Sonntag, 28. August 2016

345 »Sprechende Steine«

Teil 345 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1 und 2: Der »Sonnentempel« von Konarak

Die Kleinstadt Konarak, am »Golf von Bengalen« gelegen, ist gut von Puri zu erreichen. Wer den indischen Bundesstaat Odisha besucht, sollte unbedingt die Tempelanlage von Konarak einplanen. Die Bauarbeiten wurden vermutlich Mitte des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich anno 1243 von König Narasimha Deva (1238–1264) in Auftrag gegeben. Bei meinem Besuch im November 1995 wurde emsig restauriert. Hunderte Arbeiter schufteten für wenig Geld nach altüberlieferten Methoden ohne heutige Geräte, verarbeiteten Materialien wie vor rund 1500 Jahren.

Vollendet wurde die sakrale Anlage nicht, sie wurde vor dem »Richtfest« bereits wieder aufgegeben, so wie die Tempelchen und das Riesenrelief von Mahabalipuram auch. Anno 1255 ließen die Arbeiter von heute auf morgen die Werkzeuge fallen, verließen die Baustelle, um nie wiederzukehren. 12.000 Steinmetze und weitere 12.000 hatten zwölf Jahre lang gewerkelt. Warum wurden die aufwändigen Arbeiten schlagartig abgebrochen, wie bei den Statuen der Osterinsel und den Bauwerken von Mahabalipuram am Strand von Mahabalipuram?

Fotos 3 und 4: Steinerne Räder am Sonnentempel

Wissenschaftler schätzen, dass der steinerne Tempel von Konarak eine Höhe von siebzig Metern erreichen sollte. Dazu kam es nicht. Nach dem heutigen Zustand der Bauruine zu urteilen wurde nur etwa die Hälfte des Tempels vollendet. Wie weit der Tempelturm schon in den Himmel ragte als er zur Bauruine wurde und schließlich einstürzte, wir wissen es nicht. Ähnliches gelingt ja heutigen »Baumeistern« bei berühmt berüchtigten Bauruinen wie jenen vom Flughafen in Berlin und vom Superbahnhof Stuttgart. Vielleicht sollten manche heutigen Objekte irgendwann auch aufgegeben und nicht mit weiteren Milliarden im Koma erhalten werden.

Vorschnell nennen wir mehr oder minder mysteriös anmutende Bauwerke weltweit »Tempel«. Der Ausdruck Tempel ist leicht irreführend. Eine christliche Kirche oder Kapelle wäre in diesem Sinne ebenso ein Tempel wie eine megalithische Anlage auf Malta oder eine Höhle in der Türkei. Im Fall des küstennahen  Kultbaus von Konarak ist der Sachverhalt klar: Das steinerne Monument stellt einen Wagen des Sonnengotts Surya dar, der auf 24 mächtigen Rädern aus Stein »rollt«. Die Räder sind – Durchmesser fast drei Meter – wesentlich größer als sie wirken. Sie sind äußerst grazil gearbeitet, sind detailreich geschmückt und könnten – auf den ersten Blick scheint das tatsächlich so – aus Holz geschnitzt sein.

Fotos 5 und 6: Fabelwesen, Tänzer aus Stein am Sonnentempel

Die 24 Räder sollen, so erzählte man mir vor Ort, für die 24 Stunden des Tages stehen, aber auch an einen Mondkalender erinnern. Die sieben steinernen Pferde, die den kolossalen Wagen des Sonnengottes zogen, sollen die sieben Tage der Woche versinnbildlichen, die acht Speichen jedes Rades zeigen angeblich die Zeiteinheiten an, in welche die Vorväter Tag und Nacht einteilten.« (1)

Der »Wagen des Sonnengottes« ist reich mit unglaublich detailreich herausgearbeiteten Halbreliefs versehen. Der Reiseführer von Marco Polo vermeldet (2): »In die … Mauern sind Blätter, Tiere, mystische Wesen, Musiker und Tänzer eingemeißelt. Zwei Löwen bewachen den Eingang. Auf jeder Seite des Tempels zertrampeln ein kolossaler Kriegselefant und ein Pferd gegnerische Krieger. Überlebensgroße Paare tanzen im erotischen Vorspiel.«

Im fast schon unüberschaubaren Getümmel der unterschiedlichsten Figuren werden die besonders interessanten Nagas leicht übersehen, besonders wenn man nur Augen für die erotischen Darstellungen hat. Nagas, »Schlangen«-Gottheiten, gibt es in verschiedenen Variationen: Manchmal treten sie als Mischwesen auf, als Mensch mit Schlangenkopf oder als Schlange mit Menschenkopf. Manchmal werden sie als vollständige Schlangen gezeigt. Es gibt aber auch Nagas mit Schlangenleib und mehreren Schlangenköpfen.

Fotos 7-9: Schlangengottheiten von Konarak (Mitte) und Mahabalipuram (rechts und links außen)

Die Schlangengottheiten haben magische Fähigkeiten. So können sie ihre Welt der Fabelwesen und der Zauberei verlassen und als Menschen die Welt von uns Sterblichen Besuchen. Das göttliche Schlangenwesen »Shesha« (»Bleibender«) hat eine für uns Menschen höchst bedeutsame Funktion: Es trägt die Welt. Ein weiteres Schlangenwesen ist »Ananta« (»Unendlicher«). Das göttliche Reptil ruht auf dem Milchozean und bietet dem göttlichen Vishnu Schutz, so dass der seinen kosmischen Schlaf genießen kann.

Im November 1995 bereiste ich mit einer kleinen Reisegruppe Südindien. Wir besichtigten zahlreiche Tempel und staunten, wie viele Tempel eigentlich Nachbildungen von Vehikeln waren. »Rathas« wurden sie oft genannt, »Götterwagen«. Immer wieder sahen wir Darstellungen von Schlangengottheiten, sorgsam in den Stein graviert, als Halbreliefs liebevoll herausgearbeitet. »Die Schlangenkraft wurde genutzt, um Götterwagen Kraft zu verleihen!«, behauptete unser Guide.

Durch missionierende Engländer sei viel in Vergessenheit geraten, erfuhr ich. »Heidnisches Brauchtum« war den Geistlichen ein Gräuel. Angeblich wird bis heute – und das schon Jahrhunderte lang – ein geheimes Wissen weitergereicht, oftmals nur in Familienclans. In einer Mittagspause wurde mir gestattet, ein »magisches Bild« abzuzeichnen, das an der Schwelle eines kleinen, familiären Restaurants angebracht war. Fotografieren durfte ich nicht. »Weil sonst der Zauber zerstört wird!« Worin der »Zauber« genau bestand, das erfuhr ich leider nicht. Auf alle Fälle würde er Positives bewirken, so hieß es.

