wir bestehlen unsere Kinder und Enkel, um die Kunstwährung erst mal zu erhalten und das Problem auf eine Zeit nach unserer Regierung zu vertagen.«

»Die Werteorientierung unserer Außenpolitik wird deutlich im Kampf gegen Hunger und Armut« bedeutet übersetzt: »Wir müssen dafür sorgen, dass die armen Schlucker am Leben bleiben, um von den Waffendeals abzulenken, die wir mit ihren politischen Führern eingefädelt haben.«

»Wo Menschenrechte missachtet werden, muss Deutschland überall, wo so etwas auf der Welt passiert, deutlich machen, dass die Würde des Menschen unteilbar ist!« – Übersetzung: »Wenn wir bei der chinesischen Führung das Menschenrechtsgedöns anmahnen, dann kriegen wir leichter die Unterschrift unter das nächste Wirtschaftsabkommen zu unseren Bedingungen.«


Sprachlicher Zuckerguss zur schleichenden Entrechtung

Wir müssen den sprachlichen Zuckerguss abkratzen und seinen nackten Sinngehalt verstehen. Nur dann haben wir eine Chance gegen die ebenso weichgespülte wie umfassende Entrechtung, mit der wir uns an allen Ecken und Enden konfrontiert sehen.

Schließen möchte ich diesen Beitrag mit einem Schreiben Gustl Mollaths, einem erschütternden Dokument darüber, was passiert, wenn die Diktatur des Euphemismus alle Masken fallen lässt. Es stammt aus dem Jahre 2008 und ist folgenlos geblieben, denn Mollath sitzt bekanntlich immer noch. Denken Sie beim Lesen bitte daran, dass alles, was ihm passiert ist, im »Namen des Volkes!« geschah, also auch in Ihrem!



Update: Kurz nach Fertigstellung dieses Beitrags veröffentlichte Mollaths Rechtsanwalt Gerhard Strate seinen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens. Auf 140 Seiten erfahren wir weitere Einzelheiten einer offensichtlichen Rechtsbeugung, die einfach nur fassungslos machen:

http://strate.net/de/dokumentation/Mollath-Wiederaufnahmeantrag-2013-02-19.pdf

>> Lesen Sie hier meine weiteren Artikel zum Fall Gustl Mollath

Update 24.02.2013:
Klartext von Dr. Friedrich Weinberger zum Justizdrama Gustl Mollath

Donnerstag, 21. Februar 2013

Der Geburtstag

Ein Märchen
von Walter-Jörg Langbein
Teil 3


Teil 1
Teil 2

Schon Wochen vor dem denkwürdigen Tag sah man den treuen Wachhund Waldemar kaum noch. Meist zog er sich in seine Hütte zurück. „Er dichtet ...“, mutmaßte Storch Isidor. „Er arbeitet an einem Gedicht für Hanni!“ Schweinchen Ottilie wusste zu berichten: „Er übt ein Lied für Hanni ein!“ Da konnte Isidors Frau Isolde nur mit dem langen Schnabel klappern. „Das wird ja was werden ...Waldemar kann doch gar nicht singen!“

Isidor und Isolde

Das wiederum hat Waldemar aufgeschnappt. „Und Ihr Langschnäbel könnt nur Frösche verputzen und mit den Schnäbeln klappern!“ Indigniert wandte Isolde ein: „Wir wollen ja auch gar kein Lied singen!“  Schweinchen Ottilie pflichtete bei: „Singe, wem Gesang gegeben!“

Isidor und Isolde taten sehr geheimnisvoll. „Wir haben uns etwas ganz Besonderes ausgedacht!“ Was das war, das wollten sie aber auf keinen Fall verraten. Das machte alle neugierig. Jakob, der stille alte Esel hat die beiden Störche heimlich beobachtet. „Was sie genau vorhaben, das weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass sie mit Pinseln und Farbe hantieren ... im kleinen Schuppen!“

Nun wird mancher, der sich für besonders klug hält, einwenden, dass Hunde nur kläffen, nicht aber singen können, dass Störche nicht reden und Esel nicht spionieren können. Solche Menschen gibt es wirklich! Die lachen über Märchen, in Wirklichkeit aber leben sie in einer kleinen, kalten Welt.

Happy Birthday, Hanni ...
wünscht Joschka, der Bär!
Bär Joschka hat mit solchen Menschen nur Mitleid. Bär Joschka isst nicht nur mit Begeisterung Honig, er ist auch ein richtiger Philosoph. „Märchen sind natürlich wahr, genau wie Liebe und Freundschaft wahr sind. Wer Märchen grinsend als Humbug abtut, der weiß auch nicht, wie Freundschaft und Liebe das Herz erwärmen! Mehr noch als der beste Honig!“

Bär Joschka besuchte regelmäßig den Hof von Hans im Glück. Abends schrieb er nach einem seiner Besuche ins Tagebuch: „Hanni ist viel mehr wert als alles Gold dieser Erde! Und Hanni beschenkt alle so reich, dass das nicht mit Gold aufgewogen werden kann!“ An einem anderen Tag hielt er fest: „In meinem langen Leben habe ich nur sehr wenige wertvolle Menschen kennengelernt. Die Königin von allen aber ist Hanni!“


Bär Joschka gehörte keiner Religion an. Er glaubte nicht an einen der Götter der Menschen. „Wenn es einen Gott gibt, dann muss es ein Honig-Gott sein!“ sagte er einmal in einem philosophischen Gespräch mit Isidor und Isolde. „Dann hat Dein Honig-Gott Hanni zu uns geschickt. Sie hat uns allen Glück gebracht!“, lautete Isoldes Antwort. Joschka nickte. „Dafür müssen wir dem Honig-Gott bis ans Ende aller Tage dankbar sein!“ Die Störche seufzten, so wie nur sprechende Störche das können. „Es ist wunderbar zu wissen, dass es Hanni gibt! Sie wird auf alle Zeiten unsere Königin sein und bleiben!“


