Sonntag, 19. Januar 2020

522. »Sieben Erden und ›unmögliches‹ Wissen«

Teil 522 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kaum ein Student
interessierte sich für die
»Legenden der Juden«.
Bei Prof. Ernst Bammel (*1923; †1996) studierte ich emsig mehrere Semester Judaistik in der altehrwürdigen Universitätsstadt Erlangen. Mit einigen wenigen anderen Studenten übersetzten wir Texte von Qumran ins Deutsche. Auf dem »offiziellen« Lehrplan Fachbereich evangelische Theologie kamen die hochinteressanten Seminare Prof. Bammels gar nicht vor.

Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen brachte für uns Studenten »Scheine«, die bestätigten, dass uns Prof. Bammel in die Wissenschaft der Judaistik eingeführt hatte. Doch besagte »Scheine« waren für das Weiterkommen im Studium ohne jede Bedeutung. Deshalb wurden Prof. Bammels Veranstaltungen nur von einigen vereinzelten Studenten besucht. Da hat ein hochangesehener Professor der Theologie spannende Veranstaltungen über Jesu Welt angeboten, wie sie in den Qumran-Schriften und den »Legenden der Juden« beschrieben wird. Meiner Meinung nach waren die Seminare Professor Bammels unverzichtbar für jeden Suchenden, der Jesus und seine Welt besser verstehen wollte. Ich kann es bis heute nicht nachvollziehen: Kaum ein Student der evangelischen Theologie zeigte auch nur das leiseste Interesse.

 Prof. Bammel war es, der mich Ende der 1970er Jahre auf die »Legenden der Juden« aufmerksam machte. Von ihm erfuhr ich, dass es dort Hinweise auf fremde Planeten oder Erden gab. In meinen Notizen, die ich damals anfertigte, hielt ich fest: »Nach Louis Ginzberg gibt es sieben Welten oder Erden. Siehe ›Legends of the Jews‹!«

Ich suchte im siebenbändigen Werk »Legends of the Jews« von Ginzberg nach Informationen über Welten/ Erden im Weltall und wurde rasch fündig. Sieben »Erden« wurden aufgelistet: »erez«, »adamah«, »arka«, »harabah«, »yabbashah«, »tebel« und »heled«. Ginzberg vermerkt (2): »Unsere eigene Erde wird ›heled‹ genannt.« Ich suchte bei Ginzberg nach weiteren Welten/ Erden und würde wieder fündig. Es gab eine zweite Auflistung von wiederum sieben »Erden«. Sie ist nicht identisch mit der ersten Liste, mit der sie nur in Teilen übereinstimmt: »erez«, »adamah«, »arka«. »ge«, »neshiah« und »ziah«. Drei fremde »Erden« tauchen in beiden Listen auf. Der wohl gravierendste Unterschied: In Liste 1 heißt unser Heimatplanet »heled«, in Liste 2 aber »tebel«. Kurios: »tebel« ist in Liste 1 der Name einer fremden »Erde«. Fakt ist, dass es in den »Legends of the Jews« ganz klare Hinweise auf fremde »Erden« gibt.

Zwischen den »Erden« gibt es den »abyss«, lesen wir bei Louis Ginzberg (3). Ich darf daran erinnern, dass Louis Ginzberg (*1873; †1953) sein Lebenswerk in deutscher Sprache verfasste. Der deutsche Text wurde ins Englische übertragen. Bislang ist nur die englischsprachige Version erhältlich. Es ist an der Zeit, dass das deutschsprachige Original endlich publik gemacht wird. So können wir nur darüber spekulieren, was wohl im Original steht, wo wir in der Übersetzung »abyss« lesen. »Abyss« bedeutet, ich habe mehrere Wörterbücher konsultiert, »Abgrund«, »Schlund«, »Hölle« und »Unendlichkeit«. Die Vorstellung von »Erden«, die voneinander durch »Abgründe« getrennt sind, erscheint uns heute als zutreffendes Bild vom Kosmos. Das Bild von »Erden«, die sich in der Unendlichkeit förmlich verlieren, wird in den »Legenden der Juden« sehr anschaulich beschrieben.

