Sonntag, 31. Juli 2011

80 »Der Heilige Geist war eine Frau«

Teil 80 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

St. Jakobus bei Nacht
Foto: W-J.Langbein
In Prien bin ich spät am Abend des 24. November 2006 in die kleine Chiemgau-Bahn gestiegen. Vorschriftsmäßig, wie auf einem Blechschild gefordert, habe ich dem Lokomotivführer meinen Zielbahnhof mitgeteilt. Angehalten wird nur bei Bedarf. Auf die Minute stoppt der kleine Zug ächzend. Der freundliche Lokomotivführer eilt in Person herbei, und teilt mir mit, dass ich nun aussteigen muss. Ich bedanke mich, klettere aus dem Bähnchen ... und stehe Sekunden später in vollkommener Dunkelheit. Vorsichtig taste ich mich ins schwarze Nichts, bis ich auf einen festen Weg komme. In der Ferne sind Lichter zu erahnen. Ich mache mich auf den Weg. Irgendwann hält ein freundlicher Urschallinger im PKW, fragt mich nach meinem Ziel. Ich nenne den Namen »meines« Gasthofs. »Steigen'S ein, da fahr ich Sie hin!«

St. Jakobus frühmorgens
Foto: W-J.Langbein
Warum ich dann nach Urschalling gekommen bin, erkundigt sich der hilfsbereite Fahrer. »Wegen St. Jakobus ...« antworte ich. Das freut den stolzen Urschallinger. »Dann müssen Sie unbedingt das Bild vom Heiligen Geist anschau'n!« rät er mir. Ich nicke. Wegen eben dieses Bildes bin ich nach Urschalling gekommen.

Gegen Mitternacht habe ich mein Zimmer in einer gemütlichen Familienpension bezogen. Die freundliche Wirtin hat mir verraten, aus welchem Fenster ich blicken muss ... um St. Jakobus zu sehen. Ich schaue aus besagtem Fenster ... und starre in die pechschwarze Nacht. Ich wage ein Experiment, montiere das starke Blitzlicht auf meinem Fotoapparat und löse aus ....

Wie das Gotteshaus von Kirchbrak birgt St. Jakobus ein Geheimnis. Auf einem uralten sakralen Fresko wird der Heilige Geist ganz eindeutig als Frau dargestellt. Errichtet wurde das Gotteshaus zwischen 1160 und 1200 ... und zwar – wie St. Michael von Kirchbrak – als Wehrkirche. Nicht ganz klar ist, wann genau die ersten frommen Fresken angebracht wurden. Sie dürften vielleicht schon acht Jahrhunderte alt sein. Um 1550 jedenfalls wurden sie jedenfalls alle übertüncht, auch überputzt ... und gerieten in Vergessenheit.


Innenansicht der
»Bibel für die Armen«
Foto: W-J.Langbein
Als man die schmalen Fenster des Gotteshauses erweiterte, beschädigte man – unwissentlich – herrliche Fresken aus uralten Zeiten. Die Kunstwerke wurden erst 1923 zufällig wieder entdeckt. Ein älterer Einwohner von Urschalling erklärte mir, seine Urgroßmutter habe bei einer langweiligen Predigt an der Wand gekratzt... da sei Putz abgefallen und ein Gesicht sei zu erkennen gewesen. Ob die kleine Anekdote der Wahrheit entspricht?

1941/42, 1966 bis 1968 und 1980 bis 1991 wurden mit großem Aufwand Restaurierungen vorgenommen. Es zeigte sich, dass doch einige erhebliche Lücken in der Freskenmalerei klaffen. Ursprünglich waren alle Wände und die Decke im schönen Gotteshaus mit unzähligen religiösen Bildnissen flächendeckend geschmückt. Die Fehlstellen haben die Restauratoren aus Respekt vor den Originalen nicht neu bemalt. So gibt es da und dort weiße Stellen ... aber man weiß, dass man nur die echten Kunstwerke, keine modernen Nachtempfindungen sieht.

Zweimal wurde das Gotteshaus, die einstige Kapelle, mit Fresken geschmückt: zum ersten Mal wohl schon um 1175 bis 1200, zum zweiten Mal um 1390. Mag sein, dass die ersten Gemälde nur für die erlauchten Familie der Hirnsberger gedacht waren. 1390 ließ der letzte Spross der adeligen Hirnsberger so etwas wie eine gemalte Bibel für die Armen schaffen.

Jesus betet im Garten
Gethsemane
Foto: W-J.Langbein
Unter einem Rundbogen wird in zehn Bilder – wie in einem Comic-Strip – die zentrale Geschichte des »Neuen Testaments« erzählt. Da die Bildergeschichte für ein Publikum ohne Lesekenntnisse gedacht war, musste auf jegliche Schrift verzichtet werden. Leider hat man just in diesen farbenprächtigen Bilderbogen ein Fenster eingebaut, so dass an den Malereien erhebliche Beschädigungen entstanden. Heute ist noch gut zu erkennen, wie prachtvoll das Gesamtbild einst war, das so brachial behandelt wurde ...Wir sehen im »Laienschiff« der Kirche Jesus auf einem Esel in Jerusalem einreiten, auch wenn das Bild stark beschädigt ist. Wir erleben Jesus beim »letzten Abendmahl«, das auch als Fragment ein »Sakrileg« erkennen lässt.

Im Garten Gethsemane betet der verzweifelte Jesus. Wen oder was betet er an? Nach der Bibel bat Jesus Gottvater, ihm doch die Kreuzigung zu ersparen. Auf dem Bild von Urschalling scheint Jesus zu so etwas wie einem auf einer Sockel stehenden Skulptur zu sprechen. Leider ist nur noch ein kleiner Teil des Gesichts erhalten ... und ein Stück von einem Fuß einer Statuette.


Kuss des Verräters
Foto: W-J.Langbein
Gut zu erkennen ist der verräterische Kuss des Judas. Judas hat auf diese Weise – wie wir aus dem biblischen Bericht wissen – den römischen Soldaten die Person Jesu verraten. Mit massiver Waffengewalt sind die Römer angerückt, um den barfüßigen Jesus zu ergreifen.

Seltsam: Einer der römischen Soldaten trägt ein Schild... und darauf ist ein Fisch zu sehen, das Geheimzeichen der jungen Christenheit. Als die ersten Christen verfolgt wurden, gaben sie sich untereinander durch ein kleines Fischzeichen zu erkennen. I-CH-T-Y-S ist das griechische Wort für Fisch. Die einzelnen Buchstaben wurden als Abkürzungen für ein Bekenntnis zu Jesus verstanden: Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser, im Griechischen: I-esus, CHristus, Theos, hYos Soter. Sollte der Häscher als heimlicher Christ geoutet werden? Oder lautet die versteckte Botschaft so: »Durch die Verhaftung Jesu leiteten die Römer das Ende Jesu ein. Es kam zum Verhör, zum Prozess und zur Hinrichtung. Gottvater wollte seinen Sohn zur Rettung der Menschheit opfern. Die Römer gehörten also zum göttlichen Heilsplan.«

Bild für Bild erzählt der »sakrale Comic« die zentrale Geschichte des »Neuen Testaments« weiter: Jesus wird vor den Hohepriester geschleppt, er wird gedemütigt und gegeißelt (fast völlig zerstörte Bilder) und gekreuzigt. Schließlich sieht man ihn zwischen den beiden Verbrechern am Kreuz ... und – auf Bild 10 der Reihe – wird sein Leichnam in einen Sarg gelegt.