Inzwischen hat Waldemar seine Versuche, ein neues Lied zu komponieren aufgegeben. Mit seinen poetischen Bemühungen ist er auch nicht sehr viel weiter gekommen. Aber sein Zweizeiler ist aussagekräftig genug. Er lautet:

„Für Hanni soll es rote Rosen regnen!
Ihr soll im Leben nur Gutes begegnen!“


Auch Isidor und Isolde haben ihr Projekt schweren Herzens aufgegeben. Sie hatten ein riesiges Plakat bemalt mit den Worten: „Hoch lebe Königin Hanni! Ein großes Königreich für Hanni!“ Leider war das Plakat viel zu schwer geworden. Isidor und Isolde sahen sich außerstande, das sorgsam bemalte Plakat durch die Lüfte zu tragen. Traurig meinte Isidor: „Es ist zu groß! Wir haben immer wieder versucht, unseren Wahlspruch mit Flügelkraft zum Himmel zu schleppen und aller Welt zu zeigen! Aber vergeblich!“ Isolde ergänzte: „Und wenn wir es kleiner machen, so dass wir es fliegend tragen können ... kann es keiner lesen!“

Joschka konnte die beiden Störche zum Glück trösten. Ist er doch der Philosoph im Reich der Tiere. „Es kommt doch nicht darauf an, liebevolle Gedanken an den Himmel zu schreiben! Man muss sie hegen und pflegen. Dann werden sie groß und stark. Und dann spürt Hanni auch Eure Zuneigung, die größer ist als je ein Plakat sein kann!“

Isidor und Isolde freuten sich sehr und teilten Joschkas kluge Gedanken allen Mitbewohnern auf dem alten Hof mit. Es ist nur schade, dass viele Menschen keine Ahnung von dieser Wahrheit haben. Aber vielleicht trägt dieses Märchen dazu bei, dass sie verbreitet wird!

Und so kam es, dass am 21. Februar viele, sehr viele liebe Gedanken und Wünsche empor gestiegen sind... empor zum Himmel. Sie waren überall. Jakob, der stille alte Esel nickte zufrieden. „Und Ihr meint, dass Hanni das alles spürt?“ Isolde und Isidor schüttelten erstaunt die Köpfe. „Wie kannst Du nur daran zweifeln? Natürlich wärmen unsere liebevollen Wünsche Hannis Herz!“ Und Waldemar ergänzte: „Und unsere Herzen auch ...“

Bär Joschka war zufrieden. Man hatte ihn verstanden. „Kein Wunder, dass Menschen, die nicht an Märchen glauben, so oft frieren!“, meinte er nachdenklich. „Sie wissen nichts von der Kraft der liebevollen Gedanken und Wünsche! Die bringen Herzenswärme in die Welt. Und warum ist das möglich? Weil es – wenn auch nur sehr, sehr selten – einzigartige Menschen wie Hanni gibt!“

Und so stimmen alle ein in den Gesang:
 „Happy Birthday, liebe Hanni, happy birthday to you!“
Und alle, alle sind froh, dankbar und glücklich. Warum?
Weil es Hanni gibt!

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Montag, 18. Februar 2013

Fido Buchwichtel: Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen


Hallo liebe Leute!

Hier bin ich: Fido Buchwichtel

Was will ich hier, werdet Ihr Euch fragen. Nun, ab heute werde ich Euch jeden Montag den aktuellen Bestseller aus dem Wichtelland vorstellen. Ist das nicht wunderbar?

Wenn Ihr bisher angenommen habt, dass Wichtel nur zur Weihnachtszeit aktiv sind, habt Ihr Euch grundlegend geirrt. Und mit dem menschlichen Irrglauben, dass Wichtel nur vor sich herwichteln, werde ich auch aufräumen. Aus einer uralten Tradition heraus dachten und dichteten wir Buchwichtel schon, als die meisten menschlichen Kulturen noch mit einem hölzernen Dreirad um die Femeichen rollten.

Ein Urururvorfahr von mir, der berühmte Buchwichtel Johann Wolfgang von Kurzarm, sagte einmal treffend: kaufen, lesen, weiterempfehlen! Diesen Worten hat sich über Generationen hinaus die Familie der Buchwichtel verpflichtet gefühlt.

Warum öffnet sich heute ein Buchwichtel der menschlichen Literatur, werdet Ihr Euch sicher auch fragen. Die Antwort ist einfach: Weil wir Buchwichtel Euch Menschen, und damit auch die menschlichen Abgründe, besser verstehen wollen. Und da kann es keinen besseren Ort geben, als bei der Autorengemeinschaft »Ein Buch lesen!«.

Ein Menschenautor, der auch ohne Doktortitel immer seine Fußnoten ordentlich beisammen hat und der sich unter den Wichtelvölkern großer Beliebtheit erfreut, ist der Mensch Walter-Jörg Langbein. Eine seiner neuesten Publikationen möchte ich Euch heute als Bestseller der Woche im Wichtelland vorstellen:
Das verlorene Symbol und die Heiligen Frauen: Das wahre Geheimnis des Salomon-Schlüssels 


Der Titel ist Programm! Walter-Jörg Langbein geht auf Spurensuche. Der legendäre Salomon-Schlüssel, das berühmt-berüchtigte Zauberbuch, soll in die Welt der Magie einführen, beinhaltet, für den Verstehenden, Wissen aus uralten Zeiten. Von meinem Urahn überliefert ist, dass es bei Euch Menschen eine finstere Zeit gab, in der weise Frauen und auch Männer, als Hexen gefoltert und verbrannt wurden. Dass es sogar ein Buch dazu gab, der »Hexenhammer«, in dem genau beschrieben wurde, wie mit Hexerei zu verfahren ist, habe ich erst aus dem Buch erfahren. Wie töricht doch die Menschen sind! Wir Wichtel begegnen unseren Kräuterwichteln immer mit viel Respekt. So konnten wir das geheime Wissen um die Dinge bewahren.

