Freitag, 7. Oktober 2011

Stirbt Europa mit dem Euro? - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Spätestes seit dem unterirdischen Ausfall des Ronald Pofalla gegen Rettungsschirmskeptiker Wolfgang Bosbach wissen wir es: Der Euro ist eine sterbende Währung. Wir wussten es sogar schon ein paar Tage früher: Wenn die Kanzlerin sich bei Günther Jauch auf den Stuhl setzt, dann muss es wirklich ernst um den Euro und um Deutschland stehen. Manche Aufmerksame ahnten es sogar schon mit der Euro-Einführung, als das Bier in der Stammkneipe statt 3,50 DM plötzlich 2,80 € kostete, dann schnell auch 3 € und mehr. Inzwischen sind wir in manchen Bereichen bei einer glatten Verdoppelung der Preise gelandet. Keine Ahnung, wie das statistische Bundesamt auf diese niedrigen Inflationsraten kommt, wahrscheinlich sind fernöstliche Billigimporte überproportional berücksichtigt worden und die schöne, neue Euro-Welt ist wenigstens statistisch in Ordnung. Wir sollten endlich allesamt ehrlich sein und zugeben, dass der Euro von Anfang an eine Totgeburt war: ein politisch konstruiertes, übergestülptes Währungsmonster.

»Wenn der Euro scheitert, dann scheitert Europa!«, hören wir es an allen Ecken schreien. Ehe wir diesen Satz nun als kollektives Mantra nachbeten und in finanziell ruinöse Panik verfallen, sollten wir uns fragen, was eigentlich damit gemeint ist. Welches Europa genau droht zu »scheitern«? Das in Griechenland geborene geistige Europa, verbunden durch gemeinsame philosophische Grundwerte? Das im Römischen Reich zwangsverbundene Europa, dessen ideologische Nachwehen wir erst kürzlich bei der Rede des Papstes im Bundestag erahnen konnten? Das Europa der großen Kulturleistungen, wie es von Aristoteles über Walther von der Vogelweide, Leonardo da Vinci, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig von Beethoven, Johann Wolfgang von Goethe, Voltaire, Richard Wagner oder Richard Strauss eine unvergleichliche Blütezeit erlebte? Oder ist es nicht doch das Europa der Abzocker, Bürokraten und Größenwahnsinnigen, das mit dem Euro den Bach hinuntergehen würde? Das Europa der Grenzwertjongleure und Gurkenlängenabmesser? Das heilige Land der Euro-Normen und Konzernlobbyisten?

Klar ist: Von der Rettung des Euro hat der Bürger selbst nicht viel. Der Euro ist nichts als ein Instrument zur Abzocke des Steuerzahlers, in dessen Tasche zwecks Rettung dieser Währung für Polit-Hassardeure so tief gegriffen wird, dass er zwangsläufig dabei in die Knie gehen muss. Mit dem den Bürgern gestohlenen Geld werden Schulden fremder Länder getilgt, die dadurch wieder Luft bekommen, bei den Großkonzernen einkaufen zu gehen.

Ganz klar: Europa wird nicht untergehen, wenn der Euro stirbt. Von den großen Kulturschaffenden der europäischen Geschichte wird man auch dann noch sprechen, wenn der Begriff »Durchführungsverordnung der europäischen Kommission« längst in Vergessenheit geraten ist.

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