Sonntag, 29. Mai 2016

333 »Der Schrei der Mumie«

Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Spukt es in Kuelap?

»Völlig erschöpft erreicht ich die mysteriöse Ruine der einstigen Metropole der Chachapoyas. Es war kalt. Die Luft war – kein Wunder, bei einer Höhe von 3.000 Metern über dem Meeresspiegel – natürlich sehr dünn. Jeder Atemzug tat weh. Plötzlich war ich in Nebel getaucht. Oder waren es dichte Wolken? Eben noch hatte ich die gewaltige Mauer von Kuelap in greifbarer Nähe gesehen. Jetzt war sie verschwunden! Eben war mir noch angenehm, von der Temperatur her. Und jetzt war mir kalt.«

Foto 2: Ingeborg Diekmann
So schilderte mir Archäologie-Student Werner Kaiser (1) seinen Besuch in Kuelap. Nach einem Diavortrag über »Peru und seine Geheimnisse« waren wir ins Gespräch gekommen. Ich hatte auch über meinen Besuch in Kuelap berichtet.

Tagelang habe ich mich vor Ort aufgehalten. Ich bin außen die Monstermauer abgeschritten. Ich habe die schmalen Ein- und Ausgänge studiert wie steinerne Bücher. Steile Treppen führen durch hohe, schmale, künstlich geschaffene Spalten durch die Monstermauer in das Innere der wehrhaften Stadt. (Foto 2, links: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.)

Türen oder Tore waren nicht erforderlich. Es genügten wenige Verteidiger, die jedes Eindringen unmöglich machen konnten. Von oben wurden die Feinde mit Steinen beworfen. Tödlich getroffen sanken sie nieder, versperrten mit ihren Körpern nachrückenden Kämpfern den Weg. Auf breiter Front konnte nicht angegriffen werden. Nur wenige Krieger konnten sich gleichzeitig durch die schmalen Zugänge zwängen. Und die, die den Steinhagel überstanden, konnten im Kampf Mann gegen Mann besiegt werden. Ein riesiges Heer war also nutzlos, da immer nur wenige zugleich versuchen konnten, in die Stadt einzudringen. Die Monstermauer war viel zu hoch, als dass sie hätte schnell erklommen werden können. Wenn das jemand versuchen wollte, konnte er von oben mit Steinhagel eingedeckt werden.

Ob die Inka Kuelap je eingenommen haben? Oder wurde die Stadt warum auch immer aufgegeben? Fiel sie durch Verrat?

Foto 3: Kuelap über den Wolken

»Eben noch arbeitete ich mich im wabernden Nebel vor. Und plötzlich stand ich direkt vor der Mauer von Kuelap, im strahlenden Sonnenlicht. Und unter mir machte ich den Nebelschleier aus. Oder waren es Wolken? Jedenfalls wurde mir klar, wie hoch über Normalnull Kuelap angelegt worden war!«

Mich hat die nicht wirklich in Worte zu fassende Abgeschiedenheit von Kuelap zutiefst beeindruckt. Und damit meine ich nicht nur die räumliche Distanz der in den hohen Anden aufgetürmten Metropole. Diese Ferne vom Leben in niederen Gefilden war einst ein Schutz der Chachapoyas. Sie wurden von Feinden so schnell nicht entdeckt. Kuelap kam mir vor wie eine surreale Insel, fern von jeder Zeit. Wenn ich in Kuelap war, dann war der stressige Alltag unserer modernen Zeit weit, weit weg. Und in Kuelap, so versicherte mir Werner Kaiser, spukt es. Zumindest will er dort den Schrei der Mumie gehört und eine gespenstische Erscheinung gesehen haben.

Foto 4: Rekonstruiertes Rundhaus
Die monströse Wehrmauer bietet einen imposanten Eindruck. Im Inneren sind noch die Fundamente der seltsamen Rundhäuser zu erkennen. Archäologen haben so ein Gebäude rekonstruiert. Andere Reste von Bauwerken sind nur noch so bruchstückhaft erhalten, so dass nicht mehr zu erkennen sind, welchem Zweck sie einst dienten. Leider gibt es auch keinerlei Schrifttum der Erbauer der Stadt, so dass wir wohl auf so viele Fragen keine Antworten erhalten werden. Wir wissen nichts über das Leben der Chachapoyas. Wir wissen auch überhaupt nichts über die Religion der Chachapoyas. Wir kennen nicht ihre Sagen und Legenden, ob sie an ein Leben nach dem Tode glaubten und wie sie wohl – falls überhaupt – Götter verehrten und anbeteten.