Salomons vesteckter Schlüssel in der Bibel, in alten Schriften, auch darauf geht Walter-Jörg Langbein in diesem Buch ein. Dramatisch auch das Kapitel 7. Daraus möchte ich zitieren: »Jahrtausende bevor die ersten Texte des »alten Testaments«  geschrieben wurden, gab es im Norden Syriens das Reich von Ugarit. Ein »Volk Israel« gab es damals noch nicht. Hier entstanden die ältesten Mythen der Menschheit. Oft erscheinen sie uns als sehr fremdartig. Sie sind aber der Kultur unseres Abendlandes weit näher als wir glauben ...«

Das ist spannend, nicht wahr? Dieses Buch ist eine Reise zu der ältesten Religion ... zu den Heiligen Frauen! Und es ist sehr lesenswert, sonst würde ich es Euch auch nicht vorstellen.


Klickt Euch auch nächsten Montag ein, zu Fido Buchwichtel mit dem Bestseller der Woche aus dem Wichtelland, exklusiv auf »Ein Buch lesen!«



Winke winke Euer

Fido








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Sonntag, 17. Februar 2013

161 »Abstieg in die Unterwelt«

Teil 161 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Tulum lockt nicht nur
Maya-Freunde an.
Foto: W-J.Langbein
Tulum, direkt am Strand der karibischen See gelegen, lockt unzählige Touristen an. Man hat sich auf Pauschalreisende aus den USA eingerichtet, die für ein paar Tage einfliegen. Archäologische Rätsel interessieren viele dieser Besucher eher wenig ... wohl aber All-inklusive-Angebote. Essen und Getränke ... auch alkoholische ... sind im Preis inbegriffen. Auch im »Hotel Paraiso« ging es hoch her. Zu Deutsch: Von Tag zu Tag gab es mehr Alkoholisierte, die zusehends Gestalten aus Horrorstreifen wie »Die Rückkehr der lebenden Leichen« aussahen. Junge Amerikanerinnen und Amerikaner scheinen auf diese Weise die bibelfromme Lebensweise für kurze Zeit zu kompensieren.

Ein älterer Hotelangestellter erzählte mir spätabends von einer »Höhle der Göttin Ixcanleom«, die wohl mit Ix-chel identisch ist. Nach einigem Hin und Her erklärte sich der freundliche Südamerikaner bereit, er war in Peru gebürtig, mir den geheimnisvollen Einstieg in die Unterwelt zu zeigen. Vertrauensvoll nahm ich die Einladung gern an. Mitten in der Nacht fuhren wir per Taxi Richtung Coba ... und kletterten – nach mehrstündiger Fahrt – auf glitschigen Steinstufen eine kleine Anhöhe hinauf. Der Taxifahrer wartete derweil rauchend in seinem Vehikel.

Darstellungen der
Göttin Ix-chel.
Fotos: Archiv
W-J.Langbein
Ich erinnere mich an die nächtliche Exkursion in die Unterwelt, als sei es gestern gewesen ... Vor mir ging, bewaffnet mit einer Taschenlampe, der schmächtige Hotelangestellte, hinter mir folgte schnaufend seine beleibte Schwester. Sie schleppte eine offenbar schwere Tasche mit sich ... die nicht ungefährliche Treppe bergan. Dann ging's endlich durch einen schmalen Spalt im felsigen Boden auf einer knarrenden Leiter hinab.

Als erster hatte sich der Mann mit der Lampe auf die Leiter gewagt. Als er unten – etwa fünf Meter tiefer – angekommen war, leuchtete er uns mit der jetzt eher blendenden Lampe. Ich folgte als Zweiter mit der schweren Tasche der Schwester. Sie kletterte erstaunlich behende Sprosse für Sprosse als Letzte nach unten. Wiederholt gab die Leiter dabei seltsame Knarzgeräusche von sich. Die Dame war ob ihres Gewichts eine echte Herausforderung für die wackelige Behelfstreppe.

Unten angekommen, ließ der Mann vom Hotel den Lichtpegel seiner Taschenlampe über Boden, Wände und Decke einer weiträumigen Höhle gleiten. Von oben wuchsen Stalaktiten unterschiedlicher Größe nach unten. Von unten streckten sich ihnen Stalagmiten entgegen. Wie lange mag es wohl gedauert haben, bis sie sich trafen? Manche waren massiv und wuchtig. Andere geradezu filigran. Am Boden standen Tongefäße unterschiedlichster Größe ... Opfergaben für Göttin »Ixcanleom« alias »Ixel-che«. Die beleibte Schwester stellte einen dickbauchigen Tonkrug ab. Ihr Bruder erklärte mir flüsternd: »Sie erbittet von Göttin Ixcanleom (alias Ix-chel) ein Söhnchen. Bislang hat es mit dem Nachwuchs noch nicht geklappt. Da soll die Göttin der Fruchtbarkeit helfen!« Keine Frage: Diese Gottheit war die »richtige Adresse«!

Blick in die Unterwelt
Fotos: W-J.Langbein
Natürlich, so erfuhr ich weiter, war die Bittstellerin eine »gute Katholikin«. Aber nachdem Maria ihre Gebete bislang nicht erhört hatte, wandte sie sich nun an die Konkurrenz ... nicht ohne vorher den katholischen Geistlichen ihres Heimatdorfes zu konsultieren. Der segnete dann den für die Göttin bestimmten Krug.

