Freitag, 1. Juli 2011

»schwarz-rot-Goldig«?: Ich glaub, es hackt! - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Unumwunden gebe ich es zu: Ich bin kein ausgesprochener Fußballfan. Allenfalls bei WM- oder EM-Spielen riskiere ich hin und wieder ein Auge auf die Spiele der deutschen Mannschaft. Was ich aber auf einem zufälligen Streifzug durch das Netz im offiziellen Fanshop des DFB entdeckt habe, das schlägt dem Fass derart den Boden aus, dass ich mich entschlossen habe, heute dennoch über das Thema Fußball zu schreiben.

Im Rahmen der momentan laufenden Weltmeisterschaft (nein, ich schreibe ausdrücklich NICHT: Frauenweltmeisterschaft!) ist dort ein T-Shirt erhältlich, dessen prangender Schriftzug das gesamte Machotum des Fußballsports genial zusammenfasst: Die WM 2011 läuft für die DFB-Verantwortlichen unter dem Motto »schwarz-rot-Goldig« (der sinnlose Mix aus Groß- und Kleinschreibung stammt nicht von mir, sondern ist ein Originalzitat des T-Shirt-Aufdrucks). 

Spiegelt dieser Slogan etwa die innoffiziellen Biertischgespräche aus der Funktionärsebene des DFB wider? – Schließen wir für einen Moment die Augen und stellen wir uns vor, auf welchem Misthaufen solch eine literarische Blume zum Blühen gebracht werden konnte ...

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»schwarz-rot-Goldig« - So oder ähnlich könnte es gewesen sein
Vor mir sehe ich einen Stehtisch. Drei Herren mit gut gezapften Pils-Bieren in der Hand stecken die Köpfe zusammen und unterhalten sich. Nennen wir sie der Einfachheit halber Funktionär 1, Funktionär 2 und Funktionär 3.

Funktionär 1:
»Alles in allem ist Frauenfußball ein Ärgernis! Aber was sollen wir machen? Die Weiber geben einfach keine Ruhe, wenn sie mal bei was nicht mitmachen dürfen!«

Funktionär 2, der soeben noch eine Ansprache zum Thema »Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung des Frauenfußballs« gehalten hat, nickt:
»Du hast absolut recht! Aber wir müssen uns nach der Decke strecken. Auch wenn das lächerlich ist, wie die Weiber dem Ball hinterher hecheln. Im richtigen Fußball wäre das noch nicht einmal Kreisklasse. Unser schöner Sport ist zur Beute des Gender-Mainstreaming verkommen!«

Funktionär 3 stichelt:
»Das klang in deiner Rede vorhin aber anders, vor der versammelten Presse. Da hätteste mal den Mund aufmachen sollen. Haben die Weiber dich schon so kastriert, dass du dich nicht mehr traust?«

Funktionär 2 wird wütend:
»Du hast dich ja auch nicht gerade darin hervorgetan, unseren Sport vor solchen Umtrieben zu schützen. Es ist zu spät, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Lassen wir es also über uns ergehen und freuen wir uns auf die richtige WM 2014.«

Funktionär 1 versucht immerhin, der Sache etwas Gutes abzugewinnen:
»Ihr müsst aber zugeben, dass es schon einen gewissen Unterhaltungswert hat, wenn Frauen sich als Männer aufspielen. Habt ihr den Kopfball gesehen, im letzten Spiel, in der 37. Minute? Richtig goldig war der, irgendwie.«

»Goldig! Ja, das trifft’s«, stimmen die Gesprächspartner zu und grinsen. »Aber für jemanden, der ein DFB-Shirt trägt, war das schon eine weibische Angelegenheit«, fügt Funktionär 3 hinzu.

»Draufschreiben sollte man das, dann wäre die Sache entschärft!«, Funktionär 2 nickt grimmig. »›schwarz-rot-Goldig‹, das trifft genau den Punkt.«

Funktionär 1 winkt nach der Kellnerin, bestellt noch eine Runde und schlägt der eilfertig Davonhuschenden jovial auf das Hinterteil.
»Die ganze Veranstaltung ist eine Satire auf den echten Fußball. Da passt der Slogan exakt. Also, Abstimmung: Wer ist dafür, die offiziellen Fan-Shirts mit dem Spruch ›schwarz-rot-Goldig‹ zu versehen?«

Noch ehe die nächste Runde serviert wird, ist man sich einig geworden.
»Wehren können wir uns nicht mehr gegen die Weiber-WM. Aber wir können klarstellen, auf welchen Platz die Tittenmonster gehören!«, fasst Funktionär 2 die Sachlage zusammen.

Klinken wir uns an dieser Stelle aus der (rein fiktiven) Unterhaltung aus, denn was jetzt folgt, gehört eher in die Abteilung ›unappetitliches Steinzeitgedöns‹. Dass Funktionär 1 die Spielerin XY ja ganz gerne mal richtig durchgev****t hätte, wenn die nicht Waden wie Beckenbauer hätte und wahrscheinlich sowieso lesbisch wäre, das möchten Sie nicht wirklich erfahren, oder? Aber warum Spielerin XY womöglich tatsächlich lesbisch ist, das versteht man inzwischen immer besser, nicht wahr …?

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