Sonntag, 2. November 2014

250 »Monsterwesen, Vögel und ein Hase«

Teil 250 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Am 25. Oktober 2014 hielt ich im Rahmen des »One-Day-Meetings« der »A.A.S.«-Gesellschaft in Bremen einen Vortrag: »Pyramiden, Monster, Fabelwesen – Von Cheops bis zum Dom in Paderborn«. Hier im Blog lesen Sie eine ausführlichere Fassung meines Vortrags, heute Teil 3!

Mein Erstling erschien am 24.12.1979

Vor 35 Jahren erschien mein erstes Buch - »Astronautengötter/ Versuch einer Chronik unserer phantastischen Vergangenheit«. Seit Jahrzehnten bereise ich die Welt, von Ägypten bis zur Osterinsel. Stets bin ich unterwegs zu den großen Geheimnissen unseres Planeten. Ich muss zugeben, dass ich Jahrzehnte lang die eigene Heimat vernachlässigt habe. Ich studierte fasziniert die Kunst in der kleinen Kirche der Osterinsel und übersah nicht minder interessante Gotteshäuser in eigenen Gefilden! Fakt ist: Große Geheimnisse bieten auch unsere »Gotteshäuser«, von der kleinen Kapelle bis hin zum Dom! Keine Stunde Fahrt mit der S-Bahn entfernt, vor meiner sprichwörtlichen Haustür: Der Dom zu Paderborn!

Ich kann jedem Besucher des Doms zu Paderborn nur empfehlen, sich ausreichend Zeit für das Paradies-Portal zu nehmen. Bewunderung verdienen die großen Heiligen-Statuen ganz ohne Zweifel. Übersehen Sie aber bitte nicht die mysteriösen Darstellungen von sphinxartigen Mischwesen zu Füßen der Statuen, und zwar direkt unterhalb der unteren Kante des Schutznetzes…

Anmutige Sphingen. Foto Walter-Jörg Langbein

Mehrfach treten »Sphingen« paarweise auf. Da gibt es beispielsweise zwei anmutig wirkende weibliche Sphingen. Sanft neigen sie ihre Köpfe. Eine greift nach ihrem spitz zulaufenden Flügel.  Ihr menschlicher Oberkörper sitzt, ähnlich wie bei einem Zentauren, auf einem Pferdeleib. Die Kollegin hat einen ganz anderen Tierkörper. Es könnte der eines Skorpions sein. Das Hinterteil jedenfalls ist, wie bei einem Skorpion, aufgerichtet.

Kleine Sphinx von Ludwigsburg. Archiv W-J.Langbein

Sind es wirklich Sphingen? Woher sollten die Steinmetze in Paderborn derlei Fabelwesen gekannt haben? Im Raum Ludwigsburg wurde bei Ausgrabungen eine geflügelte Sphinx gefunden. Das Figürchen ist nur fünf Zentimeter klein und stammt wohl aus Kleinasien. Es wurde vor rund zweieinhalb Jahrtausenden aus Elfenbein geschnitzt. Sollten die Künstler von Paderborn ähnliche Vorlagen gekannt haben? Oder wirkten in Paderborn Skulpteure aus Ägypten, Griechenland oder aus dem kleinasiatischen Bereich? Wie dem auch sei: Sphingen wurden am Paradiestor zu Paderborn angebracht, warum auch immer.

»Sphinx« mit Halsband. Foto Walter-Jörg Langbein

Andere Sphingen von Paderborn haben einen eher weniger intelligenten Gesichtsausdruck. Einer (oder eine) trägt eine Art Halsband, hat dazu Schlappohren wie ein Esel, Menschengesicht und Vogelkörper. Sein Kollege hingegen, mit ähnlichem Leib ausgestattet, hat so etwas wie eine spitze Mütze auf dem Kopf.

Bei einem dritten Pärchen fällt eine Sphinx mit Löwenleib auf. Typisch für den König der Wüste ist die Quaste am Schwanz. Auffälliger ist, dass diese besonders kuriose Mischung ursprünglich zwei Hälse mit zwei Häuptern hatte. Einer der Köpfe wurde mutwillig abgeschlagen.

