Sonntag, 31. Juli 2016

341 »Fünf Flugmaschinen in Stein und sechs verschollene Tempel«

Teil 341 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Ekambareswara-Tempel mit seinem Turm
Fischkutter tuckeln aufs Meer hinaus. Wir sehen abgearbeitete, arm gekleidete Fischer. Aber die Augen der Menschen strahlen. Freudig werden wir begrüßt, wo wir Pause machen.

Hier sind wir Bleichhäutigen die Exoten. Immer wieder begegnen uns Schulklassen, die uns höflich und mit strahlendem Lächeln auf »Gruppenfotos mit Bleichgesichtern« bitten. Wir verstehen nicht, was sie sagen, aber ihre Gesten. 

Durch Meere aus Reisfeldern fahren wir, vorbei an Palmenhainen, von Kanchipuram nach Mahabalipuram. Der Ekambareswara-Tempel mit seinem Turm (Foto 1) hat uns mächtig beeindruckt. Was erwartet uns in Mahabalipuram?

Auf den ersten Blick ist es nur ein ärmliches Fischerdorf. Was für ein Kontrast zur einstigen Metropole Kanchipuram. Aber warum wurde hier das größte Flachrelief der Welt mit der vom Himmel kommenden Göttin Ganga in den Stein gemeißelt? 400 Wesen – von der Maus bis zur Göttin – haben Künstler verewigt.

Wahre Künstler der Steinmetzkunst haben die fünf »Rathas« von Mahabalipuram geschaffen. Die kleinen Tempel werden auf das 7. Jahrhundert datiert, vielleicht sind sie auch älter. Jedenfalls gelten sie als die ältesten freistehenden Sakralbauten Indiens. Rathas sind aus der indischen Mythologie bekannt. Übersetzen lässt sich die Bezeichnung »Rathas« mit »himmlische Wagen«. Jedes einzelne dieser himmlischen Gefährte wurde aus dem massiven Stein gehauen. Jeder einzige besteht aus einem einzigen Monolithen. Und jeder einzelne wurde von innen ausgehöhlt und außen hat man komplexe Verzierungen eingemeißelt. Da stehen Menschen – oder sollen es Göttinnen und Götter sein? – in Türen.

Foto 2: Rathas von Mahabalipuram

Foto 3: Ratha mit Tonnendach
Einer der Fünf, der größte, trägt ein »Tonnendach« (Foto 3). Offenbar wurde er nicht mehr vollendet. Seine »Türen« sind erst nur angedeutet, auf die Gestalten darin hat man verzichtet. Immer wieder habe ich die fünf in Stein nachgebildeten »Tempelwagen« umrundet. Mir kamen die Worte von Professor Dr. Dileep Kumar Kanjilal (* 1. August 1933 in Kalkutta) in den Sinn. Der Gelehrte, wohl einer der besten Sanskritkenner Indiens, hat ein wichtiges Werk über die Flugapparate im alten Indien verfasst, es trägt den Titel: »Vimana in Ancient India«. Es basiert auf einer Reihe von seinen Vorlesungen. Julia Zimmermann hat das Werk von Prof. Kanjilal ins Deutsche übertragen. Leider erschienen sowohl das Original (1) von Prof. Kanjilal als auch die Übersetzung von Julia Zimmermann nur als Privatdrucke in bescheidenen Auflagen (2).

Prof. Kumar Kanjilal ist zur Überzeugung gelangt, dass die ältesten Tempel Indiens Nachbildungen von Raumschiffen waren, die in prähistorischen Zeiten zur Erde kamen. Im »vedischen Zeitalter« (vorsichtig datiert: 1500-1000 v.Chr.) wurden in heiligen Büchern Flugmaschinen beschrieben und in Stein als Rathas verewigt. Sind also die fünf Rathas von Mahabalipuram nichts anderes als steingewordene Abbildungen von »himmlischen Streitwagen«? Bis heute steht eine vollständige Untersuchung der ältesten Epen Indiens im Hinblick auf die Beschreibung von Weltraumtechnologie aus. Das darf und kann nicht verwundern, bedankt man die ganze Bibliotheken füllenden Texte. Die meisten davon liegen noch nicht in Übersetzungen in heutige Sprachen vor. Und viele der »Übersetzungen« wiederum sind keine Wort für Wort vorgenommenen Übertragungen in eine heutige Sprache, sondern Nacherzählungen.

Foto 4: Tiere in Stein, Himmelswagen in Stein

Prof. Kumar Kanjilal zum Verfasser (3): »Betrachten Sie die Rathas nicht nur als kleine Räume der religiösen Versammlung. Sie sollen vielmehr an eine fantastische Vergangenheit erinnern!« Mag sein, dass wir im christlichen Europa bei »Gotteshaus« nur an ein praktisches Gebäude denken, dass Gläubigen ein Dach für ihre Zusammenkünfte bietet.

Foto 5: Noch ein steinerner Ratha
Was die »fünf Rathas« von Mahabalipuram angeht, so führte ich vor Ort einige interessante Gespräche mit Archäologen, die sich leider weigerten, ihre Aussagen auf Band bannen zu lassen. Sie gaben mir aber in angeregten Unterhaltungen zu verstehen, dass so gut wie nichts wirklich als gesichertes Wissen angesehen werden kann. So mag es sein, dass die »fünf Rathas« keine »Tempel« im eigentlichen Sinn waren, sondern nur Modelle. Jedes einzelne der fünf Gebäude ist in einem anderen Stil gebaut worden. Vielleicht haben hier auch nur werde »Tempelbaumeister« geübt?

Festzustehen scheint die Vorgehensweise (4) der indischen Baumeister vor mindestens 1300 Jahren. Sie wählten ein wahres Steinmonster aus, erklommen es und begannen, sich von oben nach unten vorarbeitend, einen steinernen Himmelswagen aus dem Monolithen heraus zu meißeln. Schließlich wurde er innen komplett ausgehöhlt.

Nach einem glühend heißen Tag zu so manchem Tempel des südlichen Indien sind wir am Meer angelangt. Unsere Reiseleiterin deutet mit dem Arm hinaus. In der Dunkelheit der Nacht ist die Koromandelküste zu hören und zu sehen. Im seit Jahrtausenden unveränderten Gleichklang der Wellen ahnt man, was Ewigkeit ist. Und die weiße Gischt der Wogen zeichnet den Verlauf des Strandes in die Finsternis. Gegen Himmel und Meer zeichnet sich der »Shore Temple«, der »Küstentempel«, ab. Er hieß einst (5) bei den Seefahrern »Sieben Pagoden«. Wie kann ein einzelner Tempel direkt am Strand so genannt werden?

Foto 6: Wer schaut da raus?
Vor Ort gab’s auf diese Frage immer die gleiche Antwort: Der heute einmalige Küstentempel war einst ein kleines Teilstück eines »kilometerlangen« Komplexes von insgesamt sieben Tempeln. Sechs dieser Kultbauten wurden im Verlauf der Jahrhunderte vom Meer verschlungen!

Ähnliche Geschichten habe ich schon wiederholt auf meinen Reisen gehört. So soll es auf dem Grund des Titicacasees uralte Ruinen geben. Von Süd- nach Nordamerika: Auf dem Grund des »Rock Lake«, östlich von Madison in Wisconsin, USA, wollen Taucher Pyramiden entdeckt haben. Erstmals gab es 1900 »Sichtungen« der künstlich geschaffenen Objekte. Claude und Lee Wilson waren mit dem Boot auf dem See unterwegs und erkannten – klimatische Besonderheiten hatten den Wasserspiegel erheblich sinken lassen –  »rechteckige Strukturen«, die eindeutig künstlich waren. In den folgenden Jahrzehnten wurde es zur Gewissheit. Taucher bestätigten künstliche Bauten auf dem Grund des Sees!

