Donnerstag, 17. Juli 2014

Wiederaufnahme Gustl Mollath – 8. Tag: »Mein Freund M.«

Das helle Licht der Öffentlichkeit:
Wiederaufnahme für
Gustl Mollath vor dem
Landgericht Regensburg
Die umfangreiche Zeugenliste in seinem Wiederaufnahmeverfahren dürfte für Gustl Mollath so manches Déjá-vue-Erlebnis bergen. Ob ein ehemaliger Pflichtverteidiger mit fragwürdigen Angstzuständen und offenkundigem Belastungseifer oder früher mit seinem Fall betraute Psychiater und Richter: Mollath, das wird jedem unbefangenen Prozessbeobachter klar, hat eine mehrjährige unfreiwillige Fahrt in der Geisterbahn hinter sich, deren Protagonisten erst nach und nach ihren Schrecken verlieren. Möglich macht es das helle Licht eines öffentlichen Prozesses, der auch am 8. Verhandlungstag giftige Blasen an die Oberfläche bringt und transparent macht, warum Mollath als Einzelkämpfer so lange keine Chance hatte.

Der Reiz von Geisterbahnen, so viel ist klar, liegt in der Überraschung. Wer weiß schon, hinter welcher Ecke sich der nächste Gruseleffekt verbirgt, um im richtigen Moment für Stimmung zu sorgen! Ähnlich verhielt es sich heute mit der Vernehmung des Zeugen Joachim Z., einem ehemaligen Nürnberger Gebrauchtwagenhändler, dessen offenkundiger Belastungseifer für Erstaunen sorgt. »Mein Freund M.« habe ihn kontaktiert, da dessen neue Freundin einen Transporter gebraucht habe, um Sachen von ihrem Ex-Ehemann Gustl Mollath abzuholen. Joachim Z. war denn auch behilflich gewesen: »Von der Menge her hätte es keinen Transporter gebraucht«, erinnert sich Z. Dennoch hätten sich vier Personen auf den Weg in die Volbehrstraße gemacht: »Mein Freund M.«, Petra, ein Fahrer und sogar ein Anwalt. Ob man tatsächlich nur Petras persönliche Sachen holen oder aber Beweismaterial zu illegalen Geldtransfers verschwinden lassen wollte, wie Mollath annimmt, ist heute nur noch schwer zu klären.


»Was haben Sie Ostern vor zehn Jahren gegessen?«


Wenige Wochen nach diesem denkwürdigen 23. Mai 2003 sei Mollath plötzlich bei ihm aufgetaucht, erinnert sich Z. Über »Bankengeschichten« und seine Scheidung habe er mit ihm gesprochen und ihm einen angespitzten Schraubenzieher gezeigt, den er unter seiner Jacke getragen habe. Er habe erklärt, auf der Flucht zu sein und ein »eigenartiges Weltbild« offenbart, in dem eine Verschwörung zwischen Amerikanern, Juden und Banken eine zentrale Rolle gespielt habe, irgendetwas »zwischen Neonazis und Palästinensern«. Sogar eine Schülerdemo habe Mollath organisiert: »Er hat halt verzweifelt versucht, als Adolf Hitler rüberzukommen«, schwadroniert Z. Später dann seien plötzlich seine Autoreifen platt gewesen, insgesamt 56 Stück an der Zahl.

Seit er seinem Freund M. den Transporter geliehen habe, halte Mollath ihn für ein Mitglied der Verschwörung, die seine Vernichtung plane!, resümiert Z. Mollath sei zudem der Überzeugung gewesen, über den Fernsehbildschirm geheime Zeichen von Harald Schmidt zu erhalten. Im Übrigen habe er auch dem Gerichtsvollzieher einige Reifen plattgemacht!

Woher er das erfahren habe, erkundigt sich Mollath-Verteidiger Gerhard Strate interessiert. Eine Frage, die Joachim Z. zu reizen scheint: »Was haben Sie Ostern vor zehn Jahren gegessen, auf welchem Besteck?«, gibt er die Frage zurück, die von Strate umgehend wiederholt wird: »Von wem haben Sie das erfahren?« Aus Gesprächen mit der Kripo oder von Freunden habe er das gehört, mit Polizeioberkommissar G. von der Erlenstegenwache habe er zwei Mal telefoniert, er bilde sich ein, auch mal in der Erlenstegenwache gewesen zu sein.


