Freitag, 14. Juni 2013

Gustl Mollath: Die Eule der Minerva – Freitagskolumne von Ursula Prem

Vor einigen Tagen erschien in der Druckausgabe des Nordbayerischen Kuriers ein Artikel aus der Feder Gustl Mollaths. Das Dokument, dessen Inhalt es in sich hat, bezog sich auf zwei über Mollath erschienene Artikel vom 27./28. April 2013 (»Zweifel an Mollath mehren sich« sowie »Die andere Seite des strahlenden Siegers«) und ist dem Wesen nach eine veritable Gegendarstellung, mit der sich bereits das stets lesenswerte Opablog näher beschäftigt hat.

Der Nordbayerische Kurier verzichtete auf den ausdrücklichen Hinweis »Gegendarstellung«, druckte Mollaths Beitrag jedoch in leicht gekürzter Form mit einer Länge von insgesamt 168 Zeilen dennoch ab. Hierzu führt ein Redakteur aus:

CRedakteur-job  
@Mein Name: Wir haben keine "Gegendarstellung" abgedruckt, wir mussten dies auch nicht tun. Wir haben nach Rücksprache mit Anwalt Dr. Strate Herrn Mollaths Entgegnung völlig freiwillig, aus Fairnessgründen und im Sinne der Meinungsvielfalt in einer gekürzten Version veröffentlicht. Im "Opablog", dem Zentralorgan der Mollath-Fans, steht - wie so oft - ausgemachter Blödsinn. Wenn Sie's nicht glauben, fragen Sie Anwalt Strate. [Quelle]

  
Argumentative Kaninchenköttel

Dem Vernehmen nach stellte das Medium sich auf den Standpunkt, es handle sich nicht um eine Gegendarstellung im presserechtlichen Sinne, da eine Reihe von Formerfordernissen nicht erfüllt gewesen seien. Da fragt sich der aufmerksame Leser: Wenn es sich um keine Gegendarstellung handelt, was ist der Beitrag dann?, um unweigerlich zu dem Schluss zu kommen: Es handelt sich um einen fulminanten Gastartikel, der für einen Tag lang einen erfreulich frischen, investigativen Wind in den Nordbayerischen Kurier brachte.

Schon ehe mir die argumentativen Kaninchenköttel bezüglich Gegendarstellung oder nicht bekannt wurden, richtete ich folgende Mail an den Nordbayerischen Kurier, zu Händen von Herrn Chefredakteur Joachim Braun:







Sehr geehrter Herr Braun, 
erfreut habe ich zur Kenntnis genommen, dass die Gegendarstellung von Gustl Mollath zu den von Otto Lapp zu seinem Fall verfassten Artikeln im Nordbayerischen Kurier erschienen ist. Damit wurde nicht nur das Recht auf Gegendarstellung gewahrt, sondern ganz nebenbei erhielt der Nordbayerische Kurier so einen recht umfangreichen und absolut lesenswerten Artikel von, wenn ich richtig gezählt habe, insgesamt 168 Zeilen. 
168 eigenhändig von einer Person des öffentlichen Interesses verfasste Zeilen stellen im Normalfall einen beträchtlichen Mehrwert für ein kommerzielles Medium dar, selbst dann, wenn der Schreiber eine Gegenposition zu den Aussagen der Redaktion einnimmt. Auch wenn es wahrscheinlich nicht das Übliche ist, für eine Gegendarstellung ein Zeilenhonorar zu entrichten, so wäre es in diesem Fall meiner Ansicht nach angemessen und alleine vom Umfang und Informationsgehalt des Artikels her gerechtfertigt.
Frage: Wäre Ihre Zeitung bereit, Gustl Mollath ein entsprechendes Honorar zukommen zu lassen? Da es sich bei Gustl Mollath, wie schon erwähnt, zweifellos um eine Person des öffentlichen Interesses handelt, wäre meiner Ansicht nach mindestens eine Verdopplung des üblichen Zeilenhonorars ins Auge zu fassen. Da Herr Mollath mit dem wenigen "Taschengeld", das ihm zur Verfügung steht, kaum seine horrenden Kosten für Telefon, Schreibmaterial und Briefmarken decken kann, würde eine gewisse Großzügigkeit vonseiten Ihres Mediums der Sache gut zu Gesicht stehen. 
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe 
mit freundlichen Grüßen 
Ursula Prem  
 
