Montag, 31. Januar 2011

Die da oben werden es schon richten


Als ich den Satz die da oben werden es schon richten das erste Mal hörte, hielt ich ihn noch für einen Scherz. Doch der Student, der ihn benutzt hatte, erklärte: »Warum soll ich meine kostbare Zeit für etwas verwenden, was andere machen sollen, die darüber hinaus mehr als gut dafür bezahlt werden.« Recht hatte dieser Student in einem Punkt tatsächlich: Die da oben richten es wirklich. Allerdings – zumindest können wir es unterstellen – berücksichtigen sie bei ihrem Tun nicht das, was dem kleinen Mann zum Vorteil gereicht, sondern das, was ihnen selbst oder ihren Förderern nützt … und das ist sehr oft das Gegenteil von dem, was für den kleinen Mann gut wäre.

Selbstverständlich wollen wir nicht das Gesetz der Straße, aber es gibt Bereiche, wo der kleine Mann durchaus Einfluss auf die Politiker nehmen kann und auch sollte. Hierzu gehört auf jeden Fall das Wahlrecht. Politiker sollten nicht selbst bestimmen, wie sie in die Parlamente gewählt werden, insbesondere ob Regeln gelten, die bestimmte Wählerstimmen für ungültig erklären.

Die Fünfprozentklausel bestimmt, dass Parteien nur dann ins Parlament einziehen dürfen, wenn sie mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen erhalten haben. Schafft eine Partei den Sprung ins Parlament nicht, werden praktisch die für die Partei abgegebenen Stimmen für ungültig erklärt.

Politiker legten fest, dass nur Erwachsene wählen dürfen. Das führte dazu, dass ein Ehepaar ohne Kinder mehr Einfluss auf die Politik hat als eine alleinerziehende Mutter mit drei oder mehr Kindern. Und wir wundern uns, dass Deutschland in den Ruf gerät, kinderfeindlich zu sein. Warum hat nicht jeder Deutsche das Recht, zu wählen? Ist der Wähler noch zu klein, um selbst zu wählen, könnten Elternteile das Wahlrecht wahrnehmen, vielleicht Mütter für die Töchter und Väter für die Söhne.

Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Besoldung der Politiker, ihre Ruhestandsbezüge und andere Leistungen. Politiker dürfen nicht alles selbst festlegen. Das führt zum Teil sogar zu Doppelbezahlungen: Ein Minister erhält über sein Ministergehalt hinaus auch das Geld, das die Abgeordneten erhalten. Der übliche Angestellte darf in einem Unternehmen keine Nebentätigkeit ausüben, die ihm ein ähnlich hohes Einkommen beschert, wie seine Angestelltentätigkeit. Sein Unternehmen will seine volle Kraft. Abgeordneter oder Minister zu sein sind jeweils Tätigkeiten, die die volle Kraft des Stelleninhabers verlangen, da gibt es keinen Platz für die Nebentätigkeit als Minister oder als Abgeordneter.

Wenn der kleine Mann wollte, könnte er etliches bewirken, angefangen bei den Wahlbestimmungen bis hin zu den für Politiker gezahlten Einkommen und Ruhestandsgeldern. Eine sehr niedrige Wahlbeteiligung wirkt sich überhaupt nicht auf die Anzahl der Abgeordnetensitze aus. Die ausgewiesenen Stimmenanteile der Parteien sollten sich nicht auf die abgegebenen Stimmen beziehen, sondern auf die Anzahl aller potenziellen Wähler

Die Möglichkeiten sind gegeben, doch der kleine Mann meint, die da oben werden es schon richten, und geht lieber zum Fußballstadion.

Wolf-Gero Bajohr

Ein paar Kommentare würde ich begrüßen!
Bildnachweis: 444234_R_by_Daniel-Kempken_pixelio.de.jpg

Sonntag, 30. Januar 2011

54 »Auf den Spuren von Pater Crespis Sammlung«

Teil 54 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,


Ein bettelarmer Priester betreut eine kleine südamerikanische Gemeinde. Er unterricht die Kinder, organisiert Schulbücher für sie. Medizinische Betreuung können sich die Armen nicht leisten. Der Priester organisiert Hilfe, so gut er kann. Mit frommen Sprüchen ist den Kindern nicht geholfen, das weiß der Gottesmann... aber mit regelmäßiger Schulspeisung. Bezahlen können die Indios ihren Priester nicht. Sie machen ihm Geschenke.... Tonwaren aus uralten Zeiten, Metalltafeln mit seltsamen Zeichen und Zeichnungen bringen sie ihm als Dank. Zu ihm haben sie Vertrauen. Ihm sind sie dankbar. Ihm bringen sie, wonach Archäologen oft vergeblich suchen... Und so entsteht eine fantastische Sammlung archäologischer Objekte: nicht in den heiligen Hallen eines vornehmen Museums, sondern im ärmlichen Hinterhof einer Kirche in Ecuador!

Pater Carlo Crespi mit mysteriösen
Metallobjekten aus seiner Sammlung
Pater Carlo Crespi (1891-1982) kam 1923 nach Ecuador. Im Osten des Landes versuchte der den Menschen seinen Glauben zu vermitteln. Ihn erschütterte die Armut der Indios. Und so versuchte er das Elend zu bekämpfen. Er predigte nicht salbungsvoll Nächstenliebe, er praktizierte sie. 1935 gründete er in Cuenca eine Schule.

Im Hinterhof der Kirche von »Maria Auxiliadora«, der »hilfreichen Mutter Gottes« baute er ein kleines Privatmuseum auf. Luc Bürgin in seinem »Lexikon der verbotenen Archäologie« (1): »Dort stellte er Exponate einheimischer Kulturen aus, die er von befreundeten Einheimischen erhielt: Ritualgegenstände, Keramiken, Götterfiguren aus Stein und Holz sowie viele andere Gegenstände aus dem kultischen Bereich und Leben der indigenen Stämme Ecuadors.«

Erich von Däniken, Schweizer Bestsellerautor, war 1968 mit seinem Buch »Erinnerungen an die Zukunft« weltberühmt geworden. 1969 folgte »Zurück zu den Sternen«. Auf seinen Reisen lernte er den altehrwürdigen Pater Crespi kennen. 1972 stellte er die Sammlung des Priesters in seinem Buch »Aussaat und Kosmos« vor.

Erich von Däniken machte
Crespis Sammlung weltberühmt
Schlagartig geriet Crespis Artefaktensammlung ins Licht der Weltöffentlichkeit. Die Welt der Gelehrten reagierte weitestgehend  einstimmig: empört! Pater Crespi, ein stets höchst bescheiden, ärmlich gekleideter Armenpriester, soll wertvolle archäologische Objekte gesammelt haben? Das durfte nicht stimmen. Also wurden die zahlreichen Gegenstände im Hinterhof der »hilfreichen Mutter Gottes« zu wertlosem Plunder erklärt, zu billigen Fälschungen ohne jeglichen Wert.

Verfügten diese Wissenschaftler über übersinnliche Fähigkeiten? Offenbar! Wie sonst ist es zu erklären, dass sie die Gegenstände aus Crespis Sammlung beurteilen konnten, ohne auch nur in die Nähe von Cuenca in Ecuador gelangt zu sein? Über Distanzen von Tausenden von Kilometern fällten sie ihr vernichtendes Urteil.

20 Jahre später machte ich mich auf den Weg nach Ecuador. Auf dem Markt von Cuenca sprach ich – Pater Crespi war damals zehn Jahre tot – über den Geistlichen. Die Menschen sprachen stets nur voller Bewunderung und liebevollem Respekt von ihm, der mit ihnen lebte und ihre Armut teilte. Sie verehrten ihn wie einen Heiligen und baten den Verstorbenen im Gebet um Beistand. Immer noch legten sie zu seinen Ehren Blumen nieder. Und immer wieder bekam ich zu hören, dass Pater Crespi über eine Fülle von kostbaren archäologischen Artefakten aus alten Zeiten verfügte.

Markt von Cuenca
Foto: W.J.Langbein
Gab es diese Sammlung wirklich? War sie wertvoll? Oder bestand sie tatsächlich nur aus wertlosem Ramsch, den arme Indios dem ahnungslosen Crespi andrehten? Pater Crespi war, so ergaben meine Recherchen vor Ort, über Jahre hinweg Direktor des Goldmuseums von Cuenca gewesen. Sollte er wertlosen Plunder gesammelt haben? Das erschien mir höchst unwahrscheinlich. Und so machte ich mich auf die Suche nach der Sammlung von Pater Crespi. Ich wurde fündig.

Es gab Gerüchte, wonach die »Banco Central« von Cuenca Crespis Sammlung aufgekauft habe. Kritische Stimmen zweifelten das an. Eine angesehene Bank, so bekam ich bei meinen Reisevorbereitungen zu hören, kauft doch keine wertlose Sammlung! Esteban Salazar, Mitarbeiter der »Banco Central« erklärte mir vor Ort: Es stimmt! Ein erheblicher Teil der Crespisammlung war nach dem Tod des Geistlichen für 433 000 US-Dollar gekauft worden!

