Freitag, 10. Mai 2013

FJD Erinnerungssplitter - eine Gastkolumne von Richard Albrecht

»Die Vergangenheit ist niemals tot. 
Sie ist nicht mal vergangen.«

»The past is never dead. 
It's not even past.«

(William Faulkner, Requiem for a Nun. New York: Random House, 1951, 286 p., Scene II/1; Uraufführung im Zürcher Schauspielhaus, Oktober 1955)


Nachdem FJD 79-jährig [in Quickborn] starb, wurde er das „singende, scharfzüngige Megafon der ‘68er Bewegung« (der westen) genannt. Ich erinnere noch - Sommer 1966 - als der Korntrinker schon sein Kleinkunstpublikum hatte, immer noch in der Saarbrücker SPD (zeitweilig SPD-Stadtrat) war und Uniassistent für Europarecht (Dr.jur.1966). Später, 1981, FJD wohnte in Quickborn, gab´s mal im Hamburger Univiertel eine öffentliche Diskussion mit Werner Mittenzwei, der sich in der damaligen DDR dafür engagierte, daß dort die drei Peter-Weiss-Bände DIE ÄSTHETIK DES WIDERSTANDS ungekürzt erschienen (was geschah). Auch FJD fragte öffentlich und später in der Kneipe beharrlich nach …

Aber nicht deshalb diese Erinnerung.

Sondern: es gibt, FJDs »Vatis Argumente« betreffend, ein Rezeptions»mißverständnis«. Als das 68er-Lied zuerst im WDR [1968] lief und so endete

»lieber Rudi Dutschke 
würde vati sagen 
ich mach ihnen einen vorschlag 
sie kommen zu mir 
in meinen betrieb 
personalabteilung 
und in einem jahr 
in einem jahr 
sind sie mein assistent meine rechte hand 
und dann 
steht ihnen alles offen 
na 
bin mal gespannt 
was er dann sagen wird 
euer Rudi Dutschke 
meint vati 
aber das andere ist ja bequemer 
alles kaputtschlagen 
würde vati sagen 
bloß nicht 
ÄRMEL AUFKREMPELN ZUPACKEN AUFBAU'N« - 

- sollen im WDR zustimmende Telefonanrufe eingegangen sein mit dem Tenor:´endlich hat´s mal jemand den Radikalinskis gegeben´. So daß sich FJD entschloß, der Schallplattenversion diesen Nachsatz beizufügen, um jeder rechten Zustimmung vorzubeugen:


»also wenn vati loslegt 
dann fragt man sich immer 
was ist der bloß immer so wütend 
hat er gemerkt 
daß ihn keiner mehr 
ernst nimmt« 1


Ich erinnere auch, daß zur ideologischen »Begründung« eines realvollzogenen Berufsverbots im damals SPD-alleinregierten Nordrhein-Westfalen 1977 ein sich kritisch auf FJD´s Roman „Zündschnüre" [1973] beziehender Zeitungsleserbrief der sodann aus dem öffentlichen Dienst entfernten Studienrätin z.A. vorgehalten wurde …

Und erst vor einigen Wochen fand ich an entlegener Stelle in einem Buch FJDs einen Zeitungsausschnitt. Er enthielt einen so offenen wie öffentlichen Brief an den streitbaren Genossen, der 1973 als »Chefredakteur« mein Volontärszeugnis unterschrieb. FJD fragte diesen in schneidiger Höflichkeit: „Könnte es nicht sein, daß wir – diesmal – verloren haben?« Der Frage war wie bei Juristens üblich ihre Begründung nachgeschoben: »Die erste und wichtigste Aufgabe des Revolutionärs ist die ehrliche und schonungslose Analyse der Lage, meint Rosa Luxemburg zu Recht.« 2

2 unsere zeit: 175/88, Montag, den 1. August 1988: 5


Richard Albrecht ist „gelernter“ Journalist, extern provomierter und habilitierter Sozialwissenschaftler, lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent (1989) als Freier Autor & Editor in Bad Münstereifel und war 2002/07 Herausgeber von rechtskultur.de. Unabhängiges online-Magazin für Menschen und Bürgerrechte. Bio-Bibliographie -> http://wissenschaftsakademie.net

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