Sonntag, 30. Juni 2013

180 »Der Vampir von Puri«

Teil 180 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Heilige Geometrie und
Architektur - Fotos: W-J.Langbein
Am Anfang war die »Heilige Architektur«, die nur den eingeweihten Sthapatis bekannt war, den Priester-Baumeistern. Die Sthapatis zeichneten Grundrisse, nach denen die ältesten Tempel gebaut wurden. Die »Urform« aber wurde im Lauf der Jahrhunderte ergänzt. Es wurden zum Beispiel Vorhallen an- oder eingebaut: von »Baumeistern«, die längst keine Ahnung mehr vom geheimen Wissen der Sthapatis hatten!

In dem bedeutenden Nachschlagewerk über die »Architektur der Welt« heißt es (1): »Die Vorhallen ... und die kleinen Schreine innerhalb der Umfassungsmauern des Heiligtums sind nicht dem ursprünglichen Plan-Schema untergeordnet. Sie stammen aus späteren Jahrhunderten, in denen die geheim gehaltene Aufteilung der Fläche bereits vergessen war.«

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Mit anderen Worten: Der »Ur-Tempel« war so etwas wie ein Buch aus Stein, das nur Eingeweihte lesen konnten. Im Verlauf der Jahrhunderte ging der Schlüssel zum steinernen Code verloren. Es wurden »Textergänzungen« vorgenommen, sprich Anbauten errichtet ... von Architekten, die das Geheimwissen ihrer Vorgänger nicht mehr kannten. Wird der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts nach Christus je wieder die heiligen Tempelbauten wie ein Buch lesen und verstehen können?

Kosmische Architektur - Foto: W-J.Langbein
Wir wissen heute wieder, dass Tempel als Abbilder des Kosmos gedacht waren, mit dem Göttlichen Brahma im Zentrum und mit der Welt der Kobolde und Geister außen – weit weg vom Allerheiligsten. Diese Ferne von Brahma zeigte sich deutlich in der sakralen Architektur. Die unheimliche Welt der Gnome, Kobolde und Dämonen fand im Tempel selbst keinen Platz. Den gespenstischen Gestalten wurde das vorspringende Fundament außerhalb des eigentlichen Tempels zugeteilt. Die Welt der Menschen und die der Kobolde und Konsorten werden durch eine massive Mauer getrennt.

Es gibt zwar eine massive Abgrenzung zwischen Tempelwelt und dem Reich von Geistern, aber unüberwindbar ist diese Monstermauer nicht. Deshalb können Kobolde in unseren Lebensraum eindringen. Der Ausdruck »Kobold« ist allerdings irreführend, lässt er uns doch an einen kleinen niedlichen Gnom denken. Gnomen traut man allenfalls einen kleinen Schabernack zu, aber doch keine Morde
.
Zu den Kobolden im südlichen Indien zählen Pey und Peymakilir. Der Pey ist eine Art Vampir. Peymakilir ist das weibliche Pendant zum Pey. Peys und Peymakilire sind aber keine Nosferatus, die sich zu nächtlicher Stunde am Blut ihrer lebenden Opfer laben, die dann ihrerseits zu Vampiren werden. Sie werden von Schlachtfeldern wie magisch angezogen. Sie suchen das Gemetzel der menschlichen Kriege, um das Blut der Gefallenen zu trinken. Nach anderen Überlieferungen begnügen sie sich nicht mit dem Blut, sondern fressen die Toten. Wieder andere Überlieferungen (2) beschreiben den Pey als Blutsauger, die Peymakilir als Kannibalin.

Pey und Peymakilir haben nicht nur monströse Züge. Wenn sie einem Schwerverletzten, der Todesqualen erlitt, das Blut aus dem Leibe saugten ... verkürzten sie sein Leid und schenkten ihm einen gnädigeren Tod.

In Puri, so wurde mir vor Ort versichert, gebe es seit Jahrhunderten eine Peymakilir. Ich erinnere mich an meinen nachmittäglichen Besuch in der Tempelanlage. In einem Nebenräumchen lagerten einige »sehr alte« Palmblätter. In dem steinernen Kiosk roch es muffig. Spärliches Licht fiel durch ein kleines Fenster. Auf einem wackeligen Tisch lagen mehrere Palmblätter, etwa 30 Zentimeter lang und sechs Zentimeter breit. (3)

Vergleichsfoto: Tempel im
Querschnitt
Foto: W-J.Langbein
Mehrere der Palmblätter zeigten Tempel im Querschnitt. Zahllose Zahlen waren eingetragen, offenbar handelte es sich um Bauanleitungen ... Zu Füßen eines »Tempelturms« kauerte hockend eine furchteinflößende Kreatur. Das Wesen ähnelte mehr einem wandelnden Skelett als einem gesunden Menschen. Seine Finger endeten in scharfen, spitzen Klauen. Ähnlich sahen auch die Füße aus. Sie erinnerten mich an die Greifwerkzeuge eines Raubvogels. An beiden Füßen zählte ich sechs Klauen.

Auffällig groß waren die hervorquellenden Augen und der weit geöffnete Mund, ein furchteinflößendes Maul. Zähne konnte ich keine erkennen. Aus den Mundwinkeln entströmte etwas. Was war es? Es sah aus wie eine Flüssigkeit, die allerdings seltsam strukturiert war. Die Flüssigkeit (Blut?) hatte die Form von sprießenden Ranken, vergleichbar mit Efeu.

Gerade diese Darstellung interessierte mich besonders. Ich sah mir das Palmblatt genau an. An der »Blutpflanze« machte ich winzig kleine »Blüten« aus. Ich nahm das Palmblatt in die Hand, deutete auf den Ausgang. Ob ich die seltsame Darstellung kurz draußen, bei Tageslicht betrachten dürfe, fragte ich auf Englisch. Fotografieren war in dem kleinen steinernen Kiosk verboten. Ob es mir gelingen würde, draußen heimlich eine Aufnahme zu machen? Dazu kam es leider nicht. Höflich, aber energisch, nahm man mir das Palmblatt aus der Hand. Es wurde in einer Schublade verstaut, die sorgfältig abgeschlossen wurde. Mit eindeutigen Gesten komplimentierte man mich ins Freie.

Ich weiß nicht, wie lang ich mich in dem kleinen Raum aufgehalten hatte. Ich schätze es waren nur wenige Minuten. Als ich wieder draußen im gleißenden Sonnenlicht stand, war ich für einen Moment geblendet. Wo waren meine Reisegefährten? Die kleine Gruppe war verschwunden. Wenige Schritte von mir entfernt sah ich eine steinerne Treppe, sie führte zu einem Nebengebäude des Jagannath-Komplexes empor. Ich hastete die Treppe hoch, betrat aber nicht den Tempel selbst. Vielmehr ging ich außerhalb der Tempelmauer auf dem steinernen Vorsprung und spähte nach meinen Freunden.

Alle Gebäude wurden nach einem kosmischen Plan gebaut.
Foto: W-J.Langbein
Was ich dann erlebte, habe ich damals in meinem Reisetagebuch festgehalten. Ich benötige diese meine Notizen eigentlich nicht, so nachhaltig hat sich das Geschehen in mein Gedächtnis eingegraben. Bis zum heutigen Tage habe ich niemandem berichtet, was damals geschehen ist ...

Die Sonne steht hoch am Himmel. Ich habe meine Schuhe ausgezogen und gehe langsam auf dem steinernen Vorsprung weiter. Durch meine Socken spüre ich den harten glatten Stein. Er fühlt sich angenehm warm an. Links neben mir ... die Tempelmauer mit zahllosen Figürchen. Mir ist, als reflektiere die steinerne Mauer die Hitze des Tages.

Ich ärgere mich, weil ich meine Fototasche mit meinen beiden Kameras nicht dabei habe. Sie steht am Fuße der kleinen Treppe. Ob ich umkehre und die Fotoausrüstung hole? Ich drehe mich um, schaue in Richtung Treppe. Ich erkenne deutlich meine Kameratasche. Ob ich sie hole? Nicht, dass sie mir noch gestohlen wird. Außerdem ... Mit dem Makro-Objektiv müssten mir einige gute Fotos von den Schnitzereien im Stein der Tempelwand gelingen! Auf einmal ist erst die Kameratasche, dann die kleine Treppe in Schatten getaucht. Eine Wolke, denke ich. Ich blicke zum Himmel. Der Himmel ist wolkenlos. Woher kommt der Schatten?

Dann geschieht Merkwürdiges. Der Schatten wandert, Stufe für Stufe hoch. Er hält, sehr kurz, inne. Er schießt förmlich an der Tempel wand entlang, auf dem Mauervorsprung ... auf mich zu. Sekundenbruchteile später stehe ich selbst im Schatten. Schlagartig ist mir in der Hitze des Tages kalt. Ich fröstele. Ich spüre förmlich, wie sich meine Nackenhaare aufstellen. Dann saust der Schatten weiter. Für Sekundenbruchteile liegt er vor mir. Dann, so scheint es mir, klettert er die Tempelwand empor.

Ich spüre ein seltsames Schwindelgefühl, stütze mich kurz an der Tempelmauer ab. Schon stehe ich wieder im Sonnenschein. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Gut hundert Meter entfernt sehe ich Julia aus Bonn. Sie winkt mir zu, winkt mich zu sich. Sie deutet mit dem Finger in eine Richtung. Rasch gehe ich auf dem Mauervorsprung zurück, die Treppe nach unten, greife meinen Rucksack mit den Kameras ... und eile zu Julia (4).