Mich beeindruckt besonders ein Bericht von Victor S. Taylor aus dem Jahr 1936 (6): »Vier Pyramiden auf dem Grund des Rock Lake entdeckt. Womöglich indianischen Ursprungs, vielleicht von den Azteken gebaut.« 1937 suchte und fand Tieftauchspezialist und Rekordtaucher Max Gene Nohl. Er fuhr mit einem kleinen Boot den See ab, schleppte eine primitive Suchvorrichtung hinter sich her, die aus einem langen Seil und einem massiven Eisengewicht bestand. Präzise notierte er einen besonderen Fund auf dem Grund des Rock Lake: »Die Pyramide hat die Gestalt eines gekippten Kegels. Oben befindet sich eine kleine, quadratische Plattform, Kantenlänge 1,4 Meter. Kantenlänge am Boden 5,43 Meter. Höhe 8,83 Meter. Offenbar besteht die Konstruktion aus glatten, in Mörtel gesetzten Steinen. Sie ist weitgehend von einem grünlichen Schaum überzogen, der sich aber leicht wegkratzen lässt, zum Teil treten die Steine offen zutage, sind dem Wasser direkt ausgesetzt.«

Foto 7: Startbereit?
Zurück nach Mahabalipuram. Der Küstentempel soll kärglicher Rest einer eins riesigen Anlage mit sieben Tempeln gewesen sein? Einheimische, vorwiegend Fischer, erzählen Seltsames, ja manchmal Fantastisches. Darf man ihre Hinweise als pure Fantasiegebilde abtun, nur weil sie manchmal neugierigen Touristen gegenüber gern arg übertreiben? Darf man sachliche Hinweise auf sechs versunkene Tempel als Lügengeschichten abtun, weil sie einem nicht ins Konzept von der Vergangenheit unseres Planeten passen?

Mark Twain formulierte (8): »Die Wirklichkeit ist seltsamer als Dichtung, aber das liegt daran, dass die Dichtung sich an Wahrscheinlichkeiten halten muss, die Wirklichkeit nicht.«

Fakt ist: Auch der letzte der sieben Tempel wäre wohl längst vom Meer zerstört worden. Selbst die normale Brandung hätte ihn im Verlaufe der letzten Jahrzehnte vollkommen ausgelöscht, wenn nicht mit massivem Aufwand und unter Einsatz gewaltiger Mengen von Material Schutzmaßnahmen ergriffen worden wären. Und neueste Forschungsergebnisse beweisen: Sechs Küstentempel sind tatsächlich vom Meer verschlungen worden!

Foto 8: Der mysteriöse Küstentempel um 1915
Fußnoten

1) Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar: »Vimana in Ancient India. Aeroplanes or Flying Machines in Ancient India«, Sanskrit Pustar Bhandar, Calcutta, o.J.
2) Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar: »Vimana in Ancient India. Aeroplanes or Flying Machines in Ancient India«, Übersetzung aus dem Englischen von Julia Zimmermann, Bonn 1991, Archiv Langbein, Artikel-Nr. 1317b
3) Das Gespräch fand am 16. Juni 1979 statt, und zwar am Rande der Weltkonferenz der »Ancient Astronaut Society« in München. Prof. Kanjilal hielt einen vielbeachteten Vortrag. Auch ich referierte auf der Tagung. Mein Thema: »Die Sache mit den (biblischen) Urtexten«.
4) Malarvannan, Apoorva: »The Life of Mahabalipuram/ Pulsing Stories Trapped in Stone«, eBook Version 1.0 – Amazon Edition, publication date September 21 2014, Pos. 618, Pos. 674 u.a.
5) ebenda, Pos. 220
6) Langbein, Walter-Jörg: »Bevor die Sintflut kam«, München 1996, siehe Unterkapitel »Ein Paradoxon wird entdeckt« und »Wer suchet, der findet …«, Seiten 16-2. Zitat S. 17, Zeilen 6-8 von oben
7) ebenda, Seite 18
8) Twain, Mark: »Unterwegs: Aus Querkopf Wilsons Neuem Kalender«, Eulen Spiegel Verlag, S. 116

Foto 9: Der letzte Küstentempel muss geschützt werden.
Zu den Fotos

Foto 1: Der Ekambareswara-Tempel mit seinem Turm. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Rathas von Mahabalipuram. Foto wikimedia commons/ Kiwiodysee
Foto 3: Ratha mit Tonnendach. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Tiere in Stein, Himmelswagen in Stein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Noch ein steinerner Ratha. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Wer schaut da raus? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Startbereit? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der mysteriöse Küstentempel um 1915. Foto gemeinfrei
Foto 9: Der letzte Küstentempel muss geschützt werden. Foto Walter-Jörg Langbein

342 »Die Göttin und die sieben Tempel«,
Teil 342 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 7.08.2016


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Sonntag, 24. Juli 2016

340 »Die Göttin und die Inka«

Teil 340 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Komplex Inga Pirca

Bei meinem ersten Besuch in Inga Pirca regnete es mehr als nur in Strömen. Es schüttete sintflutartig vom Himmel. Die mysteriöse Mauer der wohl schönsten archäologischen Stätte Ecuadors erschien in düster-geheimnisvollem Licht. Nur gaben meine beiden Kameras schon nach wenigen Sekunden ihren Geist – zum Glück nur vorübergehend – auf. Zwei Tage später waren sie wieder einsatzbereit. Fotos von Inga Pirca gelangen mir dann erst bei späteren Besuchen.

Inga Pirca wird – ich meine etwas schmeichelhaft-übertrieben – gelegentlich das »Machu Picchu« von Ecuador gegriffen. Erbaut wurde die Anlage von den Cañari, nicht von den Inka. Trotzdem heißt die mysteriöse guterhaltene »Ruinenstätte« bis heute »Inka-Mauer«, eben »Inga Pirca« (Kechuansprache). Die Inka »eroberten« Inga Pirca, erwiesen sich aber als sehr human. Und das, obwohl ihnen die Kultur der Besiegten äußerst fremd war.

Foto 2: Begräbnisstätte der 11 Frauen
Das Volk der Cañari verehrte den Mond. Es war matriarchalisch orientiert. Ganz anders die Inka. Sie verehrten die Sonne, typisch für das Patriarchat. Bei meinem ersten Besuch vor Ort erfuhr ich, dass man bei archäologischen Ausgrabungen die letzte Ruhestätte einer Königin der Cañari ausfindig gemacht habe. 

Die ohne Zweifel äußerst beliebte Regentin – oder war es nur eine Fürstin – war nicht ohne Begleitung vom Diesseits ins Jenseits gewandert. Ihr hatten sich zehn Frauen angeschlossen, die mit Gift Selbstmord begangen hatten. Das geschah vor etwa 1.200 Jahren.

Die Inka »eroberten« Inga Pirca nach Art der Österreicher, nach dem Motto »Du glückliches Österreich, heirate!« Allerdings wohl erst, als der erhoffte schnelle Sieg über das kleine Völkchen nicht auf Anhieb gelang. Die vornehmen und selbstbewussten Inka-Adeligen heirateten Cañari-Prinzessinnen und besiegelten damit eine ganz besondere Allianz. Die Cañari blieben autonom. Sie behielten ihren Glauben, setzten ihr religiöses Leben fort. Sie behielten ihren Glauben an die Mond-Göttin. Das Brauchtum blieb unbeanstandet von den Inka das alte. Allerdings nahmen die Cañari die Sprache der Inka an. Sprachlich orientierten sich die zahlenmäßig weit unterlegenen Cañari den Inka an. Die Inka konnten sich von nun an auf die Cañari als treue Verbündete verlassen. Sie hatten in Inga Pirca einen strategisch äußerst wichtigen Stützpunkt und die Cañari konnten sich auf den militärischen Schutz der Inka voll und ganz verlassen.

Foto 3: Mondkalender der Cañari. Foto Walter-Jörg Langbein
Wasser spielte eine immense Rolle im religiösen Leben der Cañari. Ich bewunderte einen kurios anmutenden Stein, der eine ganze Reihe von Löchern aufwies. Waren sie natürlichen Ursprungs? Keineswegs. Sie waren sorgsam – und wie man mir vor Ort versicherte – nach wissenschaftlichen Berechnungen gebohrt worden. Wann? Vor 1.200, vielleicht 1.500 Jahren? Bei dem seltsamen Löcherstein handelt es sich um einen Mondkalender der Cañari. Die Löcher wurden mit Wasser aufgefüllt, darin spiegelten sich Mond und Sterne. So wurden die für die Cañari wichtigen Daten des Mondjahrs bestimmt. So gab es ein wirklich tolerantes Miteinander zwischen den Inka und den Cañari. Die einen huldigten weiter dem Mond und der Mondgöttin, die anderen verehrten weiter die Sonne und Götter des Patriarchats. Beide hatten ihre eigenen Zeremonien und Feiertage – und es gab gemeinsame Festivitäten.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erschienen die Inka unter Führung von Túpac Yupanqui. Gemeinsam baute man an einem »Groß Inga Pirca«, hatte wohl einen geschlossenen Gesamtkomplex im Sinn. Dazu kam es aber nicht. Das geplante Zentrum wurde nicht fertig gestellt werden. Leider kamen schon im frühen 16. Jahrhundert die ersten Spanier nach Ecuador. Pizarro tauchte 1532 mit seiner blutdurstigen Bande auf.1534 erschien Pizarros Leutnant Sebastian de Benalcazar in Quito auf. 1535 dürften Inka wie Cañari von Inga Pirca abgeschlachtet worden sein: die vermeintlich »Wilden« von den »Zivilisierten«. Die herrliche, im Aufbau befindliche Metropole zweier friedlich miteinander lebenden Religionen wurde zerstört.