Foto 10: Schlangenmagie heute
Mich erinnerte die in Kreide angefertigte Zeichnung an Schlangengottheiten, so wie sie besonders im Süden Indiens populär sind. Im himmlischen Fluss des Riesenreliefs von Mahabalipuram kommen zwei von ihnen aus überirdischen Sphären herab zur Erde, eine ist männlich, eine ist weiblich. Am Sonnentempel von Konarak sah ich mehrere dieser Paare, freilich nicht separat wie in Mahabalipuram, sondern innig ineinander verschlungen. An derlei Schlangenpaare erinnerte mich stark die gezeichnete »Magie« im Jahre 1995.

»Schlangen haben nichts Böses oder gar Teuflisches an sich bei uns!«, erfuhr ich von »meinem« Guide. »Schlangen bringen Glück. Von Pech verfolgt wird, wer eine Schlange verletzt oder gar tötet. Deshalb werden selbst hochgiftige Kobras, die in Wohnhäuser eindringen, so sanft wie möglich gefangen und entfernt vom Haus wieder freigelassen. Manche bedanken sich dabei überschwänglich bei den Schlangen für das Glück das sie ins Haus gebracht haben und ermuntern sie, nun doch anderen Mitmenschen ebenso Glück verheißende Besuche abzustatten.« Das »magische Zeichen« sei so etwas wie eine Einladung an die höchste Schlangengöttin, sie möge das auf besondere Weise gekennzeichnete Haus begünstigen und den Einwohnern Glück jeglicher Art zu schenken, auf dass alle gesund blieben, stets genug zu essen und reichlich gesunden Nachwuchs haben würden.

Indien gehört längst nicht mehr zum Commonwealth, die Engländer sind längst nicht mehr die eingebildeten Herren. Und doch wird selbst in wissenschaftlichen Kreisen, wenn auch versteckt, hochnäsig auf Indien herabgeblickt. Wissenschaftliche Kenntnisse wie in Sachen Astronomie seien erst anno 300 v.Chr. mit den Griechen ins Land gekommen. Dabei sollte längst auch offiziell bekannt sein, dass erstaunliche wissenschaftliche Erkenntnisse in Indien auf »eigenem Mist« wuchsen. Nur wer es zumindest für möglich hält, dass modernste wissenschaftliche Erkenntnisse – etwa um »Schwarze Löcher« im All oder die Bedeutung von Atomen – in Indien bereits vor Jahrtausenden bekannt waren, kann uralte wissenschaftliche Texte wirklich richtig übersetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass »Heilige Bücher« Indiens Fakten überliefern, die nur als sensationell bezeichnet werden können. Dr. Hermann Burgard hat es für das Sumerische stichhaltig bewiesen: In »Tempelhymnen«, etwa 2300 v.Chr. entstanden, finden wir keineswegs nur fromme Gebete, sondern glasklare Beweise für Kontakte mit Außerirdischen vor Jahrtausenden. Da wird über die DI.IN.GIR, berichtet, zu Deutsch über »Entscheider, die sich mit Fluggeräten bewegen«. Vermeintliche Götter-Folklore erweist sich, dank des detektivischen Spürsinns von Dr. Hermann Burgard wissen wir das heute, als Quelle fantastischen Wissens, über Raumfahrt vor Jahrtausenden.

Fotos 11 und 12: »Bhima Ratha«, Mahabalipuram

Es ist an der Zeit, dass endlich altindische heilige Texte wie der Rigveda neu übersetzt werden, und zwar unter Einbeziehung heutigen Wissens in Sachen Wissenschaften, in Sachen Weltraumfahrt. Mit der Rigveda kann begonnen werden. Dann verstehen wir die Bedeutung der steinernen Götterfahrzeuge vielleicht zum ersten Mal wieder wirklich richtig. Dann erscheinen die heiligen Texte über Götterwagen  in einem ganz anderen Licht. Und dann erhalten die »kleinen« Tempelchen von Mahabalipuram, »rathas« genannt, eine ganz andere Bedeutung als »Götterwagen«. Heilige Texte und steinerne Bauwerke erzählen dann eine fantastisch an mutende Geschichte.

Es waren wahre Künstler, die die »Tempelchen« von Mahablipuram aus dem gewachsenen Fels meißelten. Sie hinterließen sprechende Steine, die uns fantastische Geschichten erzählen!

Fußnoten

Foto 13: Buchcover »Encheduanna«
(1) Marco Polo Redaktion: »Marco Polo Reiseführer Indien«, 2. aktualisierte Auflage, Ostfildern 1993, Seite 77, »Konarak«, rechte Spalte
(2) ebenda
(3) Burgard, Dr. Hermann: »Encheduanna/ Geheime Offenbarungen«, Groß-Gerau 2012 und Burgard, Dr. Hermann: » Encheduanna: Verschlüsselt - Verschollen - Verkannt. Tempelhymnen Nr. 20 - 42 mit neuen Geheimen Offenbarungen«, Groß-Gerau 2014

Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Der »Sonnentempel« von Konarak. Fotos Walter-Jörg Langbein 
Fotos 3 und 4: Steinerne Räder am Sonnentempel.
Fotos 5 und 6: Fabelwesen, Tänzer aus Stein am Sonnentempel.
Fotos 7-9: Schlangengottheiten von Konarak (Mitte) und Mahabalipuram (rechts und links außen).
Foto 10: Schlangenmagie heute. Zeichnung Walter-Jörg Langbein
Fotos 11 und 12: Bhima Ratha. Foros Archiv Walter-Jörg Langbein

346 »Der Herr des Unterwasserfahrzeugs«,
Teil 346 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 4.09.2016

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Freitag, 26. August 2016

Impressionen vom Blumenkorso in Winterswijk 2016

Alljährlich findet am letzten Wochenende im August in Winterswijk ein großes Volksfest mit Blumenkorso statt. Die »Vereeniging Volksfeest Winterswijk« hat auch in diesem Jahr einen Umzug organisiert, der sich am Freitagvormittag durch die Straßen der gemütlichen Stadt schlängelte. Wer heute den Umzug verpasst hat, der sollte ihn morgen ab 10.00 Uhr nicht versäumen!