Alle Tempel weisen gen Himmel - Foto: W-J.Langbein
»Wie siehst Du denn aus?« fragt sie mich, während wir zur Gruppe aufschließen. »Ist Dir nicht gut? Oder bist Du dem Vampir von Puri begegnet?« Wir lachen. Ich bin froh, das merkwürdige Erlebnis hinter mich gebracht zu haben. Zur Treppe kehre ich nicht zurück. Auch verzichte ich darauf, Fotos von den herrlichen Schnitzarbeiten zu machen. Wir kehren zu unserem Bus zurück. Die Reise wird fortgesetzt.

Fußnoten
1 Stierlin, Henri (Herausgeber): »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 55
2 Meine Ausführungen basieren auf Gesprächen mit Einheimischen vor Ort.
3 Die Maßangaben sind geschätzt. Die einzelnen Palmblätter wichen in Länge und Breite etwas voneinander ab.
4 Zusammen mit Julia Z. Habe ich von Deutschland aus die Indien-Reise vorbereitet und organisiert. Unsere kleine Gruppe besuchte eine Palmblattbibliothek, Museen und viele Tempel.

»Der Herrscher und der Friseur«, 
 Teil 181 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« 
 von Walter-Jörg Langbein
 erscheint am 07.07.2013

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Freitag, 28. Juni 2013

Gustl Mollath: Psychiatrische Gutachten versus Menschenrechte – die Freitagskolumne von Ursula Prem

Über Gustl Mollath wurde in den vergangenen Wochen und Monaten viel geschrieben, auch hier in diesem Blog. Immer mehr Menschen machen sich mit dem unfassbar tragischen Fall vertraut und kommen zu der Erkenntnis, dass der Tiefpunkt noch lange nicht erreicht ist: Mit jeder neuen Enthüllung wird das Übermaß institutionalisierter Gemeinheit offenkundiger, dem Gustl Mollath so viele Jahre lang nahezu schutzlos ausgesetzt war.

Für Außenstehende bedarf es aller Kräfte ihrer Ratio, um sämtliche Puzzleteile des vielschichtigen Vorgangs zu einem halbwegs überschaubaren Bild zusammenzufügen. Wie gut, dass es Kabarettisten wie Erwin Pelzig gibt, welcher in der letzten Ausgabe von »Neues aus der Anstalt« nur gut sieben Minuten brauchte, um aufzuzeigen, wie einfach es ist, mitten in Deutschland einen Menschen auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie zu verräumen.


Direktlink zum Video        

Was aber bedeutet es für den Betreffenden konkret, dem Psychiatriesystem so viele Jahre lang ausgeliefert und damit vollkommen entrechtet zu sein, ohne Kenntnis eines Enddatums für dieses Martyrium? Wie fühlt es sich an, im emotionalen Niemandsland zu leben, nicht wissend, ob die Entlassung morgen, nächstes Jahr oder aber niemals erfolgt? Wie verkraftet ein derart Gequälter die allenthalben spürbaren Schikanen: gefälschte Entlassungsanordnungen, lügenstrotzende Zeitungsberichte oder die Konfrontation mit den täglichen Leiden von Mitgefangenen? Und, um die schauerlichste Dimension dieser Situation nicht auszublenden: Wie hält ein (inzwischen offenkundig!) Unschuldiger wie Gustl Mollath dies alles so lange durch? Längst belegen zwei fundierte Wiederaufnahmeanträge, was von dem diesem Drama zugrunde liegenden Urteil zu halten ist: Es ist nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht!

Sieben Jahre und vier Monate sind seit Gustl Mollaths Verräumung vergangen: Eine endlos lange Zeit in Ungewissheit, ohne Privatsphäre, ohne ungestörten Schlaf, stets konfrontiert mit der latenten Bedrohung durch Halbgötter in Weiß und deren willfährige Helfer.

Zahlreiche Briefe Gustl Mollaths aus früheren Jahren spiegeln einen unvorstellbaren Kampf um Gerechtigkeit wider. Gustl Mollath, so viel wird beim Lesen schnell klar, hat sich nie auch nur eine Sekunde aufgegeben, auch nicht angesichts all der tiefen Täler, die er, von der Öffentlichkeit noch völlig unbemerkt, in dieser Zeit durchschritten hat. Wie mag er sich wohl am 20. März 2011 gefühlt haben, als er folgenden Brief an einen Unterstützer zu Papier brachte, den ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:


»Mein Ende ist beschlossen und scheint unausweichlich! 
[...] Das Gutachten von Professor Pfäfflin ist skandalös und vernichtend.Eine Rettung scheint unmöglich, noch dazu habe ich so gut wie keine Hinweise zu adäquaten Hilfen. Bei diesen Voraussetzungen steht das Ergebnis der nächsten Anhörung fest. Der Vorsitzende Richter Kahler wird, mit höchster Wahrscheinlichkeit, unsägliche Rache an mir üben. 
Bis zu meinem Lebensende werden mich diese unsäglichen Ärzte und deren Schergen weiter quälen können. [...] Gerne hätte ich einen größeren Beitrag geleistet, dieses System wenigstens breiter öffentlich zu machen. Zu einer „Anhörung“ brauche ich gar nicht zu gehen, das „Urteil“ steht fest und, in absehbarer Zeit, wird es wohl auch allen anderen bisherigen Helfern zu viel.«


Briefausschnitt von Gustl Mollath, 20. März 2011


Zu dem von Mollath angesprochenen Gutachten heißt es auf der Unterstützerwebsite gustl-for-help.de:

»Ein Gutachten von Prof. Pfäfflin (Ulm) bestätigt das Gutachten von Dr. Leipziger mit der Zuschreibung von Wahnhaftigkeit, obwohl auch hier im Detail keinerlei Aggressivität seitens Gustl Mollath bezeugt wird: Mollath sei „nicht innerlich angespannt, aggressiv oder voller Wut und Haß“. Er „beteilige sich mit großer Energie am Sport, zeige dort auch Teamgeist“. Arztbesuche seien „problemlos verlaufen“ man habe in der Lockerungskonferenz „keine von ihm ausgehende Allgemeingefährdung gesehen und keine Fluchtgefahr“. 
„Die Überprüfung, ob sich Herr M. aufgrund eines Komplotts im MRV [Maßregelvollzug] befindet, und ob ihm die dem Urteil zugrunde liegenden Taten zu Unrecht unterstellt wurden, ist nicht Sache des Gutachters. Ungeachtet dieser Feststellung müsste im Gutachten selbstverständlich darauf aufmerksam gemacht werden, wenn im Rahmen der Untersuchung Informationen auftauchten, die zum Zeitpunkt des Einweisungsurteils noch nicht bekannt waren und die Zweifel an der Täterschaft des Begutachteten begründen. Entsprechende neue Unterlagen bzw. Informationen hat Herr M. mir nicht vorgelegt.“« 
Zitate Prof. Pfäfflin aus seinem Gutachten, Quelle: Chronologie, Ziffer 100 

So leicht also kann die Sache sein, wenn einer auf der »richtigen« Seite steht: Die von Anfang an rechtswidrige faktische Beweislastumkehr, nach welcher Gustl Mollath seine Unschuld belegen sollte, wurde auf diese Weise von Professor Pfäfflin einfach fortgeschrieben. Kein Wort davon, dass nicht eine einzige der angeblichen Anlasstaten jemals bewiesen worden war. Warum sollte sich Herr Pfäfflin auch darum bekümmern? Er ist schließlich Psychiater und kein Jurist, weshalb man solch eigenständiges Denken in fremden Gefilden nicht von ihm verlangen kann, zumal er mit einem für Mollath positiven Gutachten seine Kollegen Leipziger und Kröber schwer beschädigt hätte. Fakt ist: Gustl Mollath wurde durch diese lakonische Vorgehensweise in weitere Monate der Hoffnungslosigkeit geworfen, wie nur sehr starke Naturen sie unbeschadet zu überleben in der Lage sind.

Dass Mollath zu diesem Zeitpunkt schon viele zermürbende Jahre hinter sich hatte, liegt auf der Hand, denn immer wieder wurden seine Bemühungen um Aufklärung gezielt torpediert. Zu den regelmäßig hierfür vorgesehenen Schikanen zählte auch die turnusmäßige Wegnahme wichtiger Akten, wie sein Schreiben vom 13. Januar 2011 an Chefarzt Dr. Klaus Leipziger belegt:

»Aktionen Ihres Personals, mir wichtige Akten zu entziehen 
Sehr geehrter Herr Dr. Leipziger,
unter Leitung Ihres Mitarbeiters, Herrn P., werde ich seit Tagen wieder schikaniert, unter Druck gesetzt, provoziert und gezwungen, Akten aus meinem Schrank herauszugeben.
 
Am 10.1.2011, 11.00 Uhr, kamen die Herren P. und R. mit den „Sicherheitsbeauftragten“ Herren S. und R. in meinen Haftraum Nr. 124. Herr P. führte die Aktion an und wollte sofort, dass ich Akten aus meinem Schrank entferne, um einige Bücher und „Der Spiegel“-Magazine usw. von meinem Bücherregal zu entfernen. Es wird behauptet, ich hätte zu viele Akten, so wären Zellen-Razzien zu aufwendig! 
Dass ich in fünf Jahren unsäglicher Haft nie Sicherheitsrelevantes hatte, spielt keine Rolle. Herr P. behauptet, Mitgefangene könnten mir in meinem Schrank etwas „unterschieben“. Dass ich meinen Schrank immer verschlossen halte, spielt keine Rolle.
Am 12.1.2010 war ich gezwungen, einen Karton mit 7,3 kg Akten abzugeben. Heute, am 13.1.2011, kommen die Herren P., R., K. und P. und wollen wieder Akten aus meinem Schrank, obwohl nichts Nennenswertes noch in meinem Haftraum ist, muss ich noch mal abgeben. –> Karton mit 3,0 kg Büchern = 8 Stück. Danach kommt Herr P. noch mal und bringt Ihre „Sicherheitsbeauftragten“ S. und R. wieder mit.
 
