Sonntag, 18. Januar 2015

261 »Die Schlangengöttin«

Teil 261 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: In zahlreichen indischen Tempeln
wurde die Schlangengöttin verehrt.

Indien ist und bleibt das Land der Widersprüche. Auf der einen Seite herrscht bittere Armut. Ein Millionenheer von Indern hat offenbar ein trauriges Los akzeptiert, lebt in unvorstellbarem Elend. Nach wie vor bestimmt in Indien ein uraltes Kastendenken das Leben. Es wird schon vor der Geburt an festgelegt, wer zu den Vielen ganz unten und den Wenigen ganz oben gehört. Vergeblich wurde von der Politik mit mal weniger, mal mehr Anstrengung versucht, dieses Kastensystem aufzulösen. Das mag auf dem Papier gelungen sein, in der Realität des Lebens aber nicht. Gleichzeitig verfügt Indien über eine bewundernswerte Weltraumforschungsorganisation, die »Indian Space Research Organisation« (ISRO). ISRO hat bereits mit Erfolg eine Sonde zum Mond geschickt und peilte dann als nächstes Ziel den Mars an. Während China und Indien bei ersten Versuchen teure Misserfolge vermelden mussten,  erreichte Indiens unbemanntes Raumvehikel »Mangalyaan« (Hindi für »Marsgefährt«) nach fast zehn Monaten Flugzeit den roten Planeten, bremste ab und trat in eine Umlaufbahn ein. Keiner anderen Nation ist das auf Anhieb gelungen. Alle anderen Länder scheiterten zunächst mit ihren Marsprojekten.

Foto 2: Göttin von Parasurameswar
 »Indiens preiswerte Mission zum Mars erfolgreich«, vermeldete »SVT.de« am 24. September 2014. Kostenpunkt: 57 Millionen Euro. Während die NASA für ein vergleichbares Projekt rund eine halbe Milliarde Euro ausgab, kann man die indische Mission als preiswertes Schnäppchen bezeichnen. 2016 soll ein Roboter zum Mond geschickt werden. Für 2018 hat sich die indische Raumfahrt die Landung eines Roboters auf dem Mars vorgenommen. Mir scheint: »Schwellenland« Indien hat in Sachen Weltraumfahrt die Nase vorn, vor der NASA. Ob Indien vor den USA den ersten bemannten Flug zum Mars wagen wird?

»Saubhika« war in altindischen Texten die Bezeichnung des Kommandeurs einer oberthschen Riesenraumstation. Sein Berufsbild wird von den altindischen Texten so umschrieben: »Jemand, der die Kunst des Fliegens einer Raumstadt kennt«. Prof. Kanjilal: »Die Beschreibung von einer Anzahl um sich selbst drehender Städte im Weltall, die bezeichnet sind als ›Vaihayasu‹, ›Gagancara‹ und ›Khecara‹, erscheinen im ›Vanaparvan‹ des ›Mahabharata‹. Im ›Sabhaparvan‹ finden sich ebenfalls Beschreibungen von Raumstädten, von Maya erbaut. Was erstaunlich an dieser Beschreibung ist, dass diese ›Sabhas‹ sich in unveränderten Bahnen rund um die Erde bewegten. Ihre Eingänge waren weit genug, um schmalen Flugzeugen den Durchgang zu ermöglichen.« (1)

Heutige und künftige Raumfahrtprojekte Indiens erfüllen auch Professor Dileep Kumar Kanjilal (geboren am 1. August 1933 in Kalkutta) mit Stolz. Der Gelehrte gilt als einer der führenden Experten der Welt für Pali, Sanskrit und andere Sprachen Indiens. Nach intensivstem Studium Jahrtausende alter heiliger Bücher Indiens kam der Wissenschaftler zum Ergebnis, dass altindische Epen präzise außerirdische Raumschiffe beschreiben, die in der Prähistorie aus dem All zur Erde kamen. Gewaltige Weltraumstädte kreisten um die eigene Achse auf ihren Reisen durchs All. So entstand an Bord künstliche Schwerkraft. Die gigantischen Vehikel sollen Planet Erde umkreist und »kleine« Zubringerschiffe ausgesetzt haben, die zwischen Mutterschiff  und Erde hin und herpendelten. Setzt also das heutige Indien eine Jahrtausende alte Tradition fort, wenn es zunächst unbemannte Flugkörper zu Mond und Mars schickt?

