Freitag, 16. November 2012

Gustl Mollath: im bayerischen Kuckucksnest - die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
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Mit der Idee, dass man psychisch Kranke, die nicht zur Einsicht in begangenes Unrecht fähig sind, auch nicht für ihre Taten bestrafen dürfe, schmückt sich jeder Rechtsstaat. Stattdessen solle, wo möglich, mittels geeigneter Therapien daran gearbeitet werden, eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft möglich zu machen, wenn nötig mithilfe der Psychiatrie. Einmal dort gelandet verliert sich der Anschluss an den Rechtsstaat im Nirgendwo. Wer als schuldunfähig deklariert ist, kann nun einmal nicht verurteilt werden. Also bedarf er auch keiner juristischen Begutachtung, sehr wohl aber einer medizinischen: Künftig liegt sein Wohl und Wehe in den Händen von Ärzten, die mit diesem Rechtlosen je nach eigenem Gewissen oder Nichtgewissen verfahren. Dass es manchmal auch ganz normale Menschen trifft, wird als Kollateralschaden verbucht.

Dies muss auch der Nürnberger Gustl Mollath erleben, der seit über sechs Jahren auf unbestimmte Zeit im BKH Bayreuth festgehalten wird. Begonnen hatte sein Martyrium mit einer Anzeige, die er gegen den Arbeitgeber seiner damaligen Frau erstattet hatte. Die im Anlagenbereich tätige Mitarbeiterin einer Nürnberger Großbank soll damals Schwarzgelder vermögender Kunden in größerem Umfang in die Schweiz verschoben haben. Trotz der Bedenken ihres Ehemannes wollte sie diese Tätigkeit nicht überdenken, weshalb dieser die Scheidung einreichte und den Stein ins Rollen brachte.

Seine Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft Nürnberg niedergeschlagen, die Vorwürfe offiziell nie verfolgt. Stattdessen erkannte man auf eine Gefährdung der Allgemeinheit durch Mollath selbst, der von seiner Frau der Gewalttätigkeit bezichtigt worden war. Ein Vorwurf, den Mollath bis heute bestreitet.

Ein interner Prüfbericht der betreffenden Bank ergab, dass die ursprünglichen Vorwürfe Mollaths zutreffend waren. Petra Mollath und einige andere Mitarbeiter wurden entlassen. Bis heute nicht aus der Psychiatrie entlassen allerdings wurde Gustl Mollath.


Der bizarre Auftritt der Beate Merk

Der Fall landete auf dem Schreibtisch der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU), die am 13.11.2012 endlich öffentlich dazu Stellung bezog. In einem mehr als bizarr anmutenden Interview mit Report Mainz verkündete sie, dass Mollath mit Recht in der Psychiatrie untergebracht sei und zeigte sich gegenteiligen Argumenten vollkommen unzugänglich. Der gruselige Auftritt ist auf YouTube für die Nachwelt festgehalten worden:




Direktlink zum Video

Auf der Unterstützerseite http://www.gustl-for-help.de/ kann sich jeder ein Bild von Gustl Mollath machen. Zahlreiche Videos belegen: Der Mann ist offensichtlich bei klarem Verstand und Herr über seine Sinne, was eine Leistung darstellt angesichts dessen, was ihm widerfahren ist.

Klar ist eines: Das Prinzip »Therapie vor Strafe« wird längst als infames Mittel zur Ruhigstellung missliebiger Personen missbraucht, und zwar mit Deckung von allerhöchster Stelle. Die Justiz benutzt es, um sich vor der Notwendigkeit unangenehmer Urteile zu drücken. Das heuchlerische Therapiegedöns sollte ersatzlos abgeschafft werden, da seine Folgen weit schlimmer sind als alles, was einem Verurteilten im Gefängnis je widerfahren könnte.



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