Freitag, 12. August 2011

Inquisition hat viele Gesichter - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Gutgläubige Zeitgenossen vor Abzocke und üblen Geschäftspraktiken zu schützen, das ist ein edles Ziel! So ziemlich jeder ist geneigt, dieser Aussage zuzustimmen. Genau deshalb ist sie ein gutes Deckmäntelchen zur Verwirklichung ganz anderer Absichten, wie man dieser Tage am Beispiel der bundesweit bekannten Hamburger Sekten-Expertin Ursula Caberta sehen kann. Ganz unbefangen bedient sie sich einiger prominenter Namen, die sie auf Biegen und Brechen in ihrem neuen »Schwarzbuch Esoterik« durch den Dreck zieht. Ob Nena, Hape Kerkeling oder Jürgen Fliege: Ursula Caberta hat das Prinzip des Co-Brandings verstanden, der Kunst, eigene Produkte mit prominenten Namen verkaufssteigernd zu verknüpfen. Dagegen wäre erst einmal nichts zu sagen, wenn sie nicht mit aller Gewalt versuchen würde, die Betreffenden in ein schräges Licht zu zerren.

In einem Interview auf SZ Online wird Nena folgendermaßen zitiert:
»Ich bin ein Osho-Fan. Vor zwei, drei Jahren hab ich ihn für mich entdeckt. Ich lese sehr gerne seine Bücher und finde mich dort wieder.«

Osho:
Kreativität
Für Frau Caberta ist das ein Grund, Nena als »wunderbaren Aufhänger für die gesamte käufliche Spiritualitätsbranche« zu diffamieren. Geht’s noch? Muss sich ein Mensch jetzt schon rechtfertigen für das, was er liest? Treten die No-Go-Listen von Frau Caberta somit an die Stelle des früher so bedeutsamen päpstlichen Indexes, der den Gläubigen klarmachte, welche Lektüre für einen Christenmenschen angemessen ist? Ich für meinen Teil oute mich ebenfalls als begeisterte Leserin einiger Bücher von Osho. Macht mich das in Frau Cabertas Augen verdächtig? - Ich nehme mal an: Ja. Aber damit kann ich gut leben.

Hape Kerkeling, als prominenter Pilger auf dem Jakobsweg eigentlich im Sinne des wahren Christentums unverdächtig, beging die Unvorsichtigkeit, sich selbst als »Buddhist mit christlichem Überbau« zu bezeichnen. Eine Aussage, die »viele neue Opfer in der esoterischen Welt produziert«, nach Meinung von Frau Caberta, und die die mindestens 230 Mio Buddhisten auf der Welt erfreuen dürfte.

Ursula Caberta:
Schwarzbuch
Esoterik
Dass Pfarrer Jürgen Fliege inzwischen ein eigenes Weihwasser namens »Fliege Essenz« über seine Homepage vertreibt, unterscheidet sich in der Vorgehensweise nicht wesentlich von der der christlichen Kirchen. Warum das eine unverdächtig, das andere aber fragwürdige Esoterik sein soll, erschließt sich mir in keiner Weise.

Menschen vom Schlage Ursula Cabertas würden gerne den Rest der Menschheit entmündigen und ihnen die Fähigkeit und das Recht absprechen, ihren eigenen Weg zu wählen. Schützenhilfe in Sachen Pfarrer Fliege bekommt sie dabei, o Wunder, von den EKD (Evangelische Landeskirchen Deutschlands). Pastor Ulrich Rüß wird von den Deutsch-Türkischen Nachrichten folgendermaßen zitiert:
»Das Pastorenamt ist mit Esoterik und Esoterik-Business unvereinbar.«

Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frau Caberta zwecks Ausschaltung missliebiger Konkurrenz vorgeschickt wurde. Von wem? - Nun ja …

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