Samstag, 22. September 2012

Leseprobe: »Mord in Genf«

Covergestaltung: 
Grete C. Söcker,  Emden
Ein unerwarteter Fund bringt Unruhe in das beschauliche Leben von drei älteren Damen.
Bei dem Fund handelt es sich um ein Buch, das vor fast 25 Jahren von einem jungen Mann geschrieben wurde.
Das Werk eines Wichtigtuers?
Eines Aufschneiders?
Oder der Versuch eines jungen Mannes, traumatische Ereignisse zu verarbeiten?
Oder die besondere Form, eine Lebensversicherung abzuschließen?
Oder alles zusammen?

Die Autorin Tuna von Blumenstein zieht in ihrem neuen Kriminalroman Mord in Genf den Leser in die Zeit des Kalten Krieges. Sie lässt Opfer zu Tätern, Täter zu Opfern werden.

Was ist Fiktion, was ist Realität?

Hier eine Leseprobe

Wie alles begann.

Helma liebt Bücher und ihren Kater. Der heißt Taxi. Eine interessante Anrede für einen Kater. Taxi ist Freigänger und er hört auf seinen Namen. So steht Helma allabendlich vor ihrer Haustür und ruft: ›Taxi!‹ 
Das brachte sie schon hin und wieder in merkwürdige Situationen. Aber mittlerweile haben sich die Nachbarn und auch die Taxiunternehmen an Helma und ihren Kater gewöhnt.

Ohne ihren geliebten Kater Taxi im Haus und ein Buch, das sie als Abendlektüre mit in ihr Bett nimmt, kann Helma nicht einschlafen. Muss ich erwähnen, dass sie am liebsten Kriminalromane liest? Ihr Wohnzimmer gleicht einer Bibliothek. An den Wochenenden besucht sie die Flohmärkte der Umgebung. Denn Helma liebt alte Bücher. Kriminalromane, die vor langer Zeit geschrieben wurden, kleine Schätze und Kostbarkeiten. So ist ein solcher Flohmarktbesuch auch immer eine Schatzsuche für sie.

Auf die Idee mit den Büchern habe ich sie gebracht. Helma brauchte eine Aufgabe und sie brauchte Beschäftigung, als ihre Kinder das Haus verließen. Hiltrud, eine gemeinsame Freundin, hatte ihr dann irgendwann den Kater geschenkt. Wir treffen uns regelmäßig freitags zu Kaffee und Kuchen bei Helma. Immerhin kocht sie den besten Kaffee im ganzen Umkreis.

Es war im Spätsommer des Jahres 2011. Diese Kaffeevisite ist mir in bleibender Erinnerung geblieben.

»Am letzten Wochenende war ich in Münster auf dem Flohmarkt. Stellt euch vor! Ich habe eine Kiste Bücher für fünf Euro gekauft!«

Der Gelegenheitskauf, den Helma auf dem Flohmarkt getätigt hatte, brachte ein besonderes Buch zutage.

»Schaut Euch das mal an! Er berichtet, dass er den Mord hautnah erlebt hatte. Für mich war immer klar, dass das kein Selbstmord war! Ich habe mir meinen gesunden Menschenverstand nicht nehmen lassen!«

Wie ein Prediger hielt sie ein Buch in die Höhe, das ich ihr umgehend aus den Händen nahm. Offenbar war es als Eigenverlagspublikation erschienen, wie ich dem Impressum entnehmen konnte. Stutzig machte mich die Auflage. Sie war mit 1-78 Tausend beschrieben. Vor 23 Jahren wurde es veröffentlicht.

Mein Interesse als Krimiautorin war natürlich geweckt. Dass Hiltrud auch ein Krimifan ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen. So saßen wir alten Krimitanten an diesem denkwürdigen Tag bis in die Nacht hinein in Helmas Küche, lasen uns aus dem Roman vor, machten Stichpunkte und überlegten, wie wir unsere Erkenntnisse umsetzen sollten.

Hiltrud fasste ihre Ergebnisse in kurzen Worten zusammen: »Das ist das Werk einer überbordeten Persönlichkeit. Das hat ein Wichtigtuer geschrieben, der sich auf problematische Art und Weise interessant machen wollte!«

Umgehend meldete Helma Protest an: »Meine Kinder sind mir bis heute dankbar, dass sie mit mir über alles reden konnten und können. Ich habe sie immer ernst genommen, mit all ihren großen und kleinen Problemen. Wir sollten auch diesen jungen Mann ernst nehmen!«

Hiltrud seufzte. »Dieser Autor hat Schulaufsätze ausgegraben und mit Kommentaren versehen!«

»Du musst zwischen den Zeilen lesen, Hiltrud. Er schreibt auch über seine Eltern. Der Vater interessiert sich nicht für ihn und der Mutter ist nur wichtig, dass er die Schuhe auszieht, wenn er das Haus betritt.«

