Freitag, 10. Februar 2012

Für Sie gelesen: Twin-Pryx von John Asht

Twin-Pryx
Eine Rezension von Ursula Prem


Was genau ist es, das ein Buch zu einem wirklich guten Buch macht? Meine subjektive Antwort - die gerne widerlegt werden darf - lautet: Ein gutes Buch schafft es, einen vollständigen Gedankenkosmos vor uns auszubreiten, möge dieser Gedankenkosmos nun Widersprüche in uns wecken oder nicht.

Gelingt dies John Asht, dem Autor des Buches »Twin-Pryx«? - In meinen Augen: Uneingeschränkt ja! Wer sich die Mühe macht, das Buch zu lesen, den nimmt John Asht mit in ein fremdes, faszinierendes Universum einer individuellen Gedankenwelt. Und eben das macht diese Buch nicht nur zu einem guten Buch, sondern sogar zu einem Meisterwerk. John Asht erlaubt sich, die Welt durch seine höchstpersönliche Brille zu betrachten. Dies unterscheidet ihn von vielen anderen Autoren, die die Dinge so darstellen, wie sie vermuten, dass viele Leser sie gerne hätten. Dass Asht ein unkonventioneller Typ zu sein scheint, wird ihm gerne zum Nachteil ausgelegt. Doch ist es nicht genau diese Fähigkeit zur unbedingten Freiheit, die wir immer behaupten, von Künstlern angeblich zu erwarten?




Die Handlung

Als Nachkommen zweier mit besonderen Fähigkeiten ausgestatteter Sippen geraten die Zwillinge Gunther und Charly in den Strudel des erbarmungslosen Ost-West-Konflikts. Doch nicht genug damit, dass beide Seiten das Blut der Zwillinge gerne zur Züchtung des Übermenschen benutzen würden: Auch ihr Vorfahre Nosferatu braucht ihre Kräfte als Lebenselixier und setzt alles daran, die idealen Bedingungen für seine eigene Auferstehung zu schaffen ...

John Asht bedient sich zur Erzählung seines raffiniert gebauten Mystery-Thrillers surrealistischer Stilmittel, lässt Traum und Wirklichkeit ineinandergreifen und sich zu völlig neuen Sichtweisen vereinen, wie wohl Carlos Castaneda sie gemeint haben mag, wenn er von der »Verschiebung des Montagepunkts« schrieb. Eigentlich vertraute Orte erfahren eine reizvolle Durchdringung mit mystischen Elementen, was Asht teilweise auch durch ein leicht veränderte Schreibweise zum Ausdruck bringt: Transsilvanien wird zu Transylvanien, Siebenbürgen zu Siebenburgen. Ein Fakt, auf den er auch im Vorwort auf Seite 10 ausdrücklich hinweist.

Positiv beeindruckt hat mich das Frauenbild des Autors. Anders, als man es von vielen Schriftstellern gewöhnt ist, sind seine Frauengestalten durch die Bank starke Persönlichkeiten. Angefangen von Hanna Schwarzenberg, der Mutter der Zwillinge, über das mysteriöse Indianermädchen Rish-Adun oder Top-Agentin Bridget Nash agieren sämtliche Frauen in Twin-Pryx als eigenständige Handlungsträger, völlig frei vom üblichen Warten auf den Retter mit dem weißen Pferd.


Die Sprache

Ich schließe nicht aus, dass es auch mit meiner persönlichen Geschichte zu tun hat: Aber John Ashts Sprache trifft meinen Nerv. Als Opernsängerin hatte ich viele Jahre lang mit dem Auswendiglernen riesiger Textmengen zu tun, die nicht unserer Zeit entstammen. Bedenkt man, dass die Analphabetenquote in unserem Lande ständig steigt, dass viele Menschen nachweislich nur noch Sätze verstehen, die aus nicht mehr als elf Wörtern bestehen, dass kostbarer Wortschatz nach und nach verschwindet und durch sprachlichen Einheitsbrei ohne emotionalen Gehalt ersetzt wird, freue ich mich, den ein oder anderen Anklang an sprachlich glücklichere Zeiten in Twin-Pryx zu finden. Dennoch versteht es John Asht in jedem Moment, dieses Stilmittel so zu dosieren, dass ihm der Rückweg in die Moderne offen und das Buch auch für den heutigen Menschen sehr gut lesbar bleibt.

