Sonntag, 11. November 2018

460 »Astronautengötter oder ein kosmogonischer Mythos?«

Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Unzählige Künstler ...
Wie ist das Leben auf unserem Planeten entstanden? Wie kam es zu den unterschiedlichen Arten und wie entstand der Mensch? Wer in der Schule aufgepasst hat, wer gelegentlich vermeintlich wissenschaftliche Dokumentationen über sich ergehen ließ, der hat keinen Zweifel mehr. Alles ist mit Prinzip Zufall und Darwins Weisheiten zu erklären. Aber sind wirklich alle Fragen beantwortet? Vor allem ist Allzweckwaffe Evolutionstheorie bewiesen und in der Welt der Wissenschaft allgemein anerkannt? Offenbar nicht. Michael Denton (1943) hat es auf den Punkt gebracht (1): »Letztendlich ist die Darwinsche Evolutionslehre nicht mehr und nicht weniger als ein großer kosmogonischer Mythos des 20. Jahrhunderts.«

Was wir als wissenschaftlich erwiesen glauben möchten, weil wir religiöse Antworten nicht mehr glauben möchten - »nichts weniger als ein großer kosmogonischer (2) Mythos? Kosmogonie lässt sich vom griechischen »kosmogonia«, »Welterzeugung« herleiten. Eine Kosmogenie bietet eine Erklärung für Entstehung und Entwicklung von unserem Planeten Erde und von allem, was darauf wächst, lebt und gedeiht.

Foto 2: ... versuchten sich am Thema...


Noch heute bieten vermeintlich klar denkende Zeitgenossen, die sich ausschließlich der Wissenschaft verpflichtet fühlen mythologisch-religiösen Erklärungen für das Werden auf unserer Erde Paroli. Alles wirklich und vermeintlich Religiöse wird herablassend abgelehnt. Aber letztlich wird nur eine Religion durch eine andere, pseudowissenschaftliche Religion ersetzt. Der britische Physikprofessor Henry Lipson (*1910; †1991) monierte süffisant (3): »Die Evolution wurde in einem gewissen Sinne zu einer wissenschaftlichen Religion; fast alle Wissenschaftler haben sie akzeptiert, und viele sind darauf eingestellt, ihre Beobachtungen zu ›verbiegen‹, dass sie mit ihr übereinstimmen.«


Wird also lediglich alte durch neue Mythen ersetzt? Studiert und vergleicht man den kosmogonischen Mythos mit diversen religiös-mythischen Kosmogonien, wird ein wesentlicher Unterschied deutlich. Der moderne Mythos baut auf den allgegenwärtigen Faktor Zufall, die uralten religiös-mythischen Kosmogonien gehen von gelenkter Evolution aus, wobei Götter die Entwicklung vorantreiben. Wenn wir eine vollständige Geschichte unseres Planeten und der Menschheit schreiben wollen, müssen wir endlich die uralten Mythen einbeziehen und dürfen sie nicht mehr als unglaubwürdige Ammenmärchen abtun. Wir müssen unser Wissen hinterfragen, wenn altehrwürdige Mythen mehr zu wissen scheinen als wir Jetztmenschen, die wir uns so viel auf unsere Wissenschaftlichkeit einbilden.

F.3: Adam und Eva
Prof. Dr. Pierre Grimal (*1912; †1996) war ein bedeutender französischer Altphilologe und Althistoriker. Er gilt auch heute noch als einer der einflussreichsten und wirkkräftigsten klassischen Philologen des 20. Jahrhunderts. In Anerkennung seiner immensen wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Grimal zum »Ritter der Ehrenlegion« ernannt. Besonders wichtig ist das dreibändige Werk »Mythen der Völker«, das Prof. Grimal schon 1963 herausgab. In seinem einleitenden Beitrag (4) zu Band 1 schrieb der Gelehrte (4): »Denn der Mythos – und auch dies ist eine seiner grundlegenden Eigenarten – ist ein Band zwischen Vergangenheit und Zukunft.«