»Haben Sie ein Alkoholproblem?«


Mollath selbst brennt eine weitere Frage auf der Seele: »Sie sind sich sicher, dass ich bei Ihnen als Adolf Hitler erschienen bin?« – Ja, der Bart, die Haare, das alles sei unverkennbar gewesen, antwortet Z. Ob er auch mit anderen Personen gesprochen habe, die geschädigt worden seien? Mit Martin M. beispielsweise? – Ja, er habe Kontakt mit seinem Freund M. gehabt. Der demonstrative Schulterschluss mit Freund M., dessen permanente Wiederholung im Laufe der Vernehmung etwas öde wirkt, bringt Mollath auf eine andere Frage: »Haben Sie ein Alkoholproblem?«

Hierauf sagt Oberstaatsanwalt Meindl: »Ich hätte diese Frage auch gestellt!«, erklärt er. Er habe deutlich gesehen, dass Mollath mit den Zuhörern kommuniziert und eine Bewegung ausgeführt habe, »die vermuten lässt, dass Z. Durst hat«.

Der technische Sachverständige Dipl.-Ing. Rauscher interessiert sich für die Form des angeblich von Mollath mitgeführten Schraubenziehers: In welcher Weise dieser »angespitzt« gewesen sei, möchte er wissen. Z. räumt ein, dieser habe durchaus noch »die Form eines Schraubenziehers« gehabt, wodurch er die Mär vom angespitzten Schraubenzieher selbst ins Reich der Legende verweist. Warum er seinen angeblichen Schaden nicht bei ihm geltend gemacht habe, möchte Mollath abschließend wissen: »M. sagt, Du hast eh kein Geld!« Ja, wenn Mollath stier sei, sei eben nix zu holen, erklärt er im Brustton der Überzeugung.


Polizeiprotokoll ohne Aussage?


Für eine durchaus interessante Information sorgt der scheinbar zufallsgeschädigte Gerhard P. aus München. Als bester Freund von Rechtsanwalt G. habe er, wie üblich, Silvester mit diesem verbracht und sein Auto vor dessen Haus am Danziger Platz in Nürnberg abgestellt. Am Neujahrstag dann habe er einen platten Reifen bemerkt. Die Beschaffung eines Ersatzreifens habe sich am Feiertag gar nicht so einfach gestaltet, weshalb sie ihn voll in Anspruch genommen habe, erklärt der Zeuge.

Anschließend liest die Vorsitzende Richterin aus den Polizeiakten vor, wo P. zu Protokoll gegeben habe, das Fahrzeug am Silvestertag gegen 19.00 Uhr vor dem Haus Nr. 7 geparkt und am nächsten Tag bemerkt zu haben, dass der vordere Reifen platt gewesen sei. Merkwürdig: Der sehr glaubwürdig wirkende Zeuge P. gibt an, sich an diese Aussage nicht erinnern zu können. Es sei keine Polizei vor Ort gewesen, außerdem sei das hintere Rad beschädigt worden, nicht das vordere. Sein Freund G. habe ihm später gesagt, dass auch sein Reifen platt gewesen sei und nun eine Überwachungskamera installiert werden würde. Ob er mitbekommen habe, dass die Polizei zusammen mit G. zum Danziger Platz gekommen und die Beschädigung des Fahrzeugs seines besten Freundes am gleichen Tag datiert sei, möchte Meindl wissen. Doch P. ist sich sicher: Er könne sich an die Anwesenheit der Polizei nicht erinnern. Das Rätsel, wie sein Fall überhaupt in die Akten gelangte, dürfte demnach eine hochinteressante Fragestellung sein.


