Freitag, 1. Februar 2013

#Aufschrei: Wer sich wie ein Goldfisch fühlt, sollte nicht mit Haien schwimmen

Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Die Situation kennt wohl jede Frau: Völlig unvermittelt kommt ein merkwürdiger Spruch von einem männlichen Gegenüber, der irgendwo zwischen ungeschicktem Flirtversuch und anzüglicher Frechheit angesiedelt ist. Die möglichen Reaktionen darauf sind zahllos: Bei entsprechend trainierter Schlagfertigkeit der weiblichen Seite stellen solche Baggerversuche einen täglichen Quell der Heiterkeit dar, der dabei hilft, eine dröge Arbeitsatmosphäre aufzupeppen. Ein Beispiel:

Herr Meier bittet seine Kollegin um einen Gefallen: »Frau Müller, bitte machen Sie doch die Fotokopien, denn immer, wenn Sie sich über den Kopierer beugen, sieht man Ihren Hintern so gut!«

Was sollte Frau Müller auf so etwas antworten? Sollte sie einen #Aufschrei auf Twitter starten und der Welt lauthals verkünden, dass sie sich als Opfer einer sexistischen Anmache empfindet? Soll sie auf diese Weise alle wissen lassen, dass sie nicht Herrin der Lage ist und letztendlich doch »nur« eine schwache Frau, mit der man es ja machen kann? Nun, Frau Müller hat ein wenig mehr Erfahrung im Umgang mit männlichem Hormonstau. Deshalb antwortet sie souverän:

»Das mach ich doch gerne für Sie! – Ach, dabei fällt mir ein: Bitte kommen Sie doch gleich mal mit, denn ich hatte mir schon lange vorgenommen, einen Scann von Ihrem Schwanz zu machen und ihn gegebenenfalls zu archivieren. Auf Mikrofilm.« – Natürlich sagt sie dies so laut, dass auch der Rest der Belegschaft den Inhalt ihrer Aussage zur Kenntnis nimmt und der Vormittag somit gerettet ist. Nicht auf Kosten von Frau Müller, sondern auf Kosten des künftig nur noch »Mikro-Meier« genannten Bürocasanovas, versteht sich.


Beharren auf dem Opfer-Modus

Die aktuell unter dem Twitter-Hashtag #Aufschrei geführte Sexismus-Diskussion bestärkt das Verharren junger Frauen im Opfer-Modus. Klar: Wer einen pubertären Spruch nicht verkraften kann, ohne gleich rot anzulaufen, hat schon verloren und bekommt die endgültige Niederlage vielleicht sogar mit einem frechen »Sie sind echt süß, wenn Sie sich genieren!« bescheinigt.

Es so weit gar nicht erst kommen zu lassen, dazu bedarf es wohl einer gewissen Erfahrung, die der damals 28-jährigen Stern-Journalistin Laura Himmelreich offenbar abging, als sie vor über einem Jahr an einer Stuttgarter Hotelbar mit dem FDP-Politiker Rainer Brüderle zusammentraf. Dieser befand sich zu vorgerückter Stunde bereits in gelöster Stimmung. Der an Situation und Tageszeit gemessen ziemlich harmlose Wortwechsel, der dann folgte, scheint Frau Himmelreich hammermäßig traumatisiert zu haben, da sie ihn erst kürzlich, lange nach dem angeblichen Vorfall, in der Druckausgabe des Magazins »Stern« öffentlich machte.


Medialer Pranger für den »Sexisten der Nation«

Rainer Brüderle steht seitdem als Sexist der Nation am medialen Pranger, nahezu zeitgleich mit seiner Berufung zum Spitzenkandidaten der FDP. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der ganze Vorgang ist ein Bärendienst für sämtliche Journalistinnen: Künftig werden Politiker es sich zweimal überlegen, ehe sie mit weiblichen Journalisten im informellen Rahmen Umgang pflegen. Da es für Goldfische nun mal gefährlich ist, mit den Haien zu schwimmen, laufen Journalistinnen Gefahr, künftig auf harmlosere Aufträge geeicht zu werden und ihre Zeit vermehrt am Schreibtisch zu verbringen. Da ist der Grund für den nächsten #Aufschrei bereits vorprogrammiert!

Ich selbst meine dazu: Das permanente Ausspielen des weiblichen Opfer-Abos nervt. Es impliziert, dass Frauen als grundsätzlich bedrohte Art ein Reservat für sich beanspruchen müssen, um überhaupt existieren zu können. Wer meint, so leben zu wollen, kann dies gerne tun. Alle anderen sollten ihren Blickwinkel erweitern und erkennen, dass dies kein spezifisch weibliches Problem ist und auch nahezu alle Männer irgendwann im Leben ihr Maß an Sexismus abbekommen: So konnte sich Sänger Patrick Nuo im diesjährigen RTL-Dschungelcamp nur mit Mühe einer angedienten »Klötenmassage« durch Olivia Jones entziehen und die ganze Nation fand es witzig, obwohl es dem so Bedachten sichtlich peinlich war. Sich auf Kosten anderer zu amüsieren, ist also entweder gesellschaftlich akzeptiert, oder aber wir brandmarken es als absolutes No-Go, dann aber für beide Geschlechter geltend.

Wer Anregungen zur Abwehr unerwünschter Anmache braucht, findet sie in folgendem Video: :-)



Direktlink zum Video



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