Sonntag, 17. Dezember 2017

413 »Jakob und das schreckliche Tor zum Himmel«

Teil  413 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Augustinus Aurelius

»Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.«, stellte Augustinus Aurelius  (*354,†430) fest. Recht hat der berühmte frühe Theologe. Reisen lässt uns staunen, wenn wir das zulassen. Wir können, wenn wir wollen, mehr über die Welt erfahren als uns die Schulweisheit lehrt. Gute Bücher können einen auch in ferne Gefilde entführen und unseren Horizont erweitern. Lesen und Reisen sind die zwei wichtigsten Quellen für den Suchenden. Und das Studium altehrwürdige Bücher kann uns Reisen auch in fernste Zeiten ermöglichen. Sehen wir dann auch das scheinbar »Verrückte«,Das gilt auch für das Bibelstudium. Da empfiehl es sich immer, verschiedene Übersetzungen zu befragen.

H.P. Lovecraft schrieb in seiner fantastischen und zugleich philosophischen Kurzgeschichte »Jenseits der Mauer des Schlafes«(1) einen Satz, der mich auf allen meinen Reisen zu den mysteriösen und geheimnisvollen Stätten unseres Planeten begleitet hat (2): »Doch wir alle sind Wanderer gewaltiger Weltenräume und Reisende in vielen Zeitaltern.«

Foto3: Engel
Machen wir uns auf eine besondere Reise – durch Raum und Zeit. Besuchen wir Jakob. Ort: Irgendwo im »Heiligen Land«. Zeit: etwa 1800-1900 v.Chr. Wir wollen versuchen herauszufinden, was Jakob erlebt oder geträumt hat. Verlassen wir uns nicht auf einen »Reiseführer«, ziehen wir mehrere zurate.

Die biblische »Jakobsleiter« (3) hat schon seit Jahrhunderten zu theologischen Diskussionen angeregt. Und ich behaupte, dass bis heute niemand mit Sicherheit sagen kann, was da dem Jakob widerfahren ist. Wir machen auf unserer Zeitreise in die Vergangenheit einen kleinen Zwischenstopp. Auf der Suche nach einer Erklärung für den »Traum Jakobs« landen wir im frühen 17. Jahrhundert.

Johannes Piscator (*27.3.1546, †26.7.1625), elsässischer Theologe, übersetzte 1602 bis 1604 die Bibel. Mehr als Luther war Johannes Piscator auf philologische Genauigkeit bedacht und weniger auf sprachliche Gefälligkeit. Von den Lutheranern verspottet, konnte sich die »Piscator-Bibel« nicht durchsetzen, ja sie war zeitweise in Deutschland sogar verboten.  Heute ist sie selbst so manchem Theologen nicht bekannt. Das liegt wohl auch daran, dass Luther dem Volk mehr aufs Maul schaute und eine gefälligere, eingängigere Übersetzung bot.

Anno 1684 erschien in Bern in offenbar hoher Auflage eine »Piscator-Bibel«, die viele erklärende Anmerkungen zu nicht so ganz klaren oder vordergründig unverständlichen Aussagen bietet. 1684 befanden sich diese Erklärungen vorwiegend separat vom eigentlichen Text am unteren Rand der Seite. In der Ausgabe der »Piscator-Bibel« von 1736 wurden diese Erklärungen meist direkt in den Text eingefügt, was das Lesen erleichterte. In der Piscator-Bibel von 1736 finden wir in Gensis (4):

Foto 4:und noch mehr Engel
»Dann er war erschrocken worden und hatte gesagt: Wie schrecklich ist dis ort? Dis ort ist nichts anders dann Gottes hause, und dis ist des himels pfort.« Interessant ist die Erklärung Piscators: »schrecklich) Nemlich von wegen der herrlichen majestaet Gottes, welche den menschen wegen ihrer bloedigkeit erschroecklich ist.« 

Anno 1716 erschien »Die Heilige Schrift« von in Nürnberg, als »Endter-Bibel« bekannt. Wo Piscator noch von »schrecklich« spricht, lässt Luther das Grauen verschwinden und ersetzt es. Bei Luther lesen wir, in der Endter-Bibel von 1716: »Und furchte sich und sprach: Wie heilig ist diese Staette? Hie ist nichts anders denn Gottes Haus und diese ist die Pforte des Himmels.« Bei Luther wurde also »schrecklich« zu »heilig«.

