Sonntag, 19. Mai 2019

487 »Licht der Unendlichkeit«

Teil 486 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«




Foto 1: Salvador Dali
»Eines Tages wird man
offiziell zugeben müssen,
dass das, was wir Wirklichkeit
getauft haben, eine noch größere
Illusion ist als die Welt
des Traumes.«
Salvador Dali (*1904; †1989)

Im Frühjahr 1900 stieß der griechische Schwammtaucher Elias Stadiatis vor der kleinen Insel Antikythera auf ein versunkenes römisches Schiffswrack. Aus einer Tiefe von etwa vierzig Metern holten Elias Stadiatis und andere Schwammtaucher Marmorstatuen und Bronzefiguren, tönerne Amphoren und antike Münzen. Wenig Beachtung fand ein wertlos aussehender Klumpen. Das etwa schuhkartongroße »Ding« wurdemit einer Archivnummer versehen und vergessen. Zwei Jahre später sah sich der griechische Archäologe Valerios Stais den mysteriösen Fund gründlicher an. Er war irgendwie aufgeplatzt und zerbrochen, bestand aus Zahnrädern und Achsen.

Erst als die Brocken mit Röntgenstrahlen durchleuchtet wurde die Bedeutung des Objekts erkannt. Offenbar hatte der Schwammtaucher Elias Stadiatis so etwas wie einen antiken Computer entdeckt. Um 200 vor Christus haben unbekannte Feinmechaniker so etwas wie einen astronomischen Kalender hergestellt, mit dem man offensichtlich zum Beispiel Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersehen konnte.

Foto 2: Der Antikythera-Computer
Bereits 1905 hatte der Altphilologe Albert Rehm nachgewiesen, dass das Objekt von Antikythera ein astronomisches Rechengerät gewesen sein muss. Derek de Solla Price (*1922; †1983) fand heraus, dass der über zwei Jahrtausende alte Computer mit einer Kurbel in Bewegung gesetzt wurde, was wiederum mehrere Zeiger zum Kreisen brachte. Grundlage für die Konstruktion des astronomischen Geräts waren, so fand Price heraus, waren die Jahrtausende alten astronomischen Studien der Babylonier. 1976 wurde de Solla Price für seine erste Rekonstruktion des Antikythera-Computers mit der »Leonardo-da-Vinci-Medaille« , fast vergleichbar mit einem »Nobelpreis«, geehrt (1).

Der Computer von Antikythera scheint aus dem Nichts aufgetaucht zu sein, geschaffen von einem vorchristlichen »Leonardo da Vinci«. Und er wurde vor über zwei Jahrtausenden vergessen. Warum? Warum gab es keine Folgemodelle? Warum wurde der Mechanismus von Antikythera nicht weiterentwickelt? Sir Arthur C. Clarke (*1917; † 2008) beklagt das. Denn hätten die alten Griechen, so Clarke (2) »die Fertigkeiten, die der Antikythera-Mechanismus verrät, nur konsequent weiterentwickelt, dann hätte die industrielle Revolution tausend Jahre früher beginnen können. Und anstatt auf dem Mond herumzuhampeln, hätten wir inzwischen die  näheren Sterne erreicht.«

Bis zu den Sternen sind wir noch nicht vorgedrungen. Irdische Astronauten haben es bisher nur bis zum Mond geschafft. Unsere heutigen Computer unterscheiden sich natürlich ganz gravierend von dem Antikythera-Mechanismus. Beide haben aber etwas gemeinsam: So müssen von einem Menschen bedient werden. Wirklich leicht verständlich erklärt uns wikipedia den Ausdruck »Hardware« (3): 

Foto 3: de Solla Price
»Computersysteme bestehen aus Hard- und Software. Hardware ist der Teil eines Computers, den man anfassen kann: Jede einzelne Komponente, vom einfachen Kondensator bis hin zur komplett bestückten Platine, das Gerät als Ganzes sowie sein Zubehör wie beispielsweise Maus, Tastatur, Bildschirm und Drucker, aber auch Datenträger wie Festplattenlaufwerke oder USB-Speichersticks. Software ist Information und kann nicht angefasst werden, da sie immateriell ist. Sie ist unterteilbar in Programme und Daten und bestimmt, was ein Computer tut und wie er es tut (in etwa vergleichbar mit einem Drehbuch). Die Hardware (das Gerät selbst) führt Software aus (arbeitet sie ab) und setzt sie so in die Tat um.«

Der entscheidende Unterschied zwischen der Antikythera-Maschine und einem modernen Computer unserer Tage ist, dass der Antikythera-Computer nur aus Hardware besteht, während sich jeder heutige Computer aus Hardware und Software zusammensetzt. Aber auch mit noch so fortgeschrittener, noch so utopischer Software kann kein Computer allein arbeiten. Er ist eine Maschine, ein Werkzeug, muss vom Menschen bedient werden.