Dr. Bronisław Kasper Malinowski (*1884; †1942) stammte aus einer polnischen Adelsfamilie, studierte in London und wurde einer der bedeutendsten Kulturanthropologen überhaupt. Sein Werk »Argonauten des westlichen Pazifik« entwickelte sich rasch zum Bestseller und machte ihn weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt. Bereits 1926 erschien sein Buch »Myth in Primitive Psychology« in London und ist heute als eBook erhältlich. Dr. Malinowski schreibt (5): »Mythos, so wie er in einer primitiven Gemeinschaft existiert, ist nicht nur eine erzählte Geschichte, sondern gelebte Wirklichkeit. Er ist nicht von fiktivem Naturell in der Art unserer heutigen Romane,  sondern er ist eine lebende Wirklichkeit, von der man glaubt, dass sie sich einst in uranfänglichen Zeiten tatsächlich ereignete, und die nach wie vor die Welt beeinflusst.«

Zum Glück sind die Mythen, wie Prof. Dr. Pierre Grimal konstatiert (6), »in allen Gebieten recht zahlreich«, so dass wir zahlreiche »Bänder« zur Verfügung haben, die uns mit der Realität urzeitlicher Geschehnisse verbinden. Wir müssen aber diese Wege in die Vergangenheit nutzen, wollen wir uns über womöglich fantastische Ereignisse der grauen Vergangenheit informieren. Leider wollen viele Laien wie Wissenschaftler diese Nachrichten aus der Vorzeit nicht zur Kenntnis nehmen. Sie schließen aus, was ihrer Meinung nach nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

Dr. Anton Eduard Wollheim da Fonseca (*1810; †1884) studierte Philosophie, Philologie und Geschichte und promovierte schließlich über altindische Sanskrit-Texte. Besonders intensiv setzte sich der Gelehrte mit altindischer Mythologie auseinander. Schließlich verfasste er eine grundlegendes Werk: »Mythologie des alten Indien«(7). Für da Fonseca gab es keinen Zweifel: Wer Mythen für unglaubwürdige Fabeln hält, der versteht das wahre Wesen der Mythen nicht. Für ihn waren Mythen »erhabenster Ausdruck der erhabensten Wahrheiten.« Mythen, so konstatierte der Gelehrte, sind »die Urgeschichte der Menschheit«.

Foto 4: Eva und die Schlange

Eine solche »Wahrheit« wird in so gut wie allen mythologischen Überlieferungen über den Ursprung der Menschheit beschrieben: vom aztekischen Aztlan-Mythos bis zum Zoroastrismus. Juden, Christen und Moslems sind von dieser »Wahrheit«. Ob sumerisches Atrahasis-Epos oder babylonischer »Enuma-Elisch«-Mythos: überall wird berichtet, wie der Mensch durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstand. Weltweit wird überliefert, dass der Mensch nicht durch eine unglaubliche, unrealistische Anhäufung von Zufällen entstand, sondern durch gezieltes Eingreifen von »Göttern«? Alles nur Ammenmärchen?

Erich von Däniken (*1935) sieht den Menschen als Produkt außerirdischer Besucher auf Planet Erde. Diese Theorie vertritt er seit mehr als einem halben Jahrhundert, zuletzt in seinem Buch Botschaften aus dem Jahr 2118 (8): »Und woher kommt der Mensch? In fast allen Überlieferungen wurde er durch himmlische Wesen erschaffen.«

Anno 2017 erschien »Human by design«, ein populärwissenschaftliches Buch von Gregg Braden, das die alten Schöpfungs-Mythen bestätigt. Die deutsche Übersetzung des Werks folgte 1 Jahr später, anno 2018: »Mensch: Gemacht«. Autor Gregg Braden kommt zu einer atemberaubenden Erkenntnis (9): »Neueste Forschungen zeigen, dass der Mensch, wie wir ihn heute kennen, vor 200.000 Jahren bereits existierte. Er trat plötzlich in Sein – aufgrund einer Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss.«

Foto 5: Im Paradies. Meisterwerk von Michelangelo

Eine »Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss«? Von wem? Von Außerirdischen, die einst zur Erde gekommen sind und als Götter verehrt wurden?

