Sonntag, 11. November 2018

460 »Astronautengötter oder ein kosmogonischer Mythos?«

Teil 460 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Unzählige Künstler ...
Wie ist das Leben auf unserem Planeten entstanden? Wie kam es zu den unterschiedlichen Arten und wie entstand der Mensch? Wer in der Schule aufgepasst hat, wer gelegentlich vermeintlich wissenschaftliche Dokumentationen über sich ergehen ließ, der hat keinen Zweifel mehr. Alles ist mit Prinzip Zufall und Darwins Weisheiten zu erklären. Aber sind wirklich alle Fragen beantwortet? Vor allem ist Allzweckwaffe Evolutionstheorie bewiesen und in der Welt der Wissenschaft allgemein anerkannt? Offenbar nicht. Michael Denton (1943) hat es auf den Punkt gebracht (1): »Letztendlich ist die Darwinsche Evolutionslehre nicht mehr und nicht weniger als ein großer kosmogonischer Mythos des 20. Jahrhunderts.«

Was wir als wissenschaftlich erwiesen glauben möchten, weil wir religiöse Antworten nicht mehr glauben möchten - »nichts weniger als ein großer kosmogonischer (2) Mythos? Kosmogonie lässt sich vom griechischen »kosmogonia«, »Welterzeugung« herleiten. Eine Kosmogenie bietet eine Erklärung für Entstehung und Entwicklung von unserem Planeten Erde und von allem, was darauf wächst, lebt und gedeiht.

Foto 2: ... versuchten sich am Thema...


Noch heute bieten vermeintlich klar denkende Zeitgenossen, die sich ausschließlich der Wissenschaft verpflichtet fühlen mythologisch-religiösen Erklärungen für das Werden auf unserer Erde Paroli. Alles wirklich und vermeintlich Religiöse wird herablassend abgelehnt. Aber letztlich wird nur eine Religion durch eine andere, pseudowissenschaftliche Religion ersetzt. Der britische Physikprofessor Henry Lipson (*1910; †1991) monierte süffisant (3): »Die Evolution wurde in einem gewissen Sinne zu einer wissenschaftlichen Religion; fast alle Wissenschaftler haben sie akzeptiert, und viele sind darauf eingestellt, ihre Beobachtungen zu ›verbiegen‹, dass sie mit ihr übereinstimmen.«


Wird also lediglich alte durch neue Mythen ersetzt? Studiert und vergleicht man den kosmogonischen Mythos mit diversen religiös-mythischen Kosmogonien, wird ein wesentlicher Unterschied deutlich. Der moderne Mythos baut auf den allgegenwärtigen Faktor Zufall, die uralten religiös-mythischen Kosmogonien gehen von gelenkter Evolution aus, wobei Götter die Entwicklung vorantreiben. Wenn wir eine vollständige Geschichte unseres Planeten und der Menschheit schreiben wollen, müssen wir endlich die uralten Mythen einbeziehen und dürfen sie nicht mehr als unglaubwürdige Ammenmärchen abtun. Wir müssen unser Wissen hinterfragen, wenn altehrwürdige Mythen mehr zu wissen scheinen als wir Jetztmenschen, die wir uns so viel auf unsere Wissenschaftlichkeit einbilden.

F.3: Adam und Eva
Prof. Dr. Pierre Grimal (*1912; †1996) war ein bedeutender französischer Altphilologe und Althistoriker. Er gilt auch heute noch als einer der einflussreichsten und wirkkräftigsten klassischen Philologen des 20. Jahrhunderts. In Anerkennung seiner immensen wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Grimal zum »Ritter der Ehrenlegion« ernannt. Besonders wichtig ist das dreibändige Werk »Mythen der Völker«, das Prof. Grimal schon 1963 herausgab. In seinem einleitenden Beitrag (4) zu Band 1 schrieb der Gelehrte (4): »Denn der Mythos – und auch dies ist eine seiner grundlegenden Eigenarten – ist ein Band zwischen Vergangenheit und Zukunft.«

Dr. Bronisław Kasper Malinowski (*1884; †1942) stammte aus einer polnischen Adelsfamilie, studierte in London und wurde einer der bedeutendsten Kulturanthropologen überhaupt. Sein Werk »Argonauten des westlichen Pazifik« entwickelte sich rasch zum Bestseller und machte ihn weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt. Bereits 1926 erschien sein Buch »Myth in Primitive Psychology« in London und ist heute als eBook erhältlich. Dr. Malinowski schreibt (5): »Mythos, so wie er in einer primitiven Gemeinschaft existiert, ist nicht nur eine erzählte Geschichte, sondern gelebte Wirklichkeit. Er ist nicht von fiktivem Naturell in der Art unserer heutigen Romane,  sondern er ist eine lebende Wirklichkeit, von der man glaubt, dass sie sich einst in uranfänglichen Zeiten tatsächlich ereignete, und die nach wie vor die Welt beeinflusst.«

Zum Glück sind die Mythen, wie Prof. Dr. Pierre Grimal konstatiert (6), »in allen Gebieten recht zahlreich«, so dass wir zahlreiche »Bänder« zur Verfügung haben, die uns mit der Realität urzeitlicher Geschehnisse verbinden. Wir müssen aber diese Wege in die Vergangenheit nutzen, wollen wir uns über womöglich fantastische Ereignisse der grauen Vergangenheit informieren. Leider wollen viele Laien wie Wissenschaftler diese Nachrichten aus der Vorzeit nicht zur Kenntnis nehmen. Sie schließen aus, was ihrer Meinung nach nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