Ungeduldig fragte mich Archäologie-Student Werner Kaiser nach meinem Vortrag: »Haben Sie auch die Knochen gesehen?« Das hatte ich in der Tat. Ich war im Inneren von Kuelap auf massive Gebäudereste geklettert, hatte da und dort enge Spalten in dicken Mauerstümpfen entdeckt und hatte mich neugierig hineingezwängt. Mir waren seltsame, leicht zu übersehende, sauber gearbeitete kleine »Eingänge«  aufgefallen. Ich habe sie, so gut es ging, erkundet. Da und dort lagen, geschützt von Ruinenresten Knochen, offensichtlich menschliche Knochen. Waren es Gräber im steinernen Mauerwerk? Wurden da einst Tote von den Chachapoyas bestattet? Oder war ich auf Reste von einst geopferten Menschen gestoßen?

Foto 5: Knochen im Gemäuer von Kuelap

Die Abgeschiedenheit von Kuelap bot bislang Schutz. Wenn sich aber erst einmal zigtausende Menschen auf den Weg machen und in Massen durch die »Ruine« ziehen? Von Vandalismus will ich gar nicht reden. Für einen solchen Ansturm ist die Stadt nie gedacht gewesen. Ich fürchte, dass vieles zerstört werden wird, bevor eine profunde Forschung beginnt. Das ist ja der »circulus vitiosus«, der »Teufelskreis«. Heute fehlt das Geld für umfangreiche Erforschung der Stadt in den Hochanden und für ihren Schutz vor dem Verfall. Viele Touristen würden viel Geld bringen, könnten also Forschung und Erhalt der faszinierenden Stätte finanzieren. Viele Touristen würden aber auch gefährden, was doch geschützt, erhalten und erforscht werden soll!

Foto 6: Das »Castillo« von Kuelap

Werner Kaiser schien es gar nicht abwarten zu können, bis die Zuhörerinnen und Zuhörer nach meinem Diavortrag und der anschließenden Diskussion endlich gegangen waren. Als ich meinen Diaprojektor einpackte, erzählte er mir aufgeregt eine kuriose Geschichte. Ob er wirklich erlebt hat, was er mir da offenbarte? Das jedenfalls behauptete er mit Nachdruck. Ich gebe seinen Bericht wieder, ohne eine Wertung vorzunehmen.


Foto 7: Das Gesicht am »Castillo«

Werner Kaiser: »Es war schon später Nachmittag, als ich die Ruine betrat. Ich war offenbar allein. Jedenfalls begegnete mir schon beim Aufstieg und dann auch innerhalb der Mauer kein Mensch. Als ich gerade die seltsame Gravur am Mauerwerk eines eigenartigen Turmstumpfs untersuchte, hörte ich plötzlich einen gellenden Schrei, der mir durch Mark und Bein fuhr! Woher kam er? War da jemand in Lebensgefahr?«


Foto 8: So soll der Geist ausgesehen haben

Diesen Turm habe ich bei meinem Besuch genauer »unter die Lupe genommen«. Ich habe die wissenschaftliche Literatur dazu studiert. Vermutlich war er einst von astronomischer Bedeutung. Ich glaube, er war eine Art von Observatorium. Das »Castillo« hatte, so nennt man ihn heute, hatte ursprünglich wie Ausgrabungen ergeben haben, ein rechteckiges Fundament und bestand aus drei plattformartigen Stockwerken. Heute ist das »Castillo« einsturzgefährdet. Holzbalken sollen Mauerwerk stützen. Eingraviert in einen der Mauersteine: ein menschliches Antlitz.


Foto 9: Der »schreiende Schädel«
Wen oder was stellt es dar? Tatsächlich gibt es die Theorie, es könne sich bei Kuelap insgesamt um ein Solar-Observatorium gehandelt haben. (2) Sollten die Chachapoyas einem Sonnengott gehuldigt haben?

