Freitag, 24. August 2012

Breivik: Endlich hat der Spuk ein Ende – die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Es hatte etwas durchweg Bizarres, mit welcher Ernsthaftigkeit sich Justiz, Medien und Öffentlichkeit mit den verqueren Thesen des Massenmörders Anders Behring Breivik auseinandersetzten. Für ihn mag sich seine entsetzliche Tat schon alleine wegen dieser medialen Aufmerksamkeit für seine Kreuzritter-Fantasien mehr als gelohnt haben. Wie einen Tanzbären am Nasenring hat Breivik die Weltöffentlichkeit hinter sich hergeführt und über mehr als ein Jahr lang die Illusion aufrecht erhalten, dass es sich ernsthaft lohne, den weltanschaulichen Ballast der letzten tausend Jahre im Rahmen der juristischen Aufarbeitung eines 77-fachen Mordes genauer zu betrachten.

Soeben hat das entwürdigende Schauspiel endlich ein Ende: Vor einer halben Stunde wurde der Massenmörder Anders Behring Breivik in Oslo zur Höchststrafe verurteilt: 21 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Ein Urteil, für das man keine 10-wöchige Breivik-Show vor Gericht gebraucht hätte, da seine Schuld von Anfang an zweifelsfrei feststand.


Massenmörder oder Kreuzritter?

Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, die Breivik im Rahmen seines Prozesses gebührend auskostete, ist ein gefährliches Signal für Nachahmungstäter aller Art. Wer auch immer nach medialer Aufmerksamkeit dürstet, der weiß nun endgültig, dass ihm immer noch dieser Weg offen steht, um endlich über genügend »Relevanz« für eine eigene Wikipediaseite zu verfügen. Dank fleißiger Helfer aus Justiz und Medienwelt kann sich jeder Behämmerte seinen Platz in der Geschichte sichern. Hier enthüllt sich die faktische Unmenschlichkeit eines Rechtsstaates, der sich immer wieder aufs Neue selbst zitiert und sich in seiner Gutmenschlichkeit zur Karikatur macht. Ja: Ein unbestrittener und geständiger Massenmörder hat selbstverständlich das Recht auf einen fairen Prozess, während die überlebenden Opfer und Zeugen die Pflicht haben, den Horror vor den Augen der Öffentlichkeit im Zeugenstand aufs Neue zu durchleben.

Die Bereitschaft der Justiz, sich mit ideologischem Ballast auseinanderzusetzen, mit dem ein Massenmörder sich zum Kreuzritter hochzustilisieren versucht, zeigt eine bedenkliche Tendenz. Die Botschaft ist: Wenn wir nur tief genug graben, dann finden wir etwas, was den Mord an 77 Menschen rechtfertigt. Was die Tat nicht nur weniger monströs aussehen lässt, sondern sie vielleicht sogar verständlich macht. Eine höhere Idee, der sich die paar Toten unterzuordnen haben. Die vergessen macht, dass die Begriffe Massenmörder und Kreuzritter Synonyme sind. Welchen Grund könnte es sonst geben, jemandem wie Breivik eine derartige Plattform zu bieten?


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