Sonntag, 15. Oktober 2017

404 »Da umleuchtete ein Licht vom Himmel die Augen vieler«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 6,
Teil  404  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Die Loreto-Kapelle von Birkenstein.
Die Kapelle von Birkenstein misst bescheidene 9,50 Meter in der Länge und 3,50 Meter in der Breite. So bescheiden der kleine Bau von den Maßen ist, so prunkvoll ist er ausgestattet: als Verehrungsstätte.

Pilger kommen nach Birkenstein, um zur Gottesmutter zu beten, um Linderung und Heilung bei Erkrankung zu erbitten, oder um sich zu bedanken für erhaltene himmlische Hilfe.

Da scheint kaum ein anderer Ort besser geeignet zu sein, als das Haus, in dem Maria, die historische Mutter Jesu, lebte.

Die Kapelle von Loreto in Italien gilt nun als das Original. Im bescheidenen Haus soll einst Maria gelebt haben. Nur war das Original in Loreto für die meisten Christen vor Jahrhunderten unerreichbar, da einfach zu weit entfernt. Also baute man die Kapelle von Birkenstein exakt nach den Maßen des Originals. Als »Santa Casa« (»Heiliges Haus«) weltweit bekannt ist die Kapelle von Loreto, die ja ursprünglich eher ein profanes Häuschen war, ein weltliches Minigebäude, kein Ort der Andacht und Verehrung. Daran erinnert in Birkenstein der »Ofen« der Gottesmutter ebenso wie ihr »Küchenschrank«. Der »Ofen« befindet sich wie eine funktionslose Kulisse an der Ostwand, wie auch der »Küchenschrank«. Der Ofen wirkt wie die Attrappe eines »offenen Kamins«. Der Ausdruck »Küchenschrank« ist reichlich hochgegriffen, »Kästchen« passt eher. Es werden auch keine Küchenutensilien darin aufbewahrt, sondern Votivgaben, die an Heilungen erinnern sollen, für die sich die Gläubigen bei der »Mutter Gottes« bedanken wollten. Da finden sich (1) »silberne Ohren, Augen, Herzen, Arme und Beine« neben »schönen alten Rosenkränzen«.

Foto 2: Votivtafeln von Birkenstein.

Das Original in Loreto weist eine schlichte Ziegelmauer auf, die man in Birkenstein nur imitierte. Die Ziegel von Loreto sind rund zwei Jahrtausende alt, in Birkenstein hat man sie nur aufgemalt. Schwester Mayr fragt (2): »Diese einfache Mauer und die wunderbare Barockausstattung – passt denn das zusammen?« Für den gläubigen Christen gibt es keinen Widerspruch zwischen dem ärmlichen »Häuschen«, das nur aus einem Zimmer bestand, und der prunkvollen Ausstattung von Birkenstein. Die Behausung der Maria in Nazareth war nach heutigem Verständnis kein richtiges Haus, sondern nur ein kleiner Vorbau vor einer Höhle. Für tiefgläubige Katholiken war Maria die Mutter des göttlichen Jesus. Die schlichte Frau aus Nazareth wurde im Verlauf der letzten 2000 Jahre zur Miterlöserin, die in den Himmel aufgenommen wurde. Jesus selbst krönte sie zur Himmelskönigin und als Himmelskönigin mit der Mondsichel zu ihren Füßen stellten sie viele Künstler dar.

Foto 3: Votivtafeln von Birkenstein zeigen die himmlische Maria mit dem Jesuskind.

Marias mehr als bescheidene Bleibe (»1-Zimmer-Apartment«) in Nazareth wurde mit der Geburt des Heilands zum höchst bedeutsamen, heiligen Ort für die Christenheit. Die Botschaft von der einfachen Frau aus Nazareth und ihrer Bedeutung für die Christenheit soll die prunkvolle Ausstattung des kleinen Häuschens verdeutlichen. Und das gilt für rund 2000 Loreto-Kirchen und –Kapellen, die bis heute weltweit errichtet worden sind.

Den Erforscher des Mysteriösen und Geheimnisvollen freilich interessiert die Frage, wie denn das Häuschen der Maria aus Nazareth nach Loreto in Italien gelangt sein soll. Beginnen wir mit dem Ende der faszinierenden Geschichte: Mit der »Landung« des »Heiligen Hauses« in Loreto auf einem ganz und gar nicht zufällig gewählten Ort. Am 10. Dezember 1294 kam die »Santa Casa« (»Heiliges Haus«) vom Himmel hoch hernieder. Die Beschreibung erinnert den heutigen Leser zweifelsohne an so etwas wie eine profane »UFO-Landung«. Der Einsiedler Paulus de Sylva verfasste einen informativen Brief, den er keinem Geringeren als König Karl II. von Neapel sandte.

Foto 4: König Karl II von Neapel.
Zum historischen Hintergrund: Karl II. von Anjou – die Franzosen nennen ihn Charles d’Anjou, die Italiener Carlo d’Angiò wurde im Jahr 1254 geboren. Er verstarb am 6. Mai 1309 in Italien. Vom Jahre 1285 regierte er als »König von Neapel«. Der bürgerlich-weltliche Name des Paulus de Sylva kennen wir nicht. Er nannte sich »de Sylva«, was nichts mit adeliger Herkunft zu tun hat. »De Sylva« bedeutet schlich und einfach: »aus dem Wald«. »Paulus aus dem Wald« hauste in einer Klause auf dem damals noch dicht bewaldeten »Bärenhügel« bei Loreto.

Offenbar hatte Karl II., der den wenig schmeichelhaften Beinamen »der Lahme« trug, hatte wohl von wundersamen Geschehnissen gehört und »Paulus aus dem Wald« um Berichterstattung gebeten, befand sich dessen Hütte doch in unmittelbarer Nähe der himmlisch-irdischen Erscheinung. De Sylva verfasste seinen Brief an den König in lateinischer Sprache, er gehörte also gebildeten Kreisen an.

Joseph Sauren veröffentlichte anno 1883 in Einsiedeln das Werk »Das heilige Haus zu Loreto und die Lauretanischen Gnadenorte in deutschen Landen«. Darin enthalten: der komplette Text des Briefes von Paulus de Sylva an Karl II. von Neapel in lateinischer Sprache (3).