Foto 4: Inka oder Präinka?

Wie groß Inga Pirca bereits war, als es von den Spaniern zerstört wurde, wir wissen es bis heute nicht. Es müssten im Umfeld der Ruinen weitere, tiefere Grabungen vorgenommen werden. Wieder einmal fehlt das Geld. Sehr gut erhalten ist der Sonnentempel, den angeblich die Inka angelegt haben. Die imposante Mauer des oval angelegten Gebäudes sieht man von weitem. Und von nahem erkennt man die unglaubliche Präzision, mit der teils massive Steine zugeschnitten und mörtellos auf-, an- und ineinander gefügt wurden.

Vom Mondtempel der Cañari ist so gut wie nichts erhalten. Es wurden lediglich nur noch Grundmauern ausfindig gemacht, die man für Reste von Bauten der Mondanbeterinnen hält. Einen kreisrunden Mondtempel hat es auch gegeben. Aber ordnet man da wirklich alle Bauten, Ruinen und Fundamente richtig zu? Ich halte es für durchaus möglich, dass es schon vor den Cañari und natürlich somit vor den Inka ein noch älteres Heiligtum gab, geschaffen von unbekannten Steinmetzen und Meistern der Baukunst, und das zu einer sehr viel früheren Zeit. Wie dem auch sei: Die Spanier machten Inga Pirca zum Steinbruch. Sie benötigten sehr viel Baumaterial für die Errichtung ihrer monumentalen Kirchen. Es grenzt schon an ein Wunder, dass überhaupt etwas von Inga Pirca übrig geblieben ist. Ein betagter grauhaariger Priester, mit dem ich in Quito sprach, behauptete: 

Foto 5: Sonnentempel und Reste der Cañari -Bauten

»Es gelang einem Inka-Fürsten die Spanier davon zu überzeugen, dass ihr Tempel von Inga Pirca nicht mehr dem heidnischen Sonnengott, sondern inzwischen dem biblischen Gott geweiht sei.« Angeblich ließ man deshalb den ovalen Tempelbau stehen. Belegen lässt sich diese kühne These nicht. Fakt ist aber – was den wenigsten Bibellesern bekannt sein dürfte – dass das »Alte Testament« eine Vielzahl von Bibelversen enthält, in denen der Gott des »Alten Testaments« als Sonne gepriesen wird.

Ein biblisches Gebet, wir finden es in Psalm 84 (1), konnte jeder »heidnische« Inka sprechen, ohne auch nur einen Millimeter von seinem Glauben abzufallen. Er hätte wohl nur den Namen seines Sonnengottes »Tayta Inti« für »Jahwe« eingesetzt: »Gott, unser Schild, schaue doch; sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten. Denn Gott Jahwe ist Sonne und Schild; Jahwe gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Jahwe Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!«

Foto 6: Wasser war der Cañari heilig
Noch zu Zeiten des streng monotheistischen Jahwekults wurden im Heiligen Land auch andere Götter verehrt. Es gab mächtige Konkurrenz, zum Beispiel Baal. Prophet Elia kämpfte gegen den Baalskult. Baals-Tempel wurden immer wieder von Jahweanhängern zerstört, von Baal-Gläubigen neu errichtet, um von der Jahwe-Konkurrenz wieder zerstört zu werden. Schließlich absorbierte der Jahwekult Baal.  Ursprünglich war es Gott Baal, der »am Himmel daherfährt« oder der »auf den Wolken reitet«.

Der Himmels-Baal kann sehr wohl auf einen patriarchalischen Sonnengott zurückgehen, war vielleicht sogar selbst einer. Derlei Baals-Namen wurden im monotheistischen Judentum  einfach auf Jahwe übertragen. Bei Mose lesen wir (2): »Es ist kein Gott wie der Gott Jeschuruns (=Jahwe), der am Himmel daherfährt dir zur Hilfe und in seiner Hoheit auf den Wolken.«

Auch der Psalmist hat offensichtlich einen Sonnengott im Sinn, wenn er Jahwe wie folgt preist (3): »Lobe Jahwe, meine Seele! Jahwe, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich. Du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes, der du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern.«

Foto 7: Spiegel der Sterne

Religiöse Bilder ähneln sich, auch wenn das Fundamentalisten nicht wahrhaben wollen. Nach dem christlichen Glauben opfert sich der göttliche Jesus zum Wohle der Menschen und starb am Kreuz. Aztekengott »Nanauatzin«, zu Deutsch »Wolkenschlange« opferte sich ebenfalls, nur nicht am Kreuz, sondern im Feuer. Jesus stieg auf zum göttlichen Vater, der im »Alten Testament« gern mit der Sonne verglichen wird. Nanauatzin stieg empor und wurde selbst zum Sonnengott Tonatiuh, zu Deutsch »Sonne«. Als Sonnengott wurde er im tonnenschweren Kalenderstein der Azteken verewigt.

Wasser spielte eine zentrale Rolle in der Religion, in der Welt der Cañari. Es spiegelte die Sterne und ihren Lauf. Es spendete Leben, kam also von der Göttin. Es regnete vom Himmel und ließ Leben gedeihen. Es stieg wieder in den Himmel empor. Über den Göttinnen-Wasserkult der Cañari wissen wir leider kaum noch etwas. Wenn nur die Steine reden könnten, in die immer wieder komplexe Systeme von Wasserbecken geschlagen wurden. Wasserreservoirs waren das nicht, dazu fassen sie viel zu wenig Wasser.

Foto 8: Rituelles Sitzbad.
Einzelne aus dem Stein gemeißelte »Wannen« mögen als rituelle Sitzbäder gedient haben, vielleicht für die Priesterinnen zur Vorbereitung auf die heiligen Handlungen zu Ehren der Mondgöttin.

Mir scheint, dass es den Erbauern dieser Systeme in erster Linie darauf ankam, Spiegel aus Wasser zu schaffen – für die Sterne, für die Göttin. Das Wasser floss von »Becken« zu »Becken«. Man hat sich sehr große Mühe gegeben, bohrte zum Teil Röhren von »Becken« zu »Becken«, legte zum Teil offen liegende kleine Kanälchen an. Allein das schon erforderte erhebliche Fähigkeiten in Sachen Steinbearbeitung!

Uralt ist der philosophisch-religiöse Gedanke, dass sich Himmel und Erde entsprechen. 1908 wurde in Chicago das esoterische Werk »Kybalion« (4+5) veröffentlicht. Inhalt: Die »sieben hermetische Prinzipien«. Das »Prinzip der Analogie« besagt: »Wie oben, so unten; wie innen, so außen; wie der Geist, so der Körper.« Nach den hermetischen Prinzipien entsprechen die Verhältnisse im Makrokosmos des Universums dem Mikrokosmos des Individuums. Das Große spiegelt sich im Kleinen, das Kleine im Großen.

Foto 9: Der Aztekenkalender

Was mich auf vielen meiner Reisen mehr als verblüfft hat: Angeblich soll uraltes Wissen – so auch das der Cañari – allen mörderischen Maßnahmen zum Trotz – bis in unsere Tage überlebt haben. Das haben mir immer wieder christliche Priester auch in Ecuador mitgeteilt. So sollen die Cañari gewusst haben, was zum Beispiel erst im 20. Jahrhundert durch Bücher wie das »Kybalion« publik wurde. Gehört das Wissen um hermetische Gesetze dem wirklich wertvollen Weltkulturerbe an? Und sind uralte Bauwerke wie »Inga Pirca« steinernes Zeugnis des Urglaubens der ältesten Völker der Welt?


