Freitag, 21. Oktober 2011

Die heiße Nacht des Monsieur Sarkozy - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Olala, Monsieur le Président! ;-) Während seine Frau Carla Bruni zuhause in den Wehen liegt, verbringt Nicolas Sarkozy heiße Stunden mit einer anderen, der er verwegene Dinge ins Ohr flüstert. Mit französischer Leidenschaft versucht er, die Dame zu Dummheiten Abenteuern zu verführen und bei alldem ist auch noch Geld im Spiel!

Nein, selbstverständlich ist es ganz anders, als Sie jetzt vielleicht denken! Natürlich ist Sarkozy während der Geburt seiner Tochter nicht ins Bordell gegangen, obwohl dies für Europa wahrscheinlich besser gewesen wäre. Stattdessen traf er sich in Frankfurt mit Angela Merkel und versuchte, sie von seinen Plänen zur Erweiterung des ESFS zu überzeugen. Nach Sarkozys Vorstellungen soll der ESFS mit einer Banklizenz ausgestattet werden, die ihm ermöglichen würde, sich bei der europäischen Zentralbank mit einem Vielfachen an weiterem Kapital zu versorgen. Der Europäische Rettungsschirm würde so den Rang einer Bank erhalten, deren einzige Aufgabe es wäre, faule Geschäfte mit ungewissem Ausgang abzuwickeln und dank der Bürgschaften der beteiligten Staaten einen nahezu unbegrenzten Griff in die Kasse der EZB zu tätigen. Das wirtschaftliche Fundament Europas würde so zur reinen Luftnummer. Schöne Aussichten, nicht wahr? Zumal im schlimmsten Fall nicht nur die Bürgschaften fällig würden, sondern auch die ausgeblutete EZB wieder mit Kapital versorgt werden müsste, das, wie wir alle seit einiger Zeit wissen, nur aus den Staatskassen kommen kann.

Da frage ich mich unwillkürlich: Wäre es nicht besser gewesen, Sarkozy wäre daheim geblieben und hätte sich um Frau und Kind gekümmert? Wäre es nicht überhaupt förderlicher, Politiker würden viel mehr Zeit mit ihren Familien verbringen und aufhören, einen Quatsch nach dem anderen auszubrüten? Sollte man Politikern vielleicht lieber eine Untätigkeitspauschale auszahlen und ihnen das Versprechen abnehmen, einfach mal für eine Weile den Rand zu halten?

Zeit für ein Gedankenspiel

Was würde geschehen, wenn man dem vielbeschworenen Markt endlich einmal Zeit zur Selbstregulierung geben würde, ohne wilden Aktionismus auf Kosten der Steuerzahler?

Ganz klar: Es würde zu einer Reihe von Pleiten kommen, angefangen bei Griechenland. Im Sog dieser Staatsinsolvenz würden alle Anleger, die im Besitz griechischer Staatsanleihen sind, ihr Kapital verlieren, seien es nun Banken oder Privatanleger. Zum Tragen käme nichts anderes als das normale unternehmerische Risiko, das man immer eingeht, wenn man in ein Geschäft einwilligt. In guten Zeiten wird dieses Risiko gerne als rein theoretische Größe verdrängt. Doch sollte man nie vergessen, dass hohe Gewinnchancen durch die Übernahme eben dieses Risikos bezahlt werden müssen. Wer Gewinne gerne mitnimmt, bei Verlusten aber nach dem Staat schreit, der ist ein doppelzüngiger Marktwirtschaftler. »Wenn`s schwierig wird, werd ich einfach Sozialist!« scheint das Motto solcher Schönwetterkapitalisten zu sein.

Leute, so funktioniert das nicht. Ruft lieber Peter Zwegat! Der hat schon manchem Spinner in den Arsch getreten die Leviten gelesen, mit seinem Whiteboard und einer streng nach oben gezogenen Augenbraue. Dass es zu mindestens einer Staatsinsolvenz kommen wird, das sieht ein Blinder mit dem Krückstock. Und der Schaden wird umso größer sein, je höher die Menge an Steuergeldern ist, die zur Abwendung des Unvermeidlichen verschleudert wird. Wenn Politiker sich doch noch entschließen könnten, zur Abwechslung das Richtige zu tun, dann würden sie den Banken strenge Auflagen für Kreditvergaben erteilen und sie entschlossen daran hindern, Gelder an Staaten oder Personen zu verleihen, von denen klar ist, dass sie niemals sauber werden zurückzahlen können. Doch eben das werden die Politiker nicht tun. Denn dann wäre auch Schluss mit immer weiterer Staatsverschuldung, die zum unverzichtbaren Lebenselixier dieser Politvampire geworden ist ...

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