Sonntag, 22. September 2019

505. »Am Anfang«

Teil 505 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1 und 2: Erster und zweiter Tag der Schöpfung

Vor einigen Monaten beschäftigte ich mich intensiv mit der Weltsicht eines Wissenschaftlers, der unser Verständnis von der Wirklichkeit vollkommen revolutionieren wird. Prof. Markolf H. Niemz hat eine Kosmologie entwickelt, die religiöse Weltbilder und physikalische Erkenntnisse in Einklang bringt. Er schreibt (1): »Licht ist ein komplexer, das gesamte Universum durchdringender Speicher, in dem jedes Objekt unauslösliche Spuren hinterlässt.« Der Physiker stellt eine Frage und bietet eine faszinierende Antwort (2): »Licht ist das große Unbekannte. … Ist Licht Information? Damit kommen wir dem Wesen des Lichts schon viel näher. Licht speichert alles, was jemals im Universum geschieht. Es ist eine Art ›Tagebuch der Schöpfung‹.« 

Ich frage: Hinterlassen wir im kosmischen Licht Spuren? Speichern wir im »kosmischen Licht« so etwas wie eine Chronik der Menschheit ab? Oder ist dieses »kosmische Licht« so etwas wie ein »Computerprogramm«, das Illusionen erschafft? »Der Mensch lebt von seinen Illusionen.« schrieb der Dichter und Schriftsteller Wilhelm Raabe (*1831; †1910). Oder ist der Mensch selbst wie das Universum eine Illusion, geschaffen von einem fantastischen Computerprogramm?

Ist der Kosmos eine Illusion? Sind wir eine Illusion, erzeugt von diesem »Computerprogramm«, das ohne Hardware auskommt? Ist unsere Realität eine Illusion, die in einem »Supercomputer« aus »Licht« erzeugt wird? Wer hat diesen »Supercomputer« ersonnen und verwirklicht? War und ist es, was auch immer wir uns unter »Gott« vorstellen mögen?

Doch nun zu meiner Übersetzung des vielleicht bekanntesten Texts aus der Bibel, den auch Atheisten kennen. Selbst wer noch nie eine Bibel in der Hand gehabt hat, wird vom Schöpfungsbericht gehört haben, der ganz am Anfang des »Alten Testaments« steht.

1. Buch Mose, Kapitel 1 (Genesis 1)

Foto 3: 1. Tag der Schöpfung/
Licht und Dunkelheit.
1) Am Anfang schuf  (Einzahl!!) die Götter (Elohim = Mehrzahl!!) die Himmel und die Erde.

2) Und die Erde, die war Tohu Wabohu und Dunkelheit auf dem Gesicht des Urmeeres und der Hauch der Götter schwebend auf dem Urgesicht der Wasser.

3) Und es sprachen die Götter, Licht sei, und Licht wurde.

4) Und es sahen die Götter, das Licht, ja, gut! Und es trennten die Elohim (die  Götter) zwischen dem Licht und zwischen der Dunkelheit.

5) Und es riefen an die Götter das Licht: Tag, und die Dunkelheit riefen sie an: Nacht. Und es ward Abend und es ward Morgen: erster Tag.

6) Und es sprachen die Götter, es werde ein Gewölbe inmitten der Wasser und es werde voneinander getrennt zwischen Wassern und Wassern.

7) Und es machten die Götter das Gewölbe und sie trennten zwischen den Wassern welche von unter dem Gewölbe und zwischen den Wassern, welche oben dem Gewölbe und es war gut.

8) Und es riefen die Götter dem Gewölbe: Himmel, und es ward Abend und es ward Morgen: zweiter Tag.

9) Und es sprachen die Götter, sie sollen sich sammeln, die Wasser, von unter der Feste (von unter dem Himmel) an einem Ort und es lasse sich sehen das Trockene. Und es war recht.

10) Und es riefen die Götter dem Trockenen: Erde und der Ansammlung von Gewässern riefen sie zu: Meer. Und es sahen die Götter, dass gut!

Foto 4: 2. Tag der Schöpfung/ Wasser
und trockenes Land

11) Und es sprachen die Götter, die Erde bringe hervor Gras und Kräuter, Samen bildende, Fruchtbaum, der nach seiner Art Frucht macht und welcher Samen trägt darin auf der Erde und es war recht.