Foto 10: W-J.Langbein vor Ort
Fußnoten

1) Psalm 84, Verse 10-13
2) 5. Buch Mose Kapitel 33, Vers 26
3) Psalm 104, Verse 1-4
4) »Drei Eingeweihte«/ Atkinson, William Walker: » Kybalion - Die 7 hermetischen Gesetze: Das Original«, Hamburg 2011
5) Atkinson, William Walker: »Kybalion 2 – Die geheimen Kammern des Wissens«, Hamburg 2013

(Anmerkung: Zum Thema Kybalion gibt es umfangreiche Sekundärliteratur, auch online aus dem Internet zu beziehen. Dabei unterscheiden sich die Textquellen zum Teil erheblich. Ein fundiertes abschließendes Urteil abzugeben, das ist letztlich unmöglich.)

Zu den Fotos

Foto 1: Komplex Inga Pirca. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Begräbnisstätte der 11 Frauen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Mondkalender der Cañari. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Inka oder Präinka? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Sonnentempel und Reste der Cañari -Bauten (Vordergrund)
Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Wasser war der Cañari heilig. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Spiegel der Sterne. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Rituelles Sitzbad. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Der Aztekenkalender mit dem Sonnengott im Zentrum. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Autor Walter-Jörg Langbein vor dem Sonnentempel der Inka. Foto Willi Dünnenberger

341 »Fünf Flugmaschinen in Stein und sechs verschollene Tempel«,
Teil 341 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 31.07.2016


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Sonntag, 17. Juli 2016

339 »Karl May und die Pyramide«

Teil 339 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


                                             »Kennt Ihr die Pyramide,
                                          die hier in der Nähe liegt?«
»Das Innere der Pyramide war
ein Geheimnis.«
Karl May »Das Waldröschen«

Foto 1: Szene aus »Der Schatz im Silbersee« (14.07.2016)
Der »Schatz im Silbersee« lockte mich zu den Karl-May-Festspielen nach Bad Segeberg. Ich reiste per Zug an. Zwischenstopp – so stand’s zumindest im Fahrplan – Hamburg Hauptbahnhof. Ankunft am 13.7. auf Gleis 13 um 13 Uhr 13. Nirgendwo sonst kann man Karl May mit allen Sinnen genießen wie am Kalkberg zu Bad Segeberg. Man sieht, man hört, man riecht, man fühlt, ja man schmeckt die Welt des »Maysters«. Kein Kino – ob 3D oder 2D – kann da mithalten.


Der »Schatz im Silbersee« lockte mich nach Bad Segeberg. Und eine Pyramide. Ob Karl May je nach Bad Segeberg gekommen ist? Ob er von der Pyramide gehört hat? Fakt ist, dass der sächsische Dichter vom Geheimnis der Pyramiden fasziniert war. In seinem zehnbändigen Romanzyklus »Waldröschen oder Die Verfolgung rund um die Erde« entführt er uns auch in »Die Pyramide des Sonnengottes«. Helden wie Schurken sind vom »Schatz der Aztekenkönige« fasziniert. Dramatisch geht es bei Karl May »In der Pyramide« (1) zu.


Foto 2: Die Rantzau-Pyramide
Ob Karl May über die mysteriöse Pyramide von Bad Segeberg informiert war? Vermutlich nicht.  Anno 1622 jedenfalls soll die Pyramide bereits eine baufällige Ruine gewesen sein, anno 1632 dürfte sie weitestgehend in sich zusammengebrochen sein. Es sollten aber noch einige Jahrzehnte vergehen bis die Mauerreste abgetragen wurden. Anno 1770 stand an Stelle der einstigen Pyramide eine kleine »Kapelle«, die freilich nie als Kapelle diente.

Diese »Rantzau-Kapelle« in der »Hamburger Straße« ist von bescheidenen Ausmaßen. Nach meiner Messung hat sie eine Grundfläche von etwas weniger als vier Quadratmetern. Den Vorgängerbau – die Pyramide – hat Heinrich Rantzau anno 1588 aus einheimischem Kalkstein errichten lassen. Er muss recht imposant gewesen sein. Das pyramidenfömige Dach war immerhin stolze zehn Meter hoch. Mit dem massiven Unterbau erreichte die Pyramide eine Gesamthöhe von vermutlich fünfzehn Metern.

Foto 3: Das Türmchen auf dem Dach der Kapelle. (13.7.2016)

Das Türmchen auf dem Dach der heutigen Rantzau-Kapelle zeigt, wie einst die ursprüngliche Rantzau-Pyramide ausgesehen hat. Sie bestand aus einem würfelförmigen Unterbau und einem hohen Pyramiden-Dach.

Von der ursprünglichen Pyramide ist so gut wie nichts erhalten geblieben, nur der steinerne Altar im Inneren des winzigen Gotteshauses soll schon im Pyramidenbau gestanden haben.

Foto 4: Der Original-Altartisch...

Was mich, gelinde gesagt, wundert: Noch vor Jahren wussten viele Einheimische nichts von der einstigen »Rantzau-Pyramide«, geschweige denn, wo sie einst stand. Das hat sich inzwischen geändert. Heute ist der kleine steinerne Backsteinbau leicht zu finden. Man muss nur fragen, bekommt in der Regel richtige Auskunft. Nicht alle Zeitgenossen, die von der kleinen Kostbarkeit gehört haben, wissen, wen Rantzau anno 1588 ehren wollte, nämlich König Friedrich II. von Dänemark und Norwegen (1534-1588).

Der Standort für das steinerne Denkmal war sorgfältig gewählt. Er lag außerhalb der Stadtmauer, fast einen Kilometer vom Stadttor entfernt, auf freiem Feld.  Es wurde auf einem vorgeschichtlichen Grabhügel errichtet. Auf diese Weise sollte eine Verbindung mit uralten Zeiten hergestellt werden. Heute steht der Nachfolgebau, kaum beachtet, mitten in Bad Segeberg in der Hamburger Straße.

Foto 5: ... stammt noch aus der Rantzau Pyramide

Mit besonders großer Sorgfalt ging man ans Werk beim Bau des Fundaments. Offenbar sollte die Pyramide noch in ferner Zukunft an König Friedrich II. von Dänemark und Norwegen erinnern. Wieso hat man Felsgestein für den Unterbau aus dem gut 300 Kilometer entfernten Höxter herangeschafft? Dass man auch gotländische Steine aus Schweden einsetzte – direkte Distanz rund 800 Kilometer – verwundert doch etwas.

Gotländische Bildsteine wurden schon im 5., aber noch im 14. Jahrhundert geschaffen. Bekannt ist, dass die mit Reliefs versehenen Steine öfters von ihren ursprünglichen Standorten entfernt und beim Bau mittelalterlicher Kirchen eingesetzt wurden. Der Antransport gotländischer Steine war im 16. Jahrhundert mit erheblichem Aufwand verbunden. Mussten doch die Felsen von der schwedischen Insel Gotland zunächst über Land geschleppt, dann an Bord von Schiffen verbracht, übers Meer – vielleicht über Lübeck – nach Bad Segeberg gebracht werden. Und das nur, um im eher unansehnlichen Fundament verarbeitet zu werden.

Foto 6: Die Rantzau-Kapelle am 13.07.2016

Die heute genutzte Bezeichnung »Kapelle« ist irreführend. Diente das Bauwerk doch zu keinem Zeitpunkt als Kapelle im religiösen Sinn, sondern stets als Denkmal für Friedrich II. von Dänemark und Schweden.

Die »Rantzau-Kapelle« wurde noch in jüngster Vergangenheit alles andere als besonders gepflegt. In einem traurigen Zustand fristete auch ein weiteres Monument ein kärgliches, beklagenswertes Monument sein Dasein: der Rantzau-Obelisk. Das hat sich, zum Glück, geändert. Die historischen Monumente befinden sich wieder in einem guten Zustand.

Heinrich Graf zu Rantzau hat die Steinsäule – damals wahrscheinlich bis zu fünfzehn Meter hoch – aufstellen lassen. Ein deutlich größerer Obelisk in Rom mag als Vorbild gedient haben. Thutmosis III. ließ um 1500 v.Chr. östlich vom Tempel des Amun in Theben einen 500 Tonnen schweren Obelisken aufstellen. Die fast 35 Meter hohe Steinnadel gelangte auf Umwegen von Alexandria nach Rom. 357 wurde sie im »Circus Maximus« aufgerichtet. Ein Erdbeben brachte den Koloss zu Fall. Er zerbrach in mehrere Teile, die Brocken blieben liegen. 1587 ließ Papst Sixtus V. den Obelisk freilegen, rekonstruieren und erneut aufstellen. An der Spitze wurde ein Kreuz angebracht.