Mein Fazit: Ein Buch, um genüsslich darin einzutauchen und ein absoluter Lesetipp für Freunde des gepflegten Mystery-Thrillers.

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Kommentare:

  1. Sprache verändert sich, sie ist in einem stetigen Fluss und entwickelt sich immer fort. Texte mit unendlich langen Sätzen sind heute nicht mehr "in", sondern irgendwo Relikte früherer Zeiten.

    Das muss freilich gar nicht schlecht sein, aber man darf dann bitte nicht fordern, dass die Mehrheit der Leser solche Texte gut findet oder umgekehrt andeuten, der Leser wäre intellektuell zurückgeblieben.
    Und wenn eine Mehrheit solche Texte nicht gut findet, muss man das eben akezptieren.

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  2. Liebe Ursula,

    danke für Deine Rezension, ich bin gespannt auf die Resonanz. In dem Beitrag: »Eine Lanze für John Asht« http://www.ein-buch-lesen.de/2012/01/eine-lanze-fur-john-asht.html
    habe ich in der Kommentarzeile die Frage gestellt: Zitat: »Und jetzt stellen Sie sich vor, es würde irgendein Autor sich da einschalten und würde schreiben: »Habe das Buch gelesen, ich finde es gut!« Vielleicht noch mit Realname. Was denken Sie, was dann passiert?« Zitatende

    Auf diese Frage habe ich keine Antwort erhalten.

    Aus meiner Sicht interessant eine der Reaktionen auf die 5 Sterne Rezension von Walter-Jörg Langbein auf Amazon.de:
    Zitat: »Stephan meint:
    … Es ist echt krass, wie diese ganze Mischpoke sich gegen die Realität stemmt…« Zitatende
    Was ist aus dem Recht der freien Meinungsäußerung geworden? Wer hat das Recht darauf? Wem wird es abgesprochen und aus welchem Grund? Wer bestimmt was Recht ist?

    Was mag da »die Realität« sein? Gibt es keine Realität des Andersdenkenden?
    Wer ist denn die »Mischpoke«? Wird die als nächstes wie die Sau durchs Dorf getrieben?

    Lassen wir uns überraschen.

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    1. liebe autorin,

      vielleicht gab es keine antwort auf deine frage, weil es bisher keine autorin/keinen autor gab, der mit seinem namen dafür bürgen würde, dass das buch gut ist?

      ich selbst arbeite als autorin und lektorin, und ich würde wirklich und wahrhaftig lügen müssen, wenn ich behaupten würde, ich stehe für dieses buch ein. denn ich empfinde es als unfertig, als rohentwurf, nicht als fertiges buch.
      ich bin nicht der nabel der welt, aber ich arbeite schon einige jährchen in dem beruf und hab ein bisschen erfahrung mit textarbeit, sodass ich das schweigen auf deine forderung/deinen wunsch, autorInnen, die das buch wunderbar finden, mögen sich bitte melden, tatsächlich als das deuten würde, was es ist: keine provokation, sondern schlicht die abwesenheit von autorInnen, die begeistert für das buch einstehen möchten.

      doch ganz so leer ist das feld ja auch nicht. ursula ist eine autorin, die begeistert dafür einsteht. und du offenbar auch? es gibt immer und überall ausnahmen. man darf jedoch nicht blind dafür sein, dass ausnahmen zumeist die regel bestätigen.


      freundliche grüße, antje

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  3. Hallo und danke für den Kommentar. Ja, wir haben uns bereits an vieles gewöhnt: Ob Fast-Food, Gangsta-Rap, Komasaufen oder Assi-TV. Lebendige kulturelle Impulse als Gegengewicht sind nur an wenigen Stellen auszumachen. Nun kann man sich dem Niedergang natürlich kampflos ergeben. Für mich ist nur die Frage: Warum sollte man das tun?