Esteban Salazar führte unsere kleine Reisegruppe – wir waren zu viert – in den Keller der »Banco Central«. Staunend standen wir vor Tausenden von Artefakten. Tausende von Cheramikobjekten waren wohl sortiert in ordentlichen Regalen zu bewundern. »Diese Objekte stammen alle aus Pater Crespis Sammlung?« fragte ich. Esteban Salazar stimmte zu. Man hat die wertvollen Gegenstände nach Form und Größe sortiert: kleine Schälchen, Schüsseln, Vasen. »Sind diese Sachen alt?« erkundigte ich mich. »Manche sind nur einige Hundert Jahre alt.. andere bis zu drei Jahrtausenden!«

Offensichtlich hatten die Kritiker aus der Ferne verfrüht Pater Crespis Sammlung als »wertlosen Plunder« abgetan. Pater Crespi hat ganz eindeutig Tausende archäologischer Objekte besessen, die im wahrsten Sinne des Wortes museumsreif sind. 1982 hoffte Esteban Salazar, dass zumindest einige dieser Artefakte »bald« in einer Ausstellung der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Das ist bis heute nicht geschehen.

Prof. Fell übersetzte diese Inschrift
Harvard Professor Barry Fell (6.6.1917-21.4.1994) hat sich als Experte um die Entzifferung uralter Schriften verdient gemacht. Prof. Fell, Gründer der »Epigraphic Society«, setzte sich intensiv mit einem Objekt aus der Crespi-Collection auseinander. Das dreieckige Täfelchen trägt drei Zeilen mit seltsamen Schriftzeichen. Darüber sieht man ein elefantenartiges Tier. Ganz oben erstrahlt die Darstellung der Sonne.

Prof. Fell kam zu erstaunlichen Erkenntnissen: Die Zeichen auf dem Täfelchen sind keineswegs sinnlose Schriftzeichen. Sie gehören keiner bekannten Schrift an, lassen sich am ehesten mit jenen Zeichen vergleichen, die im dritten vorchristlichen Jahrhundert in Thougga, Tunesien, verwendet wurden. Sie wurden zum Beispiel an einem Denkmal von Centdeckt. Sollten da Fälscher in Ecuador mit einer uralten Schrift gespielt haben? Prof. Bell hielt das für ausgeschlossen. Es gelang ihm, den kurzen Text zu übersetzen: »Der Elefant, der die Erde stützt auf den Wassern und sie erbeben lässt.« (2)

Mein Resümee vor Ort: Pater Crespis Collection enthielt Tausende von Artefakten, die eindeutig echt und nicht plump gefälscht sind. Diese wertvollen Funde wurden von der »Banco Central« für ein kleines Vermögen erstanden und befinden sich im Keller des angesehenen Geldinstitutes. Fast dreißig Jahre sind sei Pater Crespis Tod verstrichen. Offiziell sind die archäologischen Kostbarkeiten bis heute weder katalogisiert, noch öffentlich ausgestellt worden! Warum nicht?

Weltweit löste Erich von Däniken 1972 Diskussionen um die Crespi-Collection aus. Besonderes Aufsehen erregten Metallobjekte, Metallplatten mit geheimnisvollen Zeichnungen und seltsamen Inschriften. Erich von Däniken hatte eine Vielzahl dieser Tafeln fotografiert und in seinem Buch »Aussaat und Kosmos« abgebildet. 20 Jahre später machte ich mich auf die Suche... Was war nach Crespis Tod damit geschehen?

Metallplatten wie diese führten weltweit zu Diskussionen
















Fußnoten
(1) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie / Mysteriöse Relikte von A bis Z«, Rottenburg, Dezember 2009, S. 61
(2) Fell, Berry: »America B.C.«, New York 1976, S. 184

»Eine traurige Entdeckung«,
Teil 55 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06.02.2011


Samstag, 29. Januar 2011

Rezension: Depressionen- Rüdiger Dahlke- CD

In diesem Monat habe ich mich intensiv mit Selbstheilungsprogrammen von Dr. Dahlke befasst.

Dr. med. Ruediger Dahlke hat sich nach dem Medizinstudium zum Arzt für Naturheilwesen, zum Psychotherapeuten und zum Homöopathen weitergebildet. Gemeinsam mit seiner Frau hat er das Heil-Kunde-Zentrum in Johanniskirchen aufgebaut und leitet dieses. Ihm liegt bei seinem Tun die Entwicklung einer ganzheitlichen Psychosomatik unter Einbeziehung spiritueller Themen am Herzen.

Im Rahmen einer dieser Rezensionen schrieb ich: "Ich bedaure, dass ich Dr. Dahlkes Heilmeditationen und Selbstheilprogramme erst vor einigen Wochen für mich entdeckt habe, denn sie bewirken, sofern man sich wirklich auf sie einlässt, dass man schon beim Aufwachen bester Laune und voller Tatendrang ist. Seelische Belastungen lösen sich nach kurzer Zeit bereits auf, man fühlt sich Tag um Tag freier und unerreichbar für negative Schwingungen. Die Wellenlängen werden neu justiert. Darin liegt das Geheimnis."

Grund genug, sich auf diese Programme einzulassen.

Auf Dr. Dahlkes CD "Depressionen" geht es dem Psychotherapeuten darum,  dass wir uns mit den dunklen Seiten unserer Seele  während der Meditation näher befassen, damit Depressionen an ihrer Entstehung gehindert werden.

Wie immer veranlasst Dr. Dahlke den Zuhörer,  sich in Trance zu versetzen und motiviert alsdann  Achtsamkeit für einzelne Körperregionen zu entwickeln. Indem man  sich achtsam konzentriert,  hat man den Fokus auf den Moment gelenkt und lässt ab von eventuell trüben Gedanken.

Immer weiter begibt man sich mit diesem angenehmen Jetzt-Gefühl in sein Inneres, hin zu seiner Seele und lässt Bilderwelten aufsteigen, lässt sie zu, befasst sich lächelnd mit angenehmen und unangenehmen Erinnerungs- und Fantasiebildern, begibt sich aber immer wieder zwischendurch auf die gedanklichen Inseln des Lächelns und der Offenheit. Indem man unangenehme, bedrohlich erscheinende  Bilder bewusst ansieht, verlieren sie ihre destruktive Macht. Dies  wirkt ganz ungemein stärkend. Auf diese Weise kann man Kraft schöpfen, sich frei machen von Angst und sich unangreifbar  für negative Schwingungen machen, die die Ursache für Depressionen sind. 

Das A und O für einen angenehmen Tag sind  die positiven Schwingungsebenen. Wer sich positiv justiert, wird Schwierigkeiten im Alltag  besser lösen und durch Unlösbares keine Schatten auf der Seele bekommen.

Empfehlenswert.

Freitag, 28. Januar 2011

Freitagskolumne: Weltbevölkerung - Sieben Milliarden Menschen bis Mitte 2011

Ursula Prem
Etwa in der Mitte des Jahres 2011 wird die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Grenze überschreiten. Noch nie haben mehr Menschen gleichzeitig auf dieser Erde gelebt, als eben in diesem Moment. Kriege, Seuchen oder Hungersnöte, von denen die Menschheit schon immer geplagt war, haben die steigende Tendenz allenfalls hin und wieder leicht verlangsamt. Fakt ist aber: Noch nie war die Wachstumskurve der Gattung Mensch steiler als heute.

Im Gegensatz zu dieser globalen Entwicklung stagniert die Geburtenrate in Deutschland. Der Trend ist seit 1972 ungebrochen: Es sterben mehr Menschen als geboren werden. Waren es vor 40 Jahren noch mehr als 900.000 jährliche Geburten, wurden im Jahre 2010 680.000 Neugeborene registriert. Das zwangsläufige Ergebnis: Die Bevölkerung in Deutschland wird langfristig zahlenmäßig schrumpfen, bei steigendem Durchschnittsalter.

Dieser Trend hat nicht nur Nachteile. Natürlich: Besteht eine Bevölkerung mehrheitlich aus Rentnern, dann haben die jüngeren Menschen einiges zu schultern. Andererseits tun sich neue Chancen für sie auf: kein Schlangestehen mehr nach einem begehrten Arbeitsplatz, keine Massenabfertigung an den Universitäten, Wohnungsnot wird der Vergangenheit angehören.

Wo steht in Stein gemeißelt, dass die deutsche Bevölkerung mindestens 80 Mio. Köpfe umfassen muss? Vielleicht lässt sich sogar das langfristige Überleben der Menschheit mit weniger gleichzeitig lebenden Menschen besser sichern, Stichworte: Ressourcenknappheit, Klimawandel, Überfischung der Meere und Energiekrise? Wie würde die Erde aussehen, würden alle Länder sich die Geburtenraten von Niger zum Vorbild nehmen, die etwa sechsmal so hoch sind wie die deutschen?