Flüsternd fragte ich meinen Guide, was sich denn im Krug befinde. »Das ist geheime Frauensache ...« lautete die Antwort. Während sich seine Schwester vor ihre Gabe für die Göttin niederkniete und leise murmelnd betete, entfernten wir uns diskret. Mein Guide ermahnte mich zur Vorsicht. »Es gibt an verschiedenen Stellen Einbrüche, die teilweise sehr tief sind ...« Natürlich achteten wir darauf, keinen der zahlreichen Krüge umzustoßen ... aus Respekt vor dem Glauben der zahlreichen Bittsteller. »Manche Geistliche verabscheuen die Opfergaben für die Göttin als heidnisch. Der Vorgänger unseres Pfarrers verurteilte sie als ›dummen Aberglauben‹. Ich sehe aber keinen großen Unterschied zwischen einem Krug für die Göttin der Fruchtbarkeit und einer Kerze für die Himmelskönigin Maria! Im Himmel ist Platz für viele Göttinnen, für Maria, für Ixcanleom und viele andere!«

Der berühmte Cenote de los
Sacrificos, Chichen Itza.
Foto W-J.Langbein
In den Karstgebieten Zentralamerikas sieht das unterirdische Kalkgestein oft wie ein von Löchern durchsetzter Schweizer Käse aus. Unzählige Höhlen sind im Verlauf von Jahrmillionen entstanden, durch Auflösung des Kalksteins. Angeblich soll es weitläufige unterirdische Systeme geben: Unterirdische Flussläufe haben natürliche »Tunnel« in das Weiche Kalkgestein gefressen und verbinden über weite Strecken hinweg die oft riesigen Räume in der Unterwelt miteinander. So dürfte in Zentralamerika eines der größten und komplexesten Höhlensysteme unseres Planeten entstanden sein!

Immer wieder kam es durch Einbrechen der Decke zur Bildung von Cenotes. Die Mayas nannten diese Löcher, die sich in der Regel mit Wasser füllten, »ts'o'noot«, »heilige Quelle«. Manchmal stürzten Höhlendecken von selbst ein. Manchmal wurden unterirdische Hohlräume durch einschlagende Meteoriten brachial geöffnet. Solche Schlünde – wie die Cenote von Chichen Itza sind dann kreisrund.

Die wohl bekannteste »ts'o'noot« ist wohl die »Cenote der Opfergaben« bei den Maya-Ruinen von Chichen Itza. Für die Mayas waren Cenotes – von denen es allein im Bundesstaat »Quintana Roo« fast 1000 geben soll – Eingänge in die Unterwelt. Deshalb opferten sie den Göttern, indem sie zum Teil kostbare Schätze in die kraterartigen Wasserlöcher warfen.

Auch heute noch wird der Göttin
geopfert. Foto W-J.Langbein
Und deshalb steigen noch heute Nachfahren der Mayas in Höhlen, in die Unterwelt, um den Göttern und Göttinnen Gaben zu bringen! Solche Kulträume im Leib von »Mutter Erde« waren wohl weltweit schon vor vielen Jahrzehntausenden den archaischen Erdgöttinnen geweiht, die nach den Lehren der ältesten Religionen alles Leben gebaren ... so wie die berühmte Eva des »Alten Testaments«. Solche Glaubensvorstellung sind auch heute noch in Mittelamerika lebendig. Sie werden von vielen katholischen Geistlichen stillschweigend geduldet, so lange ihre Schäflein auch noch regelmäßig zum christlichen Gottesdienst kommen.

Inzwischen hatte die Schwester meines Guide, immer noch Gebete vor sich hinmurmelnd, eine Kerze entzündet. Sie hob ihre Arme und rief immer wieder laut den Namen der Göttin der Fruchtbarkeit und des Lebens, Ixcanleom, an. Ixcanleom wird häufig mit Göttin Ix-chel gleichgesetzt. Ix-chel war eine der bedeutendsten Göttinnen der Mayas überhaupt. Sie galt als mächtige Erd- und Mondgöttin. Sie beschützte nach altem Maya-Glauben die Schwangeren, war für die Fruchtbarkeit zuständig ... und somit für den Fortbestand des Lebens auf Planet Erde verantwortlich. Als eine Wassergöttin spendete sie Mensch, Tier und Pflanze das notwendige Nass ... ließ aber auch manchmal Unwetter über die Erde kommen. In diesen »Sintfluten« wurde sehr viel Leben zerstört ... und Platz für neues Leben geschaffen.

Maya-Darstellung der
Göttin Ix-chel
Die Götterwelt der Mayas ist selbst für Fachleute von Rang kaum zu überblicken. So wird Ix-chel auch mit einer alten Jaguargöttin gleichgesetzt, die bei den Mayas die Patronin der Schwangerschaft und der Medizin war. Während Hebammen im Christentum zeitweise mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen rechnen mussten, waren ihre Kolleginnen bei den Mayas immer hoch angesehen. Da galt es nicht als Verstoß gegen göttliches Gebot, gebärenden Frauen den Schmerz durch Arzneien zu lindern.

An Ix-chels Seite stand der mächtige Himmelsgott Itzamná, dem Schöpfergott. Seit Jahrhunderten versuchen christliche Missionare, Itzamná durch den biblischen All-Gott zu ersetzen, doch gelungen ist das bis heute nicht. So wie dem biblischen Gott des Alten Testaments Räucheropfer dargeboten wurden ... so bekamen die Göttinnen und Götter der Mayas ähnliche Geschenke. Der rauchige Duft verbrannter kostbarer Kräuter diente ihnen als Nahrung ... und als »Bestechung«.

Maya-Darstellung des Gottes Itzamna
So entfachte die Schwester meines Guides ein knisterndes Feuerchen, das von getrockneten Pflanzen gespeist wurde. Rauchschwaden waberten durch den Raum. Deutlich stieg mir der aus katholischen Kirchen bekannte Weihrauchduft in die Nase. Sich hin und her wiegend sang die Gläubige in altem Maya-Dialekt, erflehte sich von Ix-chel den schon so lang erhofften Nachwuchs. Wortlos stand sie schließlich auf und kletterte wieder die hölzerne Leiter empor. Wir folgten ihr und fuhren im Taxi wieder zurück.