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  4. Liebe Autorin, ja, das sind interessante Fragen. Mal sehen, ob die Meinungsfreiheit wirklich für jeden gilt ... :-)

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    1. das frage ich mich auch, ursula, und ich frage mich auch, ob der autor sich das tatsächlich fragt, denn freiheit ist eben tatsächlich immer auch die freiheit der andersdenkenden. ist es richtig, eine freiheit für sich einzufordern, die man anderen nicht zugestehen möchte?

      fragt freundlich antje

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  5. Richtig, Ursula! Warum sollten wir das tun?

    Jeder hat das Recht auf freie Meinung und die ist auch immer die Meinung des Andersdenkenden.

    »Willst du nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein!« ist zwar ein starkes Argument, deutet aber nicht auf ein demokratisches Grundvertsändnis hin.

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    1. @ autorin

      ich bin genau dieser meinung, und deshalb sollte sich der autor auch daran halten!

      antje

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  6. Lange Sätze bedeuten nicht gleich sprachlich gut.

    Dinge, die passieren sind nicht gleich Plot.

    Ein simples Grammatikbuch, ein Selbsthilfebuch à la "Wie schreibe ich einen Roman?" und ein wenig Offenheit würden John Asht schon sehr helfen. Aber wenn man sich selbst für unfehlbar hält - und da haben sich offenbar zwei gefunden - dann will man sich nicht verbessern. Wohin denn? Man ist doch schon Gottes Geschenk an die Welt.
    Nur kommuniziert die Welt im Internet (noch) relativ frei und offen und sagt so auch ihre Meinung zu einem Werk, zu den Äußerungen von öffentlichen Personen und zu Fehlern, die zu vermeiden man in der Grundschule lernt.

    Ich weise darauf hin, dass mein letzter Satz aus ganzen 37 Wörtern besteht, was ihn weder besonders wertvoll, noch leichter lesbar macht. Aber vielleicht treffe ich damit ja auch Ihren Nerv...

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  7. @anonym: Hmmm, nun könnte man natürlich auch ein Selbsthilfebuch verfassen mit dem Titel: "Wie umgehe ich Bücher, die ich nicht mag und finde die für mich richtige Literatur?" :-))

    Lange Sätze bedeuten nicht gleich sprachlich schlecht. So gesehen geht Ihr Satz mit den 37 Wörtern grammatikalisch absolut in Ordnung ... :-)

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    Antworten
    1. Dafür gibt es z.B. Rezensionen und Rezensenten, die auch Bücher besprechen, die ihnen aus diversen Gründen nicht gefallen haben. Ein Selbsthilfebuch brauchen wir also nicht. Wir hefen uns selber.

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    2. lange sätze sind gewiss nicht zwangsläufig "schlecht", aber sprachliche redundanzen sind es, ursula. und die zeigt der text in hülle und fülle.

      liebe grüße, antje

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  8. liebe ursula prem,

    wenn ihnen das buch gefällt, wird der autor sich freuen und der verlag auch. jeder topf findet irgendwann seinen deckel, und twin pryx hat hier offenbar seinen deckel gefunden. das ist ja auch beidseitig erwünscht und okay. das buch als "anklang an sprachlich glücklichere zeiten" zu feiern, hat in meinen augen jedoch eher einen unglücklichen anklang. es wirft (leider) auch ein bestimmtes licht auf ihr eigenes sprachgefühl als autorin, aber wie gesagt: wenn sich wirklich topf und deckel gefunden haben, dann haben auch sie jetzt einen leser mehr, und das ist ja schon mal gut.

