Freitag, 9. November 2012

Generation Retoure - die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Einkaufen im Internet ist in: In Zeiten überfüllter Innenstädte mit schlechten oder überteuerten Parkmöglichkeiten erspart es die unangenehme Schlepperei von Einkaufstüten durch die halbe Stadt. Keine besoffenen Heinis, die einem die Kleidung mit Glühweinkotze überziehen, während man selbst durch den Schneematsch zum nächsten Kaufhaus robbt, um sich ein möglichst hässliches, heruntergesetztes Teil zu sichern, das man Schwiegermama zu Weihnachten verehren kann: »Ein Faltenrock, liebe Schwiegermama, passend zu Deinem Gesicht ...«.

Einkaufen ohne Stress im Internet: Herz, was willst Du mehr? Der Faltenrock wird frei Haus geschickt, auf Wunsch gleich als Geschenk verpackt. Dazu noch der neue Barthaartrimmer, die Play-Station für Sohnemann, ein weltraumgetestetes Edelstahl-Kochtopfset für die Ehefrau und die kleinen, schwarzen Dessous für die Geliebte. Große Online-Kaufhäuser machen es möglich: Alles kommt rechtzeitig an, ein friedvolles Weihnachtsfest ist mal wieder geribbelt.


Zurück an den Absender

Nach der großen Bescherung der obligatorische Umtausch. Wie gut, dass es kostenlose Retouren gibt! Den Spruch mit dem Faltenrock empfand Schwiegermama als völlig unpassend, also zurückschicken, das Ding: Das chinesische Tee-Service, das sie stattdessen haben möchte, ist zwar etwas teurer, aber Strafe muss nun mal sein. Der Barthaartrimmer rupft etwas und hat auch nur die zweithöchste Bewertungsstufe auf der angesagtesten Produktbewertungsplattform erhalten, was man im Kaufrausch übersehen hatte: Rein ins Paket, das Ding ist durchgefallen! Und dass Sohnemann verkündet hat, mit 17 Jahren sei er nun definitiv zu alt für die Play-Station, er wünsche sich stattdessen einen E-Reader der neuesten Generation, ist auch kein Problem. Die Lösung lautet, na wie wohl? – Klar: zurückschicken!

Schwieriger ist es mit dem Kochtopfset: Der Ehefrau ist vor Ärger die Suppe angebrannt, weil sie das Päckchen mit den Dessous in der Manteltasche ihres Mannes gefunden hatte. Nun lässt der Topf sich nicht mehr richtig säubern, die Ware sieht einwandfrei gebraucht aus. – Kein Problem: zurückschicken! Ein kulanter Händler regelt den Fall diskret, ansonsten überziehen wir ihn einfach mit einem Facebook-Shitstorm, der sich gewaschen hat. Aus demselben Grund wird er schon nicht meckern, dass die Dessous ein wenig streng riechen, nachdem Mama mit maliziösem Lächeln Katzenpisse damit aufgewischt hat: Zurück an den Absender, der kapitalistische Ausbeuter hat es nicht anders verdient!


Wo Recht zum Betrug wird

Ja, an Weihnachten läuft die Generation Retoure zur Hochform auf. Doch auch im Rest des Jahres lässt sie sich nicht lumpen: Was wäre eine Cocktailparty ohne das Kleine Schwarze, das man schon immer haben wollte, es sich aber nicht leisten kann? – Ganz einfach: Mittwoch bestellen, Montag zurückgeben, das Wochenende ist gerettet. – Das erotische Fotoshooting im Kreise des katholischen Frauenverbands? Undenkbar ohne die sündigen Stilettos, die man drei Tage vorher bestellt und einfach am Tag danach zurückschickt. – Ein Sachbuch für ein Schulreferat? Kein Thema: bestellen, Infos rauskopieren, zurück an den Absender. Ganz selbstverständlich. Ohne einen Gedanken an die vielen, schlecht bezahlten Packer zu verschwenden, die sich mit dem Ein- und Auspacken des ganzen Krempels beschäftigen müssen. An die Paketboten, die sich tagaus, tagein zu Billigstlöhnen abschleppen und so das perverse System erst ermöglichen.

Leider spielt das deutsche Fernabsatzgesetz solchen astreinen Betrügereien in die Hände: 14 Tage Zeit, bevor zurückgeschickt werden muss, selbstverständlich kostenneutral für den gebeutelten Verbraucher. Und so wird bestellt, bis die Leitungen glühen. Ich frage mich echt: Sind wir alle wahnsinnig geworden?


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