Luther interpretiert den Begriff »heilig« wie folgt: »Heilig) Heilig ist hie/ da man Gott fuerchten und ehren soll/ als der daselbst will gefuerchtet und geehret seyn. Daher auch derselbe Berg Mori Ja heisst/ das ist/ Gottesfurcht und Ehrerbietung und Dienst. Denn Gottesfurcht ist der hoechste Gottesdienst.« Bei Luther verschwindet also die Beschreibung des Ortes als »schrecklich« und er wird zu einer Stätte der Verehrung Gottes. So erklärt Luther weiter: »Und hie angezeiget: Wo Gottes Wort ist/ (wie Jacob hie redet) da ist Gottes Haus/ da stehet der Himmel offen mit allen Gnaden.«

Martin Luther versteht also das Bild von Jakobs Himmelsleiter in christlich-symbolischen Sinn und er verallgemeinert: Überall, wo Gottes Wirt ist, da öffnet sich der Himmel für den Gläubigen mit allen seinen Gnaden. Der Ort der »Himmelsleiter« muss also für Luther ein Ort der Huld und Gnade Gottes sein, von Grässlichkeit darf da dann nichts mehr zu lesen sein. Aus der Furcht vor Grässlichem wird, auch wenn die Furcht bleibt, die Ehrfurcht vor dem Göttlichen. 

Foto 5: ...an der Himmelsstiege
So lesen wir in der aktuellen Luther-Bibel von 2017. »Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.« Die »English Standard Version« der Bibel bringt: »And he was afraid and said: How awesome is this place! This is none other than the house of God, and this is the gate of heaven.« Auch in der englischen Übersetzung empfindet Jakob Furcht, aber warum?

Der Ort von Jakobs Vision wird als »awesome« beschrieben. »Awesome« aber kann »furchteinflößend«, »furchterrgend«, »fürchterlich«, aber auch »ehrfurchtgebietend« heißen.
Das Alte Testament wurde ursprünglich in hebräischer Sprache verfasst. Freilich wurde das Bibelhebräisch auch im Judentum immer weniger verstanden. Die Geistlichkeit konnte nach wie vor die Texte im ursprünglichen Bibel-Hebräisch lesen und verstehen, der »Mann aus dem Volke« immer weniger. So sah man sich genötigt, speziell für das hellenistische Judentum, vorwiegen in Alexandria, die hebräischen Texte ins Griechische zu übertragen. So entstand zwischen 250 v.Chr. und 100 v.Chr. die Septuaginta, eine griechische Version der hebräischen Bibel, also des Alten Testaments.

Foto 6: Aus der Piscator- Bibel von 1684, 1. Mose 28, Vers. 17


Die Übersetzungsarbeiten begannen mit der Übertragung der »Tora«. Die griechische Fassung der fünf Bücher Mose bezeichnete man als »Septuaginta«. Schließlich nahm man sich den Rest des »Alten Testaments« vor und auch einige der »verbotenen« Bücher wurden ins Griechische übersetzt. Alle diese griechischen Texte wurden schließlich als »Septuagina« beichnet. Sie wird in Griechenland und Zypern heute noch im Gottesdienst der orthodoxen Kirche gebraucht.

Die »Deutsche Bibelgesellschaft« hat eine deutsche Übersetzung dieser griechischen Texte herausgegeben (5). Diese ist 2009 in Stuttgart erschienen, bereits 2010 gab es eine »zweite, verbesserte Auflage«. Und da lesen wir im ersten Buch Mose(6): »Und er geriet in Furcht und sagte: Wie furchterregend ist dieser Ort; nichts anderes ist dies als das Haus Gottes und dies ist das Tor zum Himmel! «

Foto 7: Aus der Poscator Bibel von 1684, Vers 17.

