Sonntag, 8. Januar 2012

103 »2012 und der Aufbruch ins All«

»2012 und der Aufbruch ins All I«
Teil 103 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Die Straße der Toten von
der Mondpyramide aus
Foto: W-J.Langbein
»Die Straße der Toten« kann man von Mexiko City aus bequem und zu einem vernünftigen Preis per Taxi erreichen. Es empfiehlt sich, vor Antritt der Fahrt einen Festpreis auszuhandeln. Zu geizig sollte man dabei auch nicht sein, sonst stachelt man den Fahrer womöglich dazu an, einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen. Ich jedenfalls zahlte bei der einen oder anderen Fahrt in wahrhaft höllischem Tempo unterwegs dem Fahrer lieber nochmal zehn US-Dollar zusätzlich zum vereinbarten Preis, um die Geschwindigkeit auf ein erträgliches Maß zu senken.

Die »Straße der Toten«– etwa vier Kilometer lang – führt, an unzähligen Tempeln und sonstigen Gebäuden vorbei ... direkt auf die riesige Mondpyramide zu. Wer die staubige Straße zu Fuß zurückgelegt, die Mondpyramide erklommen hat, lässt sich gern außer Atem auf die oberste Treppenstufe sinken ... und sieht die sakrale Stadt Teotihuacán zu seinen Füßen liegen ... das heißt die spärlichen Überreste der einstmals stolzen Metropole.

Bernardino de Sahagún (1499-1590) erklärt den Namen so: »Sie nannten den Ort Teotihuacán, weil er der Begräbnisplatz der Könige war, und die Alten sagen von ihnen, wer gestorben ist, ist zum Gott geworden. Wenn man sagte, dass er nun Teotl (Gott) sei, dann heißt das soviel wie, er ist schon tot. Deshalb nannten sie den Ort Teotihuacán, der Ort, an dem die Menschen zu Göttern wurden.«

Tempel der gefiederten Schlange
Foto: W-J.Langbein
Für die Azteken, die die uralte Stadt als Ruine von einem unbekannten Volk übernahmen, war Teotihuacán der heilige Ort schlechthin. Und so wundert es nicht, dass in Teotihuacán einem der großen Weltenschöpfer ein eigener Tempel geweiht war: dem Quetzalcoatl, der bei den Mayas Kukulkan hieß. Die Azteken verehrten ihn als großen Weltenbaumeister der zweiten Zeitepoche unseres Globus.

Für die Azteken war es mehr als tragisch, dass Hermann Cortes und seine plündernden Eroberer anno 1510 auftauchten ... just in jenem Jahr, in dem die Azteken die Wiederkehr Quetzalcoatls erwarteten. Angeblich konnten die zahlenmäßig weit unterlegenen Spanier die Azteken besiegen, weil die Azteken einem Gott keinen Widerstand zu leisten wagten. Als sie erkannten, dass Cortes, Anführer einer mordlustigen Bande, alles andere als göttlich war ... da war es längst zu spät!

Die Spanier waren als Vertreter der europäischen »Zivilisation« auf Gold und Silber aus. Sie folterten auf grausamste Weise unzählige Ureinwohner, um ihnen Hinweise auf versteckte Schätze zu entlocken. Die vermeintlichen »Primitiven« waren von der Goldgier der Spanier irritiert und abgestoßen. Die wirklich »Primitiven« waren nicht Azteken und Mayas ... sondern die Spanier!

Schlangen am Tempel
des Quetzalcoatl
Foto: W-J.Langbein
Ich habe manches Mal das mysteriöse Bauwerk umrundet und so manche göttliche Schlange aus Stein fotografiert. Mir imponierte das Quetzalcoatl-Bauwerk sehr. Ein winziges Loch im Quetzalcoatl-Tempel lockte mich an. Ich überwand eine provisorisch errichtete Absperrung. Kurz konnte ich den Eingang des niedrigen und engen Korridors untersuchen. Mein Eindruck: Es handelte sich nicht um einen nachträglich in das steinerne Bauwerk getriebenen Tunnel, sondern um einen von Anfang an geplanten Gang.

Glatt polierte Platten bildeten seine Decke. Für Sekunden tastete sich der Strahlenfinger meiner kleinen, zu schwachen Taschenlampe in die Schwärze ... der Tunnel verlor sich in der Finsternis. Wohin mag er führen? In der Literatur habe ich bislang vergeblich nach einer Antwort auf diese Frage gesucht! Bevor ich auch nur versuchen konnte, mich durch den eher für größere Hunde geeigneten Eingang zu quetschen ... wurde ich auch schon entdeckt und vertrieben. Im Gehen drehte ich mich rasch um und schoss ein eher bescheidenes Foto vom mysteriösen Eingang. Ich sah eine Spinne von beachtlichen Ausmaßen im steinernen Schlund verschwinden. Gern wäre ich ihr gefolgt ...

