Donnerstag, 15. Dezember 2011

Anlässlich der 100. Folge seiner Blogserie: Ein Interview mit Walter-Jörg Langbein

Walter-Jörg Langbein
Lieber Walter, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch schon heute zum Erscheinen des 100. Beitrags Deiner Blogserie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« am kommenden Sonntag hier auf dem Blog »Ein Buch lesen!«. Seit dem 17. Januar 2010 wächst Deine Serie allwöchentlich weiter, und das in ununterbrochener Folge. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass Du Deiner Zeit weit voraus bist: Alle Beiträge bis Folge 148 warten bereits fix und fertig im Archiv auf ihre Stunde. Woher nimmst Du die Motivation zu solch unbeirrbarem Schaffen?

WJL: Danke recht herzlich für die Glückwünsche. Ich bin ein sehr wissbegieriger Mensch ... und Bücher sind meine Leidenschaft. Die großen Rätsel der Welt haben mich schon als Kind fasziniert. So ist es ein wirklicher Glücksfall für mich, dass ich meine Kindheitsträume verwirklichen konnte ... Seit mehr als drei Jahrzehnten bereise ich die Welt und schreibe darüber Bücher. Ich musste vor einiger Zeit feststellen, dass es mir wohl nicht gelingen wird, das opulente Fotomaterial, das ich auf meinen Reisen zusammengetragen habe, in Büchern zu veröffentlichen. Das Material ist einfach zu umfangreich. So kam es dann zu meiner Serie. Ich bin glücklich, intensiver über meine Reiseerlebnisse berichten zu können, die zum Teil nicht ungefährlich waren. Und ich freue mich riesig, in der Serie weitaus mehr Fotos publik machen zu können ... als mir das in Buchform je möglich wäre.

Walter-Jörg Langbein
auf der Osterinsel
Die Fotos sind wirklich jeden Sonntag ein Augenschmaus. Allerdings stelle ich es mir hart vor, eine Kameraausrüstung durch den Dschungel oder auf einen Berg zu schleppen, zumal die Kameras in Deinen Anfangsjahren ja noch schwerer und unhandlicher waren. War das nicht manchmal sehr hart?

WJL: Liebe Ursula, danke für das Kompliment ... Es war manchmal extrem. In Chile habe ich zum Beispiel die »Laguna Leija« fotografiert ... in rund 4300 Metern Höhe! Da wurde jeder Schritt zur Qual! Extrem anstrengend war es auch in der Sangay-Region von Ecuador. Da suchte ich im wuchernden Urwald nach verschollenen Pyramiden. Wir gingen, wenn man überhaupt von gehen sprechen kann, »querfeldein«. Ich war völlig verdreckt, verschwitzt, erschöpft ... und hatte einen Rucksack voller Kamerautensilien dabei ... zwei analoge Spiegelreflexkameras mit entsprechenden Wechselobjektiven, eine Kleinbildkamera, jede Menge Dia- und Negativfilme. Es war manchmal zum Verzweifeln ... wenn die Kameras gestreikt haben. In der Südsee erlebte ich Tage mit extremer Luftfeuchtigkeit, auf den Neuen Hebriden setzten manchmal sämtliche Kameras aus. Auf der Osterinsel hingegegn ist Fotografieren ein wahrer Genuss ... Riesenstatuen vor blauem Himmel …

Dass Du die Leser Deiner Blogserie an der Ausbeute Deiner Strapazen teilhaben lässt, ist umso dankenswerter, angesichts solch extremer Bedingungen. Gab es auf Deinen Reisen auch lebensgefährliche Situationen? Welchen Moment würdest Du als den heikelsten all Deiner Expeditionen ansehen?

Kein Dschungel ist zu dicht
für Walter-Jörg Langbein,
wenn es gilt, Spuren vergangener
Zivilisationen zu entdecken.
WJL: Da gab es einige heikle Momente ... bei den Ruinen von Machu Picchu bin ich mal über ein Absperrungsgitter geklettert, um eine alte »Inkabrücke« zu erkunden. Die Brücke war damals eingestürzt, ich wagte mich so nah wie möglich heran ... und bin ausgerutscht. Meine Kamera hab ich verloren, sie zerschellte weit unter mir. Das war knapp. Ich saß an einem Felsvorsprung, mir zitterten die Knie, der Puls raste ... Gefährlich waren manchmal auch harmlose Vergnügungen. Beim Baden vor Malta kam ich in ein gefährliche Situation ... unberechenbare Strömungen ... Aber lassen wir das ... die positiven Erlebnisse überwiegen!

Was waren die positivsten Eindrücke auf all Deinen Reisen?