Foto 3: Noch
eine Schlangengöttin.
Indien war für mich eines der faszinierendsten Reiseländer.  Meine Reisegefährten und ich, wir hatten viel Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. In abgelegenen, selten von Touristen heimgesuchten Gefilden, begrüßten uns die Menschen mit einer kaum zu beschreibenden echten Herzlichkeit. Oft machten die Ärmsten der Armen einen äußerst zufriedenen, ja glücklichen Eindruck. Dankbare Blicke ernteten wir, wenn wir den alten Gottheiten Indiens unseren Respekt zeigten. In Bhupaneswar bewunderten wir herrliche Tempel, von denen einige wohl über ein Jahrtausend alt waren. Wir staunten über die Vielfalt der antiken Gotteshäuser. Sie waren alle Beweise für eine hochentwickelte Steinmetzkunst im »Alten Indien«. Mit bemerkenswerter Präzision wurden einst Steinblöcke so zurechtgeschnitten, dass sie millimetergenau aufeinander und ineinander passten. Die Fugen waren oft so gut wie gar nicht zu erkennen, es schien so, als gehe ein Stein in den anderen über.

Tempel à la Parasurameswar sind Bücher in Stein. Könnten wir sie doch wirklich wie ein Buch lesen! Würden wir doch wirklich verstehen, was die zahlreichen Fabelwesen bedeuten. Oft erinnern sie mehr an abstrakte Zeichnungen moderner Künstler als Jahrhunderte oder gar Jahrtausende alte Kunst. Von einem deutschen Professor für Völkerkunde weiß ich, dass wir weit weniger wirklich verstehen als wir meinen. »Die uralten Darstellungen haben auf wundersame Weise die Zeiten und die Zerstörungswut vieler ›Besucher‹ aus unterschiedlichen Kulturkreisen überdauert. Die ersten Europäer, waren Christen. Glauben Sie wirklich, dass den Fremden die Quintessenz der alten Geheimnisse offenbart wurde?« Wirklich interessiert hat man sich ja wohl aus Abscheu gegenüber der Darstellung sexueller Praktiken an Tempelwänden nicht. Dass es sich um Symbolik handeln könnte, wollte man weder wissen noch glauben.
Foto 4: Mysteriöses Fabelwesen... Kreatur aus uralten Mythen.
Was wir »zivilisierten« Europäer als zu fremdartig empfinden, können wir nicht wirklich begreifen (2). Und mancher Zeitgenosse neigt noch immer dazu, das Unverstandene als »primitiv« zu verunglimpfen. Die Darstellungen der ägyptischen Göttin Hekate mit drei Köpfen und drei Armpaaren findet zahlreiche Pendants im Alten Indien. So wurde der Opfer- und Schutzgott Brahma als die männliche Personifikation des Brahman (Neutrum) angesehen. Der Schöpfergott und Lenker des Universums wurde stets mit drei Köpfen und mehreren Armen dargestellt. Seine Gattin Sarasvati, die Göttin der Fruchtbarkeit und der Reinheit, verfügt auf Reliefs über vier Arme. Rudra, Gott der Stürme und Krankheits-plagen, war gut und böse zugleich. Auch er ist in so manchem Tempel mit mehreren Armpaaren dargestellt. So wie sich in der Glaubenswelt des Voodoo Götter in Gestalt von Tieren zeigen konnten, so wurden fast alle Götter des Hinduismus ebenfalls in Tieren verehrt. (3)

Foto 5: Noch ein Fabelwesen ... verwittert, mysteriös ...
Unzählige Tempel waren mit hunderten, ja tausenden von Skulpturen versehen. Den Portugiesen, deren erste Stützpunkte in Diu, Daman und Goa bereits 1498 entstanden, waren viele Darstellungen an Tempelwänden zu »unsittlich«. Auch die »frommen« Franzosen und Engländer waren entsetzt ob der freizügigen Darstellungen in Stein. Verstanden haben sie die Bedeutung der altindischen Kunst alle nicht. Wie viele Skulpturen religiösen Eiferern im Lauf der Jahrhunderte der Entdeckung zerschlagen wurden? Wir wissen es nicht.  Fakt ist, dass konkrete Pläne existierten, nach denen ganze Tempelanlagen zerstört werden sollten. Es ist jedenfalls ein Segen, dass noch so viele alte Tempel bis in unsere Zeit überdauert haben.