Mollath: »Übrigens: Ihre Website sieht so ähnlich aus!«


Am Ende dieses 8. Prozesstages steht die Vernehmung von Thomas Lippert, der als psychiatrischer Gutachter an der unseligen Hauptverhandlung gegen Gustl Mollath am Amtsgericht Nürnberg teilgenommen hatte. Am Ende hatte Richter Eberl den Beschluss der Einweisung Mollaths zur Beobachtung verfügt und damit die Weichen endgültig in Richtung Psychiatrie gestellt.

Mollath sei zweimal zu Explorationsgesprächen gebeten worden, jedoch nicht erschienen. Deshalb sei er, Lippert, als Sachverständiger zur Hauptverhandlung geladen worden. Viele seiner Schlüsse habe er aus Mollaths Schriftstücken gezogen, er habe Erinnerungen an eine »gravierende Störung« Mollaths, wisse jedoch nicht mehr, woran er die festgemacht habe. Mit dem ihm eigenen Humor hilft Mollath Lippert auf die Sprünge: Er habe beim Verfassen seiner Schriftstücke einige Absätze mittig gesetzt sowie unterschiedliche Schriftgrößen verwandt. »Übrigens: Ihre Website sieht so ähnlich aus!«, konstatiert er amüsiert.

Rechtsanwalt Strate nutzt die Gelegenheit für eine Grundsatzfrage: »Haben Sie eigentlich irgendetwas falsch gemacht?« erkundigt er sich bei Lippert, der erklärt, er habe eben »nicht die erforderliche Sicherheit« gewinnen können. Ob ihn die Diktion von Eberls verfassungswidrigem Beschluss nicht gestört habe?, fragt Strate weiter. – Das, so antwortet der sichtlich in die Enge getriebene Arzt, stehe ihm nicht zu.

>> Wortprotokoll zum 8. Hauptverhandlungstag


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Kommentare:

  1. Bei der Prozeßbeobachtung fällt doch auf, Herr Oberstaatsanwalt Meindl stellt durchaus objektive Fragen, welche zur Entlastung von Herrn Mollath beitragen, auch der Psychiater Herr Nedopil. Manche Frage - so stelle ich es mir vor - sollte doch von der Vorsitzenden Richterin Frau Escher gestellt werden, also mehr Aufklärungswille von ihrer Seite?! Sie war von Anfang an freundlich, es schien mir sogar stellenweise irgendwie fröhlich, was dem Fall nicht angemessen schien. In den letzten Tagen wirkt sie ernster und so hätte es gut gepasst, wenn sie da nachgehakt hätte, was der Oberstaatsanwalt mit der Bemerkung von einer ersten "Ferndiagnose" begann. Der Einwurf lässt aufhorchen, denn eine solche Ferndiagnose ist verboten, sie ist aber offensichtlich gängige Praxis von Seiten der Psychiater (Fall des Münchner "Teppichhändlers"). Hier liegt das Übel der Psychiatrie begraben. Denn einmal eine solche Ferndiagnose gestellt, beginnt der Teufelskreislauf, aus dem es kein entrinnen mehr gibt, außer es kommen Freunde, Unterstützer und ein fähiger Anwalt. Oberstaatsanwalt Herr Meindl legt durchaus den Finger in die "Wunde", die Frage von ihm, warum wurde eigentlich der Paragraph 63 ins Spiel gebracht, also die Allgemeingefährlichkeit von Herrn Mollath. Der Psychiater Herr Lippert kann die Frage des Oberstaasanwaltes nicht beantworten. Sie bleibt bis jetzt unbeantwortet. Mit dem § 63 in den Akten das Schicksal besiegelt. Vielleicht hakt die Vorsitzende Richterin Frau Escher in den kommenden Tagen nach?!
    Als ich 1995 meine Ehefrau zu einer Sendung mit Frau Christiansen von RTL begleitete, Titel war "Powerfrauen", da machte die CSU einen strategischen Fehler, sie ließ den Abgeordneten Peter Wellnhofer auch in der Sendung auftreten. Fernsehleute haben natürlich ihre strategischen Ziele. Er war Überraschungsgast. Nach der Sendung lud ein Journalist alle Teilnehmer zu einem Essen. Herr Wellnhofer saß neben mir, es war kein Zufall. Er erzählte mir, er sei Richter gewesen. Im vertraulichen Tone sagte er mir, ich brauche keinen Menschen um ihn zu beurteilen, mir genügen die Akten.
    Sauber dachte ich mir, was für ein Justizsystem in Bayern, das solche Richter hervorbringt, mit einer solchen menschenverachtenden Gesinnung.
    Irgendwo fehlt in der Bayerischen Justiz ein zeitgemässes Menschenbild, das ist der grundlegende Störfaktor im System, eine falsche Ausbildung, ob bei Richtern, Staatsanwälten oder Psychiatern. Es krankt das Menschenbild. Diese Krankheit kann auch nicht von der unter öffentlicher Beobachtung stehenden Kammer des Landgerichtes Regensburg geheilt werden, auch wenn die Vorsitzende Richterin freundlich bis fröhlich ist. Wir müssen noch das Ende abwarten.
    Ergänzend, nicht nur in der Bayerischen Justiz krankt das Menschenbild, es krankt in der ganzen Bundesrepublik.