Man kann nur darüber staunen, wie modern und korrekt die Vorstellung von fremden »Erden« in den »Legenden der Juden« in verständliche Worte gefasst wurde. In der Bibel suchte ich vergeblich nach vergleichbaren Hinweisen auf fremde »Erden« in den Abgründen des Alls. Fündig wurde ich bei meiner Suche allerdings auf unerwartete, korrekte Beschreibungen von der wahren Gestalt von Planet Erde.

Um die ursprüngliche Aussage eines Textes zu erkennen, bedarf es oftmals geradezu detektivischer Recherche: im hebräischen Original der Texte. Dort gibt es viel zu entdecken, was man in Übersetzungen vergeblich suchen wird. Ich will den Übersetzern keineswegs böswillige Falschübersetzungen unterstellen. Die Übersetzer ließen vermutlich erstaunliche Erkenntnisse über das wissenschaftlich korrekte Weltbild früher biblischer Autoren gar nicht bewusst verschwinden. Sie waren voreingenommen und lasen nur das aus den Texten heraus, was ihrer Meinung nach nur darin stehen konnte.

Beim Propheten Jesaja (4) heißt es lapidar: »Er (Gott Jahwe) thront über dem Kreis der Erde.« Der Bibelübersetzer stellte sich dabei die Erdscheibe vor, die zu Füßen Jahwes lag. Ist das aber auch die Aussage des Originaltextes? Dort heißt es wortwörtlich (5): »Der (Jahwe) thronend auf Chug der Erde.«

Was aber ist »Chug«? Der Begriff leitet sich vom Verb »chagag« ab. »Chagag« bedeutete zunächst sich kreisend drehen oder rotieren. Im weiteren Sinne wurde daraus die tanzende Bewegung, schließlich Feste begehen, zelebrieren. Der niederländische Bibelforscher Karel Claeys (*1914; †1986) kommt nach sorgsamer Überprüfung aller Varianten von »Chug« im Alten Testament zu folgender Erkenntnis (6): »Beim Überdenken der einzelnen Begriffe wird deutlich, dass sie alle eine Umspannung, ein Umfassen, ein Bedecken oder Bekleiden eines bestimmten dreidimensionalen Körpers, und zwar eines rundlichen Körpers, bezeichnen.« Nach Karel Claeys muss es sich dabei um die »Kugelschale« oder ganz einfach »die Kugel« gehandelt haben.

Man kann also den eben zitierten Jesajavers auch so übersetzen: »Er (Jahwe) thront über der Kugel der Erde.« Erstaunliche Zusatzinformationen bietet Hiob (7):»Er (Jahwe) ... hängt die Erde über das Nichts.« Was Luther mit »Nichts« übersetzt, heißt im Hebräischen »belimah«. »Belimah« ist ein zusammengesetztes Wort, bestehend aus »beli« (ohne) und »mah« (etwas).  Wenn wir etwas näher beim Herbäischen bleiben wollen: »Er (Jahwe) hängt die Erde über das Nicht-Etwas.«

Was soll das »Nicht-Etwas«? Ich spekuliere etwas: In modernere Wissenschaftssprache übersetzt: Vakuum. Kombinieren wir Jesaja mit Hiob: Gott hängte die Erdkugel über das Nicht-Etwas. Wobei der Ausdruck für Kugel das Moment des Drehens enthält. Geht man also den Worten auf den Grund, erhält man diese Information: Die Erde wurde als eine sich drehende Kugel über oder im Vakuum gesehen.

Hinweise auf das Erdinnere dürfen im Alten Testament auch nicht fehlen. Nach Psalm 24 (8) gehört unser Planet Gott Jahwe, auch »was darinnen ist«. Was aber ist im Inneren der Erde? Aufschluss gibt wiederum ein Psalm, der in der heutigen Übersetzung eigentlich unverständlich ist. Im Psalm 136 heißt es (9) über Gott Jahwe: »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Der die Erde über den Wassern ausgebreitet hat, und seine Güte währet ewiglich.« Wie ist »der die Erde über den Wassern ausgebreitet hat« zu verstehen?