Das sprunghafte Ansteigen der Weltbevölkerung insgesamt stellt ein massives Ungleichgewicht dar und ist Mitursache dafür, dass viele Länder gerade in Afrika keinen Weg aus ihrer Armut heraus finden. Es ist ein Resultat der ungleichen Machtverteilung zwischen den Geschlechtern. Frauen mit Bildung, eigenem Einkommen und ungehindertem Zugang zu Verhütungsmitteln lassen sich nicht mehr als dauerschwangere Brutschränke missbrauchen, sondern planen ihren Nachwuchs sehr liebevoll und bewusst.


Erst die weltweite Emanzipation der Frau wird das verlorene Gleichgewicht wieder herstellen und die Geburtenraten überall auf ein sinnvolles Maß zurückführen, das allen Geborenen Überlebens- und Zukunftschancen eröffnet.

Was aber wird aus Deutschland und seiner Kultur? Schafft es sich tatsächlich ab, wie Thilo Sarrazin in seinem Buchtitel postuliert? – Ich meine: Egal, wie viele wir sind – kulturell haben wir schon längst ein Problem! Hand aufs Herz: Wer kennt ein ganzes Gedicht von Goethe spontan auswendig? Doch fast nur noch die Ü-60-Generation, die zur Schule ging, als Goethe noch nicht »oll« und Wagner noch keine Pizza war. Der Rest hält den Erlkönig eher für ein Testfahrzeug und Mozart für eine marzipangefüllte Kugel. Allenfalls Beethoven ist etlichen noch ein Begriff, als Komponist der Europahymne. Ob einige durch Staatsknete provozierte Mehrgeburten diesen Verfall werden bremsen können?

Meldung zum Thema: http://eltern.t-online.de/geburtenzahl-sinkt-bis-2060-dramatisch/id_44013806/index


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Mittwoch, 26. Januar 2011

Anka Kampka / Kerstin Orben: Was haben Nelson Mandela und Resilienz gemeinsam? Lösungsorientiertes Vorgehen

Bild: ©Tuna von Blumenstein
Während des Aufenthaltes auf Robben Island entwickelten die ANC Mitglieder ein ausgefeiltes Bildungssystem für die Mitgefangenen, durch welches sie ihre politischen Grundsätze und die Geschichte des ANC (African National Congress) weitergaben. Diese sogenannte „Mandela- Universität“ wurde zu einer einzigartigen Stätte des Lernens und der Erziehung, die sogar das weiße Bewachungspersonal mit einbezog.

Dieses Beispiel zeigt, wie die einzelnen Persönlichkeitsmerkmale ineinander greifen und macht den Erfolg von Resilienz verständlich. Es benötigt einen steten Optimismus, um sich harten Herausforderungen zu stellen. Das Akzeptieren einer unabdingbaren Situation gibt die notwendige Gelassenheit und Distanz zu den Ereignissen. Erst wenn diese Vorraussetzungen geschaffen sind, können neue Lösungen entstehen.

Wenn wir uns gedanklich immer wieder mit dem Problem befassen und die schwierige Situation analysieren in der wir uns befinden, suchen wir nach Gründen. Das führt häufig dazu, dass wir uns „im Kreis“ drehen statt nach Wegen zu suchen. Denken wir jedoch nach vorne und versuchen wir uns Lösungen zu Gegebenheiten („es wird schon wieder“) oder Positives zu den Menschen vorzustellen, so bestätigt sich dies viel häufiger in unserer realen Umgebung. Man nennt dies „selbsterfüllende Prophezeiung“.

„Oftmals schauen wir so lange auf die geschlossene Mauer, sodass wir den Durchlass in der Mauer (=Lösung) nicht sehen. Wenn sich die Mauer des Glückes schließt, öffnet sich eine Neue.“ Nelson Mandela hat keine Zeit darauf verschwendet, auf die geschlossene Mauer zu blicken. Er wusste, dass sich SEINE Mauer des Glückes öffnet; resiliente Menschen befassen sich immer wieder mit möglichen Lösungen und stellend sich diese genau vor. Dadurch schaffen sie sich neue Perspektiven und halten durch, ohne die Probleme zu ignorieren. Lösungsorientiertes Denken kann man trainieren.

In eigener Sache: Wenn wir ihr Interesse für das Thema Resilienz geweckt haben, laden wir Sie herzlich ein zu unserem kommenden Info-Abend am 31. 01.2011.
Weitere Infos finden Sie unter: http://www.die-krisenmanagerin.de/



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Montag, 24. Januar 2011

Klaus-Dieter Sprössel: »Kinder der Elbe« - Ein Sittengemälde in Büchern

Über die Menschen,
ihre Generationen
in der Teilung Deutschlands
und
deren Überwindung
seit dem Ende
des Zweiten Weltkrieges
bis in die Gegenwart

Einige Anmerkungen zum Anliegen und zum Inhalt
Vergangenheitsbewältigung hat viele Gesichter und ebenso viele Blickweisen und Blickrichtungen. Es kommt sehr auf den philosophisch-sozialen Standort des Bewältigers einer historischen Vergangenheit an und auf die Weise, wie er bewältigen will.

Ein Angebot ist »Kinder der Elbe«.

»Kinder der Elbe« ist ein Sittengemälde, bestehend aus einzelnen, in sich geschlossenen Romanen, deren Handlungen über die vergangenen fünfzig Jahre in der Entwicklung der ehemaligen DDR reichen, und nachfolgend seit der Wende in den neuen Bundesländern fortgesetzt wird. Es kommt darauf an, die neuen herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen und Erscheinungen aus einer möglichst neutralen Sicht aufzuhellen, extremen, zumindest aber bewusst einseitigen Inanspruchnahmen und oft gesetzten Vorurteilen die nötigen Erklärungen abzuverlangen. Diesem Anspruch sieht sich der Autor verpflichtet und ist bemüht, dem zumindest möglichst nahe zu kommen. Die einfachen Lebensprozesse werden an Lebensverläufen von Personen, die für die verschiedenartigsten Entwicklungen beispielhaft stehen, in einer Familiengeschichte so dargestellt, dass sie auch als Vergangenheitsbewältigung aus der Sicht des Alltäglichen gelten. Im Mittelpunkt steht somit das Mikroklima historischer Prozesse, Lebensverhältnisse, Lebensbedingungen, Denkstrukturen und Moralauffassungen, die das Phänomen der »Wende« zu erklären helfen sollen. Wer bietet für ein solches Unterfangen bessere Bedingungen, als der Schicksalsstrom Elbe? Er steht signifikant für die prinzipielle Entwicklung zweier konkurrierender Gesellschaften.

Die Situationen sind aus dem Grunde an den Ufern der Elbe, schwerpunktmäßig zwischen Magdeburg und Hamburg, angesiedelt. Dieser Abschnitt der Elbe ist bezeichnend für die Entwicklung, zuerst im geteilten, dann im wieder vereinten Deutschland der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, wie kaum eine andere Gegend.

Das Romanepos »Kinder der Elbe« beginnt mit der Stunde Null, 1945 und ist zeitlich bis in die Gegenwart angesiedelt. Seine Sprache ist bewusst so gehalten, dass durch sie auch den Nachgeborenen die Bilder vermittelt werden, die sie in die Lage versetzen, ein eigenes Urteil über einen Zeitabschnitt zu formulieren, der an Wirrnissen, Facettenreichtum und Denkanstößen für künftige Zeiten sein Beispiel sucht.

Der Autor.

Kinder der Elbe
Erstes Buch: Hermanns Odyssee
PB, 970 Seiten
ISBN 978-3935648158

Vom Gymnasiasten Hermann,
der das Feuerinferno von Magdeburg überlebte,
und den Amibombern entwischte,
der durch den Kriegshorror in der Altmark herumirrte,
den die Kettenhunde aufhängten und erschossen,
und doch nicht tot bekamen,
den es an die Tarnefitzer Elbe verschlug,
der dort den Skelettmenschen von Isenschnibbe begegnete,
der den Runenhasser Jäger traf,
und mit dem die Runen bestrafte,
der einen Todesmarsch nach Steinthal überstand,
dort in die Rattenflut des Uchtebaches flüchtete,
um zwischen Leichen den Bombenterror zu überstehen,
der vier Frauen schwängerte,
den die Russen in einen Gefängnisturm sperrten,
ihm ein Geständnis abzuquälen,
der erneut dem Horror entkam,
und wieder aufgegriffen wurde,
der ins Zwangslager nach Sibirien sollte,
der seine große Liebe suchte,
sie nicht fand,
dafür anderen Glücksfällen begegnete,
der nach großer Odyssee
und doch endlich nachhause kam.

