Freitag, 25. Oktober 2013

Mitten in Deutschland: 38 Jahre Zwangspsychiatrie

Freitagskolumne von Ursula Prem

In die bizarre Welt der forensischen Psychiatrie hatte die Öffentlichkeit bislang kaum einen Einblick. Erst die Geschichte von Gustl Mollath zerrte die himmelschreienden Missstände in diesem Bereich ans Licht, sodass auch Mainstream-Medien nun zumindest partiell ihre weitgehende Sprachlosigkeit überwinden und den Finger in offene Wunden legen.

Dass es auch in der Allgemeinpsychiatrie unvorstellbare, absolut rechtsfreie Räume gibt, enthüllte diese Woche ein für die sonstigen Gepflogenheiten dieses Magazins erstaunlich investigativer Report des FOCUS: Demnach wird der heute 56-jährige Manfred Müschenborn seit nunmehr über 38 Jahren in der Akut-Abteilung des Nervenkrankenhauses Warstein festgehalten. Grund: Müschenborn leidet unter einer schweren Form des Tourettesyndroms, einer Krankheit, die sich durch unkontrollierbares Ausstoßen von Beschimpfungen und jähe aggressive Gebärden äußert, was für Außenstehende weitaus gefährlicher wirkt als es ist. Eine Diagnose, zu der die »behandelnden Ärzte« offenbar unfähig waren: Als »Monster von Warstein« verschwand Müschenborn bereits im Alter von 18 Jahren hinter Klinikmauern, wo er bis heute sein Dasein fristet: Die jahrzehntelange »psychiatrische Behandlung« hat längst derartige Schäden gesetzt, dass an ein Leben in Freiheit nicht mehr zu denken ist.

Welcher Willkür derartige Opfer der Zwangspsychiatrie ausgesetzt sein können, zeigt laut FOCUS ein Bericht von Müschenborns Anwälten, die ihren Mandanten nicht nur in völlig verwahrlostem Zustand vorfanden: Ein T-Shirt mit der Aufschrift »Ich bin nicht zu erziehen« sollte sie wohl von der Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen in Sachen Müschenborn überzeugen. Dringende Leseempfehlung deshalb für diesen beklemmenden FOCUS-Beitrag, den jeder Bürger kennen sollte, der sich bisher nicht vorstellen konnte, was hierzulande alles möglich ist.

Während Teile der Mollath-Unterstützerszene nun Nabelschau betreiben und auf der Suche nach einer »ideologisch gefestigten Position« (*kotzwürg*) nebst passender Feindbilder im Kampf gegen das Unrecht sind, sollte der Blick lieber weiterhin konsequent auf die nach wie vor stattfindenden Menschenrechtsverstöße mitten in unserem Lande gelenkt werden: Nebulöse Ablenkungsversuche und Beschwichtigungsadressen im Gutmenschensprech sind dabei wenig hilfreich.



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Kommentare:

  1. Sehr geehrte Frau Prem,
    danke für Ihren Kommentar. Ich habe den Focus-Artikel gelesen, bereits früher von dem Fall vernommen. Es tut gut, wenn nun Teile der Presse den Mut haben, in Folge des Falles "Mollath" nun andere Schicksale weiter zu thematisieren. Der Fall zeigt aber auch erschreckend, wie knapp Herr Mollath einer Zwangsmedikamentierung durch die von der Klinikleitung und Juristen geplanten "Betreuung" entgangen ist. Erschreckend, wie das neue Betreuungsgesetz, das ja auch zu meiner Zwangsmedikamentierung führen sollte, offen von Psychiatern angewandt werden sollte, um einen Menschen auf Dauer zu schädigen, denn das sind die Folgen jahrelanger Zwangsmedikamentation. Dieser Tage hat ein Bekannter auf den indischen Denker, Yogi und Philosophen Sri Aurobindo hingewiesen. Er warnte vor einem Deutschland, dessen Geist auch nach dem Sieg über Hitler, erneut sich dem Ungeist zuwenden könnte. Es scheint, als würde dieser Ungeist immer noch sein Wesen in Deutschland treiben, in neuen Gewändern, in einzelnen Männern in schwarzen und weißen Roben und nur einzelne Anwälte haben den Mut, sich dem entgegenzustellen, aber auch einzelne Richter und Psychiater sehen ihren Irrtum ein, der durchaus als "System" von der früheren bayerischen Justizministerin verteidigt wurde. Wer das "Denken" mit Psychopharmaka ändern will, wie es ja auch Herrn Mollath "blühte", der verhält sich, wie es Aurobindo als Warnung für Deutschland hinstellte. "Wir" tragen gemeinsam Verantwortung. Es tritt ein Wandel ein. "Die da oben", können mit ihrer Selbstherrlichkeit, mit denen Völker und Nationen sich gegenseitig aufhetzten, nicht mehr so fortfahren. Herr Mollath hatte seinen individuellen Grund, aus der Katholischen Kirche auszutreten, ein Akt, nicht nur Demonstration für den Frieden..... .
    Fand gestern ein Video mit einem Interview mit Petra Heller, deren Schicksal bereits vor Jahren betroffen machte. Auch Psychiatrie spielt eine wesentliche Rolle. Das Drama hat auch mit Gerichten in Bamberg zu tun:

    http://www.alpenparlament.tv/video/jugendamt-hilfe-oder-mafia/

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  2. Wir wollen viel, viel mehr als die Herstellung von Recht in ein paar Fällen, UP.