Wo »majim« im Hebräischen steht, da wird gewöhnlich Wasser übersetzt. Der Sprachkundler und Lexikograph König sieht dies weitaus differenzierter. So schreibt er in seinem Lexikon (10), »majim« sei als »leicht strömende und zerrinnende Masse«. zu verstehen Unter diesem Gesichtspunkt erhält der Psalmvers eine ganz andere Bedeutung: »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich. ... Der die Erde über der leicht strömenden und zerrinnenden Masse ausgebreitet hat.«

Interessant ist auch das Verb »ausbreiten«. Im Hebräischen wird »raqa« verwendet. Was bedeutet es? Die spezielle, konkrete Bedeutung wird klar, wenn wir uns verwandte Begriffe ansehen: »raq« heißt dünn sein, »raqqah« das Dünne. Ein Vergleich mit stammverwandten Wörtern aus dem Arabischen, Äthiopischen, Assyrischen und Syrischen, aber auch mit dem nachbiblischen Hebräischen legt eine ganz spezielle Bedeutung nahe, wie Karel Claeys ausführt (11) nämlich »das Ausbreiten einer dünnen Schicht«.

Eine Überprüfung von drei Vergleichsstellen im Alten Testament bestätigt diese Übersetzung. Bei Jesaja (12) wird von einem Künstler berichtet, der ein »Bild gießt«. Der Goldschmied überzieht es dann mit einer dünnen Schicht Goldes. Im 2. Buch Mose (13) geht es um die Herstellung von Goldplatten, die dünn gehämmert, also ausgedehnt wurden. Auch im vierten Buch Mose wird ein kunsthandwerklicher Vorgang beschrieben (14): Räucherpfannen wurden zu dünnen Blechen umgearbeitet. In allen Fällen beschreibt »raqa« eindeutig einen konkreten Vorgang, nämlich das Überziehen mit einer dünnen Schicht.

So gelangen wir zu einer wortgetreuen Übersetzung: »Danket dem Herrn, denn er ist freundlich. … Der die Erde über der leicht strömenden und zerrinnenden Masse in einer dünnen Schicht ausgebreitet hat.«

Für den Menschen zu Beginn des dritten Jahrtausends gibt es keinen Zweifel an der Kugelgestalt der Erde. Auch über das Erdinnere weiß er Bescheid. Die Erde ist keineswegs ein kompakter, harter Ball. Vielmehr schwimmen die Erdteile, wie es in einem populären Lexikon heißt (15) »wie Eisschollen im Wasser auf dem schweren magmatischen Untergrund«. Mit anderen Worten: Die Erdteile, die Kontinente und Länder sind eine dünne Schicht Erde, die auf dem aus Magma bestehenden weicheren Erdinneren driftet. Auf dem weich-zähflüssigen Brei ruht eine verhältnismäßig dünne Kruste. Dieser durch modernste geologische Forschungen bestätigte Sachverhalt wird bereits im Psalm 136 äußerst prägnant und zutreffend beschrieben, wenn man den ursprünglichen Sinn des hebräischen Wortlauts sorgsam rekonstruiert: »Der (Gott Jahwe) die Erde über der leicht strömenden und zerrinnenden Masse in einer dünnen Schicht ausgebreitet hat.«

Das Alte Testament ist in hebräischer Sprache verfasst. Wer meint, es sei leicht, die richtige Übersetzung zu erstellen, irrt. Übersetzen ist häufig nicht von Interpretieren zu unterscheiden. Es gibt selten eine eindeutige Variante. Frühere Übersetzer irrten. Sie unterstellten den Verfassern das falsche Weltbild von der Erde als Scheibe. Etwas anderes durfte im »Alten Testament« nicht stehen. Also übertrugen sie die Texte entsprechend, wobei sie ihre Voreingenommenheit zu bestätigen suchten. Geht man aber unvoreingenommen an die hebräischen Aussagen, versucht man der ursprünglichen Bedeutung der Worte auf den Grund zu gehen, dann entdeckt man manchmal in uralten Versen ein unglaublich modernes Weltbild: Die Erde ist keine Scheibe, sondern eine Kugel im Vakuum des Alls. Und unter der harten Erdkruste, unter der dünnen harten Erdschicht gibt es Zähflüssiges. Darauf schwimmen die Erdteile wie Eisschollen auf dem Wasser.