Sphinx mit Löwenleib und zwei Köpfen. Foto W-J.Langbein

Eine andere »Sphinx« wurde offensichtlich von Anfang an kopflos konzipiert. Dieses aus alten Mythen entsprungene Wesen wurde nicht nachträglich enthauptet. Es liegt auch kein Kriegsschaden vor. Vielmehr sieht es so aus, als zeige die mysteriöse kleine Steinplastik ein Mischwesen, dem man den Kopf abgeschnitten hat. Und in diesem Zustand hat der Steinmetz es abgebildet? Warum? Soll darauf hingewiesen werden, dass diese Monster besiegt, getötet werden können? Unterhalb der kopflosen Sphinx liegt etwas, was man als mit Präzision abgeschnittenen Kopf sehen mag. Die Darstellungen vom Paradiestor soll man wohl wie ein Buch lesen können, wie ein Bilderbuch ohne ein einziges Wort. Im dreizehnten Jahrhundert gab es im Volk sehr wenige Menschen, die lesen konnten. Analphabetismus war der Normalzustand. Für diese Mehrheit der Dombesucher waren die präzise ausgearbeiteten Darstellungen gedacht. Was sollten sie mitteilen? Welche Botschaft sollten sie überbringen.

Kopflose Sphinx. Foto Walter-Jörg Langbein

Nehmen Sie sich viel Zeit, wenn Sie das Paradiesportal des Doms zu Paderborn studieren. Achten Sie besonders auf die mannigfaltigen Sphingen. Da wäre zum Beispiel eine Kreatur auf vier Beinen. Die mächtigen Pranken deuten auf ein löwenartiges Tier hin. Der Kopf stammt offenbar eher von einem Pferd. Bei näherem, genauerem Betrachten fällt auf, dass über dem »Pferdekopf« ein zweiter Kopf sitzt. Er ist kleiner, schmaler… wie der eines Hasen. Beide Häupter teilen sich zwei Ohren…

Ein weiteres Beispiel: Da fressen zwei Sphingen vergnügt große Blätter. Die Füße sind nicht die eines Huftiers, eher einer Großkatze. Die Ohren wiederum sind lang und spitz, wie die eines Pferdes oder Esels. Direkt daneben machen wir eine weitere Sphinx aus, die leider stark beschädigt oder verwittert ist. Es ist wiederum ein Vierbeiner, aber nicht mit Pranken eines Löwen, sondern mit Hufen. Wenn wir genau hinschauen, erkennen wir, dass der Kopf wohl der eines Stieres war. Teile der Hörner sind noch vorhanden.

Blätterfressende Sphingen. Foto W-J.Langbein

Das Paradiestor lockt tagtäglich unzählige Menschen zum Dom. Bestaunt werden die Heiligenfiguren, die kleinen – viel interessanteren – Reliefs von unterschiedlichsten Sphingen aber werden nicht beachtet. Fragen über Fragen ergeben sich! Was haben diese mythischen Mischwesen an einem bedeutenden christlichen Gebäude zu suchen? Über welches Wissen verfügten die Steinmetze? Stammten sie aus dem Orient und kannten sie jahrtausendealte Bildnisse von Sphingen und Greifen?

Winziger Traubenfresser. Foto Walter-Jörg Langbein

Es lohnt sich wirklich, die detailreiche Kunst am Paradiestor zu Paderborn sorgsamst zu studieren. Immer wieder werden sie winzige Details entdecken, zauberhaft und naturgetreu dargestellte Tiere beweisen die große Kunstfertigkeit der Steinmetze! Auf den ersten Blick meint man schöne Ornamentik zu erkennen. Dann macht man üppigen Pflanzenwuchs aus, Weinreben mit winzigen Trauben. Man konzentriert sich und erkennt da und dort liebevoll gestaltete Tiere. Ein kleines Vögelchen pickt an Weintrauben. An anderer Stelle duckt sich ein kleiner Hase ängstlich, verbirgt sich vor dem Betrachter.
Noch ein Vogel... und ein Hund. Foto Walter-Jörg Langbein

Diese winzigen Details beweisen ganz eindeutig: Die Künstler, die das Paradiestor von Paderborn schufen, waren Meister ihres Fachs. Sie beherrschten die Kunst der naturgetreuen Darstellung. Also sind die mysteriösen »Monsterwesen« nicht das Ergebnis von Unfähigkeit. Den Künstler schwebten also reale Wesen vor, die es in der Natur nicht geben dürfte?