Zweites Buch: Ende und Anfang
PB, 855 Seiten
ISBN 978-3935648189

Vom Grauen des Krieges,
dem Flüchtlingselend an der Elbe,
einer sinnlos gesprengten Brücke.
Von den Amerikanern und den Schotten als Besatzer.
Von tapferen Jungen, die mit einem Angelkahn
Hunderte Flüchtlinge über die Elbe holten.
Von den Russen,
die Brücken bauten,
und doch nur Besatzer blieben.
Vom Überlebenskampf.
Von einer neuen Administration.
Von den verbrecherischen Umtrieben der Wehrwölfe.
Vom schweren Leben unter den Besatzern.
Vom ersten Kinderweihnachten im Frieden
Von der Erbarmungslosigkeit des ersten Nachkriegswinters
Von den Besatzern und ihren Helfern
Von der Verzweiflung.
Vom schlimmen Tod des Gymnasiasten Reinhold
Von der Rückkehr des Lebens
Von den Ängsten und Hoffnungen der Menschen
Von der tragischen Liebe einer Deutschen
zu einem Offizier der Russen.

Drittes Buch : Schwestern
Pb, 814 Seiten
ISBN 978-3935648172

Von zwei Schwestern,
die die Wirren des Krieges
in ihren Lebensläufen trennte.
Die nach kurzer Gemeinsamkeit
im geteilten Deutschland
einem Ziel nachstreben,
Karriere bis in die Spitze zu machen.
Nach abenteuerlichem Aufstieg gelingt dies
der einen als Konzernchefin
der anderen als Dekan einer Universität.
Sie vollziehen ihre Karrieren
im diametralen gesellschaftlichen Gegensatz
getrennt durch die Todesmauer.
Bevor sie allerdings an ihre Positionen gelangten,
begannen sie ganz unten.

Wiedersehen am Tag der Deutschen Einheit.
Waren sie noch Schwestern?

Klaus – Dieter Sprössel
Biografische Daten:

Geboren 1942 in Magdeburg
Nach der Grundschule
Lehre als Stahlschiffbauer
Abitur, Studium, zwei wissenschaftliche Aspiranturen,
Schriftstellerische Arbeit seit 1982.

Nach der Wende:
Redakteur eines Wochenblatts
Publizist: 16 kommunalpolitische Studien
Zahlreiche Zeitungsartikel, Kurzgeschichten
ab 1999 Romanepos »Kinder der Elbe«.

Zur Website des Autors

Buchvorstellung: ©Klaus-Dieter Sprössel


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Sonntag, 23. Januar 2011

53 »Das Tor in eine andere Welt?«

Teil 53 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Vom Westufer des Titicacasees aus sei es nur »ein Katzensprung« zur Monstermauer des Teufels, zum Sternentor »Hayu Marca«, versicherte mir ein peruanischer Archäologe am Telefon. Als ich interessiert nach einer etwas näheren Ortsangabe erkundigte, wurde der gelehrte Mann unwirsch. »Fahren Sie zum Titicacasee. Schauen Sie sich die künstlichen Inseln der Uros an. Dann machen Sie sich auf nach Puno, von da aus nach Juli. Von dort aus bringt Sie jeder Taxifahrer zum Hayu Marca!« Als ich um wissenschaftliche Erkenntnisse zum mysteriösen Tor bat, legte der Archäologe wortlos auf.

Die künstlichen Inseln vom Titicacasee
Foto W.J.Langbein
In Juli war das Ziel meiner Reise durchaus bekannt. Nur hinbringen wollte mich keineswegs »jeder Taxifahrer«. Eine Übernachtung in Juli hatte ich eingeplant... es wurden drei. Am Morgen des dritten Tages trommelte jemand mit Fäusten gegen die brüchige Tür meines Zimmers einer kleinen Pension. »I’ll take you to the Gate of the Gods!« bekam ich zu hören. Rasch zog ich mich an.. und Minuten später ging es mit einem alterschwachen Jeep querfeldein auf »Landstraßen«, die eher bescheidenen Feldwegen glichen, zu einer der geheimnisvollsten Stätten unseres Planeten, die ich je besucht habe.

Misstrauisch von einigen alten Bauersleuten beäugt fuhren wir an die »Puerta de Hayu Marca« heran. Müde stützte sich eine erschöpft wirkende Nachfahren der Inka auf ihre Hacke, bevor sie sich wieder kopfschüttelnd ihrer Arbeit zuwandte. Mein Guide redete mit ernster Miene auf mich ein, als wir zu Fuß dem Tor in eine andere Welt zustrebten.

Das mysteriöse Sternentor
Foto: W.J.Langbein
»Am Titicacasee lebten einst die Uros, ein mysteriöses Volk. Sie hatten angeblich Kontakt mit Sternengöttern, deren Sprache sie als einzige auf der Erde beherrschten!« Auf dem Grund des Titicacasees gebe es noch Ruinen, die aus der Zeit der Sternengötter stammten.... Auf verschiedenen Peru-Reisen bekam ich immer wieder sagenhafte Überlieferungen erzählt: von Menschen, die von himmlischen Lehrmeistern in die Geheimnisse der Wissenschaften eingeführt worden seien. Diese Irdischen seien dank ihrer Kenntnisse bald selbst fast wie Götter gewesen.

Diese mächtigen Menschen seien den Göttern unheimlich geworden. Sie bestraften die Irdischen, zerstörten ihre Welt. Die Sternengötter selbst seien wieder in ihre ferne Heimat zurückgekehrt... in die Tiefen des Alls. »Sie gingen durch das steinerne Stargate, durch die Pforte von Hayu Marca!«

Schon 1928, das ergab mein intensives Literaturstudium, hat Alberto Cuentas das mysteriöse Tor beschrieben. Aus der Distanz wirkt die Szenerie gespenstisch. Ich fühle mich in das Szenario eines King-Kong-Filmes versetzt. Eine mächtige »Steinmauer« ragt düster empor. Ist sie als schützende Barriere gedacht? Soll sie die Menschen daran hindern, in das Gebiet dahinter einzudringen?

Ich muss über meine Fantasien lächeln... und trete an die steinerne Monsterwand. Sie ist ganz ohne Zweifel natürlichen Ursprungs. Über eine Breite von 14 Metern und eine Höhe von sieben Metern wurde der gewachsene Fels massiv bearbeitet. Man hat – wer auch immer – den Stein geglättet, ja poliert.

Das Tor in eine andere Welt? Foto: W.J.Langbein
Sieben Meter hoch und acht Meter breit ist das eigentliche »Tor«.. spiegelglatt geschliffen. Rechts und links wird es von aus der Distanz wie Säulen aussehenden Vertiefungen eingerahmt. Die Abgrenzung nach oben wirkt irgendwie unfertig. Risse durchziehen den Fels. Entstanden sie erst nachdem der Stein geglättet wurde? Oder haben tektonische Veränderungen diese Schäden sehr viel früher angerichtet?

Im Tor erkenne ich so etwas wie eine »Tür«, die in den Stein gemeißelt worden ist. Ich messe nach: Sie ist knapp 1,90 hoch und nur 1,10 breit. Einen halben Meter geht sie »in die Tiefe«, in den massiven Stein hinein. Im Zentrum dieser Tür entdecke ich eine etwa faustgroße Kuhle. Diese Vertiefung soll von besonderer Bedeutung gewesen sein. Angeblich diente sie als »Schlüsselloch« zum Übergang in fremde Welten. Auserwählte Menschen seien von den Sternengöttern durch diese Tür in den Fels in ferne Gefilde gebracht worden sein. Und aus dieser Tür seien sie auch wieder zurückgekehrt... Götter und Menschen.

Die Tür im Tor
Foto W.J.Langbein
Als die goldgierigen Spanier das Inkareich mit seiner erstaunlichen Kultur zerstörten habe der Inka-Priester Aramu Maru das Geheimnis des Tores gekannt. Aramu Maru, so heißt es, entkam den grausam wütenden Spaniern. Aramu Maru, vom »Tempel der sieben Strahlen«. In seinem Besitz befand sich demnach eine goldene Scheibe. Mit diesem geheimnisvollen Objekt konnte er die Tür im Tor öffnen. Hinter der Tür sei der Priester in einen »Tunnel aus hellblauem Licht« getreten... um für immer zu verschwinden!

Ich habe den Eingang in die Monstermauer betreten. Aber nach knapp einem halben Meter stand ich vor massivem Fels. Weiter kam ich nicht. Ich legte meine Hand in die Steinkuhle... verspürte aber nichts. Ich legte mein Ohr an den Fels und vernahm nichts. Anders als esoterisch-angehauchte Zeitgenossen verspürte ich kein Vibrieren, sah ich kein Licht und vernahm auch keine lieblichen Sphärenklänge. Vielleicht haben mich meine Reisen zu den geheimnisvollsten Stätten unseres Planeten etwas zu prosaisch werden lassen.

