Samstag, 6. Oktober 2012

»Mord in Genf« Leseprobe 2



Covergestaltung: 
Grete C. Söcker,  Emden
Ein unerwarteter Fund bringt Unruhe in das beschauliche Leben von drei älteren Damen.

Bei dem Fund handelt es sich um ein Buch, das vor fast 25 Jahren von einem jungen Mann geschrieben wurde.

Das Werk eines Wichtigtuers?
Eines Aufschneiders?
Oder der Versuch eines jungen Mannes, traumatische Ereignisse zu verarbeiten?
Oder die besondere Form, eine Lebensversicherung abzuschließen?
Oder alles zusammen?

Die Autorin Tuna von Blumenstein zieht den Leser in die Zeit des Kalten Krieges. Sie lässt Opfer zu Tätern, Täter zu Opfern werden. Was ist Fiktion, was ist Realität?




Leseprobe:

Die Polizeisirenen schrillten, der Schall prallte von den Häuserwänden ab, erzeugte eine harte Kakofonie und fügte sich in das Chaos ein, am Schauplatz des Geschehens. Der Platz vor dem Hotel war durch Flatterband abgesperrt. Polizisten sicherten und ließen nur Berechtigte in den geschützten Bereich. In dem wimmelte es von Beamten in Uniform und Zivil. Schaulustige hatten sich eingefunden.

Es war an einem Sonntag im Oktober des Jahres 1987.

Etwas abseits stand ein junger Mann. Er blickte apathisch auf die Szenerie. Sein lichtes Haar war ungekämmt. Um die Augen hatte er dunkle Ränder. Seine Wangen wirkten eingefallen. Er war nicht rasiert und machte insgesamt einen ungepflegten Eindruck.

»Mein Junge, du bist ja immer noch hier!«
Ein älterer Mann legte die Hand auf die Schulter des Jüngeren. Der wandte seinen Blick, wollte die Hand mit einer Bewegung wegwischen. Aber die Finger des Mannes krallten sich schmerzhaft in seinen Schultermuskel.

»Ich bin nicht Ihr Junge, lassen Sie mich los, Sie tun mir weh!« zischte der Jüngere. Sein Blick fiel auf die Karte, die der Mann an seiner Brusttasche festgesteckt hatte. Es war ein Presseausweis. Ausgestellt durch den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst auf den Namen Wilhelm Schubert.

»Alexander, du siehst völlig erledigt aus, komm, lass uns zum See gehen und dort weiter sprechen.«
Schubert flüsterte. Dann löste er den Klammergriff und Alexander rieb sich die Schulter.
»Komm schon, oder möchtest du auf dich aufmerksam machen?«

Alexander folgte Schubert. Sie ließen die Sirenen hinter sich. Als beide an der Promenade ankamen, war diese von Menschen verlassen. Still ruhte der See.

»Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass ich nicht zur Polizei gehe und alles erzähle?«

Schubert lachte. »Nur zu, wenn dir danach ist! Reihe dich in die lange Warteschlange der Spinner ein, die überall Verschwörungen wittern! Je nach Prominenz eines Toten gehen bis zu 1.000 verrückte Meldungen ein!« Er blickte über den See und fügte an: »Nach einem solchen Ereignis.«

Covergestaltung: 
Grete C. Söcker,  Emden
»Es war Mord! Etwas anderes wird bei der Untersuchung nicht herauskommen! Sie kommen damit nicht durch!«
Alexander hielt die Hände vor sein Gesicht und wiederholte: »Es war ein feiger Mord! Und Sie sind ein Mörder!«

Schubert atmete schwer aus, blickte auf den See und erwiderte: »Alexander. Ich bin Soldat und kein Mörder! Und ich garantiere dir, dass die Ermittler die Akten schließen werden! Weil es Selbstmord war! Die Behörden ermitteln nicht weiter, wenn es um Ereignisse in Geheimdienstkreisen geht. Das ist so, glaube mir!«

»Irgendjemand wird sich erinnern! Vielleicht sogar an Ihren Namen! Was machen Sie dann?« Trotzig sah Alexander den Mann an. Der lachte nur und antwortete: »Es gibt keinen Wilhelm Schubert beim Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst!«

Alexander sah den Mann an. Der war unrasiert. Hatte etwas Schäbiges an sich. Er wirkte wie ein Penner. Außerdem roch er nach Schnaps. Angewidert wendete sich der junge Mann ab.

Mehr zu sich selbst sagte er leise: »Dann heißt sie auch nicht Katja?!«

»Nein, sie heißt nicht Katja und auch nicht Schubert und sie ist auch nicht die Nichte von Liz!«

Alexander sah auf den See.
»Was hat er Ihnen denn getan? Warum musste er sterben?«

»Mir hat er nichts getan, ich kannte ihn nicht! Ich bin Soldat. Ich bekomme einen Befehl, den befolge ich und frage nicht, nach dem ›Warum‹. Gut, ich habe freie Hand bei der Umsetzung. Das hätte ich auch anders machen können. Aber ich habe mir das gerade so überlegt, wie es gemacht worden ist. Das Endergebnis zählt!«
Er sah Alexander an, der ihn fassungslos betrachtete, und beantwortete dann die zweite Frage.
»Vermutlich hat er Zicken gemacht. Er war ja gewarnt. Als er merkte, dass seine Reputation demontiert wird, hätte er zurückrudern können. Das hat er nicht getan!«

Dann griff er in seine Tasche, holte einen Flachmann heraus, öffnete den Verschluss und nahm einen Schluck. Bot ihn Alexander an, der angewidert abwinkte. Gleichmütig zuckte er kurz mit den Schultern, dann fuhr er fort:

»Soll ich dir jetzt die große Politik erklären? Es ist halt glattes Parkett, auf dem sich Politiker bewegen. Ab einer bestimmten Größenordnung wird es gefährlich. Vermutlich sollte ein Exempel statuiert werden. In Zukunft dürfte es keine Schwierigkeiten mehr geben. Oder meinst du, es will noch jemand so enden, wie er? Sein Ruf ist über seinen Tod hinaus ruiniert. Und das wird auch so bleiben!«

Beide schwiegen sich an und sahen auf den See.

Nach einer Weile wandte sich der ältere Mann wieder an Alexander.
»Du siehst aus, als könntest du ein Frühstück vertragen.«
Alexander schüttelte zornig den Kopf.
»Die Ereignisse waren zu viel für dich. Das kann ich verstehen. Und du hast Liebeskummer, das sehe ich dir an.«

Alexander schwieg.

»Möchtest du sie denn wiedersehen?«
Der junge Mann überlegte kurz, bevor er schweigend nickte.

»Dann lass uns gehen!«

_______

Leseprobe 3

Der Krimi ist unter der ISBN 978-3-8482-2545-3 überall im gut geführten Buchhandel erhältlich und kostet 12,90 Euro.
Mord in Genf
Alle Rechte vorbehalten
©Tuna von Blumenstein September 2012
Die Handlung in diesem Buch ist fiktiv, die Namen frei erfunden.
ISBN: 978-3-8482-2545-3
Preis: 12,90







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