Blumen über Blumen - lassen Sie sich von den Bildern verzaubern:




Das ist die Wahrheit! :-)





Auf diesem Clip ist der Indianer bei seinem Regentanz zu sehen:

Danke an Gabi :-)


















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Sonntag, 21. August 2016

344 »Legende aus Stein«

Teil 344 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1-3: Der »Küstentempel«

Matthias Claudius (1740-1815) schrieb Ende des 18. Jahrhunderts das Gedicht »Urians Reise um die Welt«. Erschienen ist es 1786 und wurde unter anderem auch von Ludwig van Beethoven vertont. Das Gedicht kann wohl nur als Satire auf die Reise- und Entdeckungslust der frühen Neuzeit oder als Parodie der Reiseliteratur verstanden werden. Gleich zu Beginn heiß es: »Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen. D'rum nahm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen.«  Um 1800 wurde »verzählen« im Sinne von »falsches zählen« verwendet. Daraus wurde die bis heute geläufige Redewendung, ausschließlich positiv gemeint: »Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen«, im Sinne von »Dann hat er was zu berichten.«

So ist es auch. Vor allem, wer reist, der kann sich auch etwas erzählen lassen. Nach wie vor sind mündliche Überlieferungen wichtige Quellen. In Indien wie in der Südsee hörte ich immer wieder von Flutkatastrophen und Überschwemmungen. Solange die mysteriöse Schrift der Osterinsel nicht entziffert wird, sind über auf den reichen Schatz an Überlieferungen angewiesen, der heute – noch und wieder – von den Osterinsulanern gehütet wird.

Foto 4: Historische Aufnahme des »Küstentempels«

Vor Ort erfuhr ich von alten Überlieferungen über die Urheimat der Osterinsulaner, die im Westen des Eilands gelegen haben soll. Die ursprüngliche Heimat sei im Meer versunken. Dank des fliegenden Gottes Make-Make konnten sich die Menschen auf die Osterinsel retten. Wo genau wie viel Land im Meer des Pazifiks versank, wir wissen es nicht. War es der legendäre Kontinent Mu? War es eine Inselgruppe oder nur eine einzelne, kleinere Insel?

Aus diversen Gesprächen mit Osterinsulanern weiß ich: Die lebendige mündliche Tradition weist auf Polynesien als Ursprungsgebiet der Osterinsulaner hin (1). Auch im Raum Mahabalipuram gibt es noch mündliche Tradition, die von Flutkatastrophen zu berichten weiß. Demnach ist der heutige »Küstentempel« der letzte von insgesamt sieben sakralen Bauten. Sechs seien vom Meer verschlungen worden.

Vor Ort erzählte man mir, dass der Meeresspiegel bis in unsere Tage ansteige. Fakt ist, und ich habe das selbst erlebt, dass bei Flut der »Küstentempel« im Wasser steht. Wellen dringen ins Innere des sakralen Gebäudes ein, wodurch erhebliche Schäden angerichtet werden. Mauerwerk und Skulpturen leiden erheblich darunter. Trotz beschränkter finanzieller Mittel wird versucht zu retten, was zu retten ist und zu konservieren, was noch erhalten ist.

Foto 5: Historische Aufnahme des »Küstentenpels«

Fakt ist, dass anno 1810 Robert Southey in seinem epischen Gedicht »The Curse of Kehema« (etwa »Der Fluch von Kehema«) von versunkenen Tempeln spricht (2), von Türmen, Kuppeln, Zinnen und Tempeldächern. Da heißt es (3): »Welch wundersame Werke hat die schlingende Welle dort gefressen, wo einst wack’re Monumente Bericht erstatteten über ihre einstige Herrlichkeit. Und an der sandigen Küste, am Rand des Ozeans, widerstand ein steinerner Tempel in seiner Stärke Brandung und Woge, die vergeblich gegen ihre tiefen Fundamente schlagen.«

N.S. Ramaswami spricht allerdings der Beschreibung der versunkenen Tempel jede Wirklichkeit ab (4): »Das ist ein schönes Bild, aber durch und durch unwirklich. Es gibt keine versunkene Stadt unter den Wellen von Mahabalipuram. Der europäische Name ›Sieben Pagoden‹ ist irrational und kann nicht begründet werden.«

Foto 6: Weitere historische Aufnahme des »Küstentempels«

S. Swaminathan vermeldet in seinem üppig bebilderten Buch »Mahabalipuram/ Unfinished Poetry in Stone« (etwa »Mahabalipuram/ Unvollendete Poesie in Stein«) (5): »Es gibt einen Glauben, dass ein Teil der Stadt vom Meer verschlungen wurde. Es hat Versuche gegeben, den Grund des Ozeans auf Reste von Bauwerken zu untersuchen. Nach lokaler Tradition gibt es eine Reihe von Tempeln, die vom Meer verschluckt wurden. Viele haben über Jahrhunderte hinweg behauptet, Tempeltürme im Meer gesehen zu haben.«

Bei meinem Besuch in Mahabalipuram im November 1995 hörte ich wiederholt von Fischern, die bei Nacht und wolkenfreiem Himmel, wenn der Vollmond am Himmel stand, eindeutig die Kuppeln von steinernen Tempeln gesehen haben wollen. Besonders gut habe man die sakralen Bauwerke bei niedrigem Wasserstand und geringer Wellenbewegung gesehen. Dann schimmerten die Turmspitzen einige Meter unter der Wasseroberfläche. Manche Fischer hatten Angst vor den Bauten auf dem Meeresgrund. Sie fürchteten sich vor Geistern, die in den Gemäuern hausen könnten.

Berichtet wurde mir, dass es einst eine Treppe gegeben habe, die vom heute noch erhaltenen Küstentempel nach unten führten, unter die Wasseroberfläche. Weiter unten habe man schließlich so etwas wie Verankerungen gesehen, auf denen einst eine Plattform gelegen habe. Die Stufen der steinernen Treppe seien aber inzwischen stark erodiert, zum Teil schon gar nicht mehr zu erkennen.

Kritische Stimmen waren auch zu vernehmen: So sei es ja erfreulich, dass der letzte der sieben Tempel heute durch Steinaufschüttungen vor den Mächten des Meeres weitestgehend geschützt sei. Aber dadurch seien eindeutig künstlich geschaffene Strukturen auf dem Meeresgrund für immer verschwunden. Weihnachten 2004 suchte ein Tsunami auch Mahabalipuram heim. Die Flutwelle selbst richtete keinen größeren Schaden an. Für Minuten zog sich das Meer rund 500 Kilometer zurück. Für Minuten lag trocken, was sonst Meeresboden war. Für Minuten wurden Steinformationen sichtbar, einige der Versunkenen Tempel?