Teotihuacan Quetzalcoatl
Foto: Walter-Jörg Langbein
Kehren wir in die Welt der Azteken und ihrer Mythen zurück ... In Teotihuacán sollen nach der Apokalypse am Ende der vierten Epoche Sonne und Mond »wieder hergestellt« worden sein. So wurde die undurchdringliche Finsternis verdrängt, es wurde wieder Tag ... Und so begann – nach Überzeugung der Azteken – die fünfte und letzte Epoche der irdischen Geschichte ... in der auch wir leben!

Sind das dumme, bestenfalls naive Vorstellungen? Was ist davon zu halten, dass in der Mythologie der Azteken auf die Apokalypse am Ende der »vierten Welt« eine Zeit der Nacht folgte? Was ist davon zu halten, dass die fünfte Welt erst erstehen konnte, als die Finsternis vertrieben worden war?

Viele Jahre studierte ich die Überlieferungen der Azteken. Obwohl die uralten Codices fast planmäßig vernichtet wurden, als die Spanier das Land ausbeuteten und die Menschen metzelten... gab es einige wenige Unermüdliche, die die Überlieferungen der Azteken so getreulich wie möglich schriftlich festhielten. Diesen wackeren Menschen, Soldaten und Geistlichen, ist es zu verdanken, dass die Historie der Azteken nicht gänzlich gelöscht worden ist.


Ausschnitt aus einem
Azteken-Codex
Foto: W-J.Langbein

Ich las in wissenschaftlichen Publikationen die Übersetzungen von Azteken-Kodices ... Ich kämpfte mich durch ermüdende Litaneien, rang mit für uns Europäer unaussprechlichen Namen. Und immer wieder ließ ich mir vor Ort die alten Sagen erzählen ... in Mexiko City, in kleinen Dörfern.

Es war zum Verzweifeln: eine schier unüberbrückbare Zahl von Göttinnen und Göttern waren in einem riesigen Pantheon angesiedelt und in komplexe Geschichten verwickelt. Vergeblich versuchte ich, so etwas wie historische Wahrheit aus dem unüberschaubaren Konglomerat herauszufiltern ... bis ich begriff, dass es um Grundsätzliches geht: um den Ablauf der Weltgeschichte in Zyklen, um sich periodisch wiederholende Katastrophen, um die endgültige Apokalypse auf Erden ... und den Aufbruch ins All!

Auch wenn wir es gern verdrängen ... das Leben auf unserer Erde stand wiederholt kurz vor der Ausrottung. Immer wieder überlebte die Menschheit nur knapp, so wie es die Mythologie der Azteken beschreibt. Immer wieder gab es gewaltige Kataklysmen ... und die Spuren solcher »Apokalypsen« sind viele Ewigkeiten nach den dramatischen Ereignissen immer noch zu erkennen... am besten aus dem All!

Der Toba-See aus dem All
Foto: NASA
Dank unserer Satellitentechnologie ist es uns möglich, unseren Planeten vom Weltall zu beobachten. Wir erkennen ihn als kleinen, verlorenen Ball in der Unendlichkeit des Alls. Und wir sehen die schlimmen Wunden, die immer wieder unserer Erde gerissen wurden. Wir sollten nicht über märchenhafte Überlieferungen der Azteken lächeln: Sie überliefern ein wahres, globales Bild. Man muss nur die Grundaussagen aus dem Wust von Überlieferungen herausfiltern ... dann erkennt man die erschreckende Wahrheit!

Wir müssen die Botschaft der Azteken wie der Mayas verstehen. Wir müssen die Narben der Erde lesen lernen, zum Beispiel den Toba-See von Sumatra. Nur dann haben wir eine Chance. Das Leben auf der Erde entging nur knapp immer wieder der vollständigen Vernichtung. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es zur finalen Apokalypse kommen wird. Werden wir darauf vorbereitet sein?

Unsere jetzige Welt aber wird, so sagen es die Azteken, vollständig verwüstet ... alles Leben wird ausgelöscht werden. Will die Menschheit überleben, wird ihr nur die Flucht ins All bleiben!

Lesen Sie jetzt das spannende Buch zum Thema:
von Walter-Jörg Langbein

»2012 und der Aufbruch ins All II«
Teil 104 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15.01.2012

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