Mein Mitgefangener, Herr P., hat alles miterlebt: „Die wollen Dich fertigmachen und zum Ausrasten bringen, damit sie Dich in der Fixe-ISO-Zelle verräumen können.“ [...]«

Briefausschnitt von Gustl Mollath an Dr. Klaus Leipziger, 13. Januar 2011

Unterbrechen Sie Ihre Lektüre nun für einen Moment, liebe Leser: Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, selbst in dieser Situation zu sein. Fragen Sie sich anschließend, ob dies eines angeblichen Rechtsstaats würdig ist. Bitte protestieren Sie deshalb an allen denkbaren Stellen dagegen, dass dem Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages am 26. Juni 2013 die geplante Erörterung der Situation von Gustl Mollath aufgrund der Gegenstimmen der schwarz-gelben Koalition verunmöglicht wurde: Wenden Sie sich lautstark gegen die Unsitte, mithilfe psychiatrischer Gutachten die als absolut geltenden Menschenrechte aufzuweichen, wie es schon jetzt tagtäglich mitten in unserem Land geschieht!




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Montag, 24. Juni 2013

Eilmeldung: Dubiose Vorgänge um die angebliche Bundestagskandidatur des Gustl Mollath

Ein Bericht von Ursula Prem

Am vergangenen Freitag erhielt ich einen Anruf Gustl Mollaths aus dem BKH Bayreuth. Er berichtete, er sei von einem ihm unbekannten Rechtsanwalt namens Helmut Krause kontaktiert worden, der ihm antrug, als Direktkandidat für die nächste Wahl zum Deutschen Bundestag anzutreten. Alles Notwendige hierfür werde er, Krause, für Mollath in die Wege leiten, wenn dieser ihm hierfür nur eine Vollmacht erteile. Hierzu sagte Mollath mir gegenüber, dass er selbstverständlich niemandem eine Vollmacht erteilen könne, den er überhaupt nicht kenne, er aber gerne mehr über die Sache wissen würde. Er bat mich also, mich diesbezüglich schlauzumachen und ihn über Ziele und Ausrichtung des Herrn Krause zu informieren.

Am nächsten Tag schickte ich zwecks Kontaktaufnahme eine E-Mail an Krause. Diese wurde von ihm auch am selben Tag beantwortet, indem er mir einen Link schickte, der in ein von ihm betriebenes öffentliches Forum führte. Dort hatte er einen neuen Thread eröffnet, meine E-Mail als Vollzitat hineinkopiert und auch gleich beantwortet. So stellte er unter anderem die Behauptung auf, in Besitz einer mündlichen Vollmacht zu sein, was für mich aufgrund des Gesprächs mit Gustl Mollath selbst mehr als zweifelhaft war.

Das sogenannte Querdenkerforum (Screenshot, Ausschnitt)

Ich schickte also eine erneute Mail an Herrn Krause, in welcher ich den Bruch der Vertraulichkeit meiner E-Mail monierte. Dieser schien dennoch keinen Anlass zu sehen, den Thread aus seinem Forum zu löschen: Er anonymisierte lediglich meinen Namen. Außerdem übersandte er mir eine PDF-Datei seines Schreibens »An die Kreiswahlleitung für den Landkreis Fürstenfeldbruck«, in welchem er bereits am 21. Juni auf seinem Kanzleibriefbogen in Mollaths Namen ein Formblatt für das Sammeln von Unterstützerunterschriften beantragt hatte.



Ich druckte den Thread, das Schreiben und einige weitere Informationen für Gustl Mollath aus und schickte am Sonntagnachmittag einen Brief mit meiner Einschätzung der Sache an ihn ab. Meine Post ist noch nicht bei ihm eingetroffen, jedoch habe ich heute Vormittag erneut mit ihm telefoniert und ihm berichtet. Ich stellte ihm auch die Frage, ob er Herrn Krause eine mündliche Vollmacht erteilt habe, was Mollath ganz entschieden verneint hat.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende: Bereits heute, am 24. Juni 2013 um 00:01 Uhr, erschien auf der Onlineseite des Nordbayerischen Kuriers eine Meldung von Chefreporter Otto Lapp. Titel: »Mollath will in den Bundestag«. Schon der Teaser beinhaltet reine Lügen und gipfelt in der Aussage, Helmut P. Krause sei Mollaths »Anwalt in dieser Sache« und »bestätige« die angebliche Absicht Mollaths, für den Wahlkreis 216 in Fürstenfeldbruck anzutreten.

Screenshot von der Website des Nordbayerischen Kuriers


Zu diesem unfassbaren Vorgang stellen sich mir drei Fragen:

  1. Ich selbst habe Google Alerts auf den Namen Gustl Mollaths abonniert. Eine Meldung über Krauses Forum und seine Aktion lieferte mir Google jedoch nicht. Wie also hat der Nordbayerische Kurier derart schnell von der Sache erfahren? Sollte Krause selbst Otto Lapp informiert haben, würde das seine offenbar üblen Absichten gegenüber Gustl Mollath unterstreichen, auf dessen Kosten der Nordbayerische Kurier schon seit geraumer Zeit seine Scherze treibt. [Ein Buch lesen! berichtete]
  2. Weitere Möglichkeit: Kolportierte ein professioneller Telefonabhörer des BKH Bayreuth Krauses Anruf an den Nordbayerischen Kurier? Dies wiederum würde ein bezeichnendes Licht auf die engen Verbindungen zwischen dem BKH und dem heimischen Provinzblatt werfen und manchen grottigen Seitenhieb von Otto Lapp nachträglich verständlich machen.
  3. Das denkbar übelste Szenario wäre die Vermutung eines abgekarteten Spiels: Sollte Gustl Mollath auf diese Weise wieder einmal gezielt provoziert werden, wie schon am letzten Montag, als man ihn mit einer gefälschten Entlassungsanordnung konfrontierte? [Ein Buch lesen! berichtete]


Zum Glück hat die Süddeutsche Zeitung schnell reagiert und fragte Mollath selbst, wie die Angelegenheit einzuschätzen sei: »Frau Merkel muss keine Angst vor mir haben«, sagt er dazu in der ihm eigenen humorvollen Weise.

Dass man nichts auslässt, um Gustl Mollath als durchgeknallten Wahnsinnigen hinzustellen, ist inzwischen allgemein bekannt. Da wäre es doch ganz praktisch, wenn man den undefinierbaren Psychobrei nun auch noch mit einem Quäntchen Größenwahn (»Gustl for Kanzler«) würzen könnte. Dazu meine ich: Vergesst es, Leute, denn hier draußen sind Menschen, die aufpassen!

Eule mit scharfem Blick
Foto: La-Liana / pixelio.de

Noch ein Hinweis zum Schluss: Wer in eigenen Blogs oder auf Websites über den Vorgang berichten möchte, sei dringend gebeten, den Link zum »Querdenker-Forum« im Quelltext mit einem Nofollow-Attribut auszustatten, um der Sache nicht ungewollt Bedeutung in den Suchmaschinen zu verleihen. Die Formatierung sieht folgendermaßen aus: 

< a href="http://www.querdenkerforum.de/forum/showthread.php?tid=6491&pid=13168#pid13168" rel="nofollow" target="_blank"> 

(Bitte Abstand nach dem eröffnenden < herausnehmen)



Buchneuerscheinung am 1. Dezember 2014:

Gerhard Strate
»Der Fall Mollath – Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie«

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Fido Buchwichtel: Judas war kein Verräter

Hallo liebe Leute!

Der Sommer hat angefangen und hier bin ich:
Fido Buchwichtel
mit dem 
Bestseller der Woche 
aus dem Wichtelland.

In der letzten Woche habe ich etwas Merkwürdiges erlebt. Auf der Suche nach Wichtelleckereien bewegte ich mich nahe eines Wanderweges, den Ihr Menschen durch unseren Wald führen lasst. Wie der Zufall es so wollte, konnte ich beobachten, wie sich auf diesem Weg zwei Menschen begegneten. Es waren männliche Exemplare Eurer Gattung. Sie schienen sich zu kennen, mochten sich aber offensichtlich überhaupt nicht. Kaum waren sie auf einer Höhe, gerieten sie sich in die Haare und ein Wort gab das andere. 

Erwartet jetzt nicht von mir, dass ich die unflätigen Worte wiederhole, die hin und her flogen. Denn ich bin mir nicht sicher, ob nicht das ein oder andere Wichtelkind hier mitliest. Gerade wollte ich mich zum Gehen wenden, denn ein solches Gezänke mochte ich mir nicht antun, als einer der beiden laut zum anderen sagte: »Du Judas!«


Was habt Ihr Menschen eigentlich mit diesem armen Judas für ein Problem? Warum muss Verrat seinen Namen tragen? Ich finde, Ihr solltet endlich mit diesem Vorurteil aufräumen. Darum stelle ich Euch heute das Buch
Judas war kein Verräter: Das Neue Testament und seine Geheimnisse
des Menschenautors Walter-Jörg Langbein vor.

Der räumt darin mit dieser falschen Überlieferung gründlich auf. Anders als die meisten von Euch glauben, wurde Judas nämlich zum Verräter gemacht. Es waren andere für den Tod von Jesus verantwortlich. Versteckt in den alten Texten sind da Hinweise zu finden. Wenn Ihr wirklich wissen wollt, was im Neuen Testament steht … müsst Ihr dieses Buch lesen ... dann erfahrt Ihr, wie das wirklich war mit dem Judas. Der war nämlich gar kein Verräter... und noch etwas dazu: die Bibel ist gar nicht langweilig ... und echt spannende Infos gibt es in diesem Buch...