Das Meer kehrte zurück, die Strukturen verschwanden wieder unter dem Meeresspiegel. Der Tsunami aber spülte im heutigen Strandbereich Felsen frei, die seit Ewigkeiten unter dem Sand verborgen lagen. Besonders interessant: Entdeckt wurde ein Felsbrocken, der eindeutig bearbeitet worden war. Begabte Steinmetze wollten ihn in die Statue eines Elefanten verwandeln, brachen aber ihr Werk – warum auch immer – ab, es blieb unvollendet.

Foto 7: Mysteriöse Statue eines »Löwen«
Eine zweite Statue wurde weitestgehend fertig gestellt. Was stellt sie dar? Da ist das Gesicht eines Tieres zu erkennen. Der Rachen ist geöffnet, man erkennt spitze Reißzähne. Deutlich herausgearbeitet sind die aufgerissenen Augen des Tieres. Soll es ein Löwe sein, der seine Beute fixiert und gleich zum Sprung ansetzen wird? Und dem Kopf machen wir zwei mächtige Pranken aus, die durchaus zu einem Löwen passen würden.

Direkt unter dem Löwen hat man eine Nische in den Fels gemeißelt. Wurden hier einst Opfergaben abgelegt? Vage auszumachen ist eine Gottheit an der Rückseite der Nische. Die Skulptur macht insgesamt einen sehr alten Eindruck, weitere Details sind so verwaschen, dass sie nicht mehr zu erkennen sind. Eine ganz ähnliche, nicht minder mysteriöse Statue sah ich anno 1995 direkt beim »Küstentempel«.

Am 30. Mai 2005 vermeldete »India Today«: »Die Entdeckung von zwei neuen Tempeln bei Mahabalipuram bringt eine Wende in Sachen Folklore über vom Meer verschlungene Tempel. Lange Zeit glaubten Forscher, dass der Küstentempel von Mahabalipuram in seiner dem Meere zugewandten Großartigkeit über ein Jahrtausend allein stand, dabei der hämmernden Brandung widerstehend. War er aber immer allein? Örtliche Legenden kreisen um einen Komplex von einstmals sieben Tempeln, die dort gestanden haben sollen, und zwar so spektakulär, dass sie die Eifersucht der Götter auslösten, die das Meer gegen sie entfesselten.«

Foto 8: »Küstentempel« mit »Löwenskulptur«

Laut »India Today« wurden Taucher fündig. Besonders sensationell: Die Ruinen eines Tempels aus Granit, eineinhalb mal so groß wie der verbleibende Küstentempel. Und noch weiter entfernt von der Küste stand die Ruine eines »kleineren Küstentempels«, auch auf dem Meeresgrund.

Wie alt mögen diese Tempel sein? Megalithische Gräber im Raum Mahabalipuram werden auf das zweite vorchristliche Jahrtausend datiert. Ob es aus jener frühen Zeit auch Tempel auf dem Meeresgrund geben mag? Eine wissenschaftliche Studie des »1. National Institute of Oceonography Regional Centre Vishakhapatanam« lässt keinen Zweifel mehr zu: Es gibt vor der Küste von Mahahablipuram auf dem Meeresgrund eine ganze Reihe von künstlich angelegten Strukturen. Es muss – so die Studie – einen großen Gebäudekomplex gegeben haben, der  sich heute unter Wasser befindet.

Ein Beispiel: eine L-förmige Mauer aus kleinen Steinquadern in sieben Meter Wassertiefe. Teile der Mauer lagen so tief unter Sedimenten, dass eine genauere Untersuchung nicht möglich war.

Fakt ist: Taucher haben Beweise für die Existenz der sechs vom Meer verschlungenen Tempel gefunden. Was gern als Legende abgetan wurde, hat sich als Realität erwiesen. Gefunden wurde eine »Legende aus Stein«.

Fußnoten
(1) Siehe auch Horn, Roland: »Atlantis/ Alter Mythos – Neue Beweise«, Grafing 2009. Das empfehlenswerte Buch liegt auch als eBook vor. (Foto 9)
(2) Ramaswami, N.S.: »Temples of South India«, Madras 1984, S. 205 (Das Werk wurde mehrfach nachgedruckt, zuletzt 1996.)
(3) ebenda, S. 205 und 206, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser
(4) ebenda, S. 206
(5) Swaminathan, S.: »Mahabalipuram/ Unfinished Poetry in Stone«, Chemnai, Indien, o.J., S. 157. Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser.
(6) »Submerged Pagodas of Mahabalipuram - Study Based on Underwater Investigations«, nähere Angaben liegen mir nicht vor.

Zu den Fotos
Fotos 1-3: In meinem Archiv befinden sich diverse alte Fotos, die den »Küstentempel« von Mahabalipuram zeigen. Sie stammen meiner Information nach aus der Zeit um 1910. Nähere Angaben zu diesen Aufnahmen liegen mir leider nicht vor, so dass ich keine näheren Informationen über Fotografen etc. geben kann. Copyright dürfte nicht verletzt werden, im Hinblick auf das Alter der Aufnahmen. Das Foto in Farbe habe ich selbst aufgenommen.
Fotos 4-6: Historische Aufnahmen, um 1910, siehe Anmerkungen zu Fotos 1-3
Foto 7: Mysteriöse Statue eines »Löwen«, Public Domain.
Foto 8: »Küstentempel« mit »Löwenskulptur«. Foto Walter-Jörg Langbein/ wiki
Foto 9: Cover »Atlantos« von Roland M. Horn 

345 »Sprechende Steine«,
Teil 345 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 28.08.2016

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Sonntag, 14. August 2016

343 »Tempel auf dem Meeresgrund«

Teil 343 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Fotos 1 und 2: Der Küstentempel bei Tag und bei Nacht

Meinen ersten Besuch stattete ich Mahabalipuram bei Nacht ab. Es war nach einem glühend heißen Tag immer noch schwül warm. Doch eine sanfte nach Tang und Fisch riechende Briese machte die Temperatur erträglich. Das Meeresrauschen, die spritzende Gischt, die Sterne am pechschwarzen Himmel und der gespenstisch wirkende, mit Scheinwerfern angestrahlte Tempel direkt am Meer, all das ergab eine surreal wirkende Atmosphäre. Ich fühlte mich wie auf einen fernen, fremden Planeten versetzt, als staunender Erdenwicht, der nicht begreifen konnte, in was für eine Welt er geraten war.