Bis heute habe ich leider keine Antwort auf diese Anfrage vom 8. Juni erhalten. Der mir vorliegende Originaltext Gustl Mollaths jedenfalls umfasst einen Umfang von 13 handbeschriebenen Seiten, deren Erstellung mit Sicherheit mehrere Stunden erforderte. Mollath, der mir bei meinem Besuch in Bayreuth am 11. Mai 2013 eine ziemliche Schwellung an einem Gelenk des Mittelfingers seiner rechten Hand zeigte (genau dort, wo der Stift beim Schreiben eindrückt, da man noch immer eine Schreibmaschine verweigert), dürfte mit der Abfassung dieses Artikels, der angeblich keine Gegendarstellung sein soll, seinen Kampf gehabt haben.

Da es, wie wir inzwischen alle wissen, heutzutage en vogue zu sein scheint, mit den Leistungen von Untergebrachten ordentlich Kasse zu machen, wundert mich das Schweigen der Chefredaktion in Bezug auf meine Mail jedoch nicht wirklich.


Das alles ist nicht mehr zu unterbieten? – Doch!

Wie durchschaubar die mediale Strategie von Chefreporter Otto Lapp im Fall des Gustl Mollath ist, ergibt sich auch aus dem Veröffentlichungsdatum seines Artikels »Mollaths Ex-Frau bricht ihr Schweigen«, der am 10. Juni 2013 das Licht der Welt erblickte, genau einen Tag vor Mollaths Anhörung vor dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags. Nachdem Frau Ex-Mollath sich Medienanfragen bisher konsequent verweigert hatte, schien sie nun die Zeit für gekommen zu halten, ein wenig nachzulegen, ihre damaligen Aussagen um neue Versionen zu ergänzen und sicherheitshalber gleich noch ein paar anonyme angebliche Zeugen ins Feld zu führen. Die immer inspirierende ehemalige Oberstaatsanwältin Gabriele Wolff bringt es in ihrem Blog wieder mal auf den Punkt:

»Das ist eben auch so ein Glaubhaftigkeitsmangel: die Inkonstanz der Aussagen. [...]« [Quelle] 

Natürlich wurde die unterste Schublade von Otto Lapp auch am eigentlichen Tag der Anhörung nochmals bemüht. Am 11. Juni 2013 schrieb er:

»8.08 Uhr: „Herr Mollath, was sagen Sie?" Aber Herr Mollath sagt nichts. Wortlos steigt Gustl Mollath (56), wie immer bei öffentlichen Auftritten in der gleichen ärmlichen Kleidung, in den grauen VW-Bus der Polizei, der ihn nach München zum Untersuchungsausschuss bringt. Am Nachmittag wird er als Zeuge dort gehört, weil er behauptet, zu Unrecht in der Psychiatrie zu sitzen. Fotograf und Reporter des Nordbayerischen Kurier würdigt er mit keinem Blick. [...]« [Quelle]

Sollte die Redaktion des Nordbayerischen Kuriers sich entschließen, Gustl Mollath für die von ihm verfasste Nichtgegendarstellung das angemessene Honorar zu zahlen, so könnte sich dieser vielleicht nach über sieben Jahren auch mal neue Kleidung kaufen. Warum Otto Lapp jedoch solche Probleme mit von ihm so genannter angeblich »ärmlicher« Kleidung hat, erschließt sich mir nicht wirklich: Wie sich aus obigem kurzem Zitat ergibt, ist sein ärmliches Geschreibsel zigfach schlimmer, ohne dass ihn das nur im Geringsten anfechten würde.