Also, wie immer an dieser Stelle:
Der Bestseller der Woche aus dem Wichtelland.

Bleibt mir vorurteilsfrei gewogen!

Winke winke
Euer

Fido Buchwichtel



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Sonntag, 23. Juni 2013

179 »Von Büchern aus Stein«

Teil 179 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Die Tempelwelt von Puri
Foto: W-J.Langbein
Puri, im indischen Bundesstaat Orissa gelegen, ist das Rom des Hinduismus. In der Küstenstadt wird kein Geringerer als Jagannath verehrt: der »Herr des Universums«. Ende Juni bis Anfang Juli – der genaue Termin hängt vom Mondkalender ab – wird ein großes Fest gefeiert. Statuen von Jagannath und seinen Geschwistern Balabhadra und Subhadra werden auf heiligen Wagen durch die Straßen gezogen ... und das mehrere Tage lang.

Unzählige Pilger strömen Jahr für Jahr nach Puri. Jeder versucht, und sei es auch nur kurz, beim Bewegen der Statuen behilflich zu sein. Besonderer Andrang herrscht bei den Seilen, an denen die Wagen vorwärts gezogen werden. Wer auf diese Weise den Göttern hilft, der hofft auf Gnade, sprich auf schnelleren Wechsel vom irdischen Diesseits ins unbeschreibliche Nirvana.

Immer wieder kommt es vor, dass sich besonders eifrige Pilger vor die Götterwagen werfen und überrollen lassen. Diese religiös motivierten Selbstmörder haben es besonders auf den Wagen von Jagannath selbst abgesehen. Sie glauben, dass ihr irdischer Leib zerquetscht und dass jeder so Dahingeschiedene durch den »Herrn des Universums« selbst vom irdischen Jammertal ins unfassbare »Nirvana« katapultiert wird. (1)

Jagannath und seine Geschwister Balabhadra (männlich) und Subhadra (weiblich) bilden eine Göttertriade. Kurios: Auch die christliche Trinität, bestehend aus Gottvater, Sohn und Heiligem Geist, setzt sich aus zwei männlichen und einem weiblichen Wesen zusammen. Ist doch »der« Heilige Geist ursprünglich ... eine »Heilige Geistin« (ruach im »Alten Testament«). Jagannath entspricht als »Herr des Universums« am ehesten »Elohim« (2) des »Alten Testaments«. Während allerdings eine bildliche Darstellung des Bibelgottes per Gebot streng verboten ist, gibt es von den indischen Göttern unzählige Skulpturen und Gemälde.

Supergott Jagannath - Foto: W-J.Langbein
Aus europäischer Sicht mag die typische Jagannath-Statue kurios anmuten. Sie wird meist aus dem Holz des Niembaumes geschnitzt, den die Hindus als heilig ansehen. Der Kopf des mächtigen Gottes ist überproportional groß. Die runden »Glotzaugen« erinnern an eine Brille. Bei allen Darstellungen von Jagannath fallen die bunten Farben auf. Beine fehlen ebenso wie Hände.

Warum Jagannath so unvollständig ausgeführt wird? Eine Erklärung fand ich in der Literatur nicht. Möglicherweise soll auf diese Weise verdeutlicht werden, dass Jagannath kein physisches Wesen im herkömmlichen Sinne ist. Er benötigt keine Beine, um sich fortzubewegen. Er erschafft das Universum ohne Hände, nur aus seiner geistigen Kraft. Mein Gesprächspartner in Sanchi stimmte mir zu: »Jagannath ist ein anderes Gesicht von Krishna, der schon als Baby Wunder bewirkte!«

Der »Jagannath-Tempel« in Puri ist ein gewaltiger Komplex. In seiner heutigen Form geht er auf Codaganga Anantavarman (1088-1160), Herrscher von Orissa, zurück. Er mag ältere Vorgänger gehabt haben. Für den mächtigen Regenten war Religion die wichtigste Stütze seiner Autorität. Gott Jagannath wurde zum eigentlichen Herrscher erklärt, der König selbst begnügte sich mit dem Amt des irdischen Stellvertreter Gottes. Wer es wagte, den irdischen Regenten zu kritisieren, der galt schon als Gotteslästerer. Ein Aufstand, eine Rebellion war dann ein Angriff auf den Gott des Universums, ein schlimmes Sakrileg. Rund vierhundert Jahre später vertrat Martin Luther die gleichen Lehren, nur im »christlichen Gewand«. Auch nach Luther ist der irdische Herrscher von göttlicher Autorität hienieden auf Erden. Als sich die Bauern gegen die unmenschliche Knechtschaft erhoben, war dies für Luther auch eine Art Sakrileg.

Puri ist für den Besucher seltsam fremd. Und doch fühlte ich mich wohl. Bei aller Turbulenz war doch eine ganz besondere Ruhe, ich möchte sagen Harmonie, zu spüren. Da schritt der offensichtlich bettelarme Pilger im schlichten Gewand gravitätisch wie ein Kaiser. Da knatterte ein Moped, da wartete geduldig ein Jeepfahrer in seinem Vehikel, bis eine dösende Kuh erwachte und den Weg freigab.

Geordnetes Chaos
Foto: W-J.Langbein
Da schob sich eine Fahrradrikscha ins Straßengetümmel. Dort ließ eine mit einem kleinen Motor laufende Rikscha einer greisen Marktfrau den Vortritt. In unseren Breiten wäre ein solch harmonisches Durcheinander nicht denkbar. Jeder Verkehrsteilnehmer würde auf sein unbestreitbares Recht pochen ... Es käme zu zahllosen Karambolagen. Warum geht es in Indiens Städten so viel friedlicher zu?

Und mitten im scheinbaren Chaos des Alltags ... thront seit rund 800 Jahren der heilige Jagannath-Tempel. Eine Fahne wehte stolz im Wind. Und ein gewaltiges, mit einfachen Mitteln errichtetes Gerüst umgibt den Haupttempel wie ein schützendes Netz. Mich hat der Tempel mit Gerüst an den legendären Turm zu Babel erinnert. Ob man im Lande Babylon auch mit solchen Gerüsten gearbeitet hat, auf denen Arbeiter bis in den Himmel empor steigen zu können scheinen? Wer hier zum Beispiel Steine über unzählige Leitern an die Spitze des Tempels tragen muss, der leistet Unglaubliches.

Ist es der Tempelkomplex, der Ruhe ausstrahlt? Der Tempel ist in Indien sehr viel mehr als ein »Gotteshaus« nach christlichem Verständnis. Er ist ein symbolisches Abbild des Universums. Der Tempel symbolisiert auch den Schöpfungsakt Brahmas, der aus dem ungeordneten Sein die geordnete Form gestaltete.

Im Zentrum des Universums ... des Seins ... befindet sich Brahma. Um diesen Kern legt sich die Welt der Götter, und zwar ringförmig. Die Götterwelt wiederum wird umschlossen von unserer Welt, in der wir leben. Am weitesten entfernt von Brahma ist der äußerste Bezirk. Hier haust die niedrigste und zugleich unheimlichste Gruppe: die der Gnome, Geister und Kobolde. »Am tiefsten in dieser Hierarchie stehen«, so heißt es in Henri Stierlins Werk »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, »die Kobolde, Gnome und Geister. Sie bewohnen, ohne Verbindung zu den Göttern und zu Brahma, die Randzone der konzentrisch um das Brahma geordneten Welten.«

Ein Buch in Stein - Foto: W-J.Langbein
Der Bauplan eines typischen südindischen Tempels bildet mathematisch exakt diesen Kosmos von Supergott Brahma, von Göttern, Menschen und Kobolden ab. Der Grundriss eines Tempels wird penibel auf dem Reißbrett entworfen. Der Bauplan wird in quadratischer Form angelegt und in sechzehn mal sechzehn gleichgroße Felder unterteilt.

Der Architekt hat exakte Zahlenangaben, nach denen er sich richten muss. Jede der »Welten« hat eine vorgegebene Größe ...

Das Allerheiligste, Brahma: 16 Felder
Welt der Götter, zweiter Ring: 84 Felder
Welt der Menschen, dritter Ring: 96 Felder
Welt der Kobolde, vierter Ring: 60 Felder

Formenreichtum eines
Buches in Stein
Foto: W-J.Langbein
Uralt ist das Geheimwissen um die göttliche Architektur. Vieles ist längst in Vergessenheit geraten, manches wurde gewiss falsch überliefert. Gesichert ist aber der Grundgedanke indischer Tempelbauweise: Der gesamte Kosmos trägt in sich einen göttlichen Plan. Aufgabe des Sthapati war es nun, das geheime Wissen um den Aufbau des Universums in Zahlen auszudrücken. Diese Zahlen wiederum wurden in geometrische Formen umgesetzt. Und nach diesen Formen wurden die Tempel gebaut! Der Eingeweihte konnte die uralten Bauten wie ein Buch lesen.
Es war die Aufgabe des Sthapati, das uralte Wissen in Stein zu verewigen. Papyrustexte, Palmblätter, Bücher, ja auch Disketten und CDs sind vergänglich. Stein überdauert Jahrtausende! Werden wir je die uralten Botschaften der indischen Tempelbauer wieder wie ein Buch lesen können?

