Freitag, 22. Juli 2011

Entpersönlichte Nahrungsmittel - Die Freitagskolumne von Ursula Prem

Ursula Prem
Sendungen wie »Bauer sucht Frau« führen es der Nation deutlich vor Augen: Gerade die Angehörigen einer der wichtigsten Berufsgruppen überhaupt: die Erzeuger unserer Nahrungsmittel, stehen mit am unteren Ende unserer sozialen Hackordnung. Vorgeführt werden sie gerne als liebenswerte, einfach gestrickte Loser, deren einzige Chance auf Partnerschaft in einem bundesweit ausgestrahlten Hilfeschrei besteht. Kein Wunder, dass mehr und mehr Höfe verwaisen und immer weniger Menschen sich für den Beruf des Bauern begeistern können.

An die Stelle des Bauernhofes ist nach und nach die industrielle Nahrungsmittelproduktion getreten: Intensivtierhaltung in fabrikartigen Betrieben unter fortwährender Optimierung sämtlicher Herstellungsprozesse und Missachtung der Grundbedürfnisse der »Produktionseinheit Tier«. Anbau von Nahrungspflanzen auf riesigen Plantagen, unter Einsatz saisonaler Arbeitskräfte.

Klar, dass solche Großerzeuger an Großabnehmer verkaufen müssen, um den Vertrieb sicher und effizient zu gestalten: Setzte ein Bauer früher sein Getreide ohne lange Transportwege beim örtlichen Bäcker ab, so landet die Ernte heute in den anonymen Verteilungskanälen der EU und wird hauptsächlich von industriellen Nahrungsmittelverarbeitern in großem Stil aufgekauft.

Hier geht der Entpersönlichungsprozess der Nahrungsmittel weiter: Das Getreide wird zu genormten Backmischungen verarbeitet, aus denen die Bäcker ihr Brot backen. Noch Fragen, warum Brot heute fast überall gleich schmeckt? Oder Fragen, welcher Art die Backtriebmittel oder Konservierungsstoffe eigentlich sind, die dafür sorgen, dass jedes Brot gleich aussieht und jeder Sack Backmischung auch die längsten Reisen unbeschadet übersteht?

Das bürokratische Monstrum namens EU hat uns ein höchst unübersichtliches Lebensmittelrecht beschert: einerseits überreguliert bis zum Irrsinn, an entscheidenden Punkten jedoch offensichtlich durch Lobbyarbeit unterhöhlt. Was, so fragt sich jeder, der bei klarem Verstand ist, haben Stoffe wie beispielsweise Glutamat in unserer Nahrung zu suchen? Längst hat der Einzelne den Überblick verloren, was er nun eigentlich genau zu sich nimmt. Eine Folge des oben beschriebenen Entpersönlichungsprozesses unserer Nahrungsmittel, der in den heißen Zeiten der EG nicht schnell genug vorangetrieben werden konnte. Jetzt stehen wir also in unseren vollen Supermärkten, und wir fragen uns, was von all dem Überfluss eigentlich folgenlos essbar ist.

Doch auch in diesem Dilemma weiß die Politik selbstverständlich Rat: Das neue Portal http://www.lebensmittelklarheit.de/ nimmt sich unserer an und hilft den armen Verbrauchern gegen die Umtriebe der bösen, bösen Lebensmittelindustrie. Dass es ebenfalls die Politik war, deren halbherzige Regelungen den Einsatz zweifelhafter Stoffe zur menschlichen Ernährung erst möglich gemacht haben, verschweigt man lieber, weckt es doch ungute Erinnerungen beim Wähler. Dass der Server von lebensmittelklarheit.de bereits am Eröffnungstag zeitweise unter dem Besucheransturm zusammengebrochen ist, zeigt deutlich, wie orientierungslos die Menschen inzwischen beim Thema Ernährung sind.


Dabei könnte alles so einfach sein ...

Klarheit beim Thema Lebensmittel bekommen wir nur, wenn wir die Nahrung auf ihre Ursprünge zurückführen. Warum etwas kaufen, dessen Inhaltsstoffe man weder aussprechen noch verdauen kann? Warum nicht zu einfachen Dingen greifen?: Grundnahrungsmittel, möglichst ohne Zusatzstoffe, die sich zuhause leicht in richtiges Essen verwandeln lassen? Und wenn wir schon wissen, dass Zucker in großen Mengen uns krank macht: Warum das überzuckerte Fertigzeugs nicht einfach stehen lassen? Diese Eigenentscheidungen sollten wir nicht an die Politik delegieren, und auch nicht an die Mediziner, die uns hinterher gesund machen sollen …


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