Ich zitiere aus einer deutschen Übersetzung (4): »O König, (ich schreibe Dir), um Deine fromme Neugier zu stillen, die mir den Auftrag gab zur Erzählung des großen Wunders der Übertragung des jungfräulichen Hauses, welche durch Engel durchgeführt worden ist, und zwar an die Küste Italiens in der Provinz Picenum im Gebiet von Recanati, zwischen den Flüssen Aspis und Musico (Musone) und Potentia (Potenza).«

Foto 5:  Bau der Kapelle von  Birkenstein.
Pauls de Sylva lokalisiert nicht nur genau, wo das »heilige Haus« von Engeln abgesetzt wurde, er benennt auch Zeugen (5): »Die Sache verhielt sich so, wie ich es öfter von glaubwürdigen Männern aus Recanati selbst gehört habe, und zwar von Franciscus Petrus, Kanoniker in Recanati, und insbesondere vom Kleriker Ugguccio, aber auch von den hervorragenden Rechtsgelehrten Ciscus de Cischis und Franciscus  Percivallinus aus Recanati, die alle mit vielen anderen Leuten, mit denen ich redete, zur Zeit des Wunders lebten. Ich habe dies auch in den öffentlichen Dokumenten mit Aufmerksamkeit gelesen.«

Leider ist es mir trotz intensiver Recherche nicht gelungen, die nicht näher benanannten »öffentlichen Dokumente« ausfindig zu machen, in denen angeblich das Wunder vom aus dem Himmel hernieder fahrenden Hauses auch beschrieben sein soll. Paulus de Sylva jedenfalls behauptet, diese Dokumente eingesehen und mit Zeugen gesprochen zu haben. Dann beschreibt de Sylva das fantastisch anmutende »Wunder« so, dass man es mit den Mitteln heutiger Tricktechnik für einen Sciencefiction-Film eins zu eins umsetzen könnte. Mich erinnert die Schilderung des Ereignisses aus dem Jahr 1294 an Spielbergs UFO-Visionen. Ich zitiere erneut aus Gottfried Melzers Buch »Loreto« (5):

»Im Jahre 1294 seit der Menschwerdung  des Herrn Jesus, am … 10. Dezember, als tiefes Schweigen alles gefangenhielt und die Nacht in ihrem Lauf die Mitte erreicht hatte, umleuchtete ein Licht vom Himmel die Augen vieler, die nahe am Ufer des Adriatischen Meeres sich befanden, und eine süßtönende Harmonie von Singenden trieb die Schlaftrunkenen und Müden an, das Wunder und übernatürliche Ereignis zu schauen.«

Foto 6: Transport des Heiligen Hauses als Briegmarkenmotiv

Woher dieses »Licht vom Himmel« kam, auch das beschreibt Paulus vom Wald ganz unmissverständlich (6): »Und sie sahen und schauten ein Haus von hellem Glanz umflossen, das von Engeln gestützt und durch die Luft getragen wurde. Und die Bauern und Hirten standen da und staunten voll Verwunderung über so ein gewaltiges Ereignis, und sie fielen in Verehrung nieder und harrten aus, das Ende zu sehen und den so staunenswerten Ausgang. Inzwischen wurde jenes Heilige Haus von den Engeln mitten in den großen Wald getragen und niedergestellt.«

Nüchtern betrachtet: Da kam etwas des Nachts vom Himmel, in Licht getaucht, von den staunenden Menschen bewundert. Offenbar wirkte sich die mysteriöse Landung dieses Etwas im Wald auf die Bäume aus, drückte die Bäume nieder. Für den frommen Einsiedler war dies ein Beweis für die Göttlichkeit des beobachteten Phänomens. Er interpretierte fromm-religiös (7):

»Und die Bäume selbst neigten sich 
und verehrten die Königin des Himmels 
und bis heute sieht man sie niedergeneigt 
und gekrümmt, gleichsam als frohlockten 
die Bäume des Waldes.«

Das »Heilige Haus« Marias wurde demnach von Engeln durch die Luft getragen und bei Loreto im Wald niedergesetzt. Der Überlieferung nach wurde der Platz, an dem die »Santa Casa« nicht einfach irgendwo im Wald abgestellt worden sein. Vielmehr habe sich ursprünglich an jener Stelle ein Tempel aus vorchristlichen Zeiten befunden. Paulus de Sylva vermeldet König Karl II. von Neapel: »An diesem Ort. So erzählt die Sage, sei (einst) ein (heidnischer) Tempel gestanden, der einer falschen Gottheit geweiht und von Lorbeer(büschen) umgeben war, und so wurde dieser Ort bis heute Laurentum (Lorento) genannt.«

Fotos 7-10: Vatikan 1995. Briefmarken zum Gedenken des Wunders von Loreto.

Welche »heidnische Gottheit« mag im Wald von Loreto in einem Tempel verehrt worden sein, bevor das »Heilige Haus« just dort abgestellt wurde? Der Lorbeer – griechisch Δάφνη – könnte Aufschluss geben. Im Griechischen ist die Daphne, zu Deutsch »Lorbeer«,  eine Priesterin der göttlichen »Mutter Erde«. Sie galt als Tochter des Flussgottes Ladon oder des Flussgottes Peneios und wurde – wie die Göttin Artemis – als »jungfräuliche Jägerin« verehrt. Daphne, so heißt es, wurde vom mächtigen Gott Apollon arg bedrängt. Um ihre Jungfräulichkeit zu wahren, geschah ein Mirakel: Daphne wurde in einen Lorbeerbaum verwandelt. Und Apollon trug von nun an zur Erinnerung an Daphne einen Lorbeerkranz.

Sollte es in Loreto den Tempel einer vorchristlichen, sprich heidnischen Göttin gegeben haben? War eine jungfräuliche Priesterin für den Tempelkult verantwortlich? An ihre Stelle trat die jungfräuliche Maria. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass noch in frühchristlichen Zeiten Menschen im Wald von Loreto zur heidnischen Göttin beteten. Nach und nach wurde sie durch Jungfrau Maria verdrängt. Die »jungfräuliche Jägerin« wurde von der »jungfräulichen Mutter« abgelöst.

Foto 11: Literaturempfehlung zum Thema.

Fußnoten
1) Mayr, Sr. M. Eresta: »Mein Birkenstein«, Passau 2014, S. 28, Zeilen 1 -3 von oben
2) ebenda, Zeilen 7 und 8 von oben
3) Sauren, Joseph: »Das heilige Haus zu Loreto und die Lauretanischen Gnadenorte in deutschen Landen«, Einsiedeln 1883
4) Melzer, Gottfried: »Loreto/ Der erste und ehrwürdigste Marienwallfahrtsort«, Lauerz, Schweiz, 2. Auflage 2003, S. 61-64, Zitat S. 61, rechte Spalte
5) ebenda, S. 62, linke Spalte oben
6) ebenda, S. 62, linke Spalte unten
7) ebenda, Seite 62, linke Spalte, Zeilen 1-3 von unten und S. 62, rechte Spalte, Zeilen 1-4 von oben
8) ebenda, S.62, rechte Spalte oben

Zu den Fotos
Foto 1: Die Loreto-Kapelle von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Votivtafeln von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Votivtafeln von Birkenstein zeigen die himmlische Maria mit dem Jesuskind. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: König Karl II von Neapel. Foto wiki commons/ gemeinfreiFoto 5: Fromme Malereien zeigen den Bau der Kapelle von  Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5:  Bau der Kapelle von  Birkenstein. Fromme Malerei, Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Kroatien 1994. Transport des Heiligen Hauses durch die Luft als Briefmarkenmotiv. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 7-10: Vatikan 1995. Briefmarken zum Gedenken des Wunders von Loreto. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Literaturempfehlung zum Thema. Reinhard Habeck: Überirdische Rätsel. Foto Verlag

405 »Im Ozean des Geistes«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 7,
Teil  405 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 22.10.2017 

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Sonntag, 8. Oktober 2017

403 »Birkenstein und das Wunder von Loreto«

Foto 1: Die Gottesmutter über Birkenstein.
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 5
Teil  403  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Birkenstein hat sich seit über einem Jahrhundert kaum verändert. Auf alten Ansichtskarten, die vor 100 Jahren versandt wurden, sieht die doppelgeschossige sakrale Anlage so aus wie heute. Anno 1823, am 13. August, stattete der bayerische König Max Joseph I. Birkenstein einen Besuch ab. Schon damals wirkten die ehemalige Klause und die Wallfahrtskapelle eine Einheit. Aus der einstigen Klause wurde das Sockelgeschoss, die – als Obergeschoss – die kleine Kapelle trägt. Heute kommen Jahr für Jahr über 200.000 Menschen nach Birkenstein. An Sonntagen sind es oft über 1.000 Besucher. Und viele der Touristen und Pilger empfinden heute, so wie König Max Joseph I., der anno 1823 die »schöne Kapelle« (1) lobte.