Unzählige Maya-Höhlen dienen auch heute als sakrale Stätten alten Brauchtums. Unzählige Cenotes-Höhlen stehen aber unter Wasser und dienen heutigen Tauchern als nicht ungefährliches exotisches Paradies. Mayaforscher nennen die Unterwelt, wo unterirdische Flüsse von vielen Hundert Kilometern Länge fließen ... den Strom der Mayas. In Dürreperioden schenkte er den Mayas das lebensnotwendige Wasser, wenn überirdische Flussläufe schon längst versiegt waren. Die Mayas schöpften aber nicht nur Wasser aus dem gigantischen unterirdischen Gang-Höhlensystem. Fanden sich doch tief unter der Erdoberfläche in vollkommen gefluteten Höhlensystemen Opferstätten der Mayas. Man könnte nun vermuten, dass diese unterirdischen sakralen Räume genutzt wurden, bevor sie mit Wasser voll liefen.

Fakt ist aber: 2006 wurde eine spannende Fernsehproduktion publiziert: »In den Todeskammern der Maya« (Reihe »Schliemanns Erben«). In der spektakulären Dokumentation von Michael Tauchert gelang der Nachweis, dass die »Maya-Altäre« angelegt worden sein müssen ... als die unterirdischen Welten dort bereits lange Zeit geflutet waren. Die Mayas müssen in der Lage gewesen sein, stundenlang zu tauchen und dabei kilometerlange unterirdische, vollkommen mit Wasser gefüllte Korridore unter Wasser zu durchschwimmen.

Unterirdische Kulträume
gelten auch heute
noch als heilig.
Foto W-J.Langbein
Was heutigen, besonders geschulten Tauchern mit modernster technischer Ausrüstung möglich ist ... das vermochten schon Mayas vor Jahrtausenden. Wie waren sie zu solch unglaublichen Leistungen in der Lage? Sie müssen über Taucherausrüstungen verfügt haben. Wie mögen diese ausgesehen haben? Man muss sich vor Augen führen: Die Maya-Spezialisten tauchten nicht nur kilometerweit in zum Teil verwinkelten, engen, wassergefluteten Gängen, sie arbeiteten auch unter Wasser. Hier wurde eine Säule aus der Wand gearbeitet. Dort wurde ein Gesicht in den Stein gemeißelt ... und das – ich muss es wiederholen – unter Wasser! Die Mayas trugen zudem – tauchend! – Krüge und Opfergaben aus Fleisch und Blut (Tiere, wohl auch Menschen!) ... um ihre Gaben unter Wasser auf Altäre zu schaffen und Opfer zu deponieren!

Wie viele Tauchgänge wurden von den Mayas unternommen? Und – auch diese Frage muss ich wiederholen – mit was für einer Taucherausrüstung?

»Alle Straßen führen nach Coba«,
Teil 162 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.02.2013


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Freitag, 15. Februar 2013

Berlin, Hamburg, Stuttgart, Sulzkirchen - deutsche Bauskandale reißen nicht ab!

Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Ob der Kölner Dom oder Schloss Neuschwanstein: Wer die imposanten Bauwerke früherer Jahrhunderte betrachtet, der fragt sich, wie unsere Vorfahren zu derartigen Leistungen in der Lage waren, verfügten sie doch nicht annähernd über die technischen Möglichkeiten, die uns mit Baggern, Kränen und Lastwagen sowie modernster Vermessungstechnik heute zur Verfügung stehen. Die Fertigstellung auch umfangreicher Bauprojekte müsste heute nahezu ein Kinderspiel sein, möchte man annehmen.

Alles Null Problemo, dachten wohl auch die Planer von Großprojekten wie dem Flughafen Berlin, der Elbphilharmonie Hamburg, des Bahnhofs Stuttgart und der Neuverlegung der Wasserleitung im bayerischen Örtchen Freystadt - Sulzkirchen. Über die haarsträubenden Probleme in Berlin, Hamburg und Stuttgart wurde bereits überall lang und breit berichtet, während Bauskandal Nr. 4 bisher medial noch gar nicht stattgefunden hat.


Sondermüll in Ortsmitte

Schon seit fast drei Monaten:
Teerbruchlagerung in Freystadt - Sulzkirchen

Die Neuverlegung der Wasserleitung in Freystadt - Sulzkirchen begann etwa Anfang September 2012 mit dem Aufreißen der Straßendecke. Die erste Phase der Bautätigkeit fand ihren Abschluss Anfang Dezember. Insoweit wäre alles gut gewesen, wenn die Verantwortlichen sich hätten entschließen können, den abgetragenen Straßenasphalt ordnungsgemäß zu entsorgen. Dies scheint aus welchen Gründen auch immer jedoch nicht möglich zu sein, weshalb der Schutt nun seit Anfang Dezember unberührt auf zwei riesigen Haufen in Ortsmitte lagert. Hin und wieder rutscht etwas von dem Geröll auf den Gehsteig und stellt Anwohner vor die Frage, warum man sie zum Schneeräumen verdonnert, während die Stadt Freystadt ungesühnt Stolperfallen errichtet und über Monate liegen lässt. Der Hinweis eines Mitarbeiters der Baufirma, für dieses »hochgiftige Zeug« nicht zuständig zu sein, wirft die Frage auf, ob es überhaupt zulässig ist, Sondermüll über einen längeren Zeitraum vor Wohnhäusern zu lagern. Da sämtliche Bruchstücke auch schwarze Schichten mit typischem Geruch aufweisen, muss davon ausgegangen werden, dass sie eine ordentliche Menge Teer enthalten und der Begriff »hochgiftig« nicht einfach so dahingesagt war.

Andere Bundesländer, andere Sitten: Eine kurze Recherche im Internet ergibt Erstaunliches, zu finden im »Leitfaden zum Umgang mit teerhaltigem Straßenbruch« des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg in der Fassung vom März 2010. Dort heißt es unter Punkt 5.1.:

Nicht zu vermeidende Bereitstellung zur Abfuhr (Zwischenlagerung) 
Teerhaltiger Straßenaufbruch soll ohne Zwischenlagerung zur Entsorgungsanlage (Aufbereitung/Deponie) transportiert werden. Kann eine Zwischenlagerung beim Ausbau aus betrieblichen Gründen nicht vermieden werden, ist teerhaltiger Straßenaufbruch möglichst nahe der Anfallstelle zu lagern. Bei Kleinmengen ist eine Lagerung in geschlossenen Containern vorzusehen. Bei größeren Mengen ist die Lagerung auf einer beständigen und undurchlässigen Bodenfläche vorzunehmen und das Material mit einer Plane abzudecken, um Auswaschungen und Verwehungen weitest möglich zu vermeiden.