Walter-Jörg Langbein im Stargate
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
Und doch muss ich zugeben: Tor und Tür in der Monstermauer schaffen eine nicht in Worte zu fassende mysteriöse Atmosphäre. Inzwischen habe ich auch – als erster Autor überhaupt – eine kleine Reisegesellschaft zum »Stargate« geführt. Wir standen staunend vor dem Zeugnis einer uralten Kultur. Wir haben ein Maßband angelegt, das Sternentor vermessen... aber das Geheimnis der Tür in die Felswand konnten wir nicht ergründen!

Das »Sternentor« lässt uns Menschen zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrtausends bescheiden werden. So viel Wissen unsere Gelehrten auch angesammelt haben.... zu welch erstaunlichen Leistungen der moderne Mensch dank heutiger Wissenschaften auch in der Lage ist.... kennen wir wirklich die Realität? Oder stehen wir nur – sinnbildlich gesprochen – staunend vor dem äußeren Schein?

Im »Höhlengleichnis« von Platon (427–347 v. Chr.) sehen die Menschen, gefangen in einer unterirdischen Höhle, nur einen matten Abglanz von der Wirklichkeit. Sie nehmen nicht die Realität wahr, sondern nur ihren Schatten.... den sie für die Wirklichkeit halten. Hand auf’s Herz: Sind wir heute, aller Wissenschaft zum Trotz, auch nur dazu in der Lage... den Schatten der Wirklichkeit zu sehen... die fantastischer sein mag als selbst unsere kühnsten Fantasien?

Vermessungsarbeiten am Tor
Foto: Ingeborg Diekmann, Bremen
»Auf den Spuren von Pater Crespis Sammlung«,
Teil 54 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30.01.2011


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Samstag, 22. Januar 2011

Samstagsrezension: Bauch, Beine, Po - Thorsten Tschirner

Wir nähern uns mit großen Schritten dem Frühling und möchten natürlich alle in 28er Jeans passen. Neben FDH und Joggen sind deshalb in den nächsten Wochen  Übungen für Bauch, Beine und einen knackigen Po angesagt. Dieses Büchlein ist keine große Investition aber die Ergebnisse sind beachtlich, wenn man seinen inneren Schweinhund ins Körbchen verwiesen hat und der Disziplin täglich die Ehre erweist.

In der Einleitung nimmt Tschirner zum "Warm-up" Stellung, mittels dem man sich auf das bevorstehende Work-out vorbereitet. Das  "Warm-up" erhöht die psychische und pysische Leistungsbereitschaft, weil richtig durchgeführt, die Körpertemperatur auf ideale 38,5 Grad ansteigt, Blut und Gewebeflüssigkeit dünnflüssiger werden und sämtliche Stoffwechselprozesse schneller laufen. Zudem minimiert man durch das Aufwärmen das Verletzungsrisiko. Tschirner nennt als ideale Aufwärmübungen Seilspringen, Treppensteigen, Tanzen etc.

Das "Cool-down", durchgeführt durch lockeres Gehen und leichtes Stretching, dient dazu, Körper und Geist zu entspannen. Tschirner ermahnt den Trainingswilligen in der Einleitung, stets Haltung zu bewahren. Das bedeutet bei allen Übungen auf einen geraden Rücken zu achten, das heißt konkret das Steißbein nach unten und den Scheitelpunkt nach oben, die Schulterblätter nach hinten unten und den Bauchnabel nach innen zu ziehen.

Der Bauch kann nicht nur ein attraktiver Blickfang sein, sondern er ist neben den Rückenmuskeln auch für die Stabilität unseres Rumpfkorsetts verantwortlich. Dass Beine nicht nur fit, sondern auch schön geformt sein sollen, dürfte jedem klar sein und dass man in der angestrebten 28er Jeans einen knackigen Po haben sollte, ebenfalls. Kein einziges Körperteil reagiert so schnell auf ein gutes Trainig wie der Po. Anhand von erhellenden Abbildungen lernt man den Sitz der Bauchmuskeln, der Hüftbeugemuskulatur, der Oberschenkelmuskulatur, der Wadenmuskulatur, der Schienbeinmuskulatur und der Gesäßmuskulatur kennen.

Die Übungen im Anschluss sind in solche für Einsteiger und Fortgeschrittene untergliedert. Sie werden sehr gut erklärt und jeweils bildlich dargestellt. Die Einsteigerübungen sind superleicht und ohne Anstrengung ausführbar. Seitenstütz und Seitenbeuge für Fortgeschrittene,  12x wiederholt bringt das  sehr gute Erfolge. Die Übungen schaffen einen zugegebenermaßen  anfangs allerdings etwas.

Wer joggt,  hat per se schlanke Beine, kann aber durch Tschirners Übungen noch bessere Formen bekommen. Das gilt auch für den Po. Hier eine tolle Übung für diesen Hingucker:

"Start: Vierfüßlerstand. Arme und Ellenbogenstütz, Handflächen aneinanderpressen. Ein Bein nach hinten ausstrecken und auf den Zehenspitzen aufstellen.

Ausatmen: Gestrecktes Bein anheben und Oberschenkel über Pohöhe hinausschieben. Zehenspitzen anziehen. Position 2 bis 3 Sekunden lang halten.

Einatmen: Das Bein langsam wieder absenken, jedoch nicht auf den Boden aufstellen. 25-30 mal wiederholen, dann die Seite wechseln." ( S.37)

Die Work-out-Programm in der Folge lässt Freude aufkommen. Ich empfehle,  Musik beim Training zu hören und dem inneren Schweinhund auf keinen Fall kein Gehör zu schenken.

Merke: "Disziplin ist alles".  (Das Dauermantra meiner preußischen Vorfahren :-)))

Empfehlenswert.


Freitag, 21. Januar 2011

Freitagskolumne: Zur aktuellen Kürzung der Solarförderung

Ursula Prem
Umweltminister Norbert Röttgen und die Solarwirtschaft haben sich heute auf eine Senkung der Subventionen für Photovoltaikanlagen geeinigt. Je nach Entwicklung der Branche werden die Fördersätze zum 1. Juli 2011 um 3-15 % gesenkt.
Röttgen argumentierte, eine Strompreiserhöhung aufgrund der Solarstromförderung könne zu Akzeptanzproblemen in der Bevölkerung führen. Diese Erklärung wirft drängende Fragen bezüglich dieser mehr als fadenscheinigen Begründung auf:

  1. Warum sollte ein amtierender Bundesminister plötzlich Angst vor Akzeptanzproblemen haben? Hat die Bevölkerung jemals offiziell akzeptiert, dass von jedem getankten Liter Sprit 2/3 des Kaufpreises in Form von Steuern vom Staat abgesaugt werden? Und hat unser aller Ärger darüber die Herrschaften in Berlin jemals interessiert? Haben wir je Ja gesagt zum Dosenpfand, der Subventionierung von Häuslebauern oder gar der Teilnahme am Euro, für dessen gigantischen Rettungsschirm unseren Kindern und Enkel nun weitere Schulden aufgebürdet werden? – Nein. All das und sonstiger Wahnsinn besitzt in der Bevölkerung möglicherweise so viel Akzeptanz wie ein Rudel hungriger Rottweiler im Metzgerladen. Wer kann das wissen? Und wen hätte es je interessiert? Und wenn bisher nicht: Warum dann gerade jetzt, wenn es um die Solarenergie geht?
  2. Warum sollte man Angst haben, die Menschen würden einen kleinen Obulus für den Ausbau der künftigen Energieversorgung scheuen, während das wahre Ausmaß der Subventionierung der Atomenergie unerwähnt bleibt? Zum Glück gibt es das Internet. Und Greenpeace. Eine entsprechende Auflistung steht deshalb für jedermann einsehbar im Netz. Ja, wer wusste bisher schon, dass Atomkraftwerksbetreiber, im Gegensatz zu sonstigen Industrieunternehmen, nicht zur Abschließung einer entsprechenden Haftpflichtversicherung verpflichtet sind, die für die Folgen eines Super-GAUs zumindest finanziell aufkommen würde? Weil der Staat in diesem Fall für die Schäden eintritt? Oder gar niemand, also die Überlebenden selbst? Wer rechnet schon die Kosten der zahllosen Polizeieinsätze zum Schutz des Strahlenmülls ein, wenn wieder mal ein Atommülltransport über die Schienen rollt? Und wen interessieren die Lasten, die auf künftige Generationen zukommen, in Form maroder »Endlager« (in Wirklichkeit: Zwischenlager), die allesamt werden saniert werden müssen? – All das wurde geschickt herausgerechnet, um uns die Atomkraft weiterhin als saubere, vergleichsweise billige Energieform verkaufen zu können.
  3. Welche übergeordneten Interessen sind mit der Erhaltung der Atomkraft verknüpft, wenn alles daran gesetzt wird, gerade den Ausbau der künftigen Energieversorgung durch solche Aktionen zu hintertreiben, während andere Subventionen und Umverteilungsstrategien ungehindert weiterwuchern?
  4. Damit ich nun nicht falsch verstanden werde: Mit möglichst wenigen Subventionen auszukommen ist ein grundsätzlich erstrebenswertes Ziel. Welche echte Chance auf flächendeckenden Ausbau aber soll die einzig sinnvolle Energieform der Zukunft haben, wenn sie gegen verschämt versteckte Hochsubventionierung der Atomenergie ankämpfen muss, und somit unter einer glasklaren Wettbewerbsverzerrung zu leiden hat?
Das alles sind Fragen, die vielleicht von Bloggern gestellt werden, aber wohl kaum in Mainstream-Medien. Alle Teil des Systems? Das immer so weiterläuft und die Karre in den Dreck fährt? Eins ist klar: So lange offensiv zur Schau getragener Wille zur Energiewende nicht mit viel entschlosseneren Taten einher geht, wird das nichts werden …