Fotos 7 und 8: Der Obelisk

Der »Rantzau-Obelisk« wurde im 19. Jahrhundert Opfer eines Sturms und zerbarst. Ein kärglicher Rest fand – jetzt etwa einhundert Meter von der »Rantzau-Kapelle« entfernt – einen neuen Platz.  Zu Beginn des dritten Jahrtausends schien es so, als ob man von Seiten der Stadt kein Interesse am Erhalt der Reste des einst stolzen Obelisken habe. Offenbar hat sich das geändert. Dem Vernehmen nach wurden die noch vorhandenen Überbleibsel (mit hohem finanziellen Aufwand?) konserviert und vor weiterem Verfall bewahrt. Auch die »Rantzau-Kapelle«, einst »Rantzau-Pyramide«, wird offensichtlich gut behandelt, so wie sie es auch verdient. 


Foto 9: Inschrift im Fundament des Obelisken

Eine Inschrift am Obelisken lautet: »Deo et Friderico II«, also »Für Gott und Friedrich II«. Die»Rantzau-Kapelle« und »Rantzau-Obelisk« sind steinerne Denkmäler für eine traurige Realität geworden. Sie dokumentieren den Verfall unserer ureigenen Kultur. Unwissenheit macht sich breit, Missachtung der eigenen Wurzeln ist symptomatisch für unsere Zeit. Viele Zeitgenossen sind einfach nur gleichgültig, andere scheinen eine Art Minderwertigkeitskomplex zu entwickeln und im Rahmen von »Multi-Kulti« nur Fremdes zu schätzen. Ich selbst halte nichts von »Multikulti«. Allein schon der saloppe Begriff zeugt von Missachtung und Geringschätzung von Kultur. Ein Mischmasch aus vielen Preziosen wird zu einem wertlosen Durcheinander, wobei die Schönheiten der einzelnen Kulturen kaum mehr zu erkennen sind.

Foto 10: Regenschauer
Mit meinem kleinen Beitrag über die »Rantzau-Kapelle« und den »Rantzau-Obelisk« möchte ich Leserinnen und Leser dazu ermutigen, in der eigenen Heimat nach geschichtsträchtigen Monumenten und Kuriosa zu suchen, die mehr Beachtung verdient haben.

Ich meine: Man kann sehr wohl fremde Kulturen schätzen, ohne die eigene bestenfalls zu vergessen. Es ist ein Unding, Respekt vor fremden Kulturen zu fordern und nichts für den Erhalt der eigenen Kultur zu tun.

Am 13.7.2016 war ich vor Ort. Am Nachmittag fotografierte ich emsig. Teilweise heftige Schauer wurden immer wieder unterbrochen. Dann machte strahlender Sonnenschein das Fotografieren zum Vergnügen. Dann aber schüttete es wieder vom Himmel. Die Rantzau-Kapelle erschien in geradezu düsterem, unheimlichem Licht.

Von »meinem« Hotel, dem »Central Gasthof« (2) in der Kirchstraße, sind »Rantzau-Kapelle« und »Rantzau-Obelisk« in wenigen Minuten bequem zu Fuß erreichen. Auch zur Freilichtbühne der Karl-May-Festspiele ist es nicht weit. Auch dieser Weg ist zu Fuß gut in weniger als einer halben Stunde zu schaffen. Am Kalkberg geht es aber über eine Treppenpassage bergan. Mit dem PKW kann man nicht direkt bis zur Freilichbühne fahren. Es gibt Parkplätze in der Nähe, die sind aber oft schnell belegt.

Noch ein wichtiger Hinweis: Direkt neben dem wirklich empfehlenswerten »Central Gasthof« : die Marien-Kirche mit ihrem herrlichen Altar.

Foto 11: Der Central Gasthof im Zentrum von Bad Segeberg

Fußnoten
(1) »Die Pyramide des Sonnengottes« von Karl May erschien als Band 52 der berühmten Bamberger Gesamtausgabe der Werke Karl Mays. Kapitel 11 trägt die Überschrift »In der Pyramide«
(2) Hotel und Restaurant »Central Gasthof« (Familie Schumacher), Kirchstraße 32, 23795 Bad Segeberg

Zu den Fotos 
Fotos 1, 3, 4-12: Alle Fotos Walter-Jörg Langbein.
Foto 2: Zeichnung wiki commons/
Dieter Lohmeier Heinrich Rantzau

Foto 12: Die Darsteller vom »Schatz im Silbersee«


340 »Die Göttin und die Inka«,
Teil 340 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 24.07.2016

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Dienstag, 12. Juli 2016

2. »A Sad Discovery«

Author: Walter J. Langbein, Germany
(Walter J. Langbein is author
of some 60 non-fiction books on
“mysteries of the world,
many of which have become bestsellers in Europe)
Translation: Marlies Bugmann

Fotos/ copyright: Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Strange faces

“There is nothing of Padre Crespi’s collection left in our building!” ‘Brother Gatekeeper’ assures us when we arrive at the main portal of the Salesian monastery of Cuenca in Ecuador. “No metal tablets?” I ask. The monk does not conceal how awkward it is for him to answer such questions. I understand. He would often have been asked the same thing. Nevertheless, I keep enquiring: “Where is Padre Crespi’s collection?” The gatekeeper emits a deep sigh: “It was sold in its entirety to the ‘Banco Central’!”


Foto 2: Strange animals

And yet, I will be successful in photographing some of the mysterious objects inside the Monastery. These photos have never before been published. Here, in this blog, I am showing these images for the first time! They are documents that give evidence of a sad discovery. They show artifacts trampled under foot—and which have most likely vanished by now!

Esteban Salazar, who is the caretaker of the Crespi Collection at the ‘Banco Central’, interjects: “Our bank has acquired only the terracotta and stone objects! Many of the metal items must still be in your monastery!” ‘Brother Gatekeeper’ promises to enquire about it. We may return in a few hours. Willi Dünnenberger, two other travel companions and I amble along the ‘Gaspar Sangurima’ and the ‘General Torres’ streets.

Foto 3: Strange scenes
We enjoy the ‘Maria Auxiliadora’ park. It offers respite in a dusty, dirty, and loud city. A monument to Padre Crespi stands there. It is a memorial to the archaeologist and clergyman. We watch as some native inhabitants place flowers at its base. Thus, they remember the padre, who was one of them. With the floral tribures they continue to demonstrate their gratitude ten years after his demise.

At the prearranged time we return to the main portal of the monastery. What a surprise! We are permitted to enter! “There could still be metal tablets from Crespi’s collection…somewhere in the monastery!” ‘Brother Gatekeeper’ explains to me. “May we be permitted to see some of the artifacts?” The monk hesitates. “If there is still such a thing here, then Brother Superior must decide.” The latter would decide about our enquiry. But that could take a while.

The Salesian gatekeeper cannot fathom this: Some Germans from far away Europe travel to Ecuador, only to inspect Padre Crespi’s allegedly worthless collection. I ask: “Why did Padre Crespi collect worthless metal junk, as well as stone and terracotta artifacts of immense value? Was he unable to distinguish archaeological treasures from useless rubbish?” Brother Superior will answer my questions, if he can spare the time.

Foto 4: God or human?
Hours of more waiting followed. A statue of Mother Mary in the courtyard of the monastery attracts my attention. It is the ‘helpful Mother of God’, the name-giver of the monastery. I count three levels on the building. There are many windows. A decaying wooden staircase leads up to each of the levels. And suddenly, I make a sad discovery—everywhere I look I see metal plates and tablets, some of them merely millimetres thin—they contain mysterious symbols. They are the artifacts from Padre Crespi’s collection. The monks used them to repair the stairs, the walls, and the floors.

A young brother follows me around, step by step. I point to one of the metal plates. “Is this from Padre Crespi’s collection?” He nods. When I ready my camera, the otherwise taciturn monk snaps at me: “No Photos!” During the ensuing hours, I walk back and forth, up and down the monastery courtyard, under the constant, watchful eye of my guardian. And yet, I succeed in taking several photos—without looking through the viewfinder, ‘free-hand’ as it were.