Pharma-Publizistenpreisträgerin Beate Lakotta legt nach

Da mediale Strategien nur dann wirksam sind, wenn sie von mehreren Seiten kommen, sprang Beate Lakotta  vom SPIEGEL auf den Zug auf und kolportierte viele der Aussagen des Nordbayerischen Kuriers. Dass die Mollath-Berichterstattung der Preisträgerin des von der Pharmaindustrie gestifteten »Lilly Schizophrenia Reintegration Awards« von merkwürdigen Motivationen getrieben zu sein scheint, hatte sich schon im Dezember 2012 herausgestellt.




Auch die Vertreter aus dem Psychiaterlager lassen sich nicht lumpen, wenn es darum geht, auf Kosten Gustl Mollaths mit Entsetzen ihre Scherze zu treiben: »Unser Gustl: Realität, Wahn, Justiz und Medien« heißt denn auch ein maßgebliches Thema des 17. Forensisch-Psychiatrischen Fallseminars, das vom 2. - 4. September in Potsdam stattfinden soll. Es referieren Prof. Dr. med. Hans-Ludwig Kröber und Dr. med. Klaus Leipziger. Auch diese rotzige Ankündigung wurde ganz zufällig am Tag von Mollaths Landtagsanhörung bekannt. Erst nach massiven Protesten in Sozialen Netzwerken wurde das Dokument, welches auf der Website der angeblich als seriös geltenden Berliner Charité zu finden war, ausgetauscht. Aus »Unser Gustl« wurde »Der Fall Gustl Mollath«. Ob man wohl eingesehen hat, dass die 490 € teure Teilnahme an der »Fortbildungsveranstaltung« mit Fleißkärtchenbonus an Ansehen einbüßt, wenn offensichtlich wird, dass die Zwangspsychiatrie in Wirklichkeit nichts anderes ist als institutionalisiertes Mobbing? 

»Die Eule der Minerva - so Hegel - beginnt ihren Flug erst in der Dämmerung.
Und die Wahrheit hat ihren frühen Abend bald gefunden.
Der Tag, an dem Mollath aus der Haft entlassen wird,
liegt nach meiner festen Überzeugung eher in der Nähe als in der Ferne.«

Quelle: Rechtsanwalt Gerhard Strate im Blog von Gabriele Wolff
Foto Eule: GNU-Lizenz; Screenshot: openpetition 

Die durchschaubare Kampagne zeigt bereits Wirkung, jedoch auf ganz andere Weise, als ihre möglichen Nutznießer sich das vorgestellt haben mögen, denn die Eule der Minerva setzt nun zu ihrem Flug an: Viele bisher Abwartende beginnen inzwischen zu begreifen, wie fein gesponnen diese unvorstellbar infamen Vorgänge sind und entschließen sich zum Zeichnen der Onlinepetition für Gustl Mollath. Diese konnte nach einem weiteren sprunghaften Anstieg am 13. Juni 2013 um 13:05 Uhr bereits 20.213 Unterstützer verzeichnen. Noch 87 Tage bleiben dazu Zeit. Bitte helfen auch Sie mit, dass das neu gesteckte Ziel des Petenten, eine Anzahl von 100.000 Unterstützern für Gustl Mollath zu gewinnen, nicht nur erreicht, sondern sogar noch übertroffen wird: Zeichnen Sie die Petition für Gustl Mollath!




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Kommentare:

  1. Liebe Frau Prem,
    vor einiger Zeit hatte ich einmal zu Ihrer hochwichtigen Kolummne kommentiert: "Was aber hätte (...) ein Bundespräsident Heinemann veranlasst?"
    Herr Gauck weiss als ehemaliger Chef der Behörde seines Namens alles, was man über Zersetzungsstrategien nur wissen kann, und stellt deshalb die Freiheit unter allen Menschenrechten an die erste Stelle. - Gustl Mollaths verzweifelter Notschrei/Gnadenapell, die endlose Tortur zu beenden: Verlegung in ein normales Gefängnis, das ihm das biologische Minimum gewähren würde, einen normalen Nachtschlaf!!!
    Es wird höchste Zeit, dass Herr Gauck sich rührt, wenn er es denn ernst meint. (Er kennt den Fall; irgendein Weg, die schlimmsten Übel sofort abzustellen, müsste sich unbürokratisch finden lassen.)
    Ich bin tief verzweifelt (und doch voller Hoffnung) und schließe Gustl Mollath in meine Gebete ein.
    Herzliche Grüße
    A.B.