Dieses Wissen scheint schon vor Jahrtausenden bekannt gewesen zu sein. Die »Legends of the Jews« enthalten konkrete Hinweise auf fremde Planeten. In Schriften des »Alten Testaments« finden sich Beschreibungen der Erde als sich im All drehendeKugel und auf das »Innenleben« der Erde. Woher stammt derlei eigentlich unmögliches Wissen?

Fußnoten
(1) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews«, Band 1 »From the Creation to Jacob«, Seite 10, 10. Zeile von oben bis Seite 11, 7. Zeile von oben. Übersetzung Walter-Jörg Langbein.
(2) Ebenda, Seite 113, 13. Zeile von unten - Seite 115, 12. Zeile von unten. Übersetzung Walter-Jörg Langbein.
(3) Ebenda, Seite 10, 11. Zeile von oben
(4) Der Prophet Jesaja Kapitel 40, Vers 22, zitiert aus »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung Martin Luthers«, Stuttgart 1972, S.790
(5) Vom Verfasser aus dem Hebräischen ins Deutsche übertragen.
(6) Claeys, Karel: Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft, Stein am Rhein 1987, S. 460
(7) Das Buch Hiob Kapitel 26, Vers 7, zitiert aus »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung Martin Luthers«, Stuttgart 1972, S.584
(8) Psalm 24, Vers 1
(9) Psalm 136, Verse 1 und 6, zitiert aus »Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments nach der Übersetzung Martin Luthers«, Stuttgart 1972, S.706
(10) König, E.: »Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament«, Leipzig 1936
(11) Claeys, Karel: »Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft«, Stein am Rhein 1987, S. 630-639
(12) Der Prophet Jesaja Kapitel 40, Vers 19
(13) Das zweite Buch Mose Kapitel 39, Vers 3
(14) Das vierte Buch Mose Kapitel 17, Verse 3-4
(15) »Bertelsmann Lexikothek«, Band 5, Gütersloh 1983, S. 363

Zum Foto
Foto 1: Kaum ein Student unteressierte sich für die Legenden der Juden.
Foto: Jesus hinter der Marienkirche zu Bad Segeberg. Foto Walter-Jörg Langbein, Sommer 2019.



523. »Meister der Intelligenz und Wissenschaft«,
Teil 523 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26. Januar 2020

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Sonntag, 12. Januar 2020

521. »Tebel, die zweite Erde«

Teil 521 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kain soll auf einen fremden
Planeten verbannt worden sein
Adam wurde, so berichten die »Legenden« aus dem Paradies geworfen. Wir verstehen »Paradies« und »Garten Eden« als ein und denselben Ort. Wir bezeichnen das biblische Paradies auch als den »Garten Eden«. Im geheimnisvollen »Zohar« (andere Schreibweise: »Sohar«) aber wird deutlich zwischen beiden unterschieden. »Zohar«, zentraler Bestandteil der »Kabbala« (zu Deutsch »das Überlieferte«), beschreibt »Paradies« und »Eden« als zwei völlig unterschiedliche Orte! Es mutet wie eine Idee aus dem Script eines Science-Fiction-Films an, der uns für sehr viele Dollarmillionen wahrhaft kosmische Welten präsentiert.

Nach dem »Zohar« (1) »beinhaltete Eden dreihundertundzehn Welten«. Louis Ginzberg erklärt in einer Fußnote (2), dass sich »Eden« nach »Zohar I, 125a« nicht auf der Erde, sondern in himmlischen Gefilden befindet, und zwar im siebten Himmel oder darüber. Sollte es sich bei »Eden« also gar nicht um den idyllischen Paradiesgarten auf Erden handeln? Was ist mit »dreihundertundzehn Welten« gemeint? Dürfen wir spekulieren? Handelt es sich bei »Eden« um eine Ansammlung von Sternen mit 310 Planetenwelten? Wie dem auch sei: In den »Legenden der Juden« geht es reichlich kosmisch zu. Da werden fremde Erden und diverse Himmel beschrieben, von denen einige bewohnt sind.