Foto 5: Strange pyramid
Repeatedly, I pace around the courtyard, climb the partly rotten stairs, walk past barred windows…

Are the treasures, which have allegedly been sold to the ‘Banco Central’, where only the ceramic and stone items arrived, behind those windows? One of the monks reveals to me that, since Däniken’s publishing of Aussaat und Kosmos, veritable armies of travellers followed the trail of the Swiss author, wanting to see the metal tablets. The monastery inhabitants had fobbed them off with the advice: “Everything was sold to the bank!” The small trick worked! The monk gives me a mischievous grin.

Are they hiding Crespi’s metal objects behind some of the locked doors? Each time I approach one of them, my guardian cleverly prevents me from getting near one of the windows. A plaque on one of the doors refers to the dead Padre Crespi, and his work for the poorest of the poor in Cuenca.

Foto 6: Strange faces

The hope of seeing at least a few of Crespi’s metal tablets led me to visit the Salesian monastery in Cuenca. First, the monks denied that there were metal objects still present in the monastery, and then they admitted to it. But I saw only disappointing evidence. I was forced to make a sad discovery. The community reveres Padre Crespi almost like a saint. In ‘his monastery’, however, his mysterious legacy is literally being trampled under foot.

Esteban Salazar still has hope. He intends to reconstruct a ‘Crespi Collection’ and make it accessible to the public. Will he succeed? I have my doubts! My secretly taken photos date from 1992. Twenty-four years later, Crespi’s artifacts, used to repair the floors and stairs of the monastery, are probably lost forever.

Foto 7: A "chief"
One can read a book, only to be sent on a long journey. In 1972, I devoured Erich von Däniken’s third international bestseller, Aussaat und Kosmos. In 1992, I travelled to Ecuador, tracking Padre Crespi’s mysterious collection. A decade after the demise of the beloved clergyman, the collected metal objects faced oblivion, but were still—at least partly—in existence. Why do the inhabitants of the Salesian monastery so zealously disregard Padre Crespi’s legacy?

Are the artifacts truly only worthless junk? Or are they a part of a valuable treasure that is still hidden? Erich von Däniken pointed to such a treasure in a gigantic cave system: Nonsense or Truth? I investigated, and searched for a trail…and made a discovery!

The perhaps largest archaeological treasure is still waiting to be unearthed in Ecuador. To date, no one embarked upon such an exploration. Are the members of the established World of Science afraid of disagreeable findings?



Foto 8: An angry cat?

Foto 9: Cat-God?

Foto 10: Destruction of ancient heritage..



Foto 11: Drifting creature

Fotos/ copyright: Walter-Jörg Langbein



Montag, 11. Juli 2016

1. »On the trail of Padre Crespi’s Collection«

Author: Walter J. Langbein, Germany
(Walter J. Langbein is author of some 
60 non-fiction books on 
“mysteries of the world",
many of which have become bestsellers in Europe)
Translation: Marlies Bugmann

1. Monument in honor of Padre Crespi
A desperately poor clergyman tends to a small South-American community. He teaches the children, and procures the schoolbooks for them. The people are poor and cannot afford medical assistance; therefore, the padre organizes aid as well as he can. Pious phrases are of no help to the children, the
clergyman is well aware of it, but regular school meals are. The native population cannot pay their padre with money, but they give him gifts: to thank him they bring clay objects from ancient times, metal plates with peculiar inscriptions and drawings. They trust him and in this manner express their gratitude. The Indians give to the padre what archaeologists often search in vain. And so comes into being a fantastic collection of archaeological objects—not in the hallowed halls of noble museums, but in the pathetic courtyard of a church in Ecuador!

Padre Carlo Crespi (1891-1982) came to Ecuador in 1923. He attempted to convey his religion to the people in the eastern part of the country. However, the poverty of the Indians deeply affected him, and he tried to alleviate the misery. Instead of hypocritically preaching charity—he lived it. In 1935 he opened a school in Cuenca. In the courtyard of the church of ‘Maria Auxiliadora’, the ‘helpful Mother of God’, he built a small private museum. Luc Bürgin, in his book Lexikon der verbotenen Archäologie (Lexicon of forbidden archaeology) writes: “There, he displayed the exhibits of the indigenous cultures, which he received from the friendly natives: ritualistic objects, ceramics, figurines of gods made from stone and wood, many other cult-related objects as well as items used in the daily life of the Indian tribes of Ecuador.”

Swiss best-selling author, Erich von Däniken, became world-famous in 1968 with his book Erinnerungen an die Zukunft (Chariots of the Gods?). In 1969 followed Zurück zu den Sternen (Return to the Stars). During his travels, von Däniken made the acquaintance of venerable Padre Crespi. In 1972 he introduced the padre’s collection in his book Aussaat und Kosmos (The Gold of the Gods).

2. Poverty in Cuenca

Overnight, Crespi’s collection of artefacts was thrust into the spotlight of international publicity. The academic world reacted and its members unanimously declared their outrage! Padre Crespi, a modestly dressed, poor clergyman was supposed to have collected valuable archaeological objects? That was simply not true. Thus, the countless objects in the courtyard of the ‘helpful Mother of God’ were declared worthless junk, cheap forgeries without value.

Were the scientists gifted with supernatural powers? Obviously! What other explanation could there have been for their ability to evaluate the objects in Crespi’s collection without having travelled even near Cuenca in Ecuador? From thousands of kilometres away the scientists had delivered their crushing verdict.

Twenty years later, I travelled to Ecuador. I spoke about the clergyman to the people in the market of Cuenca—he had passed away ten years earlier. Without exception, the people expressed their admiration of him, and spoke with loving reverence about the man who had lived among them, and had shared their poverty. They venerated him like a saint, and in prayer asked for his assistance. They still placed flowers at his resting place. Repeatedly, I heard the mention of Padre Crespi’s many precious archaeological artifacts from ancient times.

3. Court of Padre Crespi's monastery

Did the collection really exist? Was it valuable? Or did it in truth consist merely of worthless junk the poor Indians had palmed off onto unsuspecting Crespi? My research informed me that Padre Crespi had held the position of director at the gold museum in Cuenca for several years. Would he have collected worthless rubbish? That seemed very unlikely to me. Consequently, I went on a search for Padre Crespi’s collection. And I found it.

According to some rumors, the ‘Banco Central’ of Cuenca had bought Crespi’s collection. Critical voices were doubtful. During my preparations for the trip, I was told that a respectable bank would not purchase a worthless collection! Esteban Salazar, an employee of the ‘Banco Central’ explained this to me: It is true! The bank acquired a significant portion of the Crespi collection for US$433,000 after the clergyman had passed on!

Esteban Salazar led our small group of four travellers into the cellar of the ‘Banco Central’. Down there, we were simply astonished at the thousands of artifacts. We admired the ceramic objects diligently sorted on orderly shelves. I asked: “And these objects all came from Padre Crespi’s collection?” Esteban Salazar replied in the affirmative. The people of the bank had sorted the items according to shape and size: small dishes, bowls, and vases. I enquired: “Are these items old?” “Many are merely a few hundred years old, but others up to three thousand years!”

Obviously, the scientific distance critics had prematurely dismissed Crespi’s collection as ‘worthless junk’. Padre Crespi had clearly owned thousands of genuine archaeological objects, which truly belonged in a museum. In 1982, Estefan Salazar hoped that at least some of these artifacts would ‘soon’ be displayed to the public in an exhibition. That has not happened to this day.

4. The triangular tablet

Harvard professor, Barry Fell, (6 June 1917 - 21 April 1994) distinguished himself by deciphering ancient texts. Prof. Fell, founder of the ‘Epigraphic Society’, intensively studied one object from the Crespi collection. The triangular tablet contains three rows of peculiar lettering. Above it, one can see an elephant-like animal. At the apex shines the depiction of the sun.

Prof. Fell came to an astonishing realization: The letters on the tablet are not at all nonsensical scribbles. They belong to a known writing, and are best compared to that used in the third century BC in Thougga, Tunisia. The writing was discovered, for example, on a monument for King Masinissa. Would forgers in Ecuador have played with an ancient script? Prof. Bell dismissed the notion. He succeeded in translating the short text: “The elephant that supports the Earth upon the waters and causes it to quake.”

5. Padre Crespi taught the children of the poor

My summary on location: Padre Crespi’s collection contains thousands of artifacts that are unequivocally genuine. The ‘Banco Central’ acquired these valuable finds for a small fortune; they are stored in the cellar of the respectable financial institution. Almost thirty years have passed since Padre Crespi’s death. Officially, the archaeological treasures have neither been catalogued, nor publicly exhibited to date! Why not?