Werner Kaiser: »Ich lauschte. Woher kam dieser Schrei? In welche Richtung musste ich eilen, wenn ich helfen wollte? Ich rannte, so gut ich im unebenen, unwegsamen Gelände konnte, los. Ich stürzte, verletzte mich dabei. Ich wollte so schnell wie möglich aufstehen, fühlte mich aber irgendwie wie gelähmt. Ich konnte mich nicht bewegen. Vor mir lagen in einer Art Nische bleiche Knochen. Es waren Menschenknochen. Und für Sekundenbruchteile tauchte in der Nische so etwas wie ein ›Geist‹ auf. Das ›Etwas‹ war – eine Mumie, in Tuch gehüllt. Der Kopf, ein Totenschädel, riss weit seine Kiefer auseinander. Noch einmal stieß das Wesen diesen grässlich schrillen Laut aus!«

Fußnoten

1) Name vom Verfasser geändert, strikte Vertraulichkeit wurde vereinbart und bleibt gewahrt.
2) McGraw, James, sowie Oncina, Manuel, Sharon, Douglas und Torres, Carlos: »Kuelap: A Solar Observatory?«, San Diego, Museum of Man, 1996

Foto 10: Der Totenkopf des Geistes
Zu den Fotos:

Foto 1: Spukt es in Kuelap? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Ingeborg Diekmann hat einen der engen Eingänge fast durchschritten.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3 Kuelap über den Wolken. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4 Rekonstruiertes Rundhaus.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5 Knochen im Gemäuer von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 Das »Castillo« von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7 Das Gesicht am »Castillo«Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8 So soll der »Geist« in etwa ausgesehen haben.Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: So soll der »schreiende Schädel« ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: So soll der Totenkopf des Mumien-Geistes ausgesehen haben. Foto Walter-Jörg Langbein

Hinweis: Foto 8 zeigt natürlich nicht den Schrei der Mumie. Die Mumie soll in etwa ao ausgesehen haben.
Fotos 9 und 10 zeigen natürlich auch nicht den  schreienden Totenschädel der Mumie. Foto 8 zeigt eine Chachapoya-Mumie, Fotos 9 und 10 wurden auf dem Friedhof von Chauchilla, Peru aufgenommen. Fotos 8 und 9 wurden etwas bearbeitet, um der Schilderung von Werner Kaiser nahe zu kommen.

 334»Der Schrei der Banshee«,
Teil 334 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 05.06.2016

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Sonntag, 22. Mai 2016

331 »Kamen die Kelten bis nach Peru?«

Teil 331 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Unterwegs nach Kuelap

Das »Hostal el Chillo« liegt in den Anden Nordperus. Wirt Oscar hat es selbst gebaut. Die Unterkunft ist spartanisch. Die Zimmer sind schlicht, aber sehr sauber. Und Oscar weiß viel über die legendären Erbauer der Metropole Kuelap. Wie hießen sie in ihrer eigenen Sprache. Oscar: »Wir wissen es nicht! Die Inka eroberten im 15. Jahrhundert auch den Nordosten Perus, stiegen auf die Berge hinauf und ›entdeckten‹ die wilden Krieger von Kuelap. Die Inka nannten sie ›Chachapoyas‹. Was das genau bedeutet, weiß man nicht wirklich.«

Zwei Übersetzungen finden sich in der wissenschaftlichen Literatur recht häufig: »Wolkenmenschen« und »Nebelwaldkrieger«. Das klingt vernünftig. Kuelap liegt immerhin in einer Höhe von 3.000 Metern über dem Meeresspiegel. Ich habe selbst erlebt, wie die gewaltige Monstermauer urplötzlich im Dunst von Wolkennebel verschwand. Manchmal ragte ein Mauerstück heraus, manchmal schien so etwas wie eine steinerne Wand »im Himmel« zu schweben.

Foto 2: Geheimnisvolles Kuelap

Oscar wartete mit einer kühnen These auf: »Vielleicht nannten die Inka die Krieger von Kuelap so, weil sie die Nebel hoch in den Anden an das nebelige Europa erinnerten? Ja manche behaupten sogar, dass die Chachapoyas gar nicht aus Südamerika stammen, sondern ursprünglich aus Europa kamen. Und das lange Zeit bevor Kolumbus Amerika entdeckte!«


Foto 3: Einer der Eingänge von Kuelap

Bei einem gemütlichen Imbiss diskutierten wir diese These. Oscar: »Vielleicht gab es wirklich schon in der Antike europäische Besucher in Peru. Vielleicht waren es Europäer, die Kuelap bauten, vor vielen Jahrhunderten?« Oscar verwies darauf, dass manche der ersten Chachapoyas für südamerikanische Verhältnisse ungewöhnlich groß waren. So waren Archäologen mehr als verblüfft, als sie Skelette der »Ur-Chachapoyas« fanden, die 1.80 Meter groß waren. Auch sollen sie hellere Haut als die  Inka gehabt haben. Auf derlei Kontakte deuteten, so Oscar, die »Gringuitos«. Gelegentlich werden in Chachapoya-Gefilden hellhäutige, blonde Kinder geboren. Derlei »europäische« Kinder sind uns freilich nicht begegnet.