Fußnoten
1 Kulke, Hermann: »Jagannātha-Kult und Gajapati-Königtum/ Ein Beitrag zur Geschichte religiöser Legitimation hinduistischer Herrschaft«, Wiesbaden 1979
2 »Elohim« ist ein Pluralbegriff und verweist eher auf einen alten Vielgötterglauben als auf den Eingottglauben der Bibel.
3 Stierlin, Henri (Herausgeber): »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 55

>> Neue Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Der Vampir von Puri«,
Teil 180 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30.06.2013


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Freitag, 21. Juni 2013

Gustl Mollath: Seit über sieben Jahren an Schikanen gewöhnt – die Freitagskolumne von Ursula Prem

In dieser Woche schockierte die Meldung, dass der noch immer gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehaltene Gustl Mollath vom Oberarzt des BKH Bayreuth Dr. Zappe mit einer gefälschten Entlassungsanordnung konfrontiert worden war. Die Hoffnung, sein Albtraum könnte endlich ein Ende haben, währte nur kurze 30 Minuten lang [»Ein Buch lesen!« berichtete]. Die Antwort Gustl Mollaths auf die Frage, wie er eine derartige Ungeheuerlichkeit verkrafte, erstaunt und entsetzt:

»Ich bin Schikanen nun seit über sieben Jahren gewöhnt, weshalb nicht mal mein Puls sich mehr beschleunigt, wenn ich mit Derartigem konfrontiert werde.«


Erst seit einigen Monaten besteht für Mollath die Möglichkeit, derartige Geschehnisse innerhalb weniger Stunden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und auf diese Weise Außenstehende für die Vorgänge in den »weißen Gefängnissen« zu sensibilisieren. Eine Ahnung davon, was Mollath in der langen Zeit seiner Haft durchmachen musste, gibt sein umfangreicher Schriftwechsel. Hiervon liegen mir etliche Dokumente auch älteren Datums vor. In dem Material finden sich erschütternde Zeugnisse darüber, wie Mollath über lange Zeiträume hinweg sogar die selbstverständlichsten Rechte vorenthalten wurden.


In einem Brief vom 27. August 2010 heißt es:

»Nun ist es mir endlich gelungen, meine Sehschwäche, die ich seit 2006 (Beginn meiner Haft) feststellte, beim Augenoptiker feststellen lassen zu dürfen. Auch andere Arztkonsultationen, die leider seit Jahren überfällig sind, könnte ich endlich, gegen den Widerstand der BKH Ärzte [...] genehmigt bekommen. [...]
 Vor meiner Ausführung gestern kam »Pfleger« P. zu mir und meinte, Dr. Zappe, der Oberarzt und stellvertretende Chefarzt, habe angeordnet, dass ich gegenüber Außenstehenden bei der Ausführung nichts über Zu- und Umstände oder über Ärzte und Personal erzählen darf! Bei Zuwiderhandlung habe er angewiesen, dass die Ausführung sonst sofort abgebrochen werde!«

Briefausschnitt von Gustl Mollath, 27. August 2010

Weiter führt Mollath aus, er sei am Vortag um 9:40 Uhr in Begleitung eines SD-Mannes zu einem Bayreuther Augenoptiker gegangen, wo er nett und höflich begrüßt worden sei und eine Mitarbeiterin seine Sehkraft untersucht habe. Kurz darauf begannen die Mechanismen der Entmenschlichung erneut zu greifen:

»Als klar war, dass ich ein BKH-Insasse bin, sprach sie nur noch mit dem BKH-Angestellten H.«


Jahrelanger Kampf um eine Zahnbehandlung


Ein weiterer Brief vom 19. Oktober desselben Jahres bezieht sich erneut auf ganz alltägliche medizinische Probleme. Auszüge:

»[...] Gegen großen Widerstand der Ärzte des BKH habe ich endlich einige Arztbesuche geschafft.« 
Im Folgenden führt Mollath aus, dass ihm endlich auch ein Augenarztbesuch ermöglicht worden sei, nachdem der Optiker schon im August die Notwendigkeit einer Lesehilfe festgestellt hatte. Auch die behandelnde Augenärztin scheint eher über als mit Mollath gesprochen zu haben, denn er führt aus:

»Erklärungen gab sie gar nicht! Unterlagen gab es nur für den Sicherheitsmann des BKH, der dabei war.«

Briefausschnitt von Gustl Mollath, 19. Oktober 2010


Erst Wochen später, so Mollath, habe er nach langem »Nachbohren« die Diagnose der Augenärztin in Erfahrung bringen können. Und auch zahnmedizinische Probleme scheinen lange verschleppt worden zu sein:

»Seit 2006 hatte ich immer wieder starke Zahnschmerzen. Jetzt konnte ich mich [...] von dem halb abgefaulten Weisheitszahn befreien lassen. Um weitere nötige Zahnbehandlung kämpfe ich noch.«


Dauerthema Schlafentzug


Am 15. Februar 2012 berichtet Mollath brieflich über die von ihm zu erduldenden Haftbedingungen, von denen ihn besonders der nächtliche Schlafentzug durch Zimmerkontrollen belaste [»Ein Buch lesen!« berichtete]. Drei Mal pro Nacht, um etwa 1:00, 3:00 und 5:00 Uhr, erfolge ein Eindringen des Personals in Mollaths Zimmer, teilweise bis ans Bett herantretend, jegliche Privatsphäre sowie das Recht auf ungestörten Schlaf missachtend. Mollath:

»Relevant ist, dass ich mehrfach dadurch bis zum Wachsein geweckt werde und immer in meinem Schlafzyklus gestört bin.«


Die Leiden von Mitgefangenen


Albtraumhaft auch Mollaths Schilderungen über die Leiden von Mitgefangenen wie Herrn B., der panische Angst habe, nie wieder herauszukommen:

»Dazu hat er ein Gesicht wie „Der Schrei“ von Edvard Munch, aber in Kreidebleich und noch viel grauenhafter. Herr B. sagt: „Wenn ich hier nicht bald rauskomme, hoffe ich, dass der liebe Gott mich bald holt.“ So „begeistert“ ist Herr B. über Personal und Haltung.«

Briefausschnitt von Gustl Mollath, 15. Februar 2012


Dass der Anlass für die Auslieferung eines Menschen an das Psychiatriesystem nicht unbedingt groß sein muss, legt Mollaths Bericht über einen anderen Mitgefangenen nahe, der »wegen Alkohol und kleiner Haftstrafe« nach § 64 verurteilt worden und nach schneller Therapie bereits wieder entlassen worden war. Bald darauf soll er erneut verhaftet worden sein, da seine Ex-Frau behauptet habe, anonym von ihm angerufen worden zu sein. Hierauf sei seine Bewährung widerrufen und ein Haftbefehl ausgestellt worden. Mollath schrieb:

»Kreidebleich und desorientiert traf ich ihn vor 3,5 Wochen im Hofgang. Er verstand die Welt nicht mehr.«


Ein weiterer in Mollaths Brief beschriebener Fall ist der des Herrn W., der vor einem Richter geäußert haben soll:

»Jeder andere wäre schon Amok gelaufen, bei dem, was mir passiert

Aufgrund dieser Äußerung soll ohne Gerichtsverhandlung ein Beschluss zur Einweisung des Herrn W. in die Psychiatrie erfolgt sein.


Es ist die beängstigende Erkenntnis nicht nur aus Mollaths eigenem Fall, dass reine Behauptungen offensichtlich genügen, einen Menschen unbestimmt lange in der Psychiatrie zu verräumen. Wem der Stempel des Wahnsinnigen erst einmal aufgedrückt wurde, der trägt ihn wie ein unsichtbares Schandmal, welches dafür sorgt, dass die Gesellschaft ihn dauerhaft ausspeit. Sogar scheinbare Selbstverständlichkeiten wie die Notwendigkeit, ein Urteil auf zweifelsfreie Beweise zu gründen, sind dann plötzlich obsolet. Mollath, der viele Jahre lang an viele Menschen zu diesem Thema geschrieben hat, führt weiter aus:

»Menschen, die nicht zuhören wollen. Menschen, die nicht verstehen, aber missverstehen. Mitgefangene Kinder/Jugendliche, die seit dem Kindergarten behandelt werden, bis sie nach Jahren endlich straffällig sind und in der Falle der Forensik landen.«

In der Folge nennt er die Namen dreier Jugendlicher, »teils seit dem Kindergarten in ärztlichen Händen!«, die er auf der Station FP6 kennengelernt habe. Das Alter des Jüngsten von ihnen gibt er mit 14 Jahren an.


Auf welch skandalöse Weise die Aufzucht von aussichtsreichem Nachwuchs für Psychiatrie und Forensik funktioniert, hat kürzlich übrigens ein überaus lesenswerter Artikel der taz detailliert enthüllt, den ich deshalb als ausdrückliche Leseempfehlung an den Schluss dieses Beitrags stellen möchte.


Buchneuerscheinung am 1. Dezember 2014:

Gerhard Strate
»Der Fall Mollath – Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie«

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Montag, 17. Juni 2013

Eilmeldung: Gustl Mollath – gefälschte Entlassungsanordnung

Heute um etwa 10:30 Uhr erreichte mich ein Anruf Gustl Mollaths aus dem BKH Bayreuth. Dieser berichtete, dass heute um genau 8:58 Uhr Oberarzt Dr. Michael Zappe in Begleitung des stellvertretenden Stationsleiters bei ihm erschienen sei. Die Herren verwiesen auf ein Papier, das wie eine gerichtliche Anordnung aussah, welche angeblich aus Regensburg gekommen sei und die Anordnung der sofortigen Entlassung Herrn Mollaths zum Inhalt hatte.

Wie man Herrn Mollath gegenüber zugab, hatte man die Echtheit des Schreibens nicht überprüft. Herr Mollath wählte deshalb die Nummer der Kanzlei seines Anwalts Gerhard Strate, erhielt jedoch vom hausinternen Telefonsystem die Ansage, er könne nicht mit dem Teilnehmer verbunden werden. Deshalb versuchte er, einen Anruf an die Handynummer seines Freundes Edward Braun abzusetzen, erhielt jedoch dieselbe Durchsage. So war es ihm vorerst unmöglich, die Außenwelt anzurufen, um die Mitteilung zu verifizieren.