Könnten wir doch die Darstellungen in Stein wie ein Buch lesen! Dann wüssten wir, warum neben naturgetreu dargestellten Tieren die mysteriösen Wesen an einem der wichtigsten christlichen Gotteshäuser angebracht wurden! Stellen sie reale Wesen dar? Oder müssen wir sie als Symbole verstehen? Die geflügelte griechische Sphinx kann als Todesbotin verstanden werden. Altägyptische Sphingen wiederum waren höchst positive Symbole, die die Macht königlicher, ja göttlicher Herrscher darstellten!


Ängstlicher Hase. Foto Walter-Jörg Langbein

Erinnern wir uns an die Beschreibung von Mischwesen, die die Götter einst geschaffen haben, die uns der Historiker Eusebius hinterlassen hat (23):

»Menschen mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe, noch andere, pferdefüßige, und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite. Erzeugt hätten sie (die Götter) auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits an den Hinterteilen hervorliefen, auch Pferde mit Hundeköpfen...sowie andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte, dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten.«

Tier-Mensch- oder Tier-Tier-Mischwesen  begegneten mir auf meinen Reisen weltweit: auf der Osterinsel ebenso wie in einem Felsentempel in Mahabalipuram, Indien. Und immer schufen die Künstler, die die Mischwesen dargestellt haben, zusätzliche Bildnisse von Mensch und Tier in geradezu fotorealistischer Manier. Sie konnten also die Realität sehr naturgetreu abbilden, die Darstellungen der Mischwesen sind kein Resultat mangelhafter Fähigkeiten der Künstler. Mischwesen aber können nicht von der Natur hervorgebracht worden sein…. Wurden sie von »göttlichen« Gentechnikern entwickelt?

Griechische Sphingen, um 1650. Archiv W-J.Langbein

Heutige Gentechniker können schon die monströsesten Mischwesen ins Leben rufen. Ich bin davon überzeugt, dass in geheimen Labors schon längst solche Mischwesen produziert werden, wie vor Jahrtausenden. Warum? Weil Experimente schon um ihrer selbst willen ausgeführt werden, oder einfach nur um auszutesten, was möglich ist!

3. Fazit: Mysteriöse Mischwesen

Mischwesen wurden nicht nur von Eusebius beschrieben, sie finden sich nicht nur auf Jahrtausende alten Dokumenten aus Stein, sondern auch an Kirchenportalen. Häufig wurden wahrhaft monströs anmutende Wesen neben geradezu fotorealistisch dargestellten Menschen und Tieren gezeigt. Die mysteriösen Mischwesen sind also nicht Ergebnis mangelhafter Darstellungskunst. Kühn gefragt: Erinnern sie uns an die gentechnisch erzeugten Fabelwesen der Astronautengötter?

Fußnote 
Die Harpyie, um 1650

23) Zitiert nach Däniken, Erich von:
»Die Augen der Sphinx/ Neue Fragen
an das alte Land am Nil«,
München 1989, S. 68 unten
und S. 69 oben
Dort angegebene Quelle:
Karst, Josef: »Eusebius Werke,
5. Band, Die Chronik, Leipzig 1911«

»Tresore für die Ewigkeit«,
Teil 251 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 09.11.2014



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Kommentare:

  1. Wirklich sehr interessant! Mich haben Fabeltiere, aber insbesondere eben solche "Mixkreaturen" schon immer sehr interessiert und ich frag mich wirklich, was schon möglich ist.

    Eine Mischung zweier Kreaturen könnte ja in der Realität durchaus Vorteile haben

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  2. ein wirklich sehr interessant buch....kann ich nur empfehlen.

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  3. Ein sehr gutes und interessantes Buch....

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  4. Sehr spannend und aufregendes Buch....

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  5. Vielen Dank für den Tollen Beitrag. Das Buch ist sehr interessant und informativ. Danke!

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  6. @Fred

    Vielen Dank für die lobenden Worte! Ich habe mich sehr gefreut und fühle mich ermutigt. Die Serie wird noch fortgesetzt. Ich hoffe, Sie bleiben als Leser erhalten!

    Eine Frage habe ich: Was meinen Sie mit »Das Buch ist sehr interessant.«? Welches Buch meinen Sie?

    Beste Grüße

    WJL.

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