Auswaschungen und Verwehungen gibt es im Winter natürlich reichlich, denn abgedeckt sind die Haufen nicht, wenn man von einer temporären Schneedecke natürlichen Ursprungs absieht. Dass einer der Haufen auch noch unmittelbar gegenüber dem örtlichen Kindergarten gelagert ist, macht die Sache nicht eben besser. Einige Anrufe verärgerter Bewohner bei den zuständigen Stellen verliefen bisher im Sande. Nicht zu verifizieren ist bislang das Gerücht, dass der demonstrativ aufgetürmte Schutt eine Disziplinierungsmaßnahme der Stadt Freystadt gegenüber Sulzkirchner Bürgern darstellt, von denen manche sich gegen die enorm aufwendige, für Anwohner in bisher nicht klar bezifferter Höhe kostenpflichtige, Dorferneuerung ausgesprochen hatten, die für das Jahr 2013 geplant ist. Ob der Flughafen Berlin, die Hamburger Elbphilharmonie und der Stuttgarter Bahnhof noch vor Abtransport des Sulzkirchner Straßenbruchs fertiggestellt sein werden, ist bislang unbekannt.

Update: Wenige Tage nach Erscheinen dieser Kolumne wurde der Schutt endlich abtransportiert. DANKE! ;-)


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Sonntag, 10. Februar 2013

160 »El Ceibal – Vampire und altes Gemäuer«

Teil 160 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Rio de la Pasión
Foto: W-J.Langbein
Geheimnisvoll glitzert der Petén-Itzá-See im Abendlicht. »Please fasten your seatbelts!« fordert der Kapitän. Unser Flugzeug setzt zur Landung an. Es kommt leicht ins Trudeln, die Reifen haben Kontakt, die Maschine wird etwas abrupt abgebremst, kommt zum Stehen. Rasch wird das Gepäck ausgeladen und zur Abfertigungshalle geschafft. Rasch werden unsere Pässe gestempelt. Im angenehm klimatisierten Bus geht es wenige Kilometer weiter nach San Benito, zum Hotel.
Am nächsten Morgen geht es per Bus weiter nach Sayaxche. Wohl gelaunt steigen wir in »unser« Motorboot und genießen die etwa einstündige Fahrt auf dem »Rio la Pasión«, Richtung Westen ... mitten durch den Urwald. Bis an die Ufer des »Rio la Pasión« reicht das dichte, scheinbar undurchdringbare Gestrüpp.

»Hier wartet noch so manche Pyramide ... noch so mancher Tempel darauf, entdeckt zu werden!« behauptet unser Guide. »Aber in manche Gebiete wagen sich nicht einmal die mutigsten Einheimischen ...« Die Mayas haben immer wieder Städte gegründet und dann scheinbar urplötzlich verlassen. Auf mancher Ruine soll ein alter Fluch ruhen. »Die Geister des Urwalds ...« raune ich meiner Nachbarin im Boot zu. Unser Guide nickt. Wir verzichten darauf, an Land zu gehen ... trotz möglicher Entdeckungen uralter Ruinen.

Gleich legen wir an ...
Foto: W-J.Langbein
»Es gibt ganz sicher irgendwo im Gestrüpp unzählige Bauten, die weitestgehend überwuchert sind ...« beteuert unser Guide. »Aber es steht nicht einmal genug Geld zur Verfügung, um die bereits entdeckten alten Maya-Siedlungen wirklich komplett auszugraben und zu erhalten! Und für die Erforschung alter Mauern, die erst noch gefunden und dann ausgegraben werden müssen ... ist kein Geld da!«

Unweit eines recht bescheiden wirkenden Hüttchens mit Naturdach legt unser Boot an. Es gibt noch ein Sandwitchpaket und Cola für jeden. Üppiger Cola-Konsum verleiht – heute weiß ich das – dem Blut eine besondere Geschmacksnote, die besonders anziehend auf die Vampire des Waldes sein soll.

Dann brechen wir auf. Von den Niederungen des »Rio la Pasión« geht es steil bergan. Hinter ... bald unter uns ... liegt der »Rio la Pasión«. Ich grüble darüber nach, warum der Strom durch den Urwald »Fluss des Leidens« heißen mag. Unsere Passion liegt noch vor uns. Wir stapfen in der dunstig-schwülen Atmosphäre des Urwalds Schritt für Schritt weiter nach oben ... zu den Ruinen der alten Maya-Stadt »El Ceibal«. Der eine schwitzt weniger, der andere mehr. Ich versuche mich auf »El Ceibal« zu konzentrieren. Benannt wurde die Stadt nach dem heiligen Ceiba-Baum, der einst von den Mayas als Sinnbild der Verbindung zwischen Himmel und Erde angesehen wurde. Es waren aber nicht die Mayas, die dem Kultzentrum auf der Anhöhe diesen Namen gaben. Er geht vielmehr auf Holzfäller zurück, die um 1890 mit Begeisterung die einst heiligen Bäume schlugen und verkauften. Für die hart arbeitenden Männer waren Ruinen nur Steinhaufen, die finanziell uninteressant waren ... wie das runde »Observatorium«.

Das runde Observatorium
Foto: W-J.Langbein
So sehr ich auch versuche, meine Gedanken auf die Historie von »El Ceibal« zu lenken ... so machen sich doch mit jedem Schritt bergan die bösen Plagegeister, die Vampire des Waldes, bemerkbar. Sie scheinen sich strategisch zu gruppieren, um dann auf ein unhörbares Kommando hin zu attackieren ... als ob sie Bauten wie das runde Observatorium gegen zu neugierige Besucher verteidigen wollten.