Anmerkung zu den Fotos (Warnung: Humor!)
Ich hoffe sehr, dass ich die angekündigte Rückkehr der Astronautengötter noch erleben darf. Ich hoffe dass mir die Astronautengötter dann Dokumentarfotos von der Kreation von »Adam und Eva« zur Verfügung stellen werden. Dann werde ich die Fotos von Kunstwerken zum Thema »Adam und Eva« entfernen und durch Dokumentarfotos ersetzen.

Fußnoten
(1) Denton, Michael: Evolution. »A Theory in Crisis«, 1986, Seite 358, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 53 Mitte
(2) Siehe auch wikipedia Artikel »Kosmogenie«, Stand 11.11.2018
(3) Lipson, H.S.: »A Physicist Looks at Evolution«, »Physics Bulletin«, Bd. 31, Nr. 4 (Mai 1980), S. 138, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 52 Mitte
(4) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 12-27
(5) Malinowski, Dr. Bronisław Kasper: »Myth in Primitive Psychology«, London 1926, S. 21, eBook-Ausgabe, Read Books Ltd. 2011, Pos. 138, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser.
(6) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 14 Mitte
(7) Anton Eduard Wollheim da Fonseca: »Mythologie des alten Indien«, Berlin 1856. Siehe hierzu Däniken, Erich von: »Botschaft aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016, S. 133 (eBook-Ausgabe, Rottenburg 2016, Pos. 1635)
(8) Däniken, Erich von: »Botschaften aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016. S. 132 oben
(9) Braden, Gregg: Mensch: »Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018

Zu den Fotos
Foto 1: Adam und Eva. Heidelberger Stundenbuch Codex 536. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Adam und Eva, Bibelillustration 1595
Foto 3: Adam und Eva, Maate van Heemskerck 1498-1574, wiki commons
Foto 4: Eva, Vézelay, wiki commons vassil 
Foto 5: Adam und Eva, Michelangelo 1475-1564, wiki commons

461 »Acht Drachen mit geringeltem Hinterleib«,
Teil 461 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.11.2018



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Sonntag, 4. November 2018

459 »Geheimnisvolle Mythen: Artus, Gilgamesch und eine Göttin«

Teil 459 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Kuriose Kreaturen...

Schriftliche Aufzeichnungen über die Geschichte von Menschen und Völkern gibt es erst seit wenigen Jahrtausenden. So manches Dokument wie die sprechenden Hölzer der Osterinsel konnte bis heute nicht entziffert werden. Aber auch längst übersetzte alte Texte werden immer noch nicht verstanden. Warum? Sie wurden nicht selten falsch übersetzt, weil sie womöglich von fantastischem Wissen unserer Vorfahren berichten. Hinweise auf »unmögliches Wissen« wurden durch falsche Übersetzungen zum Verschwinden gebracht, nicht aus Bosheit, sondern weil mancher fantastische Text zur Zeit der Übersetzung nicht verstanden werden konnte. So schlummern in riesigen Bibliotheken Schätze, die bis heute nicht gehoben wurden. So künden von Sagen und Überlieferungen, von Mythen aus uralten Zeiten.

Foto 2: Bücher über Bücher ...