WJL: Wenn ich auf mehr als dreißig Jahre Reisen zurückblicke ... dann hat sich mir von Ägypten bis Vanuatu die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen eingeprägt. Gerade in fernen, nach unseren Maßstäben oft armen Gefilden begegneten mir immer wieder hilfsbereite, liebenswürdige und liebenswerte Menschen. Ein Beispiel ... in Santiago war ich gegen Mitternacht mit einem öffentlichen Bus unterwegs. Der Busfahrer erkundigte sich nach meinem Ziel. Er legte einen zusätzlichen Halt ein, brachte mich zu meiner Pension. Er wartete, bis ich meinen Zimmerschlüssel hatte. Erst dann verabschiedete er sich ... und fuhr weiter. Als ich ihm ein Trinkgeld zustecken wollte, reagierte er gekränkt. Er hat mich als Gast in seinem Land gesehen, dem er aus Herzlichkeit geholfen hat. Einen dankbaren Händedruck nahm er freudestrahlend entgegen. Ob jeder ausländische Besucher bei uns so warmherzig behandelt wird wie ich in der Fremde ... da habe ich meine Zweifel!

Oft berichtest Du in Deiner Serie von Hindernissen bei der Erkundung »verbotener« Archäologie: Wächter, die Dich nicht weitergehen ließen oder Mitarbeiter von Archäologen ließen durchblicken, dass nur eine bestimmte Sichtweise geduldet werde, wenn sie ihren Job behalten möchten. Gibt es Deiner Meinung nach eine Art weltweit gültiges, stilles Übereinkommen, welches Wissen für die Öffentlichkeit geeignet ist und was besser verschwiegen werden sollte? Und wenn ja: Wo vermutest Du den Ursprung dieser Art von voreingenommener Archäologie?

WJL: Wächter sind durchaus auch sinnvoll, wenn sie altes Kulturgut vor Vandalismus schützen. Man glaubt gar nicht, wie viele Touristen sich »Souvenirs« besorgen wollen. Da wird mit Taschenmessern an Osterinselkolossen herumgewerkelt ... und weltweit müssen sich Besucher mit geschmierten oder eingeritzten Namen verewigen ... Es gibt aber auch Wächter, die sich einen Obulus verdienen wollen, wenn sie Besucher in eigentlich gesperrte Bezirke lassen. Was mit der offiziellen Lehrmeinung nicht übereinstimmt, wird gern gesperrt. Die voreingenommene Archäologie funktioniert so: Ein Professor vertritt die schulwissenschaftliche Lehrmeinung. Er will einen Studenten zu seinem Assistenten ernennen. Wen wird er auswählen? Natürlich den Studenten, der seine Meinung teilt. Um in der Archäologie voranzukommen, bestätigt man die alte Lehrmeinung. Neue Ideen haben es da schwer. Sie werden häufig von Laien vertreten, die keine Rücksicht auf Karriere nehmen. Die kämpfen zunächst wie gegen Windmühlen. Und dann kann es geschehen, dass irgendwann die ketzerischste These übernommen wird. Plötzlich waren dann alle immer dieser Ansicht …

2012 - Endzeit 
und Neuanfang
von
Walter-Jörg Langbein
Im Zentrum Deines aktuellen Buches »2012 - Endzeit und Neuanfang« steht eine angebliche Prophezeiung der Maya, dass die Welt am 21.12.2012 untergehen werde. Denkst Du, Du wirst Deine Blogserie über den 21.12.2012 hinaus fortführen können? :-)

WJL: Natürlich warte ich erst ab. Sollte die Welt wirklich am 21.12.2012 der Apokalypse anheim fallen, schreibe ich nicht weiter. Falls auch dieser »Katastrophentermin«, wie viele zuvor, verstreicht ... geht es natürlich weiter. Aber ernsthaft: Es gibt keine einzige »Mayaprophezeiung«, die für diesen ominösen Termin das Weltenende vorhersagt!

Was es genau mit der angeblichen Mayaprophezeiung auf sich hat, das erklärst Du sehr schön plastisch in Deinem Buch »2012«. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung, da Wissen bekanntlich immer noch das beste Mittel gegen Angst darstellt. In diesem Sinne ist das Buch ein schönes Weihnachtsgeschenk für alle, die unter Katastrophenfantasien leiden: Nach der Lektüre von »2012-Endzeit und Neuanfang« können sie entspannt ins neue Jahr gehen. Lieber Walter, ich wünsche Dir weiterhin gutes Gelingen für Deine Blogserie und alle weiteren Projekte, auch über den 21.12.2012 hinaus ...

(Das Gespräch mit Walter-Jörg Langbein führte Ursula Prem)

Hier können die bisherigen Folgen der Serie nachgelesen werden >>>


»Wir sind eine Insel!«
Teil 100 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 18.12.2011

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