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  2. Liebe Frau Prem,
    bei der Passage zum "Alkoholproblem" sehe ich eine Unklarheit:
    Die "Mittelbayerische" schreibt hierzu:
    "Mollath vermutet etwas anderes: "Ich frage Sie konkret, haben Sie ein Alkoholproblem? - "Nein." Oberstaatsanwalt Meindl greift rügend ein, Mollath habe zuvor gegenüber dem Publikum eine Geste angedeutet, nach der entweder er durstig oder der Zeuge alkoholisiert sei."
    Das klingt eher nach einer Rüge des Staatsanwaltes gegenüber Mollath, während ich Sie so verstehe, dass Dr. Meindl an dieser Stelle Mollath unterstützt.
    Mollaths Gesten gegenüber dem Publikum scheinen wohl auch unterschiedlich bewertet zu sein.
    Das Thema halte ich nicht für ganz unwichtig, weil damit die Rolle der Staatsanwaltschaft im vorliegenden Verfahren genauer beleuchtet wird. Mir geläufig aus vielen Berufsjahren ist eher ein Verhalten des Staatsanwaltes, wie es in der Mittelbayerischen beschrieben wird....

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  3. Liebe Ursula,

    vielen Dank für Deine Beiträge!

    Wie Gustl Mollath ins Visier der NSU-Ermittler geriet
    Hatte diese Meldung noch in den letzten Tagen für Erheiterung gesorgt, erfahren wir nun, dass es dafür tatsächlich einen Grund gab:
    Zitat: »Er hat halt verzweifelt versucht, als Adolf Hitler rüberzukommen«, schwadroniert Z.« Zitatende
    Zitat: »Haben Sie ein Alkoholproblem?« Zitatende

    Es fällt mir jetzt schwer, die juristisch korrekten Worte zu finden. Aber ich denke, da wird sich jeder selbst einen Reim machen können. Das schwadronieren eines Zeugen wird in den Akten festgehalten und findet sich im Raster der Fahnder wieder. Mir stehen die Haare zu Berge!
    Die verlorene Ehre der Katharina Blum

    Wie ich aus den Nachrichten erfahre, gibt es auch Probleme beim aktuellen NSU-Prozess:
    Zschäpe entzieht Verteidigern Vertrauen
    Zitat: »Sollte das Münchner Oberlandesgericht dem Antrag Zschäpes folgen, müsste es neue Pflichtverteidiger bestimmen. In diesem Fall gäbe es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Das Gericht könnte dann den Prozess bis zu einem Monat unterbrechen. In dieser Zeit könnten sich die neuen Verteidiger einarbeiten. Es könnte den Prozess aber auch komplett neu aufrollen, so ARD-Rechtsexpertin Gigi Deppe.« Zitatende
    So lerne ich auch noch täglich dazu!
    Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass das auch der Grund war, warum die Anträge, den Verteidiger zu entbinden, seinerzeit ignoriert wurden. Ich sage es frei heraus: Hätte Gustl Mollath damals einen vernünftigen Anwalt gehabt, wäre das alles nicht passiert.