Es ist zu vermuten, dass im Zeitraum vieler Jahrhunderte diese zehn Bilder von unzähligen Geistlichen für die Gemeinde im Gotteshaus predigend erklärt wurden. Für die einfache Bevölkerung waren solche religiöse Darstellungen kostbarkeiten des Glaubens. Die Bildergeschichte wird wohl als anschauliche Illustration für so manche Predigt gedient haben!

Was aber mögen frühere Prediger zum mysteriösesten aller Bilder im Gotteshaus gesagt haben? Wenn man beim sonntäglichen Gottesdienst Richtung Altar blickt, dann übersieht man es leicht. Der gewählte Platz ist durchaus logisch, nämlich im »Himmel«. Das ungewöhnliche Bildnis wurde hoch oben im Gewölbe des Chors angebracht: ein »ketzerisches« Bild von der Dreifaltigkeit! Es zeigt ganz eindeutig Gottvater und Gott Sohn und dazwischen den Heiligen Geist.

Der Heilige Geist war
eine Frau
Foto: W-J.Langbein
Gottvater (mit weißem Haar und Bart), Gott Sohn (mit wallendem Haupthaar und Bart in jugendfrischen Farben) und Heiliger Geist haben strahlende Heiligenscheine... Und »der« Heilige Geist ist ganz eindeutig... als Frau dargestellt. Die »Heilige Geistin« hat eindeutig sehr feminine Gesichtszüge und feminine Körperformen. Der Busen ist dezent angedeutet. Gottvater und Gott Sohn haben die »Heilige Geistin« in ihre Mitte genommen. Beide greifen ihr, sagen wir.., an die Schulter.

Im Kirchenführer »Urschalling« (1) heißt es: »Faszinierend, wie der Meister versuchte, dieses letzte und tiefste Geheimnis der Offenbarung darzustellen: die Einheit im Körper mit zwei Händen, bekleidet mit einem Hauptgewand und einem umhüllenden Mantel; die Dreiheit in den Häuptern und dem darauf verteilten göttlichen Nimbus mit je einem Hauptstrahl; zur Rechten Gott Vater, zur Linken Christus, in der Mitte ganz frauenhaft der Heilige Geist.«

In der einstigen Wehrkirche von Urschalling wird »der« Heilige Geist ganz eindeutig als Frau gezeigt, ein scheinbar ketzerisch-anstößiges Bild! Tatsache ist aber: Ursprünglich war der »Heilige Geist« wirklich weiblich!

Empfohlene Lektüre
Walter-Jörg Langbein: Maria Magdalena

Fußnote
Brugger, Walter und Bahnmüller, Lisa: »Urschalling«, Raubling, 3. Auflage 2003, S. 12

»Die Heilige Geistin und Maria Magdalena«,
Teil 81 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.08.2011

Samstag, 30. Juli 2011

Poesie am Samstag- Roland Stickel: »Katzenhilfe«

Foto: Sylvia B.
All die Jahre, in denen Klara und Klärus in ihrem schönen Häuschen und dem Elfengarten wohnen, gibt es zahlreiche streunende Katzen, die einfach ihren Weg durch den recht ursprünglichen Garten machen.
Eine nette Nachbarskatze zu haben, war eine Selbstverständlichkeit, nachdem die eigene Katze Sofie nach einem Urlaub von Klara und Klärus nicht mehr nach Hause kam.
Immer wieder legte Klärus, der ja schon immer fürs Essenkochen zuständig war, Essensreste vor die Türe, die dann schnell weg waren.

Plötzlich, eines Tages erschien eine rote Katze, die aufdringlich mit ihnen schmusen wollte. Ins Haus drängte sie wie die Kälte, und Klara und Klärus hatten alle Hände voll zu tun, um sich ihrer zu erwehren. Es ist ja erst mal was Schönes, eine Schmusekatze zu haben, aber eine Schmusekatze, welche gelegentlich unmotiviert den Beschmusten eine wischt - und zwar mit Krallen - da ist dann Schluss mit Lustig.
Also wurden keine Essensreste mehr rausgelegt, um das Vieh loszuwerden. Nix da. Das liebe Kätzchen ließ sich nicht lumpen und begann, zu randalieren. Die, wohl gemerkt: geliebte!, Nachbarskatze wurde ständig von der roten Katze verprügelt, denn sie übernahm das Revier. Rings um das Grundstück herum hörten Klara und Klärus ständig die Katzen sich prügeln.

Klärus stieg der Kamm, und er bekam große Aggressionen gegen diese Terrorkatze, denn den Zustand davor hatte er immer schön gefunden. Sein Harmoniebedürfnis wurde aufs Äußerste malträtiert. Das Katzenvieh wollte nicht weichen. Schließlich besorgte Klärus sich eine Wasserpistole mit Druck. So eine von der größeren Sorte, mit extra großem Wassertank. Die tankte er mit Wasser auf und musste dann an einer Vorrichtung pumpen, damit sie sich mit Luftdruck füllte. Erst dann konnte er die Waffe zur Feindabwehr einsetzen.
So konnte er sich das Kätzlein im Radius dieses Strahls vom Leibe halten.
Doch das Tier nahm diese Herausforderung an. Immer wieder lag es auf der Lauer, zeigte sich und beobachtete Klärus. Sie wusste genau, wie sein körperlicher Zustand war, und wie weit sie an ihn herankommen konnte. Klärus war regelrecht verzweifelt und hatte eine Stinkwut.
Monate vergingen, bis sie eines Tages nicht mehr kam.

Als Klärus eines Tages mit seinem Auto von zu Hause wegfährt, sieht er auf der Straße eine tote rote Katze.
Klärus bekommt einen Schreck, denn das will er nun auch wieder nicht. Dann sind plötzlich auf der Straße drei weitere rote lebendige Katzen zu sehen. Tage später sieht er dann „seine“ rote Katze, wie sie bei den Nachbarn, schwer verletzt, deren Gartentreppe herunter läuft. Zu Klärus aber war sie die ganze Zeit nicht gekommen. Sie musste einen Unfall gehabt haben.

Es gibt seitens der Freunde, die dieses Theater zwischen Klärus und Katze miterleben, des Öfteren Hinweise, dass dies mit ihm etwas zu tun haben müsse. Auch Klärus hat gelernt, dass es keine „Zufälle“ im herkömmlichen Sinne gibt, also so ganz ohne Grund, vielmehr hat ein großer Meister gesagt, dass uns kein Blatt auf die Füße fiele, ohne dass es irgendeinen Grund dafür gebe.
Aber Klärus in seiner Rage lehnte dies immer vehement mit starken emotionalen Erregungen ab, was schon wieder ein Zeichen der Bestätigung war.
Die rote Katze kam nie mehr.

Dann etwas später passiert Folgendes:
Foto: Sylvia B.
Klara und Klärus stehen auf der Veranda hinterm Haus in ihrem schnuckeligen Garten. In stakeliger Eile kommt eine fast skelettierte Katze zu ihnen her. Hinten streckt sie einen steckensteifen Schwanz von sich. Sie ist völlig verschmutz und starrt beide mit Todesaugen an. Plötzlich ist ein unbeschreiblicher Gestank wahrzunehmen, der aber nicht von der Katze ausgeht; vielmehr ist die ganze Umgebung erfüllt von einem bestialischen Verwesungsgestank. So wie die Katze kam, ist sie auch wieder weg, und der Gestank verflüchtigt sich.
Klara und Klärus starren sich entsetzt an und fragen sich, was das denn wohl war. Die Katze zeigt sich noch einmal und dann nie mehr. Sie musste wohl innerlich schon verwest gewesen sein. Eine sehr gruselige Begegnung.