Mich zog die bescheidene Schlichtheit der fast wie ein Modell wirkenden doppelgeschossigen Anlage sofort in ihren Bann. In einem betagten  Führer lese ich (2): »Das Erdgeschoß zeigt außen in Nischen den heiligen Kreuzweg, die 13. Station, mit Pietà, ist als Gebetsraum ausgebildet, die 14. Station als Grabkapelle. Darüber steht das Obergeschoß, ›das lauretanische Haus‹ mit steilem Dach, auf dem westlich ein Kuppeldachreiter sitzt; innen Tonnengewölbe.«

Foto 2: Ansichtskarte Birkenstein, Ende des 19. Jahrhunderts, gelaufen am 10.08. (18)99

Es ist erstaunlich! Obwohl Birkenstein zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten Deutschlands gehört, hat es seine Schlichtheit nicht verloren. Das – wie der Reiseführer schreibt (3) – »traute Kirchlein« birgt so etwas wie ein offenes Geheimnis. Die Birkenstein-Kapelle ist nämlich eine Loreto-Kapelle, was bestimmt viele Besucher heute nicht mehr wissen.

Bekannt ist, dass anno 1673 auf dem »Stein am Fischbachauer Berg ein Kapellchen entstand (4)«. Es heißt, dass schon bald zahlreiche Pilger nach Birkenstein strömten. Ich frage mich allerdings, ob sich nicht schon vor dem Bau des kleinen christlichen Gotteshauses Menschen zu einem sehr viel älteren Heiligtum kamen. Davon ist auch Andreas Scherm überzeugt, der in der »Süddeutschen Zeitung« als »großer Kenner historischer und kultureller Eigenheiten des Münchner Umlandes« gepriesen wird.

Foto 3: Klosterkirche St. Martin, Fischbachau.

Ich bin davon überzeugt, dass Birkenstein ursprünglich ein Quellheiligtum war, dessen Wasser schon in vorchristlichen Zeiten als heilsam für allerlei Gebrechen galt. Mir scheint, dass dies auch heute noch ein Tabuthema ist: Bislang gibt es meines Wissens nach keine Studie zur Frage, welches vorchristliche Heiligtum einst einer christlichen Kapelle oder Kirche wichen musste. Nach wie vor gibt es nicht die längst überfällige Aufstellung von »christlichen Heilquellen«, die schon zu heidnischen Zeiten Pilger anlockten. Dieses Defizit ist weltweit zu beklagen. Wir wissen, dass die Maria von Guadalupe, Mexico City just dort verehrt wird, wo schon zu heidnischen Zeiten zu einer Aztekengötting gebetet wurde. Eine entsprechende Studie über vorchristliche Vorgänger von Kapellen, Kirchen und Kathedralen allein im Münchner Raum könnte als Magister oder Doktorarbeit im Fachbereich der Theologie wirklich »neue« Erkenntnisse erbringen. Ob die aber erwünscht sind, das sei dahingestellt.

Foto 4: Hier stand einst die Madonna von Birkenstein.

Ich frage mich, ob der Pilger, der nach einer langen, anstrengenden und entbehrungsreichen Reise Birkenstein besucht, das Geheimnis der Kapelle besser versteht. Mich persönlich fasziniert und befremdet Birkenstein.

Ich verstehe nicht den in meinen Augen krassen Widerspruch zwischen dem schlichten, bescheidenen Äußeren einerseits und dem fast schon überladenen Inneren der Kapelle. Freilich entstand (6) »die prunkvolle Auszierung des Inneren im üppigen Rokokostil“ erst  in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, vermutlich um 1760.

Die Gottesmutter selbst soll bereits anno 1663 dem Ortspfarrer Mayr im Traum erschienen und um den Bau einer Kapelle gebeten haben. »Hier an diesem Ort will ich verehrt werden und denen, die mich hier anrufen, meine Gnade mitteilen.«  Zwei weitere Männer, so wird überliefert, hatten Traumvisionen. Sie sahen auf dem Birkenstein eine kleine Kirche, der viele Pilger zustrebten. Die Namen der beiden Männer sind überliefert: Michael Millauer und Christoph Hafner.

Zehn Jahre später, anno 1673, war dem Wunsch der Mutter Gottes noch nicht Rechnung getragen worden. Pfarrer Johann Stiglmair forderte – ganz ähnlich wie im Fall der Maria von Guadalupe in Mexiko – ein »Zeichen«.  Der frommen Überlieferung nach wurde er daraufhin sterbenskrank. Für den Fall seiner Genesung versprach er, den Bau einer Kapelle zu veranlassen. Schlagartig soll er gesundet sein. Mit dem Bau einer Kapelle wurde sofort begonnen. Seither sind viele Heilwunder überliefert, die frommen Birkensteinpilgern widerfahren sein sollen. Unzählige Votivtafeln erinnern an Gesundungen von Kranken.

Fotos 5 und 6:  Die Himmelskönigin von Birkenstein.

Eine vergleichbare »Vision« führte im fernen Mexico City zum Bau eines Gotteshauses zu Ehren der Maria von Guadalupe. Auch in Mexiko wurde von der zweifelnden Geistlichkeit ein Beweis gefordert und auch erbracht. Die wundersame Tilma von Guadalupe mit dem weltbekannten »Bildnis« der Gottesmutter kann noch heute in der Kathedrale von Guadalupe bewundert werden. Bis heute kann das »Bild«, das keines ist, auf dem jahrhundertealten Umhang nicht erklärt werden. Es dürfte gar nicht existieren.

1673 wurde auf dem Stein vom Fischbachauer Berg eine winzige Kapelle gebaut. Und zwar dort, wo seit unbekannten Zeiten ein Marterl mit dem gegeißelten Heiland stand. Zwölf Gläubige fanden darin Platz. 1679 zog eine wirkliche Kostbarkeit in das winzige Gotteshaus ein: die »Gnadenmadonna von Birkenstein«. Im Kirchenführer »Birkenstein« lesen wir (7): »Das Gnadenbild stand einst in der ehemaligen Klosterkirche St. Martin zu Fischbachau, wo es in einem ›Kasten‹ (wahrscheinlich ein kleiner gotischer Flügelaltar) aufgestellt und nach glaubwürdiger Meinung schon seit Entstehung des Klosters im Jahre 1100 andächtig  verehrt worden war.«

Foto 7: Die Birkenstein-Kapelle mit Anbauten.