Kleine Tempel – so es denn Tempel waren – aus Stein wuchsen aus dem gewachsenen Fels der Erde. Da und dort waren vage Pilger zu erkennen. Einige trugen Fackeln, andere Taschenlampen und wieder andere waren mit Öllampen ausgestattet. Manche trugen Blumen bei sich, die sie im Tempel an der Küste ablegten. Wieder andere blieben scheu vor dem Eingang stehen, blickten ins Innere des »Gotteshauses«, murmelten etwas leise vor sich hin. Beteten sie? Baten sie um Beistand einer Göttin? Bedankten sie sich bei einem Gott? Weit über 100.000.000 Göttinnen und Götter sind den Hindus Indiens bekannt.

Foto 3: Kleine Tempel wachsen aus dem Stein

Mein zweiter Besuch fand bei Tageslicht statt. Ich meinte erkennen zu können, dass der Küstentempel quasi auf einer steinernen »Landzunge« stand. Der Eindruck täuscht. Der Küstentempel war weit mehr als ein Jahrtausend den Gewalten des Meeres direkt ausgesetzt und drohte beschädigt, ja zerstört zu werden. Vermutlich hätte das sakrale Bauwerk dem Tsunami vom 26. Dezember 2004 nicht standhalten können, wenn nicht im Auftrag von Indira Gandhi rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergriffen werden wären. Mit erheblichem technischen Aufwand wurde dem uralten Bauwerk zum Meer hin ein massiver Schutz verabreicht : Vor allem massive Wellenbrecher aus teils gewaltigen Felsbrocken und eine zusätzliche Mauer.

Foto 4: Das gigantische Steinrelief

Ich marschierte den Weg vom gigantischen Steinrelief mit der vom Himmel kommenden Göttin, vorbei an den fünf steinernen Rathas bis hin zum Küstentempel. Die Landschaft war bizarr. Aus dem staubigen Boden wölbten sich Steinstrukturen, kleine und große. Am ehesten erinnerten sie mich an die Buckel von Walen. Die Rücken der Meeressäuger freilich waren aus Stein. Aus Granit, wie man mir vor Ort versicherte.

Foto 5: Blick aufs Meer
Vom Inneren des Tempels aus blickt man auf das tosende, peitschende Meer. Da draußen, so hieß es bei meinem Besuch, ruhen sechs weitere Tempel auf dem Meeresgrund. Derlei lebende Legenden wurden gern als märchenhafte Erfindungen fantasiebegabter Menschen belächelt und abgetan. Immerhin  erhielt die Hafenstadt Mahabalipuram den Beinamen »Sieben Pagoden«, weil es sechs weitere Tempel wie den Küstentempel gegeben haben soll. Unklar ist, seit wann man von den sechs Tempeln auf dem Meeresgrund spricht. D.R. Fyson, ein Engländer, lebte lange Jahre in Madras, verfasste ein sachkundiges, fundiertes Werk über Mahabalipuram. Er schreibt (1):

»Die Überlieferung versichert, dass der Küstentempel als einzige von sieben Pagoden übrig geblieben ist, die einst eine schöne Stadt (Mahabalipuram) zierten. Es heißt, dass die Kronen der anderen Pagoden gelegentlich unter den Wellen glänzen. Nach der Legende konnte der König dank der Hilfe einer Nymphe den Hof von Indra im Himmel besuchen. Nach seiner Rückkehr (zur Erde) gelobte er, seine Stadt (Mahabalipuram) genauso prachtvoll zu gestalten. Das erweckte Indras Eifersucht und Indra stieg in einem großen Sturm herab und ließ den Ozean ansteigen und die Stadt überfluten.«

Vorsichtig formulieren Dr. Robert M. Schoch und Robert Aquinas McNally (2): »Die Stätte besteht aus großen überfluteten Strukturen, in denen manche Betrachter das Werk menschlicher Hände zu erkennen meinen. Mahabalipuram mag eine verlorene Stadt der Pyramidenbauer gewesen sein, vielleicht aber auch eine nicht richtig erkannte geologische Formation.« Dr. Schoch und McNally fordern eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung.

Foto 6: Zentrum des Riesenreliefs

Vor (vielen?) Jahrtausenden sollen – auch in Mahabalipuram –  erste »primitive« Tempel aus Holz entstanden sein. Es mögen einfache Holzhütten gewesen sein, in denen Begräbniszeremonien abgehalten wurden. Man wechselte – wann auch immer – zum Granit als Material und legte »Höhlentempel« an.  Die Bearbeitung des harten Gesteins setzt fortgeschrittene Steinmetzkunst und entsprechende Werkzeuge voraus. Ursprünglich mögen von der Natur geschaffene Höhlen als sakrale Orte für religiöse Zeremonien genutzt worden sein. Wo es aber keine natürlichen Höhlen gab, wurden welche künstlich geschaffen. Das geschah auch in Mahabalipuram. Diese »Höhlen« waren anfangs freilich allenfalls kleine Kammern, die man in Granitbrocke hinein meißelte.

Im fünften, sechsten und siebten Jahrhundert begnügte man sich nicht mehr mit derlei Kammern. Aus Granitfelsen modellierte man kleine Tempel, die man Rathas nannte. Andere Bezeichnungen: Vimanas, Karren oder Tempelwagen. Fünf solche Rathas sind neben dem riesigen Steinrelief Hauptanziehungspunkte für einheimische Pilger wie für Touristen aus aller Welt.

Was mir schnell auffiel: Sowohl das riesige Steinrelief als auch die Rathas wurden nicht vollendet. Irgendwann müssen die Steinmetze von heute auf morgen ihr unvollendetes Werk seinem Schicksal überlassen haben. Warum?

Das Steinrelief zeigt in der Mitte, in einem von der Natur geschaffenen Felsspalt, den vom Himmel zur Erde herabströmenden Fluss. Rechts davon fallen vor allem zwei riesige Elefanten auf, die – wie auch die kleinen Elefanten darunter – sehr realistisch und naturgetreu verewigt wurden. Links vom Himmelsfluss wurde nur ein Teil der steinernen Fläche bearbeitet. Man erkennt klar, dass Vorbereitungen für das Einmeißeln weiterer Figuren getroffen wurden. Dazu kam es aber nicht. Die Arbeiten wurden – warum auch immer – abgebrochen.