    ich finde es interessant (und erstaulich), dass jemanden dieses buch (allein sprachlich) gefällt, würde diesen berauschten enthusiasmus nur nicht so generalisieren, denn es gibt tatsächlich standards, was literarisches schreiben, oder, wenn man nicht ganz so weit gehen möchte, was stilistik angeht.

    liebe grüße, antje

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  9. Liebe Antje,

    danke für Ihren Kommentar. Mir gefällt immer das, was wahrhaftig ist. Plumpe Anbiederei mancher Autoren an irgendeinen Zeitgeist, der sehr schnell vergänglich ist, interessiert mich nicht die Bohne. Deshalb rezensiere ich von all den Büchern, die ich mit der Zeit lese, höchstens zwanzig Prozent. Vieles, was so auf dem Markt ist, gefällt mir wirklich nicht. Doch welche Titel das sind, würde ich niemals öffentlich machen. Wer bin ich denn, dass ich mir das anmaßen könnte? Und warum sollte ich meine Zeit damit verschwenden, das Zeug nicht nur vollständig zu lesen, sondern auch noch zu rezensieren?

    Die einzige Frage, die mich wirklich interessiert, ist die: Habe ich persönlich den Eindruck, dass hinter dem Buch ein echter, menschlicher Verfasser steht, oder aber eine Schreibmaschine aus Fleisch und Knochen?

    Ein Mensch darf von mir aus dann auch Fehler machen. Oder mal einen Satz schreiben, der Germanisten sauer aufstößt, weil das nun mal zum Berufsbild des Germanisten gehört, dass er einen sauren Magen hat. So what? Auch extrem modern formulierende Autoren finde ich interessant, wenn das, was sie schreiben, glaubwürdig ist und wenn sie es wagen, in ihrem Werk etwas von sich selbst preiszugeben.

    Nun habe ich natürlich mitbekommen, dass viele der Menschen, die über John Asht empört sind, extrem jung sind. Da das Internet nicht undurchschaubar ist, ist es in manchen Fällen relativ einfach, sich über den jeweiligen Verfasser einer Bewertung ein Bild zu machen. Und ich weiß zufällig sehr genau, was junge Menschen heute an Schulen und Unis so durchmachen: Einmal vom vorgegebenen Schema abgewichen, und schon schiebt Papa Panik und macht Stress, ob man das Abitur besteht.

    Sowas hinterlässt Spuren, klar, und nicht zu knapp. Und gerade deshalb sag ich immer wieder: Es gibt ein Leben nach der Schule und ein Leben außerhalb vorgegebener Schemen. Ein Leben außerhalb langweiliger Standards, die des eigenen Denkens entheben. Wer den Mut hat, sich von all dem Mist freizumachen, entdeckt das wahre Leben. Und das macht viel mehr Spaß und man kann hin und wieder auch mal lachen dabei ... :-)

    Liebe Grüße

    Ursula

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    1. Also ich bin 39 Jahre und empört über John Ashts Verhalten. Als "extrem jung" würde ich mich wirklich nicht mehr bezeichnen. Blogger ist nicht synonym mit jung, wie Sie selbst wissen sollten.

      Das nur mal so am Rande erwähnt und um dieses Vorurteil mal zu entkräften. Ich könnte noch studiert (Neuere deutsche Literatur) und berufstätig hinzufügen.

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  10. Wenn Sie wirklich gute lange Sätze mit anspruchsvollem Inhalt lesen wollen, dann kann ich Ihnen Thomas Bernhard ans Herz legen.
    Geologe

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  11. Die Überschrift irritiert mich etwas:
    "Freitag, 10. Februar 2012
    Für Sie gelesen: Twin-Pryx von John Asht"
    Für mich sollten Sie nicht lesen - m.E. sollte jeder nur für sich lesen, rein nach dem Lustprinzip.
    Geologe