6. Padre Crespi's church
Maria Auxiliadora after renovation
In 1972, Erich von Däniken triggered an international discussion about the Crespi collection. Metal objects, metal plates with mysterious images and inscriptions caused a sensation. Erich von Däniken had photographed many of the plates, and featured them in his book Aussaat und Kosmos. Twenty years later I went on my search. What happened to those plates after Crespi’s death?

Footnotes:
(1) Bürgin, Luc: »Lexikon der verbotenen Archäologie/Mysteriöse Relikte von A bis Z«, Rottenburg, December 2009, Pg. 61

(2) Fell, Berry: »America B.C.«, New York 1976, Pg. 184

Fotos/copyright:
Fotos 1, 2, 3, 5 and 6: Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Archive Walter-Jörg Langbein

Part 2 - will follow soon: A sad discovery 
Sensation! Pictures from Crespi's lost collection.....

>> Here you find part 2

Sonntag, 10. Juli 2016

338 »Die Göttin auf dem Berg«

Teil 338 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Blick auf den Staffelberg

Meine ersten Erkundungen führten mich in jugendlichen Jahren zum Staffelberg bei Staffelstein. Als Kind hoffte ich, den einen oder den anderen »Querkeles«-Zwerg beobachten zu können. Aus der eher schmuddeligen und häufig von Besuchern verunreinigten Höhle hatten sich die kleinen Wesen wohl längst zurückgezogen. Meine Urgroßmutter hatte mir so manche Sage erzählt, von den Staffelberg-Zwergen, wie emsig sie einst den Menschen halfen und ihnen schwere Arbeiten abnahmen. In Sagen wird auch überliefert, dass die Querkele heilkundig waren und bei der Pflege von Kranken halfen.

Die Leibspeise der Querkele waren die fränkische Spezialität schlechthin, nämlich rohe Kartoffelklöße. Gelegentlich stibitzten sie den einen oder den anderen Kloß. Die klugen Hausfrauen gingen stillschweigend darüber hinweg. Eine geizige Frau indes versuchte, derlei harmlosen Mundraub zu unterbinden. Das kränkte die Querkele sehr und sie zogen sich aus den Behausungen der Menschen zurück. Ob sie sich noch am Staffelberg aufhielten? 

Als Bub durchstöberte ich manches Mal die bewaldeten Hänge des Staffelbergs. Ich kroch durch Gestrüpp, krabbelte manche Böschung hinauf. Ich bekam aber weder irgendwelche Spuren der kleinen Wesen, noch einen Querkele selbst zu sehen. Besonders intensiv erkundete ich die Westflanke des Staffelbergs, dem sich der Würzburger Weihbischof Söllner anno 1654 nur ehrfurchtsvoll zu nähern wagte. »Dieser Berg ist ein heiliger Berg. Ich bin nicht würdig, ihn mit Schuhen zu besteigen.«, soll der Kirchenmann einst gesagt haben.

Besonders interessant fand ich die Erkundung des Staffelbergs von Staffelstein aus. Von der Victor-von-Scheffel-Straße aus ging‘s am Friedhof vorbei, steil hinauf auf den Staffelberg. Leider fand ich kein einziges Querkele. Über die Reste der einstigen Wallanlage, von den Kelten vor rund zwei Jahrtausenden angelegt, kroch ich suchend umher. Eingänge zu Höhlen fand ich keine.

Foto 2: Der Eremit Valentin vom Staffelberg

Auf einer meiner jugendlichen Erkundungstouren begegnete mir ein freundlicher, bärtiger älterer Herr, der mit einer spitzen Metallstange im Boden stocherte. Der Mann hätte wohl Karl May als Vorbild für eine seiner Fantasiegestalten dienen können. Er trug eine Art Kutte, er ähnelte darin Valentin Mühe, der von 1913 bis 1925 als Eremit Valentin auf dem Staffelberg lebte. 1925 erkrankte er schwer und verließ den Staffelberg. Ausschlaggebend für seinen Entschluss, seine bescheidene Klause zu verlassen, mag auch die üble Verschmutzung des einst heiligen Bergs gewesen sein. Besonders an hohen kirchlichen Feiertagen wie Ostern strömten die Menschen in Scharen auf den Berg und Bruder Valentin verzweifelte, weil er seinen Berg nicht ausreichend schützen konnte. 1925 verliert sich jede Spur des frommen Mannes.

Der Mann mit der Kutte erklärte mir, dass er nach einem »Brunnenschacht der Kelten« suche. Er habe schon das »gesamte Plateau« überprüft, aber keinen Hinweis gefunden. Vielleicht habe man ja die Adelgundis-Kapelle über dem Brunnenschacht gebaut. Tatsächlich soll bereits um das Jahr 800 ein kleines Gotteshaus auf den Resten eines »heidnischen Kultbaus« errichtet worden sein. 1419 wird die »Adelgundiskapelle« erstmals urkundlich erwähnt. Ob es sich dabei um die Kapelle aus dem Jahr 800 handelte, bleibt unklar.

Foto 3: Befestigungsmauer Staffelberg.

Sicher ist, dass es vor rund zwei Jahrtausenden auf dem Staffelberg das keltische Oppidum Menosgada gegeben hat, eine stark befestigte Anlage, geschützt durch ein komplexes System aus Wällen, die den gesamten Staffelberg umschlossen. Dank archäologischer Ausgrabungen konnte die Schutzmauer um das Plateau des Staffelbergs in einem kleinen Teilstück rekonstruiert werden, und das bis in kleinste Details! Vermutlich waren es keltische »Adlige«, die im 5. Und 6. Jahrhundert auf der Hochfläche – 350 Meter lang und 125 Meter breit – siedelten. Die imposante Schutzmauer war immerhin fünf Meter breit und drei Meter hoch. Paul und Sylvia Botheroyd merken in ihrem beachtenswerten Werk »Deutschland/ Auf den Spuren der Kelten« an (1): 

»Im Nordosten ließen sie die Mauer sogar doppelt anlegen. Die Häuser der Siedlung waren teilweise an die Mauer angebaut; der Herr hatte den Funden nach Töpfer und Schmiede in seinen Diensten stehen – Keramik, Bronzenadeln und – anhänger und einige sehr hübsche Fibeln, eine als Pferdchen gearbeitet, gehören dazu. Das Eingangstor zu dieser Burg dürfte an der Stelle gelegen haben, wo der moderne Weg das Plateau erreicht.«

Damit nicht genug! Weiter unten am Staffelberg wurde eine weitere Stadtmauer errichtet – 3000 Meter lang. Ein fast fünfzehn Meter breiter Erdwall wurde aufgeschüttet, riesige Mengen Holz wurden für eine sechs Meter hohe Bohlenwand benötigt. Bevor anrückende Feinde Wall und Holzbohlenwand angehen konnten, mussten sie erst einen zehn Meter breiten Graben überwinden. Übrigens war der Graben über weite Strecken nicht einfach nur ausgehoben, sondern in den Fels geschlagen worden. Der Arbeitsaufwand für das Oppidum auf dem Staffelberg war immens!

Darf man davon ausgehen, dass es innerhalb der Keltenstadt auch ein Heiligtum gegeben hat? Konkrete Hinweise oder gar definitive Spuren hat man freilich in der Keltenmetropole auf dem Staffelberg nicht gefunden. Wilfried Menghin weist in seinem empfehlenswerten Werk »Kelten, Römer und Germanen/ Archäologie und Geschichte in Deutschland« darauf hin (2), dass die mysteriösen Viereckschanzen, auch »Keltenschanzen« genannt, wie die Keltenstädte gleichen Einflüssen unterliegen. Er spricht von »religiös-architektonischem Einfluss«.

Foto 4: Oppidum Manching

Die Befestigungsanlagen der Kelten auf Bergen wie dem Staffelberg sind um einiges älter als die »Vierecksschanzen«. So sind keltische Befestigungsanlagen auf dem Staffelberg schon ab etwa 600 v.Chr. nachweisbar. Auch auf dem »flachen Land« schufen die Kelten Oppida. Das Oppidum von Manching (bei München, unweit von Ingolstadt gelegen) wurde einige Jahrhunderte vor den Schanzen gebaut und erreichte enorme Ausmaße für die damalige Zeit. In der zweiten Hälfte des 2. Vorchristlichen Jahrhunderts lebten bis zu 10.000 Menschen in der Anlage. Die mächtige Stadtbefestigung – eine »Monstermauer« mit einer Länge von über sieben Kilometern! Eine Rekonstruktion der zentralen Siedlungsfläche des Oppidums Manching im Keltenmuseum zu Manching lässt staunen, wie zivilisiert die Kelten schon gewesen sein müssen. Ihre Städte waren präzise geplant und wie auf dem Reißbrett gebaut. »Primitive« waren da nicht am Werk!