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    1. PS: Eine Anmerkung noch zur Berliner Charité:
      Diese war in jüngerer Zeit Tatort einer ungeheuerlichen Mordserie an alten und gebrechlichen Patienten der Kardiologie, begangen von einer Krankenschwester als Herrin über Leben und Tod. (Na, Herr Professor Kröber, fällt das nicht eher in Ihr Fach?)
      Was dann folgte, war sture, hartleibige Vertuschung der Verantwortlichkeiten gegenüber den Angehörigen seitens dieser "renommierten" Einrichtung. - Wer genauer nachlesen möchte, lese dieses erschütternde Buch, geschrieben von einer Angehörigen:

      Arlt, Judith: "Entlassen nach: Tod - Todesfalle Krankenhaus. Eine wahre Geschichte"
      MVG (Moderne Verlagsges.), 2008, ISBN 3-636-06357-X

      (Leider anscheinend nur noch antiquarisch erhältlich.)

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    2. Hallo A.B.
      Gustl Mollath kann in kein Gefängnis verlegt werden, dazu muss er rechtskräftig verurteilt sein und das ist er nicht.

      Joachim Gaucks Verhalten in dieser Sache liegt mir auch wie ein Stein im Magen. In den #News von »Ein Buch lesen!« habe ich darum die linke Navileiste ergänzt: http://www.ein-buch-lesen.com

      Zitat: »...und nicht vergisst, dass die Freiheit der Erwachsenen Verantwortung heißt.« Zitatende
      Es macht mich sehr traurig, dass sich Joachim Gauck scheinbar das Zitat des preußischen Kulturpolitikers Friedrich Althoff (1839–1908) zueigen zu machen scheint: »Was gebe ich auf mein dummes Geschwätz von gestern!«

      Liebe Grüße
      Sylvia B.

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    3. Liebe Autorin (Sylvia B.),
      vielen Dank für Ihre freundliche Replik.
      Ich sagte ganz bewusst "unbürokratisch" und erinnerte an Gustav Heinemann. - Einem Bundespräsidenten und seinem Büro steht sehr viel mehr zu Gebote als man meint, unauffällig hinter den Kulissen etwas gerade zu ziehen, wenn er denn will! So wurde bspw. über Heinemann erst sehr viel später bekannt, dass er sich nach dem Attentatsversuch auf Rudi Dutschke ganz persönlich um ihn und seine Familie gekümmert hat.
      Aber ich glaube, Sie wissen sehr gut, wie es mir in meinem Herzen zumute ist. - Ich wollte das nur für die Mitleser verdeutlichen, die von vorne herein resignieren, und grüße Sie herzlich.
      A.B.

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    4. Am 25. November 2012 übersandte ich eine Mail folgenden Wortlauts an das Bundespräsidialamt:

      An den
      Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
      Herrn Joachim Gauck

      Bitte um Begnadigung des Gustl Mollath

      Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

      als Bürgerin der Bundesrepublik Deutschland erlaube ich mir, mich im Falle des Nürnbergers Gustl Mollath an Sie zu wenden, der seit nunmehr fast sieben Jahren in der forensischen Psychiatrie festgehalten wird. Nachdem er den Arbeitgeber seiner ehemaligen Frau, damals Angestellte einer Nürnberger Großbank, wegen angeblich umfangreicher Schwarzgeldver­schiebungen angezeigt hatte, erstattete Frau Mollath ihrerseits Anzeige wegen angeblicher Körperverletzung gegen ihren Exmann. Die mutmaßliche Tat lag zu diesem Zeitpunkt bereits viele Monate zurück und wird von Herrn Mollath bis heute bestritten.

      Dennoch wurde Gustl Mollath im Anschluss zur unbestimmt langen Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt. Der ursprünglichen Anzeige Mollaths gegen die betreffende Bank hin­gegen sind die Ermittlungsbehörden nie nachgegangen. Im psychiatrischen Gutachten Mollaths heißt es, er habe ein »paranoides Gedankensystem in Bezug auf die Schwarzgeldgeschäfte« entwickelt, die Sache wurde zu den Akten gelegt. Allgemein bekannt wurde der Fall erst kürzlich, als ein interner Revisionsbericht der Bank zutage kam, der Herrn Mollaths Vorwürfe bestätigt!

