Freitag, 28. März 2014

Nichtkommerziell – ein Qualitätsmerkmal?

Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Lebensdauer. Materialqualität. Tragekomfort. 24-Stunden-Support. Sichererer. – Der Qualitätsmerkmale von Waren und Dienstleistungen sind es gar viele. Sie dürfen mir das gerne glauben, liebe Leser, denn als Vielschreiberin von Werbetexten für das Netz kenne ich mich aus: »Verschaffen Sie dem Leser bitte einen Mehrwert und erklären Sie ihm besonders die hochwertige Qualität unseres Angebots!«, lautet ein häufiger Kundenwunsch, dem ich immer gerne entspreche. Derartige Auftraggeber sind nicht selten Websitebetreiber aus dem mittelständischen Bereich, die mangels positivem Anschluss an das staatliche Umverteilungssystem ihren ganz eigenen Kampf zu kämpfen haben. Kurz gesagt: Nach dem Verfassen von über 2.000 Auftragstexten in den letzten drei Jahren weiß ich ziemlich sicher, was als Qualitätsmerkmal gilt und was nicht. Und ganz gewiss weiß ich, dass ein als Monstranz daher getragenes »Nichtkommerziell« diese Kriterien in keiner Weise erfüllt. Nichtkommerziell, das sind nicht einmal Google und Facebook, mit ihren 1.001-Nacht-Angeboten von »Kostenlos«. Nichtkommerziell, so meine Erkenntnis, ist in vielen Fällen eine Mogelpackung.

Zieht ein Dienstanbieter seinen gesamten Stolz aus dem Begriff »Nichtkommerziell«, sollte man immer ganz genau hinschauen. Handelt es sich nicht um jemanden, der aus anderen Quellen grundsätzlich finanziell abgesichert ist und die Sache als reine Fleißarbeit betreibt, sind folgende Hintergründe möglich:

  • Hinter dem Anbieter steht ein Geldgeber mit kommerziellen Interessen.
  • Der Anbieter ist ein bedürfnis- und obdachloser Yogi, der weder regelmäßig isst, irgendwann schläft, noch jemals ins Puff geht, heiratet oder gar Kinder zeugt, und für dessen Serverkosten sein Orden geradesteht. Oder:
  • Der stolze Nichtkommerzielle wird seinen erstaunten Usern eines Tages die Rechnung präsentieren, in Gestalt eines Spendenaufrufs, dem zu widerstehen dem Adressaten wenigstens ein schlechtes Gewissen abnötigen wird. Wäre es da nicht generell ehrlicher gewesen, für 50 Cent eine Paywall durchdringen zu müssen und dem Anbieter danach nicht mehr zu lebenslanger Dankbarkeit verpflichtet zu sein? 

»Ich betreibe diese Seite nichtkommerziell, also bitte ich Sie um Ihre Spende!«, schreibt Ihnen dieser Kandidat vielleicht und demonstriert damit, dass er Ihnen grundsätzlich überlegen ist, der Sie doch jeden Tag irgendwo und irgendwie »Leistung gegen Geld« um Ihre Existenz kämpfen und deshalb zum minderwertigen Teil der Menschheit zählen.

Zu solchen Aufrufen habe ich eine ganz eindeutige Meinung: Wer lieber betteln geht, als sich gegebenenfalls über ein reelles, kaufmännisch sauberes Refinanzierungssystem Gedanken zu machen, ist entweder

  • ein eitler Pfau
  • ein fauler Sack oder
  • bestenfalls ein Traumtänzer, an den zu spenden nichts weiter hieße, als eine Illusion mit scheinbaren Lebenschancen anzufüttern. 

Fazit: All die nichtkommerziellen Spendensammler und sonstige selbstlose Bedürftige mögen sich deshalb an andere Stellen wenden, statt auf diese Weise Geld zu erbetteln, das in ihren Augen sowieso schmutzig ist.


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