Sonntag, 9. Juni 2013

177 »Kosmischer Plan und Weltuntergang«

Teil 177 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Gigantische Steintore
Fotos: W-J.Langbein
Das Allerheiligste von Vijayanagara, der priesterlich-sakrale Bereich, war einst von Monstermauern umgeben. Die mächtigen Wände sind weitestgehend verschwunden. Staunend stehe wir vor den Überresten, die allenfalls erahnen lassen, welche gigantischen Steinmassen da einst verbaut worden sind! Königliche und Himmlische sollen sich hier einst getroffen haben. Himmlische Wesen und mächtige Menschen begegneten einander.

Gut fünf Meter hohe, tonnenschwere Steintore sind erhalten geblieben. Wie hat man sie wohl in die Senkrechte gestellt? Und wie wurden sie aufgehängt? Das Türscharnier muss gewaltige Gewichte getragen haben ... Diese Monstertüren deuten auf echte Monstermauern hin. Und was geschah hinter den Mauern? Wie begegneten die Mächtigen, die vom Himmel stiegen, den mächtigen Vertretern der Menschen?

Um 1500 n. Chr. Wurden Grundregeln der Baukunst schriftlich festgelegt. Vastu Vidya ist aber sehr viel älter. Nach manchen Quellen kannten die Wissenden schon vor sieben Jahrtausenden da Geheimnis, wie der Mensch seinen Lebensraum gestalten muss, um die unsichtbaren Kräfte zu nutzen – für Bauwerke, in denen man gesund leben kann. Viele Generationen lang war das uralte Wissen nur Eingeweihten zugänglich.

Andreas Volwahsen und Gerd Mader schreiben in ihrem Werk »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains« (1): »Vastu-Vidya, die Lehre von der Architektur, war schon in vedischer Zeit eine Geheimwissenschaft. Sie wurde vom Vater auf den Sohn mündlich weitergegeben. Eine schriftliche Festlegung wurde erst im Mittelalter notwendig.«

Der Sonnentempel von Konarak - Foto: W-J.Langbein
Offen gestanden: Das kann meiner Meinung nach so nicht stimmen. Die riesigen Tempelanlagen im »Alten Indien«, steil in den Himmel ragende Tempeltürme mit gewaltigen Steinen von zig Tonnen Gewicht auf der Spitze, Tempel in Kuppelform... all das muss sorgsam auf dem Reißbrett entworfen worden sein. Es muss schriftlich fixierte Baupläne gegeben haben, bevor der erste Stein gesetzt werden konnte. Bauten wie der Sonnentempel von Konarak setzen eine fortgeschrittene Wissenschaft des Bauens voraus, allein schon was die Statik angeht. Die Architekten müssen, wenn auch nicht auf Papier, dann aber auf Palmblatt präzise Bauzeichnungen angefertigt haben ... vor dem Baubeginn.

Schon im 19. Jahrhundert haben englische Wissenschaftler eine »Archaeological Survey of India« (2) unternommen. Ob diese Expedition ihren Namen verdient hat, sei dahingestellt. Offenbar waren die Engländer, die sich als arrogante Vertreter ihrer vermeintlich wahren Zivilisation auf Erden keine Freunde machten, sehr stark an der Baukunst des »Alten Indien« interessiert. Sie befragten auch sehr intensiv indische Priester-Architekten, Sthapatis. Allerdings fand sich nicht ein einziger Wissender, der die europäischen Besucher in die Geheimwissenschaft der Baukunst einzuweisen bereit war.

Stella Kramrisch (1896-1993) verfasste eine Dissertation über »Buddhistische Skulpturen« und unterrichtete von 1921 bis 1950 an der Universität von Kalkutta. Sie konvertierte zum Hinduismus und dürfte eine der wenigen nichtindischen Wissenschaftler gewesen sein, denen ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wurde. Offenbar entdeckte Stella Kramrisch, die gebürtige Tschechin, einige alte Manuskripte über die Baukunst in Indien. In wieweit es ihr gelungen ist, die Texte zu verstehen ... wir wissen es nicht. Nach meinen Recherchen sind die Texte bis heute erst zu einem kleinen Teil ausgewertet worden!

Ausschnitt aus einem
Palmblatt mit einer Art
Bauskizze
Foto: W-J.Langbein
Für den Priester-Architekten Sthapati gibt es vor der Entstehung von Materie so etwas wie einen undefinierbaren Geist. In der Schöpfung wird das Ungeordnete und Formlose geordnet und erhält Form. Der kosmische Plan sieht vor, dass der Sthapati alles in seiner Macht stehende tut, um eine Auflösung des Geordneten zu verhindern.

Andreas Volwahsen und Gerd Mader halten fest (3): »Jede Bautätigkeit bedeutet einen neuen Sieg über die Gefahr der Auflösung und unterstützt die kosmische Ordnung. Vorausgesetzt allerdings, daß das Bauwerk im Einklang mit dieser phänomenalen … Ordnung errichtet wird.« Der Tempelbauer errichtet also nicht nur ein sakrales Gebäude als Raum der Lobpreisung und des Gottesdienstes. Sein Wirken im Einklang mit dem großen kosmischen Plan verhindert, dass sich unsere Welt einfach auflöst.