Das winzige Kapellchen, das nur einem Dutzend Gläubigen Platz bot, beherbergte also eine Mutter Gottes von unschätzbarem Wert. Die zahlreichen Heilungswunder lockten immer mehr Menschen nach Birkenstein und so musste eine neue Kapelle gebaut werden. Am 14. Mai 1710 war es dann soweit: der Grundstein für die neue und größere Kapelle wurde gelegt. Der Bau schritt schnell voran, bereits am 26. Oktober 1710 zog die Gottesmutter ein. Die Pilger strömten herbei. Und je mehr Menschen nach Birkenstein kamen, desto häufiger wurden wundersame Heilungen vermeldet, die man auf das segensreiche Wirken Marias zurückführte.

Foto 8: Die Maria von Loreto
Die Madonna von Birkenstein steht im Zentrum der Birkenstein-Kapelle. Ursprünglich war ihr Ambiente ein sehr schlichtes, heute ist das Mutter-Gottes-Bild von prächtigem Prunk umgeben. Offenbar wollten die Verantwortlichen um 1760 der Madonna ein ihrer Bedeutung angemessenes, also prächtiges Umfeld bieten. Damit aber wurde die Kapelle, um es pointiert auszudrücken, verfremdet. Bei ihrem Bau richtete man sich anno 1710 so genau wie möglich (8) »nach einem hölzernen Modell der Loreto Kirche beziehungsweise des Heiligen Hauses«. Die Kapelle von Birkenstein wurde als Kopie des »Heiligen Hauses« gebaut. Anno 1757 reiste Pater Heinrich Maier nach Loreto in Italien, um zu kontrollieren, ob die Wallfahrtskapelle von Birkenstein auch wirklich in den Ausmaßen genau der Loreto Kapelle entsprach.

Das »Heilige Haus« von Loreto soll nichts anderes sein als das (Geburts?)haus der Gottesmutter Maria, das einst in Nazareth stand. Das Wunder von Loreto löst bei vielen kritischen Zeitgenossen auch heute noch herablassendes Grinsen aus. Häme ist freilich nicht angebracht. Es kann nämlich als bewiesen gelten, dass das »Geburtshaus Marias« wie auch immer nach Italien geschafft wurde. Es kann als Fakt gelten, dass es sich beim »Heiligen Haus« von Loreto um das Original aus dem Heiligen Land handelt. Das ist wissenschaftlich erwiesen!

Der Überlieferung nach wurde es auf Umwegen von Nazareth nach Italien verbracht: und zwar von Engeln, durch die Lüfte! Und das ist das mysteriöse Wunder von Loreto. Es zeigt sich, dass für den skeptischen Zeitgenossen unglaubwürdige Überlieferungen zumindest einen wahren Kern haben können. Ob man nun an Engel glaubt oder nicht, es lässt sich nicht bestreiten, dass das Geburtshaus Marias vor Jahrhunderten nach Italien geschafft wurde, ob per Luftfracht oder auf anderem Wege.

Eine Kopie des Originals von Loreto entstand in Birkenstein. Man wollte der Statue der Maria ein angemessenes Zuhause bieten. Da lag es ja auf der Hand ihr eine gewohnte Umgebung zu schaffen, nämlich eine exakte Kopie ihres Geburtshauses. Deshalb war die Birkenstein-Kapelle ursprünglich innen wie außen sehr schlicht. 1838 und 1848 wurden das »Priesterhaus« und das »Klösterlein der Armen Schulschwestern« angebaut.

Foto 9: Loreto -  Kirche und Kloster. Foto und Copyright Reinhard Habeck, Österreich.



Fußnoten

1) Demmel, Fritz: »Birkenstein: Wallfahrtskapelle Maria Himmelfahrt«, Passau 2005, S. 9, rechte Spalte oben 
2) »Birkenstein«, Schnell und Steiner Kunstführer Nr. 85, München 1935, 7. Auflage 1984, Seite 2
3) ebenda
4) ebenda, S. 10, erste Textzeile
5) Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011, Seite 112
6) »Birkenstein«, Schnell und Steiner Kunstführer Nr. 85, München 1935, 7. Auflage 1984, Seite 10, Zeilen 8 und 9 von oben, Zeilen 17 und 18 von unten
7) ebenda, S. 3, Zeilen 3-6 von oben
8) Demmel, Fritz: »Birkenstein: Wallfahrtskapelle Maria Himmelfahrt«, Passau 2005, S. 12, S. 12 
 

Zu den Fotos

Foto 1: Die Gottesmutter über Birkenstein. Karte vom 03.11.1914. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ansichtskarte Birkenstein, Ende des 19. Jahrhunderts, gelaufen am 10.08. (18)99, Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Klosterkirche St. Martin, Fischbachau. Foto  Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Hier stand einst die Madonna von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 5 und 6:  Die Himmelskönigin von Birkenstein. Foto etwa 1935. Archiv W-J. Langbein
Foto 7: Die Birkenstein-Kapelle mit Anbauten. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Die Maria von Loreto auf einer Briefmarke, Slowenien 18.11.1994
Foto 9: Loreto -  Kirche und Kloster. Foto und Copyright Reinhard Habeck, Österreich.

404 »Und umleuchtete ein Licht vom Himmel die Augen vieler«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 6,
Teil  404  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 15.10.2017


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Sonntag, 1. Oktober 2017

402 »Birkenstein, heilige Quellen und Muttergöttinen«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 4 
Teil  402  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Mystisches Birkenstein... Foto Walter-Jörg Langbein


Wo heute Kloster und Loreto-Kapelle von Birkenstein stehen, soll es schon vor Errichtung der sakralen Stätte Wunder, womöglich Heilungen gegeben haben. Hat wohl Maria die Rolle einer älteren verehrten Frau, einer Göttin, übernommen? Andreas Scherm, so die »Süddeutsche Zeitung« (1), ist ein »großer Kenner historischer und kultureller Eigenheiten des Münchner Umlands«. Rudolf Neumeier schrieb in der »Süddeutschen Zeitung«: »Sein Wissen ist profund und universal.«

Scherm ist fasziniert von der Madonna von Birkenstein. Er beschreibt die Maria von Birkenstein, deren magische Ausstrahlung jeden Besucher in ihren Bann ziehen kann, im Vokabular eines katholischen Christen (2): Sie »begegnet uns als Gebieterin des Alls, als kosmische Frau mit Krone im 12- Sternen-Kranz, auf der Mondsichel stehend mit Szepter und göttlichem  Kind.«

Weit mehr als mein halbes Leben fasziniert mich die Mutter Jesu. Intensiv habe ich mich mit der Frau und ihrer Geschichte beschäftigt. Sie fristet in den Evangelien des »Neuen Testaments« noch eine eher bescheidene Rolle. Für die Evangelisten steht Jesus als der Messias im Vordergrund, als der Erlöser, der Retter. Seine irdische Mutter hingegen ist für sie eher nur eine Randfigur, über die wir recht wenig erfahren. Das junge Christentum hatte einen Messias zu bieten, einen Heros, der es durchaus mit seinen heidnischen Konkurrenten aufnehmen konnte. Ich vermute aber, dass die heidnische Konkurrenz der noch neuen, kaum bekannten Religion die Menschen in einem Punkt deutlich mehr ansprach. Sie kannten die Muttergöttin, an die sich die Menschen wenden konnten, wenn sie in Not und Bedrängnis waren.