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  12. liebe ursula,

    als autorin liest man am liebsten freudigen reaktionen (so wie man auch lieber hübsche als hässliche fotos von sich anschaut, das ist menschlich), aber - es bringt mich handwerklich nicht weiter, gelobt zu werden. ich sehe dann nicht, wo ich ansetzen kann, um mich zu entwickeln. und ich möchte mich strecken, bessere bücher schreiben, nicht da bleiben, wo ich bin. zu lernen - das ist meine herausforderung.

    wäre z.b. mein erstes (schwaches) buch nicht auch mal ordentlich in die pfanne gehauen worden (was mich natürlich geschmerzt hat) - ich wäre vielleicht noch immer nicht weiter. ich hätte bücherweise dasselbe niveau erarbeitet, weil ich zufrieden gewesen wäre, dass es einigen gefällt. ich hätte wenig impuls gespürt, mich zu entwickeln.

    mir selbst hilft es, wenn mir meine schwächen gezeigt werden. im ersten moment zwickt es freilich, aber ich muss auch sagen: es zwickt meist da, wo eben wirklich eine schwachstelle ist. irgendwie weiß man im grunde ja auch, wo der schuh drückt.

    buch für buch hab ich mich verändert, hab mein profil geschärft, meine sprache entwickelt, oder sagen wir: langsam gefunden. und nicht allein die feuilletonkritiker, sondern v.a. auch die leser waren meine wichtigsten kritiker. ich brauche neben kritiker- genauso lersermeinungen. ich schreibe schließlich v.a. für leserInnen, nicht für kritikerInnen. (beide formen von besprechungen sind wichtig, aber letztlich ist es mir eben ein bedürfnis zu erfahren, ob ich meine leserInnen auch erreiche, oder ob ich an ihnen vorbeischreibe. schriebe ich an ihnen vorbei, wäre für mich ein wichtiges anliegen verfehlt.)

    es geht mir wie dir: ich möchte den menschen hinter dem text spüren, keine glatte fläche oder schreibmaschine. aber - anders als du - hab ich bei ashts buch eher das gefühl, dass da eine schreibmaschine schreibt, weil eben das, was menschen können (sollten) - überarbeiten - in meinen augen nicht geschehen ist.

    ich gehöre nicht zu den ganz jungen leserInnen, die du ansprichst. ich bin professionelle autorin und lektorin, und der text ist in meinen augen ein rohtext. schreiben ist ja nicht schreiben, sondern die arbeit am text. einen text hinschreiben - das tut die schreibmaschine aus fleisch und blut. ihn sorgsam überarbeiten und ent-wickeln (sprachlich, motivisch, dramaturgisch, psychologisch) - das tut der autor, dem sein text wirklich am herzen liegt.

    der text ist ja nicht von anfang da. er ist ein opal in einem riesigen textklumpen, der wertvolle kern, der erst g e f u n d e n werden muss. diesen klumpen aufs papier zu bringen, ist das leichteste. es ist der VORschritt zum schreiben.

    ein text entsteht. er entsteht im laufe von überarbeitungen; er muss herausgeholt, hervorgelockt werden. die suche danach ist das eigentliche schreiben, und die heißt überarbeitung. überarbeitung für überarbeitung dringen wir in den klumpen vor, tragen schicht um schicht überflüssiger erde, unschönen sprachfetts ab und klopfen uns müh- und behutsam bis zum funkelnden kern vor.
    schreiben ist ein winziges bisschen talent und neunundneunzig prozent arbeit: die harte arbeit des opalschürfers.

    würden wir autorInnen einen text nicht viele, viele male überarbeiten, sondern bequemerweise annehmen, der klumpen, der uns da aus dem kopf in den computer gefallen ist, sei bereits der text, würde der opalschürfer also seinen schweiß nicht in die kräftezehrende arbeit des abtragens und herausholens hineinlegen, hätten wir am ende keinen opal, sondern einen klumpen.