Foto 7: Das Riesenrelief blieb unvollendet

Löst man den Blick von den Darstellungen von Tänzern, Zwergen, Elefanten, die zu Hunderten im Relief verewigt wurden, fällt eine fast kahle Stelle größeren Ausmaßes links vom Himmelsfluss auf. Unten, direkt links neben dem Fluss, erkennen wir die Darstellung eines Tempelchens. Davon links wurden einige wenige Tiere, wiederum sehr naturalistisch, in den Stein gemeißelt. Sie wurden allerdings zum Teil offenbar nicht vollendet. Es sieht so aus, als hätten die Künstler unvermittelt Hammer und Meißel zur Seite gelegt, um nie mehr ihr Werk fortzuführen. Und weiter links kann man erste rudimentäre Anfänge neuer Reliefbilder erkennen (Foto 8).

Foto 8: Rudimentäre Anfänge von neuen Reliefbildern

Warum wurden diverse Steinmetzarbeiten in Mahabalipuram nicht beendet? Starb der Auftraggeber? Wurde er abgesetzt? Oder ereignete sich eine Naturkatastrophe, die so gravieren war, dass alle Arbeiten an Pagoden, Tempeln und Reliefs abrupt abgebrochen wurden? Gab es dank eines gravierenden Klimawandels einen erheblichen Anstieg des Meeresspiegels, so dass sechs der sieben Pagoden von Mahabalipuram in den Fluten versanken?

Zu diesem spannenden Thema schreiben John und Mary Gribbin (3): »Die eiszeitlichen Menschen waren aber auch Küstenbewohner, die mit Sicherheit an den Rändern von Mittelmeer und Nordsee, aber auch entlang der Großen Australischen Buch und anderen Meeresufern lebten. Manche Forscher vermuten, dass die Hauptzentren dieser frühmenschlichen Besiedlungen in Gebieten lagen, die heute vollständig vom Meer überschwemmt sind. Vermutlich war der primäre Effekt von Klimawechseln und Überschwemmungen im Küstenbereich, dass die damalige Bevölkerungszahl drastisch reduziert wurde. Die katastrophalen Begleiterscheinungen dieser Geschehnisse bilden daher den Ursprung jener Legenden von der großen Flut (Sintflut), die seit Urzeiten überliefert werden. Zwischen 15.000 und 10.000 v.Chr. stieg der Meeresspiegel weltweit um mindestens 50 Meter und bis 5.000 v.Chr. hatte er weitere 40 Meter zugenommen.«

Foto 9: Waren die Inseln immer Inseln?
Das Phänomen von Bauten auf dem Meeresgrund ist bis heute viel zu wenig erforscht. Mir scheint, man hat lange Zeit so gut wie gar nicht nach versunkenen Bauwerken gesucht, weil man entsprechende Überlieferungen gern als frei erfundene Phantastereien abtat. Neuerdings aber scheint sich das Blatt zu wenden.

Ich erinnere mich sehr gern an meine Reisen nach Nan Madol, Pohnpei, Archipel der Karolinen, Föderierte Staaten von Mikronesien. Nan Madol wird als das »Venedig der Südsee« bezeichnet. Die Bezeichnung passt, heute zumindest. Da gibt es Miniinseln mit steinernen Bauten oder zumindest Ruinen, dazwischen oft schmale Wasserwege. Rund 90 künstlich geschaffene kleine Inseln trugen einst alle massive Steinbauten aus Basaltsäulen. Doch waren die Inseln immer schon Inseln?

Mein Eindruck: Der Komplex von Nan Madol bestand einst aus einem zusammenhängenden, geschlossenen Areal von mindestens 80 Hektar Größe.  Auf alle Fälle wurde der recht große Komplex wie auf dem Reißbrett geplant und gebaut. Von Anfang an wurde alles im Ganzen geplant. Zum Meer hin wurde eine massive Mauer, ebenfalls aus Basaltsäulen aufgetürmt. Offensichtlich war man sich der Gefahr bewusst. Viel geholfen hat der Schutzwall nicht. Nan Madol wurde überflutet.

Foto 10: Unterwegs auf einem der »Kanäle«

Als der Meeresspiegel stieg, wurden die Straßen zwischen den »Tempeln« zu Kanälen, die steinernen Bauten auf ihren massiven Fundamenten zu Inseln. Bei einigen der »Kanäle« konnte ich feststellen, dass sie – heute unter Wasser – gepflastert sind. Taucher beteuern: Es gibt ähnliche Bauten aus Basaltsäulen vor Nan Madol, auf dem Meeresgrund.


Foto 11: Autor Langbein unterwegs zu den Ruinen
Fußnoten

(1) Fyson, D.R.: »Mahabalipuram or Seven Pagodas«, Madras 1949, Seite 28,
Übersetzung aus dem Englischen durch Walter-Jörg Langbein
(2) Schoch, Dr. Robert M. und McNally, Robert Aquinas: »Voyages of the Pyramid Builders«, eBook-Version, Pos. 844 und Pos 845
(3) Gribbin, John und Mary: »Kinder der Eiszeit – Beeinflußt das Klima die Evolution der Menschen?«, Frankfurt am Main 1994, S. 162

Zu den Fotos

Fotos 1 und 2: Der Küstentempel bei Tag und bei Nacht. Fotos W-J.Langbein
Foto 3: Kleine Tempel wachsen aus dem Stein. Foto um 1910 entstanden. Archiv W-J.Langbein
Foto 4: Das gigantische Steinrelief. Foto wikimedia commons/  Bernard Gagnon
Foto 5: Blick aufs Meer. Foto um 1910 entstanden. Archiv W-J.Langbein
Foto 6: Zentrum des Riesenreliefs. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Das Riesenrelief blieb unvollendet. Foto wikimedia commons/  Bernard Gagnon
Foto 8: Rudimentären Anfänge von neuen Reliefbildern. Foto wikimedia commons/  Bernard Gagnon 
Foto 9: Waren die Inseln immer Inseln? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Unterwegs auf einem der »Kanäle«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11:  Autor Langbein unterwegs zu den Ruinen. Foto Marianne Schartner


344 »Legende aus Stein«,
Teil 344 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 21.08.2016