      Nachdem ich die umfangreichen Dokumente und Videos, die zu diesem Fall im Internet kursieren, sehr sorgfältig mit eigenen Augen geprüft habe, bin ich vollumfänglich davon über­zeugt, dass Herrn Mollath ein entsetzliches Unrecht geschehen ist. Bis heute kämpft er um rechtliches Gehör und eine neutrale Prüfung seines Falls. Bei alldem lebt er seit fast sieben Jahren in völliger Ungewissheit, ob und gegebenenfalls wann er aus der Forensik entlassen werden wird.

      Aus diesem Grund möchte ich Sie höflich bitten, den Fall Ihrerseits mit eigenen Augen zu prüfen, gegebenenfalls von Ihrer Gnadenbefugnis Gebrauch zu machen und Herrn Mollaths möglichst umgehende Entlassung zu erwirken. Weiterführende Informationen zum Fall des Gustl Mollath finden Sie auf der Website seiner Unterstützer www.gustl-for-help.de sowie auf dem Online-Lexikon Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Gustl_Mollath).

      Die aktuelle Adresse Gustl Mollaths wird auf der Unterstützerwebsite folgendermaßen ange­geben: Gustl F. Mollath, derzeit gegen seinen Willen festgehalten im: Bezirkskrankenhaus Bayreuth, Station FP4, Nordring 2, 95445 Bayreuth.

      Wenn Sie, Herr Bundespräsident, die Klärung dieses Falles bewirken könnten, würde dies meiner Ansicht nach maßgeblich zum Vertrauen der Bevölkerung in unser politisches System beitragen. Aktuell scheinen mehr und mehr Bürger das Gefühl zu entwickeln, dass es in unse­rem Rechtsstaat ohne Weiteres möglich ist, eine unliebsame Person auf Nimmerwiedersehen in der Psychiatrie verschwinden zu lassen. Diese Stimmungslage ist den zahlreichen Kom­mentaren zum Fall Mollath zu entnehmen, die sich im Internet finden.

      Ich schließe dieses Schreiben in der Hoffnung, dass Herrn Mollaths Fall möglichst bald zu einer Lösung kommt, bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe

      mit freundlichen Grüßen

      Ursula Prem

      ***

      Eine Antwort habe ich darauf leider nie erhalten. Natürlich ist mir bewusst, dass Gustl Mollath nicht der Gnade, sondern der Gerechtigkeit bedarf. Eine Gnade wäre es jedoch gewesen, die Prüfung seines Falls in Freiheit abwarten zu dürfen. Doch Joachim Gauck schweigt sich leider aus.

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    5. Liebe Frau Prem,

      ich danke Ihnen für den Brief hier und seine Sendung überhaupt.

      Auch Nicht-Antworten - hier durch den Präsi - ist eine Art der Kommunikation. Gauck hat wahrscheinlich nur keine Zeit. ;-)

      Er schwafelt gern über Freiheit, fordert sie gern und oft ein, betrachtet sich wahrscheinlich sogar als Freiheitskämpfer - der ehemaligen DDR - , aber sich hier für einen unter Justiz- und Psychiatriewillkür im eigenen Land Leidenden einzusetzen, scheint er nicht zu vermögen. Gnade gibt es in unserem Land für Steuerhinterzieher, denen schüttelt er gleich nach der Kanzlerin versöhnlerisch und medienwirksam die Hand.

      Ich finde Ihre Veröffentlichung entlarvend und mutig. Weiter so!

      Mit dankendem Gruß
      Dian

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    6. Hallo Dian,

      ja, genau: Freiheit als Idee ist ein treffliches Thema, um darüber zu schwadronieren. Aber wehe, es wird konkret: Dann ist es immer besser, nicht zuständig, nicht befugt oder schlicht zu vornehm zu sein für ein klares Wort. Und was lernen wir daraus? - Politikern zuzuhören ist Zeitverschwendung: Die schmerzhaften Punkte sprechen sie nur an, wenn sie fremde Unrechtsstaaten betreffen.