Alles, was uns im Außen begegnet, hat auch etwas mit uns zu tun. Wir kreieren die Welt, die uns umgibt!“
Dann eines Tages taucht wieder eine Katze auf. Eine schwarze. Sie ist scheu und rennt vor Klärus davon, als ob die rote ihr von ihm erzählt hätte. Das wäre ja für ihn in Ordnung gewesen, aber auch sie beginnt, alle anderen Katzen, die nun wieder so langsam erschienen sind, zu terrorisieren, natürlich auch wieder die Nachbarskatze. Klärus steigt wieder der Kamm. Der Kampf beginnt von Neuem.

Klärus besucht eine hellsichtige Frau, die auch mit Tieren kommunizieren kann. Die sagt zu Klärus:
Katzen haben einen direkten Draht zum Himmel. Das was sie miteinander machen, regeln sie untereinander, auch das Verprügeln. Der Mensch darf da nicht eingreifen. Sie machen das unter sich aus. Vielleicht sind da Anteile in dir, die du dir anschauen solltest. Wir alle haben versteckte Aggressionen in uns, die wir nicht herauslassen. Dann richten wir sie gegen uns selbst und werden krank“.
Klärus hätte es ja wissen müssen, aber oft hilft der Impuls einer kompetenten Person zur Umsetzung des Wissens.
Wieder zu Hause spürt Klärus in sich hinein, beachtet seinen Körper, dankt ihm und dankt der Katze für ihre Hinweise.
Weiterhin schließt er Frieden mit ihr. Auch emotional. Das klappt auch ausnahmsweise mal bei ihm.

Foto: Sylvia B.
Klärus sitzt eines Abends hinterm Haus im Freien und meditiert mit geschlossenen Augen. Es ist schon dunkel, und er ist alleine. Als Klärus für einen Moment die Augen öffnet, sitzt ihm gegenüber auf der Mauer friedlich die schwarze Katze und schaut ihn an. Jetzt spürt Klärus, seine aggressiven Reaktionen sind verschwunden und beide, Klärus und die Katze, haben das Gefühl, dass nun alles vorbei ist. Klärus schließt wieder die Augen, und als er sie wieder öffnet, ist die Katze weg.

Seit dieser Zeit ist es wieder ruhig im Garten von Klara und Klärus.
Ab und zu kommt mal wieder eine Katze vorbei - friedlich.
Alles, was uns im Außen begegnet, hat auch etwas mit uns zu tun. Wir kreieren die Welt, die uns umgibt!“



Auszug aus dem Buch:
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Freitag, 29. Juli 2011

Umgang mit Pseudonymen auf Google Plus - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Momentan ist auf dem Blog GoogleWatch eine Diskussion über die Namenspolitik bei Google Plus im Gange. Google ist dazu übergegangen, unter Pseudonym angelegte (Mehrfach)accounts zu löschen, was zu einigem Unmut in Teilen der Internetgemeinde geführt hat. Wie soll man die offenbare Tatsache bewerten, dass die Nutzung von Google Plus weitgehend nur mit RealName möglich sein wird? Ist sie als »Zensur« seitens Google zu betrachten? Oder stellt sie einen guten Schutz dar vor Lug, Trug und Trollerei?

Ich persönlich tendiere zu Antwort zwei. Natürlich: Es gibt Meinungen und Informationen, die man nicht so gerne mit dem eigenen Namen verbunden sehen möchte, die aber dennoch relevant für die Öffentlichkeit sein können. So bedarf es schon einer nicht geringen Zivilcourage, öffentlich unter Klarnamen vor den Machenschaften irgendwelcher Konzerne zu warnen, oder eine politische Meinung zu vertreten. Andererseits sollten Internet-Intensivnutzer sich eines eingestehen: Nur in den seltensten Fällen werden von anonymen Nutzern solche lebenswichtigen Informationen abgesetzt. Betrachten wir einmal, wozu einige Menschen die mögliche Anonymität im Internet bevorzugt nutzen:

  • zum anonymen Schlechtmachen der Person oder der Leistung eines anderen, ohne dass für den Leser verifizierbar ist, ob es sich um eine objektive Meinung, oder aber um eine Rachebewertung handelt. Ein tatsächlich verärgerter Kunde muss keine Scheu haben, zu seiner Meinung unter Klarnamen zu stehen. Gerade für kleine Firmen kann die ein oder andere Racheaktion jedoch schnell existenzbedrohende Züge annehmen. Eine Verantwortung, der sich Google offenbar mehr und mehr bewusst ist.
  • für eindeutige Straftaten: Verbreitung von Kinderpornographie, Computerviren oder Abzockermaschen.
  • zum Aufbau einer virtuellen Zweitexistenz, die dazu dient, unverarbeiteten Frust durch Mobbing an anderen auszulassen.
Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Es existiert kein menschlicher Abgrund, der nicht irgendwo im Netz seinen virtuellen Spiegel fände. Google hat offensichtlich erkannt, dass das Medium Internet auf lange Sicht nur attraktiv bleiben wird, wenn ein normaler User sich darin bewegen kann, ohne an allen Ecken und Enden bedroht, gemobbt oder abgezockt zu werden. Vergessen wir eines nicht: Ein deutscher Webseitenbetreiber wird vom Gesetz gezwungen, seine kompletten Kontaktdaten in einem Impressum offenzulegen. Dabei fragt das Gesetz nicht nach dem eventuell daraus resultierenden Bedrohungspotential. Mit steigender Bedeutung sozialer Netzwerke treten diese teilweise an die Stelle einer eigenen Website. Warum also sollte anonymes Trollen dort geduldet werden, während ein Websitebetreiber auf die Mütze bekommt, wenn er sich weigert, seine Telefonnummer anzugeben? Dies würde (zumindest in Deutschland) eine gravierende Ungleichbehandlung darstellen, die so auf Dauer nicht hingenommen werden kann.

In einem jedenfalls bin ich mir sehr sicher: Es geht Google nicht um die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung. Gerade Google hat sich beispielsweise beim Umsturz in Ägypten als Retter in der Not erwiesen: Nachdem die ägyptischen Behörden den freien Zugang zum Internet gesperrt hatten, war es die Firma Google, die rasch eine Telefonhotline einrichtete und anbot, Nachrichten aus Ägypten im Sinne der Zensierten ohne Namensnennung über Twitter zu verbreiten. Damit hat Google entscheidend zum Gelingen des Umsturzes beigetragen. Offenbar kann man bei Google sehr gut zwischen Recht und Unrecht unterscheiden und hat sich nun daran gemacht, Instrumente zu entwickeln, die das sinnlose Trollwesen zumindest in Grenzen halten.

Montag, 25. Juli 2011

Bayern - Landkreis Neumarkt: Katzenjagd in Freystadt - Sulzkirchen


Unsere Katze, deutlich zu erkennen die Einschussstelle
oben am linken Vorderlauf
Nur wenige Wochen, nachdem meine Autorenkollegin Sylvia B. im gesamten Münsterland eine große Suchaktion nach ihrem Kater Söhnke eingeleitet hatte (leider erfolglos), ist nun auch unser Stubentiger vom grassierenden Katzenhass betroffen: Unsere Mieze kam am Freitag nach einem mehrstündigen Streifzug mit einer Beinverletzung zurück. Zuerst vermuteten wir eine Verstauchung, da keine äußerliche Verletzung zu sehen war. Im Laufe der Nacht begann die Katze, an ihrem Bein herumzubeißen. Nachdem die Mieze eine kreisrunde Stelle freigelegt hatte, kam die Wahrheit zum Vorschein: eine Fleischwunde mit einem offenbar tiefergehenden, kleinen Loch in der Mitte, eine typische Verletzung, wie sie durch Luftgewehrmunition verursacht wird, erfuhr ich aus dem Internet. Das passt zusammen mit den insgesamt drei toten Katzen, die wir kürzlich an einer Baustelle in der Nähe hatten liegen sehen: Alle drei offensichtlich nicht überfahren, äußerlich scheinbar unverletzt, aber eben - tot.