Interessant ist auch die »Vulgata«, die lateinische Übersetzung der Bibel. Anno 382 begann Hieronymus mit der Überarbeitung der Übersetzung der Evangelien ins Lateinische. Nach dem Tod von Papst Damasus I. machte sich Hieronymus an eine Übersetzung des Alten Testaments ins Lateinische. 1. Mose 28 Vers 17 liest sich in der Vulgata so:

»Pavensque, Quam terribilis est, inquit, locus iste ! non est hic aliud nisi domus Dei, et porta cæli.« Dr. Joseph Franz von Allioli übersetzte die »Vulgata« aus dem Lateinischen ins Deutsche, anno 1963 von der »Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft« in Wien veröffentlicht. Völlig korrekt gibt er wieder: »Und er erschrak und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Hier ist nichts anders denn Gottes Haus und die Pforte des Himmels.« Das lateinische »terribilis« bedeutet »schrecklich« und »furchtbar«.

Foto 8: Aus der Piscator-Bibel von 1684: Erklärungen zu  1. Mose 28, Vers 17

Fußnoten
1) H.P. Lovecraft: „Jenseits der Mauer des Schlafes“, erschienen in H.P. Lovecraft: „Der Silberne Schlüssel“, Leipzig 2013, S, 351-365. Das Z
2) ebenda, Seite 363, Zeilen 15-17 von unten
3) 1. Buch Mose Kapitel 28, Verse 10-22
4) 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 17
5) »Septuaginta Deutsch/ Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung«, Stuttgart, 2. Verbesserte Auflage 2010
6) ebenda, 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 17, rechte Spalte


Foto 9: Aus der Piscator-Bibel von 1684: Erklärungen zu 1. Mose 28, Vers 17

Zu den Fotos
Fotos 1 und 2: Augustinus Aurelius/ Gemälde von Benozzo Gozzoli (c. 1421 – 1497) und Darstellung aus dem 6. Jahrhundert.  wikimedia commons
Fotos 3-5: Engel an der Himmelsstiege von Bad Tölz. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Aus der Piscator- Bibel von 1684, 1. Mose 28, Verse 17 und 18. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Aus der Poscator Bibel von 1684, Vers 17. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Aus der Piscator-Bibel von 1684: Erklärungen zu  1. Mose 28, Vers 17. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Aus der Piscator-Bibel von 1684: Erklärungen zu 1. Mose 28, Vers 17. Foto Walter-Jörg Langbein

414 »Untergeordnete Gottheiten und der Weltraumprofessor«,
Teil  414 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.12.2017



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Sonntag, 10. Dezember 2017

412 »Jakobs Himmelsleiter und das Tor zum Himmel«

Teil  412 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Jakobs Traum von der Himmelsleiter,  Kupferstich von 1694

»Das ist doch alles ein Scheiß!« ließ der Religionslehrer ärgerlicher als sonst vernehmen. Ich war damals 14 und löcherte den »Gottesmann« gern dann und wann mit Fragen über Erich von Dänikens »Erinnerungen an die Zukunft«, speziell wenn es ums Alte Testament ging. Auf meine Frage, warum er sich  denn so sicher sei, dass die Bibel wirklich keine Hinweise auf prähistorische Astronautengötter enthalte, kam wieder sein »Das ist doch alles ...«. Und selbstgefällig ließ der Geistliche und Religionslehrer vernehmen: »Ich habe die biblischen Texte in den Originalsprachen gelesen, da kommen keine Außerirdischen drin vor!«

Im Verlauf meines Studiums an der evangelischen Theologie an der »Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/ Nürnberg« übersetzte ich die fünf Bücher Mose und zahlreiche andere Textpassagen des Alten Testaments wie die »UFO-Sichtungen« des Propheten Hesekiel aus dem Hebräischen ins Deutsche. Dabei bemühte ich mich, dem hebräischen Originaltext möglichst gerecht zu werden. Vor allem wollte ich den Text selbst sprechen lassen, ohne eine theologische Interpretation hinein zu übersetzen. Gerade der Theologe neigt ja dazu, eine bestimmte Sichtweise als richtig vorauszusetzen, um dann Bibeltexte so zu übersetzen, dass die theologische Voreingenommenheit bestätigt wird.