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    1. Na dann legen Sie los! Mit dem Wollen ist es nun mal nicht getan!

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    2. Hallo, Frau Prem, mich erreichte eben die Nachricht, dass Frau P.H. heute verstorben sein soll. Kann es leider noch nicht verifizieren. Es wäre ein Jammer....

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  3. Leider stimmt es:
    http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=3324

    Bereits am 13.10.2013.

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  4. DAnke. "Die jahrzehntelange »psychiatrische Behandlung« hat längst derartige Schäden gesetzt, dass an ein Leben in Freiheit nicht mehr zu denken ist."
    Diesen Satz, so finde ich, sollte man nicht unkommentiert uebernehmen, stehen lassen oder selbst benutzen.
    Wer sind wir, dies zu beurteilen, entscheiden, fuer jemanden anderen?
    Jeder Mensch denkt an ein Leben in Freiheit, und fuer jeden Menschen ist daran zu denken.
    Er, wie jeder andere Mensch auch, braaucht dafuer bestimmte Mittel.
    Wenn Herrn Mueschenborn 38 Jahre seines Lebens gestohlen wurde, ist die Verantwortung um 38 mal hoeher als fuer jemanden der 1 Jahr ungerechtfertigt weggesperrt wurde.
    Die Finanzierung koennte man bspw. statt der beiden neuen parlamentarischen Vizepraesidentenposten mobilisieren - die wohl kaum wichtiger ist als die Freiheit von Manfred Mueschenborn.

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    1. @Anonym: Danke für Ihren Kommentar. Sie haben recht: Freiheit für Herrn Müschenborn sollte natürlich das höchste Ziel sein! Ihre Bemerkung zur Finanzierung jedoch legt bereits nahe, um welche Freiheit es sich ganz konkret wohl handeln würde: Eine "Freiheit", in der sich Sozialarbeiter und Betreuer die Klinke in die Hand geben. Das beeindruckende Ergebnis von über 20 Jahren psychiatrischer Behandlung bestand laut dem FOCUS-Artikel schon vor 16 Jahren aus schweren sekundären Schäden und starkem Hospitalismus. Dass sich dies inzwischen geändert hat, zu dieser Hoffnung gibt das Fazit des Artikels leider keinerlei Anlass.

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    2. @Anonym
      Es ist toll das sie so denken! Vielen Dank dafür. Herr Manfred Mueschenborn wird auf seinem Weg in die Freiheit neben finanziellen Hilfen auch jemanden benötigen der sich um ihn kümmert.
      Danke das sie Herrn Mueschenborn helfen wollen sich an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen.
      Wenn nur alle Menschen so selbstlos wären.

      Deali

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  5. Liebe Frau Prem! Wie traurig wahr.
    Aber es kann nicht angehen, dass diejenigen, die jemand so kaputt behandeln, dass er nicht mehr alleine kann, dies dann auch noch als Grund nehmen ihm weiter die Freiheit zu rauben. Dass die Kosten fuer eine Betreuung und Unterstuetzung in Freiheit ein Vielfaches hoeher sein moegen, sollte das Problem der Verantwortlichen (Verursacher) sein. Aber unrechtmaessige Freiheitsberaubung und Zerstoerung der Persoenlichkeit als Argument oder Rechtfertigung fuer weitere Freiheitsberaubung das tut wirklich weh.