Dies lässt nur den Schluss zu, dass hier momentan ein Katzenhasser sein Unwesen treibt, der sich einen Spaß daraus macht, seine Schießkünste an Katzen auszuprobieren. Da ich diesen Artikel auf die Suchbegriffe »Freystadt« und »Sulzkirchen« optimiere, wird es nur eine Frage kurzer Zeit sein, bis er gefunden wird und sich örtlich weiter verbreitet.

Deshalb meine unverblümte Mitteilung an den Täter: Sie verstoßen gegen § 4 des Tierschutzgesetzes. Aus diesem Grund werde ich eine polizeiliche Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Sollten Sie bei einer weiteren Tat beobachtet werden, so laufen Sie Gefahr, dass auch dieser Fall auf den Tisch kommt, sowie natürlich auch die Tierarztrechnung, falls eine Behandlung der Wunde notwendig werden sollte.

Außerdem appelliere ich an mögliche Zeugen, ihre Beobachtungen der Polizei mitzuteilen. Bitte denken Sie daran: Heute trifft es eine Katze, morgen vielleicht schon einen zufällig vorbeikommenden Passanten. Klar ist, dass unsere schöne Gemeinde Freystadt für Mensch und Tier sicherer wird, wenn unkontrolliertes Herumballern mit dem Luftgewehr nicht stattfindet.


Katzenhass - Woher er kommt
Den meisten Menschen dürfte es unverständlich sein, warum jemand auf eine harmlose Katze schießt. Katzenhasser versuchen manchmal, ihr Tun zu legitimieren, indem sie sich auf Zerstörungen oder Verunreinigungen berufen, die Katzen angeblich anrichten. Hierzu meine ich: Katzen richten wesentlich weniger an als Hunde. Sie verletzten keine Menschen (von einem kleinen Kratzer mal abgesehen) und ihre Exkremente sind wesentlich dezenter als die von Hunden. Noch dazu werden sie von der Katze verscharrt, während ein Hund seinen Haufen ohne Scham mitten auf den Gehsteig setzt. Trotzdem ist die Gefahr, angeschossen zu werden, für Katzen wesentlich größer. Auch ein Hund auf freiem Streifzug gerät meist nicht ins Visier eines Schießwütigen (im Wald wildernde Hunde einmal ausgenommen, die dann fachgerecht vom Jäger erlegt werden, um das Jungwild zu schützen). Warum also hassen so viele Menschen Katzen und sind nicht in der Lage, die Schönheit dieser Tiere zu würdigen?

Meiner Meinung nach leiden Katzen bis heute unter dem abstrusen Aberglauben, der sie schon im Mittelalter in den Verruf gebracht hat, Hexen in Tiergestalt zu sein. Sie lassen sich eben nur bedingt zähmen, behalten ihren eigenen Willen und können auch nicht an die Leine gelegt werden wie Hunde. Sklaventum ist ihnen fremd. Hiervon mögen sich Menschen provoziert fühlen, die sich gerne mit Sklaven umgeben. Klar ist eines: Das Schießen auf eine Katze sagt sehr viel mehr über die Person des Täters aus, als diesem lieb sein kann …

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Sonntag, 24. Juli 2011

79 »Das Geheimnis der Dienerin«

Teil 79 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.7.2011


Heute gibt es weltweit rund 2,3 Milliarden Anhänger des Christentums, 1,6 Milliarden Menschen sind Anhänger des Islam, rund 900 Millionen Menschen werden dem Hinduismus zugerechnet. Vor rund zwei Jahrtausenden scharte Jesus ein kleines Häuflein von Anhängern um sich. Als er gekreuzigt wurde, gab es »das Christentum« noch gar nicht. Niemand hat damals geglaubt, dass sich das Christentum zu der am meisten verbreiteten Religion der Welt entwickeln würde.

Das mysteriöse »Abendmahl«
von Kirchbrak - Foto: W-J.Langbein
Jesus selbst wollte zunächst sein Wirken nur auf das kleine Volk der Kinder Israel beschränkt sehen. Überspitzt formuliert: Er war ausländerfeindlich. Für Menschen aus dem nahegelegenen Kanaan war er seiner Meinung nach nicht zuständig. Es war eine Frau, die Jesu Horizont erweiterte. Es war eine Frau, die dem Provinzprediger Jesus die Grenzen aufstieß. Diese namenlose kanaanäische Frau bat Jesus, ihre kranke Tochter zu heilen. Kanaanäische Gefilde aber waren »Ausland« für Jesus und er erwiderte barsch (1): »Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.« Und dann verglich Jesus die kanaanäischen Menschen – und das war eine schlimme, wirklich üble Beleidigung – mit Hunden (2): »Es ist nicht fein, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.« In geradezu unterwürfiger Weise griff die kanaanäische Frau den Vergleich Jesu auf (3): »Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die von des Herrn Tisch fallen.«

Die anonyme Frau hat wie kaum ein zweiter Mensch Jesus beeinflusst. Sie brachte ihn dazu, ihre Tochter zu heilen ... Sie ließ Jesus über seinen Schatten springen. Sie legte den Grundstein zur Weltreligion Christentum, das sonst womöglich eine kleine jüdisch-christliche Sekte geblieben wäre ... von der heute niemand mehr sprechen würde.

Der unbekannte Künstler von Kirchbrak spielt meiner Meinung nach auf das Gleichnis Jesu von den Hunden, die unter dem Tisch des Herrn verköstigt werden an. Allerdings bekommen die Hunde nicht nur Brosamen, sie werden geradezu verwöhnt.

Hunde unter dem Tisch des Herrn
Foto: W-J.Langbein
Jesus sitzt im Zentrum einer Schar von dreizehn und nicht zwölf Jüngern. Vom Betrachter aus gesehen links hinten erkennen wir eine weibliche Person, jugendlich, bartlos, die Arme keusch bedeckt. Insgesamt zählen wir aber nicht vierzehn Personen (Jesus plus 13 Jünger)... sondern 15! Die 15. Person befindet sich etwas außerhalb der Gesellschaft Jesu, vom Betrachter aus gesehen vorn rechts. Auch sie hat die weiblichen Attribute, auch sie ist – wie Maria Magdalena – bartlos jugendlich, auch sie hat die Arme keusch bedeckt. Sie aber steht außerhalb der Gesellschaft um Jesus, sie ist eine Dienerin.

Im bunt bemalten hölzernen Schnitzwerk von Kirchbrak steht die Dienerin diagonal entgegengesetzt zu Maria Magdalena. Sie ist, vom Künstler symbolisch ausgedrückt, das Gegenstück zu Maria Magdalena. Oder anders ausgedrückt: Maria Magdalena ist das Gegenstück zur Dienerin, sie gehört zum engsten Kreis um Jesus. Sie ist die Jüngerin, die Jesus mehr liebte als alle männlichen Jünger.