    ich sehe bei ashts texts anders als du nicht kleine, verzeihbare menschliche mängel des schreibens. nein, das ist in meinen augen einfach noch der klumpen. als lektorin sage ich: da steckt vielleicht was drin, aber es ist noch unsichtbar, denn der klumpen ist dick und unbearbeitet. wenn bearbeitung geschieht, wenn s c h r e i b e n geschieht, kann etwas draus werden. aber das schreiben hat hier - für mein gefühl und nach meiner erfahrung - einfach noch gar nicht angefangen.

    liebe grüße, antje

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    Antworten
    1. Hallo Antje,

      im Fall des Buches Twin-Pryx gehe ich davon aus, dass die zahllosen Verrisse, die bei Amazon aufgeschlagen sind, in jedem Fall gekommen wären. Völlig unabhängig davon, welchen Sprachstil oder selbst welches Genre es aufweist: Einer wird zum Abschuss freigegeben, also muss er weg. Ein altbekannter Mechanismus, den wir in der heutigen Zeit langsam überwinden sollten.

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    2. liebe ursula,

      das ist aber keine antwort auf mein post, hat damit im grunde gar nichts zu tun.

      ich muss dir sagen, dass ich das buch ebenfalls stark kritisieren würde (ich hab's ja eben schon getan), auch wenn die verrisse nicht wären. allein sprachlich ist es, wie ich schon kurz sagte, in meinen augen kein fertiger text, sondern noch im rohzustand. das hat nichts mit den verrissen auf amazon zu tun, das hat mit meinen verständnis für (literarische) texte und mit meiner texterfahrung zu tun.

      der autor hat in meinen augen dieses buch nicht oder kaum überarbeitet. rohmanuskripte sind meistens schwach - aber die bekommt auch keiner zu sehen, weil sie eben mit dem endtext eigentlich nichts zu tun haben. es ist eine vorstufe.

      da der autor hier aber einen rohtext, d.h. einen e n t w u r f, abgegeben hat und offenbar keine textbetreuung erfahren hat, ist der text nun im sprachlichen desaster-zustand an die leserInnen geraten.
      das ist fürchterlich für den autor und es ist auch schlimm für den verlag. denn in diesem zustand wird das buch sehr, sehr sicher eben nur sehr wenige angetane leserInnen finden. in dir hat es eine gefunden, aber ausnahmen bestätigen sehr häufig die regel.

      ich kann nur aus meiner eigenen berufserfahrung sprechen, aber da weiß ich: so ein buch wäre in einem publikumsverlag n i e m a l s in diesem zustand veröffentlicht worden. das ist - allein sprachlich - einfach noch im allerallerrohesten anfangsstadium. in diesem zustand würde es noch nicht mal ins lektorat gehen oder nur in einer großen ausnahmesituation, denn es ist einfach noch nicht mal an dem punkt, dass man mit der lektoratsarbeit beginnen könnte.

      ich persönlich würde das lektorat in diesem zustand ablehnen, das wäre verfrüht. da fehlen einfach noch mehrere überarbeitungen, bis der text überhaupt dem lektorat vorgezeigt werden könnte.

      ich selbst überarbeite ca. 40 mal und damit meine ich nicht die ohnehin ständig stattfindenden überarbeitungen am monitor, sondern die blattüberarbeitungen: ausdrucken, überarbeiten, einarbeiten, ausdrücken, überarbeiten, einarbeiten ...
      in meinen augen hat die mehrfache sorgsame blattarbeit noch gar nicht stattgefunden. es gab offenbar ein korrektorat, aber es gab für mein gefühl keine (oder höchstens eine) konzentrierte überarbeitung am blatt durch den autor (und um den "opal" im klumpen überhaupt erst mal zu finden, ist das quasi nichts, es sollten schon zwischen 20 und 40 blattüberarbeitungen sein. es gibt beim literarischen schreiben nicht so was wie den "ersten guten wurf". man singt ja auch nicht einfach so oper. man muss lernen und üben, und ich bin sicher, man muss öfter üben als nur einmal), und es gab offenbar auch kein professionelles lektorat. (oder der autor nimmt kein lektorat an.)