Foto 2: Die Himmelsleiter, 16. Jahrhundert

Der brave, konservative Theologe jeder Religion geht von einer unbezweifelbaren religiösen Wahrheit aus, über die nur die eigene Religion verfügt. Er hat keinen Zweifel, dass nur seine Religion allein die Wahrheit von Gott, Schöpfung und Welt zu bieten hat. Er übersetzt dann Texte entsprechend, sprich er hinterfragt die Lehre seiner Theologie niemals. Er übersetzt vielmehr – bewusst oder nicht – so, dass eben seine vorgefasste Meinung bestätigt wird. Wie sollte das auch anders gehen? Wenn man sich im Besitz der allein gültigen Wahrheit sieht, und das im Gegensatz zu den vermeintlich Ungläubigen aller anderen Religionen, kommt bei jeder Übersetzung heraus, was die Lehre der eigenen Religion vorschreibt. Was davon abweicht gilt als falsch.

So kann man schließlich sehr schön die Übersetzung als Beweis für die Richtigkeit der eigenen religiösen Glaubenswelt heranziehen. Dabei bestand nie die Gefahr, dass eine Übersetzung die eigene Glaubenslehre in Frage stellen würde. Man ist überzeugt, allein zu wissen, was wahr ist und nimmt erst gar nicht wahr, was diesem Glauben widerspricht.

Foto 3: Der Kalvarienberg, Bad Tölz, Foto Heidi Stahl

Maria Montessori (*1870 in Chiaravalle; † 1952 in Noordwijk aan Zee) war eine italienische Ärztin, Reformpädagogin, Philosophin und »Erfinderin« der Montessoripädagogik. Kritisch äüßerte Maria Montessori über die herkömmliche Pädagogik: »Die Schule ist jenes Exil, in dem der Erwachsene das Kind solange hält, bis es imstande ist, in der Erwachsenenwelt zu leben, ohne zu stören.« Diese Aussage trifft auch, ja besonders auf jede fundamentalistische Theologie zu. Der Student wird so lange mit der angeblich alleingültigen Lehre traktiert, bis er sie verinnerlicht hat. Dann stört er nicht mehr im religiösen Getriebe. Und wenn doch, wird er in gewissen Ländern eben einen Kopf kürzer gemacht.

Von besonderem Interesse war für mich schon als Schüler die mysteriöse Geschichte von Jakobs Traum. Im Traum sieht Jakob eine Leiter, die bis in den Himmel reicht. Auf dieser Leiter steigen Boten Gottes vom Himmel zur Erde herab oder von der Erde empor in den Himmel. Im hebräischen Original ist von »Boten Gottes« die Rede, aus denen später »Engel« wurden. Wie diese Boten ausgesehen haben, wir wissen es nicht. Der Text selbst gibt keinen Hinweis etwa auf Flügel, die ja im Christentum als Attribut von Engeln gelten.

Foto 4: Kreuzkirche Bad Tölz, Foto Heidi Stahl

Die genaue Lokalisation des Traums, sprich wo denn genau die Himmelsleiter gestanden haben soll, das lässt sich aus dem biblischen Text nicht herauslesen. Bei der knappen Beschreibung dieses Ortes gibt es Unklarheiten. Im 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 17 erfahren wir, dass dem Jakob angst und bange wurde. Aber warum?

Die altslavische Tradition kennt einen der mysteriösesten Texte, der niemals in den Kanon des Alten Testaments aufgenommen wurde und der doch die Geschichte von Jakob und der Himmelsleiter ausführlicher erzählt. Wie im biblischen Text (1) lesen wir auch hier die gleiche Rahmenhandlung (2): »Jakob machte sich auf den Weg zu Laban, seinem Onkel. Und er fand einen Ort und schlief ein, nachdem er (s)einen (3)  Kopf auf einen Stein gelegt hatte, denn die Sonne war untergegangen. Da hatte er einen Traum: Und siehe, eine Leiter war auf der Erde aufgestellt, deren Spitze bis zum Himmel reichte.«

Foto 5: Ein Engel vom Kalvarienberg 
Die altslavische  Bibelapokryphe ist aber sehr viel detailreicher als der kurze Text im »Alten Testament«. So erfahren wir (4), dass rechts und links von jeder Leiterstufe »menschliche Gesichter« zu sehen waren. Dann aber präzisiert der Text (5): »Gesichter, die bis zur Brust reichten«. Offenbar standen also auf jeder Stufe rechts und links so etwas wie Büsten, womöglich auch Statuen. Die »Himmelsstiege von Bad Tölz« kommt mir in den Sinn. Anno 1718 gab es hoch über dem Isartal nur eine Himmelsstiege: im Freien.  1726 wurde die »Kreuzkirche« auf dem Kalvarienberg über die »Himmelsstiege« gebaut.