Manchmal ist es unklar, ob mit dem einen oder dem anderen Himmel ein fremder Planet gemeint sein könnte. Da geht es um Reisen zwischen fremden Welten und der Erde. Der biblische Adam reist zu anderen Planeten und bleibt irgendwie verschollen. Mir scheint, im Lauf vieler Jahrhunderte ist die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwommen. Im Lauf der Jahrhunderte wurden aus den Himmeln der Himmel, der von den Dahingeschiedenen bevölkert wird.

Rekapitulieren wir: Adam fliegt aus dem Paradies, wird nach »erez« transportiert und von dort von Gott nach »adamah« geschafft. Auf »adamah« werden Kain, Abel und schließlich Seth geboren. Kain ermordet Abel und wird zur Strafe auf »erez« verbannt. Als er Reue zeigt bringt ihn Gott nach »arka«. Ob Kain freilich sein Leben auf »arka« genießen konnte, muss dahingestellt bleiben. Ist doch überliefert, dass sich auf jener Welt eine »Hölle« befand. »Engel der Zerstörung« bewachen hier die »Seelen der Bösen« wie Gefängnisaufseher Insassen in einem kosmischen Alkatraz (3). Wurden sie, wie ich 1981 formulierte, in »Lagern« als Gefangene Gehalten?

Foto 2: Eva wird nicht als Reisende
zu fremden Planeten erwähnt.
Fresko (1475) in der Dreieinigkeitskirche
von Hrastovlje ( Slowenien )
von Johann von Kastav.
Seltsam: Über den weiteren Verlauf von Kains Planetenreisen finde ich nichts mehr in den »Legenden der Juden«. Wurde Kain, der Brudermörder, wieder auf die Erde geschafft, oder musste er bis ans Ende seiner Tage auf »arka« bleiben? Adam wird zu fremden Planeten gebracht, von Eva ist bei den fantastisch anmutenden Schilderungen nicht die Rede.

Das Wissen über weitere Planeten wird, so scheint mir, nur fragmentarisch überliefert. Oder Louis Ginzberg hat nicht alle in den äußerst umfangreichen »Legenden der Juden« auftauchenden Informationen über fremde Planetenwelten in sein äußerst wichtiges Sammelwerk aufgenommen.
Sehr interessant ist auch der Planet »herabah« – wörtlich »die Tockene«. Im Gegensatz zum Namen hatte er reichlich Wasser in Form von Flüssen und Bächen zu bieten. Wasser, so berichten die »Legenden der Juden« gab es auch auf »Yabbashah«.

»Tebel« (4) schließlich,  »die zweite Erde«, war von »lebenden Kreaturen bevölkert«, von »365 Arten, alle grundlegend verschieden von jenen auf unserer Erde«. Auf »tebel«, so erfahren wir weiter aus den »Legenden der Juden«, lebten erschreckend aussehende Mischwesen, Kreaturen die nicht einer natürlichen Evolution entsprungen sein können. Bilder wie aus einem Gruselkabinett eines modernen Frankenstein werden plastisch beschrieben (5): »Manche haben Menschenköpfe auf dem Körper eines Löwen oder einer Schlange oder eines Ochsen; andere haben Menschenkörper mit den Köpfen jener Tiere. Außerdem wird Tebel bevölkert von menschlichen Wesen mit zwei Köpfen und vier Händen, in der Tat haben sie alle Organe zweifach mit Ausnahme des Leibes.«

Diese Beschreibung aus den »Legenden der Juden« erinnert mich an so manche reliefartige Darstellung an uralten indischen Tempeln, die ich vor Jahren besuchen durfte. Die Kleinstadt Konarak, am »Golf von Bengalen« gelegen, ist gut von Puri aus zu erreichen. Wer den indischen Bundesstaat Odisha besucht, sollte unbedingt die Tempelanlage von Konarak einplanen.

Die Bauarbeiten am »Sonnentempel« wurden vermutlich Mitte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich anno 1243, von König Narasimha Deva (Regierungszeit 1238 - 1264) in Auftrag gegeben. Bei meinem Besuch im November 1995 wurde emsig restauriert. Hunderte Arbeiter schufteten für wenig Geld nach altüberlieferten Methoden ohne heutige Geräte. Sie verarbeiteten Materialien wie vor rund 1.500 Jahren.