      wie gesagt: das s e h e ich, und das hat nichts damit zu tun, dass das buch kräftig verrissen wurde, sondern mit meiner erfahrung mit texten. das buch wäre nicht besser, wenn es keine verrisse gegeben hätte. dann wäre es eben schwach gewesen, nur - niemand hätte davon gewusst. verstehst du?

      ich möchte mich ehrlich gesagt auch nicht auf äußerungen wie "einer wird zum abschuss freigegeben, und dann muss er weg" einlassen. das empfinde ich als kontraproduktiv und als unterstellung. ich selbst seh das nicht so, und ich selbst hab den autor nicht "zum abschuss freigegeben". würde ich mich auf so eine äußerung einlassen, müsste ich mich von dir verletzt fühlen, und das möchte ich nicht. ich möchte nicht grundlos angegriffen werden. ich seh die schwächen des buchs, und ich würde mich hier über eine gute auseinandersetzung freuen.

      ganz ohne diese nebenbemerkungen, die woanders hinzielen als auf die sprachliche und literarische auseinandersetzung mit dem text. der autor wünscht sich so was doch auch. wäre es dann nicht fair, auch mal beim thema zu bleiben?

      fragt freundlich antje

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    3. @ UP: Sie argumentieren nicht konsistent. Einerseits schreiben Sie resigniert, dass die Menschheit in Dummheit und Brutalität versinkt und es praktisch aussichtslos ist, etwas dagegen unternehmen zu wollen (ich finde die betreffenden Kommentare von Ihnen jetzt nicht, das klang aber unter mindestens einem der drei Artikel zu John Asht in diesem Blog an). Andererseits wundern und ärgern Sie sich darüber, dass das böswillige Erledigen eines willkürlich ausgesuchten Opfers "in der heutigen Zeit" noch nicht überwunden ist. Wie passt das zusammen?

      Und jetzt noch ein paar Worte zu den Verrissen bei Amazon: Die sind erstens deshalb gekommen, weil das Buch wirklich erhebliche Schwächen hat. Die Kritik an der Sprache kann jeder anhand der Leseprobe nachvollziehen, den Vorwurf des Sexismus ebenfalls. Auch dass viele Szenen ungeplant wirken, dass nicht eingeführte Dinge (wie z.B. die Burg, in der das ganze spielt) praktisch aus dem Nichts plötzlich auftauchen und wie selbstverständlich da sind, kann man schon in der Leseprobe sehen.

      John Asht wurde nicht willkürlich zum Abschuss freigegeben. Die überhebliche und unflätige Art John Ashts, mit einer negativen, aber sachlichen und anhand der Leseprobe ohne weiteres nachvollziehbaren Rezension umzugehen, hat das Jauchegewitter erst ausgelöst. Sein Verhalten war der Anlass, die Steilvorlage sozusagen.

      Dass das fragliche Buch erhebliche Schwächen zeigt und der Autor mit seiner Selbsteinschätzung so offensichtlich weit daneben liegt, hat ihm natürlich nicht geholfen. Die Qualität des Buches, wie es vorliegt, hat eben auch für sich gesprochen. Wenn Twin-Pryx ein unentdecktes Juwel wäre, hätten das ganz sicher wenigstens ein paar der Diskussionsteilnehmer erkannt und anerkannt. Haben sie aber nicht. Alles, was es zu sehen gab, war ein schwaches Buch in Rohfassung (s. Kommentare von Antje), ein Autor, der in grotesker Fehleinschätzung seiner Fähigkeiten rüde auskeilt und so wirren Unsinn von sich gibt, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Selbst wenn manche Kommentare über Gebühr gehässig waren und ein Großteil der Diskussion sich in Wiederholungen derselben Argumente erschöpft - den bösartigen Vernichtungswillen, die Lynchmob-Mentalität, das willkürliche Abschießen eines beliebigen, unschuldigen Opfers kann ich nicht sehen. Und wenn John Asht nicht immer wieder Öl auf's Feuer gießen würde, hätte sich die ganze Angelegenheit auch schon lange wieder beruhigt. Er hält das selbst am Köcheln, leider zu seinem eigenen Nachteil. Wem die Hitze nicht behagt, der möge doch die Küche verlassen, oder wenigstens nicht ständig Brennstoff nachlegen. Natürlich hat er sich jetzt in eine besch..ene Lage manövriert, er kann jetzt fast nur noch verlieren. Das hat er meiner Meinung nach aber vor allem sich selbst zuzuschreiben, und vielleicht noch seiner Verlegerin.

