Freitag, 29. Juli 2011

Umgang mit Pseudonymen auf Google Plus - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Momentan ist auf dem Blog GoogleWatch eine Diskussion über die Namenspolitik bei Google Plus im Gange. Google ist dazu übergegangen, unter Pseudonym angelegte (Mehrfach)accounts zu löschen, was zu einigem Unmut in Teilen der Internetgemeinde geführt hat. Wie soll man die offenbare Tatsache bewerten, dass die Nutzung von Google Plus weitgehend nur mit RealName möglich sein wird? Ist sie als »Zensur« seitens Google zu betrachten? Oder stellt sie einen guten Schutz dar vor Lug, Trug und Trollerei?

Ich persönlich tendiere zu Antwort zwei. Natürlich: Es gibt Meinungen und Informationen, die man nicht so gerne mit dem eigenen Namen verbunden sehen möchte, die aber dennoch relevant für die Öffentlichkeit sein können. So bedarf es schon einer nicht geringen Zivilcourage, öffentlich unter Klarnamen vor den Machenschaften irgendwelcher Konzerne zu warnen, oder eine politische Meinung zu vertreten. Andererseits sollten Internet-Intensivnutzer sich eines eingestehen: Nur in den seltensten Fällen werden von anonymen Nutzern solche lebenswichtigen Informationen abgesetzt. Betrachten wir einmal, wozu einige Menschen die mögliche Anonymität im Internet bevorzugt nutzen:

  • zum anonymen Schlechtmachen der Person oder der Leistung eines anderen, ohne dass für den Leser verifizierbar ist, ob es sich um eine objektive Meinung, oder aber um eine Rachebewertung handelt. Ein tatsächlich verärgerter Kunde muss keine Scheu haben, zu seiner Meinung unter Klarnamen zu stehen. Gerade für kleine Firmen kann die ein oder andere Racheaktion jedoch schnell existenzbedrohende Züge annehmen. Eine Verantwortung, der sich Google offenbar mehr und mehr bewusst ist.
  • für eindeutige Straftaten: Verbreitung von Kinderpornographie, Computerviren oder Abzockermaschen.
  • zum Aufbau einer virtuellen Zweitexistenz, die dazu dient, unverarbeiteten Frust durch Mobbing an anderen auszulassen.
Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Es existiert kein menschlicher Abgrund, der nicht irgendwo im Netz seinen virtuellen Spiegel fände. Google hat offensichtlich erkannt, dass das Medium Internet auf lange Sicht nur attraktiv bleiben wird, wenn ein normaler User sich darin bewegen kann, ohne an allen Ecken und Enden bedroht, gemobbt oder abgezockt zu werden. Vergessen wir eines nicht: Ein deutscher Webseitenbetreiber wird vom Gesetz gezwungen, seine kompletten Kontaktdaten in einem Impressum offenzulegen. Dabei fragt das Gesetz nicht nach dem eventuell daraus resultierenden Bedrohungspotential. Mit steigender Bedeutung sozialer Netzwerke treten diese teilweise an die Stelle einer eigenen Website. Warum also sollte anonymes Trollen dort geduldet werden, während ein Websitebetreiber auf die Mütze bekommt, wenn er sich weigert, seine Telefonnummer anzugeben? Dies würde (zumindest in Deutschland) eine gravierende Ungleichbehandlung darstellen, die so auf Dauer nicht hingenommen werden kann.

In einem jedenfalls bin ich mir sehr sicher: Es geht Google nicht um die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung. Gerade Google hat sich beispielsweise beim Umsturz in Ägypten als Retter in der Not erwiesen: Nachdem die ägyptischen Behörden den freien Zugang zum Internet gesperrt hatten, war es die Firma Google, die rasch eine Telefonhotline einrichtete und anbot, Nachrichten aus Ägypten im Sinne der Zensierten ohne Namensnennung über Twitter zu verbreiten. Damit hat Google entscheidend zum Gelingen des Umsturzes beigetragen. Offenbar kann man bei Google sehr gut zwischen Recht und Unrecht unterscheiden und hat sich nun daran gemacht, Instrumente zu entwickeln, die das sinnlose Trollwesen zumindest in Grenzen halten.

1 Kommentar:

  1. Liebe Ursula, mit großem Interesse habe ich Deine Kolumne bereits gestern gelesen. Ich teile Deine hier geäußerte Meinung absolut.

    Was spricht dagegen, wenn alle nur mit ihrem tatsächlichen Namen im Internet agieren? Nichts. All die Auswüchse, die wir derzeit hinnehmen müssen, könnten doch auf ganz einfache Weise minimiert werden.

    Wer nichts zu verbergen hat, keine kriminellen Handlungen begehen möchte und nicht rüpeln oder mobben will, kann sich problemlos, mit offenem Visier seinen Mitmenschen zeigen.

    In einer überregionalen Tageszeitung las ich im Zusammenhang mit Mehrfachaccounts den Begriff "Kampfnamen", der deutlich macht, dass hier Personen gewissermaßen in den Krieg ziehen möchten gegen andere User.

    Genau darum geht es. Diesem feigen Heckenschützentum muss man endlich die rote Karte zeigen. Dass Google damit beginnt, zeigt mir nur, dass Google eine Firma ist, die die Zeichen der Zeit erkannt hat. Bravo!

    Beste Grüße Helga

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