Eine mysteriöse Dienerin schenkt
Wein ein - Foto: W-J.Langbein
Das Geheimnis der Dienerin: Sie unterstreicht die dominante Rolle Maria Magdalenas. Das Geheimnis der Maria Magdalena wird in verbotenen Evangelien von Nag Hammadi, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, verdeutlicht. Im »Evangelium der Maria (Magdalena)« wird der Neid der männlichen Jünger auf Maria Magdalena deutlich. Nach dem Tod Jesu wendet sich Petrus an Maria Magdalena und fragt scheinheilig (4): »Schwester, wir wissen, dass der Erlöser dich mehr liebt als die anderen Frauen. Sage uns daher die Worte des Erlösers, an die du dich erinnerst, die du kennst, wir aber nicht, und die wir auch nicht gehört haben.« Die Jünger sind eifersüchtig. Und das offenbar mit Recht. Offenbar hat Jesus Maria Magdalena Wissen anvertraut, das er seinen männlichen Jüngern vorenthielt (5): »Als Maria das gesagt hatte, schwieg sie. Denn dies war alles, was der Erlöser mit ihr besprochen hatte. Andreas aber hatte Einwände und sprach zu den Brüdern: ›Sagt an, was meint ihr zu dem, was sie gesagt hat? Ich jedenfalls glaube nicht, dass der Erlöser so gesprochen hat. Seine Lehren haben sicher ganz andere Bedeutungen.‹ Da machte auch Petrus Einwände zu dem Gesagten und fragte seine Brüder nach ihrer Meinung über den Erlöser: ›Sollte er wirklich mit einem Weibe unter vier Augen gesprochen haben und uns davon ausgeschlossen haben? Sollen wir uns etwa ihr zuwenden und alle auf sie hören? Hat er sie uns gegenüber bevorzugt?‹«

Die Dienerin schenkt ein
Foto W-J.Langbein
Nur einer der Jünger, Levi, engagierte sich für Maria Magdalena (6): »Petrus, du bist schon immer aufbrausend gewesen. Und auch jetzt sehe ich, wie du dich gegen diese Frau ereiferst, als wärest du ihr Widersacher. Wenn aber der Erlöser sie gewürdigt hat, wer bist du, dass du sie verwerfen dürftest?... Wir sollten uns schämen...und das Evangelium verkünden, wie er es uns aufgetragen hat, ohne dass wir ein weiteres Gebot oder Gesetz erlassen außer dem, worin uns der Erlöser unterwiesen hat.«

Pastor Andreas Pasewark, inzwischen in einer anderen Gemeinde tätig, betreute Kirchbrak als allseits beliebter Geistlicher. Zu meinen Thesen in Sachen Maria Magdalena auf dem Altarbild von Kirchbrak äußerte der Theologe in einem Interview durchaus wohlwollend (7): »Als ich das Buch von Langbein gelesen habe, bin ich direkt in die Kirche gelaufen und habe nachgeschaut. Der dreizehnte Jünger war für uns schon immer ein Rätsel, aber die Interpretation als Frau ist eine neue Möglichkeit.« Pastor Pasewark weiter: »Frauen sind für das Leben Jesu und die Entstehung des Christentums wichtiger, als es die Evangelisten darstellen!«

Leonardo da Vinci schuf sein weltberühmtes Abendmahl 1495 bis 1489, Philippe de Champaigne kreierte sein Abendmahl anno 1662... und um 1750 schnitzte und bemalte ein unbekannter Künstler das Abendmahl von Kirchbrak.Und auf allen diesen Kunstwerken taucht ein Geheimnis auf.... eine Frau im Kreis der Jünger Jesu.

Maria Magdalena und Jesus, von Philippe de Champaigne
Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein
Ich bin davon überzeugt: Es ist Maria Magdalena, Apostelin der Apostel, wurde viele Jahrhunderte zu Unrecht als die »Sünderin« und Prostituierte verunglimpft... obwohl es für diese absurde Behauptung keinen Beleg in der Bibel gibt. Papst Gregor I. war es, der schon im Jahre 591 die Apostelin der Apostel zur Hure machte. Obwohl diese bösartige Verunglimpfung frei erfunden ist, dauerte es 1378 Jahre, bis die römisch-katholische Kirche anno 1969 Maria Magdalena vom falschen Makel, eine Prostituierte zu sein, befreite. Diese Rehabilitation wurde eher sehr verhalten-leise verkündet, so dass Maria Magdalena auch heute noch von vielen Menschen – christlich orientiert oder nicht – als Prostituierte gesehen wird.

Warum wird Maria Magdalena bis heute verächtlich gemacht? Warum werden seit fast zwei Jahrtausenden Evangelien ignoriert, die sie als Gefährtin Jesu titulieren? Meine Antwort: Weil eine starke, Jesus sehr nahestehende Frau immer noch nicht ihren verdienten Platz in der Kirche findet... In einer strikt patriarchalisch gestrickten Kirche wird man ihr auch weiterhin die verdiente Anerkennung vorenthalten. Eine Zukunft kann aber Kirche nur haben, wenn sie sich für Frauen öffnet... nicht nur in untergeordneten Positionen.

Dan Brown fasziniert mit seinen spannenden Romanen. Die Wirklichkeit aber ist oft spannender als jede Fiktion. Das erkennt man, wenn man alte Meisterwerke der Kunst mit offenen Augen studiert.... wie das Abendmahl von Kirchbrak!



Buch zum Thema von Walter-Jörg Langbein: »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen«

Fußnoten
1: Evangelium nach Matthäus Kapitel 15, Vers 24
2: ebenda, Vers 26
3: ebenda, Vers 27
4: »Apokryphe Evangelien aus Nag Hammadi«, Andechs 1988, S. 258
5: »Apokryphe Evangelien aus Nag Hammadi«, Andechs 1988, S. 260
6: ebenda
7: Täglicher Anzeiger Holzminden, 5. Mai 2011

»Der Heilige Geist war eine Frau«,
Teil 80 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 31.7.2011


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Samstag, 23. Juli 2011

Lyrichs fröhliche Entgleisung: »Der arme Poet in Doppelripp«

liebes lieschen
wie geht es Dir

mir geht es so
wie es jemandem gehen würde
der zweimeterfünfzig groß
grün ist und ergo
mit der fontanelle unter der decke hängt

folgendes ist geschehen liebes lieschen

in meinem letzten brief an dich
habe ich Dir von diesem büchlein berichtet
mittlerweile haben sich meine wogen geglättet

in meinem club war das buch gesprächsthema
und ich sag noch so
dass ich gespannt darauf bin
ob sich da nicht einige poeten davon
auch inspirieren lassen
wir haben noch gelacht und Hille meinte
na Helma
wann ziehst du dich denn aus

liebes lieschen
halte Dich fest
Helma rief mich die tage an
nein nicht was Du vermutest
sie berichtete mir folgendes
mein nachbar
der hypochondrische pyromane
dem ist doch sein experimentierschuppen vor monaten
um die ohren geflogen
worauf ihn seine frau verlassen hatte
was er selbst erst tage später bemerkt hat
weil das essen nicht mehr auf dem tisch stand

dieser nachbar
ist verzweifelt auf brautschau gegangen
erst hat er erfolglos inserate geschaltet
mann sucht frau mit küche

dieser nachbar hat sich dann mit schweinebauer
in verbindung gesetzt und diesen gebeten
fotos von ihm zu machen
schweinebauer ist ja ein hilfsbereiter mensch
aber bei diesem fototermin muss ihn wohl
das kalte grausen überkommen haben
er hat jedenfalls Helma erst viel später davon berichtet
weil er sich geschämt hat
da war aber die kuh bereits vom eis

mein nachbar hat tatsächlich ein werk
auf den buchmarkt gebracht
das größtmögliche format dafür gewählt
und einen schwindelerregenden preis angesetzt
er meinte zu Helma
dass er schließlich auch daran verdienen muss
denn wenn seine planung nicht aufgeht
muss mindestens eine neue küche
beim verdienst rausspringen
und außerdem würde er seinen hintern
nicht unter preis über den ladentisch gehen lassen

es ist ihm gelungen ein kostenloses rezensionsexemplar
beim verlag herauszuleiern
das brachte er zu Helma
bat sie darum etwas nettes dazu zu schreiben
und den text bei wmw.brünhilde.ohweh
einzustellen
das buch müsste er danach aber wiederhaben
weil er ja noch auf brautschau sei