30 Minuten lang die Freiheit vor Augen


Erst um 9:30 Uhr gelang ein Anruf in der Kanzlei Gerhard Strates, dessen Mitarbeiterin mitteilte, dass keine Meldung über die Entlassungsanordnung vorliege. Dr. Zappe, der sich inzwischen in Regensburg rückversichert hatte, teilte Mollath im Anschluss mit, der Beschluss sei eine Fälschung.

Aus der Kanzlei Strate ist hierzu Folgendes zu erfahren:

»Herr Mollath und seine Verteidigung streben seine Freilassung und Rehabilitierung nur mit rechtsstaatlichen Mitteln an, dies verbunden mit einem Höchstmaß an Transparenz der für die Freilassung sprechenden Argumente. Gleiches gilt für die Mollath unterstützende Öffentlichkeit. Die heute erfolgte Übersendung einer gefälschten Entlassungsanordnung an die Klinik in Bayreuth ist demgegenüber die kriminelle Aktion eines Agent provocateur, für den die Freiheit Mollaths einen bösen Scherz bedeutet. Die seelische Verfassung Mollaths scheint dieser Person völlig gleichgültig zu sein.«


Hierzu meine ich:
Die derart unsensible Vorgehensweise des BKH, Herrn Mollath mit der völlig ungeprüften Meldung, die noch dazu nachts (!) per Fax im BKH eingegangen sein soll, zu konfrontieren, stellt eine eigene Form der seelischen Misshandlung dar, die jeder Beschreibung spottet. Immer wieder aufs Neue ist Herrn Mollaths ausgeglichene Gemütsverfassung nur zu bewundern, die ihn derartige Vorgänge nunmehr im achten Jahr ertragen lässt.

Bericht: Ursula Prem
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Fido Buchwichtel und das Leid mit den Trollen

Hallo liebe Leute!

Da bin ich wieder:
Fido Buchwichtel
mit dem 
Bestseller der Woche
aus dem Wichtelland.

In dieser Woche wird in meinem Wichteldorf gefeiert. Nicht nur wegen der mittsommerlichen Nächte, die jedes Jahr für Festivitäten förmlich geschaffen sind. Nein, es gibt zusätzlich Grund zum Feiern. 

Erstmals seit vielen hundert Jahren ist rund um die Windrichtungen gute Luft im Dorf. Kein übler Gestank, der uns den Appetit auf leckere Bucheckerröstlinge verdirbt. Endlich können wir an den Abenden und Nächten ungestört Brauchtumpflege betreiben, ohne damit rechnen zu müssen, dass die Lustbarkeiten durch den üblen Streich eines Widerlings gestört werden. 

Jetzt möchtet Ihr Menschen sicher wissen, was geschehen ist, welcher Grund zur besonderen Freude besteht. Da möchte ich Euch nicht länger auf die Folter spannen: Unser Troll hat uns verlassen! Ist das nicht großartig? Er ist abgewandert und das hat auch mit einem Buch zu tun, das ich Euch heute vorstellen möchte.


Dieser Troll hatte gerade in der letzten Zeit immer mal wieder für Ärger gesorgt. Die Geschichten um die Wichtelschlüpfer und seine plötzliche Vorliebe für verbotene Substanzen habe ich Euch ja schon berichtet.

Bei einem seiner nächtlichen Ausflüge in eine Menschensiedlung ist ihm dieses Buch in die dreckigen Pfoten gefallen. Unsere Spähtrupps haben ihn dann ausgemacht, wie er seine verpestete Habe zusammenpackte. Er verkündete dabei laut, dass er auswandern werde. Na, das hat natürlich ein großes »Hallo« im Wichteldorf gegeben, als die Kundschafter zurückkamen und ihren Bericht ablieferten:

Der kleine Wichteltrupp hatte aus sicherer Entfernung den Troll beobachtet. Er saß, mit einem Wichtelschlüpfer auf dem Kopf vor seiner Pfeife und jammerte vor sich hin.
»Trolli will nicht mehr reich werden. Trolli will einen Freund! Trolli ist soooo eiiinsaaaam!«

Die Wichtelkollegen meinten, dass sein Gejammer und Geheule einen Stein hätte erweichen können. 
»Was ist denn mit dem passiert?«, raunten sie sich zu.

»Das dürfte vermutlich an den verbotenen Substanzen liegen, die er sich täglich reinzieht. Die Kräuterwichtelin hatte es ja schon so vorausgesehen! Der versinkt ja im Selbstmitleid!«

Der Troll wurde des Jammerns nicht müde. 
»Die letzten Krümmel sind geraucht! Trolli muss Abschied nehmen! Trolli wandert aus nach World Wide Web. Trolli findet dort viieeeeläää  Freuuundääää! Hier ist alles doooof buuh huuuu …«

Die Wichtel spitzten ihre Öhrchen. 
»Hast du verstanden, wohin der gehen will?« 
»Keine Ahnung, den Ort kenne ich nicht, aber lass uns ganz ruhig sein. Soll er ziehen wohin er will. Hauptsache er geht tatsächlich und überlegt es sich nicht anders.«

So lauerten die Wichtel, sicher versteckt hinter einem Baumstumpf, auf Trollis Aufbruch. Und tatsächlich. Der Troll schnürte sein Bündel, nahm noch mit großer Pose Abschied von seiner Müllhalde und schritt von dannen.

World Wide Web habe ich noch nie gehört. Das klingt irgendwie fremdländisch. Und es scheint dort von Trollen nur so zu wimmeln, also kommt dieses Land für uns Wichtel eh nicht infrage. Aber ich habe mich kundig getan. Natürlich sorgte ich für eine ordentliche Ausgabe des Buches. Was ein Troll einmal in seinen versifften Pranken hatte, fasst kein Wichtel mehr an.

Wie groß war meine Überraschung als ich feststellen musste, dass dieses World Wide Web der Ort ist, an dem ich immer Montags meinen Bestseller der Woche vorstelle. Ein Troll ist mir hier aber noch nicht begegnet, das hätte ich sofort gerochen.

Bei der Lektüre des Buches fielen mir keine großen Unterschiede auf. Ein Troll ist ein Troll, auch wenn er ein Forentroll ist. Das einzige, was die beiden voneinander unterscheidet, ist der furchtbare Gestank. Aber vielleicht liegt es daran, dass das www. eine Welt am Draht ist und durch den werden keine Gerüche weitergeleitet. Dafür könnt Ihr Menschen Eure Forentrollplage einfacher beenden als wir: Ihr braucht nur den Stecker zu ziehen.

Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!

Duftende Mittsommernächte wünsche ich!

Winke winke Euer

Fido Buchwichtel




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Sonntag, 16. Juni 2013

178 »Das Geheimnis der Kuppelbauten«

Teil 178 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Der Rundbau von Cuilcuilco
Foto: W-J.Langbein
Völlig übermüdet kam ich in Mexiko City mit einigen Stunden Verspätung an. Freudestrahlend empfing mich eine Lady als Guide. Leider, so schien es, waren ihre Kenntnisse der englischen Sprache nicht die besten. Jedenfalls reagierte sie nicht wirklich auf meinen Wunsch, die Überreste des runden „Kuppelbaus“ von Cuilcuilco zu besuchen. So wurden mir in einem kleinen Familienbetrieb Steinbearbeitungen vorgeführt. Ich staunte, mit welcher Schnelligkeit kleine steinerne Skulpturen fabriziert wurden, Darstellungen der Göttin Chicomeocatl, zu Deutsch »Sieben Schlangen« zum Beispiel. Kleine Figürchen aus Stein vom Coatlicue, zu Deutsch »Die mit dem Schlangenrock«, Mutter der Erde, des Mondes und der Sterne, wurden im Handumdrehen fabriziert. Ich aber wollte unbedingt Cuilcuilco sehen.

Wie der Komplex von Cuilcuilco ursprünglich ausgesehen hat? Wir wissen es nicht wirklich. Von zentraler Bedeutung war offenbar die runde Pyramide von Cuilcuilco. Man stelle sich eine riesige, runde Torte vor. Nach und nach werden runde, immer kleiner werdende Tortenscheiben aufeinander getürmt. So entsteht der Eindruck einer kuppelförmigen Torte. In der Realität war die Pyramide von Cuilcuilco alles andere als klein wie eine Torte. Die unterste Schicht hatte einen Durchmesser von fast 140 Metern und eine Höhe von fast zehn Metern. Insgesamt wurden mindestens 100 000 Kubikmeter Steine und Erdreich verbaut. 250 000 Tonnen Erdreich, so schätzt man, mussten bewegt werden.

Wann geschah dies? Vor vielen Jahrtausenden, wie angeblich geologische Untersuchungen ergeben haben? Cuilcuilco fiel nämlich einer Naturkatastrophe zum Opfer, verschwand unter unvorstellbaren Massen von Lava. Ein schweres Leichentuch von bis zu zehn Metern Dicke heute erstarrter Lava liegt über den archäologischen Rätseln. Brach der alles verwüstende Vulkan vor vielen Jahrtausenden aus? Oder ist Cuilcuilco wesentlich jünger? Eine Urform des mysteriösen Rundbaus von Cuilcuilco soll es bereits im fünften Jahrhundert v. Chr. gegeben haben.

Cuilcuilco ist bislang nur wenig erforscht. Ein Tunnel, von Archäologen in den Bau getrieben, ergab: die Rundpyramide hat so etwas wie ein steinernes »Gerippe«, bestehend aus zwei Meter hohen und einen Meter dicken Monolithen. Die Steinblöcke sind in konzentrischen Kreisen angeordnet und stecken – um ihnen bestmöglichen Halt zu gewähren – im Erdreich. Der Kern der mysteriösen Anlage soll ebenfalls aus massiven Steinquadern bestehen.

