Sonntag, 30. Oktober 2011

93 »Bestätigung für Professor Cabrera!«

Teil 93 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ein Operateur bei der Arbeit
Foto: Reinhard Habeck
Die »Skeptiker« sind heute für die Welt der Wissenschaft, was einst die »Heilige Inquisition« für die Welt des Glaubens war. Wer vom wahren Glauben abwich, wurde von der Inquisition ausfindig gemacht. Wer auf seiner von der allgemeinen Lehrmeinung abweichenden Ansicht, unbeirrt der Inquisition trotzend, beharrte ... landete nicht selten im Folterkeller und auf dem Scheiterhaufen.

An die Stelle der Inquisition sind die Skeptiker getreten. Wer vom wahren Glauben der wirklichen Wissenschaftlichkeit abweicht, muss heute zum Glück nicht mehr mit Tortur und Tod rechnen ... nur noch mit Spott und Hohn. Skeptiker entscheiden, was echtes Artefakt und was plumpe Fälschung ist. Zur Kategorie »plumpe Fälschung« zählen die Keramiken aus der Sammlung des Arztes und Hobbyarchäologen Dr. Javier Cabrera Darquea (1924-2001).

Hinlänglich bekannt sind die von Dr. Javier Cabrera Darquea in seinem Privatmuseum gehorteten »Operationsszenen« in Ton. In hundertfachen Varianten wird letztlich immer wieder die gleiche Geschichte illustriert. Da liegt ein menschenähnliches Wesen auf einem »Operationstisch« und wird »behandelt«. »Arzt« wie »Patient« haben fremdartig wirkende Augen. Sie sitzen seltsam tief, oft in Nasenhöhe und darunter.

Operateure bei
der Arbeit
Foto: W-J.Langbein
Die »medizinischen Eingriffe«, die vorgenommen werden, passen so ganz und gar nicht in uralte Zeiten. Da werden Herzen transplantiert, Kaiserschnittoperationen ausgeführt, Köpfe geöffnet. Manchmal wird der Ablauf einer komplizierten Operation wie ein Comic in mehreren Keramikensembles dargestellt. Staunend ging ich wiederholt durch Cabreras Geheimkammer und versuchte mir einen Überblick über die zahllosen Artefakte zu verschaffen. Dr. Javier Cabrera Darquea beteuerte stets, dass die Tonfiguren echt seien. Für die Skeptiker sind sie alle plumpe Fälschungen, hergestellt in unermüdlichem Einsatz von einem einzigen Künstler seines Fachs.

Skeptiker trauen dem »Meisterfälscher« sehr viel zu: Neben der kaum zu überblickenden Masse an Keramiken erarbeitete er ein zweites Genre. Er ritzte ganz ähnliche Szenen von Operateuren bei der Arbeit in Stein. Auch hier gibt es, comicstripartig in Etappen dargestellt, komplizierte chirurgische Eingriffe bei Menschen. Auf faustgroßen Steinen findet sich in der Regel nur ein Bild, auf fußball- und medizinballgroßen haben entsprechend mehr Darstellungen Platz. Manche Brocken sind von beachtlicher Größe und erzählen in Bildern ganze Geschichten.

Operationszene in Stein geritzt
Foto: W-J.Langbein
Ich bin davon überzeugt, das Cabrera in seinen beiden Sammlungen echte wie falsche Stücke zusammengetragen hat. Welche Artefakte nun alt und welche modern sind ... diese Frage wurde bis heute nicht beantwortet. Weil mit Nachdruck von Skeptikern in die Welt posauniert wurde, alles in Cabreras Museum sei wertloser Plunder ... wurde erst gar nicht der Versuch unternommen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Angesichts der wirklich kaum zu überblickenden Fülle von Artefakten in Cabreras Sammlungen kommen bei mir Zweifel auf: Wer sollte sich warum so eine gewaltige Arbeit gemacht haben? Cabrera zeigte lange Zeit seine Objekte nicht der Öffentlichkeit. Dann führte er schließlich doch interessierte Besucher durch seine überquellenden Räume ... und forderte zunächst nicht einmal Eintritt. Erst später musste man als Besucher einen kleinen Obolus entrichten.

Ich habe wiederholt Cabreras Sammlungen besucht ... und maße mir nicht an, entscheiden zu können, was echt und was gefälscht ist. Skeptiker indes scheinen dazu in der Lage zu sein, auch ohne sich die Mühe zu machen, vor Ort die umstrittenen Objekte in Augenschein zu nehmen.

Ein kleiner Teil von
Cabreras gravierten
Steinen
Foto: W-J.Langbein
Ich gebe ja zu: Komplizierte Operation vor Jahrtausenden ... das ist starker Tobak. Aber darf man gleich alles, was nicht in unser Bild von der Vergangenheit des Menschen passt ... ungeprüft als »plumpe Fälschung« abtun? Wird hier nicht vorschnell nach dem Motto verfahren »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!«? Woran erkenne ich, ob zum Beispiel die mysteriösen Operationsszenen echt oder falsch ... alt oder neu sind? Ich habe den Eindruck, dass alles, was irgendwie mit Cabreras Sammlungen zusammenhängt ... per definitionem als »gefälscht« abgewertet wird. Wissenschaftlich ist das aber nicht!

Zaghafte Untersuchungen gab es bereits im Sommer des Jahres 1967. Damals analysierte die »Compania Minera Mauricio Hochschild« einige der gravierten Steinen aus der umfangreichen Sammlung von Prof. Cabrera. Der Geologe Dr. Erik Wolf analysierte angeblich Oxydationsschichten, die über den Ritzungen liegen. Die Einritzungen müssten demnach sehr alt sein ... und nicht das Werk moderner Fälscher. Weitere Untersuchungen wissenschaftlicher Art gab es nicht. Man muss nur als Skeptiker ein Artefakt als eindeutig gefälscht bezeichnen und diese Behauptung lautstark verkünden ... schon wagt es kaum jemand, sich mit dem Objekt auseinander zu setzen ...

Diese Keramik ... ist echt
Foto: Reinhard Habeck
Und nun muss ich eine kleine List eingestehen ... Dieses Artefakt hat zwar ganz eindeutig die klassischen Merkmale der Cabrera-Artefakte ... Aber es gehört nicht zu Cabreras Sammlung. Reinhard Habeck fotografierte es im staatlichen »Anthropologischen Museum« von Lima. Das Objekt, so Kollege Habeck, dokumentiert ein gebeugtes Wesen bei einer Operation.

Und das bestätigt für mich Professor Cabrera: Ein anerkanntes Museum zeigt ein mysteriöses Objekt mit einem Motiv, das in mehr oder minder identischer Form zigmal bei Cabrera zu finden war.

Mit großer Sorge beobachte ich die Entwicklung in Ica, Peru. Was wird aus Prof. Cabreras Sammlungen? Ich habe die Befürchtung, dass die Keramiken bereits verschwunden sind. Werden die gravierten Steine auch bald »entsorgt«?

»Flugzeuge aus Gold«,
Teil 94 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06.11.2011


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