Wenn wir uns damit begnügen, nur die in Wort und Schrift verfassten Geschichtsbücher zu studieren und dabei die Mythen außer Acht lassen, dann entgeht uns ein Großteil der Menschheitsgeschichte. Stellen wir uns vor, es gebe eine gewaltige Bibliothek der Menschheit mit unzähligen endlosen Korridoren und unzähligen Räumen mit unzähligen Büchern. Wir konzentrieren uns auf zwei oder drei Räume, die anderen betreten wir nicht. Die Menschheitsgeschichte ist nun einmal sehr viel älter als die ältesten Texte auf Keilschrifttafeln, die wir kennen. Was wir übersehen: Es gibt neben den Geschichtsbüchern die faszinierenden Mythen, die in der fernen Vergangenheit entstanden, lange bevor der Mensch schreiben konnte. Sie überliefern uns Geschichten aus der »Kinderstube« der Menschheit. Leider nehmen wir diese uralten Mythen, die uns doch auf geheimnisvolle Weise berühren und ansprechen, nicht ernst. Zum Glück wurden viele dieser Mythen im Laufe der Jahrhunderte schriftlich festgehalten.

Foto 3: Bücher, Bücher, Bücher...

Fragen wir Fachleute, wie nach ihrer Ansicht Mythen zu bewerten sind und ob sie Fakten über die Vergangenheit der Menschheit zu bieten haben. Religionswissenschaftler Louis Marillier (*1862; †1901) zum Beispiel erkennt die Gleichartigkeit der Mythen, verneint aber ein kollektives Denken, wie es ja Carl Gustav Jung vermutet (1). Er hält sie vielmehr für spontane individuelle Schöpfungen, die auf eine Erfahrung, die unsere Vorfahren machten, zurückgehen. Was für eine Erfahrung?

Sein Landsmann Georges Dumezil (*1898; †1986), er analysierte indoeuropäische Religion und Gesellschaft, formulierte es wie folgt (2): »Die Mythen sind Alleinbesitz der Urzeiten gewesen und spiegeln den Zustand und die Ereignisse der damaligen Gesellschaft wider.« Der Ethnologe Konrad Theodor Preuss (*1869; †1938) zählt zu den Pionieren der modernen Ethnologie. Der Gelehrte war der gleichen Ansicht wie Louis Marillier und Georges Dumezil (3): »In Mythos und Kult werden die Erlebnisse der Urzeit nachvollzogen!« 

Foto 4: David hat Goliath getötet
Karl Friedrich Kohlenberg (*1915; †2002) betrieb intensive ethnologische Studien. Fasziniert von der rätselvollen Vergangenheit der Menschheit vertiefte er sich in die ältesten Überlieferungen aus grauer Vorzeit. Sein Resümee lautet (4): »Jeder Mythos, jede Legende spiegelt, wie von der Wissenschaft nachgewiesen, einen Zustand und ein wirkliches Geschehen wieder.«

Wir kennen den Mythos von David und Goliath. Wir wissen aus der Bibel, dass der schmächtige David den Riesen Goliath tötete. Mit seiner Schleuder streckte David den Riesen mit einem Stein zu Boden und hieb ihm mit seinem eigenen Schwert den Kopf ab. Stolz präsentierte David das abgeschlagene Haupt des Giganten (5). 

Weniger bekannt ist der Mythos von König Artus, der gegen Riesen gekämpft haben soll. In Artusromanen tauchen sie auf, mächtige Riesen. In der christlichen Mythologie wohlbekannt ist der gutmütige Riese Christophorus, der einst in jeder katholischen Kirche in beeindruckender Weise dargestellt wurde. Riesen tauchen immer wieder auf, im Alten Testament wie in Mythen, in Sagen und Erzählungen. Mehr als mysteriös ist, was im 6. Kapitel des Buches Genesis berichtet wird (6): »Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. 

