Freitag, 8. Juni 2012

GNTM: Finale - die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Wieder einmal hat eine Staffel von Germanys Next Topmodel ihr gewohnt fades Ende gefunden. »Krönender Abschluss« war eine inhaltsleere Finalshow, same procedure as every year. So gesehen nichts Neues von der Castingfront, deren Lack inzwischen deutliche Risse aufweist. Wie viele Top-Models, Supertalente und Superstars verträgt ein Land, bis die jeweiligen Titel sich derartig inflationiert haben, dass sie keine besondere Auszeichnung mehr darstellen? Topstars aus dem Boden gestampft. Produziert wie Gartenzwerge oder warme Semmeln. Nach knallharten Auslesestrategien und Marketingregeln.

Klar ist: Sieger von Castingshows schaffen es nur in absoluten Ausnahmefällen, ihren Sieg zu einer dauerhaften Karriere auszubauen. Meinem Wissen nach ist das bisher nur Kelly Clarkson gelungen, ihres Zeichens Siegerin der ersten Staffel von »American Idol«, der amerikanischen Version von DSDS. Die meisten anderen Castinghelden waren nach spätestens ein bis zwei Jahren wieder weg vom Fenster und mussten feststellen, dass ihr Name für den Aufbau einer »richtigen« Karriere weitgehend verbrannt war. Doch warum ist das so?


Echte Stars lassen sich nicht drangsalieren


Wer sich in einer monatelangen Castingshow Woche für Woche vor Millionen von Zuschauern öffentlich demütigen lässt, verschenkt damit den wichtigsten Faktor seines potenziellen Star-Appeals: seine Souveränität. Wie sollte jemand, der jede Woche mit Tränen in den Augen vor einer abgewrackten Jury steht und zittert, jemals wieder eine Aura der Unantastbarkeit aufbauen können, die ihn in den Augen der Menschen zum echten Star macht? Zu einem autarken Vorbild, das sich nicht von Hinz und Kunz drangsalieren lässt?

Klar: Auch echte Stars stecken viele Tiefschläge ein, ehe sie es bis ganz nach oben schaffen. Aber sie tun dies im Verborgenen, ärgern sich im Stillen und verlassen ihre Wohnung erst wieder, wenn sie ihre Aura des strahlenden Siegers repariert haben. An den Gewinnern von Castingshows klebt dauerhaft der Makel der öffentlichen Unterwerfung, die sie bis zum Exzess zelebriert haben und die man ihnen nie vergessen wird. Kaum jemals wird das deutlicher, als bei Germanys Next Topmodel, wenn das große »Umstyling« ansteht, das in jeder Staffel unvermeidlich ist. »Schnipp, schnapp!«, kreischt Heidi Klum mit schadenfrohem Grinsen in die Kamera, während ein weinendes Nachwuchsmodel von seiner Mähne lässt, weil es andernfalls kaum noch Chancen hat, die nächste Runde der Show zu überstehen. So werden Top-Stars gemacht? - Mit Sicherheit nicht.


Wer schlau ist, kassiert schnell ab


Die einzige Chance, dauerhaft von einem Sieg in einer Casting-Show zu profitieren, ist es, den kurzen Hype zu nutzen, um richtig Kasse zu machen. Wer dieses Schmerzensgeld für seine beschädigte Reputation gut anlegt, könnte es dann im Leben tatsächlich noch zu etwas bringen. Gegönnt sei dies jedem, der offenen Auges durch so eine Jauchegrube geschwommen ist. 


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