    Mach weiter so, Ursula!

    Sylvia

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    Antworten
    1. @ Autorin
      "Hätte Gustl Mollath damals einen vernünftigen Anwalt gehabt, wäre das alles nicht passiert."

      Hätten sich ein vernünftiger Richter, ein vernünftiger Staatsanwalt und ein vernünftiger Gutachter an Fakten gehalten und wären diese den konstruierten Vorwürfen gegen Herrn Mollath nachgegangen, dann hätten die ehemalige Frau Mollath und die hinter ihr stehenden Kapitalkräftigen mit ihrer perfiden Methode, Schwarzgeldverschiebungen zu vertuschen, keine Chance gehabt. Dann hätten die Richter und Staatsanwälte der Anzeige von Herrn Mollath nachgehen müssen.

      Doch daran bestand von Anfang an kein Interesse. Es musste jemand aus dem Weg geräumt und die Glaubwürdigkeit eines Menschen erschüttert werden, der auf Missstände kapitalkräftiger Interessen hingewiesen hatte. Die ehemaligen Frankfurter Steuerfahnder kennen ähnliche Methoden. Auch sie hatten auf Missstände im Bankenbereich hingewiesen, was nicht nur den Verursachern, sondern auch manchem hessischen Politiker ein Dorn im Auge war.

      Was nach meiner Ansicht - auch aufgrund eigener Erfahrungen - fehlt, das sind viel mehr Juristen, die bereit sind, den Regeln unseres Grundgesetzes und nicht den Regeln der Kapitalkräftigen Geltung zu verschaffen.

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  4. Liebe Frau Prem,

    mal wieder ein plastischer Bericht, der auf das Wesentliche abzielt, nämlich auf die Beweislage, die von Tag zu Tag schlechter wird und ihren Höhepunkt sicherlich mit dem rechtsmedizinischen Gutachten von Prof. Eisenmenger und dem verkehrstechnischen Gutachten von Dr. Rauscher den endgültigen Exitus erleiden wird.

    Eine Stelle in Ihrem Bericht ist mir allerdings aufgefallen, und der Einfachheit halber zitiere ich die entsprechende Zuschrift eines Kommentators auf meinem Blog:

    “… bringt Mollath auf eine andere Frage: »Haben Sie ein Alkoholproblem?«
    Sofort springt Oberstaatsanwalt Meindl dem Angeklagten bei: »Ich hätte diese Frage auch gestellt!«, erklärt er. Er habe deutlich gesehen, dass Mollath mit den Zuhörern kommuniziert und eine Bewegung ausgeführt habe, »die vermuten lässt, dass Z. Durst hat«.”

    In anderen einigermaßen neutralen Medien (zum Beispiel Mittelbayerische Zeitung) heißt es, der Staatsanwalt habe rügend eingegriffen statt “zur Seite gesprungen”:

    “…Mollath vermutet etwas anderes: „Ich frage Sie konkret, haben Sie ein Alkoholproblem? – „Nein.“ Oberstaatsanwalt Meindl greift rügend ein, Mollath habe zuvor gegenüber dem Publikum eine Geste angedeutet, nach der entweder er durstig oder der Zeuge alkoholisiert sei.”

    In der Regensburg-digital.de heißt es ebenso:

    “… präzisiert Mollath seine Frage: „Haben Sie ein Alkoholproblem?“
    Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl geht dazwischen. Er verbitte sich die Frage. „Herr Mollath hat während der Vernehmung mit dem Publikum kommuniziert.“ Dabei habe er eine Geste gemacht, die man „entweder so deuten könnte, dass Herr Mollath Durst hat, oder dass der Zeuge betrunken ist.“

    Die Frage stellt sich: hat Meindl die Frage gerügt oder ist er ihr beigesprungen?