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre. Es waren Riesen zu den Zeiten und auch danach noch auf Erden. Denn als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.«

Foto 5: Artus gegen den Riesen
Im Hebräischen des Originaltextes heißen sie »bənê ha’älohîm«, also Söhne der Elohim, der Götter. Söhne der Götter wurden bereits vor Jahrtausenden in den Keilschrifttexten aus Ugarit beschrieben. Als ich während meines Studiums der evangelischen Theologie nach diesen ominösen Söhnen der Elohim-Götter fragte, bekam ich meist ausweichende Antworten. Nach Professor Georg Fohrer handelte es sich bei den himmlischen Wesen um »niederrangige Götter«, die aus uralten Mythen übernommen und ins Buch Genesis aufgenommen wurden. Aus der Verbindung zwischen den Söhnen der Elohim und Menschenfrauen entstanden nach Genesis Kapitel 6 die Riesen. Die biblischen Riesen wurden in der Sintflut ausgetilgt. Die Göttersöhne waren nach den Keilschrifttexten aus Ugarit unsterblich, ob die Söhne der Elohim-Götter des Alten Testaments auch ewig lebten, darüber schweigt sich die Bibel aus. Nach Hiob (7) gehörten die Göttersöhne zum Hofstaat Jahwes, wurden offenbar immer wieder einberufen, um Gott gegenüber Rechenschaft über ihre Taten abzulegen.

Riesen, Riesen, Riesen. Die Frage, die wir uns stellen müssen: Hat es sie einst wirklich gegeben?Sind alte Mythen und heilige Bücher wie die Bibel glaubwürdig, wenn sie uns von Riesen erzählen?Louis Marillier hält, wie erwähnt, Mythen für spontane individuelle Schöpfungen, die auf eine Erfahrung, die unsere Vorfahren machten, zurückgehen. Was für eine Erfahrung (Siehe Fußnote 1!)? Sollten unseren Vorfahren in grauer Vorzeit Riesen begegnet sein? Sollten Mythen, Sagen, Märchen und Legenden, die von Riesen berichten, doch einen wahren Kern haben? Sollten Berichte über angebliche Funde von menschenähnlichen Riesenskeletten Hinweise auf reale »Fabelwesen« geben? Sollten gar auf der Osterinsel noch vor wenigen Jahrhunderten gelebt haben? Hausten auf der Insel »Santa Catalina«, etwa 35km südwestlich von San Pedro, Los Angeles, Riesen in einer Art »Kolonie der Giganten«? 

Fotos 6-8: Der Riese Christophorus im Dom zu Paderborn

Fakt ist: Durch die gesamte Mythenwelt geistern Riesen, die vor Urzeiten auf unserem Planeten gewirkt haben sollen. Dabei wird in den Überlieferungen hartnäckig versichert, diese Riesen seien Abkömmlinge der Götter. Riesen sind als Götterabkömmlinge in der Mythologie wirklich zahlreich dokumentiert. Es erhebt sich die Frage: Gab es sie wirklich? Waren es nur Ausgeburten erzählerischer Fantasie? Haben Riesen leibhaftig unter unseren Vorfahren gelebt und gewütet? Wer hat recht? Wen nehmen wir ernst: der Mythologie oder der heutige Anthropologie, die sich schwer daran tut, vorgeschichtliche Riesen in ihr Denken mit einzubeziehen?


Foto 9: Eine Ritzzeichnung (Osterinsel)
Es gilt nicht »entweder … oder«, wer die Vergangenheit der Menschheit erforschen will, muss auch die Mythologie in seine Überlegungen einbeziehen, auch wenn sie im Widerspruch zur Anthropologie stehen mag. Wir können es uns nicht leisten, eine einzige Quelle außer Acht zu lassen! Je weiter wir in die Vergangenheit reisen wie in die Tiefen eines fernen Kontinents, desto mehr vermischen sich Mythen und historische Fakten. Je gründlicher wir die graue Vorzeit zu erforschen versuchen, desto fantastischer muten manchmal Fakten und desto realistischer kommen uns Mythen vor. Je weniger Angst wir vor mutigen Antworten auf die Rätsel der Vergangenheit haben, desto mehr erfahren wir über uns und die Zukunft der Menschheit. Und desto glaubwürdiger wird womöglich das scheinbar Fantastische. Vielleicht verstehen wir dann zum Beispiel Geheimnisse der Osterinsel wie ihre rätselhaften Ritzzeichnungen von merkwürdigen Gestalten, die an Riesen erinnern.