Die Erstbesiedlung dürfte vor rund drei Jahrtausenden erfolgt sein. Vor rund 1200 Jahren – im achten Jahrhundert – erreichte »El Ceibal« einen Zenit. Rund 10 000 Menschen lebten damals in der Metropole, die aus europäischer Sicht damals eine Großstadt war ... bei den Mayas aber keineswegs zu den größten Zentren ihrer Kultur gerechnet wurde. »El Ceibal« blühte um 800 n.Chr. auf ... um 130 Jahre später urplötzlich, ohne erkennbaren Grund, aufgegeben zu werden.

Werden wir je dieses Geheimnis verstehen? Offenbar bauten die Mayas unter strapaziösesten Bedingungen mit aus heutiger Sicht primitivsten Mitteln erstaunliche Städte mitten in den Urwald. Sie rodeten mühsam scheinbar undurchdringbares Dickicht, schleppten unvorstellbare Mengen an Steinmaterial herbei und bauten mit erstaunlicher Präzision Tempel und Pyramiden. Bei all dem Schweiß, der bei solch titanischen Anstrengungen vergossen wurde, ist es vollkommen unverständlich, dass immer wieder Städte urplötzlich verlassen wurden. Die Mayas zogen weiter, um erneut unter immensen Anstrengungen neue Städte zu errichten. Sie kehrten aber auch immer wieder an einst verlassene Stätten zurück und ließen sie zu neuem Leben erwachen. Sie überbauten alte Ruinen ehrfürchtig, ohne das alte Mauerwerk zu beschädigen. Sie stülpten alten Bauten neue Schichten über. Warum?

Stele 2 - Fotos: W-J.Langbein
Viele Fragen blieben bis heute unbeantwortet! Beispiel: Was stellt »Stele 2« dar? Sie wird auf die Zeit um 870 n. Chr. datiert, obwohl es keinerlei Glyphe auf dieser Steinsäule gibt. Die Stele war in einem sehr schlechten Zustand ... gelinde gesagt: sie musste erst aus acht Brocken zusammengesetzt werden. Warum war sie zerschlagen worden? Dargestellt wird »eine maskierte Gestalt«. Wirklich? Ich erkenne zwei Gesichter: Das untere könnte einem Affen zuzuordnen sein. Das obere wirkt eckig-roboterhaft auf mich.

Auch in unseren Gefilden kennen wir Moskitos. Störend ist der nächtliche Gesang der blutdürstigen Weibchen, die es auf unseren Lebenssaft abgesehen haben ... des Nachwuchses wegen sind die treusorgenden Mütter unterwegs. Wer freilich die Attacken der kleinen Blutsauger in unseren Breiten manchmal als unerträglich empfindet, dem empfehle ich einen Besuch in »El Ceibal«. Dort scheinen Myriaden von Minivampiren auf Touristen aus aller Herren Länder zu warten. Unklar ist, ob sie von »El Ceibal« kommend die nahenden Besucher überfallen. Oder sammeln sie sich am Flussufer, um als unerwünschte Eskorte zu fungieren? Wie dem auch sei: Oben bei den Mauern von »El Ceibal« angekommen, möchte ich am liebsten wieder kehrt machen. Vom Anstieg völlig verschwitzt ... klebt mir – und meinen Reisegefährten – die Kleidung am Leibe. Und Legionen von Moskitos umschwärmen uns, stürzen sich immer wieder auf uns. Gab es diese Plagegeister schon, als Mayas vor vielen Jahrhunderten die schönen, kunstvollen Stelen von »El Ceibal« schufen?

Stele 11
Foto: Bob King
Moskitos sehen sehr schlecht. Sie orientieren sich mit ihrem ausgezeichneten Geruchssinn ... und erkennen schon aus der Distanz für sie besonders schmackhaftes Blut.

Die Mayas betrieben Astronomie mit religiöser Inbrunst und geradezu fundamentalistischer Pedanterie. Zwang sie ihre Astrologie, veranlasste sie ihr »heiliger Kalender«, regelmäßig Städte zu evakuieren, neue zu bauen und wieder zu alt-verlassenen zurückzukehren? Im Lauf der Jahrzehnte meiner Beschäftigung mit den Mayas begegneten mir immer wieder abweichende Datierungen. Relativ sicher scheint zu sein, dass »El Ceibal« um 150 n.Chr. erstmals von ganz besonderer Bedeutung war, um etwa ein Jahrhundert später von heute auf morgen zur Geisterstadt zu werden. In kürzester Zeit dürften die Mauern im Urwalddickicht verschwunden sein ... nur um im siebten Jahrhundert wieder aus seinem Dornröschenschlaf erweckt zu werden.

Die Jahreszahlen sind weder wirklich sicher ... noch wichtig. Bedeutsam ist nur die mysteriöse Tatsache des Stadtgründens, Verlassens ... Neubesiedelns. Warum nahmen die Mayas solche Strapazen auf sich? Warum blieben sie nicht in ihren so beeindruckenden Städten mit imposanten Gebäuden? Auch in »El Ceibal« betrieben die Mayas Astronomie. Ein steinernes Observatorium war wohl das wichtigste Bauwerk. Der Rundbau – der vielleicht älteste dieser Art – sollte endlich einmal von Astronomen vermessen und per Computer analysiert werden. Damit endlich Fakten an Stelle von Spekulationen treten können! Und spekuliert wird bis heute noch viel in der Maya-Archäologie!

Altar 1
Fotos: W-J.Langbein
Die Bezeichnungen von Bauten durch Eroberer wie Wissenschaftler erfolgen häufig vollkommen willkürlich. Nicht selten läuft ein und dasselbe Objekt unter verschiedenen Namen: »Tempel 1«, »Struktur A«, »Altar 1«. Bei allem Respekt vor der höllisch strapaziösen Arbeit der Archäologen vor Ort: Viele wichtige Fragen können bis heute nicht beantwortet werden. War dieses ominöse größte Gebäude von »El Ceibal« ein Tempel (also eine Art Kirche?), ein Altar für Menschenopfer, ein Gebäude der Gelehrsamkeit oder Astronomie, in Stein verewigt?