Foto 6: Fabelwesen aus Sandstein

In Bhubhaneswar und Umgebung stießen wir immer wieder auf Darstellungen von Naga Kanya. Die ersten christlichen Besucher müssen entsetzt gewesen sein ob dergleichen Darstellungen. Wurde doch die verehrte Göttin häufig halb als menschliche Frau, halb als Schlange dargestellt. Ihre obere Hälfte war die einer höchst attraktiven Frau mit wirklich stattlicher Oberweite. Ihre untere Hälfte war der einer Schlange. In den Augen der Christen konnte es kaum Schlimmeres geben als eine – wie sie meinten – Darstellung der Schamlosigkeit und Sünde einerseits und der teuflischen Schlange andererseits!

Die »Schlangenkönigin«, eine »Frau-Schlangen-Mischung«, »Naga Kanya« genannt, freilich war – und ist auch heute noch – hoch angesehen: als Beschützerin und Lehrerin der Frauen, als »Mutter der Erde«, als des Lebens, der Fruchtbarkeit. Ihre Darstellungen variieren. Manchmal wird die Göttin als Schlange ohne menschliche Züge gezeigt. Andere Skulpturen der Göttin weisen sie als Mischwesen aus: als Schlange mit Menschenkopf oder als Kreatur mit Schlangenunterleib und menschlichem Oberkörper. Manchmal trägt die Naga Kanya ihren schönen Kopf stolz hoch erhoben und eine Kobrahaube wie eine – für uns Europäer ungewöhnliche – Krone.

Foto 7: Schlangengöttin
und Schlangengott.
 Schlangen haben, ganz anders als im Christentum, eine positive Bedeutung im »Alten Indien«. Nagas werden als Wächter der Übergänge angesehen: zwischen innen (Haus) und außen (Umwelt), wohl auch zwischen Diesseits und Jenseits. Was mir positiv aufgefallen ist: Die uralte Schlangengöttin wird keineswegs nur von den Anhängern einer »Religion« verehrt. Wiederholt habe ich Buddhisten und Hindus in friedlicher Eintracht erlebt. Die heiligen Stätten der Schlangengöttin dürfen von allen aufgesucht werden. Und man muss keiner bestimmten Religion angehören, um zur Schlangengöttin zu beten.


Wer sich die Zeit nimmt, um in einem alten indischen Tempel zu verharren, der kann – so er das wirklich zulässt – die Heiligkeit fremder Orte der Religiosität förmlich körperlich spüren.

Foto 8: Schlangengöttin aus Bronze...
Erich von Däniken  bringt es in wenigen Sätzen auf den Punkt (4):

»Soll man Tempel sprengen, Kirchen schleifen? Nie und nimmer. Wo Menschen sich zusammenfinden und den Schöpfer preisen, empfinden sie eine wohltuende stärkende Gemeinsamkeit.

Wie vom Ton einer Stimmgabel angerührt, schwingt gemeinsame Ahnung von etwas Großartigem im Raum. Tempel und Kirchen sind Orte der Besinnung, Räume des gemeinsamen Lobs für das Undefinierbare, für ES, das wir behelfsweise Gott zu nennen gelernt haben.

Diese Versammlungsstätten sind notwendig. Der Rest aber ist überflüssig.«


Foto 9: Fabelwesen aus Stein...
Zur Lektüre empfohlen…

(1) Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar:
»Vimana in Ancient India.
     Aeroplanes or Flying Machines
in Ancient India«, Calcutta
     Februar 1985
(2) Franz, Heinrich Gerhard:
Das alte Indien/ Geschichte und Kultur des
     indischen Subkontinents,
München 1990
(3) Bhagavdgita, die. Mit einem spirituellen
Kommentar von Bede Griffiths/
Aus dem Sanskrit übersetzt, eingeleitet
und erläutert von Michael von Brück,
München 1993

Zitat

(4) Däniken, Erich von: »Aussaat und Kosmos/ Spuren und Pläne außerirdischer
     Intelligenzen«, Düsseldorf 1972, S. 249 unten und S. 250 oben


Zu den Fotos: Alle Fotos - mit Ausnahme von Foto 7 - Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Parasurameswar Tempel
Foto 2: Naga Kanya Bhupaneswar
Foto 3: Schlangenkönigin oder Schlangengöttin. Sammlung W-J.Langbein
Foto 4: Parasurameswar
Foto 5: Parasurameswar
Foto 6: Parasurameswar
Foto 7: Schlangenkönigin und - könig, naga und nagini, wiki commons Nohonu
Foto 8: Schlangenkönigin oder Schlangengöttin. Sammlung W-J.Langbein
Foto 9: Parasurameswar

262 »Tempel des Teufels«,
Teil 262 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 25.01.2015



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