Helma warf einen blick in das buch
gleich der eingangstext
der mit einem bild versehen war
hat sie dazu veranlasst
ihm das werk umgehend wieder mitzugeben

ich würd so gern
einen apfelkuchen für dich backen
aber meine ex
ist mit der küche durchgebrannt

daneben das bild von meinem nachbarn
in denkerpose
mit unterwäsche in doppelripp

Helma meinte zu mir
er hätte sich extra für das buch neu eingekleidet
und weil er praktisch veranlagt sei
die doppelrippqualität
mit sechs jahren garantie auf die passform gewählt
sie hat auf jeden fall noch nachgesehen
ob der name von schweinebauer irgendwo zu finden sei
wegen der fotos
sonst hätte mein nachbar eine neuauflage machen müssen
und Helma hätte die scheidung eingereicht

wie dem auch sei
ich habe Helma gesagt
dass bei dem astronomischen verkaufspreis
das büchlein eh ein rohrkrepierer sei

aber nun zu meinem zorn
heute morgen entdecke ich
dass mein beet mit ringelblümchen
komplett geplündert worden ist
dabei wollte ich die blümchen heute ernten
um daraus meine berühmte salbe herzustellen

vorhin klingelt es an meiner haustür
wie ich öffne steht da
dämlich grinsend mein nachbar
der hypochondrische pyromane
in hawaiihemd und geringelter boxershort
in der einen hand einen strauß blümchen
Du wirst es ahnen lieschen
in der anderen hand das rezensionsexemplar

ich lese den titel
mein magen ist so leer
sehe das coverbild
doppelripp in denkerpose
da bin ich implodiert

mit dem aufschrei
meine ringelblümchen
habe ich ihm den strauß aus der hand gerissen
und die tür vor der nase zugeschlagen

lieschen
ich verstehe die männer nicht
was meinst Du
sollte ich das nicht persönlich nehmen

fühle Dich umärmelt von Deiner

Lyrich





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Freitag, 22. Juli 2011

Entpersönlichte Nahrungsmittel - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Sendungen wie »Bauer sucht Frau« führen es der Nation deutlich vor Augen: Gerade die Angehörigen einer der wichtigsten Berufsgruppen überhaupt: die Erzeuger unserer Nahrungsmittel, stehen mit am unteren Ende unserer sozialen Hackordnung. Vorgeführt werden sie gerne als liebenswerte, einfach gestrickte Loser, deren einzige Chance auf Partnerschaft in einem bundesweit ausgestrahlten Hilfeschrei besteht. Kein Wunder, dass mehr und mehr Höfe verwaisen und immer weniger Menschen sich für den Beruf des Bauern begeistern können.

An die Stelle des Bauernhofes ist nach und nach die industrielle Nahrungsmittelproduktion getreten: Intensivtierhaltung in fabrikartigen Betrieben unter fortwährender Optimierung sämtlicher Herstellungsprozesse und Missachtung der Grundbedürfnisse der »Produktionseinheit Tier«. Anbau von Nahrungspflanzen auf riesigen Plantagen, unter Einsatz saisonaler Arbeitskräfte.

Klar, dass solche Großerzeuger an Großabnehmer verkaufen müssen, um den Vertrieb sicher und effizient zu gestalten: Setzte ein Bauer früher sein Getreide ohne lange Transportwege beim örtlichen Bäcker ab, so landet die Ernte heute in den anonymen Verteilungskanälen der EU und wird hauptsächlich von industriellen Nahrungsmittelverarbeitern in großem Stil aufgekauft.

Hier geht der Entpersönlichungsprozess der Nahrungsmittel weiter: Das Getreide wird zu genormten Backmischungen verarbeitet, aus denen die Bäcker ihr Brot backen. Noch Fragen, warum Brot heute fast überall gleich schmeckt? Oder Fragen, welcher Art die Backtriebmittel oder Konservierungsstoffe eigentlich sind, die dafür sorgen, dass jedes Brot gleich aussieht und jeder Sack Backmischung auch die längsten Reisen unbeschadet übersteht?

Das bürokratische Monstrum namens EU hat uns ein höchst unübersichtliches Lebensmittelrecht beschert: einerseits überreguliert bis zum Irrsinn, an entscheidenden Punkten jedoch offensichtlich durch Lobbyarbeit unterhöhlt. Was, so fragt sich jeder, der bei klarem Verstand ist, haben Stoffe wie beispielsweise Glutamat in unserer Nahrung zu suchen? Längst hat der Einzelne den Überblick verloren, was er nun eigentlich genau zu sich nimmt. Eine Folge des oben beschriebenen Entpersönlichungsprozesses unserer Nahrungsmittel, der in den heißen Zeiten der EG nicht schnell genug vorangetrieben werden konnte. Jetzt stehen wir also in unseren vollen Supermärkten, und wir fragen uns, was von all dem Überfluss eigentlich folgenlos essbar ist.

Doch auch in diesem Dilemma weiß die Politik selbstverständlich Rat: Das neue Portal http://www.lebensmittelklarheit.de/ nimmt sich unserer an und hilft den armen Verbrauchern gegen die Umtriebe der bösen, bösen Lebensmittelindustrie. Dass es ebenfalls die Politik war, deren halbherzige Regelungen den Einsatz zweifelhafter Stoffe zur menschlichen Ernährung erst möglich gemacht haben, verschweigt man lieber, weckt es doch ungute Erinnerungen beim Wähler. Dass der Server von lebensmittelklarheit.de bereits am Eröffnungstag zeitweise unter dem Besucheransturm zusammengebrochen ist, zeigt deutlich, wie orientierungslos die Menschen inzwischen beim Thema Ernährung sind.


Dabei könnte alles so einfach sein ...

Klarheit beim Thema Lebensmittel bekommen wir nur, wenn wir die Nahrung auf ihre Ursprünge zurückführen. Warum etwas kaufen, dessen Inhaltsstoffe man weder aussprechen noch verdauen kann? Warum nicht zu einfachen Dingen greifen?: Grundnahrungsmittel, möglichst ohne Zusatzstoffe, die sich zuhause leicht in richtiges Essen verwandeln lassen? Und wenn wir schon wissen, dass Zucker in großen Mengen uns krank macht: Warum das überzuckerte Fertigzeugs nicht einfach stehen lassen? Diese Eigenentscheidungen sollten wir nicht an die Politik delegieren, und auch nicht an die Mediziner, die uns hinterher gesund machen sollen …


Sonntag, 17. Juli 2011

78 »Maria Magdalena und das Abendmahl«

Teil 78 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Das Abendmahl
von Kirchbrak
Foto W-J.Langbein
Die Kirche von Kirchbrak wurde im Verlauf von rund eintausend Jahren wiederholt umgestaltet. Als Wehrkirche musste sie so massiv wie nur möglich sein und angreifenden Feinden so lang wie möglich standhalten. Auf große Fenster musste verzichtet werden. Fenster wurden erst eingebaut, als keine Angriffe mehr zu befürchten waren. Nachträglich wurde ein neues Gewölbe eingebaut. Für eine Orgel schien es keinen Platz zu geben. Man fand einen Ausweg: Das typische Kircheninstrument wurde auf ein Podest auf hölzernen Pfosten gestellt.

Im Zentrum des Altars, ja der Kirche steht das barocke Abendmahl eines unbekannten Künstlers einer unbekannten Schule. Es handelt sich bei der farbenprächtigen Darstellung nicht um ein Gemälde, sondern um ein bunt bemaltes, in Holz geschnitztes Halbrelief. Der Altar in seiner Gesamtheit stellt biblische Geschichten da, man kann ihn auch als Analphabet wie ein Buch lesen. Ganz unten wird Jesu Geburt, romantisch verklärt, im »Stall von Bethlehem« gezeigt. Darüber folgt - als weitaus größte Darstellung - das »Heilige Abendmahl«. Hebt man den Blick weiter, so erkennt man – wieder sehr viel kleiner  - den Gekreuzigten und schließlich den Auferstandenen.