Der Bienenkorb von Quito
Foto: W-J.Langbein
Darf man die Bauweise als primitiv bezeichnen, weil weder Mörtel, noch Zement verwendet wurden? Oder beweist das Fehlen von Mörtel und Zement erstaunliche Meisterschaft in der Steinbearbeitung?

War die Rundpyramide von Cuilcuilco der Versuch eines Kuppelbaus? Außerhalb von Quito, Ecuador, hoch über der Stadt ... steht ein seltsames »Gebäude« aus, eine steinerne Kuppel ohne Fenster. Man nennt das geheimnisvolle Bauwerk »Bienenkorb«, aber auch »Kochtopf«. Fenster hat der Kuppelbau keine, nur ein kreisrundes Loch an der höchsten Stelle ... in rund sechs Metern Höhe. Knapp einen halben Meter misst es im Querschnitt. Welchem Zweck diente die Kuppel aus Stein?

Auf dem »Kuppelbau« von Cuilcuilco standen »Gebäude« aus Holz. »Tempel« seien das gewesen. Dienten sie astronomischen Beobachtungen? War der Kuppelbau von Quito so etwas wie ein Observatorium? Die Völker Zentralamerikas – etwa die Mayas – waren von der Beobachtung der Sterne geradezu besessen. Das minutiöse Beobachten von Planeten und Sternen hatte religiösen Charakter. Man wollte das Geheimnis der Zeitabläufe erforschen. Quintessenz der Kalenderwissenschaft der Mayas: Die Zeit verläuft in Zyklen. Es gibt immer wieder gewaltige Katastrophen, die ein Weltzeitalter beenden. Doch es folgt auf die Katastrophe stets ein Neuanfang.

Cuilcuilco wurde von einem gewaltigen Vulkanausbruch verwüstet. Konnten die Menschen rechtzeitig fliehen?

Auch in Indien pflegte die Elite der Wissenschaft die Kunst der astronomischen Beobachtung. Jahrtausende alt ist das indische Wissen. So soll der »Ursprung der Welt« in einem »heiligen Ei« seinen Anfang genommen haben. Wir denken an die Theorie vom »Big Bang«, wonach am Anfang das Universum auf einen Punkt – auf ein Ei – verdichtet war und sich explosionsartig ausdehnte. Schon vor drei Jahrtausenden muss es in Indien eine ausgeklügelte Astronomie gegeben haben. Waren die ersten »Tempel« in Wirklichkeit astronomische Forschungsstationen, von denen aus Planeten und Sterne beobachtet wurden?

Fest steht, dass im »Alten Indien« Gebäude errichtet wurden, die an »Himmelstreppen« erinnern – und die präzisen astronomischen Beobachtungen dienten! Leider sind die Beschreibungen astronomischen Wissens in heutiger Zeit kaum noch verständlich. Offenbar galt vor Jahrtausenden – in der sogenannten »vedischen Zeit« - das Wissen um Planeten und Sterne als eine Art Geheimwissenschaft.

Sanchi-Kuppel und Bienenkorb
Fotos: W-J.Langbein, links, und Willi Dünnenberger, rechtes Foto
In Sanchi (im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh) sprach ich mit einem Astronomen, der in Oxford studiert hatte. Hauptamtlich übersetzte der Mann vedische Texte im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojekts, mit dem Ziel die alten »Gottesdienstordnungen« aus vedischen Zeiten wieder verständlich zu machen. »Meine Arbeit ist theologischer Natur. Aber man kann nicht wirklich eine Trennlinie ziehen zwischen Religion und Wissenschaft. Was mich wirklich interessiert, das ist eine Entschleierung uralten vedischen Wissens um Planeten und Sterne. Wie wurden die astronomischen Beobachtungen durchgeführt? Wie sahen die astronomischen Werkzeuge und Instrumente aus? Wie müssen wir uns die astronomischen Observatorien aus uralten Zeiten vorstellen?«

Leider, so der kundige Übersetzer, hätten viele Wissenschaftler in Indien kein Interesse an »prosaischen Wissenschafts-Texten«. »Für Hinweise auf Jahrtausende alte Observatorien nehmen sich viele Gelehrte keine Zeit!«

Das Maya-Observatorium - Foto: W-J.Langbein
Vermutlich gab es einst kuppelförmige »Tempelbauten«, die in erster Linie der Beobachtung des Himmels dienten. So einen Kuppelbau gibt es noch in Sanchi. Er ähnelt in verblüffender Weise dem mysteriösen Bau von Quito ... oder dem Maya-Observatorium von Chichen Itza. Wie mag der »Urbau« von Sanchi ausgesehen haben? War es eine einfache Kuppel mit einem »Auge« zum Observieren? Nach und nach, so ist zu vermuten, kamen Verzierungen hinzu. Zu hinterfragen ist, wie originalgetreu moderne Archäologen den Kuppelbau von Sanchi rekonstruiert haben. Ergänzten sie mehr Zierrat, als ursprünglich vorhanden war? Oder war vor Jahrhunderten noch sehr viel mehr schmückendes Beiwerk angebracht? Sah Sanchi vielleicht so aus, wie in der Rekonstruktion auf dem Foto?

Wiederholt sprach ich ausführlich mit Robert K. G. Temple, einem Wissenschaftler, der sich intensiv mit den alten Götterkulten unserer Vorfahren auseinandergesetzt hat. Temple, 1945 in Amerika geboren, studierte an der Universität von Pennsylvanien in Philadelphia, erwarb einen akademischen Grad in Orientalistik und Sanskrit. Er ist Mitglied der »Royal Astronomical Society« und lebt in England.

Robert K. G. Temple: »Der bekannte Bibeltext spricht davon, dass Gott vom Himmel herabgestiegen sei und den Turm von Babel zerstört habe. Vom Himmel herab kamen auch die Götter der Babylonier. Meiner Meinung nach spiegeln diese mythischen Texte konkrete Erinnerungen wieder. In grauer Vorzeit kamen Außerirdische zur Erde. Sie wurden als Götter verehrt. Deshalb sollten ihre Tempel dem Himmel so nah sein, wo man die Heimat der kosmischen Besucher vermutete. Deshalb wurde im Alten Sumer Astronomie betrieben - in den Tempeln der Götter. Man wollte so viel wie möglich über ihre Heimat, die Sterne, in Erfahrung bringen.«

Mein Gesprächspartner in Sanchi - Foto: W-J.Langbein
Wie dem auch sei, ob nun Götter von den Sternen kamen oder nicht: Unsere Altvorderen haben mit religiöser Inbrunst das Geschehen am Himmel beobachtet. Der »Turm zu Babel« war wohl ebenso ein prähistorisches Observatorium wie die Kuppel von Chichen Itza, der »Bienenkorb« von Quito und der Rundbau von Cuilcuilco ... und sein Pendant von Sanchi, Indien!

Mein Gesprächspartner von Sanchi: »Ich lebe nach westlichen Standards in Armut. Ich empfinde aber ganz anders. Ich habe ein Privileg, das sich niemand mit noch so viel Geld kaufen kann. Ich darf mit den vielleicht ältesten Texten der Menschheit arbeiten! Ich lese die uralten Berichte, ich übersetze sie. Auf diese Weise wird es mir ermöglicht, wie in einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen!«

Auf Anerkennung sei er nicht aus, nur auf Erkenntnis durch eigene Arbeit. Einen Seitenhieb auf die »westliche Wissenschaft« konnte er sich nicht verkneifen. »Da studiert der junge Mensch beim alten Professor. Der Professor fördert ihn nur, wenn er die Ansichten des Professors geradezu nachbetet. Irgendwann wird der junge Student zum Professor. Dann müssen wiederum die Studenten bestätigen, was er verkündet. Neue Erkenntnisse setzen sich nicht durch! Oder nur schwer!«

Was denn seiner Meinung nach das große Hindernis auf dem Weg zur Erkenntnis sei, wollte ich wissen. »Der materielle Reichtum! Wer nach Anerkennung und Gewinn strebt, der verliert das Ziel des wissenschaftlich suchenden Menschen aus den Augen ...«

»Von Büchern aus Stein«,
Teil 179 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23.06.2013


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Freitag, 14. Juni 2013

Gustl Mollath: Die Eule der Minerva – Freitagskolumne von Ursula Prem

Vor einigen Tagen erschien in der Druckausgabe des Nordbayerischen Kuriers ein Artikel aus der Feder Gustl Mollaths. Das Dokument, dessen Inhalt es in sich hat, bezog sich auf zwei über Mollath erschienene Artikel vom 27./28. April 2013 (»Zweifel an Mollath mehren sich« sowie »Die andere Seite des strahlenden Siegers«) und ist dem Wesen nach eine veritable Gegendarstellung, mit der sich bereits das stets lesenswerte Opablog näher beschäftigt hat.