Foto 2: Unzählige Votivtafeln sollen Maria danken.

Birkenstein ist eine mystische Stätte, die man unvoreingenommen auf sich einwirken lassen kann. Dann spürt man, dass diesem mystischen Ort etwas Geheimnisvolles anhaftet, das sich nicht in karge Worte fassen lässt. Wer sich freilich für das Geheimnisvolle verschließt, wird der Stätte wohl nichts abgewinnen können. Man muss in unserer lauten Zeit schon sehr gut zuzuhören versuchen, will man leise Stimmen vernehmen, die aus uralten Zeiten zu uns sprechen.

Die alten Kulte mit weiblichen Gottheiten verschwanden mit dem Aufkommen des Monotheismus im Judentum keineswegs, auch wenn sie offiziell verboten waren. Sie lebten, mehr oder minder offen, immer wieder geduldet, neben dem offiziellen Jahwe-Glauben weiter! Aus monotheistisch-patriarchalischer Sicht muss das Sakrileg pur gewesen sein, wenn eine Göttin wie Ascherah lange Zeit als Partnerin oder gar Ehefrau des Gottes des »Alten Testaments« an seiner Seite verehrt wurden. Und das nicht etwa irgendwo in einem versteckten Heiligtum, sondern im Tempel von Jerusalem selbst! Die Muttergöttinnen faszinierten die Menschen auch weiter, als das Christentum langsam an Bedeutung gewann.

Im Laufe der Geschichte des Christentums wuchs nach und nach die Rolle der Maria. Aus der bescheidenen Frau wurde nach und nach die Himmelskönigin, die immer mehr einer Himmelsgöttin gleicht. Sie wurde schließlich sogar in den Himmel aufgenommen. Übrigens: das nach dem Vorbild der Loreto nachgebaute kleine Gotteshaus in Birkenstein trägt auch den Beinamen »Maria Himmelfahrt Kapelle«.

Aus einer anonymen Frau in der »Apokalypse des Johannes« wurde im Volksglauben wie in der Theologie Jesu Mutter Maria (3): »Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.« Faktisch ist Maria heute auf dem Sprung in die höchste Ebene, als Miterlöserin, fast gleichauf mit Jesus selbst.

Foto 3: Die mütterliche Maria von Birkenstein.
Dieser Vers der »Offenbarung des Johannes« diente unzähligen Künstlern als Vorlage für ihre Darstellungen der Gottesmutter auf Gemälden und in Form von Statuen. Maria mit einem Fuß auf der Mondsichel stehend, mit einem Sternenkranz auf dem Haupt wurde zum Standardrepertoire unzähliger Künstler. Aus der anonymen himmlischen Erscheinung in der »Offenbarung des Johannes« wurde Maria. Oder besser gesagt: Nach und nach wurde aus der schlichten Maria der Bibel die Himmelskönigin des Glaubens. Man kann darüber diskutieren, ob mit der am Himmel erscheinenden Frau tatsächlich Maria, die Mutter Jesu gemeint ist. Christliche Interpreten bejahen diese Frage und verweisen auf einen weiteren Vers (4):  »Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.«

Die Maria von Birkenstein soll im 15. Jahrhundert geschaffen worden sein. Sie stand zunächst in einer hölzernen Kapelle. So wie die biblische Maria um Verlauf der Kirchengeschichte nach und nach aufgewertet wurde, so wurde auch die Maria von Birkenstein künstlerisch überhöht. Man setzte ihr eine Krone auf und legte ihr den Sternenmantel um. Aus der schlichten Magd Maria wurde die Himmelskönigin. Jetzt ist sie wirklich die himmlische Frau, die eben noch vom Drachen verfolgt wurde. Erzengel Gabriel ist es, der den Satan besiegt. Mir scheint, dass in diesen Bildern sehr viel ältere Überlieferungen weiterleben.

Foto 4: Maria über Birkenstein
Birkenstein ist ein Ort des Volksglaubens, nicht der nüchternen Theologie. Die katholische Theologie folgte immer wieder dem Volksglauben, die evangelische Theologie indes bemühte sich immer wieder um »Wissenschaftlichkeit«. Aber so wie der Pathologe mit dem Skalpell vergeblich nach der Seele des Menschen sucht, so wenig lässt sich die spirituelle Welt wissenschaftlich sezieren.

In Birkenstein erkennt man die Sehnsucht der Gläubigen nach einer höheren Wahrheit, für die es in einer rein materialistischen Welt keinen Platz mehr gibt. Die Frage ist, ob es sich in dieser unserer »neuen Welt« besser lebt, wenn wir alles, was sich nicht in Gramm wiegen oder in Millimetern messen lässt, leugnen. Auf meinen Reisen zu den großen Geheimnissen unseres Planeten faszinieren mich auch heute noch die monumentalen Bauwerke unserer Vorfahren. Ich bewundere die enormen Leistungen unserer Ahnen, die wohl über Kenntnisse verfügten, die lange in Vergessenheit geraten sind. Ich staune über die unglaubliche Kunstfertigkeit, mit der schon vor Jahrtausenden gigantische Steinkolosse zugeschnitten und weiter bearbeitet wurden. Es muss doch nachdenklich stimmen, wenn auf der Osterinsel mit heutiger Technik bislang nur kleine und mittelgroße Statuen wieder aufgestellt werden können.

Es gibt aber auch die Orte der Stille, die man fühlen, erahnen, aber nicht fotografieren kann. An solchen Orten wurden vor Jahrtausenden Tempel errichtet, weil sich die Menschen dort einer höheren Realität näher fühlten. An solchen Orten wurden Kapellen, Kirchen und Kathedralen gebaut.

Foto 5: Kerzenspenden in Birkenstein.

Erich von Däniken schloss sein drittes Werk »Aussaat und Kosmos«, 1972 erschienen, mit den Worten: »Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit. Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem in Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobes für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben. Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«

Ein solcher Ort ist Birkenstein. In der Kapelle versammeln sich immer wieder Pilger zu Andacht und Gebet. Wird Kranken auf welchem Weg auch immer geholfen, weil sie glauben? Oder glauben Menschen, weil ihnen geholfen wurde? Gibt es Orte, an denen noch unerklärbare  Kräfte wirken, die Kranke heilen können? Wurden an solchen Orten Tempel und Kirchen gebaut? Die Wunder des Glaubens mögen eines Tages sogar wissenschaftlich verifizierbar sein. Sie geheschen aber schon seit ewigen Zeiten. Ein solcher Ort scheint Birkenstein zu sein. Birkenstein kann schon in vorchristlichen Zeiten ein Quellheiligtum gewesen sein. Fakt ist das schon vor Jahrhunderten Pilgern in Birkenstein Wasser aus einer der sogenannten »Sieben Quellen« gereicht wurde. Heute fließt es aus einem marmornen Brunnen an der Außenwand der Kapelle.