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Sonntag, 7. August 2016

342 »Die Göttin und die sieben Tempel«

Teil 342 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ganga
»Die Göttin Ganga stürzte einst in Form von Wasser vom Himmel zur Erde. Gott Shiva selbst rettete sie, er milderte ihren Aufprall. Heute ist der Fluss Ganges die lebende Wasserform der himmlischen Göttin!«, erzählt mir eine junge kundige Inderin. In ihrer wohlklingenden Stimme schwingt jahrtausendealte Mythologie mit. Und immer wieder höre ich von Göttin Ganga. Liebevoll nennt sie »mein« Guide »Mutter Ganga«. »Mutter Ganga hatte einen göttlichen Vater: Himavat. Himavat kann man mit ›große Kälte‹ übersetzen. Himavat ist die Personifikation der Himalayaberge. Die Mutter von Ganga ist Mena, Tochter des Weltenberges Meru. Das Himalayagebirge ist Sitz des Lebens, Meru bietet den Göttern Heimat. Sonne, Mond und Sterne kreisen um ihn.«

Seltsam, auch die hellhäutige Sarasvati, Göttin der Dichtkunst, der Musik, der Wissenschaft des Lernens, soll eine (?) Mutter der Ganga sein. Sie wird als eine Fluss-Göttin und Königin des Himmels verehrt, als Göttin der Liebe, als Mutter der Gewässer. Sarasvati kam als Kulturbringerin zu den Menschen. Zahlreich sind ihre klangvollen Beinamen: »Mahavidya« (»die große Weisheit«), »Jagaddhatri« (»Herrin der Welt«) und »Brahmani« (»Frau des Brahma«). Bei dieser Fülle von Beinamen und Eigenschaften tritt leicht Verwirrung auf. Andere Göttinnen haben zumindest zum Teil gleiche oder ähnliche Fähigkeiten. Besonders opulent aber ist Sarasvati ausgestattet. Sarasvati gilt als besonders mächtig. So soll sie – wie der biblische Jahwe – das Universum erschaffen haben.

Foto 2: Göttin Sarasvati
Mir scheint, Sarasvati hat eine erstaunliche Karriere vorzuweisen: Von einer Art Ur-Wassergöttin kam sie als heiliger Fluss aus dem Himmel herab. Sie wurde zu einer Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit. Oder war sie immer alles? Sind die zahllosen Göttinnen Personifikationen der Kräfte der Schöpfung und des Lebens?

Nach einem glühend heißen Tag zu so manchem Tempel des südlichen Indien sind wir am Meer angelangt. Von Chennai (Madras) sind wir nach Mahabalipuram gereist, in den Bundesstaat Tamil Nadu, Distrikt Kanchipuram. Es ist stockdunkel, die Sterne grüßen vom nachtschwarzen Himmel. Wir genießen die spätabendliche Kühle, den salzigen Wind, der vom Golf von Bengalen herüber weht. Das Meeresrauschen, die Sterne und die Silhouetten kleiner Tempelchen – sie wurden aus dem massiven Stein herausgeschlagen – formieren sich zu einer nicht wirklich in Worte zu fassenden geheimnisvollen Kulisse eines Indien, das vor Jahrtausenden unzählige Göttinnen und Götter angelockt hat. In den Sagen leben sie noch, im Glauben vieler Hindus ebenso.

Die Zeit scheint seit den Tagen der Himmlischen stehengeblieben zu sein. Unvorstellbar umfangreiche Epen berichten über sie und ihre Taten, über ihre Kontakte mit den Menschen, über Kriege zwischen den Göttern. Die sich untereinander in gewaltigen Gemetzeln im All und auf der Erde bekämpften.

Der Hinduismus hat etwa eine Milliarde Anhänger weltweit. Aber wer nun ein Hindu ist, das ist nicht so leicht zu definieren. Hindus sind jedenfalls tolerant und anderen Religionen gegenüber mehr als aufgeschlossen. Als Hindu kann man sehr wohl Jesus auf seinen kleinen Hausaltar stellen, direkt neben Jesu Mutter Maria und einen lachenden Buddha. Über 90 Prozent der Hindus leben in Indien. Bunt zusammengewürfelte Gesellschaften von Göttinnen und Göttern habe ich auf so manchem Hausaltar gesehen. Niemand schreibt vor, wer zu verehren ist oder angebetet werden darf. Jeder toleriert die Religiosität des anderen, niemand kommt auf die Idee, zu missionieren. Und vor allem unterscheidet man nicht zwischen »Ketzern« und »Rechtgläubigen«.

Foto 3: Der Tempelkomplex am Strand

Geschickt ist ein kleiner Tempelkomplex in Strandnähe bunt angestrahlt. Das kleine sakrale Bauwerk könnte ebenso aus einem Märchenfilm wie aus einem Sciencefiction-Opus stammen. Die Architektur des rätselhaften Gebäudes wirkt fremd und doch irgendwie vertraut. Einheimische haben sich nach einem harten Arbeitstag unter glühender Sonne eingefunden, um am Tempel zu beten. Respektvoll weichen wir zurück, um die Gläubigen nicht in ihrer Andacht zu stören.

»Die Göttin Ganga stürzte einst in Form von Wasser vom Himmel zur Erde.«, wiederholt unsere attraktive junge Führerin. »Morgen zeige ich euch das herrliche Steinrelief, auf dem verewigt wurde, wie Ganga im Wasserstrom vom Himmel kam!«

Foto 4: Linker Teil des Riesenreliefs

Im Verlauf der Reise, die uns zu vielen Tempeln führte, versuche ich so viel wie möglich über Indiens Göttinnen und Götter zu lernen. Doch je mehr ich erfahre, desto unüberschaubarer, ja verwirrender wird mein Wissen. Je mehr ich lerne, desto weniger verstehe ich. Da sind die Geheimnisse gigantischer Monstermauern, aus riesigen, kunstvoll zugehauenen Steinkolossen zwar auch unerklärbar, aber doch greifbarer. Geheimnisvoll ist und bleibt das wahrscheinlich größte Flachrelief »Herabkunft der Ganga«. Zwölf Meter ist es hoch, 33 Meter misst seine Breite. »Nach unserem Glauben hat König Bhagiratha den Ganges aus dem himmlischen Meer zur Erde kommen lassen, um die Seelen seiner verstorbenen Vorfahren von ihren Sünden zu befreien. Im 7. Jahrhundert soll dieses Kunstwerk entstanden sein, das eine verwirrende Vielzahl von Menschen, Tieren und Gottheiten zu bieten hat. Da verblüfft die präzise naturgetreue Darstellung auf der einen Seite, da verwundern seltsame Bilder auf der anderen Seite.