Folgendes Bonmot stammt vom Schweizer Pirmin Krüsi (*1976): »Der Programmierer ist der Vormund des Anwenders.« Das gilt – noch. Ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Computer benötigt bald weder einen Programmierer, noch einen Anwender.

Völlig zutreffend formulierte Henry David Thoreau (*1817; †1862), US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph mit Kultstatus, bereits im 19. Jahrhundert: »Siehe da! Die Menschen sind die Werkzeuge ihrer Werkzeuge geworden.« Noch sind wir nicht so weit. Noch tut ein Computer nur, was der Mensch von ihm will. Das aber wird sich in absehbarer Zeit ändern. Computer, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind, benötigen keine Menschen mehr. Ist erst einmal ein wirklich intelligentes Programm installiert, programmieren sich Computer selbst, entwickeln sich weiter und können irgendwann nicht mehr gestoppt werden.

Auch der wirklich intelligente Computer, benötigt Hardware und Software. Der nächste revolutionäre Schritt wird die künstliche Intelligenz sein, die ganz ohne Hardware auskommt. Der deutsche Physiker Prof. Markolf H. Niemz (* 1964 in Hofheim am Taunus) hat ein wahrhaft kühnes Bild von der Realität entwickelt. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter als Prof. Markolf H. Niemz.

Foto 4: Antikythera-Computer
Das Universum ist, vereinfacht ausgedrückt, so etwas wie ein unendlich großer Computer, der freilich nur aus Programm (Software) besteht und keine greifbare Hardware benötigt. Hardware gibt es in diesem Universum gar nicht, Raum und Zeit sind vom Supercomputer geschaffene Illusion. Und wir sind Teil dieser Illusion, auch wenn wir uns für reale physische Wesen halten. Wir glauben, dass wir existieren, weil der Monstercomputer das so will.

Prof. Niemz (4): »Wir irren gewaltig, wenn wir glauben, Raum und Zeit seien real, die Ewigkeit sei dagegen eine Illusion. In Wahrheit verhält es sich genau anders herum. Der Raum und die Zeit sind Illusionen, aber die Ewigkeit ist real.«

Die Illusion vom Kosmos, in der wir als Illusionen in der Illusion leben, kennt keine räumliche und keine zeitliche Distanz. Das vom Buddhismus geprägte Bild vom »Nirwana« kommt meinem Verständnis von der »Illusion Kosmos« am nächsten. Alles ist im »Nirwana«, alles kommt aus dem »Nirwana« und alles kehrt ins »Nirwana« zurück. In der Kabbala, der jüdischen Mystik, kommt alles aus dem Göttlichen und kehrt ins Göttliche zurück. Kabbalakenner Michael Laitman enthüllt in seinem Standardwerk »Kabbala für Anfänger« (5):

Es gab »nur das Einfache Höhere Licht, welches die ganze Wirklichkeit ausfüllte.« Und weiter (6): »Es gab keinen leeren Raum und keine unausgefüllte Atmosphäre, sondern es war alles mit diesem unendlichen Einfachen Licht erfüllt. Und es gab weder Anfang noch Ende. Und alles war Eins: Einfaches, vollkommen gleichmäßiges Licht. Und dieses hieß: Licht von Ejn Sof (Unendlichkeit).«


Mich fasziniert die Kosmologie von Prof. Markolf H. Niemz schreibt, auch wenn ich nicht alle seine Gedanken nachvollziehen kann. Der Wissenschaftler schreibt (7): »Licht ist ein komplexer, das gesamte Universum durchdringender Speicher, in dem jedes Objekt unauslösliche Spuren hinterlässt.« Der Physiker stellt eine Frage und bietet eine faszinierende Antwort (8): »Licht ist das große Unbekannte. … Ist Licht Information? Damit kommen wir dem Wesen des Lichts schon viel näher. Licht speichert alles, was jemals im Universum geschieht. Es ist eine Art ›Tagebuch der Schöpfung‹.«

