Sonntag, 1. Januar 2012

102 »2012«

Jetzt lesen:
2012 - Endzeit und Neuanfang


Teil 102 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Moderne Nachgestaltung des
Sonnensteins - Foto: W-J.Langbein
Schon von weitem beeindruckt mich die steinerne Scheibe mit den mysteriösen Zeichen und Symbolen. Sie wirkt wie mit einem modernen Gerät ziseliert. Die detailreichen, kleinen, in Kreisen angeordneten Gravuren erwecken den Eindruck geheimnisvoller Leichtigkeit ... und doch ist die steinerne Scheibe geradezu ein Monster: 3,60 Meter misst ihr Durchmesser. 1,22 Meter dick ist der so sorgsam bearbeitete Basaltstein ... und geschätzte 24 Tonnen schwer!

Am 17. Dezember 1790 wurde der kolossale Stein bei Erdarbeiten südlich der Kathedrale in Mexiko City gefunden ... und erst 1885 in das »Nationalmuseum für Anthropologie« geschafft. Dort dominiert er auch heute noch das gesamte imposante Museum, nicht nur das Erdgeschoss ... wo man ihn – mit modernsten technischen Mitteln – aufgestellt hat.

Tage könnte man im »Nationalmuseum für Anthropologie« verbringen ... und müsste doch von Vitrine zu Vitrine eilen. Tagelang könnte man den mysteriösen Stein in Augenschein nehmen. Aber man würde ihn doch nicht verstehen. Umstritten ist bis heute, welche Funktion der kolossale Stein einst hatte. Häufig hört man die Erklärung, er sei eine »quauhxicalli«, eine Opferscheibe gewesen. In der Tat: Neben Adler- und Jaguarstatuetten gab es bei den Azteken auch verzierte runde Steine, auf denen den Göttern Opfer dargeboten wurden. Solche »Altare« weisen aber in der Regel runde Aushöhlungen auf, in die die Opfer gelegt wurden.

Chac Mool von Chichen Itza - Foto: W-J.Langbein
Ähnliche Altare hatten auch die Mayas. In der Tempel-Anlage von Chichen Itza, Mexiko, trug eine Chac-Mool-Figur auf dem Bauch einst eine Opferschale. Wurden Menschenherzen in diese Schüsseln gelegt? Wir wissen es nicht. Und die »Berichte« der mordenen Spanier über die angeblich ach so blutrünstigen »Wilden« sind mit Vorsicht zu genießen. Dienten sie doch oft als Begründung für eigene Greueltaten!
Oder handelte es sich um ein »Temelacatl«? Dann wäre der Stein so etwas wie eine Plattform für die rituelle Tötung eines Menschen gewesen. Das menschliche Opfer wurde mit einem Seil angebunden ... und von einem bewaffneten Krieger attackiert. Das Opfer erhielt auch »Waffen«, hatte aber keine Chance. Denn während der Krieger mit tödlichen Mordinstrumenten ausgestattet war, standen dem Opfer nur Atrappen zur Verfügung. Das »Duell« war also nur vorgetäuscht: Verlierer und Gewinner standen von vornherein fest!

Beide »Erklärungen« überzeugen mich nicht: Auf dem »Sonnenstein« fehlt jegliche Vertiefung für Opfergaben. Der Stein ist mit millimeterkleinen feinen Gravuren versehen ... exakt graviert. Auf diesem Kunstwerk sind keine verzweifelten Menschenopfer herumgetrampelt! Eine Vorrichtung zum Anbinden der Todgeweihten ist auch nicht zu erkennen, wohl aber, dass das gewaltige steinerne Rund Teil eines größeren Ganzen war.

Der Kalenderstein ... das Original
Foto: W-J.Langbein
Folgt man »wissenschaftlichen« Werken, so wissen wir heute ganz genau, was jedes einzelne Zeichen bedeutet. Dabei konnte man sich bis heute nicht einmal auf eine Bezeichnung für den gewaltigen Stein einigen. Die gebräuchlichsten Titulierungen sind »Aztekenkalender« und »Sonnenstein«.

So manches Mal stand ich vor dem mysteriösen Kultobjekt im Anthropologischen Museum von Mexiko City. Das fast etwas beängstigende Gesicht im Zentrum zieht mich immer wieder in seinen Bann. Wer aber starrt mich da an? Ist es der Sonnengott Tonatiuh? Oder ist es die Erdgöttin Tlatlecuhtli? Ich persönlich tendiere mehr zur Göttin als zum Gott, wurde doch unlängst in der »Unterwelt« von Mexico City der sogenannte »Tlatlecuhtli«-Monolith entdeckt ...

Dreißig spzialisierte Techniker mussten im Mai 2010 zwei PS-starke Kräne einestzen, um den in vier Teile zerbrochenen einstigen Monolithen ... komplett wog er einst mindestens zwölf Tonnen ... in das »Templo-Mayor-Museum« zu schaffen.

Die gewaltige Steinplatte trägt neben kleineren ein Hauptmotiv: die Erdgöttin Tlatlecutil. Und diese Tlatlecutil ähnelt in verblüffender Weise der »Maske« im Zentrum des mysteriösen »Sonnensteins« (oder »Aztekenkalenders«). In beiden Fällen streckt die zentrale Gottheit ihre Zunge weit aus dem Mund.