Foto 3:
Schlangen-
Mensch-
Wesen
Der »Wagen des Sonnengottes« ist reich mit unglaublich detailreich herausgearbeiteten Halbreliefs versehen. Der Reiseführer von Marco Polo erklärt (2): »In die … Mauern sind Blätter, Tiere, mystische Wesen, Musiker und Tänzer eingemeißelt. Zwei Löwen bewachen den Eingang. Auf jeder Seite des Tempels zertrampeln ein kolossaler Kriegselefant und ein Pferd gegnerische Krieger. Überlebensgroße Paare tanzen im erotischen Vorspiel.«

Im fast schon unüberschaubaren Getümmel der unterschiedlichsten Figuren werden die meiner Meinung nach besonders interessanten Nagas (Foto 3!) leicht übersehen. Viele europäische Besucher haben nur Augen für die erotischen Darstellungen. Nagas, »Schlangen«-Gottheiten, gibt es in verschiedenen Variationen: Manchmal treten sie als Mischwesen auf, als Mensch mit Schlangenkopf oder als Schlange mit Menschenkopf. Manchmal werden sie als vollständige Schlangen gezeigt. Es gibt aber auch Nagas mit Schlangenleib und mehreren Schlangenköpfen. Die Schlangengottheiten haben in der alten indischen Tradition erstaunliche, weil magische Fähigkeiten.

Foto 4: Konarak...
Mischwesen wie von Eusebius
beschrieben...
Auch heute neigen viele Wissenschaftler dazu, derlei Kreaturen als reine Hirngespinste oder »symbolisch gemeinte Darstellungen«  abzutun. Die mit reichlich Phantasie ausgestatteten Dichter sollen einfach unterschiedliche Tiere mit Menschen kombiniert haben, um ganz außergewöhnliche Wesen zu erschaffen, die in sich ganz unterschiedliche Fähigkeiten vereinten. Aber waren diese mysteriösen Wesen wirklich nur Produkte der menschlichen Erfindungsgabe?

Warum hört man nicht auf die antiken Historiker, die sich ganz konkret zu den monströsen Schöpfungen äußern? Historiker Eusebius zum Beispiel lässt auch nicht den geringsten Zweifel aufkommen: Monströse Mischwesen, Geschöpfe der Götter, hat es ganz real und in Fleisch und Blut gegeben (6):

»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter, Ergänzung des Autors) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

Foto 5: Auch am Dom zu Paderborn gibt es Mischwesen.

Weltweit gibt es diese Mischwesen: an indischen Tempeln in Stein, in den »Legenden der Juden« auf einem fremden Planeten und im fantastisch anmutenden Text des Historikers Eusebius. Gruselige Mischwesen machte ich auch am berühmten Paradiestor des Doms zu Paderborn aus. Teils erinnern die steinernen Monstrositäten an Saurier, teils vollkommen fremdartig.


Foto 6: Der Fantasie entsprungen... oder doch nicht…
(Dom zu Paderborn)

Was die Darstellungen in Wort und Bild aus alten Zeiten für mich wirklich zu schrecklichen Visionen macht? Man kann sie leider nicht mehr einfach nur als verrückte Fantasiegebilde abtun. Ich wünsche mir sehr, dass diese Kreaturen vor Jahrhunderten und Jahrtausenden nur als reine Fantasieprodukte entstanden sind. Ich hoffe sehr, dass die Horrorwesen, die Eusebius so plastisch beschrieb und die unbekannte Künstler vor Jahrhunderten am Paradiestor des Doms zu Paderborn anbrachten, nie real existiert haben.