Der Nordbayerische Kurier verzichtete auf den ausdrücklichen Hinweis »Gegendarstellung«, druckte Mollaths Beitrag jedoch in leicht gekürzter Form mit einer Länge von insgesamt 168 Zeilen dennoch ab. Hierzu führt ein Redakteur aus:

CRedakteur-job  
@Mein Name: Wir haben keine "Gegendarstellung" abgedruckt, wir mussten dies auch nicht tun. Wir haben nach Rücksprache mit Anwalt Dr. Strate Herrn Mollaths Entgegnung völlig freiwillig, aus Fairnessgründen und im Sinne der Meinungsvielfalt in einer gekürzten Version veröffentlicht. Im "Opablog", dem Zentralorgan der Mollath-Fans, steht - wie so oft - ausgemachter Blödsinn. Wenn Sie's nicht glauben, fragen Sie Anwalt Strate. [Quelle]

  
Argumentative Kaninchenköttel

Dem Vernehmen nach stellte das Medium sich auf den Standpunkt, es handle sich nicht um eine Gegendarstellung im presserechtlichen Sinne, da eine Reihe von Formerfordernissen nicht erfüllt gewesen seien. Da fragt sich der aufmerksame Leser: Wenn es sich um keine Gegendarstellung handelt, was ist der Beitrag dann?, um unweigerlich zu dem Schluss zu kommen: Es handelt sich um einen fulminanten Gastartikel, der für einen Tag lang einen erfreulich frischen, investigativen Wind in den Nordbayerischen Kurier brachte.

Schon ehe mir die argumentativen Kaninchenköttel bezüglich Gegendarstellung oder nicht bekannt wurden, richtete ich folgende Mail an den Nordbayerischen Kurier, zu Händen von Herrn Chefredakteur Joachim Braun:







Sehr geehrter Herr Braun, 
erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Gegendarstellung von Gustl Mollath zu den von Otto Lapp zu seinem Fall verfassten Artikeln im Nordbayerischen Kurier erschienen ist. Damit wurde nicht nur das Recht auf Gegendarstellung gewahrt, sondern ganz nebenbei erhielt der Nordbayerische Kurier so einen recht umfangreichen und absolut lesenswerten Artikel von, wenn ich richtig gezählt habe, insgesamt 168 Zeilen. 
168 eigenhändig von einer Person des öffentlichen Interesses verfasste Zeilen stellen im Normalfall einen beträchtlichen Mehrwert für ein kommerzielles Medium dar, selbst dann, wenn der Schreiber eine Gegenposition zu den Aussagen der Redaktion einnimmt. Auch wenn es wahrscheinlich nicht das Übliche ist, für eine Gegendarstellung ein Zeilenhonorar zu entrichten, so wäre es in diesem Fall meiner Ansicht nach angemessen und alleine vom Umfang und Informationsgehalt des Artikels her gerechtfertigt.
Frage: Wäre Ihre Zeitung bereit, Gustl Mollath ein entsprechendes Honorar zukommen zu lassen? Da es sich bei Gustl Mollath, wie schon erwähnt, zweifellos um eine Person des öffentlichen Interesses handelt, wäre meiner Ansicht nach mindestens eine Verdopplung des üblichen Zeilenhonorars ins Auge zu fassen. Da Herr Mollath mit dem wenigen "Taschengeld", das ihm zur Verfügung steht, kaum seine horrenden Kosten für Telefon, Schreibmaterial und Briefmarken decken kann, würde eine gewisse Großzügigkeit vonseiten Ihres Mediums der Sache gut zu Gesicht stehen. 
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe 
mit freundlichen Grüßen 
Ursula Prem  
 
Bis heute habe ich leider keine Antwort auf diese Anfrage vom 8. Juni erhalten. Der mir vorliegende Originaltext Gustl Mollaths jedenfalls umfasst einen Umfang von 13 handbeschriebenen Seiten, deren Erstellung mit Sicherheit mehrere Stunden erforderte. Mollath, der mir bei meinem Besuch in Bayreuth am 11. Mai 2013 eine ziemliche Schwellung an einem Gelenk des Mittelfingers seiner rechten Hand zeigte (genau dort, wo der Stift beim Schreiben eindrückt, da man noch immer eine Schreibmaschine verweigert), dürfte mit der Abfassung dieses Artikels, der angeblich keine Gegendarstellung sein soll, seinen Kampf gehabt haben.

Da es, wie wir inzwischen alle wissen, heutzutage en vogue zu sein scheint, mit den Leistungen von Untergebrachten ordentlich Kasse zu machen, wundert mich das Schweigen der Chefredaktion in Bezug auf meine Mail jedoch nicht wirklich.


Das alles ist nicht mehr zu unterbieten? – Doch!

Wie durchschaubar die mediale Strategie von Chefreporter Otto Lapp im Fall des Gustl Mollath ist, ergibt sich auch aus dem Veröffentlichungsdatum seines Artikels »Mollaths Ex-Frau bricht ihr Schweigen«, der am 10. Juni 2013 das Licht der Welt erblickte, genau einen Tag vor Mollaths Anhörung vor dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags. Nachdem Frau Ex-Mollath sich Medienanfragen bisher konsequent verweigert hatte, schien sie nun die Zeit für gekommen zu halten, ein wenig nachzulegen, ihre damaligen Aussagen um neue Versionen zu ergänzen und sicherheitshalber gleich noch ein paar anonyme angebliche Zeugen ins Feld zu führen. Die immer inspirierende ehemalige Oberstaatsanwältin Gabriele Wolff bringt es in ihrem Blog wieder mal auf den Punkt:

»Das ist eben auch so ein Glaubhaftigkeitsmangel: die Inkonstanz der Aussagen. [...]« [Quelle] 

Natürlich wurde die unterste Schublade von Otto Lapp auch am eigentlichen Tag der Anhörung nochmals bemüht. Am 11. Juni 2013 schrieb er:

»8.08 Uhr: „Herr Mollath, was sagen Sie?" Aber Herr Mollath sagt nichts. Wortlos steigt Gustl Mollath (56), wie immer bei öffentlichen Auftritten in der gleichen ärmlichen Kleidung, in den grauen VW-Bus der Polizei, der ihn nach München zum Untersuchungsausschuss bringt. Am Nachmittag wird er als Zeuge dort gehört, weil er behauptet, zu Unrecht in der Psychiatrie zu sitzen. Fotograf und Reporter des Nordbayerischen Kurier würdigt er mit keinem Blick. [...]« [Quelle]

Sollte die Redaktion des Nordbayerischen Kuriers sich entschließen, Gustl Mollath für die von ihm verfasste Nichtgegendarstellung das angemessene Honorar zu zahlen, so könnte sich dieser vielleicht nach über sieben Jahren auch mal neue Kleidung kaufen. Warum Otto Lapp jedoch solche Probleme mit von ihm so genannter angeblich »ärmlicher« Kleidung hat, erschließt sich mir nicht wirklich: Wie sich aus obigem kurzem Zitat ergibt, ist sein ärmliches Geschreibsel zigfach schlimmer, ohne dass ihn das nur im Geringsten anfechten würde.


Pharma-Publizistenpreisträgerin Beate Lakotta legt nach

Da mediale Strategien nur dann wirksam sind, wenn sie von mehreren Seiten kommen, sprang Beate Lakotta  vom SPIEGEL auf den Zug auf und kolportierte viele der Aussagen des Nordbayerischen Kuriers. Dass die Mollath-Berichterstattung der Preisträgerin des von der Pharmaindustrie gestifteten »Lilly Schizophrenia Reintegration Awards« von merkwürdigen Motivationen getrieben zu sein scheint, hatte sich schon im Dezember 2012 herausgestellt.




Auch die Vertreter aus dem Psychiaterlager lassen sich nicht lumpen, wenn es darum geht, auf Kosten Gustl Mollaths mit Entsetzen ihre Scherze zu treiben: »Unser Gustl: Realität, Wahn, Justiz und Medien« heißt denn auch ein maßgebliches Thema des 17. Forensisch-Psychiatrischen Fallseminars, das vom 2. - 4. September in Potsdam stattfinden soll. Es referieren Prof. Dr. med. Hans-Ludwig Kröber und Dr. med. Klaus Leipziger. Auch diese rotzige Ankündigung wurde ganz zufällig am Tag von Mollaths Landtagsanhörung bekannt. Erst nach massiven Protesten in Sozialen Netzwerken wurde das Dokument, welches auf der Website der angeblich als seriös geltenden Berliner Charité zu finden war, ausgetauscht. Aus »Unser Gustl« wurde »Der Fall Gustl Mollath«. Ob man wohl eingesehen hat, dass die 490 € teure Teilnahme an der »Fortbildungsveranstaltung« mit Fleißkärtchenbonus an Ansehen einbüßt, wenn offensichtlich wird, dass die Zwangspsychiatrie in Wirklichkeit nichts anderes ist als institutionalisiertes Mobbing? 

»Die Eule der Minerva - so Hegel - beginnt ihren Flug erst in der Dämmerung.
Und die Wahrheit hat ihren frühen Abend bald gefunden.
Der Tag, an dem Mollath aus der Haft entlassen wird,
liegt nach meiner festen Überzeugung eher in der Nähe als in der Ferne.«

Quelle: Rechtsanwalt Gerhard Strate im Blog von Gabriele Wolff
Foto Eule: GNU-Lizenz; Screenshot: openpetition 

Die durchschaubare Kampagne zeigt bereits Wirkung, jedoch auf ganz andere Weise, als ihre möglichen Nutznießer sich das vorgestellt haben mögen, denn die Eule der Minerva setzt nun zu ihrem Flug an: Viele bisher Abwartende beginnen inzwischen zu begreifen, wie fein gesponnen diese unvorstellbar infamen Vorgänge sind und entschließen sich zum Zeichnen der Onlinepetition für Gustl Mollath. Diese konnte nach einem weiteren sprunghaften Anstieg am 13. Juni 2013 um 13:05 Uhr bereits 20.213 Unterstützer verzeichnen. Noch 87 Tage bleiben dazu Zeit. Bitte helfen auch Sie mit, dass das neu gesteckte Ziel des Petenten, eine Anzahl von 100.000 Unterstützern für Gustl Mollath zu gewinnen, nicht nur erreicht, sondern sogar noch übertroffen wird: Zeichnen Sie die Petition für Gustl Mollath!




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