      Grüße,

      Ursula Prem

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    7. „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der ‚Gerechtigkeit‘, sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die ‚Freiheit‘ zum Privilegium wird.“

      Randnotiz von Rosa Luxemburg in "Zur russischen Revolution" Teil IV (1918), z. B. hier:

      http://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/1918/russrev/index.htm

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    8. Liebe Frau Prem,
      sehr, sehr gut, Ihre Mail an den BuPrä.

      Er könnte aber noch ganz anders, müßte das nicht mal persönlich tun. - Um die fiesesten Gemeinheiten SOFORT abzustellen, genügte ein Anruf aus seinem Büro bei Herrn Leipziger, ob man nicht aus menschlicher Sicht, usw. Und dann noch: "Können Sie Herrn Mollath mal ans Telefon holen, wie geht es ihm? Oder er kann auch hier im Büro zurückrufen."

      Was meinen Sie, wie das auf die Weisskittel-Sadisten wirken würde?

      Eben Menschenpflicht, die das Amt mit sich bringt. (Christenpflicht, Herr Pfarrer Gauck!) Alles ohne es an die große Glocke zu hängen. - Und vieles, vieles mehr könnte er tun.

      Zu Heinemann noch mal: eine seiner ersten Amtshandlungen war, dass er seinen Personenschützern augebüxt ist, denn er wollte nur mal mit Gastarbeitern in ihrem Zuhause sprechen, ohne alles Protokoll und Gedöns.

      Das ist, was anschenend der Unterschied ist: sehen, was man konkret tun kann und sich persönlich gefordert sehehen.

      Herzliche Grüße
      A.B.

      Löschen
  2. Sehr geehrte Frau Prem,

    vielen Dank für die deutlichen Worte.
    Als Beobachter ist man bemüht nicht durch den Riss zu fallen, der den Blick auf dieses Paralleluniversum unserer Welt offenbart.

    Könnten Sie nicht Gustl Mollath fragen, ob Sie seine 13 Seiten nicht im Netz veröffentlichen dürfen?

    Ich bin kein Abonent des Nordbayrischen Kuriers und wurde auch mit einer solchen Darstellung nicht vertraut gemacht.

    Bitte Bemühen Sie sich um Veröffentlichung. Das gibt sicher auch viele klicks für Ihre un-kommerzielle Seite.

    Mit bestem Grusse

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  3. Hallo @Anonym, da der Nordbayerische Kurier es bisher offenbar versäumt hat, Herrn Mollaths Artikel auch im Netz zugänglich zu machen, hatte ich ganz oben in meinem Beitrag einen Link auf das Opablog gesetzt, dessen Betreiber dankenswerter Weise für Transparenz gesorgt hat:

    http://opablog.net/2013/06/02/im-nordbayerischen-kurier-mollath-gegen-chefreporter-lapp-70/

    AntwortenLöschen
  4. Herr Gauck ist ein Gewinner der deutschen Einheit. Das wird er nicht aufs Spiel setzen, indem er sich zur Unzeit mit wichtigen Strukturen dieses Staates auseinandersetzt. Wenn sich die Dinge erst einmal gehörig weiter entwickelt haben, wird man von ihm hören. Das ist er sich schuldig. Er wird abwarten, er ist klug.

    P.S. Um einen sicher nicht suizidgefährdeten, und dank seiner erfolgreichen Ablehnung jeglicher Neuroleptika auch nicht vom plötzlichen Herztod bedrohten mit Sicherheit zu Unrecht einsitzenden Menschen nachts durchschlafen zu lassen, sollte man nicht erst einen Gnadenerlass des Bundespräsidenten brauchen. Sonst ist wirklich Hopfen und Malz verloren.

    Die Herzrhythmusstörungen unter Neuroleptika sind nur eine mögliche Ursache für ein vorzeitiges Sterben, Stoffwechselstörungen, Depressionen, und vieles andere mehr führen zu einer mittlerweile sogar von der mainstream Psychiatrie anerkannten Lebenszeitverkürzung bis zu zehn Jahren und mehr, abhängig vom Einzelfall. Das ist kein Spaß.