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    Antworten
    1. Liebe Frau Wolff,

      danke für Ihre Anmerkung. Da ich meine Nase in diesem Moment tief in meinem Notizblock hatte, habe ich die entsprechende Geste von Mollath nicht mit eigenen Augen gesehen, sondern stichpunktartig das Gesagte mitgeschrieben. Gut möglich, dass ich es genau umgekehrt verstanden habe, als es eigentlich gemeint war. Möglicherweise war ich an diesem Punkt nicht ganz neutral, da mein eigener visueller Eindruck sich mit dem von mir Gehörten in gewisser Weise deckte.

      Herzliche Grüße

      Ursula Prem

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  5. Der verkehrstechnische Sachverständige Rauscher greift später die Frage Mollaths auf, ob der Täter die Reifen mit der rechten oder linken Hand zerstochen habe. In den Akten stehe, dass Petra M. dem Polizisten gesagt habe, ihr Ex-Mann sei kein originärer Rechtshänder. Warum das aber eine Rolle spielte, kann der Beamte nicht mehr sagen.


    Aussage Brixner am 17.07.
    Er habe Martin M. im Handballverein im Frühjahr 1982 trainiert, er sei Linkshänder geworden. Näheren Kontakt habe er nicht zu diesem Mann gehabt. So wie zu allen anderen Spielern. Es sei immer wieder vorgekommen, dass er Bekannte aus dem Sportverein im Gericht getroffen habe.

    Demnach ist Herr Maske Linkshänder

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  6. Die Alkoholfrage ist etwas verwirrend, da Oberstaatsanwalt Herr Meindl tatsächlich sagte, sinngemäß, er hätte die Frage auch gestellt. Dann ging er über, Herrn Mollath zu rügen. Nun war ich etwa 7 Tage durchgehend im Gerichtssaal anwesend. Herr Mollath hat zu keiner Zeit während des Verfahrens mit dem Publikum "korrespondiert". Bei der Alkoholfrage saß ich zufälllig - gezielt - in der ersten Reihe, konnte alle Beteiligten Personen des Verfahrens unmittelbar erleben. Tatsächlich hatte Herr Mollath gestern mit dem Publikum sich ausgetauscht. - Herr Oberstaatsanwalt Meindl hat etwas merkwürdiges in Richtung der Prozeßbeteiligten, es schien besonders aber für das Publikum, gesagt. Mit scharfen Worten: ich habe Herrn Mollath vom ersten Augenblick beobachtet, soz. vom ersten Augenblick, wo er den Gerichtssaal betrat. Es wirkte dann auf mich, wie ein "privates" Gutachten, ob zur Unterstützung für Herrn Nedopil, für wen eigentlich, welche Schlüsse Herr Meindl aus seiner doch recht langjährigen Erfahrung zieht, bleibt offen. Es bleibt aber auch offen, ob er sich im Fall Mollath nicht insofern täuscht, da ihm grundlegende Erfahrungen mit den Hintergründen der Waldorfpädagogik fehlen. Ich habe in dem psychiatrischen Gutachten von Herrn Pfäfflin den Hinweis gefunden, Herr Pfäfflich schreibt: "Er bringt verschiedene Beispiele seiner Kritik, und sagt, dass er diese kritische Haltung in der Rudolf-Steiner-Schule gelernt habe", so Herr Dr. Friedmann Pfäfflin in seinem Gutachten. Würde dieser Hinweis ernst genommen, würde so manches scheinbar rätselhafte Verhalten von Herrn Mollath erfassbarer, so wie die heute vorgelesene Verteidigungsschrift von Herrn Mollath, wenn diese ernsthaft von der Staatsanwaltschaft, den Verteidigern, den Richtern gelesen worden wäre, ein Verstehen von Herrn Mollath ermöglicht hätte. Mir fiel gestern noch ein Text von Frau Mollath auf, wo sie ein BGH-Urteil vorlegt, im Scheidungsprozeß, der darauf abzielt, sie braucht keinen Unterhalt mehr für ihren Ex-Mann zahlen. Insofern hätte sie ein nachvollziehbares finanzielles Motiv, Ihren Ehemann "schlecht" dastehen zu lassen. Dieser Aspekt kann eigentlich nicht unter den Tisch fallen, auch im jetzigen Prozeß, aber da werden die mitlesenden Juristen sicherlich genaueres noch beurteilen können.

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