Meldung zum Thema auf t-online: http://nachrichten.t-online.de/roettgen-lobt-solarkuerzung/id_44086202/index

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Dienstag, 18. Januar 2011

Anka Kampka / Kerstin Orben: Was haben Nelson Mandela und Resilienz gemeinsam? Akzeptanz

In einem der vielen Gerichtsverfahren gegen Nelson Mandela fiel 1964 gegen ihn und fast die ganze Spitze des ANC (African National Congress) das Urteil der lebenslangen Haft. Eigentlich wurde erwartet, dass sie zur Todesstrafe verurteilt würden. Der Richter de Wet entschied aber, diese nicht zu verhängen. Die Gruppe des ANC wurde in das Gefängnis auf Robben Island gebracht.

Zunächst blieb Nelson Mandela und den Anhängern des ANC nichts anderes übrig, als das Urteil hinzunehmen. Es ist das Einzige, was sie zu diesem Zeitpunkt tun konnten.

Sicher ist Ihnen schon einmal folgendes Gelassenheitsgebet* begegnet:

Bild: ©Tuna von Blumenstein


„Lieber Gott, gib mir die Kraft, die Dinge zu verändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, die Dinge, die ich nicht ändern kann, zu belassen und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.“


Treffender lässt sich unser zweites Persönlichkeitsmerkmal kaum beschreiben. Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie schon versucht, feststehende Fakten oder Menschen zu verändern, obwohl ihnen bewusst war, dass dies nicht zum Erfolg führt?

Gegebenheiten und auch Menschen in unserem Leben so zu akzeptieren, wie Sie sind, stellen uns immer wieder auf eine harte Probe. Es lohnt sich jedoch, genau hinzuschauen. Es gilt zu überprüfen, was wir selbst beeinflussen können und was nicht. Unser eigenes Verhalten, Denken und Fühlen können wir selbst bestimmen, nicht aber das, was Andere denken, fühlen oder tun. Daher sollten wir unsere Energie dafür einsetzen, Unabänderliches zu akzeptieren und auch schmerzliche Tatsachen anzunehmen. Allerdings gilt es auch, mit sich selbst versöhnlich umzugehen.

So können neue Aspekte in unser Leben eintreten, die wir als bereichernd erleben. Mit einem hohen Maß an Akzeptanz kommen wir ins Gleichgewicht, um neue Wege zu gehen und aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

*Das Gelassenheitsgebet wird Reinhold Niebuhr, amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler (1892-1971) zugeordnet. Weitere Info hier

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Montag, 17. Januar 2011

Meine Katze Sylvia - Ein Beitrag von Cosima Prem

Meine kleine Mieze Sylvia ist so liebenswert! Sie hat die Farben rotbraun, weiß und schwarz und rechts an der Nase noch einen kleinen, goldigen schwarzen Schönheitsfleck. Deswegen nennen wir sie immer "Gewürzkatze" oder "Würzig": Ihre Fellfarben sind wie Paprika, Salz und Pfeffer. Wenn sie im Halbschlaf auf unserer Couch oder auf meinem Bett liegt und man sie sanft krault, fängt sie an, derartig laut zu schnurren, dass man es noch durch eine dicke Tür durch leicht hört. Aber manchmal, wenn sie hellwach ist, kratzt und beißt sie für ihr Leben gern, wenn man ihr Fell auch nur ganz leicht berührt.

Jetzt ist sie ungefähr acht Monate alt. Bevor sie zu ihren ersten Besitzern gekommen ist, war sie eine Wildkatze, deswegen ist Sylvia auch manchmal noch so "kratzig" drauf. Aber das wird sich noch geben. Es gibt aber auch Sternstunden, wo sie für jede Wuschelei und alles andere zu haben ist. Ich habe meine kleine Mieze so lieb! Oft legt sie sich auf die angestellte Heizung und streckt sich fast einen Meter lang. Sie erbettelt sich ab und zu auch ein Löffelchen Joghurt oder Grießpudding. Meistens klappt das auch, weil man ihr einfach nicht widerstehen kann.Wenn sie dann hat, was sie will, schleckt sie alles innerhalb von ein paar Sekunden weg. Gerade, als ich hier schreibe, wollte die "Würzig" mir meinen Lachs vom Brötchen fressen. "Mieze, nein! Lass mir wenigstens das Brötchen!"

Aber sie kann auch ziemlich furchterregend aussehen (siehe Bild links). Dann macht sie ihren Schwanz buschig wie einen Eichhörnchen- schwanz und schaut einen drohend an, als würde sie einen gleich angreifen wollen. Auf den Fotos kommen die Augen auch noch leuchtend. Das wirkt dann ziemlich gruselig! Aber eins bleibt immer gleich: Dass ich meine Mieze echt lieb habe!!

Vier Freundinnen auf Schatzsuche


Sonntag, 16. Januar 2011

52 »Wie alt ist Cuicuilco?«

Teil 52 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Das Szenario wirkte auf geheimnisvolle Weise mystisch: Da standen schmuddelige Hochhäuser. Einst mögen sie weiß gestrahlt haben, doch längst liegt ein undefinierbarer schmutziger Belag auf dem einst sauberen Putz. Kahl und kalt ragten sie in den Himmel. Es sind triste Wohntürme für schwer arbeitende, schlecht bezahlte Menschen. Ihre Vorfahren waren einst die Erbauer von Pyramiden und Tempeln. Und mittendrin war die einst stolze Pyramide von Cuicuilco eher nur zu erahnen... ein Relikt aus uralten Zeiten. Unter meterdickem Erdreich hatte es unzählige Jahrhunderte, ja vielleicht sogar Jahrtausende überdauert. Im Leib der Erde versteckt.. hatte sie Ewigkeiten geschlummert.

Die mysteriöse runde Pyramide. Foto: W.J.Langbein
Immer wieder habe ich im Rahmen von Reisen durch Zentralamerika den Komplex von Cuicuilco besucht. Immer wieder stieg ich auf den Pyramidenhügel, suchte nach den alten Mauern. Und immer wieder wunderte ich mich darüber, in welch desolatem Zustand sich die alte Pyramide befindet.

Einst führte eine breite Treppe hinauf auf die oberste Pyramidenplattform. Vermutlich stand hier einst ein stolzer Tempel. War er auch rund angelegt, so wie die Pyramide selbst? Wurden, wie Sprachforscher dem Namen Cuicuilco entnehmen zu können meinen, rituelle Tänze von sakraler Bedeutung oben auf der Pyramide zelebriert? Welchen Göttern mögen sie gegolten haben? Was sollten sie bewirken?

Ein Schornstein ragte einen Steinwurf entfernt in den Himmel und spuckte Rauschwaden in die Luft. War dieser Schornstein für die manchmal beißende Luft verantwortlich? Oder waberten giftige Dämpfe von der Millionenmetropole herüber?

Üppiges Grün droht die Pyramide zu
überwuchern. Foto: W.J.Langbein
Informationen über Cuicuilco sind so leicht nicht zu finden. Erst 1922 entdeckte der amerikanische Archäologe Byron Cummings am Rande von Mexiko-City die geheimnisvolle Pyramide. Cummings erhielt die Genehmigung, Ausgrabungen durchzuführen. Große Mengen Erde mussten entfernt werden. Ja es mussten dicke Bäume gefällt werden, die auf dem Erdreich, das sich auf der Pyramide angesammelt hatte, wuchsen. Was Vielen wie ein natürlicher Erdhügel vorkam... war in Wirklichkeit eine unter Erde verborgene Pyramide.