Der Priesterarchitekt schwadroniert nicht über die Allmacht der Göttlichkeit. Er verfügt über uraltes Geheimwissen über den »Kosmischen Plan«. Er weiß von der ewigen Tendenz zur Auflösung alles Existierenden ... und versucht, mit seinen Bauten eben diese geordnete Schöpfung zu stabilisieren. Es gibt eine unsichtbare Welt des Geistigen ... und unsere sichtbare Welt des Materiellen.

Jahrtausende vor unserer Zeit verkündeten in Indien Propheten – anders als im Judentum, Christentum und Islam – nicht den Willen eines Gottes. Er war vielmehr ein Forscher, ein Wissenschaftler. Seine Aufgabe bestand nicht darin unterwürfig die göttliche Macht über die Menschenhit zu verkünden. Die Seher (4) »verkünden nicht mehr den Weg zur Erlangung ihrer Gunst (der Götter!) durch Opfer oder Verehrung, sie bemühen sich vielmehr, das den Kosmos durchdringende Gesetz zu erkennen und alles Sein und Handeln in einem kausalen Zusammenhang zu sehen.«

Der Tempelbauer huldigt keinem individuellen Gott, sondern – wenn überhaupt – einem kosmischen Prinzip, dem kosmischen Plan. Die Frage der Fragen lautet: Kann auch heute noch das verborgene Wissen, das in Sakralbauten wie dem Jagannath-Tempel von Puri, Orissa, verewigt wurde ... erkannt und entschlüsselt werden? Werden wir die Steine irgendwann wieder wie ein Buch lesen können?

Der Jagannath-Tempel - Foto: W-J.Langbein
Es gilt, verborgene Gesetzmäßigkeiten, den kosmischen Plan zu erkennen ... und nicht den Willen willkürlich handelnder Götter. Niemand muss einem vermeintlich allmächtigen Gott Loblieder darbringen, der sonst vielleicht böse wird und Schaden über die Menschen bringt. Der Forschende sucht nach den Gesetzen der Natur. Das Leben soll dann nach diesen Gesetzmäßigkeiten ausgerichtet werden, nicht nach den willkürlichen Launen eines Gottes. Tagesaktuell ausgedrückt: Mit den Gesetzen der Natur leben, nicht nach den Launen einer Gottheit.

Der Tempel, gebaut nach den verborgenen Prinzipien, demonstriert: Bestand hat, was im Einklang mit den Gesetzen des Kosmos ist. Und wer die ewigen Gesetze des Kosmos kennt, der kann schließlich eins werden mit dem Geistigen. Ziel des Buddhisten ist es nicht, in einem Paradies vom Typ Schlaraffenland als Unsterblicher bis in alle Ewigkeit zu schlemmen! Er wartet weder auf saftige Trauben, noch auf liebreizende Jungfrauen. Er will alle irdischen Fesseln abstreifen und eins werden mit dem undefinierbaren Göttlichen.



In diesem Kosmos haben auch körperliche Wesen Platz, die so mächtig sind, dass man sie für Götter halten könnte. Es sind aber physische Wesen. Prof. Dr. Dileep Kumar Kanjilal ist überzeugt: Solche Wesen kamen aus den Tiefen des Alls und besuchten unseren Planeten. Ihre Vehikel werden als Vimanas bezeichnet ... und Vimanas in Stein wurden in Indien als Tempel verewigt. »Göttliche« Riesenvehikel umkreisten die Erde, sich um die eigene Achse drehend. Kleinere Vehikel pendelten zwischen den Monsterschiffen und der Erde hin und her.

Mir wurde ein Palmblatt aus einer privaten Sammlung gezeigt. Diverse Zeichnungen waren eingeritzt worden. Angeblich sind die Motive viele Jahrhunerte, wenn nicht Jahrtausende alt. Die Palmblätter vertrocken und zerfallen ... müssen also rechtzeitig immer wieder kopiert werden. Ich durfte ein Detail fotografieren ... nämlich ein kleines Vimana, so wie es sich der unbekannte Künstler vorgestellt hat!

Ein Vimana wird in einer Prozession mitgezogen. Foto W-J. Langbein
Liebe Leserin, lieber Leser! Wenn Sie diesen Beitrag lesen ... im Juni 2013 ... ist der angebliche Maya-Weltuntergangstermin längst verstrichen. Keine einzige echte Maya-Prophezeiung hat den Weltuntergang für das Jahr 2012 vorhergesagt. Es gibt aber eine konkrete Prophezeiung aus dem »Alten Indien«.

Demnach wird unsere Welt, so wie wir sie kennen, am Ende des Kaliyuga-Zeitalters, in dem wir leben, untergehen. Nicht nur unsere Welt wird ausgelöscht werden, auch das Universum ist dem Untergang geweiht.

Wer sich den Weltuntergangstermin im Kalender notieren möchte ... Das Ende des laufenden Kaliyuga-Zeitalters ist für das Jahr 428.898 n. Chr. vorgesehen.


Fußnoten
1 Stierlin, Henri (Herausgeber): »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 43
2 Etwa: »Archäologische Untersuchung Indiens«
3 Stierlin, Henri (Herausgeber): »Indien/ Bauten der Hindus, Buddhisten und Jains«, Band 9 der Reihe »Architektur der Welt«, herausgegeben von Henri Stierlin, Köln, ohne Jahresangabe, S. 44
4 ebenda, S. 10 unten und S. 11 oben

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»Das Geheimnis der Kuppelbauten«,
Teil 178 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.06.2013


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