    Die Bezeichnung "Unser Gustl... " kennzeichnet durchaus die Psyche dieser Herrschaften. Es sind rechte Gemütsmenschen, die Leipzigers, Kröbers, Pfäfflins. Besonders gut, wenn man nicht einmal etwas verbrochen hat. Gutachter unglaublicher Rohheit gab es nicht erst im Dritten Reich, Professor Dr. jur. et phil. Karl Binding und Dr. med Alfred Hoche, ein Jurist und ein Psychiater, haben schon 1920 über den rechten Umgang mit lebensunwertem Leben nachgedacht, und sind zu eindeutigen Schlüssen gekommen.

    Beide Fachgebiete haben eine Tradition, die auch sonst mit dem Leben anderer nicht immer zimperlich umgegangen ist. Bemerkungen zur Neuzeit spare ich mir.

    AntwortenLöschen
  5. Dieses unwuerdige Theater ist an Beschaemung, Peinlichkeit und Absurditaet gar nicht mehr zu ueberbieten. Wir schreiben das Jahr 2013.

    Einem Romanschreiber/Autor wuerde das Manuskript/ Drehbuch als viel zu realitaetsferner Unfug zureuckgegeben. Wirrer Irrsin!

    Warum tut die CSU und andere Beteilite sich diese Selbstabwertung an? Warum?
    Woher diese scheinbare Irrationalitaet! Ist diese vielleicht nur scheinbar? Kohaerente Rationalitaet?
    Abgestimmtes Kalkuel?

    Wovor haben die CSU und andere Beteiligte solche Angst? Den Ruf einer Partei, einer Region, eines ganzen Landes aufs Spiel zu setzen.

    Ruehrt Mollath an DAS Tabu der CSU?

    Warum darf nicht sein was nicht sein soll?
    Es muss etwas sehr, sehr wichtiges sein, dass u.a. die CSU DAFUER - fuer "Mollath" - womoeglich bald sogar ihre (Vor-)oder ("Allein")Macht riskieren koennte?!?

    Was gibt es zu verstecken?
    Das Mark? Oder die Mark?

    Zwei Kommentare auf "Muschelschloss" unter

    http://muschelschloss.blogspot.de/2013/06/schauspieler-armin-rohde-unterstutzt.html

    http://muschelschloss.blogspot.de/2013/06/mollath-protest-termine.html

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Frau Prem,

    Sie haben eine großartige Kolumne geschrieben zu einer Thematik, über die man heulen könnte. Mich persönlich hat am tiefsten berührt die zutiefst menschenverachtende Bemerkung des Journalisten Otto Lapp über die "ärmliche Bekleidung" des Gustl Mollath. Ich kann einigermaßen mit der Sprache umgehen, aber hier fehlen mir die Worte ... Wie unendlich erbärmlich ... ! Ekelhaft ...

    Beste Grüße
    GP

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Herr Postel,

      ja, diese Bemerkung hat mich auch entsetzt. Wie gut tut gegen all diesen Dreck das Lichtjahre weit überlegene Zitat von Gerhard Strate, das die Fallhöhe ganz besonders deutlich macht. Ich bin fest davon überzeugt, dass das ganze Drama bald ein Ende haben wird.

      Viele Grüße

      Ursula Prem

      Löschen
    2. Oh ja!
      Und dann: Dann werden wir ein gigantisches Freudenfest veranstalten und uns umarmen. - Der Mensch ist frei, und sei er in Ketten geboren!
      A.B.

      Löschen
  7. Hallo, hier ein Link auf einen aktuellen bürgerrechtlich argumentierenden Beitrag in der AFFÄRE MOLLATH http://filmundbuch.wordpress.com/2013/06/14/die-affare-mollath-eine-film-und-buchvorstellung-von-richard-albrecht/

    AntwortenLöschen
  8. Sehr geehrte Frau Prem,

    ich danke Ihnen für Ihre aktuelle Kolumne zur "Mediengleichschaltung" - so lese ich sie.