Gott ... oder Göttin ...
Foto W-J.Langbein
Mehrfach war ich in Mexiko City. Mehrfach wurde mir von Archäologen vor Ort versichert: »Wir wissen genau, wo sich unter der heutigen Metropole Mexico City archäologische Stätten befinden, etwa Reste von uralten Tempeln!« Aber diese Plätze sind überbaut, förmlich überwuchert vom modernen Mexico City. Man müsste ganze Ortsteile abreißen, um an die Spuren der Vergangenheit zu gelangen. Selbst wenn die Archäologen entsprechende Genehmigungen erhalten sollten, fehlen die finanziellen Mittel. Theoretisch könnte man sich auch unterirdisch an die zu erwartenden Funde heranarbeiten. Für solche, überaus aufwändige Grabungen sind, so versicherte man mir, Genehmigungen noch schwerer zu erhalten ... aus Sicherheitsgründen. Zudem sind sie um ein Vielfaches teurer ... und somit schon gar nicht finanzierbar. Die Orte der verborgenen Schätze werden streng geheim gehalten, schon aus Angst vor Plünderern.
Betrachtet man den runden »Kalenderstein« genauer, so macht man eine Entdeckung: Man kann ihn als komplexes Gebilde von konzentrischen, ineinander liegenden Rädern unterschiedlicher Größe sehen. Eine befriedigende kalendarische Erklärung für den mysteriösen Stein, der alle Symbole berücksichtigt, gibt es allerdings nicht. Den letzten »Ring« des Steins bilden zwei mytholohische Schlangen, deren Häupter – einander zugewandt – am unteren Rand des Steins zu erkennen sind.

Zwei Schlangen ringeln sich
um das Scheibenrund
Foto: W-J.Langbein
Ohne auf die komplexe Thematik des Kalenders einzugehen sei gesagt: die Azteken gingen – wie die Mayas – von Zeitzyklen aus, die wie das mechanische Werk eines Zeitmessers abliefen. Und so mag der »Kalenderstein« der Azteken so etwas wie ein versteinerter »Computer« gewesen sein. Vielleicht muss man in Gedanken die verschiedenen »Räder« kreisen lassen ...

Was wir wissen: Die Azteken gingen von fünf Zeitaltern aus. Die Mythen über diese fünf Äonen sind unglaublich kompliziert und komplex. Zum Beginn jeder Epoche gibt es eine Schöpfung, am Ende steht eine Apokalypse. Die erste Epoche wurde »Sonne der Erde« genannt. In dieser Ära wurde die Erde von Riesen bevölkert. Schöpfergott Tezcatlipoca hat sie verschlungen. In der zweiten Ära, »Sonne des Windes«, wurden die Menschen der göttlichen Obrigkeit wohl zu klug. Es gab so etwas wie einen Krieg. Die meisten Menschen kamen um. Die wenigen Überlebenden wurden in den Urwald abgedrängt. Sie entwickelten sich zurück ... und wurden zu Affen.

Die roboterhafte
Chalchiuhtlicue
Foto: W-J.Langbein
In der dritten Epoche, »Sonne des Regens«, entwickelten die Menschen den Ackerbau. Tlaloc, Gott des Regens wie der Fruchtbarkeit, war der Schöpfer in dieser Zeit. Ein göttliches »Strafgericht« – glühender Ascheregen – kam vom Himmel. Diese globale Katastrophe vernichtete alles und setzte der dritten Ära ein Ende. Die Menschen aber überlebten – in der Gestalt von Hunden, Truthähnen und Schmetterlingen.
Chalchiuhtlicue – Göttin der Bäche, Flüsse, Seen und Meere – war die Schöpferin der vierten Epoche. Sie war es aber auch, die dieser Ära ein Ende setzte. Wassermassen strömten aus der Erde und ersäuften alles, der Himmel stürzte ein. Wieder überlebten die Menschen: in der Gestalt von Fischen.

Gott Tonatiuh regiert die fünfte Ära ... in der die Azteken lebten, in der wir leben. Auch unsere Welt - »Fünfte Sonne« wird ein Ende finden ... durch gewaltige Erdbeben. Die Weltsicht der Azteken war eine pessimistische. Sie glaubten, dass unser Zeitalter das letzte auf Erden sein wird. Auf die Verwüstung des Globus folgt keine neue Ära ... auf Erden. Nach Weltsicht der Mayas wird es dann kein Leben auf Planet Erde mehr geben!

Wann aber endet unsere Ära nach dem Kalender der Azteken? Weltuntergangspropheten frohlocken zu früh ... Dazu gibt es bei den Azteken keinerlei Angaben. Einen Weltuntergangstermin im Jahre 2012, so wie von den Mayas angeblich prophezeit, gibt es bei den Azteken nicht! Die Azteken befürchteten allerdings, die endgültige Katastrophe stehe unmittelbar bevor ... und könne nur durch blutige Menschenopfer an die Götter hinausgezögert werden.

Aztekenopfer - Foto: Archiv W-J.Langbein
Die Azteken glaubten an fünf Epochen. Jede Epoche endete in einer Katastrophe. Der Mensch überlebte immer, indem er sich den neuen Verhältnissen anpasste. Nur die letzte Apokalypse, die Katastrophe am Ende der fünften Epoche ... würde der Mensch nicht überleben. Tatsächlich wurde Planet Erde im Verlauf der Ewigkeiten immer wieder von gewaltigen Naturkatastrophen heimgesucht, die das Leben weltweit immer wieder fast vollkommen auslöschten.

Vor rund 70.000 Jahren wäre die Menschheit durch eine gewaltige Naturkatastrophe fast ausgerottet worden. So endete eine Planetenära ... und eine neue begann. Der Mensch überlebte, noch einmal. Wie oft wird er noch Glück haben? Globale Katastrophen wird es immer wieder geben. Und irgendwann wird unsere Erde zum toten Planeten.

Wenn »2012« symbolisch für die endgültige globale Apokalypse steht ... kann der Mensch dieses Weltenede überleben?

Lesen Sie das spannende Buch von Walter-Jörg Langbein:
2012 - Endzeit und Neuanfang


»2012 und der Aufbruch ins All«
Teil 103 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 08.01.2012

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