Foto 6: Quellewasser von Birkenstein.
Besonders geheimnisvoll sind »unterirdische Gewölbe« der sakralen Kultanlage von Birkenstein, auf die Andreas Scherm hinweist. Der sachkundige Autor spricht von (6) »einem von Votivkerzen gesäumten Raum und von einem »niedrigen engen Durchschlupf« zu einer »ruß geschwärzten Heiligen Grabkammer, die durch einen Lichtschacht nach Osten mit dem Obergeschoss-Umgang verbunden ist, gleich einer auf den ersten Sonnenstrahl ausgerichteten frühzeitlichen Kultnische«.

Die ältesten Kultanlagen weltweit entstanden in Höhlen. Später wurden künstlich unterirdische Kammern geschaffen, in denen sich die Gläubigen versammelten. Solche unterirdischen Kultanlagen gab es schon in Ägypten, Jahrtausende bevor die großen Pyramiden errichtet wurden. Erdgöttinnen wurden in den Kulthöhlen verehrt und angebetet, sozusagen im Leib von »Mutter Erde«, aus der alles Leben kam. Im Laufe der Christianisierung wurden solche unterirdischen Komplexe,  »Erdställe« werden sie vor allem in Bayern genannt, gern zugeschüttet oder als Keller zweckentfremdet. Wie ich aus Gesprächen mit Geistlichen aus Bayern weiß, dienten sie einst »heidnischen Zwecken« und wurden überbaut. So soll es in so mancher Kirche in Süddeutschland Zugänge zur mysteriösen »Unterwelt« geben. Ein katholischer Geistlicher im Gespräch: »Weil die Menschen auch nach Einführung des Christentums die alten heidnischen Plätze aufsuchten, baute man dort christliche Kapellen und Kirchen.« Schon Papst Gregor der Große (589-604) hatte gefordert, die »Tempel der Heiden« mit Weihwasser zu christianisieren und lieber in den Dienst der katholischen Kirche zu nehmen, anstatt sie zu zerstören.

Beispiel: Die »Allerheiligenkapelle« in Reichersdorf  (Weyarn). Einst gab es hier in vorchristlichen Zeiten ein Quellheiligtum. Im Volksmund sprach man vom einstigen »Götzentempel«. Wie ich recherchiert habe, konnte man durch diesen Tempel in ein relativ komplexes unterirdisches System von Kammern und Gängen steigen. Offensichtlich war der Ort bei den »Heiden« so beliebt, dass sie ihn auch noch nach der Christianisierung aufsuchten.  Die »Allerheiligenkapelle« wurde auf den Eingang zur alten unterirdischen Kultanlage gebaut. So soll es in der Kapelle hinter dem Altar einen Zugang in die »Unterwelt« gegeben haben.

Foto 7: Votivkerzen in einem unterirdischen Gewölbe von Birkenstein

Teile der verschachtelten »Unterwelt« wurden in christlicher Zeit als Gruft verwendet. Den Rest – unterirdische Gänge und Räume – hat man offensichtlich zugeschüttet. Sie sind, offiziell zumindest, nicht mehr lokalisierbar.

Gab es in Birkenstein einst auch so ein unterirdisches Quellheiligtum? Die »unterirdischen Gewölbe« könnten daran erinnern. Das Quellwasser, das christlichen Pilgern als »heilendes Element« zum Trinken gegeben wurde, es wird wohl schon zu heidnischen Zeiten geflossen sein.


Fußnoten
1) Zitat auf der Rückseite von Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011
2) ebenda, linke Spalte, Zeilen 14-18 von unten. Orthographie unverändert übernommen, also nicht der Rechtschreibreform angepasst.
3) »Apokalypse des Johannes« Kapitel 12, Vers 1
4) ebenda, Vers 5
5) Däniken, Erich von: »Aussaat und Kosmos«, Düsseldorf, August 1972, S. 266
6) Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011, Seite 113
7) Wolf, Doris: »Was war vor den Pharaonen?«, Zürich 1994


Foto 8: Im unterirdischen Gewölbe von Birkenstein.


Zu den Fotos
Foto 1: Mystisches Birkenstein... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Unzählige Votivtafeln sollen Maria danken. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Die mütterliche Maria von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Maria über Birkenstein, historische Darstellung vor 1914. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Kerzenspenden in Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Quellewasser von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Votivkerzen in einem unterirdischen Gewölbe von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Im unterirdischen Gewölbe von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein




403»Birkenstein und das Wunder von Loreto«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«,Teil 5
Teil  403  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.10.2017



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Mittwoch, 20. September 2017

401 »Hape Kerkeling, falsche Bibelübersetzungen und Birkenstein«

»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 3, 
Teil  401  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Dan Brown löste mit seinem Megabestseller »Sakrileg« weltweit heiße Diskussionen aus. Sollte Jesus verheiratet gewesen sein? Vielleicht gar mit Maria Magdalena? Millionen Menschen erfuhren erstmals von uralten Überlieferungen, von der »Heiligen Hochzeit«, von der so wichtigen Rolle, die die »Göttin« einst gespielt hat. In seinem neuesten Werk - »Origin« - geht es um den »Ursprung«, um die Weisheiten, die die Vertreter der Religionen verbreiten.

Dan Brown schließt den Prolog von »Origin« mit einer Aussage, die aufhorchen lässt. Offenbar will Dan Brown wieder ein »heißes Eisen« anpacken. Sein Opus »Sakrileg« enthält mehr Wahrheit als so manchem Zeitgenossen lieb sein kann. Das habe ich in meinem Buch »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen« nachgewiesen. Keine Frage: Bis heute wird verdrängt, dass der Ursprung der Religion die Göttin war. »Als Eva noch eine Göttin war« habe ich geschrieben, um auf diesen »Origin« hinzuweisen.

Dan Brown will wohl an seinen Megaerfolg »Sakrileg« anknüpfen. Ja offenbar will er »Sakrileg« noch übertreffen. So endet der Prolog mit einer sensationell anmutenden Ankündigung. Da erfahren wir, dass ein gewisser Kirsch eine Präsentation vorbereitet hat, die beweisen soll »dass die Lehrern sämtlicher Religionen auf Erden tatsächlich eine Gemeinsamkeit hatten. Sie alle lagen völlig falsch.«

Dan Brown wird doch nicht etwa gar auf Erich von Dänikens Spuren wandeln? Der ist auch davon überzeugt, »dass die Lehren sämtlicher Religionen auf Erden tatsächlich eine Gemeinsamkeit hatten. Sie alle lagen völlig falsch.« Nach Erich von Däniken waren »Astronautengötter« der Auslöser für alle Religionen! Man kann jedenfalls sehr gespannt sein, was Dan Brown als den »Ur-Irrtum« aller Religionen bieten wird! Ich habe natürlich den neuen Brown längst vorbestellt.