Byron Cummings (1): »Die Pyramide war einst 60 Meter hoch, 129 Meter im Durchmesser an der Basis breit. Mindestens zweimal wurde die Pyramide vergrößert, wobei jedes mal eine neue Außenverkleidung aufgetragen wurde.« Mit anderen Worten: Sie wurde über einen längeren Zeitraum verändert, muss also längere Zeit als ein wichtiges Gebäude angesehen worden sein.

Wie alt aber ist dieses geheimnisvolle Bauwerk? Der britische Forscher und Experte für frühe mittelamerikanische Kulturen Cottie A. Burland (1905-1983) setzte sich in seinem Werk »Völker der Sonne« (2) auch mit der Pyramide von Cuicuilco auseinander. Seiner Überzeugung nach wurde das Bauwerk um 900 v.Chr. begonnen und u, 350 v.Chr. wieder dem Verfall preisgegeben worden. Je intensiver in Sachen Cuicuilco recherchierte, desto mehr stark voneinander abweichende Altersangaben fand ich. Leo Deuel zum Beispiel nennt gleich zwei unterschiedliche »Geburtsstunden« von Cuicuilco (3), nämlich 600 v.Chr. oder 300 v.Chr. Miloslav Stingel (geboren 1930), kenntnisreicher Experte in Sachen alter Völker, kommt zu einem weiteren Resultat. Seiner Meinung nach wurde Cuicuilco erst 200 v. Chr. begonnen (4).

Tanzten hier einst Anhänger eines
uralten Kults? Foto: W.J.Langbein
Je mehr Experten sich über das mysteriöse Denkmal am Rande von Mexiko-Ciry geforscht und publiziert haben, desto mehr voneinander abweichende Ergebnisse wurden postuliert... und das stets im Brustton der Überzeugung: »Meine Zahlen stimmen!« Es ist schon kurios: Cuicuilco erstrahlte nach Meinung des einen Experten in imposantem Glanz.... Jahrhunderte nachdem die Kultur von Cuicuilco nach Meinung eines anderen Experten längst untergegangen war. Wann die mysteriöse Pyramide erbaut wurde.... darüber diskutieren die Gelehrten, ohne freilich zu einem übereinstimmenden Ergebnis zu kommen! Bei allem Streit um die Wahrheit herrscht in der Gelehrtenwelt aber Übereinstimmung in einem Punkt: Cuicuilco darf auf keinen Fall Jahrtausende alt sein. Zu genau diesem Resultat aber kommt der Geologe George E. Hyde. Hyde stellte fest, dass ein Teil der Pyramide beim Ausbruch eines nahegelegenen Vulkans mit Lava übergossen wurde.

Der Vulkan brach, so Hyde, vor etwa 7000 Jahren aus. Demnach müsste also die Pyramide von Cuicuilco mindestens 7 000 Jahre alt sein, also zu einer Zeit entstanden sein, zu der es nach klassischer Archäologie noch gar keine Azteken gab. Ein Bauwerk, das vor sieben Jahrtausenden teilweise von Lava verschlungen wurde... muss vor mehr als sieben Jahrtausenden errichtet worden sein!

Fachautor und Archäologe Ron Willis verfasste 1973 einen umfangreichen Artikel über Cuicuilco. Er konstatierte (5): »Obwohl die Pyramide etwas Aufsehen erregte, wurde der Fund bald von vielen Archäologen ignoriert, einfach weil die Pyramide eine komplexe Zivilisation in Mexiko voraussetzen würde, die mehrere Jahrtausende vor Ägypten und Sumer bestand.«

Bis heute ist Cuicuilco rätselhaft geblieben. In der Nähe der Pyramide soll es einst weitere »Erdhügel« gegeben haben, unter denen wohl ebenfalls Pyramiden schlummerten. Einst gab es wohl einen groß angelegten Tempelkomplex, deren Bedeutung in Vergessenheit geraten ist.

Der Zustand 2005
Foto: W.J.Langbein
Vor Ort versicherte mir ein an Ausgrabungen beteiligter Archäologe, dass die Pyramide von Cuicuilco auf einer künstlich geschaffenen Plattform steht. Irgendwann wurde der Boden nivelliert und gepflastert bevor darauf die Pyramide errichtet wurde: wann und von wem?

Radiocarbon-Datierungen weisen auf ein sehr hohes Alter der runden Pyramide von Cuicuilco hin. Im Bereich des Fundaments der Pyramide wurden unter der Lavaschicht organische Substanzen entdeckt, die immerhin 4161 Jahre alt sind. Ist die Pyramide nun sieben Jahrtausende... der »nur« 4200 Jahre alt?

Es ist an der Zeit, dass Cuicuilco endlich gründlich erforscht wird. Fragen über Fragen warten noch auf Antworten. Byron Cummings war überzeugt, dass einst der wichtige Pyramidenkomplex einst durch massive Dämme vor Überschwemmungen geschützt werden sollte. Mir scheint aber, dass Cuicuilco für die Mehrheit heutiger Wissenschaftler ein viel zu heißes Eisen ist....




Fußnoten
(1) Cummings, Byron: »Ruins of Cuicuilco May Revolutionize Our
History of Ancient America«, »National Geographic
Magazine«, 1923/ 44
(2) Burland, Cottie A.: »Völker der Sonne«, Bergisch Gladbach 1982
(3) Deuel, Leo: »Kulturen vor Kolumbus«, Bergisch Gladbach 1989
(4) Stingl, Miloslav: »Indianer vor Kolumbus«, Leipzig 1987
(5) Willis, Ron: »Cuicuilco ---«, »Info Journal«, 3:1-7, 1973, nachgedruckt in
Corliss, William: »Ancient Man: A Handbook of puzzling artifacts«, Glen
Arm, 2. Auflage November 1980, S. 210-213
(6) Siehe auch Siebenhaar, Wolfgang: »Gelehrtenstreit um die Pyramide von
Cuicuilco«, »Ancient Skies«, deutsche Ausgabe, Mai/ Juni
1984

»Das Tor in eine andere Welt?«
Teil 53 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23.01.2011


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Samstag, 15. Januar 2011

Samstagsrezension Helga König : Weinland Nahe - Wilhelm Stiehl und Werner Hofäcker

Da ich beabsichtige, ab sofort auf meiner Rezensionsplattform http://www.rezensionen.co/ nun täglich auch Weine vorzustellen (Rezensionen zu Weinbüchern finden Sie dort auch unter der Rubrik Wein http://helga-koenig-wein.blogspot.com/, möchte ich heute auf "Ein- Buch-lesen" den Wein- und Spezialitätenführer "Weinland Nahe" von Wilhelm Stiehl und Werner Hofäcker rezensieren, von dem ich hoffe, dass er erneut aufgelegt wird. Leider gibt es nämlich über dieses Weingebiet nur wenig brauchbare Literatur. 

Ich schätze die Weine der Nahe ganz besonders und habe dort schon an vielen Weinverkostungen teilgenommen, nicht zuletzt an der großen jährlichen "VDP- Weinverkostung", die viele  Jahre hindurch ausschließlich in Bad Kreuznach stattgefunden hat.

Weinland Nahe
Die Nahe ist ein idyllisches Flußtal mit naturräumlicher Umgebung. Die erste Weinberglage im Westen ist der Schloßberg bei Martinstein und die letzte im Osten das Bingerbrücker Hildegardisbrückchen. Entlang von 60 Flußkilometern erstreckt sich  eine Rebfläche von 4650 Hektar mit rund 23 Millionen Rebstöcken, die etwa 45 Millionen Flaschen Wein einbringen. Der Weinbau spielt in der Wirtschaftsstruktur der Region eine nicht unbedeutende Rolle, denn über 50% der Dörfer gelten als reine Weinbaugemeinden. Keine andere Region in Rheinland-Pfalz übrigens ist so eng mit Kur- und Erholungstourismus verbunden.

Die Autoren berichten u.a. nach einem kleinen historischen Exkurs von der Weinmetropole Bad Kreuznach. Dort wurde die erste Kirche der Stadt einem Weinheiligen gewidmet. Bei diesem handelt es sich um den Missionar Kilian, der im 7. Jahrhundert die Franken zum Christentum bekehrte. Diese Kirche wurde  der Kontrastpunkt zum römischen Kastell. Ein kleiner textlicher Stadtspaziergang   zeigt dem Leser die schönen Ecken dieser Kurstadt, deren salzhaltige Quellen bereits die Kelten und später die Römer zu schätzen wussten.

Das Klima an der Nahe, so erfährt man, ist für Weine geradezu ideal. Das hängt mit den Einflüssen des Oberrheingrabens, sowie dem schützenden Mantel von Soonwald, Hunsrück und Pfälzer Wald zusammen. Der Leser wird über die geologische Beschaffenheit und die Landschaftsgestaltung im Buch recht gut informiert und zwar auch über das Quarzporphyrmassiv um Bad Münster und Bad Kreuznach, den 1 Kilometer langen  und 200 Meter hohen "Rotenfels". Bei ihm handelt es sich  um die höchste Felswand nördlich der Alpen.