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  6. Ich als Spender für Mollath fühle mich nicht nur von zwielichtigen Vereinen "zusammengeschlossener bayrischer Bildungsinitiativen" (was für sich genommen schon ungeheuer abenteuerlich kingt,insbesondere,liest man das viele wirre Zeug auf den entsprechenden Internetauftritten) betrogen,denn hätte dieser Verein mit seinem Herrn Letsch in dessen Vokabular auf der Seite Gustl-for-help geworben,hätte ich wie so viele nicht gespendet - das wirft genug deutliches Licht auf die Richtigkeit der Ausführungen Strates hierzu! Manch einer versteht den Begriff Verein offensichtlich mit "vereinnahmen" vorsätzlich falsch...
    Ich fühle mich insbesondere auch von Blogs wie dem "Opa-Blog" massiv veralbert und mißbraucht -vereinnahmt,denn die Meinungsmache dort beruht auf einer gezielten Zensur und Löschung aller unliebsamen Kommentare und Meinungen,welches insofern zu einer massiven Meinungsverzerrung der Seite Gustl-for-help führt. Der arrogante selbstherrliche Ehrgeiz desjenigen Blogbetreibers diskrediert dadurch nicht nur Mollath und Strate gezielt und bösartig,sondern auch alle Andersdenkenden,deren Meinung zur Veröffentlichung nach eigener Manier nicht willkommen ist. Dieses niedere verlogene Niveau von Beginn an den an der Seite Gustl-for-help Anteilnehmenden Lesern und Beteiligten in dieser schweren Form der Verzerrung verschwiegen bedeutet einen eklatanten Vertrauensmißbrauch - nach den Erkenntnissen der letzten Wochen bereue ich zutiefst dermaßen Zeit und Engagement in der Sache Mollath mit der Beschäftigung dieses Blogs vergeudet zu haben in der Erkenntnis, Mollath wäre allein mit Strate von Beginn an am besten geholfen gewesen, denn diesem ist als einzigem die korrekte bis zur Brillianz reichende juristische Aufarbeitung mit der Folge der Freilassung zu verdanken. Alles was aktuell geschieht hat nicht Mollath oder Strate zu verantworten sondern deren Umsicht und Genauigkeit ist unverändert bewundernswert und vollkommen richtig. Die sich egoistisch und vereinnahmend als angebliche Helfer und Unterstützer mit ewiger Dankenserwartung aufspielende Gemeinde dieses Blogs litt und leidet offensichtlich an ernstzunehmenden persönlichen Problemen bis hin zu weltweiter Verschwörungstheorie - im Gegensatz zu Mollath dessen Vermutungen von begrenzter Verschwörung sicher zutrafen gleitet der Tenor dieses Blogs ins wirklich krankheitswertige ab...das ist nicht mehr ertragbar und deswegen verabschiede ich wie auch so viele andere sich ab sofort von der Bühne weiteren Engagements-Mollath wird mit der Beendigung massivstem Unrechts nun in der Lage sein,sein weiteres Schicksal zu bestimmen. Die aberwitzige Meinungsmache dieses Blogs allerdings schadet Mollath gezielt,weil dieser sich unverändert bewundernswert charakterfest nicht vor fremde Karren spannen läßt,das ist widerlich und verwerflich!

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  7. Frau Prem, gibt es körperliche Symptome des von Ihnen als Krankheit bezeichneten Tourettesyndroms?

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    1. Herr Dian,

      die Symptome wurden von Frau Prem oben im Artikel kurz zusammengefasst.
      Es finden sich auch diverse ausführliche Erläuterungen dazu im Internet.
      Wenn alles nichts nützt: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

      Marten S.

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    2. Herr Marten S., was ist denn bitte an "unkontrollierbarem Ausstoßen von Beschimpfungen und jähen aggressiven Gebärden" körperlich und zudem krank?

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    3. Hallo Dian, aufgrund unserer unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Vorgänge rund um das Mollath-Spendenkonto kann ich gut verstehen, dass Sie nun auf der Suche nach Nebenkriegsschauplätzen sind. Ich darf Sie dringend bitten, den immensen Leidensdruck von Tourettebetroffenen nicht für Derartiges auszunutzen. Sollten Sie mir etwas Konkretes zu dem Sie eigentlich interessierenden Thema sagen wollen, so tun Sie das ruhig, und zwar am besten hier:

      http://www.ein-buch-lesen.de/2013/10/gustl-mollath-spendengelder-und.html

      UP

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  8. Zitat Winfried Sobottka:"Was ich dem Gustl Mollath wirklich übel nehme ist, dass er stets in den Vordergrund gestellt hatte, dass er für alle Unrechtsopfer kämpfen wolle, was sich nun als Täuschungsmanöver herausstellt. Im Grunde ist Mollath ein Unterstützungsbetrüger, der sich in vielen Fällen Unterstützung durch Täuschung erschlichen hat."
    Das ist eine der lächerlichsten Begründungen falscher Unterstützer weil nur deshalb Unterstützer,weil Mollath in eigener Manier versklaven und benutzen wollen, die begründen soll, das Mollath irgendwelche Verträge mit eindeutig rechtswidrigem Charakter unterschreiben soll. Wer solche Unterstützer hatte und hat, braucht keine Feinde mehr...pfui Teufel United Anarchists,mit solcher "Gesinnung" auch noch öffentlich einsehbare Foren zu beschmutzen und aufrichtige Bewunderung für Mollath und Strate,diese Winkelzüge falscher Unterstützer feinsinnig durchschaut und richtig reagiert zu haben.
    Mollath kämpft unverändert für ALLE Unrechtsopfer, INDEM er diesen Vertrag nicht unterschrieb und die zugrundeliegende rechtswidrige Gesinnung oder Inkompetenz zur Anzeige brachte, wenn die falschen Unterstützer an der zutiefst aufrichtigen und menschlichen Vernunft das endlich begreifen zu können angekommen sind, hätten sie die Chance ihrer angeblichen "Sache" wieder näher zu kommen. In jedem Fall ist die Kritik- und Selbstkritikunfähigkeit Vorraussetzung von Verblendung und hier trennt sich nun erwartungsgemäß die Unterstützergemeinde in Spreu und Weizen...

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