    Dazu scheint mir Manfred Pretitschs (alias Freeman) Beitrag heute eine gute Fortführung zu sein: http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/06/es-gibt-keine-verschworungen.html

    Mit bestem Gruß
    Dian

    AntwortenLöschen
  9. Die heutige Enthuellung (15.06), sas nun also gemeinschaftlich mit der Politik auch noch der Wiederaufnahmeantrag bewußt auf allen Ebenen manipuliert wurde, um Mollath festzuhalten, ist unvorstellbar perfide und skandaloes.

    Einige Beteiligte muessten sofort in Untersuchungshaft nach normalem Rechtsempfinden.

    http://gabrielewolff.wordpress.com/2013/05/26/der-fall-mollath-eine-hangepartie/comment-page-4/#comment-11495

    Bedauerlich bleibt die Tatsache, dass die Hintermaenner immer noch geruhsam und entspannt laechelnd ihren Kaffee o.ae. trinken koennen.

    Die Schwarzgelder sind geflossen und vereinnahmt, und fliessen, Provisionen gezahlt; da ist bisher keiner betroffen (wnnn man von der Marginalie Hoeness absieht). Und kaum einer spricht darueber.

    Justiz und vielleicht die Politik bekommen nun die Schelte - sei´s drum.
    Die Operation (10 Jahre Schwarzgeldtransfer und Steuer"ersparnisse" in wohl unvorstellbaren Ausmassen) ist gut gelungen.
    Der Patient - Teile der Justiz, eine Ministerin, Mollath - vielleicht ernstlch gechaedigt (tot). So what?

    Betriebswirtschaftlich fuer jenigen auf der Gewinnerseite ein rueckblickend ausserordentlich erfolgreiches und gelungenes hunderte milliardenschweres Manoever - Weiter so!

    Auch wenn Merk oder (sogar Seehofer gehen muessen) und Nerlich, Leipziger und Brixner et al eine ernste Ruege erhalten.

    Von Gerechtigkeit, auch Recht durch die Justiz sind wir danach noch immer ziemlich weit entfernt. Muehsam naehrt sich das Eichhoernchen.

    AntwortenLöschen
  10. Liebe U.P.,
    mir fällt grad noch ein, da Sie sich hier ja auch mit der Medien-Infamie beschäftigen: ein Link zu der "Stunde der Hyänen" wäre vielleicht gut, weil andere Website.

    Ich habe jeden in meinem Bekanntenkreis, darauf angesprochen (wg. Abo-Kündigungen). - Es gibt für mich Dinge, die werden nie verziehen, und die machen ja auch grad so weiter bei "Bild am Montag" und dem Studienratsblatt aus Hamburg.
    Herzliche Grüße
    A.B.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo @Anonym,

      die "Stunde der Hyänen" ist in dem Abschnitt über Frau Lakotta bereits verlinkt ("Dezember 2012"). Hier ist der Link nochmal direkt: http://www.newsandbuy.de/Mollath_Presse.htm

      Viele Grüße

      Ursula Prem

      Löschen
  11. zum BR-Stammtisch gestern

    Habt Ihr's gehört? Die "Worte des großen Vorsitzenden" (interessant ist er eh immer nur in der Schlussrunde, wenn nach reichlicher Abfüllung das Bäuerchen kommt): "Fall Mollath, ist alles viel zu kompliziert".

    Tolpatschige Ansage der Generallinie (in vino veritas):
    Das ist die Abseilungsstrategie, die jetzt kommt.
    Da war zwar was nicht richtig mit "dem", aber aus komplizierten Gründen, die keiner versteht - nur Fachleute aus Bereichen, mit denen wir nicht zu tun haben, hat man ihn laufen lassen müssen. Naja, wir sind doch alle Menschen.

    -----
    Hingegen finde ich übrigens genial im Buch von Ritzer/Przybilla, die Sache nicht linear zu erzählen, sondern aus den verschiedenen Aspekten zu entwickeln.

    AntwortenLöschen

+++ Aus aktuellem Anlass +++
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