Foto 5: 3. Tag der Schöpfung/ Pflanzen sprießen
12) Und sie brachte hervor, die Erde, frisches Grün, Kräuter, Samen bildende nach ihrer Art, Baum, der Frucht macht seiner Art nach, worin er samt, und es sahen die Götter, ja, gut!

13) Und es ward Abend und es ward Morgen: dritter Tag.

14) Und es sprachen die Götter, es seien Leuchten am Himmelsgewölbe um zu trennen zwischen dem Tag und zwischen der Nacht, damit sie werden Zeichen, für Zeiten, Tage und Jahre.

15) Und es seien Lichter am Firmament zum Leuchten auf die Erde und es war recht.

16) Und es machten die Götter zwei Leuchtkörper, den großen Leuchtkörper zum Herrschen am Tag und den kleinen zum Leuchten in der Nacht und die Sterne.

17) Und es gaben sie die Götter ans Gewölbe des Himmels zum Leuchten auf die Erde.

18) Hinsichtlich des Herrschens am Tag und in der Nacht und hinsichtlich des Trennens zwischen dem Licht und zwischen dem Dunkeln und es sahen die Götter, ja, gut!

Foto 6: 4. Tag der Schöpfung/ Sonne, Mond und
Sterne

19) Und es ward Abend und es ward Morgen: vierter Tag.

20) Und es sprachen die Götter, das Wasser wimmele ein Wimmeln lebenden Wesens und Vögel fliegen auf der Erde und vor dem Angesicht des Himmelsgewölbes

21) Und es schufen die die Götter die großen Ungetiere, sie, die Götter, und alle lebendigen Wesen, von welchen wimmelten die Wasser, wie es ihre Art.

22) Und es sahen die Götter, ja, gut! Und es segneten sie, die Götter, und sprachen: fruchtet und mehret euch und erfüllet die Wasser in den Meeren und auch der Vogel vermehre sich auf der Erde!

Foto 7: 5. Tag der Schöpfung/
Tiere des Meeres und der Lüfte

23) Und es ward Abend und es ward Morgen: fünfter Tag.

24) Und es sprachen, die Götter, es treibe die Erde, lebendiges Wesen nach ihrer Art. Herdentiere, Kriechtiere und wild lebende Tiere nach ihrer Art. Und so ward es.

25) Und es machten die Götter, das Wildlebende auf dem Erdenland nach seiner Art und alles Zappelnde des Ackers nach seiner Art. Und es sahen die Götter, ja gut!

Foto 8: 6. Tag/
Tiere des Landes

26) Und es sprachen die Götter: Machen wir den Menschen gemäß unserem Bilde. Sie (die Menschen) mögen herrschen über das Fischvolk der Meere, den Himmelsvogel, all das Erdengetier und alles Regende auf der Erde.

27) Und es schufen die Götter, den Menschen in ihrem Ebenbilde, sie schufen ihm im Bilde der Götter, männlich schufen sie sie, weiblich schufen sie sie.

28) Es segneten sie die Götter: fruchtet und mehret euch und erfüllet die Erde und ermächtigt euch derselben! Herrschet über des Meeres Fischvolk, den Himmelsvogel und über alles Lebende, das regt sich auf der Erde.

29) Und es sprachen die Götter: gegeben sei euch alles Kraut das Samen sät, das ist überall auf dem Gesicht der Erde, jeden Baum, dem Samen säende Frucht des Baumes ist: euch zum Essen sei es!

30) Und allem Lebenden der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich regt auf Erden worin es lebt, ihnen allen alles Grün des Krautes zum Essen! Und es ward so!

Foto 9: 6. Tag/
Adam und Eva

31) Und es sahen die Götter alles, das sie gemacht, und ja: gut! Und es ward Abend und es ward Morgen: sechster Tag!

1. Buch Mose, Kapitel 2 (Genesis 2)

1) Himmel und Erde vollendet waren und all ihre Schar.

Foto 10: 7. Tag/
Tag der Ruhe nach der anstrengenden Schöpfung

2) Und es beschlossen die Götter die Arbeit am siebten Tag. Und sie feierten am siebten Tag von aller Arbeit, die gemacht.