Jesus vor dem
Stern der Venus
Foto W-J.Langbein
Wenden wir uns wieder dem Abendmahl zu. Es mag in Anlehnung an Leonardo da Vincis weltberühmtes Gemälde geschaffen worden sein. Jesus sitzt – wie bei Leonardo da Vinci – an einer langen Tafel. Er blickt zum Betrachter. Jesus thront auf einem Sessel mit goldener Lehne. Bei näherem Betrachten erkennt man Geheimnisvolles! Die »Lehne«, teilweise von Jesus verdeckt, hat die Gestalt eines fünfzackigen Sterns. Dieses uralte Symbol steht für die Göttin Venus!

Jesus hat seine Jünger um sich geschart. Es müssten zwölf sein. Oder sollte Judas die Runde bereits verlassen haben? Dann wären elf Jünger zu erwarten. Wir zählen nach und stellen erstaunt fest ... Es sind nicht zwölf, auch nicht elf ... sondern dreizehn Jünger, die am letzten Abendmahl teilnehmen.

Wer ist der dreizehnte Jünger ... und wo sitzt er? Hat der Künstler den 13. Jünger irgendwie anders gestaltet als die übrigen Jünger? Unterscheidet er sich von den Zwölfen? Jesus ist mit Bart dargestellt. Das entspricht der historischen Realität. Zu Jesu Zeiten waren alle Männer bärtig. Betrachten wir nun die übrigen Jünger, so stellen wir fest, dass sie alle mit Bart dargestellt sind ... bis auf einen. Der bartlose Jünger ... unterscheidet sich auch in der Kleidung von den anderen Männern. Bei allen Bärtigen sind die Arme nackt, sie haben ärmellose Hemden an. Der 13. Jünger ist bartlos und hat bedeckte Arme. Es galt als unschicklich, wenn eine Frau in der Öffentlichkeit ihre bloßen Arme zeigte. Meine Erklärung: Der 13. Jünger ist – bartlos und mit keusch bedeckten Armen – eine Frau!

Maria Magdalena und männliche
Jünger - Foto: W-J.Langbein
Dan Brown identifizierte in seinem Weltbestseller »Das Sakrileg« einen bartlosen, sehr femininen Jünger in Leonardo da Vincis berühmtem Gemälde vom Letzten Abendmahl als Maria Magdalena. Von christlich-theologischer Seite wurde er heftig kritisiert. Es handele sich um Jesu Lieblingsjünger Johannes, der ob seiner Jugend noch keinen Bart trug. Als ich in meinem Buch »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen« (1) als erster Autor überhaupt auf das Sakrileg von Kirchbrak hinwies, erntete ich zum Teil heftige Kritik. Als ich den »13. Jünger« als Maria Magdalena identifizierte, bekam ich auch zu hören, es handele sich vielmehr um den Lieblingsjünger Jesu, um Johannes ... und nicht nicht um eine Frau. Zunächst muss konstatiert werden, dass der »Lieblingsjünger Jesu« im »Neuen Testament« nicht namentlich genannt wird. Im »Evangelium nach Johannes« (2) heißt es: »Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebhatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte ... Da lehnte er (der Lieblingsjünger) sich an die Brust Jesu ...«

Betrachten wir nun nochmals das »Abendmahl« von Kirchbrak: Der 13. Jünger schmiegt sich im Bildnis nicht an Jesu Brust. Kurzum: der 13. »Jünger« kann nicht der männliche Lieblingsjünger sein. Meine Überzeugung: »der 13. Jünger« in der Abendmahlsdarstellung von Kirchbrak ... ist eine Frau. Welche Frau aber könnte beim Abendmahl zugegen gewesen sein können? Welche Frau zeigt der unbekannte Künstler von Kirchbrak? Ist es Maria, Jesu Mutter? Nein! Die Frau ist sehr jugendlich, wirkt sehr viel jünger als Jesus. Wenn nicht Jesu Mutter auf dem Bildnis vom Abendmahl zu sehen ist, wer dann? Ich behaupte: Es ist Maria Magdalena!

Im »Evangelium nach Philippus« steht tatsächlich jener glasklare Satz, den Dan Brown durch seinen Weltbestseller »Sakrileg« berühmt gemacht hat. Da heißt es - im »Evangelium nach Philippus« - über Maria Magdalena und Jesus (3):

Maria Magdalena ... das Sakrileg
von Kirchbrak - Foto: W-J.Langbein
»Der Messias liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger und er küsste sie oftmals auf ihren Mund.« Dan Brown löste Empörung mit diesem Zitat aus. Jesus ... küsste eine Frau? Undenkbar! Ich verstehe die Aufregung um dieses Detail bis heute nicht: Nach christlichem Glauben war Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott. Wenn er wahrer Mensch war, dann hatte Jesus auch eine sexuelle Seite. Das wollen aber bis heute fundamentalistische Christen nicht wahrhaben. Und so werden die Küsse Jesu einfach weg erklärt. Sie seien natürlich nicht sexueller, sondern theologisch-spiritueller Art gewesen!

Die puritanischen Theologen wollen unbedingt einen asketischen Jesus und verschweigen geflissentlich einen konkreten Hinweis im »Evangelium nach Philippus«, der den Unsinn vom unerotischen Kuss widerlegt (4): »Denn die Vollkommenen werden durch einen Kuss schwanger.« Wenn man von Küssen schwanger werden kann, werden wohl keine spirituellen Handlungen umschrieben.

Aber selbst wenn Jesu Küsse für Maria Magdalena gänzlich unerotisch waren ... der vielleicht noch wichtigere Teil des Satzes aus dem »Evangelium nach Philippus« ist in seiner Aussage ganz eindeutig: »Der Messias liebte Maria Magdalena mehr als alle Jünger ...« Jesus zog Maria Magdalena den übrigen Jüngern vor! Wenn also eine Frau beim »letzten Abendmahl« zugegen war ... dann Maria Magdalena!

Das Sakrileg von Kirchbrak
Foto: W-J.Langbein
Pikanter wird es in den verbotenen »Philipps-Akten«. Da wird – dezent verschlüsselt – von einer Schwangerschaft Maria Magdalenas berichtet. Ist für fundamentalistisch-orientierte Christen Jesu Intimleben schon ein Tabu, ja nicht existent ... dann muss für sie eine Schwangerschaft Maria Magdalenas das absolute Sakrileg sein! Aber es heißt nun einmal im griechischen Text der »Philippus-Akten« , dass Jesus zu Maria Magdalena sagte (5): »Ich weiß, dass du gut und mutig bist und gesegnet unter den Frauen.«

Die Anspielung auf das »Evangelium nach Lukas« ist unverkennbar. Da ruft Elisabeth laut aus, was sie von Maria (Jesu Mutter) weiß (6): »Gesegnet (gebenedeit) bist du unter den Weibern und gesegnet (gebenedeit) ist die Frucht deines Leibes.« Das Evangelium nach Lukas umschreibt Marias Schwangerschaft mit »gebendeit bis du«. Jesus benutzt die gleichen Worte. Er lobt Maria Magdalenas Mut und erklärt zu wissen, dass Maria Magdalena »gesegnet« (»gebendeit«) unter den Weibern sei ... also schwanger. Liegt da nicht die Vermutung nahe, dass Maria Magdalena von Jesus schwanger war? Dann wundert es uns nicht, dass Maria Magdalena beim »letzten Abendmahl« zugegen war.