Was ich mich frage: Hinterlassen wir im kosmischen Licht Spuren? Speichern wir im »kosmischen Licht« so etwas wie eine Chronik der Menschheit ab? Oder ist dieses »kosmische Licht« so etwas wie ein »Computerprogramm«, das Illusionen erschafft? »Der Mensch lebt von seinen Illusionen.« schrieb der Dichter und Schriftsteller Wilhelm Raabe (*1831; †1910). Oder ist der Mensch wie das Universum eine Illusion, geschaffen von einem fantastischen Computerprogramm?

Ist der Kosmos eine Illusion? Sind wir eine Illusion, erzeugt von diesem »Computerprogramm«? Und wer hat es ersonnen und verwirklicht? Gott vielleicht, was auch immer wir uns unter »Gott« vorstellen mögen?


Fußnoten
Foto 5: Antikythera-Computer
(1) Der Preis wurde von der renommierten »Society for the History of Technology«, gegründet von Melvin Karnzberg, verliehen.
(2) Clarke, Arthur C.: »Mysterious World«, London 1980 (Neuauflage), im Sammelkapitel »Ancient Fires«Seite 67, linke Spalte ganz unten. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein
(3) Wikipedia-Artikel »Hardware«, https://de.wikipedia.org/wiki/Hardware (Stand 01.05.2019)
(4) Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander«, Ludwig-Verlag/ Random Hose, München 2017, Seite 89, Zeilen 8-12 von oben
(5) Laitman, Michael: »Kabbala für Anfänger«, Toronto/ Wien 2009, Seite 7, 2. Zeile von oben
(6) ebenda, Zeilen 3-7 von oben
(7) Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander«, Ludwig-Verlag/ Random Hose, München 2017, Seite 86, Zeilen 1 und 2 von unten und Seite 87, Zeile 1 von oben
(8) ebenda, Seite 85, Zeilen 1 und 2 und Zeilen 3-6 von oben

Zu den Fotos
Foto 1: Salvador Dali. Wikimedia commons/ United States Library of Congress's Prints and Photographs division
Fotos 2, 4 und 5: Zeichnerische Rekonstruktion des Antikythera-
Computers. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Derek de Solla Price mit einer ersten Rekonstruktion des
Computers von Antikythera. wikimedia commons/ private Aufnahme


488 »Das Licht der Erkenntnis«,
Teil 488 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26. Mai 2019


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Sonntag, 12. Mai 2019

486 »Leben wir in einer Computersimulation?«

Teil 486 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Eine Computersimulation?

Unsere Welt ist nicht real. Wir Menschen sind wie die Welt, in der wir zu leben meinen, eine Computersimulation. Diese verrückt anmutende Theorie vertrat Daniel F. Galouye (*1920; †1976) anno 1964 in seinem packenden Science-Fiction-Roman »Simulacron 3«. Rainer Werner Fassbinder (*1945; †1982) machte im Jahr 1973 aus dem Roman einen zweiteiligen Fernsehfilm: »Welt am Draht«. 1999 wurde der Roman von Daniel F. Galouye ein zweites Mal verfilmt: »The 13th Floor« (Deutscher Titel: »Bist du was du denkst?«).

Die renommierte »WELT« schrieb am 23.09.2016 in ihrer Onlineausgabe (1): »Dass unsere Welt nicht real sein könnte, ist zwar schon damals kein neuer Gedanke gewesen. Dass es sich aber um eine Computersimulation handeln könnte, ist eine Idee, die natürlich erst mit dem Computerzeitalter aufkommen konnte.«

Foto 2: »Welt am Draht«
Die »WELT« erinnert an einen der Großen Science-Fiction-Autoren Philip K. Dick (*1928; †1982), der anno 1977 eine in den Augen wohl der meisten Zeitgenossen völlig absurde Behauptung aufstellte: Er will erkannt haben, dass unsere Welt »eine Simulation ist«. Etwas vorsichtiger drückt sich 42 Jahre später Elon Reeve Musk, Gründer von »Tesla« und »SpaceX« aus. Musk, geboren am 28. Juni 1971 ist davon überzeugt, dass »es eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass wir alle nur Sims sind«, sozusagen Simulationen in einem Computerspiel.