Foto 5: Das Heidetraenk Oppidum

Das »Heidetränk Oppidum«, bei Oberursel im Taunus gelegen, gilt als eine der wichtigsten Anlagen dieser Art von ganz Europa. Dieses bedeutsame Oppidum, etwas jünger als die wehrhaften Keltensiedlungen vom Staffelberg oder Manching, ist kaum von Keltenschanzen (etwa Herlingsburg!) zu unterscheiden.

Nach Erkundung mehrerer Oppida und Keltenschanzen komme ich zur Überzeugung, dass die mysteriösen »Schanzen« kleinere Abbildungen der älteren Keltenstädte (Oppida) sind. Umstritten ist, ob es sich bei den Keltenschanzen ausschließlich um landwirtschaftliche Höfe von Kelten oder ausschließlich um Tempelanlagen handelte. Vermutlich gibt es für geschätzte 20.000 bis 40.000 Keltenschanzen nicht eine einheitliche Erklärung. Bei manchen mag es sich um kleine befestigte Tempel, bei anderen um ebenfalls befestigte Höfe mit Wohngebäuden, Stallungen und Tempeln gehandelt haben. »Eingefriedete heilige Bezirke« weisen nach Ausgrabungen »tiefe Kultschächte«, »Opferfeuerstellen« und »hölzerne Umgangstempel« auf.

Foto 6: Der Staffelberg...

Der Mann mit Kutte, der mir an einem Steilhang des Staffelbergs begegnete, stocherte mit einer Metallstange im Boden herum. Warum er das tat? Ich fragte natürlich. Auf diese Weise wolle er, erklärte er mir geduldig, die verfüllte Öffnung eines »Opferschachts« finden. Vergeblich. Ob es je im Oppidum vom Staffelberg einen »Opferschacht« gegeben hat? Intensive Ausgrabungskampagnen wären erforderlich, doch es fehlt das nötige Geld!

Sollte die Überlieferung der Wahrheit entsprechen, wonach die Adelgundis-Kapelle auf den Resten eines heidnischen Tempels gebaut wurde? Das kleine Gotteshaus ist der Heiligen Adeldgundis geweiht. Die heilige Aldegundis soll tatsächlich gelebt haben (* um 630 in Coulsore, Frankreich; † 684, 695 oder 700). Sie gehört zu den Nothelferinnen und ist für Katholiken himmlische Anlaufstelle bei Krankheit und Todesgefahr. Ihr Gedenktag ist der 30. Januar. Am 1. Februar wird die Heilige Brigitte von Irland gefeiert. Zufall?

Foto 7: Heiligenhäuschen der Adelgundis

»Das Namensfest der hl. Adelgundis liegt in verdächtiger Nähe zum 1. Februar, dem Geburtstag der heiligen Brigitte von Irland, die damit das keltische Fest Imbolc, den Frühlingsanfang, christianisierte. Interessanterweise befindet sich die heilige Brigida unter den 16 Nothelfern, die in der Kapelle mitverehrt werden.«, lesen wir bei Paul und Sylvia Botheroyd (3).

Und jetzt wird es spannend. Weiter: »Die irische Brigid ist ursprünglich eine uralte, vermutlich schon vorkeltisch verehrte Feuer-, Sonnen- und Muttergöttin. Das sonnenüberflutete Bergplateau hoch über dem Maintal wäre an sich ein passender Ort für die Verehrung einer lichten Gottheit.«

Wer also hinauf auf das Plateau des Staffelbergs wandert, der tritt eine weite Reise in die Vergangenheit an: zu den Kelten und zur Göttin auf dem Berg, die schon lange vor den Kelten verehrt wurde.

Verblüffend ist die Ähnlichkeit zwischen der heidnischen Brigid und der christlichen Maria. Die heidnische Göttin gilt auch als die »Lichtjungfrau«, als »die vom Strahlenkranz Umgebene«. Brigid löst als Göttin des Frühlings die Mächte der winterlichen Kälte ab. Und Maria hat am 2. Februar auch einen ganz besonderen, christlichen Feiertag: »Mariä Lichtmess«. Nach mosaischem Gesetz darf ein neugeborener Knabe frühestens nach vierzig Tagen in den Tempel gebracht und vorgezeigt werden. Warum erst nach 40 Tagen? Weil nach dem Gesetz des Alten Testaments eine Frau nach der Geburt eines Buben 40 Tage als unrein galt (4). Durch die Geburt eines Mädchens allerdings wurde sie nach diesem Verständnis mehr beschmutzt, und galt doppelt so lang als »unrein«.

Das ist der biblische Ursprung des Fests von Mariae Lichtmess am 2. Februar, als Ersatz für das heidnische Frühlingsfest. Am 2. Februar beginnt nach dem uralten Bauernkalender das neue Jahr. Das erstarrte Leben erwacht wieder. Ist nicht das Ziel jeder Religion, die Angst vor dem Tod zu nehmen, vor der ewigen Kälte eines schwarzen Nichts?

Foto 8: Der heilige Berg bei Staffelstein
Fußnoten

Foto 9
1) Botheroyd, Paul und Sylvia: »Deutschland/ Auf den Spuren der Kelten«, München 1989, Kapitel Staffelstein, S. 193-196, Zitat S. 194
2) Menghin, Wilfried: »Kelten, Römer und Germanen/ Archäologie und Geschichte in Deutschland«, Lizenzausgabe, Augsburg 1994, S. 127
3) Botheroyd, Paul und Sylvia: »Deutschland/ Auf den Spuren der Kelten«, München 1989, Kapitel Staffelstein, S. 193-196, Zitat S. 194
4) 3. Buch Mose Kapitel 12, Verse 2-4: »Sag zu den Israeliten: Wenn eine Frau niederkommt und einen Knaben gebiert, ist sie sieben Tage unrein, wie sie in der Zeit ihrer Regel unrein ist. Am achten Tag soll man die Vorhaut des Kindes beschneiden und dreiunddreißig Tage soll die Frau wegen ihrer Reinigungsblutung zu Hause bleiben. Sie darf nichts Geweihtes berühren und nicht zum Heiligtum kommen, bis die Zeit ihrer Reinigung vorüber ist.«
5) 3. Buch Mose Kapitel 12, Vers 5: »Wenn sie ein Mädchen gebiert, ist sie zwei Wochen unrein wie während ihrer Regel. Sechsundsechzig Tage soll sie wegen ihrer Reinigungsblutung zu Hause bleiben.«



10. Juli 2016: Während ich letzte Vorbereitungen für meine Reise nach Bad Segeberg am 13. Juli 2016 treffe , flattert mir eine hochaktuelle Meldung auf den Schreibtisch: Archäologen haben im Allgäu eine sensationelle Entdeckung gemacht! In Jengen, im Ostallgäu gelegen, wurden 4000 Jahre alte Gräber entdeckt. Bei Ausschachtungen für eine Tiefgarage  stieß man auf mehrere Skelette, Schmuck und Objekte aus Bronze. Unklar ist, wann mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Vorher müssen sorgsame archäologische Untersuchungen vorgenommen werden. Zuständig ist der aus Kaufbeuren stammenden Archäologe Marcus Simm.


 Zu den Fotos

Foto 1: Blick auf den Staffelberg. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Eremit Valentin in seiner Klause. Foto Archiv Langbein
Foto 3: Befestigungsmauer Staffelberg. Foto commons Janericloebe
Foto 4: Oppidum Manching. Foto wikimedia commons Mößbauer
Foto 5: Heidetraenk Oppidum. wikimedia commons Rabalotoff
Foto 6: Der Staffelberg... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Heiligenhäuschen der Adelgundis vom Staffelberg. Foto wikipedia commons Janericloebe.
Foto 8: Der heilige Berg bei Staffelstein. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Rätselhafte keltische Münze, etwa 2.-3. Jahrhundert vor Christus



339 »Karl May und die Pyramide«,
Teil 339 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 17.07.2016


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