Die älteste Fassung des Gilgameschepos entstand in altbabylonischer Zeit, ist also etwa 3600 bis 3800 Jahre alt. Das legendäre Epos beschreibt den Werdegang von Gilgamesch, König von Uruk, und seine Heldentaten. Gilgamesch siegte im Kampf gegen Löwen, suchte aber vergeblich nach der Unsterblichkeit. Dank sensationeller Textfunde war es dem Heidelberger Assyrologen Stefan M. Maul (*24.12.1958) möglich, die bislang vollständigste Fassung des »Gilgamesch Epos« neu zu übersetzen und Textlücken zu schließen.

Die Göttin Belet-ili, auch Nimah und Nintud genannt, tat sich mit Gott Nudimmud, auch Enki und Ninsiku genannt, taten sich zusammen. Gemeinsam planten, entwarfen und schufen sie den Riesen Gilgamesch (9): »Das Bild seines Leibes entwarf Belet-ili, Nudimmud vollendete meisterhaft seine Gestalt.«

Im Louvre zu Paris befindet sich eine Statue aus dem Palast von Sargon II, die rund zweieinhalb Jahrtausende sein dürfte und wohl Gilgamesch darstellen soll. Sie ist 5,52 Meter hoch, stattliche 2,18 Meter breit und hat somit die Ausmaße, die Gilgamesch gehabt haben soll (10): »Jener ist strotzend an Kraft und von strahlender Schönheit, stattlich ist seine Statur, elf Ellen hoch ist er gewachsen.«

Foto 10: »Riesen« der Osterinsel, Ritzzeichnung

Fußnoten
Foto 11: Gilgamesch
(1) Marillier, Leon Louis: Du Role de la Psychologie dans les etudes de Mythologie comparée, Revue de l‘Histoire des Religions, XXXII, 1895, Seiten 116-141 (zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 20, Zeilen 5-8 von unten)
(2) Dumezil, Georges: Aspects de la Function guerriére chez les Indoeuropéens, 1959 (zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 20, Zeilen 1-4 von unten)
(3) Preuss, Konrad Theodor.: Der religiöse Gehalt der Mythen, Tübingen 1933
(zitiert nach Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 81, Zeilen 9-11 von oben)
(4) Kohlenberg, Karl F.: Enträtselte Vorzeit – die Mythen geben Antwort, München und Wien 1970, Seite 81, Zeilen 7-9 von oben
(5) Siehe hierzu 1. Buch Samuel Kapitel 17
(6) 1. Buch Mose Kapitel 6, Verse 1-4
(7) Buch Hiob Kapitel 1, Vers 6 und Buch Hiob Kapitel 2, Vers 1
(8) Das Gilgamesch-Epos, neu übersetzt und kommentiert von Stefan M. Maul. 6. Auflage. München 2014
(9) ebenda, eBook-Version, Pos. 650
(19) ebenda, eBook-Version, Pos. 652

Zu den Fotos:
Foto 1: Kuriose Kreaturen... Ritzzeichnung Osterinsel/ Zeichnerische Rekonstruktion. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Bücher über Bücher ... Foto  pixelio.de/ Carina Döring
Foto 3: Bücher, Bücher, Bücher. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: David hat Goliath getötet. David mit dem abgeschlagenen Haupt Goliaths Bildfeld an der großen Knesset Menora/ Foto wikimedia commons/ Deror avi
Foto 5:  König Artus kämpftgegen einen Riesen/ Werk von Walter Crane 1845-1915/ wikimedia commons/ public domain
Fotos 6-8: Der Riese Christophorus im Dom zu Paderborn. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Eine Ritzzeichnung (Osterinsel). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 10: »Riesen« der Osterinsel, Ritzzeichnung, Collage. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Gilgamesch im Kampf mit dem Löwen (Louvre). Foto wikimedia commons

460 »Astronautengötter«,
Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.11.2018


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