Verrückte Spinnerei? Keineswegs! Der schwedische Philosoph Nick Bostrom (*1973), er lehrt an der renommierten »Oxford University«, kam zum gleichen Resultat wie Musk. Im wissenschaftlichen Fachblatt »Philosophical Quaterly« (2) wagte er die kühne Prognose, dass wir bereits in wenigen Jahrzehnten so weit sein können, um eine Welt wie die unsere im Computer entstehen zu lassen. Mit wissenschaftlicher Präzision entwickelte der Gelehrte eine Zukunftsvision (3), die mancher nur als den reinen Horror empfinden mag: 

Nach dem Aussterben der Menschheit »leben« dann nur noch Computersimulationen von Menschheiten. Da werden womöglich riesige Pyramiden gebaut, da kämpfen Ritter gegen Saurier, da fressen außerirdische Monster mit wachsender Gier Menschen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, nur dass die simulierten Menschen in Computersimulationen glauben, sie seien real. Konkreter: Eine künftige irdische Zivilisation entwickelt im Computer fiktive Welten, lässt im Computer die Welt der alten Ägypter, der Mesopotamier oder uns und unsere Welt anno 2019 entstehen.

In so einer simulierten Welt kann beliebig experimentiert werden, kann ausprobiert werden, wie wir Menschen zum Beispiel auf das Auftauchen von »Fliegenden Untertassen« oder von Kreaturen wie Yeti oder Nessie reagieren. Je verrückter die Geschehnisse sind, für die wir keine Erklärung finden können, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir nur in einer Computer-Simulation leben und nicht in DER Realität.

Foto 3: »Bist Du, was Du denkst?«
Der schwedische Philosoph Nick Bostrom glaubt: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer Simulation leben, liegt bei 20 bis 50 Prozent. Voraussetzung ist allerdings, dass eine künftige Menschheit über aus heutiger Sicht unvorstellbare Riesencomputer mit unvorstellbaren Kapazitäten verfügt. Bedenken wir, wie schnell der Fortschritt in Sachen Computer ablief. Nur wenige Jahrzehnte liegen zwischen den ersten unförmigen Riesencomputern, die aus heutiger Sicht unglaublich beschränkt und langsam waren, und der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Bedenken wir noch, dass die Computertechnologie in geheimen militärischen Forschungszentren schon sehr viel weiter sein mag als man uns wissen lässt. Wie mögen dann Computer in fünfzig, einhundert oder gar eintausend Jahren aussehen?

Ich darf den heute kaum noch bekannten italienischen Dominikaner Tommaso Campanella, eigentlich Giovanni Domenico (*1568; †1639), zitieren (4): »Alles, was die Wissenschaftler … mit Hilfe einer unbekannten Kunst vollbringen, wird Magie genannt … Denn Technologie wird immer als Magie bezeichnet, bevor sie verstanden wird, und nach einer gewissen Zeit entwickelt sie sich zu einer normalen Wissenschaft.« Sir Arthur C. Clarke (*1917; † 2008) brachte es Jahrhunderte später auf den Punkt (5): »Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht mehr zu unterscheiden.«

Fotos 4 und 5: Dominikaner Tommaso Campanella

Nicht erst seit heute wird fieberhaft an »künstlicher Intelligenz« gearbeitet. Der Computer von morgen oder übermorgen wird dann ohne einen Programmierer auskommen. Er wird sich selbst programmieren. Er wird sich schneller perfektionieren als das menschliche Programmierer können. Menschliche Programmierer stoßen schnell an die Grenzen ihrer Fähigkeiten. Künstliche Intelligenz freilich kommt ohne den störenden Menschen aus.