Foto 4: Er stand auf seines Daches Zinnen

Auf die »Gringuitos« stieß ich erst kürzlich, und zwar bei der Literatur-Recherche in Sachen Chachapoyas. Bei Hans Giffhorn lese ich (2): »Der Anthropologe und Paläopathologe Michael Schultz von der Universität Göttingen – zuständig auch für Altamerikanistik – beschäftigte sich mit Fotos dieser Menschen (3). Sein erster Eindruck: ›Die sehen aus, als wenn sie vor zweihundert Jahren aus Irland eingewandert wären.‹ Doch ihre Familien, so hört man in den Dörfern, hätten schon immer hier gelebt, schon vor der Ankunft der Konquistadoren.«

Man mag zu derlei Spekulationen stehen wie man will: Seetüchtige phönizische Völker wie die Karthager hätten sehr wohl den Atlantik überqueren können. Aber kamen sie schon in der Antike bis nach Südamerika? Wir wissen es nicht. Belege für derlei Fahrten gibt es keine. Am 8.5.2013 berichtete die Tageszeitung »Welt« (4):

Foto 5: Treppe ins Innere von Kuelap
»Wie kamen blonde Weiße vor Kolumbus nach Peru? Als die Konquistadoren in die Anden kamen, staunten sie über die hellhäutigen Chachapoyas. Nach genetischen Untersuchungen ist sich Hans Giffhorn sicher: Es handelt sich um Nachfahren von Kelten. Wer sich die Hinterlassenschaften der Kelten anschauen möchte, fährt naheliegenderweise zu den einschlägigen Orten in Deutschland, nach Frankreich und in andere Länder Westeuropas, um Überreste von Siedlungen, Grabstätten und Verteidigungsanlagen zu finden. Hat er sie alle durch, kann er allerdings auch nach Südamerika fahren, um am Ostrand der Anden Bauwerke und andere kulturelle Errungenschaften jenes frühen europäischen Volkes und seiner Nachfahren zu bewundern – alles aus einer Zeit viele Jahrhunderte vor der ersten Überfahrt von Christoph Kolumbus. Kelten waren nämlich lange vor Kolumbus in der Neuen Welt. Gemeinsam mit Karthagern.«

Sollten tatsächlich Kelten, vielleicht auf Schiffen von Karthagern, bis nach Peru gekommen sein? Sollten Kelten beim Bau der Monstermauer von Kuelap mitgewirkt haben? Tatsächlich ähnelt die Bauweise von Festungsmauern der Kelten Spaniens sehr jener der »Wolkenmenschen«. Allerdings konnte ich auf meinen Reisen zu rätselhaften Orten unseres Planeten immer wieder feststellen, dass weltweit an Orten, zehntausende Kilometer voneinander getrennt, erstaunlich ähnliche Techniken bei der Setzung von Steinmauern verwendet wurden. Bedeutet dies, dass es tatsächlich Kontakte zwischen den unterschiedlichen Kulturen gegeben hat? Oder entwickelten sich weltweit und unabhängig voneinander ganz zufällig verblüffend ähnliche Fähigkeiten?

Foto 6: Mauer von Kuelap

Anerkennend konstatiert die seriöse »Wienerzeitung« (5): »Doch Giffhorn bleibt nicht bei einem Vergleich der Architektur stehen. Er schmiedet eine beeindruckende Kette an Indizien: Trophäenkopfkult, Steinschleudern, Schädelbohrungen, dazu DNA-Analysen heute lebender hellhaariger Einheimischer mit Chachapoya-Vorfahren bis hin zum Phänomen präkolumbianischer Tuberkulose (nach gängiger Auffassung wurde die Tuberkulose durch die Europäer eingeschleppt) stützen die Annahme des Kulturwissenschaftlers, die Chachapoyas seien keltischer Herkunft.«
Hans Giffhorn stellt in zutreffender Weise fest (6): »Giffhorn … ist nun wahrlich kein pan-germanischer oder pan-keltischer Spinner ...«