3) Und sie, die Götter, segneten den siebenten Tag und machten ihn heilig, weil sie, die Götter ruhten an ihm von allen Werken.

4) Dies sind die Berichte der Erschaffung des Himmels und der Erde: ihr Erschaffensein.

Soweit meine Übersetzung. Wir wissen, dass die Erde um die Sonne kreist. Sie dreht sich in 24 Stunden einmal um die eigene Achse. Auf der Erdhalbkugel, die der Sonne zugewandt ist, da ist es Tag. Auf der Erdhalbkugel, die der Sonne abgewandt ist, da herrscht Nacht. Es ist eine Binsenweisheit: Ohne Sonne gibt es nicht Tag und Nacht.

Ist es Ihnen aufgefallen, dass nach dem Schöpfungsbericht, Sonne und Mond erst am 4. Tag erschaffen werden (3)? Demnach kann es vorher nicht den Wechsel zwischen Tag und Nacht gegeben haben. Seltsam: Gleich zu Beginn der Schöpfung (4) wird »Licht« erzeugt. Um Sonnenlicht kann es sich dabei nicht handeln, denn die Sonne gibt es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. 

Wagen wir eine kühne Spekulation: Am Anfang der göttlichen Schöpfung entsteht das »Licht« des »Supercomputers«. In dieser Illusion aus »Licht« wird das erzeugt, was wir für Realität halten.

Fußnoten
(1) Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander«, Ludwig-Verlag/ Random Hose, München 2017, Seite 86, Zeilen 1 und 2 von unten und Seite 87, Zeile 1 von oben
(2) Ebenda, Seite 85, Zeilen 1 und 2 und Zeilen 3-6 von oben
(3) 1. Buch Mose, Kapitel 1, Verse 14-19 (Genesis 1, 14-19)
(4) 1. Buch Mose, Kapitel 1, Vers 3

Zu den Fotos 
Bei den Fotos 1-6 und 8-10 handelt es sich um Buchmalereien, die um das Jahr 1220 entstanden sind. Die Originale befinden sich in der großen und mit Recht berühmten »Nationalbibliothek Lissabon«. Die Fotos sind gemeinfrei/ wiki commons.
Foto 7: Französische Buchmalerei, entstanden um 1415. Das Foto ist gemeinfrei/ wiki commons

»Die 3. Schöpfungsgeschichte«,
Teil 506 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29. September 2019

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Kommentare:

  1. Das ist starker Tobak ! 1. es gibt zwei Schöpfungsberichte in der Bibel, von welcher soll die Übersetzung sein.Nach Meinung der Exegeten soll der 2. älter sein als der erste Bericht.Auch lese ich diese Übersetzung zum ersten Mal.Mir ist bekannt, dass im Urtext häufig der Plural von Gott verwendet wird, trotzdem weicht die hier vorliegende Übersetzung von allen mir bekannten Übersetzungen ab.
    Licht, soweit mir bekannt, hat Wellencharakter und gibt die Energie der Informatin auch Wellenförmig weiter.
    Dann war lt den Wissenschaftlern zu Beginn der Tag nicht länger als 6 Std. Das änderte sich erst, nachdem sich der Mond nach einer Kollision der Erde mit einem Protoplaneten, gebildet hatte. Die Sonne gab es natürlich schon am ersten Tag, denn die wurde vor der Erde gebildet,Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, von welchem anderen Licht hier die Rede sein soll.
    Die Idee von dem Supercomputer und unserer Realität als virtuelle Illusion ist nicht neu und ist durchaus reizvoll, jedoch gibt es, soweit mir bekannt,keine nennbaren Indizien für eine solche Hypothese.
    Es gibt jedoch trotzdem Sprengstoff in den Schöpfungsberichten, die man bei aufmerksamen Lesen, selbst herausfinden kann.

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    1. Übersetzt habe ich, und das ist ja auch so angegeben, 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 1 bis 1. Buch Mose, Kapitel 2, Vers 4. Es handelt sich also um den ersten den jüngeren Schöpfungsbericht. Eine Übersetzung des älteren Schöpfungsberichts wird noch folgen. Ich danke Unknown für das Interesse und die interessanten Aussagen.

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