Welche Ziele verfolgt der Menschmit der Erschaffung künstlicher Intelligenz? Er will zum Beispiel Waffensysteme schaffen, die fehlerfrei arbeiten und den »Feind« vernichten. Eine solche Waffe funktioniert nur dann »perfekt«, wenn sie nicht eingeschränkt wird. Künstliche Intelligenz kommt ohne Moral aus. Herbert Reinecker (*1914; † 2007)  legte bereits vor Jahrzehnten eine sehr nachdenklich stimmende Aussage über die Gefahren der künstlichen Intelligenz dem fiktiven »Prof. Rotheim«, dargestellt von Ernst Schröder (6), in den Mund (7):

»Er (Dr. Römer) arbeitete an Computern, an der Herstellung von künstlicher Intelligenz wie er das nannte, und es erschreckte ihn, dass er keine Grenzen für deren potentielle Möglichkeiten sah. … Er sagte: Wir entwickeln künstliche Intelligent, die keine Moral besitzt. Und Intelligenz ohne Moral wird uns töten.« Wird künstliche Intelligenz den Menschen beseitigen, weil sie sich ohne den Menschen immer weiter und weiter entwickeln kann, ohne je an Grenzen zu stoßen? Wird künstliche Intelligenz spielerisch experimentierend Illusionen von Welten erschaffen, die es gar nicht gibt? Wird sie ganz nach Belieben Simulationen von Welten kreieren, in denen Lebewesen hausen, die sich für real halten? Oder sind  simulierte Welten das Werk künftiger Generationen von Wissenschaftlern, die leidenschaftlich gern experimentieren und Universen erschaffen, in denen sie »Gott« sein können?

Foto 6:Nick Bostrom
Leben wir in einer solchen Welt, als Simulation, die ganz nach dem Gusto unserer Schöpfer gelöscht werden kann? Oder existiert die reale Menschheit schon lange nicht mehr? Der Schwede Nick Bostrom, kein Spinner, sondern Wissenschaftler an der renommierten »Oxford University«, schreibt in seiner Abhandlung (8) von »posthumanen Zivilisationen«. »Leben« wir also in einer Illusion, als Simulationen in simulierten Welten? Existiert unsere Welt ewig weiter, weil es niemanden mehr gibt, der sie abschalten könnte? Oder sind wir auf Gedeih und Verderb Computerexperten der Zukunft ausgeliefert, die das »Experiment Erde« jederzeit beenden können?

Man muss sehr blauäugig sein, um anzunehmen, dass keinerlei Gefahr besteht, weil es nur verantwortungsvolle Wissenschaftler gibt, die niemals eine ethikfreie künstliche Intelligenz zulassen würden. Gewiss, viele Wissenschaftler sind sich ihrer Verantwortung bewusst und handeln nur moralischen Prinzipien folgend. Es wird aber immer auch solche Wissenschaftler geben, die ohne Skrupel wahre Horrorszenarien realisieren, einfach weil das möglich ist, oder weil sie ihren Größenwahn ausleben und Gott spielen möchten.

Fußnoten
(1) https://www.welt.de/kmpkt/article158325548/Wahrscheinlich-leben-wir-in-einer-Simulation.html (Stand: 29.04.2019)
(2) »Are you living in a computer simulation«, »Philosophical Quaterly« 2003, Vol. 53, No. 211, Seiten 243-255
(3) https://www.simulation-argument.com/simulation.html (Stand 29.04.2019)
(4) Briersi, Antonio (Hrsg.): »Tommaso Campanella, Del sense dello cose e della magia«, 1925, S. 241/42. Zitiert nach Habiger-Tuczay, Christa: »Magie und Magier im Mittelalter«, München 1992, S. 192 (»Die Automaten«)

Foto 7: »Superintelligenz«
(5) Clarke,  Sir Arthur C.  in »Profiles of the Future«, zitiert von Weber, Andreas in »Biokapital. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit«, Berlin 2008, Seite 57. Originalzitat: »Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.«,  »Profiles of the future: an inquiry into the limits of the possible«, revidierte Ausgabe 1973, Seite 36
(6) Ernst Schröder (* 27. Januar 1915 in Eickel, Westfalen; † 26. Juli 1994 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler und Regisseur. Als Ernst Schröder erkrankte an Krebs. So wollte er nicht mehr weiterleben und so setzte er am 26. Juli 1994 seinem Leben ein Ende.
(7) »Dr. Römer und der Mann des Jahres«, »Derrick«, 10. Staffel Folge 108, Erstausstrahlung 30. Dezember 1983
 (8) https://www.simulation-argument.com/simulation.html (Stand 29.04.2019) Zitat: »Posthuman civilizations would have enough computing power to run hugely many ancestor-simulations even while using only a tiny fraction of their resources for that purpose.«


Zusätzliche Literaturempfehlung: »Superintelligenz« von Nick Bostrom



487 »Licht der Unendlichkeit«,
Teil 486 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19. Mai 2019


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