In der Tat: Der 1942 geborene deutsche Kulturwissenschaftler ist ein seriöser Gelehrter. Er unterrichtete »Visuelle Kommunikation« an der Pädagogischen Hochschule Göttingen, wurde 1981  Universitätsprofessor für Kulturwissenschaften an den Universitäten Göttingen und bis zu seiner Emeritierung in Hildesheim. Er beharrt auch nicht selbstgerecht auf der Richtigkeit seiner kühn anmutenden These. Er versteht sie als Diskussionsansatz, »in der Hoffnung, dass dadurch sachliche Diskussionen und weitere Forschungen angeregt werden.«

Die Chachapoyas wurden offenbar um das Jahr 1475 von den Inka militärisch besiegt. Kurz darauf trafen die Spanier ein, eine mordende und plündernde Bande. Die Chachapoyas müssen die Inka abgrundtief gehasst haben. So kämpften Chachapoyas auf Seiten der spanischen Eroberer gegen die Inka.

Es ist tragisch: 1549 lebten noch 90.000 Chachapoyas. 1475 dürften es noch 500.000 gewesen sein. Der Krieg mit den Inkas, die spanischen Banden, aber auch Masern und Pocken forderten einen sehr hohen Blutzoll!

Foto 7: Typisches Kuelap-Mauerwerk

In Leimembamba lagerten zur Zeit meines Besuchs rund 200 Mumien in einem angeblich »klimatisierten« Raum. Man versicherte mir vor Ort, dass es sich nur um ein Provisorium handele. Man wolle einen weiteren Verfall der Mumien durch Temperaturveränderungen vermeiden. Die Aufbewahrung der Mumien empfand ich als unwürdig. Da lag die noch sehr gut erhaltene Mumie eines Babys auf einer Art Krepppapier in einem schäbigen Pappkarton, der einst Bierflaschen enthalten hatte.

Foto 8: Toter Chachapoya
In Kisten aus Holz kauerten Mumien in Embryohaltung. Inzwischen wurden die Mumien aber in ein eigens errichtetes, modernes Museum überstellt. Ob allerdings die Aufbewahrung eines ihrer Toten in einer Glasvitrine aus Sicht der Chachapoyas so viel würdevoller, so viel angemessener ist als die Unterbringung in einer klimatisierten Rumpelkammer, das wage ich zu bezweifeln.

Was bleibt, das sind Fragen wie: Wer waren die Chachapoyas? Woher kamen sie? Zu welchem Zweck wurde die Festung Kuelap mit der zwanzig Meter hohen Monstermauer gebaut?

Fußnoten

1) Siehe auch Lerche, Peter: »Chachapoyas«, Lima 1966
2) Giffhorn, Hans: »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« München, März 2014. Zitiert habe ich die eBook-Ausgabe!
3) Gemeint sind Fotos von »Gringuitos«.
4) Meine Quelle ist die Online-Version des zitierten Artikels!
5) Meine Quelle ist die Online-Version des Artikels »Die Kelten kamen bis nach Peru«  der »Wienerzeitung« vom 20.9.2013
6) ebenda
7) Giffhorn, Hans: »Wurde Amerika in der Antike entdeckt?« München, März 2014. Zitiert habe ich die eBook-Ausgabe, »Zur Entstehung dieses Buches«

Zu den Fotos

Foto 9: Ein/ Ausgang von Kuelap
Foto 1: Unterwegs nach Kuelap. Foto Ingeborg Diekmann.
Im Bild zu sehen: Unsere kleine Reisegruppe mit gelädegängigen Fahrzeugen. Ein »Ersatzfahrzeug« war immer dabei, so dass wir im Falle einer Panne nicht aufgehalten wurden.

Foto 2: Geheimnisvolles Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 3: Einer der Eingänge von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein. Die sehr schmalen Zugänge konnten von wenigen Kämpfern effektiv verteidigt werden. Offenbar wurde Kuelap nie von den Inka erobert.

Foto 4: Er stand auf seines Daches Zinnen. Foto Walter-Jörg Langbein (Schiller: Der Ring des Polykrates)

Foto 5: Treppe ins Innere von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 6: Mauer von Kuelap.Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 10
Foto 7: Typisches Kuelap-Mauerwerk. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 8: Toter Chachapoya. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 9: Ein/ Ausgang von Kuelap. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 10 (links): Gottheit oder Geist? Schnitzwerk aus Kuelaps rätselhafter Vergangenheit. Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein

333»Der Schrei der Mumie«,
Teil 333 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 29.05.2016


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