Foto 5: Mittlerer Teil
Klar zu erkennen ist die Göttin Ganga, die im Himmelsfluss – oder als Himmelsfluss? – von oben zur Erde kommt. Da tanzen menschliche Gestalten, oder schweben sie? Da marschiert ein majestätischer Riesenelefant und unter seinem Bau können wir kleine Elefantenkinder ausmachen. Aber was ist das für ein Wesen an der Basis des Reliefs? (Siehe Fotos 7 und 8, weiter unten!)

Es hat menschenähnliche Gestalt. Oder ist es doch ein Tier? Dem Kopf nach zu urteilen könnte es sich um eine Katze handeln, die aufrecht auf zwei Beinen dasteht und die vorderen Pfoten gen Himmel gestreckt hat. Nimmt die Katze (?) eine Yoga-Position ein? Sie wird von kleinen Kreaturen umtanzt (?). Sollte es sich um Mäuse handeln? Vermutlich! Was hat es zu bedeuten, wenn Mäuse um eine Katze in Yoga-Haltung herumspringen? Und das auf einem gewaltigen Relief in Stein von eindeutig religiös-mythologischer Bedeutung?

Foto 6: Rechter Teil des Reliefs
Ich gebe es zu: Katze und Mäuse habe ich vor Ort nicht bemerkt. Ich habe die amüsante Gruppe erst nach meiner Rückkehr aus Indien entdeckt, zuhause, beim Betrachten der Fotos.  Der herabstürzende »Wasserfall« des Ganga-Flusses hat mich abgelenkt. Eine einleuchtende Erklärung für das Ensemble der tierischen Art konnte ich in der Literatur bislang nicht finden. Bemerkenswert ist, dass sich die kleine Gesellschaft an zentraler Stelle befindet, nämlich just dort, wo der himmlische Ganga-Fluss die Erde berührt!

Auch unsere Führerin wusste keine Antwort. »Ein Rätsel!«, flüsterte sie leise. Aber das eigentliche Geheimnis von Mahabalipuram liegt da draußen. Mit ausgestreckter Hand deutete sie in Richtung Meer. »Göttin Ganga kam hier in Mahabalipuram zur Erde. Und dort, dort standen einst sieben majestätische Tempel!« Und wieder streckte sie ihren Arm aus, in Richtung Meeresstrand.

Zu den Fotos
Fotos 1-6: Walter-Jörg Langbein
Fito 7: Ingeborg Diekmann
Foto 8: Walter-Jörg Langbein

Literaturempfehlungen Indien Teil 1

Berendt, Joachim-Ernst: Nada Brahma/ Die Welt ist Klang, Reinbek 1985

Foto 7: Katze und Mäuse
Bhagavdgita, die
     Sanskrittext mit Einleitung und Kommentar von S. Radharkrishnan/ Mit dem
     indischen Text verglichen und ins Deutsche übersetzt von Siegfried
     Lienhard, Wiesbaden 1970
Bhagavdgita, die
     Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths/ Aus dem Sanskrit
     übersetzt, eingeleitet und erläutert von Michael von Brück, München 1993
Bhagavdgita
     As it is/ Abridged Edition/ with translations and elaborate purports by his
     Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Sywami Prabhupada/ Founder-Acarya of
     the International Society for Krishna Consciousness, New York


Foto 8: Im Kreis - Katze, umtanzt von Mäusen

Bhagavdgita und Aschtavakragita, Indiens heilige Gesänge, Köln 1978
Blavatsky, Helena Petrowna: Rätselhafte Volksstämme/ Magische und okkulte 
     Fähigkeiten bei den Kurumbas und Todas, Wiesbaden o.J
Childress, David Hatcher: Vimana Aircraft of Ancient India and Atlantis,
     Stelle 1991
Childress, David Hatcher: Lost Cities of China, Central Asia and India, Stelle
     1991
Däniken, Erich von: Das unheilige Buch/ Von falschen Gräbern und
     himmlischen Gestalten, Rottenburg 2014
Euringer, Florian: Indische Astrologie/ Die 27 Frauen des Mondes, Genf 1989
Franz, Heinrich Gerhard: Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
     indischen Subkontinents, München 1990, GROSSFORMAT
Fritz, John: City of Victory/ Vijayanagara, New York 1991, 
     GROSSFORMAT
Gentes, Lutz: Die Wirklichkeit der Götter/ Raumfahrt im alten Indien,
     München 1996

Literaturempfehlungen Indien Teil 2

Gottschalk, Herbert: Sonnengötter und Vampire/ Mythen und Legenden aus  
     Ägypten und dem Alten Orient, Indien, China und Tibet, Japan und Korea, 
     aus Afrika und aus Lateinamerika, Berlin 1978
Higgins, Godfrey: The Celtic Druids or An Attempt to shew, that the Druids
     were the priests of oriental colonies who emerged from India And were the
     introducers of the first or Cadmean system of letters and the builders of
     Stonehenge, of Carnac, and of other cyclopean works, in Asia and Europe,
     London 1829
Kearsley, Graeme R.: Pacal’s Portal to Paradise at Palenque/ The Iconography
     of India at Palenque and Copan, London 2002
Kircher, Bertram: (TerraX) Von Atlantis zum Dach der Welt/ Rätsel alter
     Weltkulturen, Bergisch Gladbach 1988
     (Das Mysterium des Shiva/ Heilige Männer in Indien, S. 116-165)
Mallebrein, Cornelia: Darshan/ Blickkontakte mit indischen Göttern. Die    
     ländliche und tribale Tradition, Berlin 1998
Norman, Bruce: Footsteps/ Nine Archaeological Journeys of Romance and
     Discovery, o. Ortsangabe, Nachdruck 1988
     (Siehe Kapitel 3/ The wonders of Ellora S. 75 -100)
Obermeier, Siegfried: Starb Jesus in Kaschmir?/ Das Geheimnis seines Lebens
     und Wirkens in Indien, Düsseldorf/ Wien 1983
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): The Lost City of  Dvaraka,
     New Delhi, 1. Auflage 1999
Rao, S.R. (Shikaripur Ranganatha): Marine Archaeology in India, New Delhi  
     2001
Rao, Dr. P.V.L. Narasimha: Kanchipuram/ Land of legends, saints and 
     temples, New Delhi 2008
Richter-Ushanas, Egbert: The Indus Script and the Rg-veda, Delhi 1997
Risi, Armin: Gott und die Götter/ Das vedische Weltbild revolutioniert die
     moderne Wissenschaft, Esoterik und Theologie, Zürich und Berlin 1995
Thompson, Richard L.: Vedic Cosmography and Astronomy, Los Angeles
     1990


343 »Tempel auf dem Meeresgrund«,
Teil 343 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 14.08.2016


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