Freitag, 17. Februar 2012

Strafsteuer für Kinderlose – Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Wieder einmal, wie so oft, war es die Zeitschrift EMMA, die schon vor Jahren die Fragen beantwortet hat, die sich uns heute stellen: Der Artikel »Kinderlose zahlen wie Eltern!« liest sich wie eine Erwiderung auf die aktuell durch die Junge Gruppe der CDU/CSU erhobene Forderung einer Strafsteuer für Kinderlose, erschienen jedoch ist er bereits im Jahre 2005. Das Fazit: Durch weitaus höhere Steuern und Sozialabgaben sind Kinderlose finanziell gesehen etwa gleich hoch belastet wie Eltern, die weniger Beiträge zahlen und das Geld stattdessen für ihre Kinder ausgeben. 

Einnahmequelle: Bevölkerungsgruppen aufhetzen
Wer den genannten Artikel sorgfältig liest und sich die dort genannten Rechenbeispiele vor Augen führt, der muss zu dem Schluss kommen, dass hier wieder einmal Bevölkerungsgruppen politisch gegeneinander ausgespielt werden sollen, um im Endeffekt ein paar Euro mehr in die nimmersatte Staatskasse zu spülen. Beispiele gibt es genug: Raucher gegen Nichtraucher, Angestellte gegen Selbständige, Privatversicherte gegen gesetzlich Versicherte, Autofahrer gegen Radfahrer oder Alte gegen Junge. Die Politik bedient sich hier der niedrigsten Neidreflexe, um breite Mehrheiten zu finden und weitere Begründungen für die große Abzocke zu konstruieren.

»Zieh Dich aus, Schatz! Der Staat braucht Rentenzahler!«
Die Entscheidung, ob jemand Kinder haben möchte oder nicht, ist eine höchst persönliche Angelegenheit. Rechnen wir noch hinzu, dass es eine wachsende Zahl von Menschen gibt, bei denen biologische Hindernisse dem Wunschkind im Wege stehen, dann ist der Gedanke an eine Strafzahlung für Kinderlosigkeit ein Schritt in den Ameisenstaat und passt in keiner Weise zu einer freien Gesellschaft.

Klar ist: Der demographische Faktor ist ein denkbar ungeeigneter Grund zur Zeugung von Nachwuchs. Oder gibt es jemanden hier, der den Satz »Zieh Dich aus, Schatz! Der Staat braucht Rentenzahler!« für erotisierend hält? Wie kommt es, dass immer weniger Menschen andere Gründe einfallen, sich für Nachwuchs zu entscheiden? Oder so starke Gegengründe, dass sie es lieber lassen? Wie kommt es, dass heute so ziemlich jeder aus dem Stand heraus mindestens fünf erwachsene Menschen nennen kann, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben, obwohl sie eigentlich ganz gerne welche gehabt hätten? Wie konnten wir zulassen, dass die allgemeinen Ausbildungszeiten heute derartig lang sind, dass manche Frauen schon aufgrund der Biologie nicht mehr vollumfänglich fortpflanzungsfähig sind, wenn sie sich endlich etabliert haben und an Nachwuchs denken könnten?

Warum haben wir uns ein irrsinniges Schulsystem aufzwingen lassen, das Familienleben zum reinen Stress macht, wie ein ewig drohendes Unheil ganzen Generationen die Kindheit zerstört und Keile zwischen Eltern und Kinder treibt, während jedes Jahr mehr Menschen die Schule verlassen, die nicht einmal halbwegs richtig Lesen und Schreiben gelernt haben? Könnte das mit der allgemeinen Fortpflanzungsmüdigkeit in einem Zusammenhang stehen? Und wenn ja, in welchem? Könnte es sein, dass junge Menschen, die sich erst mit 30 und später wirklich etablieren können, derartig ausbildungsmüde sind, dass sie keinerlei Bock haben, die ganze Mühle zusammen mit ihren Kindern noch einmal zu durchlaufen?

Raus aus den Schlafzimmern!
Klopfen wir dem Staat auf die Finger und bringen wir ihm ein für allemal bei, dass er sich aus unseren Schlafzimmern herauszuhalten hat. Zeigen wir ihm, dass DDR-Methoden keine Chance mehr haben und dass wir nicht gewillt sind, Kinder aufgrund eines Steuerbescheids zu zeugen. Denn das haben die Kinder nicht verdient.

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