Freitag, 11. Mai 2012

Schuldenkrise: Das langsame Aussterben der Dinosaurier - die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Imposant waren sie ja. Und in ihrer erschreckenden Größe irgendwie wunderschön. Dennoch sind sie von der Erde verschwunden, als hätte es sie nie gegeben, von einigen spektakulären Knochenfunden abgesehen, dank derer wir überhaupt wissen, dass die Saurier jemals auf diesem Planeten gelebt haben. Dabei ist das Prinzip »Saurier« sogar eine Erfolgsgeschichte der Evolution: Etwa 200 Mio. Jahre lang bevölkerten sie die Erde, bevor sie vor etwa 60 Mio. Jahren ausstarben und kleineren Arten Platz machten.

Gerade die großen Saurier mussten von der Erde verschwinden. Mit oder ohne Komet. Sie waren schlicht und einfach zu groß geworden. Was geschieht, wenn die herrschenden Kreaturen zu groß werden? Sie fressen zuerst alles, was kleiner und schwächer ist als sie. Und wenn irgendwann nichts mehr übrig ist, verschlingen sie sich gegenseitig. Zum Schluss bleibt eine öde Wüste übrig und der Rest ist Schweigen. Dass dies nicht die richtige Strategie ist, um dauerhaft zu überleben, das musste die Evolution in ihrer unendlichen Weisheit schließlich erkennen. Die Riesensaurier starben aus: Tyrannosaurus Rex musste weichen. Die Schöpferkraft war aus dem Stadium pubertären Größenwahns in die Phase erwachsener Rationalität eingetreten und besann sich auf kleinere, wendige Arten, die nicht Gefahr liefen, durch ihr eigenes Gewicht erdrückt zu werden. Trotz aller Tragik war dies langfristig gesehen die bessere Entwicklung, weil sie das Überdauern des Lebens auf der Erde sicherstellte. T-Rex übrigens wurde ein kleines Trostpflaster zuteil: Die Entwicklung nahm Teile von ihm mit und formte ihn um zum .... Spatz!


Großbanken, Konzerne und Staaten – die Saurier von heute


Die Parallelen zur heutigen Entwicklung sind frappierend. Großbanken, Konzerne und Staaten klammern sich aneinander fest, um nicht ins Taumeln zu geraten. Auch die Stärksten können sich dem Sog nur noch mühsam entziehen, sodass selbst die USA bereits mehrfach nur um Haaresbreite und unter Anwendung finanzpolitischer Taschenspielertricks dem drohenden Staatsbankrott entkommen sind. Aufgetürmte Schuldenberge, weit gespannte Rettungsschirme und eine immer stärker angezogene Steuerschraube machen das Problem nur schlimmer und werden das Unausweichliche dennoch nicht verhindern können.

Wieder einmal sind die Dinos dabei, auszusterben. Ihr Umsturz wird die Erde erzittern lassen und so einiges mit in den Abgrund reißen, was sich in ihrem kühlenden Schatten gemütlich eingerichtet hatte. Danach wird, wie schon einmal vor vielen Millionen Jahren, die Stunde der kleinen, wendigeren Arten schlagen. Hierauf sollte vor allem unser Bildungssystem vorbereitet sein, das momentan ausschließlich darauf ausgerichtet ist, jegliche Individualität zu normieren und funktionierende, möglichst gleichförmige Menschenmodule für das große System auszuspucken. Module, für die es keine Verwendung mehr geben wird, wenn der Button »Game over!« erst einmal zu blinken beginnt.


Individualität im Bildungssystem


Was in der Ökologie längst als erstrebenswert erkannt wurde, kann in der Bildungspolitik nicht ganz falsch sein: die Pflege der Artenvielfalt, sprich: der Individualität. Wenn jedes Jahr Hunderttausende junger Menschen die Schulen verlassen, die dort zwar das Ausfüllen von Formularen erlernt haben, nicht aber zum eigenständigen, kreativen Füllen eines leeren Blatt Papiers in der Lage sind, dann sollten wir uns ernsthaft Gedanken machen.



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