Es war Helma anzusehen, dass sie nach passenden Erklärungen suchte. Sie fand auch eine und teilte sie uns mit: »Jetzt sage ich euch meinen Lieblingsspruch, eine alte Indianerweisheit: ›Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.‹ Dieses Buch kann nur verstehen, wer sich in die Gefühlswelt eines 18 jährigen Mannes hineinversetzt. Das habe ich getan und habe einen tiefen Schmerz gespürt, der sich durch jede Zeile zog.«

Nachdem sie ihre Worte auf uns wirken gelassen hatte, sprach sie weiter: »Mit 18 Jahren sollten junge Leute Flausen im Kopf haben und nicht solche Bücher schreiben! Dieser junge Mann muss ein ganz schlimmes Erlebnis gehabt haben. Und konnte sich nur dem Papier anvertrauen. So sehe ich das!«

Nun war meine Meinung gefragt. Ich studierte meine Notizen.

»Ich gebe dir recht, Hiltrud. Es sind auch aus meiner Sicht Aufsätze eingearbeitet worden. Aber es kommt mir so vor, als wenn die nur der Verschleierung dienen. Mein erster Eindruck von den Texten ist der, dass dieser junge Mann eine Art Versicherung durch dieses Buch abgeschlossen hatte. Es ist sehr kryptisch geschrieben. Das Wort ›Lebensversicherung‹ wird mir zu oft erwähnt. Dafür spricht auch dieser merkwürdige Hinweis über die Auflage im Impressum.

Mein zweiter Eindruck ist der, und da gebe ich Helma recht, dass dieser junge Autor schwer traumatisiert war, als er das Buch geschrieben hatte. Dieses Trauma versuchte er zu verarbeiten. Scheinbar konnte er sich wirklich niemandem anvertrauen. Was mich sehr stutzig macht ist, dass er über Dinge schreibt, die zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt waren. Diese Informationen kann er nicht aus dem Fernsehen oder den Zeitungen bezogen haben.«

Taxi lag zusammengerollt auf seinem Katzensofa. Ich betrachtete ihn, wie er friedlich schlief. Leise sprach mich Helma an: »Wenn es so war, wie der junge Mann es beschrieben hatte, wird er dieses Trauma bis heute mit sich herumschleppen!«

Diese Aussage musste auch Hiltrud traurig abnicken.

»Helma, selbst wenn wir ihn ernst nehmen und es war so, wie er es schildert, was sollen wir praktisch in der Sache tun?«

Hiltrud sah mich mit großen Augen an, bevor sie sagte:
»Mache einen Krimi daraus!«

Nachdenklich betrachtete ich den Umschlag des Buches.
»Wenn es das Werk eines Wichtigtuers war? Wenn es doch ganz anders geschah? Der Mord ist bis heute nicht geklärt!«

Spontan meldete sich Hiltrud zu Wort.
»Dann sollte sich jeder Wichtigtuer überlegen, was er in gedruckter Form auf den Markt bringt. Es könnte ja sein, dass irgendwann eine Krimiautorin das Werk in die Finger bekommt und ihn ernst nimmt. Und spätestens dann bringt ihm seine Aufschneiderei ein Problem ein!«

Auf seinem Sofa reckte sich Taxi, um sich umgehend wieder einzurollen.

Helma legte ihre Hand auf meine.

»Wenn wir genau hinschauen würden, könnten wir feststellen, dass wir uns nach dem Krieg eine Scheuklappe vor das rechte Auge, und nach der Wende, eine auf das linke Auge gesetzt haben. Dass uns das sehbehindert macht, haben wir noch nicht bemerkt. Und dazwischen sollten wir um unseren gesunden Menschenverstand gebracht werden! Und der hat gesagt: Es war ein Mord!«

Das gab Hiltrud und mir zu denken.

»Es könnte so geschehen sein, oder anders. Darum schreibe doch auch über diese Zeit. Die Zeit, als der Kalte Krieg tobte. Es ist so viel Unrecht geschehen, das bis heute nicht gesühnt worden ist. Es gab zu viele Opfer. Und sehr viele Täter, die nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Denke an diese Menschen und dann schreibe einen Krimi. Schreibe über die Opfer, die zu Tätern, und die Täter, die zu Opfern wurden. Es ist doch nur ein Krimi. Du könntest auf den letzten Seiten ein UFO im Genfer See versinken lassen! Was soll denn passieren? Schreib einfach:

Das ist ein Krimi, in dem fast alles frei erfunden ist!« ...

________

Leseprobe 2

Der Krimi ist unter der ISBN 978-3-8482-2545-3 überall im gut geführten Buchhandel erhältlich und kostet 12,90 Euro.

Mord in Genf
Alle Rechte vorbehalten
©Tuna von Blumenstein September 2012
Die Handlung in diesem Buch ist fiktiv, die Namen frei erfunden.
ISBN: 978-3-8482-2545-3
Preis: 12,90



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