Foto 7 ...Fantasie oder doch Realität von einst...
(Dom zu Paderborn)

Leider muss man aber davon ausgehen, dass derlei Grausamkeiten aus Fleisch, Blut und Knochen schon heute in geheimen irdischen Labors entwickelt werden. Aber auch ganz offiziell geht man schon sehr weit. Frankenstein lässt grüßen! Sommer 2019: Der japanische Stammzellenforscher Prof. Hiromitsu Nakauchi (*1952) darf mit offizieller Genehmigung der japanischen Regierung menschliche Zellen in Tierembryonen einpflanzen und so Mensch-Tier- Kreaturen erschaffen. Ich bin davon überzeugt, dass man in geheimen Labors schon heute noch viel weiter ist. Militärstrategen  sind daran interessiert, Tier-Mensch-Soldaten einzusetzen, die mehr Robotern als beseelten Lebewesen gleichen. Experimente, die theoretisch möglich sind, werden garantiert irgendwo verwirklicht, weil Experimente schon um ihrer selbst willen ausgeführt werden, oder einfach nur um auszutesten, was möglich ist.

» Japan erlaubt Züchtung von Mensch-Tier-Chimären« vermeldete »SPIGEL ONLINE« am 4.3.2019 in der Rubrik »Wissenschaft«. So oder so ähnlich formulierten es die Medien weltweit. Laut »ÄRZTE ZEITUNG« (online 31.7.2019)  hält der Vorsitzende des »Deutschen Ethikrates« Professor Peter Dabrock »das Verfahren auch in Deutschland für denkbar, weil bei den Versuchen keine aus Embryonen gewonnenen iPS-Zellen verwendet werden sollen«. Prof. Dabrok wird weiter wie folgt zitiert: »Wenn bei der Forschung keine Embryonen verbraucht werden, dann wären solche Versuche auch in Deutschland nach Embryonenschutzgesetz wie nach Tierschutzgesetz zulässig.« Einiges ist schon zulässig, möglich ist viel mehr. Was möglich ist, wird garantiert irgendwo in modernen »Frankensteinlabors« verwirklicht.

Was Ethikkommissionen dazu meinen, ist für die Experimente dort belanglos. Der Begriff »Fortschritt« wird von so manchem Experimentator sehr unethisch verstanden.

Foto 8: Adam am Baum des Lebens, Holzstich,
Mitte 16. Jahrhundert. Fotocollage gespiegelt.


Fußnoten
(1) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews«, veröffentlicht von der »Jewish Publication Society of America«, Taschenbuchausgabe, Baltimore 1998, Band 1, Seite 21, 12. und 13. Zeile von oben: »Eden, containing three hundred and ten worlds.« Übersetzung ins Deutsche Walter-Jörg Langbein.
(2) Ebenda, Band 4, Seite 30, Fußnote 84, 9.-14. Zeile von oben. Übersetzung ins Deutsche Walter-Jörg Langbein.
(3) Ebenda, Band 1, Seite 10, 13.-15. Zeile von unten. Übersetzung ins Deutsche Walter-Jörg Langbein.
(4) Ebenda, 3.-7. Zeile von unten. Übersetzung ins Deutsche Walter-Jörg Langbein.
(5) Ebenda, 8.-10. Zeile von unten. Übersetzung ins Deutsche Walter-Jörg Langbein.
(6) Zitiert nach Däniken, Erich von: »Die Augen der Sphinx/ Neue Fragen an das alte Land am Nil«, München 1989, S. 68 unten und S. 69 oben. Dort angegebene Quelle: Karst, Josef: »Eusebius Werke, 5. Band, Die Chronik, Leipzig 1911«

Zu den Fotos
Foto 1: Kain soll auf einen fremden Planeten verbannt worden sein (Foto: Kirche von Urschalling). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Eva wird nicht als Reisende zu fremden Planeten erwähnt. Fresko (1475) in der Dreieinigkeitskirche von Hrastovlje ( Slowenien ) von Johann von Kastav.
Foto 3: Am Tempel von Konarak tummeln sich Mischwesen mit Schlangenleib und Menschenköpfen (Nagas). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Konarak... Mischwesen wie von Eusebius beschrieben... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Auch am Dom zu Paderborn gibt es Mischwesen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der Fantasie entsprungen... oder doch nicht… Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 ...Fantasie oder doch Realität von einst... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Adam am Baum des Lebens, Holzstich, Mitte 16. Jahrhundert. Fotocollage gespiegelt.


522. »Sieben Erden und ›unmögliches‹ Wissen«,
Teil 522 der Serie
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von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19. Januar 2020


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