Was die »Göttinnen« angeht, liegen alle großen Religionen falsch. Welche Sensation in Sachen »Ursprung der Religionen« Dan Brown wohl zu bieten hat? Ich jedenfalls bin sehr gespannt und werde gern Professor Robert Langdon folgen…. Die kostenlose Leseprobe ist seit heute - 20. September 2017 - erhältlich. Und deshalb gibt es meinen Sonntagsbeitrag ausnahmsweise schon heute!


Foto 1: Kloster und Loreto-Kapelle Birkenstein.

Wir schreiten ein kleines Sträßchen empor, es ist eigentlich mehr ein Pfad, ein Weglein, und dann stehen wir unweit eines munter plaudernden Gebirgsbachs am Ziel unserer Reise. Das Wasser des Bachs, so heißt es, soll gut für die Augen sein. Also nehme ich meine Brille ab und benetze mein Gesicht mit dem kühlen Nass. Das ist angenehm. Ich bin zu warm angezogen, hatte mich nicht auf sonniges Wetter eingestellt. Bislang hatte es fast nur geregnet. Und meine Jacke ist ungemein praktisch mit den vielen Taschen, da finden diverse Objektive Platz für meine Nikon 800E, auch Ersatzakkus, Stifte und Notizbüchlein. Dieser murmelnde Bach, wie mag er erst auf wirkliche Pilger wirken, die nach zweitägigem Marsch müde und überanstrengt hier ankommen? Ich denke, so mancher fromme Wandersmann, erschöpft und auf schmerzenden Füßen mehr wankend als gehend, wird dankbar von dem glasklaren Wasser getrunken haben.

Es wundert mich überhaupt nicht, dass Hape Kerkelings Buch »Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg« (1) zum Bestseller wurde. Offensichtlich spüren viele Menschen unserer Zeit eine Sehnsucht nach einem anderen Leben, das nicht ausschließlich von materialistischen Zielen bestimmt wird. Ob sie es freilich lesend gefunden haben, das wage ich zu bezweifeln. Freilich mit dem Buch in der Hand in der Sofaecke lässt sich bequem »pilgern«. Tatsächlich hat sich so mancher Zeitgenosse, angeregt durch Hape Kerkeling, auch auf den Weg gemacht. An Heiligabend 2015 startete in den deutschen Kinos die Verfilmung des Buches mit Devid Striesow als Hape Kerkeling. Kurios ist, dass die Sehnsucht nach einer Welt ohne die Kälte des schnöden Kapitalismus in eben dieser Welt sehr effektiv kapitalistisch genutzt wird, um die Kassen von Buchhandlungen und Kinos klingeln zu lassen.

Foto 2: Der Freialtar von Birkenstein.

Die Atmosphäre von Birkenstein ist nicht wirklich in Worte zu fassen. Natürlich gibt es da das Offensichtliche, das Sichtbare, das Vordergründige aus Stein und Holz. Da ist zum Beispiel der Freialtar, breit und beeindruckend und doch auch wieder schlicht und bescheiden. Er wirkt überhaupt nicht protzig. Das hölzerne Gebäude könnte irgendwo im Walde stehen, vielleicht von einem Förster eingerichtet, für seine Ruhepausen bei anstrengenden Waldläufen.  Es könnte durchaus weltliche Zwecke erfüllen, dieses schlichte Haus mit der »Veranda« aus Holz. Da sind aber verschiedene christliche religiöse Symbole, am Giebel dominiert das Kreuz mit dem »Auge Gottes«.

Im Zentrum des Altars: ein Gemälde, das uns Maria mit dem Jesuskind zeigt, die Madonna von Birkenstein, schön, geradezu herrschaftlich-königlich und doch nicht dominant, sondern freundlich, freudig, den Besucher begrüßend. Zu ihr strömen seit Jahrhunderten die Pilger, ihr vertrauen sie ihre Sorgen und Nöte an, sie bitten sie um Hilfe und Beistand.

Fotos 3 und 4: Zentrales Altarbild.

Wir leben in einer seltsamen Zeit. Viele Zeitgenossen verleugnen unsere Wurzeln. Ob man nun gläubig ist oder nicht, es lässt sich nicht bestreiten, dass das Abendland ein christliches war. Auch wenn wir heute eine säkulare Gesellschaft sind, in der Religionsfreiheit herrscht: ohne das Christentum wäre die Geschichte Europas ganz anders verlaufen. Schon vor Jahrzehnten wunderte ich mich über eine in meinen Augen seltsam widersprüchliche Haltung vermeintlicher Intellektueller. Auf der einen Seite taten sie genüsslich als »dummen Aberglauben« ab, was irgendwie christlich war. Auf der anderen Seite aber bewunderten sie jede andere Kultur, so sie nur nichts Christliches an sich hatte.

Die Atmosphäre ist nicht wirklich in Worte zu fassen. Obwohl man räumlich ganz nah am Leben des 21. Jahrhunderts ist, fühlt man sich dem hektischen Trubel unserer Zeit weit entrückt. Andreas Scherm beschreibt die Situation so, wie ich sie auch empfunden habe, in seinem Buch »Unterwegs im Gestern« (2):

Foto 5: Autor Langbein vor dem Freialtar. Foto Heidi Stahl

»Wir haben das Gefühl, einen Temenos, einen geweihten Bezirk, zu betreten, dessen Viereck zur Wallfahrtskirche hin begrenzt wird von einem ausladenden Freialtar auf terrassierter Hangböschung, einen daran vorbeirauschenden Gebirgsbach und einer eigenartigen Baumkanzel, einem Weltenbaum wie der Irminsul vergleichbar, der das kosmische Dach trägt – vielleicht sogar der Baum der Erkenntnis, der über die Heilsbotschaft Erlösung verheißt?«

Die »eigenartige Baumkanzel« an einem Baumstamm, der inzwischen gekappt wurde und keinerlei Astwerk mehr aufweisen kann, lässt mich auch an den Weltenbaum denken, an die Verbindung zwischen Himmel und Unterwelt. Scherm schreibt weiter (2): »Wunderlicherweise ruhen die Birken auf Felsblöcken, wurzeln nicht wie üblich in moosigem Grund. Stein und Baum weisen seit urdenklichen Zeiten auf einen Ort geistiger Bedeutung, religiös-kultischer Funktion.«

Für mich gibt es keinen Zweifel: Der Name »Birkenstein« weist daraufhin, dass es just dort schon in vorchristlichen Zeiten eine Versammlungsstätte gab. Schon vor vielen Jahrhunderten galt die Birke als ein »Baum des Schutzes«. Die altirische Göttin Brigid war Patronin der Birke. In nordische Sagen- und Mythenwelt war die Birke der Baum der Göttin Freya und der Frigga, immerhin Gattin des Odin. Im altkeltischen Sagenland war die Birke der Baum der Göttin Brigid, Tochter des Himmelsgottes schlechthin.

Foto 6: Die Baumkanzel von Birkenstein.