Dr. Anton Eduard Wollheim da Fonseca (*1810; †1884) studierte Philosophie, Philologie und Geschichte und promovierte schließlich über altindische Sanskrit-Texte. Besonders intensiv setzte sich der Gelehrte mit altindischer Mythologie auseinander. Schließlich verfasste er eine grundlegendes Werk: »Mythologie des alten Indien«(7). Für da Fonseca gab es keinen Zweifel: Wer Mythen für unglaubwürdige Fabeln hält, der versteht das wahre Wesen der Mythen nicht. Für ihn waren Mythen »erhabenster Ausdruck der erhabensten Wahrheiten.« Mythen, so konstatierte der Gelehrte, sind »die Urgeschichte der Menschheit«.

Foto 4: Eva und die Schlange

Eine solche »Wahrheit« wird in so gut wie allen mythologischen Überlieferungen über den Ursprung der Menschheit beschrieben: vom aztekischen Aztlan-Mythos bis zum Zoroastrismus. Juden, Christen und Moslems sind von dieser »Wahrheit«. Ob sumerisches Atrahasis-Epos oder babylonischer »Enuma-Elisch«-Mythos: überall wird berichtet, wie der Mensch durch einen göttlichen Schöpfungsakt entstand. Weltweit wird überliefert, dass der Mensch nicht durch eine unglaubliche, unrealistische Anhäufung von Zufällen entstand, sondern durch gezieltes Eingreifen von »Göttern«? Alles nur Ammenmärchen?

Erich von Däniken (*1935) sieht den Menschen als Produkt außerirdischer Besucher auf Planet Erde. Diese Theorie vertritt er seit mehr als einem halben Jahrhundert, zuletzt in seinem Buch Botschaften aus dem Jahr 2118 (8): »Und woher kommt der Mensch? In fast allen Überlieferungen wurde er durch himmlische Wesen erschaffen.«

Anno 2017 erschien »Human by design«, ein populärwissenschaftliches Buch von Gregg Braden, das die alten Schöpfungs-Mythen bestätigt. Die deutsche Übersetzung des Werks folgte 1 Jahr später, anno 2018: »Mensch: Gemacht«. Autor Gregg Braden kommt zu einer atemberaubenden Erkenntnis (9): »Neueste Forschungen zeigen, dass der Mensch, wie wir ihn heute kennen, vor 200.000 Jahren bereits existierte. Er trat plötzlich in Sein – aufgrund einer Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss.«

Foto 5: Im Paradies. Meisterwerk von Michelangelo

Eine »Verschmelzung von Genen, die bewusst herbeigeführt worden sein muss«? Von wem? Von Außerirdischen, die einst zur Erde gekommen sind und als Götter verehrt wurden?

Anmerkung zu den Fotos (Warnung: Humor!)
Ich hoffe sehr, dass ich die angekündigte Rückkehr der Astronautengötter noch erleben darf. Ich hoffe dass mir die Astronautengötter dann Dokumentarfotos von der Kreation von »Adam und Eva« zur Verfügung stellen werden. Dann werde ich die Fotos von Kunstwerken zum Thema »Adam und Eva« entfernen und durch Dokumentarfotos ersetzen.

Fußnoten
(1) Denton, Michael: Evolution. »A Theory in Crisis«, 1986, Seite 358, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 53 Mitte
(2) Siehe auch wikipedia Artikel »Kosmogenie«, Stand 11.11.2018
(3) Lipson, H.S.: »A Physicist Looks at Evolution«, »Physics Bulletin«, Bd. 31, Nr. 4 (Mai 1980), S. 138, zitiert nach Braden, Gregg: »Mensch: Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018, Seite 52 Mitte
(4) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 12-27
(5) Malinowski, Dr. Bronisław Kasper: »Myth in Primitive Psychology«, London 1926, S. 21, eBook-Ausgabe, Read Books Ltd. 2011, Pos. 138, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser.
(6) Grimal, Pierre: »Der Mensch und der Mythos« in Grimal, Pierre (Hrsg.): »Mythen der Völker Band I«, Frankfurt 1976, S. 14 Mitte
(7) Anton Eduard Wollheim da Fonseca: »Mythologie des alten Indien«, Berlin 1856. Siehe hierzu Däniken, Erich von: »Botschaft aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016, S. 133 (eBook-Ausgabe, Rottenburg 2016, Pos. 1635)
(8) Däniken, Erich von: »Botschaften aus dem Jahr 2118/ Neue Erinnerungen an die Zukunft«, Rottenburg 2016. S. 132 oben
(9) Braden, Gregg: Mensch: »Gemacht/ Von der gelenkten Evolution zur bewussten Transformation«, Hanau 2018

Zu den Fotos
Foto 1: Adam und Eva. Heidelberger Stundenbuch Codex 536. Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Adam und Eva, Bibelillustration 1595
Foto 3: Adam und Eva, Maate van Heemskerck 1498-1574, wiki commons
Foto 4: Eva, Vézelay, wiki commons vassil 
Foto 5: Adam und Eva, Michelangelo 1475-1564, wiki commons

461 »Acht Drachen mit geringeltem Hinterleib«,
Teil 461 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.11.2018



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