Ehrfürchtig steht der fromme Pilger vor einer breiten Holztreppe, die aber offenbar nur von Engeln und hoher Geistlichkeit beschritten werden darf. Rechts und links davon führen steinerne Treppen nach oben. Die mittlere Treppe, so lesen wir auf einer Schrifttafel, wurde »nach dem Muster der wahren heiligen Stiege zu Rom hier errichtet und durch Einlegung mehrerer heiliger Reliquien eingeweiht«. Die seitlichen Treppen sind für profanere Besuche bestimmt.

Rechts und links von der eigentlichen Himmelsstiege stehen Engel,  just wie es der altslavische Text zu beschreiben scheint. Die Himmelsstiege von Bad Tölz wie die zu Rom verbindet auf plastische Weise irdische mit himmlischen Gefilden. Freilich ist die »Leiter Jakobs« im altslavischen Text recht kurz. Nur zwölf Stufen müssen die Engel überwinden, um von der Erde in den Himmel oder aus dem Himmel zur Erde zu gelangen.

Foto 6: Die Himmelsstiege von Bad Tölz
Der Übergang in den »Himmel« freilich erfordert im altslavischen Text einigen Mut (6): »Und die Spitze der Leiter war ein Antlitz wie eines Menschen, aus Feuer behauen.« Der unbekannte Textautor vergleicht das Tor zum Himmel mit einem »Antlitz eines Menschen, aus Feuer behauen«. Darf man den Text beim Wort nehmen? Dann gab es da eine »Leiter«, die zwölf »Sprossen« hatte und in ein Etwas mündete, das wie ein feuriges Menschenantlitz aussah. Prof. Ernst Bammel (*1923, †1996) versicherte mir, dass es nach jüdischer Legende aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt über dem Boden ein »Tor zum Himmel« gab. Ein »Stargate«? War dieses »Tor zum Himmel« so schrecklich, dass die Menschen sich fürchteten? Denn als schrecklich und fürchterlich wird der Übergang beschrieben, der Ein- und Ausgang, das »Himmelstor«.

Wie dürfen wir uns ein Tor zum Himmel vorstellen? Als realen Ort des Wechsels vom Irdischen ins Himmlische und umgekehrt?

Fußnoten
Foto 7
1) 1. Buch Mose Kapitel 28, Verse 11 und 12
2) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: 

Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur 
in kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, 
Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 1 und 2
3) Hier liegt wohl ein Druckfehler in der von mir 

zitierten Quelle vor. Jakob legte ja wohl kaum einen, 
sondern seinen Kopf auf einen Stein. 
Man darf ja wohl davon ausgehen, dass Jakob 
nur einen Kopf hatte!
4) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: 

Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in 
kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, 
Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 1, 4 und 5
5) ebenda
6) ebenda, I.3


Zu den Fotos
Foto 8
Foto 1:Jakobs Traum von der Himmelsleiter,  Kupferstich von 1694. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Jakobs Himmelsleiter in  einer niederdeutsche Lutherbibel, spätes 16. Jahrhundert
Foto 3: Der Kalvarienberg, Bad Tölz, Foto Heidi Stahl Mai 2014, copyright Heidi Stahl
Foto 4: Kreuzkirche Bad Tölz, Foto Heidi Stahl, copyright Heidi Stahl
Foto 5: Ein Engel vom Kalvarienberg Bad Tölz Heidi Stahl, copyright Heidi Stahl
Foto 6: Die Himmelsstiege von Bad Tölz, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Engel an der Himmelsstiege, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Engel rechts und links der Stufen, Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Gemälde von Michael Willmann  (1630–1706), wikimedia
commons/ public domain

Ein herzliches Dankeschön geht an Hedi Stahl für ihre vorzüglichen Fotos (3-5). Das Copyright für die Fotos hat natürlich Heidi Stahl!


413 »Jakob und das schreckliche Tor zum Himmel«,
Teil  413 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 17.12.2017



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