Freitag, 6. Januar 2012

Kreide für den Wulff – Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Jetzt weiß ich endlich, was Mama immer meinte, wenn sie sagte: »Kind, treib Dich nicht mit den falschen Freunden herum!« - Seit dem gestrigen Fernsehinterview mit Bundespräsident Christian Wulff wird der Begriff Freundschaft in Deutschland neu definiert werden müssen. Es müsse, so Wulff, in Deutschland wenigstens möglich sein, sich von Freunden auch mal Geld zu leihen.

Offenbar hat Christian Wulff ein angeborenes Händchen für die Auswahl der richtigen Freunde. Und so fand sich auch ein »väterlicher Freund«, dessen Frau bereit war, Wulff mal eben 500.000 € zu leihen, für den Kauf eines Einfamilienhauses. Dagegen wäre auch erstmal nichts zu sagen. Nirgendwo steht geschrieben, dass nur Banken Kredite vergeben dürfen. Dass Wulff jedoch geschäftliche Beziehungen zu seinem Freund Egon Geerkens bei einer entsprechenden Anfrage unter den Tisch fallen ließ, da die Geschäftsbeziehungen schließlich mit Frau Geerkens bestanden hätten, hat schon ein »Gschmäckle«. Mag dies alles formaljuristisch noch halbwegs in Ordnung gegangen sein: Der Drohanruf bei BILD-Chefredakteur Kai Diekmann ist ein anderes Kaliber.

Angriff auf die Pressefreiheit
Egal, wie viel Kreide der Wulff auch für das Fernsehen frisst: Der Versuch eines Staatsoberhauptes, die freie Berichterstattung zu behindern, kann nur als massiver Angriff auf die Pressefreiheit gewertet werden und ist definitiv ein absolutes No-Go.

Trotz dieser Sachlage bin ich für einen Verbleib von Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten, denn: Ein Rücktritt wäre viel zu einfach. Mit einem Rücktritt lässt sich ein Bundespräsident bequem in das weiche Bett des Ehrensolds fallen, der ihm aufgrund eines schwachsinnigen Gesetzes lebenslang zusteht. 199.000 € jährlich, zuzüglich Büro, Sekretärin, Dienstwagen und Chauffeur. Wer würde da nicht schnell mal zurücktreten und sich mit einem Blick auf den Kontoauszug über das Vergangene hinwegtrösten?

Bundespräsident – ein merkwürdiges Amt
Der Bundespräsident wird als Staatsoberhaupt und damit als »erste Person im Staat« betrachtet. Da kann man schon mal übermütig werden und denken, dass nun selbst die Presse Männchen macht. Doch in Wahrheit hat der Bundespräsident nur wenig faktische Macht. Er kann die Unterschrift unter ein neues Gesetz verweigern (was er wohl nicht tun wird, wenn er von Kanzlerins Gnaden auf seinem Stuhl sitzt). Ansonsten hält er munter Sonntagsreden in einem gefälligen Ambiente: zum Tag der deutschen Einheit, zu Weihnachten, immer dann, wenn es feierlich zugeht im Staat. Von der sonstigen Möglichkeit politischer Zwischenrufe, für die ein Roman Herzog legendär war, hat Wulff bisher wenig Gebrauch gemacht. Auf gut Deutsch: Jeder x-beliebige Büttenredner mit halbwegs passablem Aussehen könnte den Job ebenso ausfüllen. Würde er wohl auch. Nur halt ohne Ehrensold.

»Nu stell Dir mal vor, Du wärest Mitglied im Karnevalsverein Pommes Rot-Weiß ... und Euer Lieblingsbüttenredner hätte einen Journalisten bedroht, irgendwie ... Mensch, da wär Karneval erledigt, oder?«, werden Sie jetzt vielleicht einwenden.

Stimmt. Karneval schon. Aber Karneval nehmen die Leute ja auch ernst ...


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