Sonntag, 7. August 2011

81 »Die Heilige Geistin und Maria Magdalena«

Teil 81 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Abraham deutet auf die Dreifaltigkeit
Foto: W-J.Langbein
Einige Stunden verbrachte ich kurz vor Weihnachten in der St. Jakobus-Kirche von Urschalling. Mich stimmten die zum Teil starken Beschädigungen der uralten religiösen Gemälde traurig. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass missliebige Darstellungen bewusst beschädigt und zum Teil unkenntlich gemacht wurden. Im wehrhaften Gotteshaus scheint die Zeit seit Jahrhunderten stehengeblieben zu sein.

Die immer noch üppigen Reste der Wandmalereien zogen mich in ihren Bann. Ich versuchte, die farbenfrohen Gemälde unvoreingenommen, ja mit den Augen eines »Heiden« zu sehen... und ich wurde fündig! Ich entdeckte die »Heilige Geistin« und Maria Magdalena beim letzten Abendmahl Christi ... wieder einmal!

Kaiser Konstantin fürchtete zu Beginn des vierten nachchristlichen Jahrhunderts um die Stabilität in seinem Imperium. Ein einheitlicher Glaube sollte das Volk einen. Kaiser Konstantin entschied sich für das Christentum und ordnete anno 325 das »Erste Konzil von Nicäa« an. Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis sollte jegliche christlich-religiöse Meinungsverschiedenheit schon im Keim ersticken. 318 Bischöfe einigten sich nach hitzigsten Diskussionen auf das »Glaubensbekenntnis«. Es wurde der Glaube durchgesetzt, dass Jesus wie Gott Vater »wahrer Gott« sei. Auf einen »Heiligen Geist« oder gar auf die »Heilige Dreifaltigkeit« wird in keiner Silbe eingegangen (1). Erst gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurde der »Heilige Geist« als fester Bestandteil in die Bibel aufgenommen.

Abraham und die Dreifaltigkeit
Foto: W-J.Langbein
In der Bibel gibt es aber keinen einzigen wirklichen Hinweis auf die »Heilige Trinität«. Selbst der fast schon fundamentalistische Theologe M.R.DeHaan muss in seinem Werk »508 Answers to Bible Questions« (ohne Ortsangabe 1982) zugeben: »Es gibt nicht einen Vers in der Bibel, der aussagt, dass Gott eine Dreifaltigkeit, bestehend aus drei Personen, ist.« Damit vertritt er an den Universitäten keineswegs eine Außenseiterposition, sondern die allgemein akzeptierte wissenschaftliche Lehrmeinung. Auch der Theologe Karl-Heinz Ohlig kommt zum gleichen Ergebnis. 1999 brachte er es in seinem Buch »Ein Gott in drei Personen?« (Mainz 1999) auf den Punkt. Die Lehre von der Dreifaltigkeit »besitzt keinerlei biblische Grundlage«.

Vertreter der Geistlichkeit aber waren schon oft vollkommen anderer Ansicht als die Vertreter einer wissenschaftlichen Theologie ... und sie wurden schon immer fündig, wenn es galt, eine Glaubenswahrheit in den Schriften der Bibel zu entdecken. Angeblich gibt es Hinweise auf die Dreifaltigkeit schon im »Alten Testament«. So wird im »Ersten Buch Mose« (2) beschrieben, dass Abraham von drei Männern besucht wurde. Die Herrn prophezeiten dem verdutzten greisen Abraham, seine Frau werde demnächst ein Kind gebären. Eindeutig ist von drei Männern die Rede (3). Wenn Abraham tatsächlich von der göttlichen Dreifaltigkeit besucht worden sein sollte ... bewirtete dann der greise Mann Gott Vater, Gott Sohn (also Jesus!) und Heiligen Geist?

Die »Heilige
Geistin«
Foto:
W.-J.Langbein
Im Deckengemälde von St. Jakobus zu Urschalling wird jedenfalls behauptet, dass dem Abraham schon die Dreifaltigkeit begegnet ist. Abraham hält in seiner Rechten ein Schriftband. Da heißt es in lateinischer Sprache: »Abraham sieht drei und betet einen an.« Mit der linken Hand deutet Abraham auf die Dreifaltigkeit.... die aber besteht ganz eindeutig aus zwei Männern (Gott Vater und Gott Sohn) und einer Frau. Im sakralen Bildnis von Urschalling ist ganz eindeutig eine »Heilige Geistin« zu sehen!