      gnaddrig

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    4. sehr schade, dass du nicht antwortest, ursula.

      hoffentlich liegt es nur am wochenende.

      liebe grüße, antje

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    5. Liebe Antje,

      für ausführliche Antworten fehlt mir leider im Augenblick die Zeit. Zum Trost kann ich Dir aber anbieten, Dich und Deine Lektoratsarbeit in einem weiteren Kommentar ausführlich vorzustellen, gerne auch mit Link zu Deiner Website/Deinem Blog. So etwas könnte Dir durchaus neue Kunden einbringen ... :-)

      Liebe Grüße

      Ursula

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    6. liebe ursula,

      es geht hier nicht um mich. du lenkst schon wieder ab. ich schreibe hier doch nicht, um lektoratsaufträge einzuwerben! ich hab genug auf meinem schreibtisch liegen. ich schreibe aus interesse an dieser sache hier und weil mir an einem guten austausch liegt.

      leider scheint das nicht möglich. warum? du fährst erst an, und als jemand wirklich mal sprachlich interessiert reagiert, flüchtest entweder in andere themen oder wiegelst aus zeitgründen ab. ich selbst hab eigentlich auch keine zeit, ich hab termindruck, aber das hier interessiert mich. und dich ja offenbar auch.

      du hast doch so schön angefangen, über das buch als solches zu reden. hast dir zeit genommen. lass uns doch dabei bleiben und darüber diskutieren. genau das wünscht sich der autor doch auch. bleib mal beim thema. beim text. und zwar nicht nur für einen kurzen schuss, sondern für eine konkrete textauseinandersetzung.

      wenn dir die zeit dafür im augenblick fehlt, ist sie ja vielleicht morgen wieder da. ich warte gern und freu mich auf eine interessante diskussion und auseinandersezung mit dem buch: in sprachlicher und literarischer hinsicht. und ich denke, es gibt noch mehr literaturwissenschaftler hier in der runde, die gern dabei sind.

      noch mal in aller klarheit: mir liegt nichts, absolut gar nichts an der auseinandersetzung mit den dingen, die der autor n e b e n dem text leistet. ich möchte mich nur um den text kümmern. das ist fairer als alles andere, es ist das, was der autor sich wünscht und was du selbst auch wünschst, und ich wäre dafür bereit. deshalb bitte ich dich, sämtliche nebenschauplätze einfach mal auszublenden, weil das doch nur diskussionen auslöst, die nichts mit dem text zu tun haben. ich würd gern beim kern bleiben.

      herzliche grüße, antje

      Löschen
  13. liebe ursula,

    ich hab jetzt einfach mal kollegenhaft geduzt, ich hoffe das war in ordnung?

    liebe grüße, antje

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    Antworten
    1. Hallo Antje,

      klar, das geht absolut in Ordnung! :-)

      Löschen
  14. und natürlich freu mich auch über eine reaktion auf den post davor. =)

    liebe grüße, antje

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  15. "Zum Abschuss freigegeben"? Die Wortwahl befremdet mich, als gäbe es da draußen irgendwo eine Autorität, die das veranlasst. Diese Person gibt es jedoch nicht. Insofern ist diese Wortwahl mehr als unpassend.

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  16. liebe ursula,

    immer noch keine antwort, schade ...

    antje

    AntwortenLöschen

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