Wir wissen es nicht. Wir verfügen nicht einmal über einen vollständigen und verlässlichen Plan von »El Ceibal«, das sich einst mehrere Kilometer am Ufer des »Rio la Pasión« erstreckt haben soll. Um eine astronomische Bedeutung von »El Ceibal« erkennen zu können, müssten mehrere Quadratkilometer Urwald gerodet und umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt werden. Nur ein Bruchteil der einstigen Maya-Stadt wurde bis heute auch nur wissenschaftlich erfasst. Und ein noch viel kleinerer Teil des weitläufigen Areals wurde archäologisch-grabend erkundet!

»Abstieg in die Unterwelt«,
Teil 161 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 17.02.2013


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Freitag, 8. Februar 2013

Schavan: Was hat »Dissertation« mit »Dissen« zu tun? - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Es ist noch gar nicht lange her, als das ganze Land über die Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg diskutierte. Diese Art des schnöden Abschreibens, ließen universitäre Kreise verlauten, sei durchaus nicht üblich und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein absoluter Ausnahmefall.

Inzwischen ist viel passiert: Plagiatsprüfer bringen die Suchprogramme zum Glühen und werden immer öfter fündig, aktuell ausgerechnet bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan. Diese habe bei ihrer Dissertation mit »vorsätzlicher Täuschung« gearbeitet, befand die Universität Düsseldorf und entzog Annette Schavan den Doktortitel, wogegen diese nun klagen will.

Ein Weltuntergang? – Sicher nicht. Meinethalben nicht einmal ein Rücktrittsgrund. Und trotzdem ist es wichtig, dass solche Vorgänge ans Licht kommen, und zwar aus folgendem Grund: Zeugnisse und Doktorarbeiten sind heute (neben psychiatrischen Gutachten) die letzten gesellschaftlich anerkannten Formen der Apartheid. Nur sehr einfache Gemüter glauben noch, dass universitäre Bescheinigungen geistiges Titanentum abbilden. Das Gros der Doktorarbeiten dient, wenn wir ehrlich sind, einem oder mehreren der folgenden Zwecke:

a) der massiven Erhöhung des Einstiegsgehalts
b) der Verdrängung nichtuniversitärer Gegner (Habilitationsdarwinismus)
c) der Beweislastumkehr (wer den Doktortitel hat, muss der Menschheit seine Fähigkeiten nie mehr beweisen, da der Titel bereits als ultimativer Beleg gilt. Vielmehr muss die Gesellschaft ihm seine Fehler beweisen, was sehr vorteilhaft sein kann, wenn man sich mal vergriffen hat und ohne Doktortitel der Karriereabsturz drohen würde.)  
c) der Balz


Direktlink zum Video

Lebenslange Zweitklassigkeit wegen fehlender akademischer Weihen?

Klar: Auch heute noch gibt es Doktoranden mit wissenschaftlichem Ehrgeiz, die in die Erstellung ihrer Doktorarbeit mehr als nur ameisenhaften Sammlerfleiß oder den geldlichen Gegenwert für einen Ghostwriter investieren und eine ehrlich erarbeitete, glänzende Dissertation hinlegen, die keine Fragen offen lässt. Für solche von ihrer Mission Besessenen ist die Dissertation kein Selbstzweck, sondern eine logische Folge überragender Leistungen. Was aber sollen die tun, denen dieser wissenschaftliche Ehrgeiz nicht eben in die Wiege gelegt ist? Sollen sie sich (bei eventuell vergleichbarer Leistung) mit dem niedrigeren Einstiegsgehalt zufriedengeben? Werden sie lebenslang akzeptieren müssen, als zweitklassig eingestuft zu werden, weil sie nicht in der Lage waren, 458 Seiten zum Thema »Porzellanherstellung in der Mingdynastie unter besonderer Berücksichtigung politischer Besonderheiten des 16. Jahrhunderts im Lichte des Konfuzianismus« mit eigenem Sinn zu füllen?

Es ist gesellschaftlicher Konsens: Wer sich im Besitz eines Doktortitels weiß, spielt in einer anderen Liga und gehört künftig zu einer Kaste, die Anweisungen eher erteilt als entgegennimmt. Was auch immer er in Zukunft zu seinem Fachgebiet verlauten lässt, wird unbesehen als Gesetz gelten und auch dann keinen Widerspruch aufkommen lassen, wenn es nachts um drei auf Droge formuliert wurde. Selbst ein zehnfach besseres Argument und sogar der gesunde Menschenverstand werden sich nicht gegen die Einlassungen eines habilitierten Doktors durchsetzen, wenn sie nicht ebenfalls von jemandem mit universitären Weihen stammen.

So gesehen lebt der Inhaber eines Doktortitels sehr gut und hat bereits am Anfang seiner Berufslaufbahn den Status eines Rentners inne, der nichts mehr beweisen muss, weil alles schon bewiesen ist. Bei entsprechender charakterlicher Veranlagung wird ihm die Dissertation künftig zum Dissen seiner Mitmenschen = Untergebenen dienen, was für manchen frischgebackenen Doktor möglicherweise der Zweck der Übung gewesen sein mag.

Interessant an der Schummelei mit den Doktorarbeiten ist weniger der eventuell begangene Betrug beim Verfassen der Werke: Bemerkenswert ist vielmehr, mit welcher Wucht wir uns dagegen wehren, den gesellschaftlichen Selbstbetrug zu erkennen, der mit unserer Titelgläubigkeit einhergeht. Wer sich von einem Doktortitel ohne Ansehen der Person seines Trägers beeindrucken lässt, der fährt wohl auch mit 120 km/h ins Hafenbecken, weil sein Navigationssystem es gerade von ihm verlangt. Das permanente Doktordesaster ist so gesehen keine geringere Lektion für uns alle, als für die eigentlichen Träger der Copy-and-Paste-Titel, die wir mit Schimpf und Schande vom Hof jagen.



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