Unbestreitbar ist das hebräische »Ruach« (»Geist«/ »Hauch« Gottes!) weiblich. Bekanntestes Symbol für den »Heiligen Geist« des »Neuen Testaments« ist... die Taube. So heißt es im »Evangelium nach Markus« (4): »Und alsbald, als er (Jesus) von dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn hernieder fahren.« Im Evangelium nach Matthäus (5) wird die Geschichte von der Taube bestätigt: »Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.«

Eine christliche Erfindung ist die göttliche Taube keineswegs! Eine der ältesten Gottheiten überhaupt ist Ischtar. Ischtar, die höchste weibliche Gottheit, steht für Geburt, Leben, Lust und Leiden ...und Tod. Ihr Symbol : die Taube! Ich behaupte: Aus der einst mächtigen Göttin aus uralten Zeiten wurde der weibliche »Heilige Geist« des »Neuen Testaments«. Im Bildnis von St. Jakobus zu Urschalling lebt Jahrtausende alter Glaube fort!

Nicht erst seit Dan Browns Weltbestseller »Das Sakrileg« faszinieren mich Darstellungen des »letzten Abendmahls« Jesu. Auch in der St. Jakobus-Kirche zu Urschalling gibt es eine Darstellung davon. Auch wenn das Fresko leider allenfalls noch zur Hälfte besteht, ist das Bildnis doch mehr als aufschlussreich. Vor dem kleinen Wandgemälde stehend ... erinnerte ich mich an die Worte des »Evangeliums nach Johannes« (6):

Johannes
schmiegt sich
an die Brust Jesu
Foto:
 W-J.Langbein
»Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebhatte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte.« Kurz darauf wird wiederholt: »Da lehnte er (der Lieblingsjünger) sich an die Brust Jesu ...« Ich betrachtete sorgsam das Abendmahlsfragment von Urschalling. Sofort erkannte ich Jünger Johannes. Jünger Johannes war somit eindeutig identifiziert.
Simple Logik: Da sich Lieblingsjüner Johannes – wie im »Evangelium nach Johannes« beschrieben – an Jesu Brust schmiegt ... kann er nicht gleichzeitig auch noch neben Jesus stehen. Und neben Jesus ist deutlich eine recht feminine Gestalt zu sehen ... bei der es sich definitiv nicht um den jugendlichen Johannes mit weichen Gesichtszügen handeln kann. Wer ist die junge Frau mit langen Haaren, die so mütterlich eine Hand auf Johannes' Schulter legt? Meine Meinung: Maria Magdalena, die Frau, die Jesus nach den verbotenen Evangelien mehr liebte als die männlichen Jünger. Mir erscheint diese Interpretation sehr viel wahrscheinlicher zu sein als die Schultheologie!

Mich fasziniert das »Sakrileg« von Urschalling mehr als die Fiktionen von Dan Brown! Dan Browns »Sakrileg« schlug ein wie eine Bombe, löste wegen »ketzerischer Aussagen« weltweit Proteste aus. Als dann Browns Zig-Millionenseller auch noch verfilmt wurde, heizte das die Diskussion nochmals an.

Wer ist die Frau neben Jesus?
Foto W-J.Langbein
Aber leider wandte sich die Weltöffentlichkeit schon bald wieder anderen Themen zu. Bald schon wurden wieder andere »heiße Eisen« kurzfristig angefasst und schnell wieder fallengelassen. Doch das »Sakrileg« war und bleibt real ... Es geht um Maria Magdalena, die Apostelin der Apostel, die intimste Bekannte Jesu ... vielleicht sogar Jesu Frau!

Neben der offiziellen christlichen Lehre gibt es schon seit fast zwei Jahrtausenden verbotenes Glaubensgut. Ketzer wurden blutig verfolgt, gemartert und getötet. Gab es aber dennoch so etwas wie ein verborgenes Christentum, das Maria Magdalena als Jesu Partnerin anerkannte? Nach Jahrzehnten der intensiven Forschung bin ich davon überzeugt.

Anhänger der verbotenen Lehren lebten gefährlich. Schmuggelten Eingeweihte ihr verbotenes Wissen getarnt in christliche Kunstwerke wie Leonardo da Vincis Abendmahl, das Abendmahl von Kirchbrak und das Abendmahl von Urschalling?


Abendmahl von Urschalling
Foto: Walter-Jörg Langbein
Fußnoten
1: »Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren. Und an den einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, der als einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt aus dem Wesen des Vaters. Gott vom Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt und nicht geschaffen.«
2: 1. Buch Mose Kapitel 18, Verse 1-15
3: ebenda, Kapitel 18, Vers 2
4: Evangelium nach Markus Kapitel 1, Vers 10
5: Evangelium nach Matthäus Kapitel 3, Vers 16
6: Evangelium nach Johannes Kapitel 13, Verse 23-25




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»Engel, Teufel und ein Wal«,
Teil 82 der Serie
»Monstermauern, Mythen und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 14.08.2011


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