Foto: sahradesertfox, Wikipedia
GNU-Lizenz für freie Dokumentation
In der Folge lernt man die Sehenswürdigkeiten an der Nahe kennen, unter ihnen auch das Städtchen Meisenheim, das man das "Rothenburg an der Nahe " nennt und das man unbedingt besuchen sollte, wenn man sich in die Region begibt. Besuchen sollte man auch  den "Disibodenberg".  Auf ihm findet man die Ruinen einer uralten Benediktinerabtei. Es handelt sich um eine der ältesten Klosteranlagen Deutschlands. Dort lebte u.a. der aus Irland stammende Eremit Disibod (590-671)  und später auch die berühmte Hildegard von Bingen (1098-1179).

Sehr gut werden die einzelnen Rebsorten an der Nahe näher erklärt und zu den verschiedenen Spezialitäten aus Rebe und Wein Stellung genommen, bevor man sich in Weinwanderwege und entsprechende Routenvorschläge vertiefen kann. Restaurants werden vorgestellt, darunter auch das Restaurant " Im Gütchen" in Bad Kreuznach. Dort war ich schon einige Male essen und kann den Besuch nur empfehlen. Das spätbarocke Haus ließ Andreas van Recum, der große Förderer des Naheweinbaus zu Beginn des 19. Jahrhunderts um zwei Flügel erweitern. "Im Gütchen" findet man auf der Weinkarte  Gewächse aus renommierten Betrieben, deren Genuss unvergesslich ist.  Johann Lafers Stromburg  wird natürlich auch beschrieben. Ich habe das Gourmetrestaurant dort einmal besucht und  empfehle es gerne weiter. Dass Speis und Trank dort auf hohem Niveau angesiedelt sind, muss ich nicht näher erwähnen. Die Weinkarte ist wirklich imposant. Die Autoren übertreiben in ihrer Beschreibung nicht.

Foto: Reisen aus Leidenschaft, Wikipedia
Creative Commons
Anschließend werden 151 Weinerzeuger, Weingüter, Winzergenossenschaften und Kellereien an der Nahe sehr gut thematisiert. Genannt werden immer die Anschrift, die Weinlagen des jeweiligen Erzeugers, die angebauten Rebsorten und man erhält weitere Infos zu den einzelnen Betrieben. Dazu gehören auch die Öffnungszeiten. Eines meiner Lieblingsweingüter wird auf Seite 82 beschrieben. Es befindet sich in Monzingen. "Weingut Emrich-Schönleber" ist ein hochprämiertes Weingut, dessen Rieslinge zum Niederknien gut schmecken.

In Oberhausen befindet sich das "Weingut Hermann Dönhoff", dessen Rieslinge wohl die besten unseres Landes sind. Helmut Dönhöff, der hochdekorierte Weinbauingenieur macht solch filigrane Weine, dass man bei jedem Tropfen erneut ins Erstaunen kommt, wie dererlei überhaupt möglich ist.

Bild: Johnny Chicago, Wikipedia
GNU-Lizenz für freie Dokumentation
Im "Weingut Crusius" halte ich mich auch immer wieder gerne auf. Dr. Peter Crusius, dessen Vorfahren seit 1586 in Traisen ansässig waren, hat  in Stuttgart-Hohenheim und in Geisenheim Landwirtschaft und Weinbau studiert und promovierte über "Mengen-Güte-Gesetz" Bei ihm wird durch Rebenschnitt der Durchschnittsertrag auf maximal 70 hl/ha reduziert, um die Qualität der Weine zu erhöhen. Seine Weine  zeichnen sich durch  Rasse, Eleganz und  ein hohes Lagerpotenzial aus.  Seine  Weißburgunder  trinke ich lieber als seine Rieslinge. Doch das ist Geschmackssache.

Wer an die Nahe reist, sollte sich das "Weingut-Krüger-Rumpf" nicht entgehen lassen, dessen Weine sich durch  jugendliche Frische  auszeichnen. In Stefan Rumpfs Weingut  aus dem 18. Jahrhundert gibt es eine Weinstube, die die Autoren gottlob nicht vergessen haben zu erwähnen. Diese Weinstube mit einem schönen Garten, in dem man im Sommer in idyllischer Atmosphäre draußen sitzen kann, um die Weine des Hauses zu genießen.  Alles wird genau so beschrieben, wie es auch tatsächlich ist. Einfach nur wunderschön.

In diesem Buch wird nichts übertrieben. "Weinland Nahe" ist ein grundsolider Wein- und Spezialitätenführer, den ich gerne empfehle.



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Freitag, 14. Januar 2011

Freitagskolumne: Kommunismus und Kapitalismus – Zwei Seiten einer Medaille

Ursula Prem
Die Vorsitzende der LINKEN, Gesine Lötzsch, plädierte kürzlich in einem Beitrag für die Zeitung Junge Welt offen dafür, mögliche Wege zum Kommunismus auszuprobieren.

Wahrscheinlich können Sie die Frage, ob Ihnen Kommunismus oder Kapitalismus sympathischer ist, in Sekundenschnelle beantworten. Beide Begriffe sind Reizwörter, auf die wir gewohnheitsmäßig reagieren wie die Pawlowschen Hunde, je nach Neigung mit gesträubtem Fell oder triefendem Speichel. Doch bringt uns diese einfache Unterteilung der Welt in Zukunft weiter? Sind nicht vielmehr beide Prinzipien inzwischen derart aufgebauscht und mit meist unrealistischen Vorstellungen besetzt, dass sie nur noch eines können: an die niedrigsten Instinkte der Menschen appellieren? Und ist es nicht sogar fraglich, ob sie jemals etwas anderes waren als der Versuch, für die jeweils Machthabenden legale Möglichkeiten zu erschaffen, von der Leistung anderer zu profitieren, damit sie keinen rechtswidrigen Diebstahl begehen müssen?

Machen wir uns nichts vor: Die Menschen sind in ihren grundlegenden Antrieben gleich. Egal, in welchem System sie leben. Jede in sich geschlossene Gesellschaft, sei es eine Familie, eine Firmenbelegschaft, ein einzelner Staat oder ein bürokratisches Monstrum wie die Europäische Union, besitzt ein in sich unveränderbares Verhältnis verschiedener menschlicher Charaktere. Ein kluger Unternehmer sagte einmal, erfahrungsgemäß seien drei Prozent der Belegschaft Intriganten. Sie hinauszuwerfen habe wenig Sinn, denn dann entwickelten sich sofort drei neue Prozent. Was immer man tue, diese Quote sei nicht wirklich veränderbar.

Unterstellt man, dass solch ein sozialpsychologisches Naturgesetz tatsächlich existiert, lässt es sich auch auf andere menschliche Eigenschaften anwenden: Faulheit und Fleiß, Machtstreben, Schaffensfreude oder Abzockermentalität: Sie alle sind in jeder denkbaren Gesellschaftsform gleich verteilt und werden immer Mittel und Wege finden, sich auszuleben. Der Volksmund hat diesem Prinzip ein einmaliges Denkmal gesetzt, nämlich mit dem Spruch »Dreck schwimmt immer oben!«, der es in wenigen Worten auf den Punkt bringt.

Klar: Jemand mit der Mentalität eines Heuschreckeninvestors würde seine Mitmenschen unter kommunistischen Vorzeichen mit einem unerfüllbaren Plansoll zwiebeln und umgekehrt. Dass er unter anderen politischen Verhältnissen mit bloßen Händen Kartoffeln aus der Erde graben würde, ist mehr als zweifelhaft.

Wer oben steht und wer unten, das ist viel weniger vom politischen System abhängig, als wir es landläufig glauben. So gesehen ist die Unterscheidung zwischen Kommunismus und Kapitalismus eine äußerliche und damit überflüssige. Die Kategorien sollten vielmehr stets von der kleinsten Einheit ausgehend gebildet werden: bezogen auf den einzelnen Menschen. Die Frage sollte also lauten: Nützt die Tätigkeit, für die ein Mensch sein Geld bekommt, der Gesamtheit? Steht seinen Einkünften eine adäquate, wie auch immer geartete Leistung gegenüber, die das Leben eines anderen (oder der Gemeinschaft) leichter, schöner oder sonst wie besser macht? Oder hat er sich lediglich, gleich einem Vampir, zwischen Geldquelle und Leistungserbringer geschaltet, ohne selbst einen nenneswerten Mehrwert zu erbringen?

Vergessen wir also Kommunismus und Kapitalismus. Es sind nichts als unbrauchbare Kategorien, die schon gestern nicht wirklich funktioniert haben. Wie sollten sie es heute, in einer immer unübersichtlicheren Welt? Fangen wir lieber bei uns selbst an und fragen wir uns, wofür wir unser Geld bekommen …


Meldung zum Thema auf t-online:

Ein Buchtipp zu Thema:


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