Geheimnisvolle Dienerin
Foto: W-J.Langbein
Theologischer Einwand: Frauen durften beim jüdischen Passach-Fest nicht zugegen sein! Da Jesus mit seinen Jüngern eben dieses Passach-Fest feierte, kann keine Frau daran teilgenommen haben. Dieses Argument träfe zu, wenn Jesus mit seinen Jüngern wirklich das Passach-Fest zelebriert hätte. Wie aber aus den biblischen Evangelien hervorgeht, fand die Kreuzigung Jesu so statt, dass sein Leichnam zum Passach-Fest nicht mehr am Kreuz hing. Daraus geht hervor, dass Jesus vor dem Passach-Fest mit seinen Jüngern ein letztes Mal zusammen saß und mit ihnen aß. Es war sein Abschied, wusste er doch, dass er schon sehr bald hingerichtet werden würde. Bei diesem Abschiedsessen aber durfte Maria Magdalena auf keinen Fall fehlen ... die Frau, die Jesus mehr liebte als seine männlichen Jünger!

Je intensiver man sich mit dem »Abendmahl« von Kirchbrak beschäftigt, desto geheimnisvoller wird es. Nach Jahren intensiver Auseinandersetzung mit der mysteriösen Bild bin ich davon überzegt ... die Realität ist manchmal faszinierender als die Fiktion. Das wirkliche »Sakrileg« ist nicht Leonardo da Vincis Abendmahl ... sondern das von Kirchbrak ...

Empfohlene Lektüre
Walter-Jörg Langbein: Maria Magdalena

Fußnoten
1: Langbein, Walter-Jörg: »Das Sakrileg und die Heiligen Frauen«, Berlin 2004
2: Evangelium nach Johannes Kapitel 13, Verse 23-25
3: Wort 55b
4: Wort 31
5: »Philippus-Akten« zitiert nach Brock, Ann Graham: »Mary Magdalene, The First Apostle«, Cambridge 2003, S. 125
6: Evangelium nach Lukas Kapitel 1, Vers 42

»Das Geheimnis der Dienerin«,
Teil 79 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 24.7.2011

Samstag, 16. Juli 2011

Poesie am Samstag: Sylvia B. »Der Profilneurotiker«

Du glaubst nicht
wie viele
profilneurotiker
frei herumlaufen

Illustration: Sylvia B.
die andere für blöd halten
glauben
dass nur sie
die weisheit
mit löffeln
gegessen haben
sich selbst
am liebsten reden hören
ihre lebensweisheiten
zumeist
unter hübschen frauen
verteilen
dabei sich lüsternd
wichtig tun
und jede frau
die sie abblitzen lässt
kann nur eine lesbe sein

und von dem da
weiß ich sicher
dass er zu hause
unter dem pantoffel
steht

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Freitag, 15. Juli 2011

Der Doktorwahn: Eine Krankheit und ihre Symptome - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Als der Skandal um die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg auf seinem Höhepunkt war, habe ich schon einmal an dieser Stelle über das Thema Sinn und Unsinn von Doktortiteln geschrieben. Ein Kommentator nannte damals meine Annahme, dass bei Dissertationen schon immer gelogen und betrogen worden sei, »ziemlichen Humbug«.  

Inzwischen ist die Zeit weitergegangen. Weitere Dissertationen standen auf dem Prüfstand, und man ist natürlich fündig geworden: Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis mussten ebenfalls ihre Doktortitel abgeben. Die Untersuchungen in den Fällen von mindestens zwei weiteren Politikern aufgrund eines Anfangsverdachts laufen noch. Das Aufpimpen einer Doktorarbeit mit nicht immer ganz sauberen Mitteln scheint demnach keine Seltenheit zu sein.
Da stellt sich mir die Frage: Warum das alles? Weil es eben viele Menschen gibt, die ein wenig skrupelloser veranlagt sind als andere? - Ich glaube, mit dieser Interpretation des Geschehens würden wir uns die Sache viel zu einfach machen. Vielmehr sollten wir uns fragen, welche gesellschaftlichen Strukturen solche Verhaltensweisen hervorrufen.


»Guten Abend, Herr Doktor! Selbstverständlich haben wir den besten Tisch für Sie reserviert …«

Einen Doktortitel zu tragen, das bringt unzweifelhaft enorme gesellschaftliche Vorteile mit sich. Nicht nur das polierte Messingschild an der Bürotür wird durch ihn zusätzlich aufgewertet, sondern er wirkt sich auch ganz handfest aus: Bei Gehaltsverhandlungen genauso, wie beim Heraushandeln alltäglicher Vorteile auf allen Gebieten. Kein Wunder also, dass der Doktortitel Begehrlichkeiten weckt, und das umso mehr, als das reine Menschsein heute nicht mehr genügt, um der Gesellschaft ein Minimum an Respekt abzutrotzen.

Menschen wünschen sich einen Doktortitel, um damit Dinge für sich einzufordern, die in einer gesunden Gesellschaft sowieso selbstverständlich sein sollten: Achtung, Respekt und adäquate Anerkennung der eigenen Leistung. Doch leider sind wir zu einer Gesellschaft oft unerfüllbarer Bedingungen verkommen: Wer nicht auf allen Gebieten erfolgreich, brillant, geschmückt mit Titeln und behängt mit Statussymbolen daherkommt, der hat es schwer, dass man ihm überhaupt auch nur die Hand gibt. Schnell wird er eingereiht in die Masse der »Loser«, die nach dieser Lesart inzwischen 90 % der Gesamtbevölkerung ausmachen dürften. Und so schlägt die Stunde der Blender: Die Gesellschaft schreit danach, verarscht zu werden, also wird diesem Wunsch entsprochen. Ihr schlagt all meinen Bemühungen ins Gesicht? - Dann zeig ich euch jetzt mal, was ich drauf habe, indem ich für einen Doktortitel sorge, koste es, was es wolle.

Von diesem Gedanken ausgehend, ist es bis zur Anwerbung eines entsprechenden Ghostwriters nur noch ein kleiner Schritt. Für den schmaleren Geldbeutel bleibt auch die Möglichkeit, aus fremden Quellen zu kopieren. Nicht jedem ist es schließlich gegeben, eine mehrhundertseitige Dissertation selbständig aus dem Ärmel zu schütteln.


Verbote und Strafen sind wirkungslos

Obwohl die Erschleichung akademischer Titel verboten ist, scheint sie gang und gäbe zu sein, wie die Fälle der letzten Zeit zeigen. Zu verlockend der zu erwartende Gewinn: sich endlich als vollwertiger Mensch in der Mitte der Gesellschaft fühlen zu können. Vergessen wir also die Idee, solch einen Betrug mit höheren Strafen zu belegen. Dies würde nur eines bewirken: die Verfeinerung der Schummelmethoden.

Wenn wir es nicht schaffen, den Respekt von Mensch zu Mensch zurück in die Gesellschaft zu bringen, ist jede Gegenmaßnahme zum Scheitern verurteilt. Danach sieht es momentan aber leider nicht aus: Schon den Kindern wird beigebracht, dass sie ohne Abitur wertlos sind. Und dass sie eine der begehrten Praktikantenstellen nur erringen können, wenn sie ein 14-semestriges Studium mit anschließendem Auslandsaufhalt hinter sich bringen, da sie andernfalls nichts sind als der Dreck unter den Fingernägeln anderer. Wirklich aussichtsreich dürften in solch einer Gesellschaft dann nur noch wenige Berufszweige sein. Gibt es eigentlich schon einen offiziellen Ausbildungsgang zum akademischen Ghostwriter? Würde sich sicher lohnen, sich diesbezüglich schlau zu machen ...
 

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