Ich erinnere mich gut an einen Vortrag, den Prof. Ernst Bammel (1923-1996) in Erlangen in kleiner privater Gesellschaft hielt. Es ging um »Heilige Bäume« in der Bibel. Dem Reformator Martin Luther war eine  mächtige Göttin ein Dorn im Auge: Ascherah. Durch falsche Übersetzungen ließ er ihren Namen aus den Texten des »Alten Testaments« verschwinden. So lesen wir bei Luther im Buch Richter (3): »Und zerbrich den Altar Baals ... und haue ab den Hain, der dabei steht.« Von einem »Hain«, also einem Wäldchen ist im Original nichts zu finden. Falsch übersetzt Luther weiter: »Und baue dem Herrn, deinem Gott, ... einen Altar und opfere ein Brandopfer mit dem Holz des Hains, den du abgehauen hast.« Es sind keine Bäume gefällt und verbrannt worden.

Luther ließ durch seine »Übersetzung« eine Göttin verschwinden. In der revidierten Luther Bibel von 1912 kehrte sie wieder: »Und haue um das Ascherahbild, das dabei steht und opfere ein Brandopfer mit dem Holz des Ascherahbildes, das du abgehauen hast.«

Wie offensichtlich falsch Luthers Übersetzungen in Sachen Ascherah sind, verdeutlicht ein Vers aus den Königsbüchern (4). Bei Luther hieß es da anno 1545: »Er (Josia) ließ den Hain aus dem Hause des Herrn führen«. Mit dem Haus des Herrn war der Tempel in Jerusalem gemeint. Und aus dem Tempel soll ein Hain, also ein Wald,  entfernt worden sein? Zu keiner Zeit gab es im Zentralheiligtum der gläubigen Israeliten einen Wald. Der hebräische Originaltext lässt keinen Zweifel aufkommen: Entfernt wurde eine Ascherah-Statue!

In der aktuellen Luther-Bibel von 2017  lesen wir (5): »Und er brachte die Aschera aus dem Hause des Herrn hinaus vor Jerusalem an den Bach Kidron und verbrannte sie am Bach Kidron, zermahlte sie zu Staub und warf ihren Staub auf die Gräber des einfachen Volks.«

Foto 7: 2. Buch der Könige Kapitel 23, Vers 6

In der von mir sehr geschätzten »Piscator-Bibel« von 1684 heißt es korrekt: »Und ließ den goetzenwald aus dem hause des HERREN fuehren/ hinaus fuer Jerusalem… «

Ein zweites Beispiel für Luthers Manipulation möchte ich anführen. Wieder geht es darum, wie Luther durch falsche Übersetzung die Göttin, Simsalabim, verschwinden ließ.  In seiner Übersetzung von 1545 heißt es (6): »Auch blieb stehen der Hain zu Samaria.« In der revidierten Luther Bibel von 1912 kehrt die vom Reformator getilgte Göttin allerdings wieder zurück: »Auch blieb stehen das Ascherahbild zu Samaria.« Auch die aktuelle Luther-Bibel von 2017 lässt die Göttin weiter wirken (7): »Doch ließen sie nicht ab von der Sünde des Hauses Jerobeams, der Israel sündigen machte, sondern wandelten darin. Auch blieb die Aschera zu Samaria stehen.«

Und wieder erweist sich die »Piscator-Bibel« von 1684 als korrekt. Was Luther in seiner »Übersetzung« verschwinden lässt, bei Piscator bleibt es erhalten. Piscators Übersetzung ist nun einmal sehr viel genauer als die von Luther. Bei Piscator steht:  »Doch wichen sie nicht ab von den suenden des hauses Jerobeam … auch blib stehen der goetzenwald von Samaria.« Erst die Luther-Bibel von 2017 macht deutlich, um welchen Götzendienst es da ging. Im Tempel zu Jerusalem wurde immer wieder auch der Kult der Aschera betrieben.

Foto 8: 2. Buch Könige Kapitel 13, Vers 6


Von Bäumen als Verkörperung der Göttin im »Alten Israel« kam der Gelehrte auf »Heilige Bäume« im »europäischen Heidentum« zu sprechen. Demnach galt die Birke in nördlichen Gefilden als »Fruchtbarkeitssymbol«, als Baum der nordgermanischen Göttin Freya. Die weiße Rinde der Birke, so Prof. Bammel,  machte den Baum zum Symbol für das »Reine und Jungfräuliche«, auch für das »Fruchtbare«. Wen wundert es da, wenn in Birkenstein die »Jungfrau Maria« verehrt und angerufen wird? Ist doch Maria, Jesu Mutter, für den gläubigen Christen die Reine und Jungfräuliche!

Dort, wo später Birkenstein entstand, dort sollen schon Menschen in frühen Zeiten zusammengekommen sein, also lange bevor im 17. Jahrhundert eine christliche Kapelle errichtet wurde. Es gab angeblich schon früh Wunder, die man dann mit Maria in Verbindung brachte. Wie mir ein katholischer Theologe aus Bamberg auf meine Nachfrage versicherte, gab es schon in sehr viel früheren, wohl schon heidnischen Zeiten, just dort eine »Säule« auf einem »Stein«, die »religiöse Bedeutung« hatte. Gibt es noch Hinweise auf die »heidnische« Vergangenheit Birkensteins?

Was kaum ein Besucher von Birkenstein weiß: Die Klosterkirche hat auch eine »Unterwelt«!

Fußnoten
1) Kerkeling, Hape: »Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg«, 15. Auflage, München 2011
2) Scherm, Andreas: »Unterwegs im Gestern/ Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München«, unter Mitarbeit von Carl Langheiter, 4. Auflage November 2011, München November 2011, Seite 112
3) Das Buch der Richter Kapitel 6, Verse 25 und 26 in Luthers Übersetzung von 1545, hier der heutigen Rechtschreibung angepasst.
4) Das 2. Buch der Könige Kapitel 23, Vers 6 in der Übersetzung Luthers von 1545, in angepasster Rechtschreibung!
5) Das 2. Buch der Könige Kapitel 23, Vers 6, Luther-Bibel 2017
6)  Das 2. Buch Könige Kapitel 13, Vers 6, in Luthers Übersetzung von 1545, hier der heutigen Rechtschreibung angepasst.
7) Das 2. Buch Könige Kapitel 13, Vers 6, Luther-Bibel 2017


 
Foto 8: 2. Buch Könige Kapitel 13, Vers 6


Zu den Fotos
Foto 1: Kloster und Loreto-Kapelle Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Der Freialtar von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 3 und 4: Zentrales Altarbild. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Autor Langbein vor dem Freialtar. Foto Heidi Stahl
Foto 6: Die Baumkanzel von Birkenstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: 2. Buch der Könige Kapitel 23, Vers 6 in der Piscator Bibel von 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: 2. Buch Könige Kapitel 13, Vers 6  in der Piscator Bibel von 1684. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 9 und 10: Literatur über Birkenstein. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein


402 »Birkenstein, heilige Quellen und Muttergöttinen«,
»Das Geheimnis der fliegenden Kapelle«, Teil 4 
Teil  402  der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 01.10.2017



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